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Freitag, 19. März 2010

Gute und schlechte Erfolge

Als vor einiger Zeit eine Reihe hochrangiger Funktionäre der Taliban verhaftet wurden, zwang sich die Frage auf, welches Ziel Pakistan dabei verfolgt. Inzwischen wurde offiziell bestätigt, dass die Führung in Afghanistan über eben genau jene Festgenommenen geheime Verhandlungen mit den Taliban führte. Ein Sprecher der Regierung Karzai bestätigte, dass solche Verhandlungen geführt worden sind. Präsident Karzai sei über die Festnahme "außer sich" gewesen. Die Vermutung, dass es Pakistan nicht um das Ausschalten der Taliban insgesamt geht, sondern darum, die eher moderaten und verhandlungsbereiten Kräfte gegen dem ISI loyale zu ersetzen, ist nicht von der Hand zu weisen. Es fällt auf, dass die US Regierung bislang sorgsam vermieden hat, von einem "Strategiewechsel" zu sprechen.

Richard Holbroke kommentierte die Entwicklung sehr nüchtern:
"Everyone has asked the same question. How do you know? Have we turned a corner? I'm not prepared to make those judgments, and you'll have to ask the Pakistanis that," he said. "I'm an agnostic at this point (...) as to whether this was a policy change [by Islamabad] or a serendipitous collection of discreet events."
Abu Walid al-Masri, langjähriges Mitglied der Taliban, beurteilte die Auswirkungen der Festnahme von Baradar auch eher skeptisch. Nach seiner Einschätzung wird es kaum militärische Auswirkungen geben. Stattdessen entsteht jedoch ein Machtvakuum, das seiner Ansicht nach deutliche Veränderungen in der politischen Struktur innerhalb der Taliban haben wird, weil eine jüngere, militantere Generation diese Lücken füllen wird. In jener jüngeren Generation ist die revolutionäre Grundhaltung bei militärischen und politischen Themen sehr viel stärker verankert.

Auffällig ist, dass Karzai die Information über geheime Verhandlungen mit den Taliban ausgerechnet unmittelbar nach seinem Besuch in Islamabad verbreiten ließ, wo er gezwungen wurde, Pakistan öffentlich eine Rolle in den Verhandlungen mit den Taliban zu versprechen. Dieser Besuch fiel zusammen mit der Aufforderung des britischen Außenministers David Miliband, dass die Regierung Karazai ihre Anstrengungen zur Aussöhnung mit den Aufständischen vorantreiben müsse. In diesem Kontext könnte die jüngste Bekanntgabe der Generalamnestie zu verstehen sein. Die Implikationen in Richtung Pakistan und Nato sind offensichtlich.

Auffällig ist auch, dass weitgehend unbekannt ist, wie viele Taliban Pakistan eigentlich im Gewahrsam hat. Den westlichen Alliierten wird längst nicht zu allen und lange nicht im vollen Umfang Zugang zu den Festgenommenen und den Informationen gewährt. Eine echte Zusammenarbeit sieht anders aus. Allerdings lässt die reine Anzahl der Festnahmen hochgestellter Taliban reine Glücksfälle als sehr unwahrscheinlich erscheinen. Stattdessen muss es sich um größere und sorgfältig geplante Aktionen gehandelt haben. Gerade in diesem Zusammenhang fällt wieder auf, dass Pakistan besonders jene Taliban schont, die dem ISI verbunden sind.

Dazu kommt, dass in Pakistan unmittelbar ein Generationswechsel in der militärischen Führung bevorsteht. Die meisten der 29 top Generäle der pakistanischen Armee müssen bald in den Ruhestand gehen. Dazu gehört auch der Stabschef General Kayani. Bedeutsam wird dieser an sich normale Vorgang dadurch, dass die nachrückenden Befehlshaber nicht mehr vom Westen ausgebildet wurden und selber nicht im Indisch-Pakistanischen Krieg von 1971 gedient haben. Der Kontakt dieser nachrückenden Offiziere mit westlichen Armeen war sehr viel geringer, nicht nur was die persönlichen Kontakte angeht. Ihre Ausbildung war sehr viel enger verbunden mit chinesischem Militär, deren Doktrinen, Traditionen und Ausrüstungen. In der Folge sind diese Militärs gegenüber dem Westen sehr viel skeptischer und verschlossener, achten gleichzeitig aber sehr viel stärker auf das Einhalten islamischer Religionsvorschriften.

Es scheint, dass die Ideen der nachwachsenden Generationen in den Führungen der Taliban und der pakistanischen Armee sehr viel besser zueinander passen als es bei den bisherigen Befehlshabern der Fall war. Es ist nur zu wahrscheinlich, dass gerade die neuen Offiziere persönliche Erfahrungen und Kontakte zu den in ihrem Land operierenden Taliban haben. Das Interesse an einem starken Einfluss Pakistans in Afghanistan ist unverändert und die Situation zu Indien auch nicht so viel besser. Gerade erst wurde Pakistan durch den indischen Verteidigungsminister A. K. Antony beschuldigt, 42 Camps militanter Aufständischer auf indischem Boden nicht abbauen zu wollen. Seine Aussage, dass sich die Situation im Kaschmir wieder "beruhige" er aber erwarte, dass diejenigen, die gegen Indien eingestellt sind, das nicht tolerieren werden - mit anderen Worten: Pakistan wird Ausschreitungen provozieren.

Zwar zeigen sich gleichzeitig leichte Verbesserungen des Verhältnisses zwischen Pakistan und den USA, wie zum Beispiel eine Verbesserung bei der Bearbeitung der Reisevisa, aber das sind verhältnismäßig kleine Schritte, die nicht unbedingt auf eine groß angelegte Annäherung hindeuten. Auch sind die Interessen der USA in diesem Bereich Asiens nicht unbedingt dieselben wie die Pakistans, insbesondere da die USA Indien als Verbündeten ansehen, Pakistan jedoch nicht, was sich auch an den Forderungen in Richtung der USA zeigt.

Hamid Gul, früherer Direktor des ISI, ist bekannt für seine Kritik an der Rolle der USA in Pakistan. In einem Interview sagte er kürzlich, dass die Widerstandskämpfer von den USA das Erfüllen von drei Forderungen verlangen, bevor sie zu Verhandlungen bereit sind: Einen verbindlichen Zeitplan für den Truppenabzug (der den Aufständischen einen gewaltigen strategischen Vorteil geben würde), die USA müssten aufhören, sie als "Terroristen" zu bezeichnen (was einen riesigen PR-Sieg bedeuten würde, denn der Westen würde damit die Richtigkeit ihrer Sache und ihrer Methoden anerkennen) und die Freilassung aller in Afghanistan und Pakistan inhaftierten Kämpfer. Er unterstützt damit Hakim Mujahed, den früheren Botschafter der Taliban bei der UN. Der sagte, dass viele Führer der Taliban zu Gesprächen bereit sind, das Problem jedoch auf der Seite der Taliban läge:
"The problem is not from the Taliban side." "There is no interest of negotiations from the side of the foreign forces."
Die weitestgehend erfolgreiche militärische Operation in Marjah und die unmittelbar bevorstehende Großoffensive in Kandahar zusammen mit der noch für dieses Jahr angekündigten Operation im Norden Afghanistans dürfte in Pakistan die Sorge aufkommen lassen, ob sich der gewünschte Einfluss auf Afghanistan so umsetzen lässt, wie man sich das dort vorstellt. Es ist deshalb naheliegend, dass man in Pakistan nach einem "Plan B" sucht und diesen offenbar dort gefunden zu haben glaubt, wo die Alliierten keinen direkten Zugriff haben: In der politischen Führung der Taliban.

Insofern sind die Erfolge hinsichtlich der Festnahmen der jüngeren Vergangenheit zwar tatsächliche Erfolge, denn sie haben unmittelbar nachteilige Auswirkungen auf die Führungsstruktur. Fraglich ist jedoch, ob diese Erfolge nicht nur kurzfristig positive Auswirkungen haben und ob sie langfristig nicht zu einer sehr viel schwierigeren Situation führen könnten.

In den USA scheint man das ähnlich zu sehen. General David Petraeus sagte in einer Anhörung des Senats kürzlich:
"The going is likely to get harder before it gets easy... the enemy will fight back." "[the FATA is] al-Qaeda's principal sanctuary." "We are going to be a steadfast partner. We are not going to do to Pakistan what we've done before, such as Charlie Wilson's War."
[Update]:

Der frühere UN Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, sagte auf die Frage hin, ob Pakistan die Gespräche mit den Taliban beenden wolle, um selbst die Kontrolle über den Prozess zu haben
"Ich denke, diese Interpretation ist wahrscheinlich richtig."

Freitag, 24. Oktober 2008

Geldsorgen

Indische ArmeeWenn man an die Finanzkrise denkt, dann kommen unweigerlich Wörter wie "Kostenreduzierung", "Einsparung" und so weiter zur Sprache. Das geht auch der Regierung Indiens so. Einer der größten Kostenfaktoren jedes Staates ist die Armee, auch in Indien. Allerdings ist die Situation aus mindestens zwei Gründen in Indien dann doch anders als erwartet und der andere Grund ist der Schwarzmarkt. Da hat man besonders das prestigeträchtige Armeekrankenhaus in Neu Delhi und eine militärische Spionageeinheit im Verdacht, die unmittelbar dem Premierminister Manmohan Singh unterstellt ist. Sowohl das Verteidigungsministerium als auch Quellen innerhalb der indischen Armee bestätigen das Ausmaß des Problems. Das für uns aber wohl sehr viel interessantere Problem ist: Alkohol.

Die Soldaten der Indischen Armee bekommen eine bestimmte Menge vom Staat stark bezuschussten Alkohols für den Eigenbedarf zugeteilt. Ja, genau: Die Truppe bekommt auf Staatskosten Drogen. In nennenswerten Mengen. Klasse, nicht wahr? Der Haken an der Sache ist (für den Staat), dass das Zuteilungslimit im großen Rahmen überschritten wird. 43 Einheiten der Armee haben den Staatshaushalt während der letzten 18 Monate ungefähr 100 Millionen Rupien (mindestens 2 Millionen US$) an Alkohol belastet. Die Regierung vermutet, dass wenigstens ein Teil davon auf dem Schwarzmarkt verkauft wird. Ein Generalmajor wurde bereits 2005 verhaftet, als er versuchte eine Lkw-Ladung Alkohol auf dem freien Markt verkaufen wollte, wo der Alkohol für den doppelten Kurs verkauft werden kann, als er Soldaten berechnet wird. Als erste Kontrollmaßnahme hat die Regierung jetzt 1,2 Millionen Magnetkarten an die Soldaten ausgeteilt, damit der individuelle Verbrauch protokolliert werden kann.

Mir fällt dazu spontan nur eins ein: Prost.

(Quelle: AFP)

Mittwoch, 13. Februar 2008

Schlangenbeschwörer?

So ziemlich jeder kennt die Hava Nagila. Das ist ein ein hebräisches Volkslied. Der Titel bedeutet übersetzt "Lasst uns glücklich sein". Es wird gelegentlich auch als das musikalische Synonym für das Judentum bezeichnet. Die Inder haben in Bollywood eine ganz eigene Idee davon, wie man mit diesem Lied umgehen sollte. Natürlich will ich Euch das nicht ersparen:

Stellt sich die Frage, ob Israel jetzt auch Indien den Krieg erklären wird...

Freitag, 28. Dezember 2007

Wahnsinn zum Jahreswechsel

WahnsinnZum Jahreswechsel gibt sich die Menschheit noch mal so richtig Mühe, die Messlatte des Schwachsinns für das kommende Jahr ordentlich nach oben zu legen. Pünktlich zum Jahreswechsel und der damit beginnenden "heißen Phase" des Wahlkampfes werden ganz besonders publikumswirksame Themen losgetreten. In Niedersachsen und Hessen werden Ende Januar neue Landtage gewählt, Ende Februar in Hamburg neue Bürgerschaft und Bezirksparlamente. Anfang März finden in Bayern Kommunalwahlen statt, im Mai dasselbe in Schleswig-Holstein. Ende September werden in Bayern Landtage und Bezirksparlamente gewählt und schließlich finden irgendwann im Herbst in Brandenburg Kommunalwahlen statt - im Osten legt man sich halt nicht so gerne fest. Ganz großes Wahlkampftennis steht uns also bevor.

Wie real diese Realsatire ist, beweisen die einzig zu diesem Zweck losgetretenen Debatten: In Hessen macht Herr Koch, derzeit amtierender Ministerpräsident in Hessen, mal wieder Stimmung gegen die Ausländer. 1999 war es seine Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, aus der er geschickt eine Unterschriftenaktion gegen Ausländer machte. Neulich war es dann die Phantomdebatte um ein "Burka-Verbot" an Hessens Schulen - kein einziges Kind ist in Hessen bekannt, dass diesen Ganzkörperschleier zur Schule trägt. Jetzt sind es mal wieder die Ausländer, die an allem Schuld sind. Eigentlich ein Paradethema für NPD, DVU und ähnliche Rechtsaußen, stürmt Koch heute weit rechts an denen vorbei an die Spitze. Zur Bild sagte er:
"Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer." "Bis vor kurzem wurden in multi-kultureller Verblendung Verhaltensweisen toleriert, die inzwischen zu hoch explosiven Gruppen-Aggressionen führen können." "Wir müssen Schluss machen mit bestimmten Lebenslügen. Die deutsche Position in der Integrationspolitik war lange leider nicht klar genug."
Womit wir wieder bei der Diskussion um die Gefahr für das Deutsche Volk, die Leitkultur und andere elendige Themen wären. Herzlichen Glückwunsch, Herr Koch, sie machen zusammen mit ihrem Parteikollegen Schäuble, die CDU sehr attraktiv. Bravo! Aber auch andere Parteien legen sich so richtig ins Zeug. Wir erinnern uns an den Mindestlohn? Die SPD denkt - sofern man sich traut, so etwas "nachdenken" zu nennen - zur Zeit laut über eine Sondersteuer für bestimmte Berufsgruppen und Einkommen nach. Hallo? Ist bei der SPD noch irgendjemand nüchtern? Ich mein, klar, Grundrechte sind eh Humbug, das haben uns ja nun alle Parteien übergreifend bei der Vorratsdatenspeicherung beigebracht, DAS haben wir alle verstanden, aber jetzt auch noch direkt als steuerrechtlichen Straftatbestand die Höhe des Einkommens und den Job? Mal ehrlich, hackts?

Damit es aber nicht so langweilig wird - die Grünen hatten ja gerade erst mit ihrer Studie um die Häufung von Leukämiefällen in der Nähe deutscher Kernkraftwerke einen richtigen Knaller gelandet - griff das Umweltbundesamt mit seinem Leiter, Dr. Prof. Dr. Andreas Troge von der CDU, dieses Stichwort auf und rechnete mal vor, wie scheiße schädlich Silvester für die Umwelt ist. An Neujahr sei die Belastung durch Feinstaub so hoch wie an keinem anderen Tag im Jahr. Unmittelbar nach dem Jahreswechsel würden bis zu 4.000 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft gemessen. Der Jahresdurchschnitt Großstädten liegt bei 30 bis 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dazu kommt, dass das Abbrennen der rund 10.000 Tonnen Feuerwerk in Deutschland umgerechnet rund 2.300 Tonnen Kohlendioxid produzieren (25 Gramm CO2 je Bundesbürger). Wir haben ja auch sonst keine Sorgen.

Doch, haben wir. Immer wieder gelangen in der letzten Zeit Meldungen in die Randnotizen der Medien, dass Kinder wegen Vernachlässigung sterben. Die Behörden geben sich überrascht, stellen sie doch immer wieder positive Prognosen gerade bei den "Familien", in denen es zu Todesfällen kommt oder geben ganz offen zu völlig mit der Materie überfordert zu sein. Gefundenes Fressen für alle Politiker und natürlich auch die Kirchen: Die Kinder müssen geschützt werden. Ja prima! Tolle Idee, nur frage ich mich wovor? Wie eine Familie mit einem von der Wirtschaft geforderten Mindestlohn von 4 Euro pro Stunde überhaupt dazu in der Lage sein soll, sich um die eigenen Kinder zu kümmern und gleichzeitig das eigene Überleben zu sichern, während die Politik gleichzeitig das soziale Netz immer mehr entfernt, frage wahrscheinlich nicht nur ich mich.

Und damit es nicht all zu langweilig wird: Der Präsident Afghanistans bittet Deutschland in der Bild ganz offiziell, doch unsere Bundeswehr bitte noch mindestens 10 Jahre im Land zu lassen. Möglichst sogar noch mit mehr Leuten und mehr Material. Die internationalen Fachleute in Sachen Außenpolitik sagen übereinstimmend, dass Deutschland sich gar nicht mehr aus solchen Themen heraushalten kann, ohne sich vollkommen zu isolieren und dutzende internationale Verträge zu brechen, auch wenn das irgendeine Partei im Inland noch so plakativ fordert (schönen Gruß an die Grünen). Und was war da mit der Reform der Bundeswehr und dem Infanteristen der Zukunft, der Modernisierung der Ausrüstung, neue Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber, Uboote, Fregatten, Geschütze und so weiter und so fort? Face it: Deutschland rüstet betsenfalls um, aber garantiert nicht ab. Warum nicht?

In Pakistan ist gerade die Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto ermordet worden. Hunderttausende protestieren seit Tagen jeweils in Indien und Pakistan. Die Zahl der Protestierenden und deren Gewaltbereitschaft nehmen zu. Pakistans Regierung ordnete zwar eine dreitägige Staatstrauer an, erlaubte aber gleichzeitig den Sicherheitskräften gewalttätige Demonstranten zu erschießen. Die aus Afghanistan operierende Al Qaeda bekannte sich zu dem Anschlag, bei dem die sehr populäre Politikern ums Leben kam. Ob das von Bedeutung ist? Nun, Pakistan ist nicht gerade das, was man einen Vorzeigestaat nennen kann. Mit Indien gibt es seit Ewigkeiten Zank und Streit. Auch hat Pakistan schon häufiger Al Qaeda finanziell unterstützt. Und als Sahnehäubchen: Pakistan hat die Bombe.

So, reicht das als Rundumschlag des Wahnsinns zum Jahreswechsel? Prinzipiell schon, aber da kommt mit Sicherheit noch was nach, wetten?

(Quelle: ARD, 2DF, n-tv, Bild, n24)

Samstag, 17. November 2007

Fremde Musik

Wie schon damals beim Fishmaster (Nightwhish) gibt es auch heute immer wieder Lieder, deren Texte so hingebungsvoll gesungen werden, dass man sie ums Verrecken nicht verstehen kann. Die Tatsache, dass hier auch noch ausländisch gesungen wird, ignorieren wir mal, am Spaßfaktor ändert das nichts.

Sit down, lean back, enjoy - it will come to you.

Montag, 29. Januar 2007

Nur Bekloppte... (1)

ZwangsjackeManchmal beweist mir das Leben, dass es ziemlich viele ziemlich durchgeknallte Typen auf dieser Welt gibt. Heute zum Beispiel wurde mir erstmal erklärt, dass ein 30jähriger Amerikaner, der mit drei Männern zusammenlebte, die er über eine Webseite für Kinderpornogrphie "kontaktiert" hatte, sich verkleidet in zig Schulen eingeschlichen hätte und dort für einen 12jährigen gehalten wurde. Das kann man ja noch einigermaßen erklären wegen verkleiden und schminken und so. Aber die drei Kerle, mit denen er zusammen "lebte" (und soweit bekannt auch Sex hatte), denen ist nicht aufgefallen, dass der zentimeterdick Schminke in der Fresse hatte? Waren die blind oder doof oder beides? Egal wie, die vier gehen erstmal in den Bau.

Es gibt aber auch woanders welche, die nicht so ganz heile sind. In Saudi-Arabien zum Beispiel hat ein Gericht eine Ehe geschieden. Aber nicht etwa, weil die Eheleute sich nicht leiden können oder so. Im Gegenteil. Die lieben sich inbrünstig und haben auch zwei gemeinsame Kinder. Nein, der Halbbruder der Ehefrau ist losgezogen und hat einen Richter gefunden, der die Ehe per Zwangsscheidung annulierte. Begründung: Der Ehemann habe, als er um die Hand der Frau angehalten hatte, seine Stammeszugehörigkeit verschleiert. Natürlich ein schwerwiegender Grund, der sofort jedem erlaubt, irgendeine Heirat annulieren zu lassen und die Frau in den Knast zu stecken.

Aber auch hier bei uns fasst man sich hin und wieder an den Kopf. Zum Beispiel darf man jetzt für "verbindliche Auskünfte" vom Finanzamt Kohle latzen. Und das nicht zu knapp. Mindestens 121 Euro oder aber "nach Aufwand", was dann bedeutet: 50 Euro für jede angefangene halbe Stunde, mindestens aber 100 Euro. Bei der Arbeitsgeschwindigkeit der Behörden kann das ein teures Vergnügen werden. Der Hammer ist aber die Erklärung der "verbindlichen Auskunft" und warum diese so teuer sein muss.

Dazu Jens-Peter Panthen, Chef eines Berliner Finanzamtes:
"Eine verbindliche Anfrage bedeutet, dass das Finanzamt sich in der Rechtsfrage, die an das Finanzamt gerichtet wird, festlegt. Bei einer verbindlichen Anfrage oder einer verbindlichen Auskunft, darf das Finanzamt von dem, was es in dieser Auskunft erteilt hat, nicht mehr abweichen"
Im Klartext heisst das also, dass ein Finanzamt in allen anderen Fällen das Blaue vom Himmel runterlügen darf und hinterher rechtlich abgesichert behaupten darf, dass das so alles ja gar nicht stimmt und der Betroffene selber Schuld sei oder was? Quasi "Wahrheit gibts nur gegen Kohle"?

Dafür hat man in England bei der Polizei tolle Ideen, welche Anschriften man denn so alles als "ladungsfähige Anschrift" von Straftätern akzeptiert. Zu den Highlights gehören nicht nur ungefähre Lagebeschreibungen eines Wohnwagens auf irgendeinem Campingplatz, sondern auch "eine Hütte im Wald". Da fühlt man sich natürlich sehr sicher. Mein Favorit in dieser Posse ist jedoch, dass die britische Passbehörde 147 verurteilten Drogenstraftätern Auslandsreisen, darunter in Länder mit leichter Verfügbarkeit von Rauschgiften, nicht untersagt hatte, obwohl sie vom Gesetz her dazu verpflichtet wäre. Darum gibt es auch gerade einen mittelschweren Eklat im Inselkönigreich, dass sich doch ansonsten so sehr mit totaler Überwachung zu profilieren versucht.

Ach und in Japan hat man auch interessante Ansichten zum Thema Frauen:
"Die Zahl der Frauen zwischen 15 und 50 steht fest. (...) Da die Zahl der Maschinen zum Kinderkriegen (...) feststeht, fragen wir uns nur, ob sie ihr Bestes tun"

Hakuo Yanagisawa,
japanischer Gesundheitsminister
In Indien läuft das mit den Frauen wohl etwas anders. Da will nämlich eine junge Ehefrau ihren frisch angetrauten Ehemann zurück, der wenige Tage nach der Hochzeit mit seiner Schwiegermutter durchbrannte. Nächsten Monat soll ein Gericht über den Fall verhandeln.

Nur Bekloppte auf dieser Welt.

(Quelle: N24, n-tv, web.de, UPI)

Montag, 29. Mai 2006

Therapie wegen Erfolglosigkeit abgebrochen

ImpotenzÜberall auf der Welt haben Männer Probleme mit den ihnen ständig vorgehaltenen Vergleichen aus der Welt der Pornoindustrie. Nicht nur deshalb floriert der Handel mit Viagra. Allerdings kann sich nicht jeder Viagra leisten und nicht jeder steht auf Chemie. Andere haben wiederum eher Vertrauen zu alternativen Behandlungsmethoden. Diese sind jedoch nicht immer völlig ungefährlich.

Auch für den behandelnden Arzt können Therapie und Patient zum Risiko werden. Dies erfuhr Abbot R., selbst ernannter "Sexologe" in Neu Delhi am eigenen Leib. Seit zwei Jahren behandelte er Ali J. wegen dessen Impotenz - scheinbar ohne Erfolg, denn am Sonntag beschwerte sich Javed sehr nachdrücklich bei seinem Arzt über dessen Erfolglosigkeit: Er schoß ihm sieben Mal in die Brust und befreite damit sich und die Welt von einem offenbar nicht besonders erfolgreichem "Wunderheiler". Nach seiner Festnahme gab der 22 Jahre alte Ali an, dass die Behandlung das Problem sogar noch verschlimmert habe.

Vielleicht doch lieber Viagra?

(Quelle: AFP)

Montag, 24. April 2006

Quickies

Silvio Berlusconi mit Kind, Foto ReutersIn Italien gibt es einen "Baby-Bonus". 1.000 Euro auf die Hand für die Eltern von in 2005 geborenen Kindern. Das war Teil einer Wahlkampagne, die der ehemalige italienische Premierminister Silvio Berlusconi gestartet hatte. Das Problem war nur, dass dieses Versprechen per Brief an alle Eltern in Italien verschickt wurde und nicht nur an Italiener. Der Finanzminister fand das nicht so lustig, und forderte jetzt 3.000 Familien auf, das Geld zurückzuzahlen. Die Begeisterung schlägt hohe Wellen...

Playboy CoverBaylor University in Waco, Texas (USA), (wir erinnern uns?) hat es seinen Studenten bei Strafe untersagt für den Playboy zu posieren. Per Email wurde den Studenten der Wille der Universitätsführung mitgeteilt:
"Playboy is clearly antithetical to Baylor's mission and associating with the magazine would be a violation of the code of conduct"
Die Baylor Universität bezeichnet sich selber als das größte Baptistencollege der Welt und ist bekannt für seine erzkonservative Haltung. Bis vor 10 Jahren war es verboten, auf dem Campus zu tanzen. Manche Studentinnen fragen sich jetzt, welche Strafe wohl auf männliche Studenten zukommt, die einen Playboy auf dem Campus lesen, in dem eine Studentin dieser Uni abgebildet ist...

Was erwartet man, wenn man in eines der modernsten und teuersten Flugzeuge einsteigt? Jede Menge, aber man setzt irgendwie voraus, dass wenigstens die Tür funktioniert. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Langley (USA) musste jetzt der Pilot einer F-22A Raptor lernen, dass das wohl nicht immer der Fall ist. Der Flieger ließ ihn bereitwillig einsteigen, nur danach begann die Mechanik der Kanzelabdeckung einen gewissen Eigenwillen zu entwickeln. Irgendwann schloß sie sich dann doch. Als der Pilot wieder aussteigen wollte, gab es ein Problem: "I'm sorry dave, I'm afraid I can not do that!" - Die Kanzel ließ sich nicht wieder öffnen. Mit speziellen Motorsägen wurde schließlich nach rund fünf Stunden das Dach aufgeflext und der etwas frustrierte Pilot befreit.
Cockpit zu Cockpit beklebt Man saegt... Freiheit

In Charlotte, North Carolina (USA), war ein Abwasserrohr verstopft. Die Arbeiter versuchten die Verstopfung mit Hochdrucktechnik zu beseitigen - erfolgreich. Allerdings waren sie ebenso erfolgreich darin, rund 12.000 Liter ungeklärte Abwässer in eines der Häuser zu pressen. Das Ehepaar wurde in ein Hotel umgesiedelt und hat zwar die mündliche Zusage, dass die Stadt alle Kosten übernimmt, aber eben nur die mündliche Zusage. Die Reinigungskosten werden auf 75.000 bis 150.000 US$ geschätzt, der Wert des Hauses auf ca. 100.000 US$

Polizeiwappen Gillette, WyomingIn Gillette, Wyoming (USA), klauten sich zwei Jugendliche das Auto der eigenen Mutter und machten eine Spritztour. Blöderweise hatten sie unterwegs eine Panne. Auf der suche nach Hilfe hielten sie schließlich ein Auto an. Erst im nachhinein bemerkten sie den großen, auf den Seitentüren prangenden Stern, der den Streifenwagen des Sheriffs kennzeichnet. Der jüngerer der beiden, 14, wurde bei seiner Mutter abgeliefert, der ältere, 16, wanderte in den Knast.

Indische Polizei, Foto AFPEin wenig ratlos stand eine indische Polizeieinheit herum, als sie nach einem Einsatz in Mumbai (Indien) dahin zurückkam, wo sie ihr Auto abgestellt hatten: Das Auto war weg. Etwas peinlich für das Team, dass sich auf besonders schwierige Eigentumsdelikte spezialisiert hat. Scheinbar eine Pechsträhne, denn kurz zuvor war eine mehr als zwei Tonnen schwere Druckerpresse aus dem Polizeigewahrsam gestohlen worden. Fachleute gaben an, dass man zum Abtransport dieser Maschine "sehr viele Leute" braucht.

(Quelle: Reuters, AP und AFP und danke maybeWTF für die Erinnerung)

Dienstag, 4. April 2006

Esel sind die besseren Hausfrauen

Der Esel aus ShrekSchon die Kulturen des Altertums wussten um die Vorteile eines Esels und nutzten ihn deshalb intensiv. In Indien wird dieses Wissen auch heute noch gewürdigt und den heranwachsenden Generationen nahe gebracht.

Ein Lesebuch in Rajasthan (Indien) enthält deshalb auch folgende Textpassage:
"Ein Esel ist wie eine Hausfrau ... Tatsächlich ist er ein wenig besser, weil die Hausfrau sich manchmal beschwert und zu ihren Eltern wegläuft. Du wirst niemals erleben, dass ein Esel so unloyal zu seinem Herrn ist."
Das Lesebuch wurde durch die lokale Regierung genehmigt und man sah keinerlei Probleme in dem Vergleich.

Wieviele Esel für die Blondine? Oder Schafe? Nein? Nicht? Vielleicht ein paar Schlüssel?

(Quelle: Reuters)

Mittwoch, 29. März 2006

Der Fluch der Technik

Handy TeufelWohl jeder kann sich an Situationen erinnern, wo das Handy als Fluch empfunden wurde. In Indien nimmt man das mit dem Fluch zur Zeit sehr ernst. Dort kursieren Gerüchte, dass sogenannte "Teufelsanrufe" von bestimmten Nummern zu Krankheit und Tod führen. In Orissa schalteten die Einwohner ihre Handys aus, nachdem das Gerücht verbreitet wurde, dass bestimmte Anrufe die Handys wie Bomben explodieren lassen würden. Die Anrufe gingen angeblich von Nummern mit 11 bis 14 Stellen aus - reguläre Telefonnummern für Handys in Indien haben 10 Stellen.

Die Gerüchte grassieren derart massiv, dass sich sogar die Behörden genötigt sehen einzugreifen. Man vermutet dort eine gezielte Kampagne entweder gegen den staatlichen Mobilfunkbetreiber Bharat Sanchar Nigam oder aber eine Vorbereitung zum Vertrieb von Anti Virus Software für Handys. Man habe versucht, einer ganzen Reihe von Berichten auf den Grund zu gehen, aber man habe nicht einen Krankheits- oder Todesfall gefunden, der auf einen solchen Telefonanruf zurückzuführen sei. Die Geschichte mit den explodierenden Handys bezeichneten Behördensprecher als "völligen Blödsinn".

Moderne Technik, Religion und Viral Marketing. Man muss es einfach lieben.

(Quelle: AFP)

Donnerstag, 9. März 2006

Sonntag, 5. März 2006

Sind SIE hier?

UfoSchwer zu glauben, aber es sieht so aus, als wenn all die verlachten Trekkies, Ufo-Süchtigen und so weiter tatsächlich recht hätten. Und das schon eine ganze Weile. Wahrscheinlich kam die letzte bekannte "Welle" am 25. Juli 2001 an. Bevor jetzt aber die Bunker aktiviert oder die Champagnerflaschen geköpft werden, sollten vielleicht doch noch ein oder zwei Details bedacht werden.

Wir reden hier nicht von Aliens, die Dir oder mir mit: "Take me to your dealer!" klare Aufträge geben könnten, oder die uns an Bord ihres Raumers beamen, damit wir dann dort als Studienobjekt für irgendwelche sexuellen biologischen Experimente dienen könnten. Wir wissen nicht einmal, ob wir von soetwas wie "Bewustsein" sprechen können, von Intelligenz ganz zu schweigen. Auch die Größenordnung ist vielleicht nicht ganz das, was den meisten vorschwebt.

Am 25. Juli 2001 regnete es im westindischen Bezirk Kerala. Was soweit nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn dieser Regen nicht blutrot gewesen wäre. Diese roten Regenschauer setzten sich für einige Tage fort und gingen als das wohl merkwürdigste meteorologische Phänomen der jüngeren Vergangenheit in die Geschichte ein. Eine Reihe Wissenschaftler behauptet, die rote Farbe wäre durch den afrikanischen Staub zu erklären, der im Regen gebunden sei, aber daran glaubt nicht jeder.

Dr. Godfrey LouisDr. Godfrey Louis, Physiker an der Mahatma Gandhi Universität in Kottayam, Indien, besitzt einige Proben dieses merkwürdigen roten Regens. Nach einigen Untersuchungen ist er davon überzeugt, dass die rote Farbe kein Staub ist:
'If you look at these particles under a microscope, you can see they are not dust, they have a clear biological appearance.'
Godfrey sagt, dass dieser Regen eher aus bakterienähnlicher Substanz bestand. Mit anderen Worten: 2001 regnete es in Indien Aliens - jedenfalls wenn man den Worten von Godfrey glauben schenkt, und das tun längst nicht alle Wissenschaftler, im Gegenteil.

Roter Regen bei 1000x VergroeszerungEs ist bekannt, dass Kometen reich an organischen Verbindungen sind. Viele Untersuchungen haben das gezeigt. Die Regenschauer hielten rund zwei Monate an. Damit scheiden vom Wind getragene Staubanlagerungen aus, denn so lange weht wohl kein Wind so konstant aus einer bestimmten Richtung. Die Untersuchungen zeigten, dass die Partikel zur Hälfte aus Kohlenstoff, 45% Sauerstoff und Spuren von Eisen und Natrium bestehen, was gut zu biologischem Material passt. Stunden bevor der erste Regen fiel, soll es einen lauten Knall über Kerala gegeben haben, der selbst Gebäude erschütterte, was gut zu einer Theorie eines in der oberen Atmosphäre explodierten Meteoriten passen würde.

Weder konnte Gofrey bisher beweisen, dass er recht hat mit seiner Hypothese, noch konnte er widerlegt werden. Wer weiß, vielleicht war 2001 wirklich das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen?

Freitag, 3. März 2006

Atombomben, Partnerschaften und die Sache mit dem Öl

ICBM StartDer Irak wurde offiziell wegen des Risikos der Herstellung und des Besitzes von Massenvernichtungswaffen das Ziel einer groß angelegten Invasion. Noch heute wird von verschiedenen Seiten aus steif und fest behauptet, dass dies der Wahrheit entspricht und das letztenendes "die Russen" Saddam beim Verstecken seiner Massenvernichtungswaffen geholfen haben. Andere Staaten werden unter Druck gesetzt (Iran) oder mehr oder weniger misstrauisch und gleichzeitig irgendwie rat- und hilflos beobachtet (Nordkorea).

Explosion einer AtombombeAuch Israel (1974), Pakistan (1987) und Indien (1974) gehören auf die Liste derjenigen Staaten, die mit eigenen Mitteln "Atomforschung" betreiben. International besteht wenig Zweifel daran, das Indien nicht nur seit 1974 "die Bombe" besitzt, sondern auch die für ICBM notwendige Logistik und Infrastruktur betreibt (ein Punkt, über den man sich bei Nord Korea alles andere als sicher ist). Indien, als einer der bevölkerungsreichsten Staaten der Erde, ist ein nicht unwichtiger Faktor in Asien. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Viele erinnern sich an die Geschichten mit den Call Zentren in Indien oder die Sache mit den Informatikern.

Bush und Singh in IndienDie USA bemühen sich zur Zeit sehr intensiv darum, mit Indien ein möglichst gutes Verhältnis aufzubauen. Gerade vor diesem Hintergrund war der Fauxpas neulich mit den Visa eine sehr bittere Entgleisung und dürfte hinter den Kulissen für erheblichen Wirbel gesorgt haben. Um so mehr war Herr Bush jetzt bemüht, die Partnerschaft zu Indien zu bekräftigen. So wurde eine "strategische Partnerschaft" geschlossen, die - zu Ende gedacht - Indien als internationale Atommacht anerkennt:
"The U.S. and India have agreed to pursue civil nuclear cooperation to allow India to cooperate and trade in this key area."
Dieses Abkommen und seine Implikationen sind international nicht unumstritten, denn einerseits sagt der Atomwaffensperrvertrag, dass die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und die Volksrepublik China alles tun müssen, um die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Andererseits akzeptiert die USA nach knapp 30 Jahren die Fakten, macht Indien zum Partner und bricht damit faktisch aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Für die Praxis heißt das soviel wie: Wer hartnäckig genug ist und sich lange genug nicht um das kümmert, was andere sagen, sondern "sein Ding" macht, wird irgendwann dafür belohnt - Ich bezweifle, dass das der richtige Weg ist mit Atomwaffen umzugehen.

Was hat das Ganze mit "dem Öl" zu tun? Indien ist zusammen mit anderen Staaten auf dem asiatischen Kontinent eine sogenannte Schlüsselfigur im kommenden Konflikt zwischen den USA und China. Dieser Konflikt wird spätestens seit dem Zusammenbruch des Ostblocks als unumgänglich angesehen: Der Energie- und Rohstoffbedarf beider Nationen ist bei weitem zu groß, als das angesichts der begrenzten Vorräte nicht früher oder später mit einem kritischen Interessenkonflikt beider Nationen zu rechnen wäre. Auch in vielen anderen Punkten sind China und die USA nicht gerade das, was man "ideale Partner" nennen kann. Taiwan sei hier als ein herausragendes Beispiel entgegengesetzter politischer Interessen genannt.

Es ist bei Betrachtung der Gesamtsituation nicht völlig von der Hand zu weisen, dass sich die USA gegen China in Stellung bringen. Auffällig ist dabei besonders das Vorgehen in den rohstoffreichen Regionen des Mittleren Ostens und Afrikas. Bleibt die Frage zu stellen, ob wir einer nuklearen Auseinandersetzung näher sind als vor dem Ende des kalten Krieges oder nicht?

Sonntag, 26. Februar 2006

Visa und Wissenschaft

Vor ein paar Tagen wollte der hochdekorierte 62jährige Professor Goverdhan Mehta zu einer wissenschaftlichen Fachtagung der American Chemical Society nach Florida reisen. Außer ihm wollten auch noch Herr Professor P. Rodrigues, ehemaliger Chef des Indira Gandhi Atom Forschungsinstituts und der führende Agrarwissenschaftler Professor P. C. Kesavan vom M. S. Swaminathan Forschungsinstitut in Chennai dorthin. Florida, das wissen wir alle, ist die sturmgeplagte Millionärs- und Rentnerhochburg in einem der paranoidesten Ländern dieser Erde, den USA. Soweit also nichts Besonderes - sollte man meinen.

Seit dem 11. September muss man extra Visa beantragen, um in die USA einreisen zu dürfen. Das heisst, man muss nicht nur begründen, warum man in die USA reisen möchte, sondern man muss den Behörden sozusagen den Auftrag geben, alles über die eigene Person herauszufinden, inklusive ehemaliger Sexualpartner, Schuhgröße, Schulfreunde und eventuell besuchter Partys seit Erfindung des Buchdrucks. Viele sehen deshalb inzwischen auch mit einem unverhohlenen Augenrollen von einer Einreise in die USA ab - es gibt schließlich noch andere tolle Gegenden in der Welt. Oft sind diese Gegenden sogar nicht mal so gefährlich wie die USA (sagt ja selbst Henry Rollins.)

In manchen Fällen, wie eben bei den drei eingangs genannten Herren, hat das ganze aber nichts mit Freizeit zu tun, sondern mit Arbeit und ist deswegen nicht wirklich freiwillig, sondern berufliche Notwendigkeit. Nun haben gerade so hochrangige Wissenschaftler wie eben diese drei Herren bestimmt noch anderes zu tun, als den lieben langen Tag in der Weltgeschichte herumzugondeln. Gerade deshalb haben sie garantiert auch anderes zu tun, als sich über die Fragen auf dem Einreiseformular größer Gedanken zu machen.

Dort werden eine ganze Reihe brisanter Fragen gestellt. Zum Beispiel "Haben sie vor in den USA eine Straftat zu begehen?" oder auch "Haben sie vor gegen die USA Krieg zu führen?" - Wer dieses Formular kennt, hat sich bestimmt schon mehr als einmal gefragt, wer um alles in der Welt da mit "Ja!" antwortet? Ich meine.. äh.. Wenn man aus beruflichen Gründen einreist, dann werden noch eine ganze Menge anderer Fragen gestellt. Und wehe die Antworten passen nicht 125% in das Konzept der US Einwanderungsbehörde! Dann gnade Dir Gott!

Herr Professor Metha, der unter anderem Professor der organischen Chemie ist, erlebte genau dieses Problem. Er sollte nachweisen, dass seine Forschungsergebnisse nicht zum Bau chemischen Waffen genutzt werden können... Etwas schwierig, wenn man sich eine 40jährige Wissenschaftlerkarriere vorstellt, die sich mit Atomenergie und organischer Chemie und ähnlichen Themen befasst. Entsprechend wurde ihm das Visum verwehrt - Terrorgefahr. Ähnlich ging es seinen beiden Kollegen.

Ende der Debatte?

Nein, Gottseidank nicht. Aufgrund dieser Vorfälle ist es zu einigen erheblichen diplomatischen Verstimmungen zwischen Indien und den USA gekommen und die wissenschaftler weltweit laufen Sturm gegen die paranoiden Wunsch Wahnvorstellungen der USA. Herr G. W. Bush wird das besonders toll finden, denn er möchte ja demnächst nach Iniden reisen.

Ob man ihm dort mit dem Hinweis auf seine fragwürdigen militärischen Handlungen, u.a. im Irak, das Einreisevisum verweigert?