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Donnerstag, 24. Mai 2018

Alexa ist sicher. Sicher?

Alexa, das stimmaktivierte Smart-Home-System von Amazon, erfreut sich einiger Beleibtheit und auch einiger Skepsis. Die Befürworter schelten die Kritiker gerne mit überzogenem Kontrollwahn bis hin zur Paranoia. Ich würde mich selber zwar nicht als paranoid bezeichnen, aber skeptisch bin ich gegenüber solchen Cloud-basierten Systemen schon, deren Funktion vereinfacht gesagt auf einer permanenten Audio-Überwachung meiner Privaträume basiert, gleichzeitig aber nahezu jede Kontrolle meinerseits verhindern - abgesehen von abschalten.

Ein Ehepaar in Portland, Oregon, war vollkommen von Alexa überzeugt. Das ganze Haus, jedes Zimmer war mit irgendwelchen Alexa-basierten Geräten vernetzt, steuerte unter anderem Licht, Heizung und das Sicherheitssystem des Hauses. Das Ganze funktionierte auch zur vollen Zufriedenheit.

Bis eines Abends ein Angestellter des Ehemanns aus Seattle anrief:

"Nehmt Eure Alexa-Geräte sofort vom Netz, Ihr wurdet gehackt!"

Die spontane Reaktion war ein überzeugtes "janee, iskla" (tm). Der Angestellte erklärte der Ehefrau am Telefon, dass er gerade Audiodateien mit Aufzeichnungen der Unterhaltungen der beiden erhalten habe. Das glaubten die beiden pauschal gar nicht, bis der Angestellte ihnen erzählte, dass die beiden sich gerade über ein neues Parkett unterhalten hatten. Das räumte jeden Zweifel aus.

Der Angestellte schickte ihnen die Audiodateien zu. Das Ehepaar nahm alle Alexa-Geräte vom Netz und wandte sich an Amazon. Ein Alexa-Ingenieur untersuchte den Vorfall. Der Ingenieur ging durch die Logdateien des Accounts des Ehepaares und konnte anhand der Aufzeichnungen exakt nachvollziehen, dass die Beobachtungen des Ehepaares zutrafen. Er bedankte sich dafür, dass die beiden Amazon das Problem mitgeteilt hatten, weil das etwas sei, um das man sich kümmern müsse.

Nach Einschätzung des Ingenieurs hatte das Alexa-Gerät versucht zu interpretieren, was das Ehepaar sagte und handelte entsprechend. Allerdings hatte das Alexa-Gerät nicht darauf hingewiesen, dass es die Unterhaltung aufzeichnet und anschließend verschicken wird...

Laut Kiro 7 sagte Amazon zu dem Vorfall:

"Amazon nimmt Datenschutz sehr ernst. Wir untersuchten was passiert ist und haben sichergestellt, dass dies ein extrem seltener Vorfall war. Wir werden weitere Schritte unternehmen um sicherzustellen, dass so etwas wieder vorkommt."

Amazon bot an, die Kommunikation über die Alexa-Geräte zu deaktivieren, damit die Familie die Smart-Home-Features weiterhin nutzen könne. Allerdings legt die wohl nach dieser Erfahrung keinen größeren Wert mehr darauf und will die Geräte zurückgeben und das Geld dafür wiederhaben. Das wiederum sieht Amazon pauschal gar nicht ein...

Manchmal ist es vielleicht doch besser, etwas skeptisch zu sein.

Dienstag, 27. März 2018

Wir erschaffen eine Dystopie, um Werbung zu verkaufen.

TED, ein Plattform für intellektuell anspruchsvolleren Content, stellte mir heute Zeynep Tufekci vor. Sie spricht über Werbung und künstliche Intelligenz und wie der Versuch uns Schuhe zu verkaufen letztendlich zu dystopischen Zuständen führt und warum der "Skandal" rund um Facebook letztendlich ein Weckruf für alle ist:

"We're building an artificial intelligence-powered dystopia, one click at a time, says techno-sociologist Zeynep Tufekci. In an eye-opening talk, she details how the same algorithms companies like Facebook, Google and Amazon use to get you to click on ads are also used to organize your access to political and social information. And the machines aren't even the real threat. What we need to understand is how the powerful might use AI to control us -- and what we can do in response."

Freitag, 23. März 2018

Facebook und die Daten - XXL, and counting

Der trackende Like-Button, die automatische Gesichtserkennung auf Bildern (auch mit Unterstützung der User), jetzt Wahlbeeinflussung durch Facebook. Das Verhältnis ist nicht unbelastet. Die Geschichte rund um Cambridge Analytica hat aber ein Ausmaß, das erst so nach und nach im vollen Umfang erkennbar wird.

Es ist nicht so, dass eine Firma unbemerkt diese Menge Daten abgreifen kann, ohne dass Facebook davon irgendetwas merkt. Es muss Warnhinweise gegeben haben, entweder automatisiert oder durch die normalen Audit-Warnungen, die jede Firma, die mit Daten hantiert, benutzt. Warum sollte Facebook diese ignorieren, wenn diese Daten doch der Kern des eigenen Geschäftsmodells sind?

Die Erklärung ist so einfach, wie erschreckend: Zwischen Facebook und Aleksandr Kogan von Cambridge Analytica gab es eine langjährige Geschäftsbeziehung, bei der es "normal" war, Daten in dieser Größenordnung abzugrasen. Welche Größenordnung? Facebook gab bereits 2013 an Kogan und sein Institut Daten über jede - und zwar wirklich JEDE - auf Facebook in jedem Land auf der ganzen Welt im Jahr 2011 geformte Freundschaft weiter, aufgeschlüsselt auf Ebene der Staaten. Das waren - festhalten - 57 Milliarden Facebook-Freundschaften. Inklusive Begleitdaten.

Facebook betont, dass diese Daten anonymisiert wurden und aus diesen Daten keinerlei Rückschluss auf die Personen möglich sei. Mag sein. Aber es geht um die Geschichte drumherum. Die Daten wurden nicht nur weitergegeben, sondern auch wissenschaftlich für eine Studie ausgewertet, in der zwei Mitarbeiter von Facebook als Co-Autoren namentlich genannt werden, zusammen mit Wissenschaftlern aus Cambridge, Harvard und Berkeley. Veröffentlicht wurde die Studie damals von Kogan unter dem Namen "Aleksandr Spectre".

Damals veröffentlichte die Universität Cambridge zu der Studie eine Pressemitteilung, in der es hieß, dass diese Studie "das erste Ergebnis einer laufenden Forschungszusammenarbeit zwischen dem Labor von Spectre in Cambridge und Facebook" sei. Kogan gab 2013 gegenüber der Uni Cambridge an, dass die App, mit der die Daten gesammelt wurden, für "eine Reihe" Studien verwendet wurde. Nachdem er GSR gegründet hatte, will Kogan die App der Firma übertragen haben, Logo, Namen, Beschreibung und AGB geändert haben.

Kogan behauptet, dass er nie einen Zweifel daran gelassen habe, dass die App ab diesem Zeitpunkt kommerziell und nicht "für wissenschaftliche Zwecke" genutzt wird. Nachdem sie ursprünglich eine App für wissenschaftliche Untersuchungen war und als solche wohl bei den meisten installiert wurde. Es ist völlig unklar, ob und wie die Benutzer über diese marginale Veränderung aufgeklärt wurden. Allerdings... Ich sag mal "iTunes AGB"... lesen und verstehen wir alle, nicht wahr?

Die Tatsache, dass 57 Milliarden(!) Datenpaare auswertbar mit Begleitdaten weitergegeben wurden und dass Mitarbeiter von Facebook als Co-Autoren genannt werden, macht es nicht einfach nur "wahrscheinlich", dass es eine noch viel weiter zurückreichende Beziehung zwischen Facebook und Kogan gab. Es ist selbst für Facebook absolut unüblich, Daten in dieser Masse herauszugeben. Es muss eine auf Vertrauen basierende Vorgeschichte gegeben haben, sonst hätte Facebook niemals so viele Daten ausgehändigt.

Überraschung: Die Datensammlung, die zu dem "Big Bang" zwischen Facebook und Kogan führte, wurde von einer Firma namens Global Science Research (GSR) durchgeführt. Diese Firma wurde im Mai 2014 von Aleksandr Kogan und Joseph Chancellor, einem weiteren Forscher von der Universität Cambridge, gegründet. Und oh Wunder der Choreographie: Rate doch mal, wer aktuell Arbeitgeber von Joseph Chancellor ist. Richtig! Facebook!

Natürlich betont Facebook, dass die Daten "eigentlich nur Zahlen" gewesen wären und es eigentlich nur um die Anzahl Freundschaften zwischen Benutzern verschiedener Länder ging. Zum Beispiel X Freundschaften zwischen Benutzern aus Land A und Land B. Es wären keinerlei persönlich identifizierbare Informationen in diesen Daten enthalten gewesen. So Christine Chen von Facebook. Einkommen und sozialer Status und so weiter sind ja letztendlich auch "nur Zahlen".

Nun ist es nicht so, dass das Datensammeln von Kogan bzw. Spectre bzw. Cambridge Analytica "erst gestern" bekannt geworden wäre. The Guardian berichtete im Dezember 2015, dass Facebook umfangreiche Daten an Kogan / Spectre / Cambridge Analytica weitergab. Und dass diese Daten wahrscheinlich von Politikern genutzt werden.

Letztendlich ist es egal, ob Facebook die Daten ausgehändigt hat, oder ob Kogan die Daten unerlaubt abgegriffen hat. Es spielt auch keine Rolle, ob Facebook die Daten hätte anonymisieren können oder müssen. Es geht darum, dass diese Daten überhaupt in diesem Umfang zusammengeführt und gespeichert sind. Natürlich ist die Frage berechtigt, wieso das alles "erst jetzt" bekannt und hochgekocht wird. Natürlich spielt das Thema Trump und der Hintergrund seiner Wahl die herausragende Rolle. Und ja, Drama, Skandal, Spannung und Popcorn. Alles richtig. Aber es ist dringend notwendig, dass über wir alle über das Thema des Datensammelns und der Datenauswertung auf einer sehr grundsätzlichen und sehr öffentlichen Ebene und in möglichst großem Umfang diskutieren.

(Quelle: The Guardian)

Sonntag, 18. März 2018

Facebook und die Daten

Cambridge Analytica (CA) wird den meisten nichts sagen. Die meisten, denen dieser Name etwas sagt, werden diesen Namen auch erst seit ein paar Tagen kennen. Diese Firma beschäftigte sich mit dem Profiling von Wählern und arbeitete mit dieser Expertise mit dem Wahlkampfteam von US Präsident D. Trump zusammen.

Die Firma hat bzw. hatte Zugriff auf Daten und Profile von 50 Millionen Benutzern von Facebook. Im Zusammenhang mit der mal mehr, mal weniger prominent geführten Debatte ist umstritten, ob der Zugriff auf und die Auswertung der Daten erlaubt war oder nicht. Facebook betont, dass es sich nicht um ein Datenleck gehandelt hat. Die Daten seien nicht illegal erhoben worden. Es hätte kein Zugriff auf Daten stattgefunden, dem nicht vorher zugestimmt worden sei.

Mögen sich die Beteiligten in den Medien und den USA darüber streiten, ob es nun ein Datenleck oder ein Verstoß gegen die Richtlinien von und Verträge mit Facebook war. Der Punkt, über den sich jeder Nutzer von Facebook absolut klar sein muss, ist der Umfang und das Ausmaß, in dem Daten weitergegeben werden, die Facebook generiert. Oder genauer: Die Benutzer auf Facebook und den dazu gehörenden Anwendungen (Messenger, WhatsApp, Instagram, Oculus VR, Moves, etc.) generieren.

Cambridge Analytica ging mit einem Kapital von (Pi mal Daumen) 15 Millionen US$ an die Auswertung. Damit ist CA nicht im Entferntesten der größte Laden, der sich mit den Daten befasst. Im Gegenteil. Zu den Finanziers des Unternehmens, die den Aufbau von Facebook ermöglicht haben gehören zum Beispiel Microsoft (240 Millionen US$) Mail.ru Group (400 Millionen US$) oder auch Goldman Sachs.

Wer glaubt, dass diese Firmen für das Geld, dass sie Facebook zur Verfügung gestellt haben, keine Gegenleistung erhält, glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee. Es dürfte realistisch sein davon auszugehen, dass diese Firmen mindestens im selben Umfang auf Daten zugreifen können, wie es CA kann bzw. konnte.

Eine reflexartige Reaktion ist "Dann wissen die halt, was ich Samstag gegessen habe. Und?" Wenn es nur das wäre. Eine Mailaustausch zwischen CA und dem Psychometrischen Zentrum der Universität Cambridge zeigt, über welche Wesensaspekte zuverlässige Aussagen getroffen werden können:

Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Pflichtbewusstsein, Introvertiertheit bzw. Extrovertiertheit, Freundlichkeit, angenehmes Wesen, emotionale Labilität, Intelligenzquotient, Geschlecht, Alter, politisches Engagement, politische Orientierung, Religion, Beruf, Schwerpunkt der schulischen Ausbildung, Bereitschaft anderen von sich zu erzählen, Aufrichtigkeit, Voreingenommenheit, Skepsis gegenüber anderen, Selbstkontrolle, Sensationslust, Militarismus, Okkultismus, Teilnahme an intellektuellen Aktivitäten, Leichtgläubigkeit, Naturverbundenheit, Glaube an Sternzeichen.

(Quelle: New York Times)

Diese Liste ist keine abschließende Liste, sondern lediglich eine, die für den angestrebten Zweck zwischen CA und dem Psychometrischen Zentrum der Universität Cambridge diskutiert wurden.

Es sei jedem selbst überlassen, Facebook & Co. weiterhin in dem Umfang wie bisher zu nutzen. Aber vielleicht sollte jeder darüber nachdenken. Will man wirklich alle Texte, Bilder, Links, kurz gesagt "alle Daten" Facebook durch Nutzung der Apps und Webseiten zur Verfügung stellen? Falls ja, hier noch ein Denkanstoß.

Donnerstag, 15. März 2018

"Nur mal eben kurz daddeln..." - Ubi-Style.

Wirfste den Herd an, weil: Hunger.

Küche... Topf... Wasser... zwecks Nudeln.

Kennste.

Denkste Dir "och, das dauert jetzt eh, kannste ja eben 5 Minuten zocken..."

Starteste das Game.

Meldet sich das Game: "Ich hab da so nen Patch..."

Denkste Dir: "Ja.. mach doch."

Game: "Ok. Sind 12mb. ich mach' ma'."

*Game tut Dinge*

Game meldet sich wieder: "Ich starte dann mal den Installer, den ich gerade gezogen hab..."

Denkste Dir so: "Ja? Okay? Und?"

Das Game so:


Wäre ja auch zu schön gewesen...

Mittwoch, 14. März 2018

Kleines Ding - Großer Schatten

Alles, was wir täglich benutzen, wird irgendwo produziert. An dieser Produktion sind Menschen beteiligt, die davon leben. In den Wirtschaftswissenschaften ist es ein offenes Geheimnis, dass die Kosten für Arbeitnehmer ein Posten sind, der große Auswirkungen auf Gewinn und Verlust hat, weil Personalkosten tendenziell über die Zeit hinweg steigen. Kosten verringern den Gewinn. Das Ziel von Unternehmen ist das Vergrößern von Gewinn. Der Konflikt ist klar und führte in der Geschichte der Menschheit zu Leibeigentum, Sklaverei, Tagelöhnern, Minijobs, Leiharbeit und ähnlichen, eher unschönen Beschäftigungsverhältnissen.

Aus Sicht der Industrie ist es naheliegend zu versuchen, den Faktor Mensch im Betrieb auf ein unumgängliches Maß zu reduzieren. Früher war das Schlagwort "Rationalisierung". Mit ihm wurde umschrieben, dass durch Eingriffe in den Arbeitsprozess die Effektivität und die Effizienz des einzelnen Arbeitsschrittes gesteigert wurden. Dadurch wurde die notwendige Anzahl an Mitarbeitern gesenkt. Fords Einführung der Fließbandproduktion ist das Bilderbuchbeispiel für Rationalisierung.

In den letzten Jahrzehnten kam ein weiterer Faktor hinzu: Die Automatisierung. Maschinen sind zunehmend in der Lage, die Arbeit von Menschen nicht nur zu unterstützen, sondern komplett zu übernehmen und den Arbeiter zu ersetzen. Lange Zeit wurde dies eher mit der Massenproduktion in der industriellen Fertigung gesehen, aber über diesen Punkt sind wir längst hinaus. Wie weit wir darüber bereits hinaus sind?

Neulich wurde berichtet, dass eine Burgerbräterei in Pasadena, Los Angeles, sich einen Roboter angeschafft hat, der den Menschen am Grill ersetzt. Was zuerst nach einem lustigen Marketing-Gag klingt, wirft bei näherer Betrachtung eine Menge Fragen auf.

Dieser Roboter kostet in der Anschaffung 60.000 US$. Der Betrieb verursacht weitere 12.000US$ pro Jahr. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer ("Abschreibung") von solchen Produktionsmitteln dürfte realistisch bei fünf bis sieben Jahre liegen. Gehe ich von fünf Jahren aus, kostet das Gerät in der Zeit 120.000US$.

Das ist erst einmal eine Menge Geld. Aber. Der Roboter kann 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr nahezu ununterbrochen arbeiten. zurückgerechnet auf die einzelne Stunde kostet der Roboter plötzlich nur noch 2,74US$. Ein Koch am Grill in einer bekannten Burger Kette erhält ein Gehalt in Höhe von etwas mehr als 8,30US$ pro Stunde. Man braucht jetzt kein Mathegenie zu sein, um zu erkennen, dass sich ein Unterschied von mehr als 5US$ pro Stunde im Laufe von fünf Jahren zu einer erheblichen Summe addiert.

Der Einsatz dieses Gerätes und die Erfahrungen dieser speziellen Burgerbräterei dürfte in der Fast Food Industrie mit großer Aufmerksamkeit beobachtet werden. Obwohl sich dieser Roboter dieses Herstellers erst einmal nicht bewährt hat: Er ist ein "Proof Of Concept", ein Beweis, dass es prinzipiell machbar ist - und sich wirtschaftlich lohnt. In dieselbe Ecke gehören die noch etwas seltsam anmutenden Gastro-Roboter, die Cocktails mixen, an Hotelrezeptionen Gäste abfertigen oder etwas sehr überfordert durch Supermärkte irren und den Kunden auf die Nerven gehen. Auch die von Amazon gezeigten Warenhäuser ohne Kassenpersonal oder Paketauslieferung per Drohne weisen eindeutig in dieselbe Richtung: Ersetze Mensch durch Maschine.

All das wirkt noch sehr experimentell. Serienreife und Akzeptanz durch die breite Masse lassen noch auf sich warten und das führt gemeinhin zu der Meinung: "jaja, irgendwann mal, aber bis das meinen Job betrifft..." Auch in meinem unmittelbaren Umfeld ist diese Sichtweise weit verbreitet und tief verwurzelt. Frühestens in 10-15 Jahren sei das vielleicht spruchreif und würde erste Folgen zeigen, so die Kritik an meiner Beobachtung. Wie nah allerdings neben all diesen oben gezeigten, eher possierlich anmutenden Beispielen der Wandel ist, zeigt eine anscheinend völlig aus dem Zusammenhang gerissene Entwicklung an anderer Stelle, nämlich dem US Marine Corps.

Wer hat noch nicht vor der Situation gestanden, dass ein winziges Teilchen kaputt ging, dessen Kosten vielleicht wenige Cent betrugen, das aber als Ersatzteil nicht zu bekommen war? Das Beispiel aus meinem Leben, das mir dabei immer sofort einfällt, ist ein Joystick, von dem plötzlich eine Tastkappe weg war. Ein Teilchen, das vielleicht 10 Cent kostet, aber für die Benutzbarkeit des Gerätes maßgeblich war. Der Hersteller sah sich nicht in der Lage, dieses Teil als Ersatzteil zu liefern und so blieb letztendlich nur der Komplettaustausch, der mit mehr als 50 Euro zu Buche geschlagen hätte.

Im Militär wird Ausrüstung "robust" behandelt. Entsprechend ist der Verschleiß auch höher. In den Hubschraubern des Marine Corps gibt es Kommunikationspanele mit Knöpfen. Diese Knöpfe sind aus Plastik und gehen gerne kaputt. Sie zerbrechen. Diese Knöpfe zu ersetzen wäre eigentlich trivial. Allerdings: Das Pentagon beschafft diese Knöpfe nicht als Einzelteil.

Stattdessen muss die komplette Konsole ausgetauscht werden, die im Austausch mit 11.000 US$ in Rechnung gestellt wird. Das Marine Corps ging dazu über, diese Knöpfe selber herzustellen. Mit 3D Druckern. Kosten pro Knopf rund 2 Cent. Der Umstand, dass diese selbstgebauten Knöpfe nicht für die Verwendung in Fluggeräten zertifiziert sind, beeindruckte General Robert Neller, Kommandant des US Marine Corps, herzlich wenig. Stattdessen lässt er diese Knöpfe jetzt in Massen produzieren und spart seinem Budget viele zehntausend Dollar pro Jahr.

Das mag ebenfalls als "Anekdote" erscheinen, zeigt aber, wie weit wir in der Praxis inzwischen sind. Eigentlich muss ein Hersteller bei solchen Ersatzteilen weder das Ersatzteil vorrätig halten, noch muss er sich um Logistik, Herstellung, Vertrieb oder sonst etwas kümmern. Es reicht aus, das Bauteil zu entwickeln, es im fertigen Produkt zu verwenden. Für solche Ersatzteile braucht er nur noch die digitale Bauanleitung zur Verfügung zu stellen. Ein Download einer Datei. Der Komplette Sektor des Ersatzteilhandels trocknet mit einem Schlag aus und ist obsolet.

Warum ausgerechnet die Story des Marine Corps von so herausragender Bedeutung ist? Das Militär ist nicht irgendein Auftraggeber und Kunde. Die Stückzahlen, die das Militär benötigt, sind so groß, dass ganze Unternehmen einzig davon leben, dass das Militär ihre Produkte kauft. Davon wiederum leben eine Menge Menschen, deren Job es ist, dieses Verhältnis Kunde - Hersteller am Leben zu halten, vom Arbeiter an der Maschine, über das Personal, das das Teil verpackt, die Leute im Logistikunternehmen, und so weiter und so fort. Da das Marine Corps innerhalb der US Armee als Pioniereinheit, als Vorreiter, gilt, dürfte es nicht lange dauern, bis auch andere Zweige des US Militärs dieses Prozedere übernehmen.

Wenn die US Armee etwas so macht, dauert es selten besonders lange, bevor auch andere Armeen anfangen, das nachzumachen und die Büchse der Pandora ist geöffnet. Die Friedrich-Ebert-Stiftung schrieb bereits 1995:

Die Rüstungsindustrie mit derzeit rund 180.000 Beschäftigten gehört bei 27 Millionen Arbeitsverhältnissen in Deutschland zwar nicht zu den beschäftigungspolitischen Schlüsselsektoren. Dennoch sind die wirtschaftlichen Folgen des Arbeitsplatzabbaus für einzelne Bundesländer, insbesondere aber für strukturschwache Regionen und Kommunen eklatant. Nicht nur die Zahl der unmittelbar in der wehrtechnischen Industrie Beschäftigten ist rückläufig. Vielmehr schrumpft auch das Personal bei den Zulieferern, die inzwischen nicht mehr über 800.000, sondern nur noch 300.000 Mitarbeiter haben. [ Fn 9: "Nächste Front", in: "Wirtschaftswoche" vom 3.8.1995, S. 33]

Der Bundesverband der Deutschen Industrie beziffert die Kosten für Entlassungen von Beschäftigten und für die Stillegung wehrtechnischer Kapazitäten auf mehr als 25 Mrd. DM. [ Fn 10: Wolfgang Hoffmann: "Rückzug mit Verlusten", in: Die Zeit vom 21.7.1995]

Starke regionale Arbeitsmarkteffekte verursacht der Abbau von Soldaten und Zivilpersonal bei den deutschen und alliierten Streitkräften. Allein bei den deutschen Militärbeschäftigten wird mit einem Verlust von etwa 420.000 von bisher knapp 1 Mio. Arbeitsplätzen gerechnet. Hinzu kommt noch eine nicht bekannte Anzahl von Erwerbstätigen, die indirekt von Kasernen und anderen militärischen Einrichtungen abhängen. Die nachfolgende Übersicht enthält eine differenzierte Schätzung für die 1,2 Mio. Arbeitsplätze, die in der Bundesrepublik für von deutschen und ausländischen Streitkräften abhängige Personen verloren gehen werden. Dabei wurden Soldaten und ziviles Personal der Nationalen Volksarmee der DDR zum Teil von der Bundeswehr übernommen.

(Konversionsmanagement : Abrüstungsfolgen und Bewältigungsstrategien ; Tagungen der Friedrich-Ebert-Stiftung am 01. September 1994 in Kaiserslautern und am 06. April 1995 in Potsdam / [... von Ingo Zander erstellt]. - [Electronic ed.]. - Bonn, 1995. - 91 S. = 284 Kb, Text . - (Reihe "Wirtschaftspolitische Diskurse" ; 76). - ISBN 3-86077-412-3 Electronic ed.: Bonn: FES Library, 2000)

Die Folgen, die alleine für den Bereich der Volkswirtschaft entstehen, die vom Militär abhängig sind, sind bereits immens. Denkt man das auf die gesamte Wirtschaft, haben wir ein Problem. Ja, es heißt, dass die "Industrielle Revolution 4.0" (oder 5.0, je nach dem, wen man fragt) Arbeitskräfte freistellt, die an anderer Stelle benötigt werden. Gerne wird auch darauf verwiesen, dass alle bisherigen industriellen Revolutionen zum Wegfall von ganzen Berufszweigen geführt haben, diese Arbeitskräfte aber immer durch andere Sektoren "aufgefangen" wurden, insbesondere durch den Sektor Dienstleistung.

Allerdings sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, in dem auch die Dienstleistung automatisiert wird, in Japan, Deutschland, England, USA. kurz: Überall auf der Welt und in allen Bereichen. Auch im ganz privaten Bereich ist die Automatisierung inzwischen angekommen. Man denke nur an Staubsaugen, Wischen, Fensterputzen und Rasenmähen, was bislang häufig von Haushaltshilfen übernommen wird, oder bald auch das Autofahren. Es betrifft eben nicht nur den sehr einseitig qualifizierten und eher gering bezahlten Arbeiter am Band, sondern auch hochqualifizierte Fachkräfte mit oft ebenso hoch dotierten Jobs.

Es geht ja nicht um einen Berufszweig, der "plötzlich" einige hundert oder tausend Arbeitskräfte freisetzt. Es geht um einen Dammbruch, der sich quer durch alle Bereiche zieht und innerhalb kürzester Zeit Millionen Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt spülen wird, der seinerseits diesen Arbeitnehmern aber gar keine Angebote mehr machen kann, weil es einfach keine Arbeitsplätze gibt.

Allen Menschen schon in der Schule beizubringen zu programmieren, wie es Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) fordert, kann auch deshalb keine Lösung sein, denn: der Bedarf an Programmierern ist begrenzt und eben nicht unendlich. Ganz abgesehen davon, dass es auch dort massive Entwicklungen hin zur Automatisierung gibt (über die man sich übrigens an höherer Stelle durchaus im Klaren ist) und längst nicht jeder zum Programmierer taugt.

Hinter dem offensichtlichen Problem des Arbeitsplatzes und der drohenden Arbeitslosigkeit stehen aber noch viel weitreichendere Probleme. Ohne Arbeitsplatz kein Einkommen. Ohne Einkommen keine Einkommenssteuer, die immerhin "nur" rund 32% der Bundessteuereinnahmen ausmacht. Wie will der Staat das kompensieren? Roboter zahlen keine Steuern, weder im privaten Haushalt, noch in der Industrie oder im Handel. Wie will diese Gesellschaft das selbst übergangsweise auffangen? Wo ist die Diskussion darüber, wo denn diese Jobs herkommen sollen, die all jene Arbeitnehmer auffangen werden? Gäbe es diese Jobs bereits in der Form, dass sie in Menge und Bezahlung eine praktikable Lösung wären, die Arbeitslosigkeit läge bei null. Zwar werden Fachkräfte gesucht, aber um eine solche Fachkraft zu sein, braucht es eine langwierige und komplexe Ausbildung. Wer bezahlt das? Wer übernimmt Kosten der Existenzsicherung, von der man nach Ansicht unseres Bundesministers für Gesundheit ja gut leben kann?

Was mir fehlt, ist die ernsthafte und dem zunehmenden Zeitdruck angemessene öffentliche Debatte darüber, wie die Folgen dieser Entwicklungen aufgefangen werden sollen. Wie soll unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen und funktionieren? Wo ist die Debatte, die geprägt ist von Gestaltungswillen und Aufrichtigkeit in Bezug auf den fundamentalen Paradigmenwechsel, der unmittelbar bevorsteht und alle betreffen wird, im Großen, wie im Kleinen?

[Update]

Meine Meinung, der Dienstleistungssektor könnte Schwierigkeiten haben, die sich abzeichnende Bewerberschwemme aufzunehmen, findet heute (15.03.18) zufällig Bestätigung in der Antwort der Regierung (19/1129) auf eine kleine Anfrage der Grünen (19/745). Dort teilt die Regierung mit:

Im Bundesbereich sank die Zahl der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes den Angaben zufolge insgesamt von 584.700 Mitte des Jahres 2000 auf 489.500 Mitte 2016. Dabei ging sie im früheren Bundesgebiet einschließlich Berlin-Ost von 513.200 auf 424.200 zurück und in den neuen Ländern (ohne Berlin-Ost) von 71.500 auf 65.300.

Wenns im Dientleistungssektor so dringend und viel Bedarf gäbe, dann würde ich das besonders in der Verwaltung zeigen, denn die neigt eher nicht dazu, sich personell gegen den Trend zu verschlanken.

Mittwoch, 24. März 2010

Zitat des Tages (5)

"Der durchschnittliche digitale Profi ist 36,1 Jahre alt, meist männlich und berufstätig. Dieser Typus verfügt sowohl Zuhause als auch im Büro über eine sehr gute digitale Infrastruktur. Seine Kompetenzen sind umfangreich, was sich insbesondere in ihren professionellen Fähigkeiten widerspiegelt. Ob Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen Terrain zuhause."

tns infratest, Pressemitteilung vom 18.03.2010

Montag, 15. Februar 2010

Der falsche Klick

Das OLG Hamburg fällte heute ein Urteil (AZ: 2-27/09 REV), das bei vielen Computerbenutzern auf die eine oder andere Art für Aufmerksamkeit sorgen wird. In einem Verfahren, in dem es um den Besitz um Kinderpornographie ging, musste das OLG in einem Revisionsverfahren darüber entscheiden, ob es maßgeblich für den "Besitz" ist, dass die auf dem Computer gespeichert werden. Die bisherige Rechtsprechung urteilte, dass straffrei ausging, wer entsprechendes Material auf seinem Rechner betrachtete, ohne entsprechende Daten auf den Rechner herunterzuladen und zu speichern.

Nach Ansicht des OLG Hamburg ist bereits das Betrachten (!) von Kinderpornographie auf Internetseiten strafbar. Das Vorhandensein der Daten im Arbeitsspeicher eines Rechners, auch ohne manuelles Abspeichern, mache den Benutzer zum Besitzer der Daten im Sinne der Rechtsprechung. Nach Auffassung des OLG reicht das vorsätzliche (aka: das bewusste und gewollte) Abrufen und Betrachten von Daten mit kinderpornographischem Inhalt aus, um den Straftatbestand des Besitzes zu erfüllen. Nach Auffassung des Gerichts hat der Benutzer bereits beim Aufrufen der Daten die volle Verfügungsgewalt über diese Daten.

Der vorsitzende Richter G. Harder spricht dem Urteil eine große rechtspraktische Bedeutung für den Alltag zu. Der Wille des Gesetzgebers in Bezug auf den Begriff des "Besitzes" müsse auch bei nicht körperlichen Dingen wie Daten aus dem Internet gelten. Zwar habe der Gesetzgeber die Lücke erkannt, die politische Diskussion um dieses Problem jedoch eingeschlafen.

Ohne Frage hat dieses Urteil sehr weitreichende Konsequenzen. Wenn das Vorhandensein von Daten im Arbeitsspeicher des Rechners bereits den Besitz qualifiziert, dann gilt das nicht nur für Kinderpornographie. Das Urteil wurde zwar speziell für einen solchen Fall gesprochen, aber der Tenor ist das Entscheidende. Der Auffassung dieses Urteils folgend gilt der Besitz demnach auch für Webstreams, die auf einem Rechner abgespielt werden. Das wiederum dürfte besonders die Medienindustrie interessieren, der bereits seit langer Zeit Webradios und die in jüngerer Vergangenheit zunehmend beliebter werdenden Film-Portale ein Dorn im Auge sind.

Erhebliche Probleme dürfte es für den Benutzer geben, wenn es um die Frage des Vorsatzes geht. Wie will man nachweisen, dass man einen Link "aus Versehen" angeklickt hat oder wie will man beweisen, dass sich das Fenster ohne eigenes Zutun öffnete? Was wenn man gar nicht weiß, dass entsprechende Daten im Hintergrund über den eigenen Rechner transportiert werden, etwa weil man einen Proxy betreibt oder der eigene Rechner gehackt wurde? Zwar schafft das Urteil insofern Rechtssicherheit, als dass Kinderpornographie in Zukunft noch besser bekämpft werden kann, aber es schafft auch erhebliche Unsicherheit für den Anwender.

Ich frage mich ernsthaft, wie man als Anwender beweiserheblich dokumentieren und nachweisen soll, was auf dem Rechner mit Wissen und Wollen des Anwenders passiert. Ich meine, man hat ja schon wenig Einfluss darauf, was eine Webseite, die man öffnet, für Inhalte präsentiert. Wie soll ein Anwender, der keine Ahnung von Computern hat, nachweisen, dass er eben nicht weiß, was für Programme auf seinem Rechner installiert sind, geschweige denn, was diese tun?

Irgendjemand eine Idee?

Dienstag, 9. Februar 2010

Nützlicher Link

Mit einem Bekannten hatte ich gerade eine interessante Unterhaltung über das Thema "soziale Netzwerke als Datenkraken". Da das Thema zur Zeit an vielen Stellen hinreichend zu Tode debattiert wird, erspare ich es mir und Euch, meinen Senf dazu abzugeben: Wirklich neue Erkenntnisse oder Gedanken habe ich der Diskussion auch nicht beizusteuern.

Mein Bekannter machte mich während unserer Unterhaltung auf einen Link aufmerksam, den ich für ziemlich nützlich und sinnvoll halte und der auch Euch vielleicht interessiert:


Hinter diesem Link ist die Facebook-Seite "Von Datenbank entfernen" (sic) zu finden, über die man als Nichtnutzer dieses Netzwerkes der Speicherung seiner Daten untersagen kann. Wer eingetragener Nutzer ist und sich vielleicht doch nicht so besonders wohl bei dem Gedanken fühlt, was genau Facebook wohl alles mit seinen Daten treibt, der kann über einen weiter oben auf jener Seite zu findenden Link seinen Account löschen (lassen), muss darauf aber 14 Tage warten.

Mittwoch, 13. August 2008

Sachen gibts... (196)

Microsoft hat eine Technologie entwickelt, mit der man Videos bearbeiten kann. Nicht das etwa das Video als solches, sondern die Inhalte, speziell die Gesichter darin:

Da ergibt sich irgendwie die Frage, ob man man Bildern und Videoaufzeichnungen generell überhaupt noch trauen kann, was gerade in Zeiten der zunehmenden Überwachung durch den Staat nicht ganz unerheblich sein dürfte.

Sonntag, 3. August 2008

Spielidee

Manche Spielkonzepte sind einfach nur genial:

Levelhead von Julian Oliver ist eindeutig ziemlich genial, auch wenn im Video nicht klar wird, dass das Spielgeschehen nicht auf den Würfel projiziert, sondern durch den Würfel gesteuert wird: Es gibt drei verschiedene Würfel, die mit verschiedenen Leveln des Spiels korrespondieren. Mit einem Motion-Tracking-System verfolgt der Rechner, wie der jeweilige Würfel gekippt, geneigt und gedreht wird. Das wiederum wird in die Bewegung einer Spielfigur im Innern der Würfel übersetzt. Ziel ist es, die Figur so schnell wie möglich durch alle Räume im Innern der Würfel zum Ziel (die Freiheit) zu führen.

Der Erfinder will das Spiel als open-source unter GPLv3 veröffentlichen, die Hardware gibt es allerdings nicht "für lau" dazu.

Montag, 14. Juli 2008

The Website is down

Für alle geplagten Admins, Callcenter- und technischen Kundendienstmitarbeiter das folgende Video:

(Danke Hoffi)

Donnerstag, 26. Juni 2008

Gefahrenquelle

JustiziaEin "gefährlicher Gegenstand" ist nicht etwa nur eine Kettensäge oder eine geladene Schrotflinte, sondern auch ein Computer mit Internetanschluss. Das zumindest urteilt das LG München (Az. 7 O 16402/07). Darum - so das Landgericht - sind Eltern auch dafür verantwortlich, was ihr Nachwuchs so alles mit dem Rechner treibt. Und wer "verantwortlich" ist, ist auch haftbar. Deshalb dürfen die Eltern jetzt einer Fotografin nicht nur die Anwaltskosten zahlen.

Die 16jährige Tochter hatte für einen Film eine Reihe Kinderfotos verwendet und den dann bei Youtube eingestellt. Die Rechte an den Fotos hat allerdings eine Fotografin und die klagte. Mit Erfolg. Das Gericht ließ die Erklärung, dass die Eltern keine Ahnung von Computern hätten nicht gelten. Die Höhe des Schadensersatzes ist noch nicht festgelegt, dürfte aber deutlich höher ausfallen, als die bis jetzt aufeglaufenen Anwaltskosten in Höhe von 490 Euro...

(Quelle: Netzeitung)

Montag, 23. Juni 2008

Freiheit für Python!

PeTA nackt ProtestWer mit Softwareentwicklung zu tun hat, der kennt vielleicht die Firma "Django". Django stellt nicht nur ein sogenanntes "Framework" her, sondern veranstaltet auch monatliche Treffen für Programmierer, wo die über ihre Software fachsimpeln können. Normalerweise ein großer Spaß für alle Beteiligten. Irgendwo in den USA, genauer in Lawrence, Kansas, findet das statt. In den USA gibt es allerdings nicht nur Programmierer, die sich treffen. Dort gibt es auch andere Menschen.

Eine nicht zu verachtende Gruppe eben jener "anderen Menschen" kam denn auch neulich zum letzten Treffen, dem sogenannten "hackathon". Diese Gruppe bestand aus 25 bis 30 Trenchcoat tragenden Frauen. Um exakt viertel nach acht zogen die Frauen ihre Trenchcoats aus und waren... nackt. So standen sie herum und trugen Schilder mit Aufschriften wie zum Beispiel "How many lives just for a coat?" ("Wieviele Leben für einen Mantel?") und "Snakes are Animals, and Animals are People!" ("Schlangen sind Tiere und Tiere sind Menschen!")

Die Programmierer waren etwas verwirrt, nicht nur, weil sie mit den Tierschutz-Slogans wenig anfangen konnten, sondern wahrscheinlich auch deshalb, weil sie selten jenseits des Monitors nackte Frauen zu Gesicht bekommen. Noch dazu ohne sie vorher bezahlen zu müssen und dann auch noch in solchen Mengen. Wäre jedenfalls naheliegend.

Der Chef-Designer von Django, Jacob Kaplan-Moss, brachte die Verwirrung auf den Punkt:
"What the hell is going on? This is fucking incredible."
Sinngemäß: "Was zur Hölle geht hier vor? Das ist verdammt noch mal unglaublich." Noch nie war etwas Vergleichbares jemals vorher bei einem der hackathons passiert. Niemand hatte eine Erklärung. Jacob Kaplan-Moss wies aber auf eine noch viel wichtigere Erkenntnis hin:
"They’re all naked, and these chicks don’t shave anything!"
Die wohl wichtigste Erkenntnis: "Sie sind alle nackt und sie rasieren sich nirgends!" Letzteres eine nahezu unglaubliche Erkenntnis: Es gibt Frauen, die sich nicht rasieren. Wie war das mit der Sache mit der Bekanntschaft vom Monitor...? Jedenfalls, jemand nahm sich ein Herz und fragte nach, was die Damen denn nun eigentlich auf dem Herzen hatten. Die Antwort war verblüffend:
"We know what they’re doing in there. They’re hacking pythons. It’s barbaric and we won’t leave until the last snake has been saved."
"Wir wissen, was die da drinnen tun. Sie zerhacken Pythons Das ist barbarisch und wir werden nicht eher gehen, bis nicht die letzte Schlange gerettet wurde." Die Damen kamen von PeTA - je nach dem wen man fragt steht das entweder für "people eating tasty animals" oder für "People for the Ethical Treatment of Animals". Die Damen jedenfalls waren sich überhaupt nicht darüber im Klaren, dass "Python" im Englischen zwar völlig richtig die Bezeichnung einer Reptilienfamilie ist und "to hack" ebenfalls vollkommen richtig mit "zerhacken" interpretiert und in diesem Kontext ebenso brutal wie falsch ist. "Python" ist ebenfalls der Name einer Programmiersprache, mit der sich eben jene Firma - Django - beschäftigt und im Zusammenhang mit Computern meint "hacking" nicht unbedingt das Benutzen von Messern und Äxten.

Als Guido Van Rossum, der Erfinder von Python nach seiner Meinung über die protestierenden Frauen befragt wurde, meinte der nur:
“What’s a woman?”
Was dieser Mann wohl auf die Frage "Was ist PeTA?" antworten würde?

(Quelle: Techfaux, danke hooray_dr)

Freitag, 20. Juni 2008

Spieletests - Theorie und Praxis

JoystickDer Stellenwert und die Bedeutung von "Tests" in der Gamingindustrie ist bekannt, zumindest theoretisch: Solche Tests sind in den Augen der Hersteller und Publisher wenig mehr als indirekt gekaufte Werbeinstrumente. Keinesfalls sind diese Tests etwa vergleichbar mit denen von Stiftung Warentest oder so. Sollen sie nicht sein und - glaubt man den aktuellen Erlebnissen mancher Tester - dürfen es auch nicht sein. Das ist dann nämlich Wettbewerbsverzerrung.

Diese Erfahrung macht zur Zeit nicht nur 4Players, sondern auch manch anderer Verlag, der sich mit Spielen auseinandersetzt und Tests veröffentlicht, die dem Kunden im Handel - aus gutem Grund - verwehrt bleiben. Wir erinnern uns? Wer Computerspiele vor dem Kauf im Laden testen möchte, könnte auch verlangen, im Laden Bargeld geschenkt zu bekommen. Gibt's nicht. Warum nicht? Wenn sich der Kunde vor dem Kauf über den oft völlig lieb- und phantasielos zusammengstümperten Schrott selber ein Bild machen könnte, würde ein erschreckend großer Teil der sogenannten "Topseller" im Regal verrotten.

Anyway. 4Players jedenfalls hat sich der Neuauflage des Produkts "Alone in the Dark" von Atari angenommen und das Produkt mehr oder weniger ausgiebig getestet. Das Resultat war nach dem Verständnis der Branche ein totaler Verriss - alles, was in der Presse weniger als 80% oder 8 von 10 Punkten bekommt, gilt für die Publisher als durchgefallen und unverkaufbar. Atari erhielt für den USK "ab 18" eingestuften Survival-Horror-Ego-Irgendwas-Shooter von 4Players sagenhafte 68% (PC Version). Zitat:
"(...) Alone in the Dark ist trotz guter Ansätze und einiger kreativer Ideen letztlich eine Totgeburt (...)"
In Fachkreisen nennt man das auch "auf die Fresse".

Ähnlich muss das auch Atari sehen. Dieser Publisher jedenfalls reagierte nicht etwa mit Nachbesserungen am Produkt. Weit gefehlt. Der Anwalt (mancherorts auch "Anwald" genannt) wurde losgeschickt, das Testergebnis zu korrigieren. 4Players erhielt denn auch einen geharnischten Brief, der einige interessante Sichtweisen der Industrie zum Thema "Spieletests" verdeutlicht. Hier ein paar Zitate:
"Mit diesem 'Test' verstoßen Sie gegen geltendes Recht und verletzen die Rechte unserer Mandantin" "Gleichzeitig missachten Sie die Standards, die für Warentests gelten. Warentests müssen nämlich objektive und sachkundige Untersuchungen zugrunde liegen." "Durch die vorstehenden Verletzungen verschaffen Sie sich zudem einen unlauteren Vorsprung gegenüber anderen, lauter arbeitenden Spielemagazinen. Der sog. "Test" wurde offenbar gezielt (...) geschrieben, um den ersten Test in Deutschland veröffentlichen zu können und so durch die vermeintliche Exklusivität (...) besonders hohe Leserzahlen und (...) Einnahmen generieren zu können."
Atari stornierte daraufhin nicht nur eine Werbekampagne sondern verlangt von 4Players ultimativ den Test vom Netz zu nehmen, die Bilder zu löschen und eine "strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung" abzugeben. Dazu 4Players:
"Hallo Atari? Ihr könnt uns mal."
Aber nicht nur 4Players wird von Atari hart angegangen, auch verschiedene Skandinavische Spieleredaktionen sehen sich mit ähnlichen Drohungen des Publishers konfrontiert. Für den Kunden mag das in erster Linie eine reine Schlammschlacht sein, aber die tiefere Message dieses Debakels ist letztendlich folgender: Publisher finanzieren über Werbekampagnen die Zeitschriften, in denen die Produkte getestet werden. Je besser die Produkte abschneiden, desto mehr Geld gibt es für die Zeitungen. "Objektivität" ist bei diesen Tests daher kein Kriterium, auf das sich der Kunde verlassen sollte, denn die Ergebnisse sind gekauft.

(Quelle: 4Players, danke King0r)

Montag, 7. April 2008

Gaming hilft

JoystickComputerspiele sind noch immer nicht raus aus der Diskussion. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die von den Medien als "Killerspiele" bezeichneten Games mehr oder weniger zwangsläufig Psychopathen und Massenmörder produzieren. Die Universität Middlesex hat sich mit dem Thema befasst und eine Studie veröffentlicht. Gegnern der der Egoshooter und Actionspiele wird sie gar nicht passen, Fans hingegen dürften sie feiern.

In dieser Studie wurde nachgewiesen, dass Spiele mit gewalttätigem Inhalt den Spieler sogar beruhigen und beim Aggressionsabbau helfen. Die Spieler fühlten sich nach dem Spiel deutlich entspannter und weniger aggressiv als vorher. Die Psychologen der Universität befragten 292 männliche und weibliche Spieler zwischen 12 und 83 und ließen sie World of Warcraft spielen. Jeweils vor und nach dem Spiel füllten die Spieler einen Fragebogen aus, in dem es um ihren Gemütszustand und ihre Persönlichkeit ging.

Insgesamt, so fanden die Psychologen heraus, fühlten sich die Spieler hinterher eher ermüdet und entspannt, jedoch gab es Unterschiede in Abhängigkeit zu Alter und Geschlecht. Die Studie soll jetzt Grundlage für weitere Untersuchungen sein, mit denen festgestellt werden soll, welcher Typ Gamer eher dazu neigt, seine im Spiel erlebten Aggressionen in den Alltag zu übertragen.

(Quelle: Develop)

Mittwoch, 2. April 2008

Aprilscherz?

Eine unüberschaubare Menge ach-so-toller Aprilscherze überflutete die Welt gestern. Hach war das alles witzig... Nein, überwiegend war es dumm, platt, einfallslos und nervig. Alleine vier Frauen haben mir versucht einzureden, sie wären schwanger - keine davon von mir, where is the joke? Etliche andere Bekannte versuchten mir einzureden, ich hätte im Lotto oder sonstwo gewonnen und die Zahl derer, die mir einreden wollten, ihr Auto sei gestohlen worden, sie wären irgendeiner Berühmtheit beim Kacken über den weg gelaufen oder hätten sonstwas für tollen, nur eben leider völlig haarsträubenden Mist erlebt, kann man getrost als "zu groß" zusammenfassen.

Es gibt aber auch Leute, die geben sich Mühe. Die geben stecken viel Zeit und Energie in die Vorbereitung eines Aprilscherzes und lassen das Opfer mit der Frage völlig alleine im Wald stehen, ob das nun alles nur ein Scherz ist oder vielleicht doch ein Quäntchen Wahrheit...?

Dieses Jahr gehört dieser Preis eindeutig den Leuten von IGN mit ihrem Trailer "The Legend of Zelda Movie":

Ich weiß es wirklich nicht... Fake or not?

Montag, 31. März 2008

Sachen gibts... (182)

Was tun, wenn sich ein Produkt ums Verrecken nicht verkauft? Easy: Make it pink! Aus genau diesem Grund gibt es in Japan jetzt eine Special Edition von Windows Vista Home Premium in pink! Dazu gibt es dann noch ein Abo für Windows Live OneCare (1 Jahr), ein Buch mit Tipps und Tricks für Windows Vista (ob da drin steht, wie ein erfolgreicher dowgrade von Vista zu XP geht?) Gibts direkt bei Microsoft Japan...

Freitag, 14. März 2008

Size matters

MonitorWenn es um Computer geht, gehen die Meinung darüber immer auseinander, was "notwendig", "richtig" oder "sinnvoll" ist und was nicht. Besonders in Bezug auf Monitore bekomme ich (Besitzer zweier >20"-Boliden) immer wieder zu hören, dass das ja totaler Overkill sei. Nicht nur ich behaupte, dass Monitore dieser Größe nicht einfach nur für den Penisneidfaktor gut sind, sondern auch ein angenehmeres Arbeiten ermöglichen. Das wird immer wieder von denen bestritten, die selber nur kleine Glotzkästchen besitzen.

Wissenschaftler der Universität Utah, Salt Lake City, USA, haben untersucht, wie schnell Menschen bestimmte Aufgaben am Computer erledigen. Untersucht wurde, wie lange die Probanden brauchten, um ein Dokumen am Bildschirm zu bearbeiten und welche Rolle dabei die Bildschirmgröße spielt. Benutzt wurden identische Computer mit Monitoren, deren Diagonale jeweils 18", 20", 24" und 26" maß.

Das Ergebnis war eindeutig: Wer an einem 24" Bildschirm arbeitete, erledigte die Aufgabe um bis zu 52% schneller als diejenigen, die an einem 18" Bildschirm arbeiteten. An 20" Bildschirmen waren die Probanden noch 44% schneller als die Benutzer des 18" Bildschirms. Das Benutzen des 26" Bildschirms steigerte die Arbeitsgeschwindigkeit jedoch nicht weiter, sondern kehrte den Effekt ins Gegenteil um. Der Leiter der Studie, Professor James Anderson, leitet aus den Untersuchungsergebnissen ab, dass die Wahl der "richtigen" Bildschirmgröße am Arbeitsplatz die Produktivität um das Äquivalent von bis zu zweieinhalb (Arbeits-) Stunden steigern kann.

Sein Rat an die Einkäufer technischer Ausstattung: Kauft die größten Bildschirme, die ihr kriegen könnt, denn: "Size matters".

(Quelle: Wall Street Journal)

Mittwoch, 23. Januar 2008

Killerspiel rettet Menschenleben

Americas Army DVD CoverWann immer Computerspiele in die Schlagzeilen geraten, dann entweder wegen des Geldes oder wegen der Brutalität oder wegen der Sucht, die sie bei den Spielern auslösen. Entsprechend ist die Darstellung in den Medien über "den Gamer" auch meistens sehr eindeutig: Kellerkind mit gestörter Psyche, dass irgendwann jeden umbringen will. Man erinnere sich an die tragischen Amokläufe an deutschen Schulen. Da wurde ja auch gerne auf die Computerspiele abgestellt, die Schuld an der Entgleisung der Täter gewesen sein sollen. Man denke nur an die berühmten Erkenntnisse des Christian Pfeiffer.

Am 23. November November 2007 ereignete sich ein Verkehrsunfall. Ein Geländewagen überschlug sich mehrfach. Der Beifahrer wurde nur leicht verletzt, dem Fahrer wurden jedoch zwei Finger abgetrennt und er drohte zu verbluten. Der zufällig am Unfallort anwesende 28jährige Paxton G. griff beherzt ein. Er zog beide aus dem Fahrzeugwrack und leistete dem Verletzten erste Hilfe. Er presste ein Handtuch auf die Wunde und ließ den Verletzten die Hand über den Kopf halten, um die Blutung zu verringern. Die Behandlung war erfolgreich, das Unfallopfer überlebte.

Was daran besonders ist? Paxton hat noch nie im Leben einen echten Erste Hilfe Kurs absolviert:
"Ich hatte zuvor noch nie einen Erste-Hilfe-Kurs besucht und kann nun ehrlich sagen, dass mir das Training und die Schulungen im Spiel geholfen haben, das Leben des Verletzten zu retten."
Paxton bezog sein Wissen über Erste Hilfe einzig und allein aus dem Spiel "Americas Army" und der dort simulierten Sanitätsausbildung.

Bekannt wurde der Vorfall erst jetzt, weil Paxton an das Entwicklerteam schrieb, um sich für das vermittelte medizinische Wissen zu bedanken.

(Quelle: Personal Computer World)