Samstag, 5. August 2006

Sachen gibts... (20)

Sicher, Werbung für die US Navy ist nicht unproblematisch, aber diese hier ist irgendwie anders. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob dieser Werbespot(?) eine Art Selbstkritik oder eher eine ernstgemeinte Warnung für die zukünftigen Bewerber sein soll...

Freitag, 4. August 2006

Big Brother (3)

CCTVIn England kann die Polizei gesetzlich abgesichert jegliche Bildaufzeichnung einsehen. Da hier die höchste Dichte von Überwachungskameras weltweit herrscht, kann die Polizei nahezu jeden Bürger außerhalb seiner Wohnung lückenlos überwachen und lässt das sogar die eigenen Bürger machen, um so Personal einzusparen. Der Neid anderer Länder und Polizeien dürfte den Engländern gewiss sein. Die angeblich ständig zunehmende Gefahr durch den weltweiten Terrorismus veranlasst immer wieder Überwachungsfetischisten vom Schlage Schäubles und Becksteins dazu, auch den deutschen Sicherheitsbehörden umfangreiche Überwachungsnetzwerke zur Verfügung zu stellen.

Es fehlt allerdings an Argumenten, die der widerspenstigen deutschen Bevölkerung ein für alle Mal klar machen, warum sie sich lückenlos überwachen lassen will. Da kommen doch die mysteriösen Bombenfunde überaus passend. Zwar fragt keiner danach, warum es weder Droh- noch Bekennerschreibe, geschweige denn irgendeine Forderung oder Parole gab, aber das sind wohl Details, nach denen nur Haarspalter und Kleingeister fragen. Auch der eigenartig konstruiert erscheinende Zusammenhang mit dem Nahen Osten, der sich einzig an einer Plastiktüte festmachen soll, wird wohl nur bei mir Stirnrunzeln und Fragezeichen hervorrufen. Anyway.

Jedenfalls haben die Überwachungsfetischisten jetzt das, was sie brauchen: Einen Aufhänger. Und den nutzen sie einerseits für eine PR-Kampagne, mit der schonmal die Videoüberwachung des öffentlichen Schienenverkehrs propagiert werden soll. Und da das alleine ja nicht so der Bringer ist, führt man nebenher noch die Überwachung der Bundesautobahnen ein. So soll "die Polizei" Zugriff auf die Daten des Maut-Systems bekommen.

Das sind aber nicht nur die Daten der Zahlstellen, sondern insbesondere die Daten, die in der automatisierten Überwachungsstationen gewonnen werden. Dort werden nicht nur die Durchfahrzeiten und Signale der Mautgeräte registriert, sondern auch digitale Fotos von Kennzeichen und Fahrer gemacht. Angeblich nur von Lkw und angeblich auch nur "zeitweise" und "ausschließlich zur Überwachung der Mautpflicht". Aber was lässt sich aus der Datendichte eines umfassenden Verkehrsüberwachungssystems gewinnen, das lückenlos Autobahnen, Landstraßen und Innenstädte überwacht?

Das ist zwar alles angeblich "gar nicht geplant" und eine "Pkw Maut" soll ja angeblich auch gar nicht zur Debatte stehen, aber angeblich sollte die Wiedervereinigung ja auch für den Bundesbürger steuerneutral bleiben und angeblich war ja die Erde auch mal eine Scheibe und die Sonne soll sich ja auch schon um die Erde gedreht haben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Überwachungs- und Kontrollexperten in Deutschland ziemlich genau angesehen haben, was mit den Systemen und Einrichtungen im Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals so alles möglich ist und sich dann daran gesetzt haben, um das zu verbessern. Wer weiß denn schon, dass das Deutsche Maut-System zwar als das weltweit teuerste, aber auch als das insgesamt ausgereifteste und beste System zur Verkehrsüberwachung gilt? Und was bauten noch gleich Carl-Zeiss, Schneider Kreuznach und Leica? Und wie war das noch mit dem Frauenhofer Institut und der Mustererkennung?

Wen verwundert es, dass zwar noch immer keiner der Kamerafetischisten wirklich erklären kann, welcher echte Nutzen von der stetig wachsenden Zahl überwachungskameras ausgeht. Dafür kann man aber schön auf die abstrakte Gefahr des globalen Terrorismus verweisen und darauf hinweisen, dass ja von der Kameraüberwachung eine Abschreckung ausgehe, die ihrerseits die notwendige Sicherheit "für alle" produzieren könnte.

Und das ist ja als Argument absolut ausreichend, um die Grundrechte der Bürger abzuschaffen. Man denke dabei nur an Stichworte wie "Beweislastumkehr" und "Pauschalverurteilung". Insgesamt zeigt diese Entwicklung jedoch sehr deutlich, wie in manchen Kreisen der Politik über den Bürger gedacht wird: Jeder Bürger ist pauschal ersteinmal verdächtig und schuldig. Nur durch seine ständige Überwachung kann seine Unschuld gewährleistet werden.

Ich bin gespannt, wann es Pflicht wird, sich RFID-Chips (oder soetwas in der Richtung) einpflanzen zu lassen, um die Deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten...

Deutsche Truppen in aller Welt

Deutschland hat sich durch seine Einsätze in Afghanistan, am Horn von Afrika, in Ex-Jugoslavien und jetzt auch im Kongo eine recht guten Ruf erarbeitet. Dieser Ruf ist so gut, dass das internationale Echo auf deutsche Truppen im Ausland durchweg gut ist. Interessant ist dabei, dass wir plötzlich vor der Situation stehen, dass inzwischen bei nahezu jedem Konflikt zuerst an Truppen aus Deutschland zur "Friedenssicherung" gedacht wird.

So auch im Fall Israel gegen Hisbollah im Libanon. Da hatte jedoch die Bundesregierung zunächst abgewunken und darauf hingewiesen, dass man ja gerade an vielen anderen Orten dieser Welt eingebunden sei und gerade nicht so recht die Truppen dazu hätte, um "mal eben" eine dauerhafte Friedenstruppe im Libanon aufzustellen. Außerdem sei in anbetracht der Deutsch-Israelischen Vergangenheit eine Stationierung deutscher Soldaten in dieser Gegend vielleicht nicht gerade die beste Idee.

Das sieht man international aber ganz anders. Herr Olmert - das ist der mit der eigenen Vorstellung über Grenzverläufe - findet die Idee sogar sehr sympathisch, dass deutsche Soldaten im Libanon an der Grenze zu Syrien darauf aufpassen, dass keine Waffen an die Hisbollah geliefert werden. Andere internationale Experten rechnen zudem vor, dass Deutschland doch genug Soldaten "übrig" habe. Das Argument, dass die Bundeswehr überlastet wäre, gelte deshalb nicht, denn Deutschland hat zur Zeit zwar rund 7.700 Soldaten im Auslandseinsatz. Aber das sind knapp 2.500 Soldaten weniger, als noch vor einem Jahr. Sehr wünschenswert sei zudem auch der Einsatz von deutschen Sanitätern, Logistikern und Wiederaufbauhelfern.

Also wie war das mit dem Aufrüsten und der Deutschen Verteidigungsarmee in aller Welt?

(Quelle: n-tv)

Bahnfahren (2)

BahnNeulich noch hieß es, dass man in den Zügen Bahn keine Tickets mehr kaufen kann. Stattdessen müssten interessierte Bahnfahrer versuchen, diese auf jeden Fall vorher am Schalter oder - für die ganz Mutigen - am Automaten zu erwerben. Ohne Ticket in der Bahn erwischt zu werden kostet den doppelten Fahrpreis (mindestens 40 Euro). Nun hat sich die Bahn wohl überlegt, dass das so wohl doch etwas sehr auffällige Geldschneiderei wäre, denn schließlich kann man ja im Bus auch nach dem Einsteigen Tickets kaufen.

Damit die Bahn aber doch noch zu ihrem "Bonusgeschäft" kommt, hat man sich überlegt, dass man ja noch über den Umweg der Zahlweise locker Geld einstreichen kann. Im Detail hat man sich bei der Bahn jetzt zwar dazu durchgerungen dem Kunden auch nach dem Einsteigen in den Zug Tickets zu verkaufen, aber er kann diese NICHT per EC-Karte und schon gar nicht per EC-Karte plus Unterschrift bezahlen. Laut der Bahn sei das Bezahlen per EC-Karte und PIN aus "technischen Gründen" im Zug nicht möglich und das Verfahren EC-Karte plus Unterschrift zu unsicher. Kreditkarten hingegen würden problemlos akzeptiert.

Damit Inhaber von EC-Karten aber trotzdem ihr Ticket bezahlen können, eröffnet man diesen den Weg der nachträglichen Bezahlung. Da dieser Kunde aber nach Ansicht der Bahn faktisch ein Schwarzfahrer ist, wird - wie oben beschrieben - unter Umständen ein deutlich höherer Fahrpreis fällig. Zusätzölich sind bei diesem Verfahren die Boni der "Bahncard" offenbar nicht anwendbar, was das Fahren mit der Bahn zusätzlich attraktiv gestaltet.

Wenn es ein Beispiel für ein mieserables Verhältnis zwischen Anbieter und Kunden gibt, dann ist es die Bahn...

(Quelle: n-tv)

Na? Mal wieder telefoniert? (2)

Kleiner Corc am TelefonFrauen telefonieren gerne. Das nahm die British Telecom (BT) zum Anlass, einer ihrer Kundinnen die verdiente Rechnung von "nur noch" 19 Millionen Euro zuzustellen. Die Mutter von drei Kindern war zunächst etwas überrascht über die ungewöhnlich hohe Rechnung, nahm das Ganze dann aber doch mit Humor. Sie wunderte sich allerdings darüber, dass der Irrtum seitens der BT nicht schon im Vorfeld entdeckt wurde. Die BT entschuldigte sich inzwischen für den Fehler.

Scheinbar sind ungewöhnliche Rechnungen bei Telekommunikationsanbietern nicht ganz so ungewöhnlich...

(Quelle: Sun)

Notruf

leeres EhebettDie Polizei muss häufiger wegen aller möglichen Hilferufe ausrücken. Manchmal sind es verwirrte Nachbarn, die den Lautstärkeregler der Stereoanlage mit dem Temperaturregler der Heizung verwechseln oder aber weltbewegende Konflikte über das Eigentum heruntergefallener Kirschen. In manchen - zugegeben: seltenen - Fällen muss die Polizei sich auch um wirklich wichtige Dinge kümmern, gegen die Kofferbomben eine Nichtigkeit sind. Ein solcher Fall ereignete sich jetzt in Aachen.

Dort alarmierte eine Frau die Polizei, um sich aus lebensbedrohlicher Lage retten zu lassen. Dem interessierten Beamten schilderte die völlig entnervte Frau, dass ihr Mann seinen sexuellen Verpflichtungen nicht nachkäme, dass sie seit Monaten in getrennten Betten schliefen. Im Polizeibericht steht denn auch zu lesen:
"So habe sie ihn nach Tagen der Enthaltsamkeit in der Nacht geweckt, um den entsprechenden, tiefer gehenden menschlichen Kontakt mit ihm zu suchen. Dies habe er vehement abgelehnt"
Daraus entwickelte sich ein Streit zwischen der Vernachlässigten Frau und dem schläfrigen Mann, zu dem sie schließlich die Polizei zur Vermittlung hinzurief. Diese "Vermittlung" fiel den Beamten aber sichtlich schwer. Wie dem Bericht weiter zu entnehmen ist, konnten die Beamten nicht wirklich
"hier eine gütliche Regelung herbeizuführen, geschweige denn eine dienstliche Anordnung zu treffen"
Es lag einfach keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit vor.

Die Frage bleibt offen, ob das Paar jetzt den Weg zum Eheberater oder zum Scheidungsrichter sucht...

(Quelle: n-tv)

Mittwoch, 2. August 2006

Xavier Naidoo


Dittmar Bachmann präsentiert die Leidensgeschichte, Entschuldigung, die Lieder von Xavier Naidoo in der wohl einzigen erträglichen Form. Sehenswert!

(Danke, limp)

Iran und Israel

ChameneiDer Iran mischt sich zunehmend in den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon ein, der sich inzwischen auf den ganzen Libanon auszudehnen droht. Zwar ist der Präsident Ahmadinedschad das "offizielle" Staatsoberhaupt, tatsächlich wird er aber von den religiösen Führern des Landes kontrolliert und gesteuert. Gerade deshalb sind Äußerungen aus diesem Kreise besonders bedeutsam.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, würdigte am Mittwoch im iranischen Staatsfernsehn den bewaffneten Widerstand gegen Israel und die USA. Die "jungen Moslems aller Länder" sollten nach seinen Worten wissen, dass der einzige Weg gegen den "wilden Wolf des Zionismus ..." (gemeint ist Israel) "... und die Aggressionen des großen Satans" (die USA) der aufopferungsvolle Kampf sei. Chameni drohte dabei den USA wegen ihrer Unterstützung Israels und dessen Angriffe auf die "Rechte der moslemischen Völker" mit einem "vernichtenden Schlag".

Zwar heisst es "Hunde, die bellen, beißen nicht", aber der Iran hat seine politische, wirtschaftliche und geistliche Macht im Nahen Osten in den letzten Jahren stark ausgebaut und hat heute einen ganz anderen Rückhalt, nicht nur in der Golfregion. Auch darf man nicht unterschätzen, dass der Iran wegen seiner Bodenschätze über enorme Geldmittel verfügt und durch seine konservative Haltung gegenüber dem Islam viele Sympathien gewinnen konnte.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Iran die Hisbollah und auch andere Gruppierungen finanziell unterstützt. Was aber passieren mag, wenn der Iran "offiziell" in den Konflikt eingreift, dürfte interessant werden. Argumente dafür haben die USA jedenfalls genügend geliefert, nicht zuletzt mit der "Expresslieferung" Präzisionsbomben. Vielleicht liefert der Iran ja bald ganz offiziell "per Express" auch ein paar Präzisionsraketen humanitäre Hilfsgüter?

(Quelle: AFP)

Und die Brücke heißt...

BrueckeEine neue Brücke in Ungarn soll einen Namen bekommen. Dazu hat die Regierung sich überlegt, die Öffentlichkeit zu befragen. Und weil man auch in Ungarn modern ist, findet die Befragung im Internet statt. Dienstag war der Name des Staatsgründers, der Heilige Istvan, noch dreimal seltener gewählt worden, als der des Favoriten, und lag auch noch deutlich noch hinter dem Namen des Schauspielers und Humoristen Geza Hofi. Topfavorit mit 11% aller abgegebenen Stimmen als Namenspatron für die Brücke war: Chuck Norris.

Heute allerdings sieht die Liste schon etwas anders aus: Mit 43% führt jetzt die Heilige Korona die Liste an, während Chuck Norris auf Platz zwei zurückgefallen ist. Der Staatsgründer rangiert inzwischen auf Platz sieben.

Ich bin mir sicher, dass das noch sehr interessant wird, sobald sich diese Abstimmung herumgesprochen hat, wobei es schon interessant ist, dass ausgerechnet die Patronin des Glücksspiels Namengeberin einer Brücke sein soll...

Der kleine Tierfreund

Es kommt vor, dass sich Wildtiere in Städte "verirren" und es ist auch nicht völlig ungewöhnlich, dass Wildtiere in Städten heimisch werden. Man denke dabei nur an Waschbären und Füchse. Es kommt auch vor, dass diese ehemaligen "Wild"tiere ein wenig lästig werden und der genervte Stadtbewohner professionelle Hilfe braucht, um seine Mülltonnen zu verrammeln. Aber was tun, wenn plötzlich 2-3 Meter lange und bis zu einer Tonne schwere, wilde Büffel im Garten stehen? Und was, wenn es nicht nur ein oder zwei sind, sondern eine große Herde?

Ein Problem dieser Art hat der kleine Ort Fort Providence in Kanadas Northwest Territories. Der 800 Einwohner zählende Ort hat seit einiger Zeit "Besuch" von einer stattlichen Herde Waldbisons, die sich dort sehr wohl fühlen. Immerhin gibt es hier keine Wölfe und andere lästige Zeitgenossen, das Futter ist immer gut gepflegt und ordentlich drapiert. So ein Garten ist doch was Feines. Und so einen Kleinlaster kann man auch schonmal umschubsen.

Die Bewohner fanden das am Anfang ja noch ganz lustig, inzwischen aber werden die Büffel aber doch lästig, zumal die 800 Einwohner ein wenig in der Unterzahl sind: Die Herde umfaßt ungefähr 2.400 Tiere, von denen manchmal welche in die umliegenden Wälder verschwinden, manchmal aber auch andere wieder dazu kommen. Da das wildlebende Waldbison geschützt ist, kann - und will - man die Herde nicht einfach abschlachten. Darum sucht der Ort jetzt professionelle Hilfe von Fachleuten, die eine Bisonherde weglocken können...

(Quelle: AFP)

Dienstag, 1. August 2006

Teurer pinkeln

Manche Dinge verstehe ich, manche Dinge nicht. Ich verstehe durchaus, dass manche Leute es durchaus für notwendig halten, zu Hause im Stehen zu Pinkeln. Ich verstehe auch, dass es deshalb Leute gibt, die sich extra dafür ein Steh-Pissoir zulegen. Ich verstehe allerdings nicht, wieso man dafür 880 US Dollar ausgibt (plus Porto und Verpackung und ohne Einbau, versteht sich). Wahrscheinlich ist aber der berührungsfreie Sensor für die Spülung so irre teuer.

Nicht weniger verwirrend finde ich allerdings, dass es nicht nur teurer, sondern gleichzeitig auch weniger technologisiert für das traute Heim geht. Das sechsunddreißig(!) Zoll breite - das sind immerhin fast 92 Zentimeter - Steh-Urinal für den festen An- bzw. Einbau. Mit handbetriebenem Schraubventil, wie von "Oldschool" Wasserhähnen bekannt gibt es das "nur noch" 1.054 US Dollar (ebenfalls zuzüglich Porto, Verpackung und Einbau).

Beides gibt es zum Beispiel bei Homedepot in Übersee...

USA - Abenteuerurlaub inklusive?

USA Flagge brenntIn den USA ist es ja auch seit einiger Zeit nicht mehr so ganz so, wie man das von einem als Vorbild geltenden demokratischen Staat erwartet. Die Liste der eingeschränkten oder gar aufgehobenen Grundrechte ist lang und die USA ist inzwischen eher zu einem Synonym für Raubbau an den Rechten seiner Bürger geworden. International ist das Bild der USA jedenfalls schon länger erheblich beschädigt.

Das Problem ist dabei nicht nur die faktische Bedrohung der USA, sondern das, was die US-Administration daraus als hypothetisches Bedrohungspotenzial ableitet und als Rechtfertigung für allerlei kuriose Maßnahmen benutzt. Markantestes Beispiel sind die Konzentrationslager für US-Bürger, aber bekannter dürften diejenigen Fälle sein, in denen die US-Amerikanische Paranoia nicht nur daneben gegriffen hat, sondern auch noch blauäugig gerechtfertigt wurde, getreu dem Motto erst Schießen, dann Fragen:
"Solche Fälle passieren in letzter Zeit oft" "London, Bombay, die jüngsten Terror-Drohungen in New York - die Leute sind nervös." "Die meisten sind Fehlalarme." "Wir (das FBI) reagieren über, aber ich schätze, so ist es besser."
Vielleicht sollte man für ein Land, dass seinen Bürgern nahezu unbegrenzt Schusswaffen an die Hand gibt und dafür die Sexualität strikt gesetzlich reguliert, Aufklärung und Verhütung nach kräften verhindert, in dem Frauen als "materieller Besitz" angesehen werden und Ausgehverbote verhängt werden, um die eigene Jugend in den Griff zu bekommen, das religiösen Wahn über wissenschaftliche Erkenntnis stellt und sich zu allem Überfluss auch noch mit tausenden von Atomsprengköpfen bewaffnet und überall auf der Welt Kriege anfängt oder fördert doch langsam besser eine Reisewarnung in Bezug auf dieses Land aussprechen?

Widerstand gegen die Weltmacht

Ahmadinedschad und ChavesDie USA sehen sich bekanntermaßen selber gerne als "unangreifbar" und als "großer Macher". Wie schnell sich aber die selbsternannte Vorbilddemokratie und Weltpolizei in der Defensive wiederfinden kann, ist nicht nur am Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon deutlich zu sehen: Von uneingeschränkter Unterstützung und Rückendeckung Israels zu hektischer Herumlaboriererei innerhalb weniger Tage. Auch der schwelende Konflikt mit dem Iran um dessen Atomprogramm und die damit befürchteten Bomben zeigt deutlich die Grenzen der USA und ihrem Anspruch auf die Weltherrschaft.

Aber nicht nur im Nahen Osten, auch an anderen Orten der Welt haben die USA plötzlich ernste Probleme. Erst neulich hat Venezuelas Präsident Hugo Chavez einigermaßen rigoros dafür gesorgt, dass die Ölindustrie des größten Erdölexporteurs Südamerikas fest in staatlicher Hand bleiben. Die Gasförderung wurde komplett verstaatlicht. Zu allem Überfluß stieg Venezuela dann auch noch aus dem für die USA prestigeträchtigen Freihandelsverband, der Andengemeinschaft, aus und trat als Vollmitglied in die konkurrierende Organisation "Mercosur" ein.

Dennoch: Für die USA ist Venezuela insgesamt wichtigster Öllieferant und wohl auch deshalb investieren die USA nicht eben wenig Geld in die Bekämpfung der Drogenmafia in diesem Staat. Trotz massiver Investitionen und anderer Bemühungen sind die USA hier jedoch nicht gerade "beliebt". Chavez besucht zur Zeit den Iran, was besonders in den USA für einigen Argwohn sorgte.

Das der nicht unberechtigt war, zeigte der vor ein paar Tagen medienwirksam erfolgte Schulterschluß der beiden Staaten. Einhellig verkündeten die Präsidenten Chavez und Ahmadinedschad die Verbrüderung ihrer Staaten - was den meisten westlichen Medien noch gerade eine Randnotiz wert war. Dieser Verbrüderung folgte eine weitere, für die USA sehr viel bedeutsamere Erklärung, die am Wochenende über die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna verkündet wurde:
"Unsere Politik ist klar: Wenn Amerika eine feindliche Politik gegen uns pflegen will, werden wir unsere Öl-Ausfuhren in das Land stoppen"
Venezuelas Öl-Minister Rafael Ramirez
Sicher kann man jetzt denken "Ach, und wenn schon?", nur steht der Iran auf Platz vier und Venezuela auf Platz fünf der weltweit größten Erdölexporteure. Zusammen haben diese beiden Staaten einigen Einfluß in der OPEC und können direkt und indirekt ziemlich viel Druck auf die USA ausüben.

Verblüffend ist allerdings weniger diese Alianz, sondern die Behandlung derselben in den westlichen Medien: Dort wird sie nämlich überwiegend verschwiegen, obwohl sie auch auf andere Länder und deren internationale Politik einigen Einfluß haben kann.

Oder sind amerikanische Truppen bereits auf dem Weg nach Venezuela?

Vor 25 Jahren

Vor 25 Jahren wurde die Medienlandschaft nachhaltig und unumkehrbar verändert. Damals, am 1. August 1981 begann mit "Video killed the Radio Star" von den Buggles das, was heute wohl nur wenige nicht kennen und ohne das die Musikszene bestimmt völlig anders aussähe. Nina Blackwood, Mark Goodman, Alan Hunter, J.J. Jackson und Martha Quinn sind die ersten, die einen bis dahin nicht existierenden Beruf ausüben und Namen wie Ray Cokes, Colin Quinn, Beavis und Butt-Head, Markus Kavka und Sarah Kuttner und viele andere sind ebenso untrennbar damit verbunden, wie nervige Klingeltöne, aufgemotzte Autos und viels mehr.

25 Jahre MTV!

Und das Schlimmste? Ich kann mich an all das erinnern!

Deutsch

Ab heute gilt sie nun, die neue alte, teils reformierte, teils restaurierte, deutsche Rechtschreibung. Der Versuch, die Schriftsprache per Dekret auf politischem Wege zu "modernisieren" geriet in Deutschland zum wahrscheinlich größten und publikumswirksamsten Debakel der Neuzeit (wohl nur übertroffen durch das Desaster der EU-Verfassung).

Nun mag man ja glauben, dass alles ganz einfach sei. Man kauft sich den Duden oder verlässt sich auf die Rechtschreibkorrektur von MS-Word und gut ist. Aber denkste. Eben genau das ist ein grober Irrtum, aber dazu später. Grundsätzlich gelten ab heute offiziell folgende Regeln:
  • Bei kurz gesprochenem Vokal wird das Wort mit Doppel-S geschrieben: Kuss, Fluss oder bisschen. Bei lang gesprochenen Vokalen bleibt es beim "ß": Gruß, Spaß oder Straße. Mit Doppel-S wird auch die Konjunktion 'dass' geschrieben. Das 'daß' entfällt.
  • Treffen drei gleiche Buchstaben bei Zusammensetzungen aufeinander, wird keiner davon gestrichen. Darum heißt es jetzt: Schifffahrt, Sperrriegel oder Zooorchester. Alternativ ist aber auch die Schreibung mit Bindestrich möglich, z.B. "Zoo-Orchester".
  • Ist der erste Teil eines Wortes ein Verb, wird in der Regel getrennt geschrieben. Zum Beispiel: "spazieren gehen". Auch Verbindungen mit dem Wort "sein", wie zum Beispiel "da sein" oder "dabei sein", werden getrennt geschrieben. In bestimmten Einzelfällen ist aber die Zusammenschreibung auch möglich. Zusammegschrieben werden kann bei übertragen gebrauchten Verbindungen zweier Verben, die als zweiten Wortteil "bleiben" oder "lassen" haben. Zum Beispiel "in der Schule sitzenbleiben".
  • Tageszeiten nach den Adverbien wie "gestern" oder "heute" werden großgeschrieben: "heute Mittag", "gestern Abend".
  • Einzelne Begriffe wie "pleitegehen" werden jetzt wieder klein und zusammen geschrieben.
  • Diese Reform "vereinfacht" die Kommaregeln. Bei Hauptsätzen, die mit "und" beziehungsweise "oder" verbunden sind, kann zur Gliederung des Satzes ein Komma gesetzt werden, muss aber nicht: "Andreas löst ein Rätsel (,) und Sabine malt ein Bild."
  • Bei Infinitivgruppen muss ein Komma nur dann gesetzt werden, wenn diese mit "als", "anstatt", "außer", "ohne" oder "um" eingeleitet wird. Zum Beispiel: "Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen."
So, wer jetzt glaubt, das sei schon kompliziert und verwirrend genug, der hat die Rechnung ohne die deutsche Lust zur Streiterei gemacht. Zwar kann man über den "Rat für deutsche Rechtschreibung" und seine Arbeit denken wie man möchte, aber immerhin hat er nach jahrelangen Streitereien wenigstens ein Resultat vorgelegt, mit dem man "irgendwie" arbeiten kann. Und jetzt kommen die Verlage, vorne weg der Dudenverlag und das Verlagshaus Wahrig. Beide verlegen Wörterbücher der deutschen Sprache, beide nehmen für sich in Anspruch, die richtige Version zu haben.

Der Duden kommt in Zukunft nicht mehr in "schwarz auf weiß" sondern mit vier farbigen Markierungen, die neu, veraltet, alternativ / optional und empfohlen kennzeichnen. Wahrigs Wörterbuch hingegen kommt wohl mit schwarz und weiß aus, aber dafür gibt es in Massen Abweichungen im Innern des Regelwerkes zum Duden. Während der Duden zum Beispiel "sitzen bleiben" vorgibt, entscheidet sich Wahrig für "sitzenbleiben". Aber es gibt noch mehr Unterschiede: Fast Food (Duden) und Fastfood (Wahrig), Feedback (Duden) und Feed-back (Wahrig), Kommuniqué (Duden) und Kommunikee (Wahrig), sauber machen (Duden) und saubermachen (Wahrig) und so weiter.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist übrigens der Meinung, dass Wahrig sich korrekt an die Neuregelung halte, während der Duden durch seine Empfehlungen das neue Regelwerk absichtlich unterlaufe. Im Verlagshaus des Duden versteht man die Aufregung nicht, sind doch schließlich die gelb unterlegten Schreibweisen "bloß" als Angebote und Entscheidungshilfen zu verstehen. Soso. "Angebote und Entscheidungshilfen". Ah-ja.

Aber auch die Regeln als solche lassen Schreiber wie Leser häufig ratlos. Beispiel Getrenntschreibung. Was mag der Schreiber gemeint haben, als er schrieb: "Sie sah mich viel versprechend an"? Auch die Worttrennung ist nicht eben eindeutig: "Frust-ration" kann schnell zur gerüttelt Ration Frust werden.

Jedenfalls ist eines sicher: Die Rechtschreibreform ist als solche zwar politisch "vom Tisch", tatsächlich wird sie uns aber noch eine ganze Weile begeistern. Aber immerhin: "Verbindlich" ist diese Rechtschreibung "nur" für Behörden und in Schulen. Alle anderen können schreiben, wie sie es für richtig halten.

Die Zeitungen machen es ja erfolgreich vor: Einige schreiben "alt", andere "neu", wieder andere "mal so, mal so" und wieder andere schreiben, als hätte es sowas wie "Rechtschreibkorrektur" nie gegeben.

(Quelle: AFP, Tagesschau)