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Freitag, 4. März 2011

Guttenberg

Ich wurde in den letzten Tagen oft genug nach meiner Meinung zur "Causa Guttenberg" befragt. Ich möchte mich an der Diskussion nicht größer beteiligen, weil es die Sache einfach nicht wert ist - ganz abgesehen davon, dass ich gerade ganz andere Probleme habe: Der Umzug steht vor der Tür.

Darum hier die Antworten auf die mir am häufigsten gestellten Fragen:

* "Hältst Du den Rücktritt für "richtig"?"

Ja.

* "Sollte zu Guttenberg eine Chance auf eine Rückkehr in die Politik und in ein Ministeramt erhalten?"

Erstens halte ich es für vollkommen verfrüht, diese Frage jetzt zu diskutieren. Erst müssen die Vorwürfe gegen ihn, die zu seinem Rücktritt führten, in Gänze abgearbeitet werden. Danach kann man sich Gedanken über seine Rehabilitation machen. Zweitens hängt die Beantwortung dieser Frage maßgeblich davon ab, was bei den gegen Guttenberg anhängigen Strafanzeigen (und sonstigen Verfahren) herauskommt. Sollte sich herausstellen, dass Herr zu Guttenberg strafbare Handlungen begangen hat (u.a. Meineid, Urheberrechtsverstöße, Mißbrauch von Titeln etc.) und er deswegen rechtskräftig verurteilt werden, wäre ich gegen eine baldige Rückkehr in ein Amt als "Volksvertreter". Ob ihm diese Rückkehr in z. B. 10 Jahren offenstehen sollte, kann ich beim besten Willen jetzt nicht beantworten. Das hängt auch sehr davon ab, wie sich Herr zu Guttenberg in der Zukunft verhält.

* "Glaubst Du, dass zu Guttenberg einer "Schmierenkampagne" zum Opfer gefallen ist?"

Die Vorwürfe gegen ihn sind nicht erfunden, aus der Luft gegriffen oder abstrakt konstruiert, sondern sehr konkret und meiner Meinung nach sehr schwerwiegend. "Schmierenkampagne" halte ich deshalb für die falsche Denkrichtung. Da allerdings in diesem Jahr (2011) eine große Anzahl wichtiger Wahlen bevorstehen, nutzen alle politischen Parteien jedes greifbare Mittel, das dem politischen Gegenüber schadet. In sofern dürfte es nicht allzu vermessen sein anzunehmen, dass die Vorwürfe gegen ihn, aber auch seine Verteidigung zumindest instrumentalisiert wurden. Ob das Auffinden der wahrscheinlichen Plagiate in seiner Doktorarbeit zu diesem Zeitpunkt zufällig war, kann ich nicht beurteilen.

* "Was hältst Du von den Sympathiebekundungen, Facebookgruppen, Demonstrationen und so weiter, mit denen seine "Fans" verlangen, dass sein Rücktritt annuliert wird?"

Meine Meinung dazu fasst der Kommentar von haekelschwein, vom 2. März 2011 aus netzpolitik.org, ziemlich gut zusammen:
"Es bringt nichts, sich über unpolitische Menschen mit einfacherer Bildung lustig zu machen.

Was sollen die daraufhin tun, plötzlich klug werden? Wie soll das gehen?

Stattdessen muss man sie da abholen und annehmen, wo sie sich emotional und intellektuell befinden. Das ist nicht die abstrakte Welt dröger Politik mit ihren ellenlangen Diskussionen und meterhohen Papierstapeln, sondern es ist die Welt des Events, der Tat, der bewegenden Bilder.

Wer nur Boulevardmedien konsumiert, aber kaum seriöse Zeitungen oder Bücher liest, für den ist alles unterhalb von Superstars, Sensationen und Riesenwirbeln jenseits der Wahrnehmungsschwelle, für den gibt es nur total toll oder total scheiße.

Guttenberg war seit langem der erste Politiker, der es über die Wahrnehmungsschwelle dieser Bevölkerungsgruppe geschafft hat, alle übrigen verschwimmen in ihren Augen in derselben grauen Masse.

Dass er Politiker war, erschien aber nur als Anlass, über ihn zu berichten, nicht jedoch als Inhalt der Boulevardberichte. Deren Konsumenten interessieren sich auch nicht für Politik, sondern für schillernde Prominente.

Guttenbergs Beliebtheit bei dieser Schicht leidet deshalb auch nicht unter seinen Fehlern als Politiker, weil seine Fans gar nicht genau sagen könnten, worin dessen Politik eigentlich besteht, sondern sie sind sich lediglich sicher, dass ein Mensch, der ihnen derart sympathisch ist, auch auf diesem obskuren Feld namens Politik etwas Großes leistet.

Alle Gegenargumente, die Guttenbergs politische Versäumnisse aufzählen, verfangen deshalb nicht. Genauso wenig wie man einer verliebten Teenagerin den nichtsnutzigen Freund ausreden könnte, denn sie liebt ihn ja nicht wegen seines beruflichen Erfolgs. Im Gegenteil verstärkt man in beiden Fällen nur die Anziehung, weil man Trotz erzeugt und ein Bedürfnis, das Objekt seiner Liebe zu verteidigen.

Ein Großteil der Guttenberger scheint mir aus den Gruppen der Nichtwähler und der politisch Uninteressierten zu kommen und sich jetzt erstmals in eine politische Diskussion einzuschalten. Das erklärt auch, warum in vielen Foren so viele Neumitglieder ohne vorherige Beiträge sich für Guttenberg einsetzen. Das ist wohl kein Astroturfing, sondern die haben sich vorher eben nie für Politik interessiert, und jetzt interessieren sie sich zumindest für einen Politiker, allerdings auch nicht wegen dessen Politik, sondern wegen seiner Starqualitäten.

Dadurch unterscheiden sich diese Guttenberger auch von CSUlern. Die CSUler unterstützen Guttenberg, um ihre Politik nicht zu beschädigen. Die Guttenberger unterstützen Guttenbergs (unbekannte) Politik, um Guttenberg nicht zu beschädigen.

Statt Häme über die Guttenberger auszuschütten, sollten sich Bildungsbürger und etablierte Parteien überlegen, wie sie die Alltagspolitik verständlicher, aber auch mal spannender und begeisternder verkaufen könnten, damit nicht nur Buchstabenfresser sich dafür interessieren, sondern auch Menschen mit weniger Abstraktionsvermögen. Warum kann eine Regierungserklärung nicht so mitreißend sein wie eine Apple-Keynote? Man kann doch politische Themen auch mal mit Schwung und Begeisterung verkaufen. Die Boulevardmedien wiederum sollten sich fragen lassen, ob Personalisierung und ständiges emotionales Dauerfeuer der einzige Weg sein muss, die Zielgruppe anzusprechen, oder ob man nicht mal ein paar Gänge zurückschalten kann; wer ständig Überwürztes isst, verliert das Gespür für die feineren Geschmacksnuancen.

Nehmen wir also die Trauer der Guttenberger ernst, sie haben wirklich etwas verloren. Und das Verlorene sollte man ihnen auch zurückgeben, aber nicht in der Person Guttenbergs, sondern indem man ein wenig vom Auftreten und vom Verkäufertalent Guttenbergs in die für viele allzu graue Politikwelt übernimmt. Man kann von Guttenberg durchaus lernen, wie man Begeisterung erzeugt, wie man Tatkraft ausstrahlt, wie man Menschen für sich gewinnt. Das sind Dinge, die auch ehrliche Politiker durchaus plagiieren dürfen, und dabei muss die politische Substanz keineswegs auf der Strecke bleiben."

Quelle: http://www.netzpolitik.org/
* ""Hältst Du zu Guttenberg für einen herausragenden Politiker?"

Nein. Er ist ein Politiker wie viele andere. Ich halte aber sein Talent mit Medien umzugehen und sein Charisma zu nutzen und beides für seine Interessen einzuspannen für mindestens bemerkenswert.

* ""Hältst Du zu Guttenberg für einen schlechten Politiker?"

Nein (siehe oben). Er ist nicht schlechter als andere Politiker auch. Seine "herausragenden" Entscheidungen sind nicht frei von Kritik. Das gilt allerdings auch für die Entscheidungen anderer Politiker.

* "Hat die "Causa Guttenberg" Deine Meinung über "die Politik" in Deutschland verändert?"

Nein. Vielmehr hat diese Episode meine Meinung über Politik und Gesellschaft in vielen Punkten bestätigt. Das Drama um die mangelnde politische Bildung und das Unverständnis der gesellschaftlichen Prozesse in Deutschland wird gerade an diesem Fall besonders deutlich herausgestellt.

* "Würdest Du mir / meinem oder meiner Bekannten erklären, was da eigentlich gerade abgeht?"

Hier auf der Herde? Nein. Lade mich auf einige Bier ein, dann sehen wir weiter. Einen deutschen Aufsatz möchte ich zu dem Thema aber nicht verfassen, denn sonst komme ich in den nächsten vier Jahren zu gar nichts mehr.

Freitag, 26. Februar 2010

Physik nach SPON:

Mein WTF zum Frühstück von SPON:
je kleiner der Sensor desto durchgehender die Schärfe
Mit anderen Worten: Die Schärfentiefe hängt vom Sensor ab, nicht von der Blende. Ich sollte meine Physiklehrer verklagen...

Donnerstag, 25. Februar 2010

4,5 ist knapp 6

In den USA starb eine "Trainerin" eines Orca bei einem tragischen Unfall während sie mit dem Tier "arbeitete". Zwar ist die Geschichte an sich bereits traurig genug. Weil aber der Tod eines Menschen heute nicht mehr viel wert ist, muss kreativ mit Zahlen und Fakten hantiert werden. Und mit Fakten. Heute zeigt uns "Die Welt" ein Musterbeispiel dafür.

Das kreative Zahlenspiel:

knapp sechs Tonnen - 4,5 Tonnen schwer - welt.de
Im Teaser für den Text schreibt Die Welt in ihrer Onlineausgabe, dass der Orca "knapp sechs Tonnen" schwer sei. Im dem Bild folgenden Text schreibt sie dann, der Wal sei "4,5 Tonnen" schwer. Nun, ich weiß, dass ein Unterschied von 1.500 Kilo nahezu mikroskopisch ist, wenn man diese Masse mit zum Beispiel der Masse von Öltankern oder meinetwegen Sonnen vergleicht. Aber bei Meeressäugern machen 1.500 Kilogramm einen gewaltigen Unterschied - und in einem Aufmacher für einen Sensationsbericht sowieso.

Aber auch das reicht der Welt nicht. Die dramatisch-alberne Überschrift, durch die sowohl SeaWorld, als auch die ermittelnden Behörden an den Rand der Lächerlichkeit bewegt werden, lautet:

Orca-Trainerin starb offiziell durch Unterkühlung - welt.de
Okay, wenn es denn wirklich so sein sollte, wäre das bemerkenswert. Aber was schreibt "Die Welt" dazu? Nun, lesen wir selbst:

Todesursache Unterkühlung - welt.de
Merke: Viertausendfünfhundert sind knapp sechstausend, ein Mann ist eine Frau und 1999 ist 2010.

[Update]: Inzwischen ist wohl auch jemandem bei der Zeitung aufgefallen, dass das etwas heftig war.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Lauscher an der Wand...

Gerne wird uns dummen Konsumenten vorgegaukelt, dass unsere "Sicherheit" immer und überall im Mittelpunkt des Interesses aller Firmen stehe. Datenschutz, Verbraucherschutz, Gesundheit, Kriminalität, Terrorismus sind die die prominenten Schlagworte, die jede Firma, die etwas auf sich hält, auf die eine oder andere Art zum Gegenstand ihrer "herausragenden Produkteigenschaften" oder zumindest ihrer Firmenphilosophie erklärt.

Manchmal geht das mit der Sicherheit aber auch zu weit, wie aktuell die Vorgänge rund um die "Diebstahlüberwachung" der an die Schüler ausgegebenen Laptops im Lower Merion School District (Pennsylvania, USA) zeigen. Jene Schule (Highschool) stellt ihren Schülern kostenlos Laptops der Firma Apple zur Verfügung. Um - wie die Schulbehörde sagt - gestohlene Laptops wiederzufinden, wurde auf den Geräten eine Software entwickelt, mit der sich über das Netz verschiedene Überwachungsfunktionen aktivieren lassen. So können z. B. das eingebaute Mikrofon und die Kamera angeschaltet und die aufgenommenen Dateien über das Netz abgerufen werden.

Das Besondere an diesem speziellen Fall ist, dass diese Software offenbar nicht nur zum Auffinden von gestohlener Hardware benutzt wurde, sondern in mindestens einem Fall, um einen Schüler zu Hause zu überwachen und ihm dann aufgrund seines angeblichen und umstrittenen Fehlverhaltens in der Schule abzumahnen (BoingBoing berichtet). Der Vorfall sorgt in den USA für großes Aufsehen, denn von dieser faktischen Möglichkeit der Überwachung seitens der Schule haben weder die betroffenen Schüler, noch deren Eltern etwas gewusst, noch haben sie dem zugestimmt. In der Sache ist inzwischen Klage eingereicht worden und auch das FBI ermittelt.

Wenn in Deutschland überwacht wird, denken wir auch sofort an Behörden. "Zensursula" und "Stoppschilder" sind die aktuellen Stichworte, bei denen jeder sofort ein bestimmtes Bild und eine eigene Meinung im Kopf hat. Die Diskussion in Deutschland dreht sich daher auch in erster Linie um Staat gegen den Bürger. Wenn es um den weiter gefassten Begriff "Datenschutz" geht, dann denken wir schon auch an Firmen, aber da dann doch in erster Linie an den Umgang der Firmen mit den von uns mehr oder weniger freiwillig herausgegebenen Daten. Facebook, Google und Payback sind zwei einigermaßen prominente Beispiele hierfür. Ein aktueller Fall in England zeigt, dass wir ein wenig weiträumiger denken sollten.

Im Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals sorgt gerade auf höchster politischer Ebene das Vorgehen der Zeitung "News of the World" von Rupert Murdoch für erhebliches Aufsehen. (Guardian berichtet). Diese in England sehr populäre Zeitung hat offenbar seine Mitarbeiter im großen Stil Mobiltelefone "hacken" lassen, um so an Storys zu kommen. Ein Mitglied des Parlaments wird mit den Worten zitiert:
(the illegal actions of the newspaper) "went to the heart of the British establishment, in which police, military royals and government ministers were hacked on a near industrial scale"
Ein 167 Seiten umfassender Bericht liegt einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss vor, in dem offengelegt wird, in welchem Umfang die Zeitung ihre Reporter Mobiltelefone von Anghörigen des Militärs, der Regierung und des britischen Königshauses abhören ließ. Die Mitarbeiter der Zeitung wiederum, speziell die verantwortlichen Entscheidungsträger, scheinen urplötzlich unter kollektivem Gedächtnisverlust zu leiden und versuchen die Verantwortung einem einzelnen Mitarbeiter zuzuschieben. Das jedoch wird angesichts des Umfangs der illegalen Abhörmaßnahmen von jedem bezweifelt. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass gerade solche umfangreichen… nun, nennen wir es mal "Ermittlungen" nicht auf dem Mist eines Einzelnen gewachsen sein können. Die Zeitung wiederum sieht sich natürlich durch eine politische Hetzkampagne verleumdet und ist sich keiner Schuld bewusst.

Man sollte sich daran erinnern, dass Herr Murdoch nicht in dem Ruf steht, dass er sich nicht dafür interessiert, was in seinen Firmen los ist. Auch sollte man sich daran erinnern, dass das Verhalten des Medienmoguls schon mehrfach als "offensiv" und auf das Ausweiten seiner Macht, sowie mehr oder weniger direkte Einflussnahme auf die Politik nach seinen Vorstellungen und zu seinem Vorteil beschrieben wurde. Unvergessen das unwidersprochene Zitat, nachdem seiner Meinung nach Objektivität im Journalismus in der heutigen Zeit keinen Platz mehr hat.

Wie auch immer der Fall in England ausgehen mag: Wir sollten uns an die Vorstellung daran gewöhnen, dass die größte Gefahr der Überwachung eher nicht vom Staat ausgeht, denn der wird kontrolliert (Stichwort Gewaltenteilung und Rechtsgrundlagen etc.) - zumindest bei uns ist das so. Wer aber kontrolliert die Firmen? Kameras in Supermärkten und anderen Geschäften sind inzwischen nahezu omnipräsent und welcher Laden weist seine Kunden schon auf die Kameraüberwachung hin? Wenn die Medien, die gerne auch als "vierte Macht im Staat" bezeichnet werden, neben den umstrittenen Methoden der Datensammlung ganz offen zur Spionage greifen, dann frage ich mich, welchen Methoden und Mechanismen wir hier sonst noch so unterworfen sind. Das wiederum lässt mich fragen, welche gesellschaftlichen Konsequenzen für die Rolle der Medien daraus folgen und ob wir es uns angesichts solcher Entwicklungen wirklich leisten können, die Medien vollkommen unkontrolliert und ohne Überwachung agieren zu lassen, denn: Jedes Freiheitsrecht - und damit auch und ganz besonders das Recht auf Pressefreiheit - findet dort seine Grenzen, wo es die Freiheit eines anderen verletzt.

Ich bin gespannt, ob im Zuge dieser Geschichte und der übrigen angeblichen und tatsächlichen Skandale insgesamt eine Diskussion über die Rolle der Medien, ihre Funktionen und ihre Grenzen in Gang kommt, denn umgekehrt ist ja - das zeigen uns Hessen und die Vorgänge im ZDF - die unverhohlene und überaus fragwürdige Beeinflussung Instrumentalisierung der Medien durch Politiker als Betätigungsfeld für ihr eigenes Machtstreben auch nicht gerade "gering" und daher mehr als diskussionswürdig.

Beonders nachdenklich macht mich dabei, wie gering das Unrechtsbewustsein bei den Verantwortlichen ausgeprägt ist. Egal ob nun die CDU beim ZDF, Facebook bei den Daten oder News of the World bei den Telefonen. Irgendwie läuft da etwas aus dem Ruder, das mir erhebliche Sorgen bereitet.

[Update] Der Stern berichtet: "(d)as Privatleben von Berliner Spitzenpolitikern ist systematisch ausspioniert worden." und zwar durch das Magazin "Bunte" aus der Verlagsgruppe Burda, zu der wiederum 260 Magazine gehören. Die Chefredakteurin der Bunte, Patricia Riekel, räumte auf Anfrage des Stern ein, "entsprechende Recherchen zum Privatleben der Politiker" in Auftrag gegeben zu haben.

Freitag, 5. Februar 2010

Qualitätsjournalismus

Die Süddeutsche Zeitung begann heute in ihrer online Ausgabe eine Serie über den Journalismus von heute. Die vielversprechende Überschrift "Wozu noch Journalismus?" machte mich neugierig und ich hoffte auf Einsichten und Ansichten, die sich mit den Problemen des Journalismus als solchem beschäftigen. Mit der Arbeit der Journalisten, den Schwierigkeiten, mit denen sie in der modernen, vernetzten, westlich geprägten Medienwelt konfrontiert sind. Ich hoffte auf eine selbstkritische Betrachtung der eigenen Arbeit. Vielleicht sogar auf Vergleiche des eigenen Schaffens mit Größen der Vergangenheit. Leider vergebens.

Stattdessen lässt sich die Serie darüber aus, wie sehr die Branche der Publizisten, der Verleger, der Medienoutlets, Zeitungen, Sender und so weiter leidet. Der gierige Konsument, der Leser, verlangt vom armen Journalisten ständig neue Formate, ständig Neuigkeiten und Neuerungen. Natürlich für lau. Böse, ganz böse. Dabei tut der fleißige Journalist doch alles, um die johlende Menge zu beglücken. Aber nie sind die Massen zufrieden und in immer geringerem Umfang sind sie bereit, für guten Journalismus zu bezahlen.

Ich nehme mir die Freiheit zu behaupten, dass das Publizieren sicherlich ein wichtiger Aspekt des Journalismus ist. Ohne Publikation ist die Arbeit des recherchierenden und schreibenden Journalisten sinnlos. Ich zweifle auch überhaupt nicht an, dass Journalismus und Publikation Geld kosten, sogar viel Geld. Ich bezweifle aber nachdrücklich, dass die Bereitschaft zurückgeht, für guten Journalismus auch Geld zu bezahlen.

Ich bezweifle sehr, dass die grundsätzliche Qualifikation der Journalisten, ihre Kompetenz, in den letzten Jahren so dermaßen nachgelassen hat, wie es das Gejammer vermuten lässt. Auch bezweifle ich, dass sich der Qualitätsanspruch der Konsumenten in derselben Zeit so drastisch vergrößert hat, dass die Journalisten vor der unlösbaren Aufgabe stehen, mit ihren geschrumpften Fähigkeiten den gewachsenen Ansprüchen zu genügen. Das Problem ist meiner Ansicht nach weniger das, was die Journalisten schreiben können und wollen. Dazu gibt es viel zu viele herausragende Beispiele hervorragender journalistischer Arbeit in allen Bereichen, überall auf der Welt. Nur eben nicht mehr ausschließlich bei den "klassischen" Wasserlöchern der Medienlandschaft.

Was den Leser stört, das sind ganz andere Dinge. Sicher, die Bereitschaft und Befähigung Texte lesen zu können und zu wollen hat in der modernen Gesellschaft unbestritten insgesamt nachgelassen. Jugendliche von heute haben oft - das wurde in etlichen Studien nachgewiesen - zum Teil erhebliche Defizite beim Lesen. Viele empfinden das Lesen von Texten als "nervig", "anstrengend", "unaufregend". Jeder kann in seinem eigenen Umfeld mit Leichtigkeit entsprechende Beispiele finden. Da sind Kollegen oder Bekannte, die sich schlichtweg weigern, mehr als drei Zeilen lange Emails zu lesen - angeblich, weil sie keine Zeit dazu haben - gleichzeitig aber problemlos stundenlang mit irgendwem telefonieren und über das Wetter, die Gesundheit der eigenen Frau oder andere Beliebigkeiten ausgiebig zu debattieren. Dazu haben sie offensichtlich Zeit. Da sind Schüler, die sich über gestellte Hausaufgaben beschweren, weil das Lösen voraussetzt, mehrere Seiten Text zu lesen und zu verstehen. Dieselben Schüler haben aber überhaupt keine Probleme damit, sich selbst komplizierteste Handhabungen irgendwelcher Geräte oder Spiele in akribischem Selbststudium bis zur Perfektion anzueignen. Das ist Fakt, keine Spekulation.

Wo die Gründe dieser Veränderungen liegen? Wirklich sicher weiß das wohl im Augenblick noch niemand. Die Schuld - wenn man denn von Schuld reden darf - liegt sicher nicht bei einer einzelnen Person oder einer einzelnen Gruppe. Sicher werden die Verbreitung moderner Medien (Fernsehen, Internet) eine Rolle spielen, die Defizite des Bildungssystems ebenso, aber genauso die Veränderung der Medienkompetenz der Erziehungsberechtigten, politische Entscheidungen, wirtschaftliche Entwicklungen und so weiter. Kurz: Die Ursache dürfte eher in der Gesellschaft insgesamt zu suchen sein und es wird mit Sicherheit nicht "die eine Ursache" geben, sondern einen ganzen Sack voll. Eine der Ursachen wird aber auch dort zu suchen sein, wo jetzt über grassierende Fehlentwicklungen im Konsumverhalten gejammert wird, nämlich bei den Medien selbst.

Tageszeitungen sind eine Einrichtung, die ich für meinen Teil seit inzwischen fast 30 Jahren täglich konsumiere und sehr schätze. Die hier am Ort erscheinende Lokalzeitung war in der Anfangszeit mein alltäglicher Begleiter und auch heute werfe ich noch gerne einen Blick dort hinein, allerdings aus völlig anderer Motivation als noch vor vielen Jahren. Damals war diese Zeitung für mich Quelle aktuellster Informationen. Es gab noch kein für die Masse verfügbares Internet und das Fernsehen kannte noch Sendeschluss und war begrenzt auf drei überregionale und einen, vielleicht zwei lokale Sendeanstalten, letztere mit zeitlich noch stärker begrenztem Sendebetrieb.

Vergleiche ich diese Tageszeitung heute mit Ausgaben von früher, dann fallen mir einige gravierende inhaltliche Unterschiede auf. Das beginnt schon bei der frappierenden Diskrepanz der Aktualität. Was im Internet heute heiß debattiert wird, was heute DIE Schlagzeile ist, braucht in der Regel drei Tage, bis es in "meiner" Lokalzeitung erscheint. Ok, brandheiße Themen, die Deutschland betreffen, stehen hin und wieder schon mal am selben Tage, meistens jedoch erst am Folgetag drin. Wo ist die Aktualität der Tageszeitung geblieben? Hat man dort keinen Zugang zum Internet?

Die Artikel von heute wirken lieblos dahin geklatscht. Rechtschreibung wird manchmal, nach einem scheinbar zufälligen Prinzip, mal beachtet, mal ignoriert. Besonders bei Worttrennungen und der Verwendung von Apostrophen und Bindestrichen legt (nicht nur) diese Zeitung zuweilen interessante Kreativität an den Tag (Wer hätte gedacht, dass das Wort "wenn" getrennt werden kann? Und wer hätte gewusst, dass die Trennung nach dem "e" erfolgt?)

Sicher, die Rechtschreibreformen haben der Sicherheit in der Benutzung der deutschen Sprache keinen Gefallen getan. Ich weiß das aus meiner eigenen Erfahrung nur zu genau. Aber heute gibt es große und mächtige Rechtschreibkorrektursysteme. Nicht nur solche, die bei den Textverarbeitungen mitgeliefert werden, sondern noch viel komplexere, die unabhängig von der verwendeten Textverarbeitung eingerichtet und angepasst werden können. Mit anderen Worten: Waren früher Rechtschreibfehler in der Zeitung die seltene Ausnahme, sind sie heute schon fast normal. Meine Deutschlehrer von damals rieten uns, anhand von Artikeln aus dieser Zeitung unsere eigene Rechtschreibung zu üben. Heute warnen sie davor.

Ist die Rechtschreibung ein unwesentliches Detail? Grundsätzlich ja. Das Beachten der geltenden Rechtschreibung hat überwiegend wenig Einfluss auf den Inhalt des Textes. Aber es gibt Grenzen. Ein falsch gesetztes Komma kann die Aussage eines ganzen Textes umdrehen. Abgesehen davon gibt es aber noch einen eher subtilen Effekt beim Konsumenten: Wenn sich die Schreiber schon bei der Rechtschreibung keine Mühe geben, geben sie sich denn bei der Recherche Mühe? Jeder kann bei sich selber beobachten, wie sich seine eigene Wahrnehmung in Bezug auf die Wichtigkeit, Glaubwürdigkeit und Richtigkeit eines Textes im Zusammenhang mit Wortwahl und Rechtschreibung verändert.

Die Sprache in den Medien hat sich ebenfalls stark gewandelt. Neben der Beachtung der korrekten Schreibweise hat sich auch der Gebrauch der Sprache insgesamt stark verändert. Besonders im Fernsehen lassen sich besonders leicht massive Veränderungen beobachten. Dazu muss nicht einmal mit der Lupe gesucht werden. Es reicht die "Nachrichten"sendungen privater Rundfunkanstalten mit der Tagesschau zu vergleichen oder die Sendungen der Tagesschau von heute mit denen aus dem Archiv. Der Unterschied im Sprachgebrauch ist frappierend. Auch das hat Auswirkung auf die Wahrnehmung. Anglizismen und Superlative mögen als Stichworte reichen.

Nicht nur die sprachliche Form des Vortrages hat sich verändert. Insgesamt hat sich verändert, was überhaupt vorgetragen wird. Egal welches Medium, egal ob Zeitung, Fernsehen, Radio oder Webseite, fast ausschließlich wird über Negatives, über Katastrophen, Verschlechterungen und Dramen berichtet. Der Eindruck entsteht, dass positive Meldungen einer Berichterstattung nicht wert sind. Sicher, auch früher wurden die negativen Nachrichten besonders in den Vordergrund gerückt, aber ich habe den Eindruck, dass inzwischen ausschließlich über das Schlechte berichtet wird und ich habe auch den Eindruck, dass das eine Art "Spezialität der Deutschen" ist. Besonders fällt mir das auf, wenn ich amerikanische mit deutschen Nachrichten vergleiche.

Abgesehen vom (wahrgenommenen) Fokus auf negative Themen und deren Präsentation fällt mir aber noch etwas sehr negativ auf. Informationen werden in einer Art verkürzt und überspitzt, die mit "Qualitätsjournalismus" nicht mehr viel zu tun haben kann. Besonders negativ fällt mir das immer wieder bei der Berichterstattung über Afghanistan, Irak, den Mittleren Osten und so weiter auf. Opferzahlen werden nahezu willkürlich zusammenspekuliert, Namen werden nach eigenem Gutdünken heute so, morgen ganz anders präsentiert. Abkürzungen werden schon fast "nach Art des Chefkochs" eingestreut, egal ob sie irgendwas mit dem Thema zu tun haben oder überhaupt irgendwem geläufig sind, Hauptsache Abkürzung. Wenn es eine aus dem englischen Sprachraum ist, um so besser. So wirkt es jedenfalls.

Auch das ist keinesfalls erfunden. Alleine die Vielfalt der in den Medien zu findenden Schreibweisen von "al-Qaida" ist ebenso verblüffend wie kreativ. Der sorglose Umgang mit Zahlen lässt sich auch leicht belegen. So berichtete ein privater Nachrichtensender über den (hinlänglich zu Tode diskutierten) Bombenangriff auf die Tanklaster in Afghanistan, dass auf Anforderung des deutschen Oberst "zwei 500 Pfund Bomben" abgeworfen wurden. Das deckte sich sowohl mit den offiziellen Angaben des Militärs als auch mit der Berichterstattung anderer Medien. Nicht ganz zwei Wochen später waren daraus an selber Stelle "tonnenschwere Bomben" geworden. Wer versucht herauszufinden, wie viele Opfer denn nun bei diesem Angriff ungefähr zu beklagen waren, wird schon nach kurzer Zeit frustriert aufgeben: Zu groß ist die Spanne der in den Medien kommunizierten Zahlen, Tendenz eher nach oben als nach unten.

Die Neigung das Drama zu übertreiben, sich irgendwie die größte Zahl aus den Fingern zu saugen, trägt nun wirklich nicht dazu bei, dass der Konsument der Berichterstattung mehr "glaubt". Besonders der offensichtliche Wettkampf um "wer hat die meisten Opfer gezählt?" ist da eher kontraproduktiv. Ein geflügeltes Wort meiner Generation, das dieses Mediengehabe sehr treffend umschreibt, lautet "Bild sprach zuerst mit dem Toten". Heute kann man allerdings getrost "Bild" als Synonym für nahezu jeden Sender oder Verlag einsetzen. Ob das der Wahrnehmung des Journalismus als "qualitativ hochwertige Arbeit" hilft? Ich habe da so meine Zweifel.

Selbst wenn auch über diesen Punkt hinweggesehen und dem Konsumenten abverlangt wird, dass er sich eben jene Medienkompetenz aneignen müsse, für sich selber glaubwürdige von unglaubwürdiger Berichterstattung zu trennen: Wären es Ausnahmen, einige wenige, die zu diesem Verhalten neigten, keiner beschwerte sich. Vielmehr ist es aber inzwischen mehr die Ausnahme, sich daran nicht zu beteiligen. Wie der Konsument da überhaupt eine Chance haben soll sich halbwegs verlässliche Fakten zu verschaffen, ist wohl nicht nur mir ein Rätsel.

Damit aber nicht genug. Immer wieder werden komplexeste und komplizierteste Zusammenhänge auf die Länge einer Randnotiz verkürzt. Wer nicht gerade über ein einigermaßen umfangreiches Hintergrundwissen verfügt, hat bei den allermeisten Berichterstattungen in den allermeisten Medien von heute nahezu keine Chance zu verstehen, was da eigentlich vermittelt werden soll und zieht meistens seine eigenen - nur leider ebenso meistens falschen - Schlüsse. Hintergrundinformationen sind in der Medienlandschaft von heute eher die Ausnahme als die Regel. Erfreulich ist aber, dass gerade in der Branche der Zeitungen genau jene rühmlichen Ausnahmen zu finden sind, die die Verwendung des Begriffs "Qualitätsjournalismus" überhaupt noch erlauben.

Eine Entwicklung, die dem Konsumenten im Laufe der Zeit immer stärker negativ auffällt, ist das Verhältnis Werbung zu Inhalt. Um wieder auf meine ortsansässige Tageszeitung zurückzukommen: Inzwischen wirkt es, als hätte die Quote von offensichtlicher Werbung zu redaktionellem Inhalt die magische Grenze von 50:50 schon lange hinter sich gelassen. An manchen Tagen sind die zusätzlich in das Blatt hineingezwängten Werbebeilagen fast voluminöser als die eigentliche Zeitung. Mich hat es von Anfang an mehr als nur am Rande genervt, dass ich für Werbung auch noch bezahlen soll. Klar, irgendwie muss sich auch diese Zeitung finanzieren. Aber Leute, mal ehrlich: Inhalt lässt nach, Qualität ist eher Glückssache und dafür nimmt der Anteil Werbung explosionsartig zu? Und das soll ich gut finden? Wohl kaum.

Damit nicht genug. Zunehmend sind in fast jeder Publikationsform, egal ob TV, Internet oder Print, Artikel zu finden, die plump getarnte Werbung sind. Egal ob Berichterstattung über Kameras, Toaster, Autos: Überall sind sie zu finden. Besonders auf den Webseiten der Printpresse sind Testberichte, Einkaufsberater und so weiter in Massen zu finden, die natürlich vollkommen neutral, immer nur an Fakten entlang und immer objektiv geschrieben sind. Selbstverständlich wird niemals ein bestimmter Hersteller bevorzugt. Wer hier vermutet, es gäbe etwa so etwas wie einen Markt dafür, wer unterstellt, dass Firmen etwa dafür bezahlen könnten, dass über sie und ihre Produkte positiv berichtet wird, der unterstellt den Medien bestimmt etwas völlig Unhaltbares.

Für wie doof halten die Medien den Konsumenten eigentlich? Erst mit Werbung zu müllen, dann auch noch Werbung als "sauber recherchierten Inhalt" verkaufen wollen. Als Selbstversuch mag sich der geneigte Leser nur mal den aktuellen "Vergleich" der Kompaktkameras bei SPON, Leica vs. Ricoh ("So gut fotografieren die Luxus-Zwerge"), besonders das Fazit, zu Gemüte führen. Anschließend dann die mit den Kameras gemachten Aufnahmen (Fotostrecke) - Stichwort ISO - mit dem Fazit des Autoren vergleichen und sich dann fragen, was das mit "Journalismus" zu tun hat.

Abgesehen von dieser rein auf den Konsumenten abgestellten Beobachtung gibt es aber noch eine, die vielen nicht bekannt ist. Und das ist der Umgang der Medien mit ihren Journalisten. Um wieder exemplarisch bei meiner lokalen Tageszeitung zu bleiben: Früher waren dort Redakteure und Reporter (Journalisten) fest angestellt. Es gab eigene Redakteure für jeden Bereich und jeder hatte eigene Journalisten, die für ihn arbeiteten. Heute? Die Anzahl der Redakteure wurde gut halbiert, eigene Journalisten beschäftigt das Blatt gar keine mehr. Die Zuständigkeiten wurden so erweitert, dass jeder "Redakteur" mehrere Bereiche abdeckt. Beiträge werden ausschließlich von "freien Mitarbeitern", sogenannten "Freelancern", geschrieben. Das Lektorat fiel komplett weg und eigene Bildredakteure hat man gar nicht mehr.

Generell das Thema "Redakteure". Über eine Zeitung in Dallas / USA wurde neulich bekannt, dass die redaktionelle Zuständigkeit ab sofort nicht etwa mehr bei denjenigen Mitarbeitern liegt, die zum Beispiel ein Studium in Journalismus absolviert hätten und über besondere fachliche Qualifikationen verfügen und deshalb Redakteure bzw. Chefredakteure waren. Weit gefehlt. Die so qualifizierten Mitarbeiter, die bis dato diese Posten besetzt hatten, waren entweder "degradiert" oder gefeuert worden. Stattdessen wurden Buchhalter, Marketingexperten und Finanzspezialisten auf diese Positionen gesetzt. In einer Stellungnahme zu dieser Maßnahme wurde ganz offen argumentiert, dass nur auf diese Weise sicherzustellen sei, dass die Berichterstattung der Zeitung zu den Interessen der Kunden passe.

Eine Ausnahme? Schön wär es ja. In einem Buch über Rupert Murdoch und seine Rolle beim Wallstreet Journal stand jüngst zu lesen, wie jener Medienmogul über die Rolle der Presse denkt. Sinngemäß wird er dort so zitiert: "Objektivität hat in den Medien von heute keinen Platz mehr." Objektivität ist nicht nur für mich ein maßgeblicher Bestandteil von "Qualitätsjournalismus". Wem das Wallstreet Journal zu weit weg ist: Einfach mal ein wenig zum Thema Bildzeitung und Objektivität eine Suchmaschine eigener Wahl befragen. Oder mal Nachrichtenbeiträge des privaten Fernsehens auf ihre Objektivität hin abklopfen. Eimer nicht vergessen.

Es kommt aber noch besser. Dass Fotografen und Bildredakteure von den Medien immer weniger gern für ihre Arbeit entlohnt werden und stattdessen immer häufiger gefragt oder ungefragt auf Arbeiten aus dem Internet zurückgegriffen wird, ist bekannt. Auch jene Aufrufe "schicken sie uns ihr tolles Foto und wir machen eine News daraus" hat wohl noch jeder einigermaßen präsent. An dieser Stelle endet die Kostenoptimierung aber nicht. Über die Times wurde kürzlich bekannt, dass sie ihren Freelancern einen ganz besonderen Service anbietet. Wer sein Geld haben will, der muss dafür in Abhängigkeit zum Zahlungsziel einen Prozentsatz des Gehalts an die Times zahlen. Die Spanne reicht bis zu vier Prozent für Zahlungen nach drei Tagen und geht danach runter auf 0,5% bei einem Zahlungsziel von 25 Tagen. Mit anderen Worten: Ich bezahle meinen Arbeitgeber dafür, dass der mich bezahlt. Man muss nicht besonders kreativ sein, um sich die Folgen dieses Gebarens auf den "Qualitätsjournalismus" vorzustellen.

Nun ist es ja nicht so, dass es keinen Journalismus mehr gäbe. Es ist auch nicht so, dass niemand mehr von seiner Arbeit in dieser Branche leben kann. Es ist aber wohl so, dass die Gewinnmargen der Finanziers irgendwie nicht mehr steigen. Stagnierende Gewinne sind aber chronisch unbeliebt bei Leuten, die ihr Geld arbeiten lassen. Es ist nicht verboten, sein Geld gewinnbringend zu investieren und ich will auch nicht darüber diskutieren, ob es moralisch richtig ist oder nicht oder ob Journalismus eine Sache der moralischen Überzeugung sein sollte. Sicherlich soll und darf man mit Journalismus Geld verdienen. Ich würde mit meiner Knipserei und Schreiberei auch gerne ein paar Cent verdienen. Es gibt wohl nur wenige, die das pauschal in Abrede stellen und den Wunsch nach Entlohnung für geleistete Arbeit als etwas Böses ansehen. In Bezug auf den Journalismus sind es aber besonders die von mir in diesem Artikel zusammengefassten Beobachtungen, die bei mir die Frage aufkommen lassen, wofür ich denn eigentlich bezahlen soll?

Ich bin gerne bereit für die FAZ, die Süddeutsche, die Rheinische Post, den Spiegel und eine Reihe Magazine Geld auszugeben - aber nur für die gedruckte Version. Die Artikel in diesen (und einigen nicht genannten Publikationen) ist auf dauerhaft hohem Niveau. Allerdings ist mir der qualitative Unterschied zwischen den Print- und Onlineausgaben viel zu groß als dass ich bereit wäre, für die Onlineangebote auch nur einen Cent auszugeben. Es ist inzwischen sogar so weit gekommen, dass ich Onlineangebote einiger Medienunternehmen nur noch dann für bare Münze nehme, wenn ich sie an anderer Stelle belegt finde. Besonders die sogenannte "Blogosphäre" bietet eine gewaltige Menge hervorragender journalistischer Arbeit, hinter der die Leistung der jetzt laut jammernden Unternehmen zuweilen meilenweit zurück bleibt.

Es ist also nicht so, dass es keinen echten, guten, fesselnden, in die Tiefe gehenden Journalismus mehr gäbe. Ich habe eher den Eindruck, dass das Herangehen der meisten Unternehmen falsch ist, indem sie den eigenen Gewinn als gottgegeben ansehen und davon ausgehen, dass durch Steigern des Werbeanteils und Einsparen beim Personal nicht nur ein gleichbleibendes Qualitätsniveau bewirken, sondern auch beim Kunden unbemerkt und Widerspruchslos hingenommen werden.

Kann natürlich auch sein, dass ich wiedermal alles falsch verstehe.

Samstag, 18. Oktober 2008

Besser als wir

Im Gegensatz zu anderen Ländern haben Amerikaner und Engländer sehr viel weniger Hemmungen davor, das heimische Publikum mit Bildern aus den 'Stan zu konfrontieren, die die "andere" Geschichte erzählen. Also die jenseits des Brunnenbaus, des erfolgreichen Wiederaufbaus und der Friedfertigkeit aller Leute. Manchmal findet man allerdings auch als einiges gewohnter ...äh... "Konsument" Häppchen, bei denen man einfach nur noch sprachlos ist. So zum beispiel in der Dokumentation "Inside Afghanistan with Ben Anderson" von VBSTV. Ben Anderson ist Reporter der BBC und drei Jahre lang "embedded reporter" bei der britischen Armee. Natürlich zeichnet die Dokumentation insgesamt ein kompliziertes und verwirrendes Bild, aber das folgende übertrifft alles:



Mit "ANA" ist die Afghan National Army gemeint. Das ist sozusagen die offizielle Armee Afghanistans. Und die hat wohl so einige ungewohnte Eigenheiten. Und wir wollen ein Land wirklich von solchen Soldaten verteidigen lassen und unsere abziehen, weil die Einheimischen das alles viel besser können als wir? Echt jetzt?

Für Interessierte: Die gesamte Doku gibt es hier.

(Quelle: VBSTV)

Fernsehpreis 2008 (2)

Philips FernseherSo, gestern war es nun, jenes bahnbrechende Fernsehgespräch zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reif-Ranicki. Es ging um seine Ablehnung des Fernsehpreises, die Qualität des Fernsehns und generell die Medienlandschaft und deren Umgang mit dem Konsumenten. Ich frage mich, wer die Sendung wirklich gesehen hat. Und wer von denen, die die Sendung gesehen haben, hat bis zum Ende durchgehalten?

Egal wie, es ging darum, den Schein zu wahren. Es ging den Medien darum den Schein der Kritikfähigkeit zu wahren, den Schein des zuhörens und der Offenheit zu wahren und so zu tun als sein man bereit irgendetwas zu ändern. Das wird mit Sicherheit nicht geschehen. Wie Thomas Gottschalk es sagte:
"Diskussion ist immer gut. Das Streben nach Verbesserung ebenfalls. Aber es endet, wie es immer endet. Jeder hat seine Meinung gesagt und die Karawane zieht weiter. Ändern wird sich gar nichts."
Und so wissen wir, was aus Sicht der Medien der richtige Umgang mit ihnen ist: Man konsumiert und hält die Fresse.

Oder man lässt es.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Geld verbrennen

Wenn es um Panikmache geht, ist die Deutsche Presse ganz weit vorne mit dabei. Schade nur, wenn man vor lauter Hysterie den Überblick verliert:

1,4 Billionen Euro oder Dollar - Süddeutsche
Was denn jetzt? Euro? Dollar? Oder vielleicht Türkische Lira? Sind es am Ende gar keine "Billionen", sondern "billions"? Vielleicht interessiert das ganze Bankendesaster außer einigen wenigen fürstlich entlohnten Bankenvorständen keine Sau, weil das Geld eh über "moderate Preiserhöhungen", "Staatsgarantien", "Lohnverzicht zum Stellenerhalt" und so weiter sowieso vom Steuerzahler "gegenfinanziert" wird? Egal wie, trotz "Staatsgarantie" habe ich meine Sparkonten leer geräumt. Lieber geringfügiger Verlust durch Inflation als Totalverlust durch Spekulanten.

(Quelle Süddeutsche)

Samstag, 4. Oktober 2008

Überschrift des Tages (86)

Gott lobt Bushido - n24
Ich lasse das mal kommentarlos so stehen...

(Quelle: N24)

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Morgen...

Morgen ist er, der Tag der Deutschen Einheit, oder wie mein Nachbar ihn nennt, der "D-Mark-Gedenktag". Rund um diesen Tag, die Erlebnisse, das Erreichte und so weiter, gibt es mehr als ausreichend Jubel, Lobpreisungen und Weihrauch. NDR2 hat das Thema in seiner Satire "Münte" heute hervorragend aufbereitet:
"Wir haben ausgerechnet, dass die Bundesrepublik Deutschland, wäre sie heute noch in den Grenzen von 1989, das mit Abstand reichste Land der Welt wäre. Bis morgen Mittag 12 Uhr hat die Deutsche Einheit 1,85 Billionen Euro gekostet, das sind 1.850 Milliarden.

Davon könnten wir den Verteidigungshaushalt von China, von Russland und der USA, das sind zusammen 650 Milliarden Euro, aus der Portokasse bezahlen und hätten noch 1.200 Milliarden Euro Spielgeld. Damit könnten wir die weltweiten Finanzmärkte sanieren und hätten noch bis zum Jahr 2904 jeden Tag ein warmes Essen für jeden Bundestagsabgeordneten.

Apropos 'warmes Essen': Mit den Kosten der Deutschen Einheit könnte man die gesamte Weltbevölkerung, jeden einzelnen, einen Monat lang Tag für Tag mit Currywurst Pommes versorgen und dreimal in der Geisterbahn auf dem Münchener Oktoberfest fahren lassen."
Bitterböse, ich weiß, aber irgendwie treffend.

(Quelle: NDR2)

Dienstag, 30. September 2008

Best Video Ever

Mtv nannte die Musikszene im Inselkönigreich lange Zeit "the worlds fastest changing". Mit einigem (beiläufigen) Interesse verfolgte ich die Wahl zum besten / tollsten / großartigsten / whatever Musikvideo "aller Zeiten". "Aller Zeiten" dürfte in dem Zusammenhang wohl nicht das bedeuten, was es dem Wortlaut nach bedeutet, sondern bestenfalls "was wir heute glauben" oder "was wir ausnahmsweise heute unseren Kunden zugestehen" oder irgendwie sowas. Egal wie, das aktuell "beste Musikvideo aller Zeiten" ("Greatest Video Ever") wurde gewählt und ich muss zugeben, ich bin hinreichend ... sprachlos.

Hier die Top10, beginnend bei Platz 10:

Platz 10: "Here It Goes Again" - OK Go

Platz 9: "Like A Prayer" - Madonna

Platz 8: "Virtual Insanity" - Jamiroquai

Platz 7: "Just" - Radiohead

Platz 6: "Smells Like Teen Spirit" - Nirvana

Platz 5: "Svefn G Englar" - Sigur Ros

Platz 4: "Thriller" - Michael Jackson

Platz 3: "Take On Me" - A Ha

Platz 2: "All Is Full Of Love" - Bjork

und Platz 1 ist...

Klick hier

Ganz ehrlich: Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen ausgerechnet dieses Video zum besten Video aller Zeiten zu wählen, aber was weiß ich denn schon von Musikvideos?

(Quelle: mtv uk)

Mittwoch, 24. September 2008

Und wir mitten drin

In Pakistan geht es richtig rund. Noch ein paar Hinweise: Erstens. Zweitens. Drittens. Grund genug für die CTSO (ich sprach neulich davon) die gemeinsamen Anstrengungen zu beschleunigen. Was man darunter versteht, lässt sich schnell umreißen: Eine Joint Task Force mit 4.000 Mann als erste Maßnahme. Später dann noch ein sogenannter "Raketenabwehrschild" in Zentral Asien und die Truppe auf mindestens 10.000 Mann aufstocken.

Ist doch nett, oder? Immerhin hat man uns schon vorher informiert und wir fanden das auch noch total toll. Darum wurden vergangene Woche sowohl die EU - Central Asia Ministerial Troika als auch das erste EU - Central Asia Security Forum überhaupt in Paris veranstaltet. Die Rede der Kommissarin für Externe Beziehungen und Europäische Nachbarschaftspolitik, Benita Ferrero-Waldner, auf dem Sicherheitsforum stellt jedenfalls manches klar.

Offenbar glaubt man den USA nicht (oder nicht mehr), dass die es selbst mit verzweifelt anmutenden Strategiewechseln schaffen könnten, Ruhe in Afghanistan herzustellen und so auch Pakistan wieder zu befrieden, bevor dort endgültig alles auseinander fällt. Warum sonst sollten sich sonst die Russen genötigt sehen, Präsident Karzai direkt praktische Hilfe anzubieten und so auszuloten, wie weit man sich inzwischen wieder vorwagen darf?

Apropos "Hilfe". Neulich interviewte CNN Putin ausführlich über Gott und die Welt. Aus dem offenbar episch langen Interview (okay, 30 Minuten) machte CNN einen insgesamt nur wenige Sekunden langen Beitrag, in dem Putin wohl nicht besonders gut weg kam. Das wiederum findet Putin wohl gar nicht lustig, was wiederum CNN einigen Ärger zu einzubringen scheint. Darum bemüht sich CNN jetzt offenbar darum zu beweisen, dass man den "richtig Bösen" ein "neutrales" Forum bietet und sie gar nicht absichtlich so böse darstellen will. Darum lässt man Ahmadinejad zu Larry King und ihn dort über Dinge reden. Ob das CNN allerdings den Kopf in Russland retten wird, bleibt abzuwarten, aber es zeigt sehr schön, wie Politik und Medien zusammenhängen.

Davon ab: Das alles wird noch sehr interessant.

Dienstag, 16. September 2008

Kontraste - Taliban

Das ARD-Magazin Kontraste brachte zum Jahrestag der Anschläge von New York einen Bericht über die Taliban und ihre Art Krieg zu führen. Leider nicht als "embedded" zu bekommen (ganz so modern ist man bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dann doch nicht), aber wenigstens direkt in deren Mediathek online abrufbar. Deckt sich weitestgehend mit meinem Bild, wenn auch einige Facetten etwas anders ausgeleuchtet werden und mehr auf Deutschland abgestellt wird und nicht so sehr auf den geopolitischen Gesamtkontext. Trotzdem: Unbedingt sehenswert - aber völlig unpassend zur Mentalität des überzeugten Sofa-Pazifisten aus Deutschland.

(Danke Jhary)

Donnerstag, 11. September 2008

Datum

ZeitungWohl fast jedem ist es schon mal passiert einen Artikel zu lesen und sich zu fragen, von wann dieser Text eigentlich ist. Manche Medienhäuser halten es für eine grandiose Idee, ihre Online-Artikel durch das Vorenthalten des Datums der Veröffentlichung interessant zu gestalten. Immer wieder findet man im Netz Publikationen, die sich hartnäckig weigern, dem Leser in irgend einer Form Auskunft darüber zu geben, von wann ein bestimmter Artikel ist. Die Begründungen - wenn man denn überhaupt eine erhält - reichen von abstrusen technischen Behauptungen ("Das geht nicht") über haarsträubende Verweise auf das Urheberrecht bis hin zu der Feststellung, dass wirtschaftliche Aspekte im eigenen Haus dies so vorgeben ("Das Marketing will das so").

Man kann dieses eigenwillige Verhalten beurteilen, wie man will. Eins ist es mit Sicherheit nicht: Klug. Leser einer Internetzeitung in Florida hielten eine Mitteilung von 2002 für "brandaktuell" und super toll, das United Airlines pleite sein soll. Sie hielten diese Uraltmeldung für dermaßen "toll", dass sie mit der "Vote News" Funktion dafür sorgten, dass diese Mitteilung im Ranking der Webseite weit nach vorne gelangte. Welcher Leser macht sich schon die Mühe und vergleicht mit anderen Medien?

Derart nach vorne geschoben fand der Newscrawler von Google diese undatierte Nachricht von 2002 und hielt sie, wohl auch wegen des aktuellen Bezugs zum 11. September, für "neu". Der Haken ist allerdings, dass das zwar 2002 aktuell war, heute aber überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Da dieser Artikel aber nicht datiert war, setzte der Newscrawler die Mitteilung am 8. September 2008, mehr als sechs Jahre nach dem Event, als "News von heute" auf die Titelseite.

Kaum dort erschienen, reagierten andere Automatismen. Weitere Webseiten griffen die Story auf und die automatischen Schutzmechanismen des Finanzmarktes griffen ein, um das Kapital der Anleger zu schützen. Vereinfacht: Banken grasen automatisiert Webseiten ab, um wichtige Meldungen zu finden. Taucht eine solche auf mehreren bestimmten Webseiten auf, werden automatisch bestimmte Mitteilungen verschickt. In diesem Fall wurde im Prinzip die Mitteilung verschickt "United pleite, Aktien sofort verkaufen".

Die Anleger taten genau das und so fiel die Aktie binnen kürzester Zeit von 12 US$ auf 3US$, was einem Kapitalverlust von 1.4 Milliarden US$ entspricht. Zwar erholte sich die Aktie im Laufe des Tages wieder, schaffte es aber nur wieder auf knapp 10 US$ zu steigen. United Airlines verlor so rund 300 Millionen US$ Kapital.

Ob dieser Vorfall Folgen haben wird, ob z. B. United Airlines die Zeitung verklagen werden, ob sich die Börsenaufscht einschaltet oder ähnliches, ist unklar, dürfte aber nicht ganz unwahrscheinlich sein. South Florida Sun-Sentinel hält sich zu dem Thema jedenfalls bedeckt und datiert jetzt seine Meldungen...

(Quelle: Wall Street Journal, Google)

Dienstag, 12. August 2008

Freakshow

Fernseher Emerson1949 - WikipediaWenn es um Dating-Shows geht, dachte ich ja bislang, dass "Das Model und der Freak" die Krone des Unterschichtenfernsehns wäre. Weit gefehlt. Es geht noch "besser". Viel besser. Bislang ging es ja darum, dass entweder überwiegend zu sozialer Interaktion unbefähigte oder von der Natur überwiegend nicht bevorzugte Vollpfosten an beliebig gut aussehende, meist aber entweder leider reichlich hirnentkernte oder gefügig gesoffene "Topmodels" zum Gejohle des Pöbels verhökert wurden. Oder sich in beliebigem Umfang zum Affen machen mussten durften, um dann gesagt zu bekommen, dass sie nicht den Dreck auf der Klobrille wert sind.

Dieses Schema lässt sich steigern. Man nehme eine Anzahl Freaks. Genre und Alter egal, hauptsache der Generation Gadget angehörend. Dann nehme man eine Horde Plastikbomber und eine ordentliche Ladung "Must Have"-Gadgets. Das ganze zusammenkippen, gut durchrühren und schon haben wir eine klasse Sendung, deren Premiere in Deutschland mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen wird:

Der Freak (oder Nerd oder Geek oder wie auch immer als "der Randgruppe zugehörend" gebrantmarkt) wird zusammen mit einem oder mehreren hochgestylten Plastikbombern durch diverse tolle Restaurants, Parks und was weiß ich was gescheucht. Unter Kamerabewachung, versteht sich. Nach einiger Zeit muss sich der Randgruppenkandidat dann entscheiden: Entweder er nimmt den Atombusen und geht für ein Wochenende mit ihr auf Kosten des Senders fi..., Entschuldigung, korrekt muss es natürlich heißen "aus" und das irgendwo, wo es wohl so richtig geil sein soll. Malle oder so. Oder Seychellen. Antreten muss die mobile Wochenendverschönerin gegen einen Stapel Gadgets.

Nun, ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber meine Erfahrung sagt mir, dass meine Kamera jeder Frau überlegen ist und die Beobachtung meiner Umwelt gibt mir darin immer wieder recht. Ob die hochgezüchteten Katalog-Grazien vor der Kamera damit klar kommen, wenn der Freak ihnen erklärt, dass ein 120 cm Plasmabildschirm auf Dauer irgendwie geiler ist, als eine schon nach 14 Tagen unter Dauermigräne leidende Edelstute? Bleibt abzuwarten, verspricht aber massiv viel Unterhaltung für die werberelevante Zielgruppe.

Premiere wird in den USA am 1. September um 19:30 EDT auf Playboy TV sein.

(Quelle: Playboy TV)

WTF (2)

Ich glaube, das lass ich mal kommentarlos für sich selber stehen. Soll sich mal jeder seine eigenen Gedanken dazu machen:

End of the road

Eine Bekannte machte mich gerade darauf aufmerksam: "Playgirl" wird eingestellt. Damit die weiblichen Fans aber nicht zu sehr leiden müssen, gibt es aber das Internet. Da gibt es zum Beispiel diese Homage an "Playgirl", an der sich die Fans immer und immer wieder erfreuen können:

Mal ehrlich, wenn das alles war, was Playgirl zu bieten hatte, dann wundert mich gar nichts mehr.

(Danke Maike)

Sonntag, 3. August 2008

Überschrift des Tages (81)

Wie sorgt man dafür, dass das Internet ein sicherer Platz wird? Genau! Man sorgt dafür, dass möglichst viele Dummuser aus dem Netz verschwinden. Dieser Prämisse folgend veröffentlicht die Welt folgenden Artikel:

Liste der 100 gefährlichsten Internetseiten
Nun belässt man es nicht etwa dabei, in branchenüblicher Manier über die Gefahren des Webs zu diskutieren oder von den Risiken zu erzählen. Nein, weit gefhlt. Fein säuberlich sortiert und kategorisiert listet die Welt 100 URLs auf, wo es zum Beispiel die besten Virenbaukästen gibt, wo man Cracks und illegale Filme herbekommt und vieles mehr. Aber immerhin warnt die Redaktion eindringlich: "Kleinste Fehler gefährden Sie selbst und andere".

Da kann man eigentlich nur noch gratulieren.

(Quelle: Welt)

Freitag, 4. Juli 2008

Kreative Symbolgestaltung

Das öffentlich-rechtliche Fernsehn gilt bei den meisten Fernsehkonsumenten zumindest bei den Nachrichtensendungen als Maß der Dinge. Oft ist diese Einschätzung auch gerechtfertigt und besonders die ARD ist sehr stolz auf das Image der seriösen Berichterstattung. Wie sehr aber auch die ARD Sparzwängen unterworfen ist, zeigt sich in der letzten Zeit bei scheinbar so unwichtigen Details wie der Gestaltung der Hintergründe, die begleitend zu den Redebeiträgen eingeblendet werden. Neulich, bei der EM-Partie Türkei gegen Deutschland kreierten die Tagesthemen eine neue Deutschlandflagge, zum Vergleich daneben die "richtige" Anordnung der Farben:

Tagesthemen Deutschlandfahne falsch
Kann ja mal passieren, denn wer weiß denn heute schon, wie die Flagge Deutschlands aussieht? Anlässlich der Eröffnung des neuen US-amerikanischen Regierungsbunkers in Berlin bewies dieselbe Redaktion erneut ihre Kreativität in Sachen Nationale Symbole und schuf kurzerhand eine neue Flagge für die USA, wieder das Original daneben:

Tagesthemen Flagge USA falsch
Da darf man dann doch schon mal die Frage stellen, ob das Absicht oder profunde Inkompetenz ist, oder? In Zeiten, in denen verbissen um den Markt gekämpft wird und private Medienanbieter alles tun, um dafür zu sorgen, dass die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten aus dem Markt der Zukunft (dem Internet) herausgehalten werden, sollte man sich solche kapitalen Böcke nicht erlauben.

(Quelle: ARD, Spiegel, Welt)

Donnerstag, 26. Juni 2008

Jugger (2)

Heute war der NDR mit der Sendung "19.30dasmagazin" bei den Oldenburger Keilern und die Tapirherde war auch dabei. Die Sendung wurde gestern Abend gesendet und im Fernsehn sah das Ganze so aus:

Wer den Keilern den im Beitrag erwähnten Pokal zukommen lassen möchte: Unter www.niedersachsen1930.de gibt es die Kategorie "Niedersachsen außergewöhnliche Sportler". Da wiederum findet sich ab Freitag (nein, heute noch nicht, erst morgen!) die Abstimmungsmöglichkeit, unter der bis Sonntag jeder für den Juggerbeitrag voten kann...

Aus meiner Perspektive sah dieser Event so aus:

An dieser Stelle noch einmal alles Gute und gute Besserung an Katrin!