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Donnerstag, 31. Oktober 2019

Uni(er)leben (4)

Es ist Donnerstag. Eigentlich habe ich donnerstags gar keine Vorlesung. Weil ich aber beim Prüfungsamt zwei neugierige Fragen loswerden möchte (1. "Wieviel ist 6 + 6 + 12?" Laut Prüfungsamt wahlweise 24 oder 18, je nach dem. 2. "Tragt Ihr mir Prüfungsleistung XY auch noch mal ein? Laut Prof sitzt ihr seit zwei Monaten auf dem Bescheid...") bin ich halt eh' da und beschließe, einen meiner Lieblingsprofs zu besuchen, der gerade eine Gastvortragende im Bereich der vergleichenden Politiksysteme Weisheit und Wissen in die versammelte, überwiegend ahnungslose Zuhörerschaft rieseln lässt. Es geht um Methoden der Datenanalyse und den Realitätsbezug zwischen den bunten Linien und Punkten auf dem Papier und der Welt "da draußen, wo der Pizzabringdienst herkommt", um das Finden von Themen für die Abschlussarbeit.

Eine internationale Statisik aus dem Bereich Gesundheit wird wird vorgestellt in der Fallzahlen nach Ländern als Punktwolke zwischen den Achsen Häufigkeit und Einkommen dargestellt werden und erklärt. Regressionsanalyse in der Forschungspraxis. Zusammenhangsmaße und so. Was sagt das da? Was bedeutet jenes? Vier von knapp 200 Datensätzen passen irgendwie nicht in die Regression. Was passiert, wenn man die weglässt? Darf man die weglassen, nur weil die nicht passen? Kann man diese "Ausreißer" erklären? Bedeuten diese Ausreißer, dass die Annahme falsch ist? Was bedeutet das für das Untersuchungsmodell? Für mich alles old news, ist aber entspannte Auffrischung und es macht Spaß, in der Mitte der "Newbies" zu hocken und sich mit den Profs Bälle zuzuspielen, kurz: eine schöne Vorlesung, frei von Leistungsdruck und Stress. Zumindest für mich. Für den Rest... not so much.

Hinterher steht man noch zusammen, quatscht laid back und gelassen über das vergangene Semester, das, was noch aussteht, Pläne, die Zukunft, das gerade Vorgetragene, wie es Veteranen tun, die mehr verbindet, als ein gemeinsames Erlebnis. Man lacht und will eigentlich gerade aufbrechen, als sich ein Student dazu gesellt, Collegeblock in der Hand, und verkündet, er könne die Ausreißer der Studie aus der Vorlesung gerade erklären.

Neugierige Aufmerksamkeit. Ja also das sei so. Wenn man die Punktwolke (dargestellt war ein Scatterplott, durch den mit Regression eine "best fit"-Kurve gezogen war) in Völker aufteilen würde, und die dann einzeln betrachtet, dann würde sich das Problem erledigen. Schweigen. Nachdenken.

Prof fragt nach, wie er das meine. Ja genau so, wie er das gesagt habe. Verwirrung. Die Uhr zwingt zum Aufbruch, die Profs verabschieden sich, hetzen weiter. Oder flüchten, je nach Blickwinkel und lassen mich mit dem begeistert an seiner Idee festhaltenden Studenten zurück. Der hängt sich an mich. Ich will auch nach Hause.

Wie ich denn das sehen würde. Was er jetzt genau meint, frage ich vorsichtig nach und befürchte das Schlimmste. Ja die Idee, das unter dem Aspekt des Volkes zu betrachten. Ich versuche mich - erfolglos - an irgendeinen validen akkademischen Ansatz zu erinnern, der die Verwendung von "Volk" als wissenschaftliches Kriterium rechtfertigt und starre ihn verwirrt an: "Volk?" Ich werde aufgeklärt. "Ja, Volk. So, wie wir ein Volk sind." Noch immer fehlt mir die Brücke zwischen Wissenschaft und Volk. Ich frage vorsichtig nach: "Volk ist jetzt nicht gerade ein wissenschaftlicher Begriff im Kontext der Studie...".

Man reagiert unwirsch. Selbstverständlich ist "Volk" ein wissenschaftlicher Begriff. Der steht ja schließlich auch im Grundgesetz: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus! Meine Anmerkung, dass das Grundgesetz nur sehr eingeschränkt ein wissenschaftlicher Text ist, gilt offenbar nicht: "Ich lasse mir 'Volk' nicht kaputtreden. Das ist ein gutes Wort." Mag ja sein, erwidere ich, aber erstens ist der Begriff außerhalb der Geschichtsforschung reichlich problematisch und zweitens ist er extrem ungenau, weil es an einer einheitlichen Definiton fehlt. Ich hätte ja keine Ahnung. Volk sei doch sowas von eindeutig.

Ah ja. Vorsichtig werfe ich die Frage auf, wie sich denn Volk definiert. Ja über Herkunft und Verwandtschaft, selbstverständlich, das wisse doch nun wirklich jeder. Gut, ich bin nicht jeder, aber sei es drum. Ja, zugegeben, das ist eine mögliche Definition von "Volk", aber es ist eine extrem problematische: Gehört zum "Volk" nur der, der innerhalb eines abgegrenzten geographischen Raums von schon vorher da lebenden gezeugt wurde? Wenn ja, ist jedes Volk reichlich inzestgefährdet. Wenn nein, dann ist der Begriff zur Abgrenzung ungeeignet, weil eine oder sogar beide maßgeblichen Kriterien (Verwandtschaft, Herkunft) irrelevant sind. Ich weise ihn vorsichtig auf mein Problem mit seinem Denkmodell hin.

Natürlich habe ich unrecht. Es gäbe ja noch dieses verbindende Element, das ein Volk zu einem Volk macht. Achso. Ja. Jetzt, wo er es sagt. "Welches denn?" war offenbar nicht die richtige Frage, wie sein strafender Blick mir verrät, der gleichzeitig vermittelt, wie intellektuell zurückgeblieben ich doch bin. "Ja 'Tschuldigung, aber mir ist das wirklich nicht klar." Ich werde aufgeklärt. Das, was ein Volk in seinem Innern erst zum Volk macht, sind die in ihm kommunizierten und tradierten Wertemodelle. "Okay", denke ich mir, "dann sind kultureller Wandel und gesellschaftlicher Wertewandel offenbar Denkfehler...". Und außerdem sei die genetische Verbindung maßgeblich, die von außen erkennbar sei.

Ich sehe ihn mir genauer an. Mittelscheitel, feinkariertes Hemd, Outdoor-Hose, Schnürschuhe aus braunem Leder... Übles dem, der Übles denkt. Mein Einwand, dass er sich mit der Sichtweise bedenklich nah an der Eugenik bewegt, lässt er nicht gelten. "Ich lasse mir mein Volk nicht wegnehmen und das Wort auch nicht schlechtreden." Aber meine Defizite wären leicht mit etwas Bildung zu beheben. Ich sollte mich einfach mal mit ihm treffen, dann würde ich das schon verstehen, schließlich müssten wir zusammenhalten und dürften uns nicht über Kleinigkeiten wie Debatten um Begriffe auseinanderdividieren lassen...

Ich hatte es plötzlich sehr eilig. Dringend musste ich in die exakt andere Richtung und verabschiedete mich mit den Worten "Dann bis demnächst und... viel Erfolg beim Studium..." Freudig grüßte er zurück und zog von dannen.

Ich war (und bin noch immer) ehrlich bestürzt. "Meine" Uni ist eine historisch eher liberal-links ausgerichtete Uni, an der ich solche Erlebnisse nicht erwartet habe und ich bin ehrlich überfordert mit der Frage, was ich jetzt tun soll. Es dabei belassen scheint mir intuitiv falsch...

Dienstag, 28. Mai 2019

Zitat des Tages (24)

Das muss man als Video gesehen haben, um es zu glauben:



Die Dame - Annegret Kramp-Karrenbauer - ist nicht einfach "nur" irgendeine CDU-Angehörige. Diese Dame ist Bundesvorsitzende der CDU und strengt sich an, nächste Kanzlerin dieser Republik zu werden. Ihre Äußerungen sind deshalb nicht die irgendwelcher Parteigänger. Was die Dame hier sagt, ist ein Frontalangriff auf fundamentale Grundrechte:

Als die Nachricht kam, dass sich eine ganze Reihe von YouTubern zusammengeschlossen haben, um einen Aufruf zu starten, Wahlaufruf gegen CDU und SPD, habe ich mich gefragt, was wäre eigentlich in diesem Land los, wenn eine Reihe von sagen wir mal 70 Zeitungsredaktionen zwei Tage vor der Wahl erklärt hätten: "Wir machen einen gemeinsamen Aufruf 'wählt bitte nicht CDU und SPD.'" Es wäre klare Meinungsmache vor der Wahl gewesen und ich glaube, es hätte eine muntere Diskussion in diesem Land ausgelöst und die Frage stellt sich schon mit Blick auf das Thema Meinungsmacher was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich, ja oder nein. Das ist eine sehr grundlegende Frage, über die wir uns unterhalten werden, und zwar nicht nur wir in der CDU und mit der CDU, sondern, ich bin mir ganz sicher, in der gesamten medienpolitischen und auch demokratietheoretischen diskussionen der nächsten Zeit wird das eine Rolle spielen und deswegen werden wir diese Diskussion auch sehr offensiv angehen."
(Annegret Kramp-Karrenbauer am 27.05.2019 in Berlin)

Natürlich bezieht sich "AKK", wie sie landläufig auch genannt wird, auf das Video "Zerstörung der CDU" von Rezo. Ob Rezo in allen Punkten en Detail Recht hat, ob alle Punkte sauberst durchdekliniert "auf den Punkt" gesetzt oder "faktentreu" oder "wahr" sind... geschenkt. Viel wichtiger ist, dass es dieses Video gibt, dass "die junge Generation" sich geäußert hat, dass sie ihre Kritik formuliert hat und(!) dass sie die Tür für Gespräche geöffnet hat.

Sollte irgendjemand das Rezo-Video noch nicht kennen, hier eine 55 Minuten lange, sehenswerte "Diskurseröffnung", die man ernsthaft als politisch wenigstens halbwegs interessierter Mensch gesehen haben sollte:



Wie gesagt: Man kann Rezos Meinung sein oder nicht, das ist nicht der wichtige Punkt. Wichtig ist nicht was er sagt, sondern was - sozusagen - im Subtext 'rüberkommt: Die Parteien der Großen Koalition (CDU und SPD) halten ihre Versprechen nicht und machen in erster Linie eine Politik, die nicht der breiten Masse zugute kommt, sondern Wirtschaft und einer kleinen Elite.

Grundsätzlich eine vollkommen legitime Meinung, die Rezo mit einer beachtlichen Menge Quellen zu belegen versucht. Ob die Recherche im wissenschaftlichen Diskurs bestehen kann, spielt keine Rolle, denn Rezo hat sich eine Meinung gebildet und kann seine Meinung belegen. Alleine das ist mehr, als ich über viele meiner Alltagsgesprächspartner sagen kann. Rezo ist mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit gegangen und hat dazu einen Weg gewählt, den er beherrscht und auf dem er eine breite Öffentlichkeit erreichen kann, die bereit ist, ihm zuzuhören: YouTube.

Die Parteien waren (und sind) nicht dazu in der Lage, schnell auf diesen Angriff auf breiter Front zu reagieren. Was an Reaktionen folgte, war desaströses Negativbeispiel dafür, wie man nicht mit seinem Gegenüber kommunizieren sollte und bestätigte letztendlich genau das, was Rezo ursprünglich kritisiert hatte. Die Reaktionen der (angesprochenen) Parteien waren in einem Wort: hilflos.

Heute, am Tag nach der Europa- und Bremer Bürgerschaftswahl, äußert sich also die Bundesvorsitzende der CDU. Nicht nur ich habe eine Reaktion von ihr erwartet. Diese Reaktion habe ich jedoch nicht erwartet. Was sie im Kern sagt, ist Sprengstoff. Sie stellt YouTube-Publizierende auf eine Stufe mit Zeitungsredaktionen. Vulgo: Ob Rezo oder Biggi oder Gronkh oder FAZ oder Spiegel oder SZ... alles dasselbe. Hört, hört. Ich bin mir sicher, dass die Vertreter größerer Publikationen alleine diese Sichtweise mit einigen Anmerkungen kommentieren möchten.

"Meinungsmache". Landläufig ist "Meinungsmache" ein Synonym für "Medienmanipulation". Eine Meinung haben und sie publizieren ist "Meinungsmache"? Hm. Ob eine auf YouTube veröffentlichte Meinung als Medienmanipulation gelten kann? Sehr schwierig, denn zumindet hier ist offensichtlich, dass jemand eine Meinung hat, worauf sich diese Meinung gründet und wer diese Meinung vertritt und warum. Ist das "Meidenmanipulation"? Gut, kann "man" so sehen, ist schließlich auch nur eine Meinung, die man haben kann oder eben nicht. Aber dieses Video in den Kontext mit "Regeln für Meinungsmache" setzen? Ist hier wirklich eine "einseitige, tendenziöse und/oder verzerrte Darstellung von Fakten und Geschehnissen in den Massenmedien" gegeben? Ich habe Zweifel. Für dieses Video gilt doch wohl, was unsere Verfassung dazu feststellt:

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Art 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Soweit die mir zugänglichen "Quellen" das beurteilen, erfüllt das Video von Rezo keinerlei (straf-)rechtlich relevanten Tatbestand (z. B. Beleidigung (§185 StGB), üble Nachrede (§186 StGB), Verleumdung (§187 StGB, Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens (§188 StGB), Wahrnehmung berechtigter Interessen (§193 StGB), etc.). Das Video erfüllt ganz eindeutig die Kriterien der Meinungsäußerung. Es ist offensichtlich eine durch Art. 5 (1) GG gedeckte Meinungsäußerung, die die Regeln der Verfassung und Rechtstaatlichkeit einhält. Was die Bundesvorsitzende der CDU mit "was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich" meint, ist eine spannende Frage, denn sie unterstellt, dass unterschiedliche Regeln für diese Bereiche gelten könnten oder sollten.

Die Feststellung, dass Sie diese Diskussion sowohl in der Partei, aber auch "demokratietheoretisch" erzwingen will, sollte uns alle sehr genau hinhören lassen. "Demokratietheorie" ist der Bereich der Wissenschaft über die Demokratie. Damit spielt man nicht. Wenn eine Parteifunktionärin sich anmaßt, eine wissenschaftliche Diskussion diktieren, anordnen und steuern zu können, ist höchste Aufmerksamkeit gefordert, insbesondere dann, wenn diese Diskussion einer Änderung der Verfassung vorgeschaltet ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass über den Umweg einer (pseudo-)wissenschaftlichen Debatte höchst bedenkliche politische Entscheidungen mit fatalen Folgen durchgeboxt worden wären (Stichworte: Kreationismus, Rassengesetze, Abgasnormen, Schwulentherapie, etc.)

Artikel 5 GG steht damit für Frau Kramp-Karrenbauer insofern zur Disposition, dass er zumindest 1. für bestimmte Lebensbereiche, 2. bestimmte Meinungsmacher und 3. bestimmte Zeiträume unterschiedlich gelten soll. Das Ergebnis soll am Ende sein, dass Meinung frei geäußert werden darf, solange sie Wahlergebnisse von Parteien nicht negativ beeinflusst, oder wie?

Den Auslöser der "Karnevalsdiskussion" um die Anwärterin auf die Nachfolge meiner Kanzlerin Angela fand ich bereits verstörend. Die Haltung zur Ehe für alle finde ich befremdlich. Die Einstellung zum Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ebenso. Die Umdeutung der Nomenklatur "Natur" und "Umwelt" auf "Schöpfung" ist für mich ein schwieriges Signal. Insgesamt hat sich die eventuell zukünftige Kanzlerkandidatin nun nicht gerade in die Top 10 meiner Favoriten für diesen Job befördert. Mit diesem Statement jetzt halte ich diese Dame für ein Problem, das weit über Aspekte von Sympathie und Antipathie hinausgeht. Es würde mich nicht wundern, wenn sich AKK noch als schwerwiegendes Problem für CDU und dieses unser Land entpuppt.

Andererseits soll ich ja nicht immer alles so negativ sehen. Gut, Die Jacke steht ihr. Das ist doch schonmal was. Aber ob das für eine überzeugte Wahlempfehlung reicht?

Montag, 4. Juli 2011

Die Zeugen, mal wieder...

Es klingelt. Ich mache auf. Drinnen: Ich. Draußen: Zwei Figuren. Eine wahrscheinlich männlich, mit Buch, die andere anhand der Kleidung (Rock, Blümchenmuster) als sehr wahrscheinlich weiblich einzuordnen.
Beide: "Guten Tag!"
Ich: "Wer sind Sie und was wollen Sie von mir?"
Er: "Wir möchten mit Ihnen über diese Bibelpassage sprechen..."
Ich: "Moment eben, ich hole mir eben einen Stuhl und ein Bier. Sind Ihre Komparsen auch schon da oder bleibts beim Duett?" *gen Küche wetz*
Er: "...äh..."
Ich: *Stuhl aus Abstellkammer angel*
Stuhl: *aufklapp*
Ich: "So, kann losgehen..."
Er: "...aaaalso..."
Ich (zu ihr): "'Tschuldigung, haben sie ein Feuerzeug?"
Sie: "hm?"
Ich: "Feuerzeug."
Sie: "...äh..."
Ich: "Die Pulle will auf, wissen sie?"
Er: "Wir rauchen nicht!"
Ich: "Macht ja nix." *in Hose rumkram* Ah, hier."
Flasche: *pfschhtpfump* *plinker*
Ich: "So. Lassen Sie sich nicht aufhalten. Was wollten Sie mir doch gleich noch vorspielen?"
Er: *räusper* "Wir wollten mit Ihnen heute gerne über folgende Bibelpassage sprech... Ist Ihnen nicht gut?"
Ich: *fächelnde Bewegungen mit der Hand vorm Mund* "Doch doch, alles in Ordnung... Das Essen liegt etwas quer..."
Er: "Oh, Probleme mit dem Magen?"
Ich: "Nein, nicht wirklich. War wohl nicht ganz abgeflammt der Cognac auf dem Schokoladensorbet."
Er: "*?*"
Ich: "Flambierter Nachtisch. Echt lecker. Sollten Sie auch mal probieren. Wollen Sie das Rezept haben?"
Sie: "EIGENTLICH wollten wir über die Bibel sprechen..."
Er: "Ähm, danke, nein, aber meinen Sie nicht, dass sie aus der Bibel etwas für ihr Leben lernen könnten?"
Ich: "Oh doch, das habe ich bereits!"
Sie: "Oh?"
Er: "Ach das ist ja interessant..."
Ich: "Ja, da steht so einiges 'drin darüber, wie man Probleme effizient löst..."
Er: "Ja, das stimmt, der HERR hat uns einige sehr weise Ratschläge gegeben!"
Ich: "...wenn man zum Beispiel Wohnraum braucht, dann geht man da einfach hin, haut alle um und behauptet 'Dies Land Ist Meins!'"
Beide: "**???***"
Ich: "Oder wenn man Probleme mit dem Nachbarn hat, einfach abfackeln lassen die Bude und behaupten, das wären andere gewesen."
Sie: "Das steht aber nicht in der Bibel!"
Ich: "Klar. Moses. Nach dem Auszug aus Ägypten. Und Sodom und Gomorrha. Oder wollen Sie mir einreden, dass Israel nicht bewohnt war, als die Leute aus Ägypten da einmarschiert sind? Und die beiden Großstädte da an der Küste des Toten Meeres sind bestimmt von selber abgebrannt, woll?"
Er: "Also das haben sie ein wenig falsch verstanden..."
Ich: "Ach? Echt? Erklär mal."
Er: "Also die Völker Israels haben ja das Land ganz friedlich besiedelt und..."
Ich: "Also sind die Berichte, nachdem in der Gegend da Krieg herrscht, seit sich da Menschen aufhalten, gelogen?"
Er: "Naja, zumindest stark übertrieben, denn der HERR sagt ja, dass man niemanden töten darf..."
Ich: "Ja stimmt, das stand so auf den Tafeln. War das mit den Geboten nicht, bevor festgelegt wurde, dass auf Mord die Todesstrafe steht?(1) Und war das nicht auch vor der Sache mit den Kanaanitern(2) und dem König von Baschan(3) und seinen Leuten?"
Er: "...äh..."
Ich: *Zug aus der Pulle* "Ja, hier... Kanaan. Das war doch die Nummer mit 'Wenn Du' - also Gott - 'das Volk Kanaan in Israels Hände gibst, dann wollen wir' - die Jungs aus Israel - 'den Bann an ihnen vollstrecken und Gott hörte ihre Gebete und gab Kanaan in ihre Hände und sie brachten alle um'?"
Er: "Also so genau weiß ich das jetzt nicht..."
Ich: "Das ist schlecht. Und das Ding mit den Amoritern war ja nun auch nicht gerade Pazifismus der allerfeinsten Sorte. Das war doch die Geschichte mit 'Mach mit dem, wie mit dem andern und sie taten, wie der HERR ihnen geheißen, brachten alle um und eroberten das Land', oder?"
Er: "Da... ähm... also..."
Ich: "Sehen Sie? Die Bibel und der Herr sind da sehr eindeutig gewesen in der Wahl der Mittel."
Sie: "Ja, das war im Alten Testament, da waren die Zeiten noch anders!"
Ich: "Ach so?"
Er: "Ja. Der HERR sagt ganz eindeutig, dass man andere nicht umbringen darf!"
Ich "'Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und macht sie vor meinen Augen nieder.' Kommt Ihnen bekannt vor?"
Er: "N...nein? Nicht direkt."
Sie: "Kenne ich nicht."
Ich: "Lukas 19, 27."
Beide: "...ähm..." *blätter* *blätter* "..ähm..." *les* *les* "...ÄÄÄÄh..."
Ich: "Nun gut, ich sehe, Sie kennen Ihren Stoff noch nicht so gut." *Zug aus der Pulle nehm* "Ich will Sie dann nicht weiter aufhalten." *aufsteh* *Stuhl zusammenklapp und reinstell* "Sicherlich haben Sie jetzt eine Menge zu überdenken, bevor Sie wieder versuchen wollen, mich zu 'bekehren'. Schönen Tag noch."
Tür: *zuklapp*

(1) 3. Buch Mose, Kapitel 24, 17-20
(2) 4. Buch Mose, Kapitel 21, 1-3
(3) 4. Buch Mose, Kapitel 21, 34-35

Freitag, 6. Mai 2011

Schwarze Post

Post bekommt man eigentlich immer gerne, wenn sie persönlich adressiert ist und keine Rechnung oder Ähnliches. So geht es auch mir. Allerdings habe ich heute gelernt, dass es auch persönlich addressierte Post geben kann, die man nicht gerne bekommt. Ich bekam heute einen schwarz umrandeten Brief. Ein deutlicher Hinweis, dass der Inhalt nicht erfreulich sein wird. Und so war es auch. Ich wurde darüber informiert, dass Ruth K. vor ca. einem Monat verstorben ist, was mich sehr berührte.

Allerdings hätte mich der Brief sicherlich ungleich mehr berührt, wenn ich eine Frau Ruth K. aus Solingen gekannt hätte. Oder zumindest eine Ahnung hätte, wo ich diese Verstorbene einzusortieren habe. Ich zermartere mir seit heute morgen den Kopf, wer diese Frau gewesen sein mag und ob - und wenn ja, woher - ich sie gekannt habe. Es fällt mir ums Verrecken nicht ein. Da ich unmittelbar namentlich angeschrieben wurde, kann ich eine Verwechselung ausschließen. Meinem Gedächtnis hilft das trotzdem nicht weiter. Ich habe keinen Schimmer, wer Ruth K. aus Solingen gewesen sein könnte und wieso ihre Nachkommen mich und meine Anschrift - die ja gerade erst in kurzer Folge zwei mal gewechselt hat - kennen.

Nunja, wahrscheinlich galoppierende Altersdemenz. Ich drücke dennoch auf diesem Wege den Hinterbliebenen mein Beileid und Mitgefühl für den Verlust aus und hoffe, man möge mir verzeihen, wenn ich mich an diesen hoffentlich wundervollen Menschen nicht erinnere.

Montag, 7. März 2011

An der Tür

Ich muss gar nicht immer weggehen, um Spaß zu finden. Oft genug kommt der Spaß auch direkt zu mir nach Hause. Wie zum Beispiel gerade eben.

Es klingelt an der Tür. Zwei Damen - beide nicht unattraktiv und vielleicht Mitte 20, Anfang 30 - kommen die Treppe hoch stolziert. Ich bin neugierig...
Sie: "Guten Tag, wir möchten mit Ihnen über diese Bibelstelle reden... Was halten sie davon?"
Ich: "Von welcher Sekte sind Sie?"
Sie: *entrüstet* "Wir sind keine Sekte!"
Ich: "Schade. Ich war gerade in Stimmung eine aufzukaufen. Sind Sie interessiert an spontanem Sex?"
Sie: "b...wa?"
Ich: "Auch nicht? Schade. Ihre Kollegin vielleicht? Nein? Ausnahmsweise kein Dreier heute?"
Sie: *guckt ihre Kollegin zweifelnd an*
Ich: "Ja, vor vierzehn Tagen hatten wir sehr viel Spass aneinander. Sie ist schon eine süße Wildsau, wenn Sie will... Naja gut, ich geh dann wieder rein. Tschüssi!" *Türzuklapp*
Auf der anderen Seite der Tür:
"Warst Du wirklich...?"
"Nein!"
"Aber in der Liste steht, dass Du hier warst..."
"NEIN!"
"Aber da steht 'hat Gespräch geführt'..."
"Dorothea! Wir gehen JETZT!"

Montag, 22. März 2010

Ostern 2010 - ich freu' mich drauf

Der Kreis meiner Bekannten ist bunt und vielschichtig und manche aus diesem Kreise sind durchaus "anders". Ich vergesse gerne, wie anders Menschen sein können, was wohl mit dem Gewöhnungseffekt zu tun hat.

Am vergangenen Wochenende traf ich mich nachmittags mit einem meiner sehr computeraffinen Bekannten im Cafe. Dieser Bekannte - nennen wir ihn "Erik" - spielt mit an Fanatismus grenzender Inbrunst World of Warcraft (WoW). Ich kann diesem Spiel nicht besonders viel abgewinnen, aber darum geht es jetzt nicht. Erik spielt eine Dunkelelfe. Ich habe ehrlich gesagt keinen Schimmer, was eine "Dunkelelfe" eigentlich ist, von "Schurke" als Charkterklasse ganz zu schweigen, aber ich habe verstanden, dass Erik mit seiner Dunkelelfe eine Menge verbindet und diese Figur wohl auch so etwas wie "die Wucht in Tüten" sein muss. Jedenfalls betont er das immer wieder.

Erik spielt eine weibliche Figur und ich habe ihn schon einige Male versucht damit scherzhaft aufzuziehen. Erfolglos. Ich kenne Erik schon einige Jahre und weiß, dass er sehr auf Frauen fixiert ist, allerdings auf die gesunde Art. Oder anders ausgedrückt: Erik ist ungefähr so sehr homosexuell veranlagt, wie ich Multimilliardär bin, nämlich gar nicht. Und Geschlechtsumwandlung... Nein. Nicht bei Erik. Erik als Frau wäre ein Desaster für alle, die gezwungen wären, das zu erleben. Alleine die Vorstellung... Oh Gott. Kopfkino.

Erik ist chronischer Single, was zum Teil wohl auch an seinem Job liegt. So wie er mir WoW immer wieder beschreibt, scheint das eine Art globaler Kontakt- und Partnerschaftsbörse zu sein. Ich bin geneigt, ihm das bis zu einem bestimmten Punkt zu glauben, denn immer wieder beschreibt er mir bei unseren seltenen Treffen, wie viele tolle Menschen, Männer wie Frauen, er dort schon kennengelernt habe. Und außerdem haben sich da schon total viele Paare gefunden, die schon seit Jahren zusammen sind. Mit dem Treffen im wirklichen Leben, da hapert es oft, denn jemanden aus der Nachbarschaft in den Weiten jener Onlinewelt zu finden ist nicht eben trivial.

Bei unserem Treffen eröffnete mir Erik, dass es ihn "total erwischt" hat. Erik ist verliebt. So richtig derbe. Rosa Brille, kleine Herzchen in den Augen, abwesender Blick, das volle Programm. Endlich hat auch er sein passendes Gegenstück gefunden. In WoW. Die beiden kennen sich schon recht lange, sagte er mir. Und sie sei "ein absoluter Traum". Endlose Nächte hätten die beiden schon am Rechner miteinander verbracht, er vor seinem - sie vor ihrem. Sie spielt in WoW übrigens einen weiblichen Charakter und er beschreibt ihre Spielfigur so, dass daneben die Venus von Milo potthässlich sein muss: "Sie ist ein menschlicher Paladin. Und wunderschön. Ihre Eleganz und Grazie... So wie sie kämpft keine andere. Und sie ist so warmherzig und gut..." - Mir war spontan nach Alkohol in großen Mengen.

Vor einigen Tagen, so erzählte mir Erik, hat er seiner Angebeteten seine Zuneigung gestanden. Meine Vorstellung ob dieses Vorgangs ist "farbig", denn Erik ist ein gestandenes Mannsbild von fast 30 Jahren, Sportler, selbstbewusst und charismatisch - nur leider vollkommen verklemmt und unfähig wenn es um Frauen geht. Verglichen mit seinem Talent Frauen anzugraben bin ich auf dem Gebiet beinahe ein omnipotentes Genie, und ich bekomme da schon absolut gar nichts auf die Reihe. In meiner Fantasie sah ich einen stark schwitzenden Erik am Rechner sitzen, der vor Nervosität Nägel kauend und Kette rauchend mit sich selbst und gegen die Tücken der Technik kämpfend versucht, einer Frau am anderen Ende der Welt zu erklären, dass er sein Herz an sie verloren hat. Die Vorstellung hatte eindeutig etwas für sich und ich konnte mir ein Grinsen nur mühsam verkneifen.

Trotzdem: Erik hatte Erfolg. Seine Angebetete erhörte sein Flehen und nun sind die Beiden wohl ein Paar. Auch Bilder hätte man schon ausgetauscht und telefoniert hätte man auch schon ein Mal. So sehr kleben die beiden aneinander, dass sie sich entschlossen haben, in WoW zu heiraten. Ich muss zugeben, dass ich mit dieser Idee meine ganz eigenen Probleme habe, aber ich bin aufgeschlossen und finde, dass jeder seinen (oder ihren) ganz eigenen Weg finden muss, um seine Verbundenheit auszudrücken. Von den modernen Medien sollten Mann und Frau sich da nicht bremsen lassen. Begleitet von meinen besten Wünschen gingen wir auseinander, denn Erik musste unbedingt pünktlich zum Treffen mit seiner Angebeteten erscheinen. So eine Hochzeit will ja auch vorbereitet sein.

Ich hätte diese Episode beinahe wieder vergessen, wenn mich nicht spät abends am Samstag ein anderer Bekannter angerufen hätte. Ich nenne ihn mal "Daniel" (Name der Redaktion bekannt). Auch Daniel kenne ich schon Ewigkeiten und Daniel ist ein typisch süddeutsches Kellerkind und Zocker der ersten Garde: Progamer, Clanleader, Hardwarefrickler, lichtscheu und - welch Zufall - unbeweibt. Daniel platzte vor Mitteilungsbedürfnis: "Hey Frank. Na wie geht's? Du, ich hab' ne Freundin!" Ich war platt. Daniel und eine Freundin? Ich sah aus dem Fenster. War die Hölle zugefroren? War die Apokalypse angebrochen? Regnete es Geld? Daniel mit Freundin das war in etwa so wahrscheinlich, wie drei Mal in Folge den Jackpot im Lotto zu knacken. Viel schlimmer: Wieso der und nicht ich? Sowas wurmt. Trotzdem gab ich den interessierten und sich erfreuten Zuhörer und wollte natürlich wissen, wie es denn dazu gekommen war.

Daniel hatte sie im Internet kennengelernt. Schon vor Monaten. Und die beiden haben echt ganz super toll viel Zeit miteinander verbracht. Und sie ist sooooooo toll. Und intelligent. Und überhaupt. Und gut sieht sie auch noch aus. "Okay," dachte ich mir, "das ist dann jetzt der Zweite in kurzer Zeit." Vielleicht sollte ich meine Ansichten über das Internet und die Partnersuche dort doch noch mal überdenken - Ich glaube nämlich NULL an das Internet als funktionierender Heiratsmarkt. Daniel schwärmte mir weiter von seiner Angebeteten vor. Wie gut sie zuhören könne, wie intelligent sie sei. Und so natürlich. Ich schaltete auf Durchzug, denn ganz ehrlich: verliebtes Geschwafel ist ja gut und schön, aber mir damit spätabends auf den Sack zu gehen, steigert meine Laune nicht gerade, wenn ich in diesem Geschwafel keine Rolle spiele und ganz besonders dann nicht, wenn ich bereits kurz vorher einen ähnlichen Textanfall überstanden habe.

Irgendwann kam Daniel zum eigentlichen Anliegen seines Anrufs: "Du bist doch Fotograf, oder?" Ja, bin. "Und Du kannst gut mit Bildern umgehen und so." Das nahm ich als Kompliment und Feststellung. "Hast Du auch einen WoW-Account?" Nein, habe ich nicht, will ich auch nicht. Aber die Neugierde siegt: "Warum?" fragte ich. "Ich heirate morgen und will ein paar schöne Hochzeitsfotos haben..."

Ich war hellwach. Hochzeit in WoW? Das hatte ich doch irgendwo schon mal gehört. Ich hakte nach. Daniel erzählte mir von den vielen, langen Nächten, die die beiden schon gemeinsam in was weiß ich für gottverlassenen Pixelwelten verbracht hätten, von endlosen Gesprächen, gemeinsamen Abenteuern und so weiter und so fort. Und wie toll sie natürlich aussähe. Und wie tolerant sie doch sei. Daniel war vollkommen verknallt. Jenseits von Gut und Böse. Weit jenseits.

Neugierig wie ich bin ließ ich mir von Daniel beschreiben, wie man sich als Außenstehender und Unwissender eine Hochzeit in WoW vorstellen müsste. Daniel beschrieb mir das "Happening" so gut er konnte und er war ehrlich bemüht, mich dafür zu begeistern. Allerdings erreichte er damit bei mir vor allem eins: Stirnrunzeln. Nicht etwa, weil er in einem Onlinespiel heiraten will, nein, das nun nicht. Jeder nach seiner façon. Was mir nicht aus dem Kopf ging, das war ein Satz, den Daniel locker flockig so dahin sagte: "...und da stört es auch niemanden, wenn zwei Frauen heiraten." Äh, Moment... "Zwei Frauen?"

Daniel klärte mich auf - oder glaubte zumindest mich aufzuklären - dass man in solchen Spielen Rasse, Aussehen und Geschlecht seiner Spielfigur frei wählen könnte. Und seine Freundin spielt halt eine Dunkelelfe und er eine menschliche Frau. Das sei nicht ungewöhnlich und völlig normal. Das war nicht der Punkt, mir ist doch völlig egal, wer da wen heiratet, solange alle glücklich sind. Nein, mir ging es um etwas ganz Anderes: "Was spielt ihr da denn für Klassen?" Daniel war begeistert und witterte die Chance, mich nach all den Jahren endlich für WoW ködern zu können. Er beschrieb mir in epischem Umfang das System der Charakterklassen und wiedermal vermisste ich die Taste für "vorspulen" bei einem Gesprächspartner. Daniel kam zum Punkt. "Ich spiele einen menschlichen weiblichen Paladin und meine Freundin eine Dunkelelfen-Schurkin."

Ich ging ans Regal, Telefon in der Hand, und wählte sorgfältig. Lagavulin, 16 Jahre, erschien mir angemessen. Ich nahm ein Glas, goss großzügig ein. Dabei fragte ich Daniel, ob er seine Freundin denn schon mal gesehen hätte. "Ich habe Bilder von ihr!", prahlte er und vor meinem geistigen Auge konnte ich in diesem Moment eine wahre Kaskade von Screenshots, Webcam-, Handy- und Sonstwasfotos auf Daniels Bildschirm aufgehen sehen. "Getroffen haben wir uns noch nicht, sie wohnt bei Dir da im Norden irgendwo und das sind ja ein paar Kilometer." Ich fragte ihn, wann denn die Hochzeitsnacht geplant sei. Etwas verlegen meinte Daniel, dass sie sich "über Ostern" treffen wollten, weil sie beide dann frei hätten. "Und da bin ich sowieso bei meinen Eltern in Osnabrück, das wäre dann für uns beide der halbe Weg... Aber Du, ich muss jetzt auch Schluss machen, meine Freundin kommt gleich online. Kannst Dir das mit den Fotos ja noch überlegen. Schühüüüsss!" Und weg war er.

Ich dachte an Daniel und seine stockkonservativen Eltern und stellte mir das Osterfest in dieser Familienkonstellation vor. Ein Osterfest, zu dem der einzige Spross seiner Familie eröffnet, dass er im Internet geheiratet hat. Ein Osterfest, bei dem die größte Überraschung seit Jahren wohl tatsächlich die Eier sein dürften...

Prost.


[PS]

Wegen der Nachfragen:

Ja, mir ist klar, dass beide gegenüber dem jeweils anderen behauptet haben, eine Frau zu sein. Den beiden offensichtlich nicht...
Ja, die beiden haben inzwischen "geheiratet".
Nein, ich habe keine Ahnung, wie zwei Männer miteinander telefonieren können und den jeweils anderen für eine Frau halten können.
Nein, ich habe es den beiden (noch) nicht gesagt. Ich bin ja kein Spielverderber.

Freitag, 26. Februar 2010

Physik nach SPON:

Mein WTF zum Frühstück von SPON:
je kleiner der Sensor desto durchgehender die Schärfe
Mit anderen Worten: Die Schärfentiefe hängt vom Sensor ab, nicht von der Blende. Ich sollte meine Physiklehrer verklagen...

Mittwoch, 24. Februar 2010

Beschaffung

Ist da (im "chez Charles") schon was länger an der Wand, aber es bringt mich immer wieder zum Nachdenken:

im chez charles

Samstag, 4. Oktober 2008

Überschrift des Tages (86)

Gott lobt Bushido - n24
Ich lasse das mal kommentarlos so stehen...

(Quelle: N24)

Freitag, 3. Oktober 2008

Überschrift des Tages (85)

Jetzt wird mir einiges klar:

Steuerfreier Rum gegen die Krise - Tagesschau
Will auch! Will auch!

(Quelle: Tagesschau)

Talent und Dummheit

Auch unsere Großeltern hatten schon eigenartige Ideen und noch viel eigenartigere Zeitgenossen...

(Danke Fragman)

Donnerstag, 25. September 2008

Milch

Ben & Jerry's Bohemian RaspberryAls verfressene Sau mit Anspruch auf Exklusivität eignet man sich im Laufe der Zeit einige teure und Kalorienreiche Vorlieben an. Bei manchen ist es Kaviar, oder bestimmte erlesene Kekse, oder wie bei mir: Eis. Gutes Eis find ich einfach nur klasse. Besonders weit oben auf der Liste der Dinge, die ich total toll finde steht deshalb Ben & Jerry's. Das Eis dieses amerikanischen Herstellers toppt alles, was es sonst noch so auf dem deutschen Massenmarkt zu kaufen gibt. Okay, Häagen-Dazs kommt in die Nähe, aber B & J finde ich einfach besser.

Bei Preisen von mehr als 5 Euro für 500 ml ist die Debatte darüber, ob man nun B & J oder Big-H bevorzugt aber auch schon nörgeln auf sehr hohem Niveau. Wichtig ist vielmehr, warum das Eis so gut ist, dass so viele dafür jedes andere Eis stehen lassen. B & J verwendet Sahen für's Eis. Sahne wird aus Milch gemacht. Aus guter Milch. Viel davon. Das ist auch toll, denn so bekommt das Eis eine hervorragend feste Konsistenz. Das mögen auch andere. Aber dann gibt es da welche die meinen, dass diese Sache mit der Kuhmilch eher doof wäre.

Nicht etwa, weil sie Milch nicht vertragen, weil sie allergisch darauf reagieren, oder weil sie Milch einfach nicht mögen. Nein, weit gefehlt. Diese Menschen sind der Ansicht, dass Kühe dem Menschen ja eigentlich gar keine Milch geben wollen, sondern dazu gezwungen werden. Das ist Unrecht und gehört deshalb unterbunden.

Richtig, wir reden von PeTA (nicht "People eating Tasty Animals" wie Arno immer behauptet, sondern die anderen, die mit "People for the Ethical Treatment of Animals"). Die sind an B & J herangetreten und gaben folgendes zum Besten:
"On behalf of PETA and our more than 2 million members and supporters, I'd like to bring your attention to an innovative new idea from Switzerland that would bring a unique twist to Ben and Jerry's. Storchen restaurant is set to unveil a menu that includes soups, stews, and sauces made with at least 75 percent breast milk procured from human donors who are paid in exchange for their milk. If Ben and Jerry's replaced the cow's milk in its ice cream with breast milk, your customers--and cows--would reap the benefits."
Na, schon gefunden? Abgesehen von der Idee als solcher finde ich es grandios darzustellen, dass - wie PeTA es später im Text ausdrückt - Kuhmilch eine Gesundheitsgefahr für Menschen darstellt. Außerdem wäre es ja von Vorteil für die Kühe, wenn man auf Muttermilch wechselt. Findet PeTA jedenfalls.

Also, liebe Frauen, falls ihr noch nicht wisst, womit ihr in Zukunft Geld verdienen könnt: PeTA hätte da eine Idee...

(Quelle: PeTA)

Donnerstag, 28. August 2008

Eine Art Sport

Manche Leser glauben, dass die Tapirherde der Ort sei, um andere auf bekloppte seltsame Ideen zu bringen und sie spekulieren darauf, dass ich mich an diesem Feldversuch gerne beteilige. Tue ich glatt, aber nur als Besobachter. Aus großer Entfernung. Ich bin nämlich nicht schwindelfrei.

Ich frage jetzt lieber nicht, warum ihr mir ausgerechnet jetzt dieses Video zukommen lasst, aber ich bin mir sicher, dass ihr euch dabei irgendetwas gedacht habt. Trotzdem: Danke Maike und Tim.

Mittwoch, 20. August 2008

Sachen gibts... (197)

Krispy Kreme FlipflopDie Welt ist ein fantastischer Ort. Hier sind Männer nur dann Männer, wenn sie rosa Hemden tragen und Frauen sind davon überzeugt, dass Flip-Flops tatsächlich adäquates Schuhwerk darstellen. Darum gibt es auch Doughnuts und Fernsehn und natürlich: Werbung. Da, wie so oft, alles mit allem verbunden ist, gibt es auch in diesem Fall jemanden, der all das miteinander kombiniert hat. Die Firma Krispy Kreme (sic) ist Hersteller von Doughnuts und hat sich eine neue Werbekampagne einfallen lassen.

Diese Werbekampagne hat in erster Linie mit Gras zu tun. Was Gras allerdings mit Doughnuts zu tun hat, ist mir nicht ganz klar, aber vielleicht besteht die neueste Füllung ja aus frischem Rasen, wer weiß das schon? Krispy Kreme jedenfalls ist der Meinung, dass die Menschheit unbedingt Doughnuts braucht. Und was trägt der durchschnittlich übergewichtige Doughnutkonsument an den Füßen? Natürlich! Flip-Flops! Die haben eine ganze Menge mit Gras zu tun. Und damit das auch dem letzten klar wird, hat sich Krispy Kreme solche Zehenlatschen basteln lassen, auf deren Sohle Gras wuchert.

Ja, richtig: Gras. Rasen. Grünzeugs. Innen. Die Käsemauke bekommt ihr eigenes Salatbeet. Wer welche haben will, muss es mal per Email bei der Pressestelle von Krispy Kreme probieren. Hier in Deutschland gibt es die jedenfalls noch nicht - soweit ich weiß.

Montag, 18. August 2008

Langsam bitte

Speedbump ChinaIn Deutschland ein Tempolimit zu erzwingen, hat eher was von einer schon fast verzweifelt anmutenden freundlichen Bitte, denn Autofahrer halten solche Regeln normalerweise nicht für verbindlich, oder zumindest nicht unbedingt immer für sie geltend. Darum hat man an verschiedenen Stellen auch hier in Deutschland solche "Speedbumps" eingeführt. Diese "Huckel" zwingen den Autofahrer mehr oder weniger deutlich dazu abzubremsen. Aber auch das interessiert nicht unbedingt jeden. In China hat man das Problem erkannt und entwickelte Geschwindigkeitsbremsen, die wohl jeden Autofahrer dazu bringen, langsamer zu fahren (siehe rechts).

In der Provinz Shan Xi hatte man offensichtlich genug davon, dass die Verkehrsteilnehmer mit Bleifuß die Landstraßen entlangheizen und baute deshalb diese gut 30 Meter langen und knapp 60 Zentimeter hohen Betonserpentinen ein. Der Erfolg spricht für sich: Die Autolackierfirmen freuen sich über reges Wchstum der Auftragslage und die Autofahrer sind begeistert von denn alltäglichen Staus, denn diese Anlage verengt die Schnellstraße auf eine Spur für beide Richtungen.

(Quelle: HSW)

Sonntag, 17. August 2008

Gott lob WEN?

Neulich war ich in Ludwigsburg und als ich da abends durch die Stadt ging, kam ich an einer Baustelle vorbei. Da hing ein Schild.

Ich bitte um Entschuldigung für die schlechte Qualität, aber ich hatte nur das Handy dabei.

Mittwoch, 13. August 2008

Truck Driving - You're Doing it Wrong

Politik heute

Gerne glauben wir, dass der Schwachsinn, den Politiker sich so ausdenken, Grenzen hat. Dem ist nicht so, wie dieser Videomitschnitt der Rede des Vertreters der Republikanischen Partei aus Texas, Ted Poe, vor dem Repräsentantenhaus zeigt:

Auch bei uns werden solche Glühbirnen bald "Pflicht" und ich frage mich, welche Entsorgungsvorschriften auf uns zukommen werden. Alleine die Vorstellung, dass nach Meinung von Politikern eine Glühbirne, die Quecksilber enthält, umweltschonender ist, wenn sie nach Gebrauch in ZWEI(!) Plastiktüten eingewickelt und auf Müllhalde geworfen wird, anstatt einfach die alten weiterzuverwenden, macht mich schon etwas sprachlos...

Sondervorstellung

weibliche Brust BusenWenn Behörden jubelnde Fans haben, muss etwas faul sein. Diese Erkenntnis ist universell und fundamental. Zwar kommt es hin und wieder vor, dass einzelnen Mitarbeitern von einzelnen Bürgern gedankt wird, aber das ist doch eher die Ausnahme. Generell sind Beziehungen zwischen Behördenmitarbeitern und ihrer Kundschaft eher neutral und meistens von tiefsitzender, umfassender, gegenseitiger Abneigung gekennzeichnet. Ursache dafür sind nicht selten die kreativ gestalteten Arbeitszeiten, Zuständigkeiten und Vorschriften.

Mitarbeiter des Rathauses in Oldham nahe Manchester, England, waren entsprechend verblüfft, als sich nach und nach Passanten vor dem Rathaus versammelten. Man befürchtete einen sich spontan zusammenrottenden Mob, aber irgendwie fehlten Fackeln und Mistgabeln. Auch waren die drinnen ziemlich überrascht davon, dass die draußen offenbar ziemlich begeistert waren. Man schob die Begeisterung auf die letzten Renovierungen und wollte die Leute auf der Straße nicht weiter beachten.

Das klappte auch ganz gut, bis die inzwischen beachtlich gewachsene Meute draußen begann, rhythmisch zu klatschen. Das brachte zwar erneut gesteigerte Aufmerksamkeit, aber keine Klarheit über die Gründe. Als dann aber Anfeuerungsrufe unmissverständliche Klarheit brachten, war die Hektik groß. Ein Cop wurde damit beauftragt, dem ungebührlichen Ausbruch an Begeisterung für das Treiben im Rathaus Einhalt zu gebieten. Der arme Kerl wurde beauftragt, alle Büros mit Fenstern zur Straße zu durchsuchen und die Akteure auf die Einhaltung der Dienstvorschriften hinzuweisen. In denen steht schließlich nicht drin, dass die Bevölkerung zu begeistern ist!

Und so geschah es auch. Der Cop platzte schließlich in das alles entscheidende Büro, in dem sich zwei Angestellte der Stadt miteinander vergnügten. Eine Diskussion über ein mehrere Millionen Euro schweres Projekt zur Wiederbelebung der Wirtschaft hatte die beiden so dermaßen angemacht, dass sie nicht anders konnten als sich die Klamotten vom Leib zu reißen und übereinander herzufallen. Am Fenster. Ohne Vorhänge. Zur Begeisterung der Bevölkerung, die nun endlich den Beweis vor Augen hatte, dass Behörden auch mal was Sinnvolles tun können.

Ein Sprecher des Stadtrates erklärte der Presse, dass die überaus erfolgreichen Akteure zur Zeit suspendiert sind und eventuell mit Disziplinarmaßnahmen zu rechnen haben. Allerdings werde darüber erst entschieden, wenn wirklich alle Einzelheiten des Vorfalls bekannt sind. Mit anderen Worten: Wenn auch der letzte das Video gesehen und die Leistung der beiden gewürdigt und bewertet hat - Wir erinnern uns? England ist das Land mit der absolut höchsten Dichte an Überwachungskameras in öffentlichen Bereichen - Behörden gehören auch dazu...

Unbekannt ist, ob den beiden wenigstens außerhalb ihrer Behörde weitermachen durften, ohne von der Polizei gestört zu werden. Unbekannt ist auch, ob Publikum dabei eine größere Rolle spielt...

(Quelle: Daily Mail)

Ufoporno

Guten Morgen liebe Freaks und Ufologen, hier ist Euer Weckruf:

Werden in Finnland die Drogen eigentlich mit dem Trinkwasser verteilt?

(Danke enos)