Sonntag, 13. August 2006

Evolution des Fliegens

Früher war Fliegen was für die ganz Mutigen. Nicht wenige bezahlten einige Zeit im Reich der Vögel mit ihrem Leben. Dann kam der technische Durchbruch und plötzlich war das alles ganz harmlos. Dann kam der 11. September und Fliegen war wieder begleitet von einiger Paranoia. Dann kam der 11. August und seit dem ist jeder, der Fliegen will (oder muss) ersteinmal ein Terrorist.

Gestern flachste ich deshalb noch gegenüber einigen Bekannten darüber, dass wohl bald gar kein Handgepäck mehr in Flugzeugen erlaubt sein wird, um dann heute Morgen von dieser Überschrift in der FAZ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden:

UK verbietet Hangepaeck in Flugzeugen - FAZ
Lustige Randbemerkung des Artikels:
"Bei Flügen aus Großbritannien ist Handgepäck gänzlich verboten." "Auch elektronische Geräte wie Laptops sollten mit dem normalen Reisegepäck aufgegeben werden. Die Fluggesellschaften haften allerdings nicht für eventuelle Schäden an elektronischen Geräten, die im Reisegepäck mitgeführt werden."
Das wird die vielen Geschäftsleute freuen, die sich immer so schön mit ihren Laptops im Flieger breit machen, weil sie noch unbedingt eben die nächsten Quartalsberichte mit Gina Wild oder Candy Juggs im Fensterchen nebenher fertig schreiben müssen oder sowas.

Aber das gehört ja jetzt der Vergangenheit an. Gerade wollte ich deshalb noch darüber spekulieren, was wohl in Anbetracht des aktuellen Terrorismus-Hypes Trägern von zum Beispiel Asics Sportschuhen und anderen Schuhen mit Sohlen, in denen irgendwelche stoßabsorbierenden Gele verarbeitet wurden an Flughäfen drohen wird, als ich die folgende Leserzuschrift bei CNN fand:

Flugverbot dank Gel-Sohle - CNN
Danach hatte ich irgendwie keine Lust mehr, denn die Realität hatte gezeigt, wie paranoid Amerikaner wirklich sind. Übrigens: Bei Schuhen mit "Luftpolstern", wie sie zum Beispiel bei einigen Modellen von Nike oder Adidas üblich sind, kann man auch was in die Luftpolster hineinspritzen. Das sind nämlich Hohlräume. Und manche Schuhe haben sogar eingebaute Taschen, nämlich Kangaroos. Zwar war ich schon am Tag der internationalen Flughafensperre der - überspitzten - Meinung, dass die einzig richtige Lösung nur darin bestehen kann, Passagiere nur noch nackt zu transportieren. Wie real diese Überlegung für manche zu sein scheint, fasst das Wired-Magazin zusammen:

Bomb Threat by Belts and Pants - Wired-Magazine
Ich bin gespannt, wann man mit meinen übrigen Ideen an die Öffentlichkeit herantritt: Für weitestgehende Sicherheit sollten Passagiere und Gepäck immer getrennt und die Passagiere darüber hinaus schlafend, bevorzugt getrennt, nein, besser noch isoliert voneinander in Tief- oder Kälteschlafkapseln befördert werden. Mangels der entsprechenden Technologien (Vergleiche 2001, Das fünfte Element, Alien u.a.) wäre ja alternativ eine "zwingend vorgeschriebene medizinische Voruntersuchung" bei Flugreisen denkbar.

Auf diese Weise hätte man dann auch gleich DNS- und Blutprobe für den Identitätsabgleich, könnte verschiedene Impfungen durchführen, Träger bestimmter Krankheiten behandeln und auch randalierende und betrunkene Fluggäste könnten so der Vergangenheit angehören und vieles mehr. Für den Fluggast wäre das auch alles nur von Vorteil: Rundum ärztlicher Check vor der Flugreise, kein stundenlanges herumsitzen in Thrombose-gefährdender Haltung, kein Jetlag mehr, kein Ärger über den Sitznachbarn oder plärrende Kinder.

Flugreisen könnten so schön sein...

PS: Ja, das war ironisch gemeint und ja, ich befürchte, dass es Leute gibt, die diese Vorschläge durchaus sehr ernstnehmen könnten. Und ich frage mich, wann diese Regeln für andere Massentransportmittel übernommen werden, insbesondere die Bahn ist ja in jüngerer Vergangenheit als realistisches Ziel in Erscheinung getreten.

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