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Dienstag, 2. März 2010

DNA-Datenbanken sind keine Utopie

Wenn es um das Sammeln von Daten geht, dann gehen die meisten davon aus, dass sie zumindest erfahren und manchmal auch pro forma gefragt werden, welche Daten gesammelt werden. Manchmal darf sogar bestimmt werden, ob die Weitergabe oder Speicherung überhaupt gewünscht ist. Manchmal - so wie jetzt gerade im Falle der Vorratsdatenspeicherung im Bereich Telekommunikation - entscheiden die Gerichte auch, dass eine solche Speicherung pauschal verboten ist. Sofern es sich "nur" um Werbung handelt, gibt es den einen oder anderen Weg, seine Daten wieder einzufangen und die Nutzung zumindest einzugrenzen und die Weitergabe zu verhindern - zugegeben: Einfach ist das nicht.

Aber was ist bei staatlichen Stellen? Klar, das Einwohnermeldeamt braucht eine Menge Informationen über seine Bürger. Auch das Finanzamt hat ein berechtigtes Interesse an vielen Informationen. Aber brauchen beide Behörden denselben Datenumfang? Eher nicht. Das Einwohnermeldeamt geht wohl weniger an, was ich verdiene und das Finanzamt geht es meiner Meinung nach nichts an, welcher Glaubensgemeinschaft ich angehöre. Zwar kann nicht verhindert werden, dass der Staat an verschiedenen Stellen ein reichlich komplettes Datenprofil über seine Bürger anlegt, aber es wird zumindest verhindert, dass alle diese Daten unkontrolliert zusammengeführt werden.

Zumindest wird uns das erzählt. Die Texas Tribune berichtet, dass sie nach Auswertung von neun Jahren Emailkorrespondenz und interner Dokumente des Department of State Healt Services (DSHS) nachweisen kann, dass Neugeborenen nach der Geburt entnommenes Blut ungefragt einem Labor der Streitkräfte übersandt wurde. Offiziell hieß es, dass hier Untersuchungen zu Kindersterblichkeit und Erbkrankheiten durchgeführt würden. Tatsächlich wurden hier wohl unter anderem auch solche Untersuchungen durchgeführt, die DNA und die damit verbunden Daten wurden nach der Untersuchung jedoch nicht etwa anonymisiert oder vernichtet, sondern katalogisiert und gespeichert. Ohne Verfallsdatum.

Aus den der Texas Tribune vorliegenden Informationen geht hervor, dass hier geplant ist, zunächst eine nationale und später auch eine internationale DNA-Datenbank zu errichten, in der die Erbinformationen aller Menschen gespeichert werden sollen. Heimlich und ohne Wissen der Betroffenen.

Die Behörden erhielten so im Schnitt 800.000 DNA-Proben pro Jahr und konnten eine umfangreiche Datenbank aufbauen. Das DSHS räumt ein, dass man zwar bemüht sei, die gewonnenen Daten für Forschungszwecke zu verwenden, aber eine exklusive Nutzung für ausschließlich diesen Zweck sei nicht vorgesehen. Mit anderen Worten: Wer an die Daten heran will, der bekommt sie auch. Und wenn die entsprechende Behörde freundlich anfragte, dann hat das DSHS auch nach Kräften mitgeholfen. Die Anfrage brauchte bloß behaupten, es ginge um eine "verschwundene" Person...

Inzwischen wurde per Gerichtsurteil verfügt, dass die Behörden mehrere Millionen dieser DNA-Proben vernichten müssen und die Behörde sieht sich zu Unrecht bestraft:
"Our understanding of mtDNA is that it's not used to pinpoint exactly who a person is, but can help determine origins." "Our intentions were good ones."

Sprecherin des DSHS Texas, Carrie Williams
Der aus den vorliegenden Informationen ersichtliche Hinweis, dass es dem Labor des Militärs um den langfristigen Aufbau einer internationalen Datenbank geht, lässt aus der Erfahrung der Vergangenheit vermuten, dass die die Behörden in den USA nicht alleine und ohne Absprache mit anderen handeln. Man denke nur an das SWIFT-Abkommen und die Weitergabe der Daten von Reisenden mit dem Flugzeug. Auch in Deutschland wird das Blut von Neugeborenen automatisch untersucht und wer weiß schon so genau, was mit diesen Proben hierzulande so alles geschieht?

Dienstag, 9. Februar 2010

Nützlicher Link

Mit einem Bekannten hatte ich gerade eine interessante Unterhaltung über das Thema "soziale Netzwerke als Datenkraken". Da das Thema zur Zeit an vielen Stellen hinreichend zu Tode debattiert wird, erspare ich es mir und Euch, meinen Senf dazu abzugeben: Wirklich neue Erkenntnisse oder Gedanken habe ich der Diskussion auch nicht beizusteuern.

Mein Bekannter machte mich während unserer Unterhaltung auf einen Link aufmerksam, den ich für ziemlich nützlich und sinnvoll halte und der auch Euch vielleicht interessiert:


Hinter diesem Link ist die Facebook-Seite "Von Datenbank entfernen" (sic) zu finden, über die man als Nichtnutzer dieses Netzwerkes der Speicherung seiner Daten untersagen kann. Wer eingetragener Nutzer ist und sich vielleicht doch nicht so besonders wohl bei dem Gedanken fühlt, was genau Facebook wohl alles mit seinen Daten treibt, der kann über einen weiter oben auf jener Seite zu findenden Link seinen Account löschen (lassen), muss darauf aber 14 Tage warten.

Dienstag, 15. Juli 2008

Pauschalverdacht

Viele Deutsche hoffen oder glauben, dass die USA sich langsam wieder beruhigt hätten und man zusammen insgesamt wieder "besseren" Zeiten entgegegn geht. Die Paranoia sitzt allerdings tief in den USA:

Ungefähr 1.000.000 Menschen gelten in den USA offiziell als "Terrorverdächtige". Rund 20.000 kommen Monat für Monat hinzu. Wer auf dieser Liste steht, hat erhebliche Probleme, sobald er entweder in die USA einreisen will oder irgendwie mit den USA zu tun hat. Menschen, die auf dieser Liste stehen, dürfen von US-Behörden mit umfangreichen Repressalien überzogen werden. Zu den "normalen" Maßnahmen gehört zum Beispiel das Ein- bzw. Ausreiseverbot und das Sperren der Bankkonten.

Normalerweise erfahren die Betroffenen nicht, dass sie auf diese Liste gesetzt wurden und werden auch nicht angehört. Wer auf diese Liste gesetzt wird, entscheidet die CIA nach eigenem Ermessen, das genaue Prozedere dazu ist jedoch unklar. Immer wieder werden Fälle von völlig Unschuldigen bekannt, deren Namen plötzlich auf der Liste erscheinen - nicht selten geht deren Leben unmittelbar danach den Bach runter. Nicht selten beschäftigt das wiederum hinterher die Gerichte, allerdings mit wenig Erfolg.

Die US-Administration sieht sich nicht in der Verantwortung: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, landet schließlich nicht auf der Liste und bedauerliche Einzelfälle sind kein Argument gegen diese Liste als Ganzes. In welch illusterem Kreise man sich auf dieser Liste befindet zeigt die Tatsache, dass der Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela zum Beispiel erst im Februar 2008 von der Liste gestrichen wurde und dafür wiederum erst ein eigenes Gesetz geschaffen werden musste.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollte die Nachricht, dass der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Barack Obama, die Tage bekannt gab, dass er weitere 10.000 US-Soldaten in Afghanistan für "unbedingt notwendig" halte, die Hoffnung auf ein "freundlicheres Amerika" ein wenig abkühlen.

(Quelle: n-tv, Tagesschau, dpa, AFP)

Dienstag, 16. Oktober 2007

Datenhandel

SpyHierzulande ist es für viele eine Frage von Leben und Tod, wie mit den privaten Informationen umgegangen wird. Besonders die Frage, wer welche Daten sammeln darf, ist bei uns recht hart umkämpft. In den USA sieht man das alles sehr viel entspannter und nicht wenige US-Amerikaner sind einigermaßen verblüfft darüber, mit welcher Verbissenheit wir unsere sogenannte "Privatsphäre" verteidigen.

Der zweitgrößte US-amerikanische Netzwerkbetreiber für Handys und Mobilfunk, Verizon Wireless, ein Ableger von Vodafone (Vodafone Group gehören 45% der Aktien), macht deutlich, wie sehr unsere Vorstellung von "Privatsphäre" und "Datenschutz" von der Vorstellung amerikanischer Unternehmen abweicht. Die Firma verschickte einen Brief an ihre Kunden, in dem die Firma darauf hinweist, dass sie alle Informationen darüber, wie oft wir welche Nummer wie lange angerufen haben an sogenannte "authorized companies" verkaufen wird, wenn der Kunde nicht innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt des Schreibens widerspricht (Opt Out).

"Authorized companies"? Wird in dem Schreiben erklärt:
"Our affiliates, agents and parent companies (including Vodafone) and their subsidiaries."
Ich wüsste so aus dem Stand jetzt nicht, wer nicht mit dieser Beschreibung abgedeckt ist. Besonders "agents" kann wohl so ziemlich jeder sein, der direkt oder indirekt mit Vodafone/Verizon zusammenarbeitet. Noch nicht erschreckend genug? Kein Problem. Auf Seite 8 des Briefes verkündet die Firma voller Stolz:
"we may include our own or third-party advertising in the services you’ve purchased from us, and we may share information about you with affiliates, vendors and third parties to (...) deliver relevant advertising to you while using the services. We may collect and transmit information regarding your use of the services through applications or other software present on your device. If you do not want us to collect, transmit or use such information about you for the above purposes, you should not use the services; by using the services, you expressly authorize us to use your information for these purposes."
Mit anderen Worten: Wer Dienstleistungen oder Infrastruktur von Verizon Wireless benutzt, stimmt nicht nur zu, dass im Prinzip alle Daten nahezu beliebig weiterverkauft werden dürfen, sondern stimmt auch zu, sich auf sein Handy beliebige Werbung ballern zu lassen - und dafür auch noch zu bezahlen. Die Zustimmung dazu gibt man als Kunde schon durch die Benutzung der Geräte und Infrastruktur der Firma.

Bis hier kann man ja sagen: "Ok, aber was ist das Problem? Man kann ja sagen, dass man das nicht will" (Opt Out). Nun aber kommt der Haken. Der Brief, den Verizon verschickt hat, besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist die Information darüber, was Verizon mit den Daten vor hat und die Information, dass der Kunde dem Widersprechen kann. der zweite Teil des Briefes ist ein neuer Vertrag, dem man zustimmen muss, wenn der Kunde die Dienstleistungen der Firma nutzt, nachdem am bestehenden Vertrag irgendetwas geändert wurde. Der verpflichtend zu unterschreibende neue Vertrag erlaubt es Verizon Wireless offensichtlich, mit den Daten umzugehen, wie oben beschrieben...

Wo hab ich noch gleich meinen Handyvertrag hingelegt?

Samstag, 8. September 2007

Ich hab da mal ne Frage.

DenkmalEs beruhigt mich immer wieder, dass ich mich noch wundern kann. Meine Fähigkeit, mich über meine Umwelt zu wundern, ist für mich so etwas wie eine Pegelmarke für den allgemeinen Wahnsinn und meine geistige Gesundheit. Viele Dinge, über die ich mich wundere, finden ihren Weg hierher. Viele, aber nicht alle. Inzwischen ist zum Beispiel der Anteil des technischen Schwachsinns zugunsten der politischen Themen zurückgegangen, aber das muss ja nicht so bleiben, nur wiederholt sich der Blödsinn mit dem Firmen zur Zeit versuchen Geld zu machen zur Zeit doch sehr stark, während sich im Zusammenhang mit der Politik der Unfug scheinbar galoppierend ausbreitet.

Was mich dabei in maßloses Staunen versetzt, ist nicht so sehr die Tatsache, dass Politiker gnadenlos den scheinbar allergrößten Schwachsinn von sich geben. Mich erstaunt auch nicht so sehr, dass vieles von dem Unfug in der großen und der kleinen Politik scheinbar völlig unbemerkt passiert. Was mich vielleicht viel zu oft wirklich sprachlos macht (darum ist so wenig davon zu lesen), sind die wenigen Reaktionen auf politische Themen, zu denen manche Menschen so ihre Meinungen öffentlich loslassen und wie weit sich diese manchmal außerhalb meiner Vorstellungskraft bewegen.

Nur ein Beispiel: Der gerade eben 17jährige M. macht Urlaub. Er lernt er die fast 14jährige C. kennen und es geschieht, was bei Jugendlichen in diesem Alter heutzutage nicht unüblich ist: Sie kommen sich näher, wollen ihre Sexualität erfahren. Irgendwie kommt es aber nicht so, wie in der "perfekten Romanze", sondern sie klemmt ab, er ist gefrustet, sie bekommt Panik, rennt zu Mama. Ab hier wird es interessant, denn die Mutter hat keine bessere Idee mit dem Problem umzugehen, als den Jungen anzuzeigen. Ich mein klar, was liegt bei solchen Dingen auch näher als erstmal zur Polizei zu rennen?

All das wäre weitgehend uninteressant, wenn nicht das Mädchen eine Engländerin, der Junge ein Deutscher und der Ort des Geschehens ein international prominenter Urlaubsort in der Türkei gewesen wäre. Dort (in der Türkei) nimmt man Vorwürfe der Vergewaltigung minderjähriger Mädchen, besonders durch Ausländer, ziemlich ernst. Und so wurde M. verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, weil deren Rechtssystem das so vorsieht.

JustiziaUnd hier? Nachdem der Junge jetzt schon etliche Wochen im Knast sitzt, wird hierzulande am Stammtisch pauschal die Unschuld des Jugendlichen unterstellt. Zwar hat keiner der studierten Juristen aus der Eckkneipe auch nur annähernd einen Schimmer vom Rechts- geschweige denn vom Justizsystem der Türkei, keiner war dabei, keiner hatte Akteneinsicht, aber jeder kennt alle Fakten, die Beweislage und natürlich auch die einzig richtigen juristischen Folgen: Schuld kann der junge M. nicht sein. Das ist völlig ausgeschlossen. Die Türken wollen sich bloß an den Deutschen rächen.

Nicht nur wird von vorne herein ausgeschlossen, dass der türkische Staat irgendein Recht dazu hätte, auf seinem Grund und Boden begangene Straftaten aufzuklären und entsprechend seines eigenen Rechtssytems zu verfolgen, nein, es wird auch pauschal unterstellt, dass man als Deutscher, zumal als Tourist, ja sowieso im Ausland mehr oder weniger diplomatische Immunität besitzt, weil es ja völlig unzumutbar sei, alle Regeln im Ausland zu kennen, wo man doch schon mit dem Rechtssystem im eigenen Land genug Stress hat.

Sicher, gehört hat man den Grundsatz schon irgendwann einmal, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, aber das kann ja wohl nicht ernsthaft in ausgerechnet diesem Fall gelten. Und überhaupt: Waren die Türken nicht sowieso diejenigen, die sich um Menschenrechte nicht kümmern und in deren Gefängnissen sowieso jeder gefoltert wird? Warum mischt sich die deutsche Regierung eigentlich nicht ein und wieso schmeißt man die Türken nicht wieder aus der EU raus? Fragen, die für die Politprofis vom Stammtisch der Eckkneipe allen Ernstes nur einen für sie logischen Schluss zulassen:

Wäre dieser Fall in Deutschland passiert und der Junge wäre Türke, die Justiz würde sich ähnlich penibel verhalten, wie die in der Türkei jetzt, wir hätten hier schon längst in Massen Unruhen und Anschläge erlebt und "die Türken" hätten schon gewaltsam dafür gesorgt, dass der Fall ganz schnell im Interesse der Türkei behandelt wird. Bunt werden Erlebnisse mit kurdischen Extremisten der verbotenen PKK als "Ausschreitungen der Türken" abgestempelt und die nicht immer friedlichen und doch mindestens befremdlichen Demonstrationen im Zusammenhang mit den Mohamed-Karikaturen, die in diversen fundamentalislamistischen Regionen im Nahen und Fernen Osten und Asien stattfanden, werden komplett der Türkei angelastet.

Jeep brennt im IrakErgo? Ist doch klar! Die Türken sind doch sowieso alle extrem in ihren Ansichten und ihrem Auftreten und ihren Reaktionen und überhaupt sind Türken sowieso juristisch und politisch vollkommen inkompetent. Und überhaupt ist es doch Fakt, dass es doch überhaupt nur darum gehen kann, wie wir darüber denken, was da mit diesem armen 17jährigen angestellt wird und ob das so nach unserer maßgeblichen Vorstellung rechtens ist und mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hat das alles überhaupt nichts zu tun...

Man mag glauben, dass das alles eine reine Fiktion sei, dass ich mir Argumentation, Inhalte und das gesamte Geschehen ausgedacht habe. Leider ist das nicht so. Es gibt tatsächlich Menschen, die exakt so argumentieren, die über ein ganzes Volk Pauschalurteile fällen, diesem Volk jegliche Rechtstaatlichkeit absprechen, ihrem kompletten Rechtssystem jegliche Gültigkeit verweigern, das Volk in Gänze pauschal zu religiös verblendeten Fanatikern erklären und ihm unterstellt, in jedem Falle zu terroristischen Methoden zu greifen, um sich dann hinzustellen und entrüstet zu behaupten, man sei ja gar kein Rassist und das jetzt zu unterstellen sei ja doch ein reines Herumreiten auf Details und das Aufblasen von Spitzfindigkeiten.

Nur für das Protokoll: Die Türkei ist ein souveräner Staat, der auch von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt ist. Die Türkei hat ein eigenes Rechtssystem, das sich von unserem in einigen Punkten vielleicht grundlegend unterscheidet, aber das gilt auch für andere Staaten - man denke da nur an die USA mit ihren Prozessen um Schadensersatz oder die Todesstrafe. Allerdings wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen und den USA unterstellen, dass deren Rechtssystem alles andere, aber kein Rechtssystem ist und die USA deshalb eigentlich schon aus Prinzip gar nicht selber Recht sprechen dürfen, es sei denn, sie fragen vorher in Deutschland nach.

TuerkeiIn der Türkei gibt es bestimmt eine Menge Moslems, deren religiöse oder religiös motivierten politischen Ansichten uns vielleicht nicht passen und deren überzeugtes Auftreten in Bezug auf ihre Religion uns vollkommen wesensfremd und auch ein gutes Stück weit unheimlich ist (Wie schon sinngemäß woanders gesagt wurde: "Jemand, der seine Religion ernst nimmt? Für einen Christen undenkbar!") Auch ich will gar nicht verheimlichen, dass ich mit etlichen Vorhaben und Ideen einiger Moslems so meine Probleme habe, aber das ist auf die Religion und die Art des Auftretens einiger ihrer Anhänger bezogen und nicht auf einen bestimmten Staat oder ein Volk. Die Türkei hat auch bestimmt ein gerüttelt Maß an politischen und innerstaatlichen Problemen, die auch ich gerne mal kritisiere, angefangen bei diversen Fragen zu Thema Gleichberechtigung, über den großen Fragenkomplex Folter bis hin zum Thema Minderheiten, wie zum Beispiel Kurden, aber der Grundsatz des Rechts auf das Kritisieren von Fehlern im System gilt in Bezug auf jeden anderen Staat auch und ich mache da erst recht keine Ausnahme bei meinem eigenen Heimatland.

Die Türkei darf und muss bestimmt in vielen Punkten kritisiert werden und man darf bestimmt auch der Türkei in vielen Punkten einige Vorhaltungen machen. Gerade anhand der Beitrittsverhandlungen zur EU kann man deutlich sehen, dass viele Kritikpunkte nicht nur von einer kleinen Minderheit so gesehen werden. Allerdings muss man der Tükei auch zugestehen, dass sie sich redlich bemüht, unseren Vorstellungen gerecht zu werden, um überhaupt in die EU hineingelassen zu werden - nicht immer mit Zustimmung der eigenen Bevölkerung.

Auch darf man durchaus fordern, dass sich die Justiz eines Staates an die Regeln der Rechtstaatlichkeit hält und man darf auch verlangen, dass die Menschenrechte geachtet werden. Beides ist eine Selbstverständlichkeit. Aber das war es dann auch schon weitgehend mit den erlaubten Forderungen für Außenstehende. Wir hier in Deutschland würden es uns völlig zu Recht verbitten, wenn irgendein ausländischer Politiker anfinge, sich in unsere Gerichtsbarkeit einzumischen und beginnt, in einen laufenden Prozess einzugreifen. Genau dasselbe Recht steht jedem anderen Staat zu, auch der Türkei. Und von diesem Recht hat sie völlig zu Recht Gebrauch gemacht.

Es mag uns seltsam erscheinen, dass die Gerichte der Türkei diesen Fall so behandeln, wie sie ihn behandeln. Es mag uns nicht in den Kram passen, dass die türkischen Gerichte nicht einsehen wollen, dass es vielleicht politisch besser wäre, diesen Fall möglichst schnell aus der Welt zu schaffen. Aber das ist nunmal Kennzeichen der Gewaltenteilung: Die Judikative ist in ihrer Entscheidungsfindung rein verfassungsrechtlich völlig unabhängig von den Wünschen, Vorstellungen und Anweisungen der Exekutive. Man mag es kaum glauben, aber das ist auch bei uns so. Es mag uns auch fürchterlich aufregen, dass ein Jugendlicher in der Türkei auch mal mehrere Monate im Knast sitzen darf, weil deren Gesetzgebung das nun mal so hergibt. Aber das ändert nichts daran, dass das eben das Rechtsystem der Türkei ist, und nicht das von Deutschland.

Pakistan Extremisten Islamisten Anti Israel Demonstration mit Schild God Bless HitlerSich über diese Frustration dahingehend zu versteifen pauschal alle Türken zu potentiellen Extremisten und gewaltbereiten religiösen Fanatikern abzustempeln, geht meiner Meinung nach zu weit und ist - ebenfalls meiner Meinung nach - sehr wohl ein deutliches Zeichen für eine sehr weit fortgeschrittene und tief verwurzelte Ausländer- oder allgemeiner: Fremdenfeindlichkeit. Einem Volk pauschal und ohne Ansehen der Person bestimmte Eigenschaften zuzuordnen, ist Kennzeichen des Rassendenkens. Es ist gerade diese Einteilung der Menschen anhand ihrer Herkunft in bestimmte Gruppen, bei gleichzeitiger Unterstellung von unveränderlichen Merkmalen und Charakterzügen, die den Rassismus ausmacht, denn es ist exakt dieses Denkmuster, dem die erst auf dieser Grundlage mögliche, dann aber auch naheliegende Unterscheidung nach "besser" und "schlechter", nach "überlegen" und "unterlegen" auf dem Fuße folgt.

Was mich jetzt so sehr verwundert? Die Leute, die im Brustton der Überzeugung so argumentieren, wie oben gezeigt, bezeichnen sich selber als äußerst tolerant, friedfertig und weltoffen, würden am liebsten jedem an den Hals gehen, der ihnen in irgendeiner Form extremes Gedankengut unterstellt, sei es nun Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Nationalismus oder egal was. Sie sehen sich selber darüber hinaus nach eigenem Bekunden durchaus in einer erzieherischen Rolle und einflussreichen Position gegenüber der jüngeren Generation und sind stolz darauf, dass sie einen lenkenden Einfluss auf die sie umgebenden jüngeren Leute haben. Das Problem? Ihre Peers bestätigen deren Einstellung als richtig und kritische Stimmen werden gemeinschaftlich "niedergemacht", weil man den so Argumentierenden gefälligst nicht zu widersprechen hat.

Ich frage mich ernsthaft, ob ich hier irgendetwas falsch sehe, was ich ehrlich gesagt eher bezweifle. Ich frage mich ob das, was ich nicht nur in diesem Beispiel in diesem nicht unbedingt kleinen und instinktiv für dieses Problem eher völlig unverdächtigen Personenkreis unmittelbar beobachte, vielleicht doch mehr ist, als nur ein erstes schwaches Warnsignal.

Was meint Ihr dazu? Und vor allem: Was tun?

Donnerstag, 6. September 2007

Urlaub strafbar

Wolfgang Schaeuble, CDU, BundesinnenministerUnser Innenminister wittert Morgenluft. Nach der - scheinbaren? - Pleite mit den Schusswaffen und der alles andere als für ihn unkompliziert laufenden Einführung der unkontrollierten und unbegrenzten Überwachung aller Bundesbürger, versucht er durch eine neue, ganz und gar großartige Idee von den anderen Baustellen abzulenken, auf denen er gerade am Rechtstaat herumbastelt. In Anbetracht der gestern in einer Kleinstadt im Hochsauerlandkreis festgenommenen vermutlichen Attentäter in Spe kommt unser Bundesschäuble heute mit folgender Idee an die Presse.

Wie wäre es, so sein Vorschlag, wenn man den Besuch eines Ausbildungscamps für Terroristen unter Strafe stellt? Wäre doch eine tolle Idee, wenn man Leute dafür einsperren könnte, dass sie sich zu Terroristen haben ausbilden lassen. Dann hat man wenigstens immer schön einen Grund in der Hand, warum man diese gemeingefährlichen Leute einsperren kann.

Lieber Herr Schäuble, es mag ihnen nicht unbedingt klar sein, aber solange es keine verbindliche Definition von Terrorismus gibt, wird es schwierig, jemanden wegen einer vermeintlichen Ausbildung zum Terroristen ins Gefängnis zu stecken. Klar, man kann das Gesetz ja auch so formulieren, dass es da nur um "terroristische Ziele" geht, in diesen Camps, die ja jedem erzählen, was sie so ausbilden. Erst gestern stolperte ich noch über die Anzeige der hiesigen Extremistengruppe (siehe rechts).

In eine ähnliche Kerbe schlägt dann auch gleich der Kollege aus Bayern, der Herr Beckstein. Der will noch dazu jeden überwachen lassen, der es wagt zum Islam überzulaufen. Wer der bayrischen Staatsreligion den Rücken kehrt, der kann ja nur ein Terrorist und Schwerverbrecher sein. So jedenfalls die Ansicht aus dem Innenministeriums des Lederhosenländles. Beckstein sagte zum Handelsblatt, dass Konvertiten eindeutig dazu neigen, sich durch besonderen Fanatismus der neuen Religion als würdig erweisen zu wollen. Ob dem Herrn Beckstein klar ist, wieviel Zustimmung diese Aussage in der Bevölkerung erntet, wenn man "Konvertiten" gegen "Innenminister" und "Religion" gegen "Regierung" austauscht?

Wenn jetzt schon Besuche im Ausland und Anwesenheit an bestimmten Orten unter Strafe gestellt werden sollen, wenn jetzt jeder unter staatlichen Generalverdacht fällt, der seine Religion wechselt, was kommt dann als nächstes? Werden bald wieder Ansammlungen von mehr als vier Personen als "Zusammenrottung" betrachtet? Ist man pauschal verdächtig, wenn man mehr Bekannte und Verwandte im Ausland hat als im Inland? Wird man bald wieder pauschal inhaftiert, sobald man kritische Fragen gegen den Staat stellt?

Sonntag, 12. August 2007

Emotionskontrolle

CCTV ÜberwachungskamerasDie United States of Paranoia leben in der Vorstellung, dass absolute Sicherheit machbar und lediglich eine Frage des Aufwandes ist. Das Einfallstor schlechthin für alle Terroristen sind nach der Diktion der Amerikaner die Flugzeuge. Da Terroristen immer aus dem Ausland kommen, sind natürlich alle Flüge aus dem Ausland in Richtung USA ein ganz gravierendes Sicherheitsproblem. Darum müssen wir ja jetzt auch immer brav unsere Daten abgeben und von den USA archivieren und auswerten lassen.

Da alleine diese Sicherheitsmaßnahmen noch nicht ausreichen, hat sich das Department for Homeland Security (DHS) ausgedacht, dass ab 2012 an allen Grenzübergängen alle in die USA Einreisenden automatisch von Kameras und allerlei anderen Sensoren abgetastet werden sollen. Von besonderem Interesse sind für die Sicherheitswächter dabei die Emotionen des Flugreisenden, denn anhand der Emotionen, so die Idee, könne man ablesen, wer denn so alles eine Straftat plane. Das soetwas einwandfrei funktioniert, haben wir das ja schon im Kino gelernt, siehe "Minority Report" und die Gefahren der Emotionen kennen wir hinlänglich aus "Equilibrium".

Jedenfalls soll ab 2012 ein vollautomatisches System Blutdruck, Puls, Perspirationsrate, Bewegungen und Gesichtsausdruck jedes Reisenden vermessen und bewerten. Erscheint irgendetwas verräterisch, wird Alarm geschlagen. Stolz verweist die Transport Security Administration (TSA) darauf, dass man mit den 2003 eingeführten Gesichtskontrollen bereits einige Drogendealer, Geldwäscher und sogar einen Doppelmörder gefasst habe. Eine Ausweitung dieser Fahndungsmethode ist deshalb naheliegend und erfolgversprechend - glauben jedenfalls die Behörden.

Die Theorie ist, dass der Mensch seine Mimik zwar kontrollieren und steuern kann, es aber Augenblicke gibt, in denen ihm diese Kontrolle zusammenbricht. Diese Ausfälle nennt der Fachmann "Mikroexpression", allerdings dauert eine solche Veränderung im Schnitt nur knapp eine fünftel Sekunde. Einem Menschen entgeht das vielleicht, einem Computer wahrscheinlich nicht. So jedenfalls die Theorie. In der Praxis stellen sich jedoch ein paar Fragen: Welche Emotionen sind denn wohl verdächtig? Liebe? Abneigung? Neutralität? Stress? Trauer? Wut? Oder gar Verwirrung?

Egal, denkt man sich bei den US-Sicherheitsbehörden. Es ist völlig unerheblich, ob eine Maschine den Unterschied zwischen echter und gestellter Emotion erkennen kann. Auch ist für den Normalsterblichen schwer vorstellbar, wie jeder Passagier, der - aus Sicht des Computers - auffallend unter Stress steht, befragt werden soll, der Behörde ist das völlig Wumpe. Man denke dabei nur an solche Kleinstflughäfen wie LAX oder JFK an einem gewöhnlichen Montagmorgen. Auch die Anzahl der Falschmeldungen ist den Sicherheitsbehörden völlig egal: Solche Fehlalarme nimmt man in Kauf, solange die Technik den Hauch einer Chance biete, die USA sicherer zu machen.

Ich hätte da einen besseren Vorschlag: Macht einfach alle Grenzen zu und lasst niemanden mehr rein oder raus.

(Quelle: Welt)

Montag, 25. Juni 2007

Eine Frage der Toleranz

PakistanEin Preis wurde verliehen. Ein Literaturpreis, benannt nach dem als Wegbereiter der literarischen Kritik in Deutschland, insbesondere des Feuilletons, geltenden deutschen Journalisten, Literatur- und Theaterkritiker Ludwig Börne. Erhalten hat ihn Henryk Modest Broder, der unter anderem für den Spiegel schreibt. Seine Dankesrede, die heute bei Spiegel Online veröffentlicht wurde, strotzt nur so vor Kritik am unverständlich toleranten Verhalten der aufgeklärten Welt gegenüber den Extremisten dieser Welt.

Es ist schwierig aus dieser kompakten und dichten Rede die Schlüsselzitate herauszufiltern und zur Diskussion zu stellen, aber dennoch sollte über seine Rede unter der Überschrift "Toleranz hilft nur dem Rücksichtslosen" diskutiert werden, denn so sehr einige seiner Kritiken auch zu instinktivem Widerspruch reizen und so leichtfertig man ihm vielleicht einseitiges Denken vorwerfen mag, so sehr zeigen diese Reflexreaktionen, dass seine Kritik wunde Punkte trifft, über die wir vielleicht gar nicht reden wollen.

Ein paar Beispiele:
"(...) Ich versuche zu verstehen, warum eine Raketenabfanganlage, die von den Amerikanern in Tschechien gebaut werden soll, den Menschen Angst macht und die Politiker von einer Wiederbelebung des Kalten Krieges phantasieren lässt, während die Tatsache, dass Iran sich zur Atommacht erklärt hat, so gelassen wie ein unvermeidliches Naturereignis hingenommen wird. Es gab keinen Aufschrei der Empörung, als der Direktor des Hamburger Orient-Instituts vor kurzem erklärte, falls Iran wirklich nach Atomwaffen strebe, dann nur deshalb, um mit dem Westen auf gleicher Augenhöhe verhandeln zu können. Teheran gehe es darum, endlich respektiert zu werden. (...)"
In der Tat eine abstruse Situation, in der man mehr Angst vor dem eigenen Verbündeten zeigt, als vor dem, der sich auf der gegenüberliegenden Seite der eigenen Weltanschauung befindet und nicht gerade dafür bekannt ist, unser wohlwollender Freund sein zu wollen.
"(...)Und wenn es dann auch noch heißt, das Existenzrecht Israels sei nicht verhandelbar, es stehe nicht zur Disposition, höre ich aus solchen Zusicherungen das Gegenteil heraus.
Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Nachbar Ihnen jeden Tag versichern würde, er habe nicht vor, Sie umzubringen, Ihre Frau zu vergewaltigen und hinterher Ihr Haus abzufackeln? (...)"
Es ist sicherlich schwierig das Thema Israel in Kategorien wie "richtig" und "falsch" abzuhandeln, denn es gibt wohl kaum jemanden, der bei diesem Thema noch keine Fehler gemacht hat, von Israel selbst ganz zu schweigen. Trotzdem besteht der Staat Israel nunmal und es ist müßig darüber zu diskutieren, ob seine Entstehung 100% korrekt gelaufen ist oder nicht. Und es ist ein völlig anderes Thema, ob die Leute, die dort wohnen und regieren, alles richtig machen oder ob ihr Vorgehen vielleicht doch etwas sehr über die Grenzen des Zumutbaren schlagen.
"(...)Ja, sie haben sich nicht verhört: ich sagte Toleranz. Toleranz war das Gebot der Zeit, als Lessing seinen Nathan in eine Welt setzte, die vertikal organisiert war. Die einen waren oben und die anderen waren unten, und dazwischen war wenig. Aber in horizontal organisierten Gesellschaften, in denen es kein Oben und kein Unten, sondern ein breites Spektrum an homogenisierten Angeboten gibt, unter denen man wählen kann, in horizontal organisierten Gesellschaften kommt das Toleranzgebot nicht den schwachen, sondern den Rücksichtslosen zugute. Sie sind es, die mit der Toleranzkeule um sich schlagen und Rechte einfordern, die sie anderen verweigern. (...)"
Irgendwie ist das was dran, wie gerade seine Spekulation zeigt, in der eine Kannibalen-Selbsthilfegruppe gesellschaftliche Anerkennung als Alternative zur vegetarischen Lebensweise fordert, denn beide zeichneten sich doch durch eine gewisse Einseitigkeit aus. Wäre ich weniger erfahren im Schwachsinn dieser Welt, würde ich soetwas für völlig unmöglich halten. So jedoch halte ich gerade dieses Beispiel für eine Frage der Zeit, bis es Realität wird.
"(...)Toleranz steht auf dem Paravent, hinter dem sich Bequemlichkeit, Faulheit und Feigheit verstecken. Toleranz ist die preiswerte Alternative zum aufrechten Gang, der zwar gepredigt, aber nicht praktiziert wird.

Wer heute die Werte der Aufklärung verteidigen will, der muss intolerant sein, der muss Grenzen ziehen und darauf bestehen, dass sie nicht überschritten werden. Der darf "Ehrenmorde" und andere Kleinigkeiten nicht mit dem "kulturellen Hintergrund" der Täter verklären und den Tugendterror religiöser Fanatiker, die Sechzehnjährige wegen unkeuschen Lebenswandels hängen, nicht zur Privatangelegenheit einer anderen Rechtskultur degradieren, die man respektieren müsse, weil es inzwischen als unfein gilt, die Tatsache anzusprechen, dass nicht alle Kulturen gleich und gleichwertig sind. (...)"
Es mag im ersten Moment klingen, als streite Herr Broder gegen den Islam oder gegen die Palästinenser, aber bei näherer Betrachtung tut er genau das nicht. Er streitet für die Aufklärung, auf die wir uns hier im westlichen Kulturkreis so viel einbilden. Er streitet für die Verteidigung jener Weltanschauung, auf deren Grundlage wir uns für überlegen gegenüber den theokratischen Systemen und den von Dogmen geprägten Regimen halten.

Implizit stellt er die Frage nach der Motivation, die uns lieber den größten Schwachsinn widerspruchslos schlucken lässt, statt eben diesen Schwachsinn anzuklagen und Rückgrat zu beweisen. Er kritisiert aber nicht nur generell alle Extremisten, die auf dem Rücken der Einforderung der Toleranz von uns verlangen akzeptiert und unterstützt zu werden, er kritisiert genau so sehr das scheinheilige Gehabe von Politikern und Medien aber auch von Anwälten und der Justiz, das von der Bevölkerung nahezu widerspruchsfrei akzeptiert und zur Kenntnis genommen wird.

Seine Kritik lautet, dass die Toleranz, die von uns gefordert wird, immer nur denen nützt, die diese Toleranz einfordern, aber nie denen, die diese Toleranz gewähren. Er folgert aus seinen Beobachtungen, dass die "Toleranz", die geübt wird, am Ende nichts Anderes ist, als Feigheit in einem anderen Gewand. Feigheit, für diejenigen Werte und Normen einzustehen, deren Existenz keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein harter Kampf, der von Anfang an Menschenleben gekostet hat und auch weiterhin kosten wird. Die Welt, in der wir hier leben, ist eine bequeme Welt und eine komfortable Welt, aber sie ist nicht "gottgegeben" und sie ist auch nicht "garantiert", im Gegenteil. Je mehr wir uns zurücklehnen, uns aus der Verantwortung stehlen unsere Weltanschauung mit aller Kraft und Härte zu verteidigen, desto mehr steht sie zur Disposition zugunsten all jener, die bereit sind für ihre Interessen mit allen erreichbaren Mitteln einzutreten.

Auch wenn ich nicht in jedem Punkt mit Herrn Broder übereinstimme, kann ich nicht umhin, dieser Kritik im Kern zuzustimmen.

(Quelle: Spiegel)

Mittwoch, 16. August 2006

Wirksame Kontrollen - Von wegen!

Sueddeutsche - Polizisten mit G36In England wurde kürzlich ziemlich viel Trubel gemacht wegen einiger Moslems, die vorgehabt haben sollen, mehrere Flugzeuge zu sprengen. In Folge dieser Erkenntnis wurde eine groß angelegte Razzia gefahren und die Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen gen plus Unendlich hochgeschraubt. Ich bin nicht der einzige, der so seine Zweifel an der Wirksamkeit dieser Maßnahme hat.

Wie berechtigt diese Zweifel sind, zeigt ein Vorfall vom Flughafen London-Gatwick. Dort gelang einem 12jährigen am vergangenen Montag, was eigentlich - wenn man den Versprechen der Behörden diesseits und jenseits des Atlantiks glauben darf - völlig unmöglich sein müsste.

Der Jugendliche war aus einem Heim in der Nähe von Liverpool getürmt, ohne Fahrkarte per Bahn nach London gekommen und schaffte es dann ohne Probleme während der höchsten denkbaren Sicherheitsstufe durch alle Kontrollen an Bord eines Flugzeugs nach Portugal zu gelangen, dort Getränk und Snack abzugreifen, ohne überhaupt je ein Ticket besessen zu haben. Hupsi.

Wir erinnern uns: Um an Bord eines Flugzeuges zu gelangen, muss man durch Passkontrolle, Ticketkontrolle, Boardingschleuse und so weiter. Es wird mehrfach kontrolliert, ob man der ist, der man vorgibt zu sein, ob das Ticket echt ist und so weiter. Und dieser Jugendliche stratzte einfach so durch die Kontrollen und führt aller Welt vor Augen, wie absurd das Ganze paranoide Gehabe tatsächlich ist.

Der Junge fiel übrigens schließlich doch auf, weil man beim Durchzählen feststellte, dass ein Platz zu viel im Flieger besetzt war. Er wird nun intensiv von den Behörden befragt, die ein ziemliches Interesse daran zeigen, wie der Junge das geschafft hat.

Was lernen wir daraus? Es gibt keine absolute Sicherheit. Wer wirklich will, der findet auch einen Weg.

(Quelle: Daily Mail)

Dienstag, 15. August 2006

Automatisches Befragen

Suspect Detection SystemDas Wall Street Journal berichtete gestern von einem Feldversuch, den US-Behörden diesen Sommer am Flughafen Knoxville, Tennesee durchgeführt haben. Zusammen mit einer israelischen Firma wurde hier ein automatisiertes System zur Erkennung potentiell gefährlicher Fluggäste mit "feindlichen Absichten" installiert und im echten Betrieb getestet.

Das System besteht aus einer halboffenen, ovalen Kammer. Darin befindet sich auf der einen Seite ein Sitz, gegenüber ein Touchscreen und ein Scanner für Ausweisdokumente. Ein weiteres Gerät, in das der Proband seine Hand stecken muss, misst physiologische Reaktionen, wie zum Beispiel Blutdruck, Puls, Körperfeuchtigkeit, während der Proband Fragen auf dem Touchscreen beantwortet. Eine Software wertet die Ergebnisse aus. Dieses Gerät soll die nicht immer ganz zuverlässigen Beamten ersetzen, die bislang am Flughafen die Reisenden befragen.

Weder die U.S. Transportation Security Administration noch die israelische Firma Suspect Detection Systems, Ltd. (SDS) will diesen Feldversuch kommentieren. Selbst zu den gestellten Fragen wollte man nicht Stellung nehmen, obwohl das System wohl in erster Linie auf Signalfragen wie "Schmuggeln Sie Drogen?" oder "Wollen Sie illegal einreisen?" geeicht werden dürfte. Allerdings gab Shabtai Shoval, selber ehemals aktiver Mitarbeiter der Israelischen Geheimdienste und jetzt Chef von SDS, an, dass das System nicht einzelne Lügen erkennen, sondern nach einem bestimmten Muster suchen soll, das allen Terroristen gemeinsam ist: Die Angst davor, entdeckt zu werden.

Der Test an sich zeigt aber auch, in welche Richtung die Sicherheitskontrollen in Zukunft gehen. Die Behörden scheinen davon überzeugt zu sein, dass die richtige Antwort auf die scheinbar ins Unermessliche gestiegene Bedrohungslage eine Verschärfung der Kontrollen aller Reisenden ist. Da aber mehr Kontrollen mehr Kontrolleure erfordern, lautet die Devise: "Automatisierung".

Das System stützt sich auf Daten, die in Israel gesammelt wurden. Die Vermutung ist also nicht abwegig, dass irgendwie der Israelische Geheimdienst da seine Finger mit im Spiel hat. Unklar, aber nicht all zu abwegig ist, ob die Daten international gesammelt und abgeglichen und auch für andere Zwecke verwendet werden. Bei einem Kontrollversuch in Israel konnte das System immerhin 85% der gespielten Terroristen entdecken. Das bedeutet allerdings auch, dass immerhin 15% durchgekommen sind. Dazu kam eine Fehlerkennungsrate von 8% sogenannter "falscher Positivergebnisse" - behauptet jedenfalls das Marketingmaterial der Firma. Die will deshalb eine Erfolgsquote von mindestens 90% erreichen - bei einer Fehlertoleranz von 4%.

Es geht hier aber auch um sehr sehr viel Geld. Jedes einzelne dieser Systeme kostet rund 160.000 Euro und für einen größeren internationalen Flughafen werden weit mehr als nur drei oder vier solcher Geräte benötigt. Jede einzelne Befragung dauert immerhin gut fünf Minuten, was im Zweifelsfall die Dauer des Boardings erheblich verlängern wird.

Interessant werden dürfte auch, welche zusätzlichen technischen Lösungen noch eingeführt werden. Automatisierbar wäre ja auch zum Beispiel die Durchleuchtung der Fluggäste. Da ja eh kaum noch Handgepäck mit an Bord darf, kann man hier wahrscheinlich auch bald vollkommen auf Automaten umsteigen. Boarding und Ausweiskontrolle sind ja schon weitestgehen automatisiert. Das Personal ist bei diesen Tätigkeiten mehr oder weniger Staffage.

Der einzige Störfaktor ist da nur noch der Fluggast, der bestimmte Ansprüche stellt. Wie zum Beispiel Service und Freundlichkeit. Wer Buisness Class oder Erster Klasse fliegt, der hat einfach keinen Bock mit Automaten zu Quatschen. Der hat auch keine Lust mit Automaten zu debattieren, dafür hat er einfach zu viel Geld auf den Tisch geblättert. Hier dürften wahrscheinlich irgendwo die Interessen der Fluggäste und die ökonomischen Interessen der Luftverkehrsgesellschaften die Grenzen diktieren.

Was bringt die tollste Sicherheit, wenn es niemanden mehr zu kontrollieren gibt? Was wenn man zwar auch die Terroristen abschreckt, aber eben auch alle anderen Fluggäste? Zwar heißt es "die Fluggäste hätten Verständnis" für die verschärften Sicherheitsmaßnahmen, aber ob sich zum Beispiel die Wirtschaftselite auf Dauer gefallen lassen wird, auf ihre Standesutensilien wie Laptop und Handy im Flugzeug zu verzichten? Und auch die Frage, ob man mit den sehr drastischen Verschärfungen nicht gerade die Angst schürt, dürfte nicht völlig von der Hand zu weisen sein, denn nicht wenigen wird gerade dadurch erst scheinbar bewusst, in welcher unvorstellbaren Gefahr sie sich befinden. Auch wird so für die Behörden eine Illusion erzeugt, die insgesamt noch sehr viel gefährlicher ist, nämlich die Illusion der absoluten Kontrolle und der absoluten Sicherheit. Beides kann es nicht geben, wie Fachleute immer wieder betonen.

Ob das insgesamt der richtige Weg ist? Ich habe da einige Zweifel.

Montag, 14. August 2006

Nanu?

Da macht sich halb Europa in die Hose, Transatlantikflüge werden gestrichen, das Inselkönigreich (genau, das auf der anderen Seite des Kanals) verschärft drastisch seine Flugsicherheitsbestimmungen und alle sind in heller Aufregung, weil angeblich mehrere Wellen von Sprengstoffattentaten (mit Flüssigsprengstoff) auf jeweils mehrere Flugzeuge "unmittelbar" bevorstünden. Alle Welt hat jetzt seinen Spass beim Fliegen und was ist der Grund?

Der Grund ist laut der NBC, die sich auf Angaben eines hohen britischen Beamten beruft, der in die Ermittlungen involviert ist und deshalb aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben möchte, ein anderer. Nicht etwa ein unmittelbar bevorstehendes Attentat. Oh aber contraire mein lieber Watson. Nein, der Grund war weder der just in den Flieger kletternde Attentäter in Spé, noch der soon-to-be Attentäter, der sich gerade still und leise verdrücken wollte. Nein, ganz so akut war es dann doch nicht.

Der Grund für die ganze Panik war einzig und allein Paranoia, gekoppelt mit ein ganz klein wenig, nun, sagen wir mal "deutlicher Argumentation".

Von wem das alles ausging? Oh, darauf wäre ich für meinen Teil nicht sofort gekommen, aber es ist sehr naheliegend. Von den USA geht die ganze Chause aus. Ja, richtig. Onkel George und seine Mannen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben die Party gebucht. Und warum? Wie gesagt: Von den Verdächtigen war keiner dabei sich zu verdrücken. Man kannte seine Pappenheimer. Keiner von denen hatte überhaupt Flugticket und manche noch nicht einmal einen Paß (im Inselkönigreich braucht man den nur, wenn man ins Ausland will.)

Es bestand also überhaupt kein akuter Handlungsbedarf, weshalb die Britische Polizei auch ganz gerne noch mindestens eine Woche weiter observiert hätte, um Beweise und Fakten zu sammeln. Zwar hätten sich die Verdächtigen schon einige der Komponenten für den Sprengstoff beschafft, aber sie hätten diese weder vermischt noch sonstwie irgendwelche Vorbereitungen getroffen. Wir erinnern uns? Die Komponenten waren allesamt ziemlich harmlose Flüssigkeiten, die theoretisch jeder zu Hause haben kann - Bist auch Du ein Bombenbauer? Jedenfalls darf man den Briten das ruhig glauben, denn immerhin beobachteten sie einige der Verdächtigen bereits seit mehr als einem Jahr.

Und so unwahrscheinlich es auch klingt, aber in England gelten noch einige Gesetze, die dem Verdächtigen einige Rechte zubilligen. Und es gibt soetwas wie eine Beweispflicht für die Behörden. Anderswo ist das ja schon etwas anders.

Und so gerieten sich - so der oben angeführte Beamte - britische und amerikanische Behörden fürchterlich in die Klatten. Einer der Verdächtigen hatte nämlich möglicherweise vor, demnächst einen Trockenlauf zu probieren. So ganz sicher war man sich da nicht. Die Briten hätten ihn deshalb gerne gewähren lassen, um mehr über das geplante Vorgehen zu lernen, aber die Amis flippten bei dieser Vorstellung völlig aus.

Im Weißen Haus stritt eine Beraterin von Präsident Bush diese Version vehement ab. Frances Townsend, Assistentin des Präsidenten für Homeland Security und Counterterrorismus, sagte:
"There was unprecedented cooperation and coordination between the U.S., the U.K. and Pakistani officials throughout the case and we worked together to protect our citizens from harm while ensuring that we gathered as much info as possible to bring the plotters to justice. There was no disagreement between U.S. and U.K. officials."
Mit anderen Worten: Alles fine and dandy und wir haben uns alle ganz dolle lieb. Ein anderer Beamter der US-Regierung gab allerdings zu, dass es einige Unstimmigkeiten zwischen den USA und den Briten gab, was das timing der Verhaftungen anging und seit 9/11 seien amerikanische Behörden wegen der seinerzeit verpassten Gelegenheiten in solchen Dingen - salopp formuliert - ziemlich pissig. Aber abgesehen vom timing gab es angeblich keine Probleme.

Angeblich.

Interessant ist eine Anmerkung von britischer Seite, was diesen "Rashid Rauf" angeht, der in Pakistan als Schlüsselfigur verhaftet wurde und jetzt als Der Große Erfolg von den Amis herumgezeigt wird. Einerseits liefen bereits von den Briten Ermittlungen gegen ihn und man hatte vor, ihn vor ein britisches Gericht zu stellen. Andererseits hat die Amerikaner das nicht im Geringsten interessiert. Die haben stattdessen den Engländern die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder ihr nehmt den jetzt sofort hopps, oder wir machen das selbst oder wir zwingen die Pakistanis das zu tun. Der Einwand der Briten, dass man den wegen dieser und jener Rechtslage vor ein britisches Gericht zu stellen gedenke, hat man in Amerika jedenfalls ziemlich ignoriert.

Ach ja, anderswo äußerte sich ein nicht ganz unbekannter Amerikaner und anerkannter Fachmann in Sachen Sicherheit zum wilden Gehabe an den Flughäfen. Bruce Schneier meinte zum Verschärfen der Sicherheitsvorkehrungen eine Menge. Kurz gefasst: An Flughäfen fängt man die Dummen und Ahnungslosen. Die wirklich professionellen und entschlossenen Täter fängt man da nicht. Die USA schafft es außerdem nicht einmal, Schusswaffen aus Gefängnissen fernzuhalten. Wie kann die USA da auch nur im Entferntesten annehmen, das bei Flugzeugen schaffen zu können?

Gute Frage irgendwie.

Sonntag, 13. August 2006

Evolution des Fliegens

Früher war Fliegen was für die ganz Mutigen. Nicht wenige bezahlten einige Zeit im Reich der Vögel mit ihrem Leben. Dann kam der technische Durchbruch und plötzlich war das alles ganz harmlos. Dann kam der 11. September und Fliegen war wieder begleitet von einiger Paranoia. Dann kam der 11. August und seit dem ist jeder, der Fliegen will (oder muss) ersteinmal ein Terrorist.

Gestern flachste ich deshalb noch gegenüber einigen Bekannten darüber, dass wohl bald gar kein Handgepäck mehr in Flugzeugen erlaubt sein wird, um dann heute Morgen von dieser Überschrift in der FAZ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden:

UK verbietet Hangepaeck in Flugzeugen - FAZ
Lustige Randbemerkung des Artikels:
"Bei Flügen aus Großbritannien ist Handgepäck gänzlich verboten." "Auch elektronische Geräte wie Laptops sollten mit dem normalen Reisegepäck aufgegeben werden. Die Fluggesellschaften haften allerdings nicht für eventuelle Schäden an elektronischen Geräten, die im Reisegepäck mitgeführt werden."
Das wird die vielen Geschäftsleute freuen, die sich immer so schön mit ihren Laptops im Flieger breit machen, weil sie noch unbedingt eben die nächsten Quartalsberichte mit Gina Wild oder Candy Juggs im Fensterchen nebenher fertig schreiben müssen oder sowas.

Aber das gehört ja jetzt der Vergangenheit an. Gerade wollte ich deshalb noch darüber spekulieren, was wohl in Anbetracht des aktuellen Terrorismus-Hypes Trägern von zum Beispiel Asics Sportschuhen und anderen Schuhen mit Sohlen, in denen irgendwelche stoßabsorbierenden Gele verarbeitet wurden an Flughäfen drohen wird, als ich die folgende Leserzuschrift bei CNN fand:

Flugverbot dank Gel-Sohle - CNN
Danach hatte ich irgendwie keine Lust mehr, denn die Realität hatte gezeigt, wie paranoid Amerikaner wirklich sind. Übrigens: Bei Schuhen mit "Luftpolstern", wie sie zum Beispiel bei einigen Modellen von Nike oder Adidas üblich sind, kann man auch was in die Luftpolster hineinspritzen. Das sind nämlich Hohlräume. Und manche Schuhe haben sogar eingebaute Taschen, nämlich Kangaroos. Zwar war ich schon am Tag der internationalen Flughafensperre der - überspitzten - Meinung, dass die einzig richtige Lösung nur darin bestehen kann, Passagiere nur noch nackt zu transportieren. Wie real diese Überlegung für manche zu sein scheint, fasst das Wired-Magazin zusammen:

Bomb Threat by Belts and Pants - Wired-Magazine
Ich bin gespannt, wann man mit meinen übrigen Ideen an die Öffentlichkeit herantritt: Für weitestgehende Sicherheit sollten Passagiere und Gepäck immer getrennt und die Passagiere darüber hinaus schlafend, bevorzugt getrennt, nein, besser noch isoliert voneinander in Tief- oder Kälteschlafkapseln befördert werden. Mangels der entsprechenden Technologien (Vergleiche 2001, Das fünfte Element, Alien u.a.) wäre ja alternativ eine "zwingend vorgeschriebene medizinische Voruntersuchung" bei Flugreisen denkbar.

Auf diese Weise hätte man dann auch gleich DNS- und Blutprobe für den Identitätsabgleich, könnte verschiedene Impfungen durchführen, Träger bestimmter Krankheiten behandeln und auch randalierende und betrunkene Fluggäste könnten so der Vergangenheit angehören und vieles mehr. Für den Fluggast wäre das auch alles nur von Vorteil: Rundum ärztlicher Check vor der Flugreise, kein stundenlanges herumsitzen in Thrombose-gefährdender Haltung, kein Jetlag mehr, kein Ärger über den Sitznachbarn oder plärrende Kinder.

Flugreisen könnten so schön sein...

PS: Ja, das war ironisch gemeint und ja, ich befürchte, dass es Leute gibt, die diese Vorschläge durchaus sehr ernstnehmen könnten. Und ich frage mich, wann diese Regeln für andere Massentransportmittel übernommen werden, insbesondere die Bahn ist ja in jüngerer Vergangenheit als realistisches Ziel in Erscheinung getreten.

Dienstag, 8. August 2006

Trau, schau, wem! (1)

Die Nachrichtenagentur Reuters hat einen handfesten Skandal an den Hacken. Der als freier Mitarbeiter für die Agentur tätige Fotograph Adnan H. stellte der Agentur ein Bild zur Verfügung, dass Reuters am Samstag mit der Bildunterschrift "Smoke billows from burning buildings destroyed during an overnight Israeli air raid on Beirut's suburbs." ("Rauch steigt von brennenden Gebäuden auf, die während eines nächtlichen Luftangriffs der Israelischen Luftwaffe auf die Vororte Beiruts zerstört wurden.") veröffentlichte. Das Bild war jedoch offenbar bearbeitet worden.

Es ist nicht eben unangenehm, dass die ziemlich schlecht gemachte retouche überhaupt aufgefallen ist. Besonders unangenehm ist, dass ausgerechnet dem pro-israelischen Weblog Little Green Footballs die offensichtliche Bearbeitung auffiel und so Reuters in eine nicht eben angenehme Situation geriet. Für den eigenen Eindruck hier die Bilder, links Fälschung, rechts Original (klick Bild für größere Version):

Bearbeitetes Foto Originalfoto
Reuters zog das Bild inzwischen zurück und entschuldigte sich öffentlich für die "Panne". Unterstellungen, nach denen das Bild insgesamt gefälscht sein soll und der Luftangriff der israelischen Luftwaffe nicht stattgefunden habe, wies nicht nur Reuters, sondern auch die zu diesem Vorfall befragte Associated Press als absurd zurück. Offen bleibt allerdings die Frage, wer das Bild bearbeitet hat: der Fotograph oder ein Redakteur bei Reuters? Auch die zwischenzeitliche Entlassung des Fotographen macht das nicht eben durchschaubarer.

Trotzdem wirft dieser Event - ob nun Bagatelle oder grandiose Unglaublichkeit mag jeder für sich selber entscheiden - einige Fragen auf. Früher gab es Negative. Mit denen konnte sehr eindeutig bewiesen werden, ob ein Bild bearbeitet worden war oder nicht. Heute gibt es aber kaum noch Negativfilme, denn fast alle Aufnahmen werden heutzutage mit Digitalkameras gemacht. Digitale Daten sind "geduldig" und ein Original ist nicht ohne Weiteres von seiner Kopie zu unterscheiden.

Wie häufig werden tatsächlich "geschönte" Bilder präsentiert, ohne dass wir es merken? Wie häufig werden den Medien Bilder "untergeschoben", die teilweise oder komplett überarbeitet wurden oder ver- wenn nicht gar komplett gefälscht sind? Sicher mag eine Farbkorrektur, um einen ungünstigen Rotstich zu kaschieren, noch ohne größere Diskussion von jedem akzeptiert werden. Aber Farbfilter lassen sich auch zu anderen Zwecken einsetzen und aktuelle Bildbearbeitungssoftware kann weit mehr, als nur "ein wenig an den Farben" herumbasteln.

Fehlt es an einer Art "Echtheitszertifikat" für digitale Aufnahmen? Oder vielleicht ist eine Art dokumententenechtes "Write Once" Speichermedium für Digitalkameras die Lösung, auf dem die Aufnahme und eventuell sogar noch weitergehende Daten festgehalten werden? Was ist mit bewegten Bildern? Was mit einem Bild automatisiert gemacht werden kann, kann leicht auch mit Bilderserien gemacht werden.

Kann man dem "Bildbeweis" heute noch trauen?

Freitag, 4. August 2006

Big Brother (3)

CCTVIn England kann die Polizei gesetzlich abgesichert jegliche Bildaufzeichnung einsehen. Da hier die höchste Dichte von Überwachungskameras weltweit herrscht, kann die Polizei nahezu jeden Bürger außerhalb seiner Wohnung lückenlos überwachen und lässt das sogar die eigenen Bürger machen, um so Personal einzusparen. Der Neid anderer Länder und Polizeien dürfte den Engländern gewiss sein. Die angeblich ständig zunehmende Gefahr durch den weltweiten Terrorismus veranlasst immer wieder Überwachungsfetischisten vom Schlage Schäubles und Becksteins dazu, auch den deutschen Sicherheitsbehörden umfangreiche Überwachungsnetzwerke zur Verfügung zu stellen.

Es fehlt allerdings an Argumenten, die der widerspenstigen deutschen Bevölkerung ein für alle Mal klar machen, warum sie sich lückenlos überwachen lassen will. Da kommen doch die mysteriösen Bombenfunde überaus passend. Zwar fragt keiner danach, warum es weder Droh- noch Bekennerschreibe, geschweige denn irgendeine Forderung oder Parole gab, aber das sind wohl Details, nach denen nur Haarspalter und Kleingeister fragen. Auch der eigenartig konstruiert erscheinende Zusammenhang mit dem Nahen Osten, der sich einzig an einer Plastiktüte festmachen soll, wird wohl nur bei mir Stirnrunzeln und Fragezeichen hervorrufen. Anyway.

Jedenfalls haben die Überwachungsfetischisten jetzt das, was sie brauchen: Einen Aufhänger. Und den nutzen sie einerseits für eine PR-Kampagne, mit der schonmal die Videoüberwachung des öffentlichen Schienenverkehrs propagiert werden soll. Und da das alleine ja nicht so der Bringer ist, führt man nebenher noch die Überwachung der Bundesautobahnen ein. So soll "die Polizei" Zugriff auf die Daten des Maut-Systems bekommen.

Das sind aber nicht nur die Daten der Zahlstellen, sondern insbesondere die Daten, die in der automatisierten Überwachungsstationen gewonnen werden. Dort werden nicht nur die Durchfahrzeiten und Signale der Mautgeräte registriert, sondern auch digitale Fotos von Kennzeichen und Fahrer gemacht. Angeblich nur von Lkw und angeblich auch nur "zeitweise" und "ausschließlich zur Überwachung der Mautpflicht". Aber was lässt sich aus der Datendichte eines umfassenden Verkehrsüberwachungssystems gewinnen, das lückenlos Autobahnen, Landstraßen und Innenstädte überwacht?

Das ist zwar alles angeblich "gar nicht geplant" und eine "Pkw Maut" soll ja angeblich auch gar nicht zur Debatte stehen, aber angeblich sollte die Wiedervereinigung ja auch für den Bundesbürger steuerneutral bleiben und angeblich war ja die Erde auch mal eine Scheibe und die Sonne soll sich ja auch schon um die Erde gedreht haben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Überwachungs- und Kontrollexperten in Deutschland ziemlich genau angesehen haben, was mit den Systemen und Einrichtungen im Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals so alles möglich ist und sich dann daran gesetzt haben, um das zu verbessern. Wer weiß denn schon, dass das Deutsche Maut-System zwar als das weltweit teuerste, aber auch als das insgesamt ausgereifteste und beste System zur Verkehrsüberwachung gilt? Und was bauten noch gleich Carl-Zeiss, Schneider Kreuznach und Leica? Und wie war das noch mit dem Frauenhofer Institut und der Mustererkennung?

Wen verwundert es, dass zwar noch immer keiner der Kamerafetischisten wirklich erklären kann, welcher echte Nutzen von der stetig wachsenden Zahl überwachungskameras ausgeht. Dafür kann man aber schön auf die abstrakte Gefahr des globalen Terrorismus verweisen und darauf hinweisen, dass ja von der Kameraüberwachung eine Abschreckung ausgehe, die ihrerseits die notwendige Sicherheit "für alle" produzieren könnte.

Und das ist ja als Argument absolut ausreichend, um die Grundrechte der Bürger abzuschaffen. Man denke dabei nur an Stichworte wie "Beweislastumkehr" und "Pauschalverurteilung". Insgesamt zeigt diese Entwicklung jedoch sehr deutlich, wie in manchen Kreisen der Politik über den Bürger gedacht wird: Jeder Bürger ist pauschal ersteinmal verdächtig und schuldig. Nur durch seine ständige Überwachung kann seine Unschuld gewährleistet werden.

Ich bin gespannt, wann es Pflicht wird, sich RFID-Chips (oder soetwas in der Richtung) einpflanzen zu lassen, um die Deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten...

Dienstag, 1. August 2006

USA - Abenteuerurlaub inklusive?

USA Flagge brenntIn den USA ist es ja auch seit einiger Zeit nicht mehr so ganz so, wie man das von einem als Vorbild geltenden demokratischen Staat erwartet. Die Liste der eingeschränkten oder gar aufgehobenen Grundrechte ist lang und die USA ist inzwischen eher zu einem Synonym für Raubbau an den Rechten seiner Bürger geworden. International ist das Bild der USA jedenfalls schon länger erheblich beschädigt.

Das Problem ist dabei nicht nur die faktische Bedrohung der USA, sondern das, was die US-Administration daraus als hypothetisches Bedrohungspotenzial ableitet und als Rechtfertigung für allerlei kuriose Maßnahmen benutzt. Markantestes Beispiel sind die Konzentrationslager für US-Bürger, aber bekannter dürften diejenigen Fälle sein, in denen die US-Amerikanische Paranoia nicht nur daneben gegriffen hat, sondern auch noch blauäugig gerechtfertigt wurde, getreu dem Motto erst Schießen, dann Fragen:
"Solche Fälle passieren in letzter Zeit oft" "London, Bombay, die jüngsten Terror-Drohungen in New York - die Leute sind nervös." "Die meisten sind Fehlalarme." "Wir (das FBI) reagieren über, aber ich schätze, so ist es besser."
Vielleicht sollte man für ein Land, dass seinen Bürgern nahezu unbegrenzt Schusswaffen an die Hand gibt und dafür die Sexualität strikt gesetzlich reguliert, Aufklärung und Verhütung nach kräften verhindert, in dem Frauen als "materieller Besitz" angesehen werden und Ausgehverbote verhängt werden, um die eigene Jugend in den Griff zu bekommen, das religiösen Wahn über wissenschaftliche Erkenntnis stellt und sich zu allem Überfluss auch noch mit tausenden von Atomsprengköpfen bewaffnet und überall auf der Welt Kriege anfängt oder fördert doch langsam besser eine Reisewarnung in Bezug auf dieses Land aussprechen?

Mittwoch, 12. April 2006

Story um jeden Preis?

B747-200B"Panne: Geheime Daten über "Air Force One" im Internet" oder so ähnlich tönt es seit ein paar Tagen aus allen Richtungen. Streng geheime Unterlagen über "die Airfoce One, das Flugzeug des US-Präsidenten" seien "ins Netz gelangt" und würden jetzt "die Sicherheit des Präsidenten gefährden". Und alle machen einen riesen Wirbel.

Was ist geschehen? Der San Francisco Chronicle veröffentlichte am Dienstag einige Informationen über den Flugzeugtypen, den die US Regierung speziell für den Präsidenten und seinen Mitarbeiterstab benutzt, wenn er denn mal "weiter weg muss", die speziell dafür angepasste Boeing 747-200B mit der Air Force Kennung VC-25A und aktuell den Seriennummern 28000 bzw 29000.

Um diese speziellen Flieger wird eine Menge Geheimniskrämerei betrieben. Das ist auch gut so, denn einerseits würden der Welt eine Menge Verschwörungstheorien verloren gehen und andererseits könnte es für den Präsidenten der USA vielleicht doch mal etwas gefährlich werden, wenn jeder genau weiss, was seine Flugzeuge denn so alles können. Darum ist ja noch beinahe verständlich, dass sich "die Presse" sofort darauf gestürzt hat.

Aber worauf hat sie sich tatsächlich gestürzt?

In erster Linie "im freien Fall auf die eigene Nase". Diese Story zeigt mal wieder in aller Deutlichkeit, wie wenig eigene Recherche bei vielen Mitgliedern der schreibenden Zunft angesagt ist. Warum? Es ist teuer, kostet Zeit, ist anstrengend, man muss ja lesen, Fragen stellen...

Die Liste der Fehler und Ungenauigkeiten in diesem Fall ist jedenfalls lang genug. Das geht los bei der Bezeichnung "Air Force One". Das meint nicht etwa eine bestimmte Maschine und nur diese eine. Vielmehr wird jedes amerikanische Flieger automatisch zur "Airforce One", sobald es der amtierende Präsident der USA benutzt. Analog dazu gibt es auch die Navy One, Army One, Coastguard One, Marine One und so weiter... Ein Konzept, dass von der Presse eben so leicht verstanden wird, wie der Unterschied zwischen Leuchtmunition und Leuchtspurmunition, mit der nach Ansicht mancher Reporter gerne mal von randalierenden Demonstranten auf Sicherheitskräfte geschossen wird.

Angeblich wurden "Detaillierte Pläne des Innenraums" veröffentlicht. Und angeblich war das ein skanadlöses Sicherheitsleck. Ein wenig Recherche hätte dazu ein paar interessante Fakten geklärt. Zum Beispiel hätte auffallen können, dass hier ein riesen Wirbel um EXTRA für Rettungskräfte und Flughafenpersonal veröffentlichtes Material gemacht wird, dass seit Ewigkeiten publiziert und freigegeben ist.

Was hat "die Presse" erreicht? Wirklich wichtige Informationen für Rettungskräfte sind jetzt nicht mehr frei verfügbar. Super Leistung!

Was lernen wir daraus? Nicht alles, was die "reguläre Presse" so verbricht, ist eine Story. Und längst nicht jede Story ist ein Skandal. Aber wenn es als Skandal verkauft wird, dann sollte der Leser besser doppelt genau hinschauen. Es könnte sein, dass ihm Blödsinn erzählt wird.

Freitag, 7. April 2006

Lustige Fotos

Rom im FadnekreuzSeit Google Earth Satellitenbilder der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, die zwar auch schon vorher uneingeschränkt öffentlich erhältlich waren, schreien manche Alarmanlagenfanatiker der Welt Zeter und Mordrio. Die Argumentation ist dabei in manchen Fällen ja noch nachzuvollziehen. Fotos militärischer Anlagen zum Beispiel, insbesondere solcher Anlagen, die sich ausschließlich mit "geheimen" Dingen befassen. Aber ansonsten? In den USA hat man ja auch schon recht erfolglos versucht, die Satellitenbilder von Atomkraftwerken zu verdecken. Dann regte sich neulich Indien auf. Von wegen die Weltherrschaft sei gefährdet oder so. Ging aber auch recht schnell wieder unter das Gejammer.

Und wer meldet sich heute zu Wort? Erraten! Aus Deutschland meldet sich der Sicherheitsexperte Klaus Dieter Matschke zu Wort. Die Fußball WM soll gefährdet sein. Die Bilder aus Google Earth sind angeblich zu präzise. Mit ihrer Auflösung von einer Bogensekunde (entsprechend ungefähr 20 Meter) ermöglichen sie das exakte Zielen mit Raketen! Und die kann man ja auf Frachtern montieren! Und das hat der Iran ja gemacht! Die Welt geht unter! Die Aliens sind unter uns! Die Chinesische Invasion steht unmittelbar bevor! Baut mehr Bunker!

Dynamo Dresden gegen Energie Cottbus, Dezember 2005Vielleicht hilft diese Paranoia ja bei der Integration von Einwanderern. Oder hilft gegen die globale Klimakatastrophe. Wer weiß das schon so genau? Auf der anderen Seite... das wäre doch die Chance! Ich mein, wer will schon wirklich sowas und sowas?

(Danke messju)

Sonntag, 26. Februar 2006

Visa und Wissenschaft

Vor ein paar Tagen wollte der hochdekorierte 62jährige Professor Goverdhan Mehta zu einer wissenschaftlichen Fachtagung der American Chemical Society nach Florida reisen. Außer ihm wollten auch noch Herr Professor P. Rodrigues, ehemaliger Chef des Indira Gandhi Atom Forschungsinstituts und der führende Agrarwissenschaftler Professor P. C. Kesavan vom M. S. Swaminathan Forschungsinstitut in Chennai dorthin. Florida, das wissen wir alle, ist die sturmgeplagte Millionärs- und Rentnerhochburg in einem der paranoidesten Ländern dieser Erde, den USA. Soweit also nichts Besonderes - sollte man meinen.

Seit dem 11. September muss man extra Visa beantragen, um in die USA einreisen zu dürfen. Das heisst, man muss nicht nur begründen, warum man in die USA reisen möchte, sondern man muss den Behörden sozusagen den Auftrag geben, alles über die eigene Person herauszufinden, inklusive ehemaliger Sexualpartner, Schuhgröße, Schulfreunde und eventuell besuchter Partys seit Erfindung des Buchdrucks. Viele sehen deshalb inzwischen auch mit einem unverhohlenen Augenrollen von einer Einreise in die USA ab - es gibt schließlich noch andere tolle Gegenden in der Welt. Oft sind diese Gegenden sogar nicht mal so gefährlich wie die USA (sagt ja selbst Henry Rollins.)

In manchen Fällen, wie eben bei den drei eingangs genannten Herren, hat das ganze aber nichts mit Freizeit zu tun, sondern mit Arbeit und ist deswegen nicht wirklich freiwillig, sondern berufliche Notwendigkeit. Nun haben gerade so hochrangige Wissenschaftler wie eben diese drei Herren bestimmt noch anderes zu tun, als den lieben langen Tag in der Weltgeschichte herumzugondeln. Gerade deshalb haben sie garantiert auch anderes zu tun, als sich über die Fragen auf dem Einreiseformular größer Gedanken zu machen.

Dort werden eine ganze Reihe brisanter Fragen gestellt. Zum Beispiel "Haben sie vor in den USA eine Straftat zu begehen?" oder auch "Haben sie vor gegen die USA Krieg zu führen?" - Wer dieses Formular kennt, hat sich bestimmt schon mehr als einmal gefragt, wer um alles in der Welt da mit "Ja!" antwortet? Ich meine.. äh.. Wenn man aus beruflichen Gründen einreist, dann werden noch eine ganze Menge anderer Fragen gestellt. Und wehe die Antworten passen nicht 125% in das Konzept der US Einwanderungsbehörde! Dann gnade Dir Gott!

Herr Professor Metha, der unter anderem Professor der organischen Chemie ist, erlebte genau dieses Problem. Er sollte nachweisen, dass seine Forschungsergebnisse nicht zum Bau chemischen Waffen genutzt werden können... Etwas schwierig, wenn man sich eine 40jährige Wissenschaftlerkarriere vorstellt, die sich mit Atomenergie und organischer Chemie und ähnlichen Themen befasst. Entsprechend wurde ihm das Visum verwehrt - Terrorgefahr. Ähnlich ging es seinen beiden Kollegen.

Ende der Debatte?

Nein, Gottseidank nicht. Aufgrund dieser Vorfälle ist es zu einigen erheblichen diplomatischen Verstimmungen zwischen Indien und den USA gekommen und die wissenschaftler weltweit laufen Sturm gegen die paranoiden Wunsch Wahnvorstellungen der USA. Herr G. W. Bush wird das besonders toll finden, denn er möchte ja demnächst nach Iniden reisen.

Ob man ihm dort mit dem Hinweis auf seine fragwürdigen militärischen Handlungen, u.a. im Irak, das Einreisevisum verweigert?