"If I was going to use cyber, it wouldn’t be to disable a bunch of M1 tanks. It’d be to disable the ability for us to deploy so they never got there with M1s. If you really want to hurt us, take all German rail scheduling offline for a week."
(anonymer Offizier der US Army)
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Donnerstag, 5. April 2018
Zitat des Tages (12)
Donnerstag, 10. März 2011
Streik von...wem?! Für...was?!
[Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Sven "DeichShaf" Wagner]
Der Presse und den Medien konnte man es ja nun schon die ganzen letzten Tage über entnehmen: Die Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer GdL haben in einer Urabstimmung beschlossen, dass zur Durchsetzung Ihrer Forderungen ein bundesweiter Streik durchgeführt werden soll.
Und sicherlich ist auch nur an wenigen vorbei gegangen, dass die Lokführer ihre bisherigen Warnstreiks und nun den bundesweiten Streik im Güter- und Personenverkehr mit dem Ziel durchgeführt haben, einen für alle Arbeitgeber der Branche verbindlichen Tarifvertrag durchzusetzen. Dieser Tarifvertrag soll für die bei privaten Bahnunternehmen beschäftigten Lokführer das gleiche Gehalt wie für Lokführer der Deutschen Bahn AG bringen.
Ich will hier gar nicht auf die Probleme im Transportwesen und den volkswirtschaftlichen Schaden abzielen, welche der Streik mit sich bringt. Mir geht es eher um die Frage, was der Streik tatsächlich bringen soll und wer hier eigentlich für was und wen streikt.
Ein paar kleine Fakten: Es gibt etwas mehr als 26.000 Lokführer in Deutschland. Gute 20.000 davon sind bei der Deutschen Bahn und rund 6.000 sind bei anderen Unternehmen beschäftigt. Und für diese 6.000 Lokführer soll der höher bezahlte Tarifvertrag herbeigeführt werden.
Es ist nun so, dass die meisten gewerkschaftlich organisierten Lokführer bei der Deutschen Bahn beschäftigt sind, während bei den "Privaten" vergleichsweise wenige Mitglieder der GdL tätig sind. Das ist nicht ganz grundlos so: Ein niedrigeres Gehalt und hoher Leistungsdruck sorgen dafür, dass die Mitarbeiter der Privaten weniger Geld für Gewerkschaftsbeiträge ausgeben wollen und sich auch nicht besonders gern kampfeslustig zeigen möchten - Die Angst um den Job treibt viele dazu und jeder ist ersetzbar, was man selbstverständlich in den Führungsetagen ebenfalls weiß.
Man braucht also wenig Fantasie, um zu erkennen, dass hier die meisten Leute für etwas streiken, was sie selbst nicht direkt betrifft: Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn haben am Ende ja deshalb keinen besseren Tarifvertrag sondern nur eine vergleichsweise geringe Gehaltserhöhung von 6% (sofern dieser Teil bei den Verhandlungen überhaupt am Ende rauskommt). Nutznießer sind vorwiegend die Lokführer der Privatunternehmen. Kommt es zu einem Tarifvertrag, stehen hier teilweise Lohnerhöhungen von 40% an - im Durchschnitt etwa 12%. Selbstverständlich würde ich mit Blick aufs Portemonnaie auch laut nach diesem Tarifvertrag schreien.
Doch was bringt dieser Streik am Ende wirklich? Subtrahiert man mal von der Schwarzmalerei der privaten Bahnunternehmer mal die Übertreibungen, bleiben am Ende nämlich doch ein paar "kleinere Problemchen" übrig, die so ein Tarifvertrag mit sich bringt. Zunächst mal: Wenn alle Lokführer den selben Tarifvertrag bekommen, kann man quasi von einem Mindestlohn sprechen. Das ist zwar nicht ganz die Wahrheit und nicht mit dem Mindestlohn in der Post-Branche vergleichbar, aber hier gehts um eine vergleichsweise kleine Personengruppe, weshalb der Vergleich sich schon ein wenig aufdrängt.
Mit einem einheitlichen Tarifvertrag müssen private Unternehmer tiefer in die Tasche greifen. Das schlägt sich auf die Beförderungskosten nieder, die letztlich wir als Kunden tragen müssen. Will man Kunden nicht mit steigenden Fahrpreisen verärgern, spart man an anderer Stelle ein, denn ohne Lokführer geht es derzeit nunmal nicht, während am Servicepersonal durchaus gespart werden kann. Also als Beispiel nicht mehr zwei oder drei Zugbegleiter sondern eben einer weniger. Zum Kontrollieren der Fahrkarten reicht das ja aus, nicht wahr? Und so ganz nebenbei: Lässt der Service bei den "Privaten" nach, dann ist es für die Bahn nicht mehr so schwierig, konkurrenzfähig auf diesem Gebiet zu bleiben.
Für die Deutsche Bahn AG hat ein solcher Tarifvertrag aber auch noch einen anderen Vorteil: Forderungen nach einem höheren Gehalt sind nach der Durchsetzung eines solchen Tarifvertrages in aller Regel erstmal passé, ehthält der Vertrag doch gleich entsprechende Passagen, die das gleich mit erledigen. Wie zum Beispiel bei den Zeitarbeitern, wo gleich festgelegt ist, um wieviel pro Jahr der Basislohn steigt. Das heißt, wenn die Bahn hier tatkräftig unterstützt, kann sie sicher sein, für die nächsten Jahre
Ruhe vor Streiks zu haben.
Wundert es noch irgendwen, wieso von Seiten der Deutschen Bahn AG so gut wie NIEMAND etwas gegen Claus Weselkys derzeitigem Arbeitskampf sagt und nur Entschuldigungen in Richtung der Kunden rausgehauen werden? Mich jedenfalls nicht.
Der Presse und den Medien konnte man es ja nun schon die ganzen letzten Tage über entnehmen: Die Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer GdL haben in einer Urabstimmung beschlossen, dass zur Durchsetzung Ihrer Forderungen ein bundesweiter Streik durchgeführt werden soll.
Und sicherlich ist auch nur an wenigen vorbei gegangen, dass die Lokführer ihre bisherigen Warnstreiks und nun den bundesweiten Streik im Güter- und Personenverkehr mit dem Ziel durchgeführt haben, einen für alle Arbeitgeber der Branche verbindlichen Tarifvertrag durchzusetzen. Dieser Tarifvertrag soll für die bei privaten Bahnunternehmen beschäftigten Lokführer das gleiche Gehalt wie für Lokführer der Deutschen Bahn AG bringen.
Ich will hier gar nicht auf die Probleme im Transportwesen und den volkswirtschaftlichen Schaden abzielen, welche der Streik mit sich bringt. Mir geht es eher um die Frage, was der Streik tatsächlich bringen soll und wer hier eigentlich für was und wen streikt.
Ein paar kleine Fakten: Es gibt etwas mehr als 26.000 Lokführer in Deutschland. Gute 20.000 davon sind bei der Deutschen Bahn und rund 6.000 sind bei anderen Unternehmen beschäftigt. Und für diese 6.000 Lokführer soll der höher bezahlte Tarifvertrag herbeigeführt werden.
Es ist nun so, dass die meisten gewerkschaftlich organisierten Lokführer bei der Deutschen Bahn beschäftigt sind, während bei den "Privaten" vergleichsweise wenige Mitglieder der GdL tätig sind. Das ist nicht ganz grundlos so: Ein niedrigeres Gehalt und hoher Leistungsdruck sorgen dafür, dass die Mitarbeiter der Privaten weniger Geld für Gewerkschaftsbeiträge ausgeben wollen und sich auch nicht besonders gern kampfeslustig zeigen möchten - Die Angst um den Job treibt viele dazu und jeder ist ersetzbar, was man selbstverständlich in den Führungsetagen ebenfalls weiß.
Man braucht also wenig Fantasie, um zu erkennen, dass hier die meisten Leute für etwas streiken, was sie selbst nicht direkt betrifft: Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn haben am Ende ja deshalb keinen besseren Tarifvertrag sondern nur eine vergleichsweise geringe Gehaltserhöhung von 6% (sofern dieser Teil bei den Verhandlungen überhaupt am Ende rauskommt). Nutznießer sind vorwiegend die Lokführer der Privatunternehmen. Kommt es zu einem Tarifvertrag, stehen hier teilweise Lohnerhöhungen von 40% an - im Durchschnitt etwa 12%. Selbstverständlich würde ich mit Blick aufs Portemonnaie auch laut nach diesem Tarifvertrag schreien.
Doch was bringt dieser Streik am Ende wirklich? Subtrahiert man mal von der Schwarzmalerei der privaten Bahnunternehmer mal die Übertreibungen, bleiben am Ende nämlich doch ein paar "kleinere Problemchen" übrig, die so ein Tarifvertrag mit sich bringt. Zunächst mal: Wenn alle Lokführer den selben Tarifvertrag bekommen, kann man quasi von einem Mindestlohn sprechen. Das ist zwar nicht ganz die Wahrheit und nicht mit dem Mindestlohn in der Post-Branche vergleichbar, aber hier gehts um eine vergleichsweise kleine Personengruppe, weshalb der Vergleich sich schon ein wenig aufdrängt.
Mit einem einheitlichen Tarifvertrag müssen private Unternehmer tiefer in die Tasche greifen. Das schlägt sich auf die Beförderungskosten nieder, die letztlich wir als Kunden tragen müssen. Will man Kunden nicht mit steigenden Fahrpreisen verärgern, spart man an anderer Stelle ein, denn ohne Lokführer geht es derzeit nunmal nicht, während am Servicepersonal durchaus gespart werden kann. Also als Beispiel nicht mehr zwei oder drei Zugbegleiter sondern eben einer weniger. Zum Kontrollieren der Fahrkarten reicht das ja aus, nicht wahr? Und so ganz nebenbei: Lässt der Service bei den "Privaten" nach, dann ist es für die Bahn nicht mehr so schwierig, konkurrenzfähig auf diesem Gebiet zu bleiben.
Für die Deutsche Bahn AG hat ein solcher Tarifvertrag aber auch noch einen anderen Vorteil: Forderungen nach einem höheren Gehalt sind nach der Durchsetzung eines solchen Tarifvertrages in aller Regel erstmal passé, ehthält der Vertrag doch gleich entsprechende Passagen, die das gleich mit erledigen. Wie zum Beispiel bei den Zeitarbeitern, wo gleich festgelegt ist, um wieviel pro Jahr der Basislohn steigt. Das heißt, wenn die Bahn hier tatkräftig unterstützt, kann sie sicher sein, für die nächsten Jahre
Ruhe vor Streiks zu haben.
Wundert es noch irgendwen, wieso von Seiten der Deutschen Bahn AG so gut wie NIEMAND etwas gegen Claus Weselkys derzeitigem Arbeitskampf sagt und nur Entschuldigungen in Richtung der Kunden rausgehauen werden? Mich jedenfalls nicht.
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Freitag, 24. Oktober 2008
Ach nee?
Als ich vor einiger Zeit spekulierte, dass die Bahn durch das Abschaffen der Möglichkeit beim Schaffner Tickets kaufen zu können den Umsatz ankurbeln wollte, in dem sie auf Mehreinnahmen durch ertappte Schwarzfahrer spekuliert, wurde ich hinter vorgehaltener Hand belächelt. Sowas würde die Bahn doch niemals tun! "Adger fantasiert mal wieder", hieß es im privaten Kreis.Neulich wurde dann aber ein 12jähriges Mädchen wegen einer fehlenden Bahnkarte für 2 Euro 90 irgendwo im Nirgendwo aus dem Zug geworfen. Und zack: Die Republik ist empört. Natürlich wird die Schaffnerin gefeuert, "vom Dienst suspendiert" heißt das jetzt bei der Bahn, genauso wie in amerikanischen Serien. Man ist ja weltmännisch und modern. Die Bahn gibt sich selbstverständlich vornehm rat- und schuldlos: Wie konnte das nur passieren? Man hätte doch extra Anweisungen dafür, dass Kinder und Jugendliche nicht aus dem Zug geworfen werden dürften, ganz egal was passiert...
Die Welt schreibt dazu folgendes:
"Tatsächlich könnte das Verhalten der Schaffnerin mit einer neuen Verdienstmöglichkeit der Bahn-Mitarbeiter erklärt werden. Das Verkehrsunternehmen vergibt nämlich seit wenigen Monaten Prämien für ertappte Schwarzfahrer an die Zugbegleiter. Dieses „Nebengeld“ ist nach Angaben der Bahn in der internen Betriebsvereinigung festgelegt. Bislang hatten die Schaffner für jede im Zug verkaufte Fahrkarte noch eine Provision erhalten. Dies soll jetzt nur noch in Ausnahmefällen möglich sein. Grund dafür seien die gesunkenen Verkaufsumsätze. Die Prämie für Schwarzfahrer sei somit ein Ausgleich für die Ticket-Provisionen. Die Höhe der Provision ist allerdings unbekannt. Die Prämie sei jedoch kein „Kopfgeld“, betonte das Unternehmen."Egal ob nun "Nebengeld" oder "Kopfgeld", ich sag' jetzt einfach mal nur: Siehste?
(Quelle: Welt)
Sonntag, 24. August 2008
Fotoausflug Berlin (1)
Da ich letzte Woche einen Tag frei hatte und derzeit mein Onkel zu Besuch in Berlin ist habe ich die Möglichkeit ergriffen mal ein paar Fotos in Berlin Mitte zu machen.
Leider verschlechterte sich das Wetter dann gegen Nachmittag so sehr, dass man die Kamera nicht mehr wirklich aus der Tasche nehmen konnte - eigentlich wollte ich mich noch den Botschaften widmen, die müssen jetzt wohl bis zum nächsten Mal warten.
Dennoch viel Spaß mit den Fotos. Feedback ist wie immer willkommen :)
Leider verschlechterte sich das Wetter dann gegen Nachmittag so sehr, dass man die Kamera nicht mehr wirklich aus der Tasche nehmen konnte - eigentlich wollte ich mich noch den Botschaften widmen, die müssen jetzt wohl bis zum nächsten Mal warten.
Dennoch viel Spaß mit den Fotos. Feedback ist wie immer willkommen :)
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| Fotoausflu |
Samstag, 23. Februar 2008
Fluchtreflex
Die Bahn musste sich gerade erst durch einen irgendwie schon recht albern wirkenden Streik sagen lassen, dass man seinen Angestellten schon irgendwie Gehälter zahlen muss. Zwar gilt es offensichtlich als Argument für Deutschland, dass hier die Arbeitnehmer überwiegend nicht gewerkschaftlich organisiert sind - die Gründe dafür sind vielfältig und komplex, die Gewerkschaften sind allerdings nicht ganz unschuldig daran - aber dennoch haben die "paar" dann doch in (auch noch untereinander konkurrierenden) Gewerkschaften manchmal ganz schön lange Hebel. Mit denen konnten sie jedenfalls in diesem Fall durchsetzen, das Lokführer mehr Geld bekommen. Oder so ähnlich.Die Bahn wiederum fand das so rein gar nicht lustig. Will man doch eigentlich privatisieren und an die Börse und so und da sind so unangenehme Dinge wie Lohnerhöhungen oder gar Lohnzahlungen generell mal voll störend in der Bilanz. Besonders dann, wenn die chronisch nach tief roten Zahlen aussieht. Darum hatte die Bahn auch nichts Anderes zu tun, als unmittelbar nach Abschulss der für die Lokführer erfolgreichen Verhandlungen zu verkünden, dass diese Ausgaben selbstverständlich auf die Fahrpreise umgelegt werden.
Das wiederum fand man so ganz generell nirgendwo lustig und sagte der Bahn ziemlich deutlich, dass die Preisstruktur dieses Verkehrsmittels irgendwie noch immer nicht - nicht mal ansatzweise - attraktiv wäre. Das wiederum fand die Bahn voll doof und auch irgendwie voll uneinsichtig vom doofen Kunden. Auch sieht man es irgendwie noch immer nicht so recht ein, das es für den einzelnen Reisenden in den meisten Fällen günstiger ist, mit dem Auto zu fahren, als sich dem teilweise mehr als seltsamen Unwillen der Bahn anzuvertrauen.
Daraufhin schmollte man bei der Bahn ausgiebig und blafft jetzt aus allen Rohren zurück: Dann machen wir eben den Nokia! Verlagern wir halt ins Ausland! Wir gehen in die Billiglohnländer! Genau. Das ist die richtige Politik.
Ich weiß ja nicht, ob die Bahn das schon weiß, aber der Kunde aus Deutschland will, 'tschuldigung, muss(!) hier manchmal mit der Bahn fahren. In Rumänien oder Bangladesch bringt ihm die Bahnanbindung gar nichts. Was also soll uns diese Drohung sagen? Gabs wieder massiv Lack zu saufen bei Mehdorns?
(Quelle: heute)
Freitag, 20. Juli 2007
Clever streiken
Es gab eine Zeit, da wollten ziemlich viele kleine Jungs Lokomotivführer werden. Bei den wenigsten setzte sich dieser Wunsch bis ins Erwachsenenalter durch und noch viel weniger nahmen diesen Beruf später dann auch an. Heute sind Lokführer wieder im Gespräch, weil sie streiken wollen. Das Problem: Wenn die Lokführer streiken, dann ist ersteinmal Ende mit Bahnfahren. Bahnstehen ist dann angesagt.Darüber ist man sich bei der kleinen Gewerkschaft GDL wohl ziemlich im Klaren und meint jetzt mal so richtig auf die Kacke hauen zu können, oder wie Günther Kinscher, Vizechef der Gewerkschaft GDL, sich gegenüber der Süddeutschen ausdrückt:


Wahrscheinlich wird man sich dann auf "irgendeine" Lösung einigen. Wahrscheinlich werden die Lokführer mehr Geld bekommen. Allerdings werden wahrscheinlich bei der Bahn auch etliche Überlegungen laufen, wie man in Zukunft dieses Problem lösen kann und das wird wahrscheinlich nicht darin bestehen, dass die Bahn den Lokführern unendlich viel Geld bezahlt, sondern eher darin, dass man Lokführer irgendwie ersetzt. Ich gleube kaum, das gewerkschaftlich organisierte Lokführer unersetzbar sind und ich habe irgendwie den Verdacht, dass man das bei der Bahn auch weiß...
(Quelle: Süddeutsche Zeitung)
Mittwoch, 20. Juni 2007
Montag, 11. Juni 2007
Service
Vor ewigen Zeiten brauchte ich eine Bahncard. Damals war das für mich sinnvoll und wichtig, aber seit einiger Zeit brauche ich so was eben einfach nicht mehr. Schon letztes Jahr wollte ich die nicht mehr haben, aber irgendwie hatten sich Kündigung und Auslieferung der Karte überschnitten und so musste ich seinerzeit in den sauren Apfel beißen und die 200 Euro für ein Produkt abdrücken, das ich nicht benutzen würde. Egal, sei es drum, ich zahlte und kündigte das Abo.Heute nun war in der Post der freundliche Dank der Bahn für meine Bestellung der Bahncard und man würde mir diese spätestens sieben Tage nach Zahlungseingang zuschicken. Wieso Bestellung? Hä? Also Bahn anrufen. Toll: 01085-Nummer, 14 Cent pro Minute. Mit Computeransage. Natürlich sind "alle Leitungen belegt" und der Sprechkasten ermuntert mich dazu, doch später noch einmal anzurufen.
Einige Stunden und diverse Anrufe später bittet mich der Sprechkasten nicht zum erneuten Anruf, sondern hält mich in der Leitung. Mein Anruf solle gleich durchgestellt werden, sobald die nächste Leitung frei wäre. Aha. Na gut, warten wir mal ab.
Zwei Minuten später sächselt mir eine freundliche Dame in wundervoll rauchigem Alt ihren Namen ins Ohr und erkundigt sich freundlich nach meinem Begehren. Heira... ach nee, äh... Bahncard! Ja, genau! Ich erkläre ihr das Problem, meine Kündigung des Bahncard-Abos im letzten Jahr und frage nach, warum sich die Bahn jetzt für meine Bestellung bedanke?
Hektisches Tippen. Die Dame klärt mich auf, dass sich die Bahn solche Kündigungen nicht "zur Seite lege" und es deshalb wohl irgendwie untergegangen sei, dass ich keine mehr wolle. Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Aber das wäre gar kein Problem meinte sie. Schicken sie uns einfach die Karte zurück und dann wird das storniert. Ich war perplex. Die Karte würde ich ihr natürlich gerne zuschicken, wenn ich sie denn hätte und sie sich mit mir mal auf einen Kaffee verabreden würde oder so. Ich habe ja nur die Rechnung und die zurückzuschicken macht wohl eher keinen Sinn.
Glockenhelles Lachen. Ja, damit hätte ich wohl Recht. Sie berichtete mir, dass sie die Stornierung der Rechnung jetzt veranlasse und ich mir keine Sorgen mehr um dieses Thema machen soll. Könnte sie, also die Bahn, denn sonst noch etwas für mich tun? Nein, die Bahn nun gerade eher nicht, aber... Naja. Es blieb bei einem freundlichen "auf wiederhören".
Was soll ich sagen? Das ging erstaunlich glatt, war völlig problemlos und dauerte nicht mal vier Minuten. Sollten die tatsächlich dazugelernt haben? Wenn jetzt die Tage allerdings die Karte bei mir eintrudelt, werde ich da wohl noch mal anrufen müssen. Mit etwas Glück erwische ich die Dame wieder...
Da frage ich mich wirklich, ob ich mich jetzt doch darauf freuen soll, dass mir die unerwünschte Karte zugeschickt wird.
Freitag, 4. August 2006
Bahnfahren (2)
Neulich noch hieß es, dass man in den Zügen Bahn keine Tickets mehr kaufen kann. Stattdessen müssten interessierte Bahnfahrer versuchen, diese auf jeden Fall vorher am Schalter oder - für die ganz Mutigen - am Automaten zu erwerben. Ohne Ticket in der Bahn erwischt zu werden kostet den doppelten Fahrpreis (mindestens 40 Euro). Nun hat sich die Bahn wohl überlegt, dass das so wohl doch etwas sehr auffällige Geldschneiderei wäre, denn schließlich kann man ja im Bus auch nach dem Einsteigen Tickets kaufen.Damit die Bahn aber doch noch zu ihrem "Bonusgeschäft" kommt, hat man sich überlegt, dass man ja noch über den Umweg der Zahlweise locker Geld einstreichen kann. Im Detail hat man sich bei der Bahn jetzt zwar dazu durchgerungen dem Kunden auch nach dem Einsteigen in den Zug Tickets zu verkaufen, aber er kann diese NICHT per EC-Karte und schon gar nicht per EC-Karte plus Unterschrift bezahlen. Laut der Bahn sei das Bezahlen per EC-Karte und PIN aus "technischen Gründen" im Zug nicht möglich und das Verfahren EC-Karte plus Unterschrift zu unsicher. Kreditkarten hingegen würden problemlos akzeptiert.
Damit Inhaber von EC-Karten aber trotzdem ihr Ticket bezahlen können, eröffnet man diesen den Weg der nachträglichen Bezahlung. Da dieser Kunde aber nach Ansicht der Bahn faktisch ein Schwarzfahrer ist, wird - wie oben beschrieben - unter Umständen ein deutlich höherer Fahrpreis fällig. Zusätzölich sind bei diesem Verfahren die Boni der "Bahncard" offenbar nicht anwendbar, was das Fahren mit der Bahn zusätzlich attraktiv gestaltet.
Wenn es ein Beispiel für ein mieserables Verhältnis zwischen Anbieter und Kunden gibt, dann ist es die Bahn...
(Quelle: n-tv)
Mittwoch, 24. Mai 2006
Bahnfahren
Bahnfahren ist nicht nur teuer, sondern auch zunehmend ein Glücksspiel. Seit im Zuge der Kosteneinsparung der Service immer mehr zurückgefahren wird, ist der Kunde - der ja angeblich König ist - zunehmend mit mal mehr, mal weniger unwilligen Buchungsautomaten konfrontiert. Deren Funktionsfähigkeit reicht von "völlig problemlos und zufriedenstellend" bis hin zu "Totalversagen bei Abbuchung des Betrages". Die Klagen sind entsprechend vielschichtig. Attribute wie "unübersichtlich", "vollkommen unverständlich", "lahmarschig", "im Keller bei Kerzenlicht gebaut" oder auch "und wo sind jetzt meine Tickets?" werden immer wieder gern vorgetragen, wenn es um die ach-so-tollen Automaten der Bahn geht.Ich kenne eine ganze Reihe dieser Fehlfunktionen aus eigener Erfahrung. Es gibt scheinbar kaum etwas, was bei diesen Teilen wirklich so funktioniert, wie es am grünen Tisch vorgesehen wurde. Ungeschlagen das Erlebnis mit dem völlig entnervten Schaltervorsteher, der mir zeigen wollte, dass ich bloß zu dämlich sei den Automaten zu benutzen - nur um mir hinterher eine Taxifahrt zum Zielbahnhof zu bezahlen, weil über seinen Kampf gegen die Maschine der Zug bereits abgefahren war.
Zunächst wurde die Einnahmequelle "Schwarzfahrt" aufgebohrt und ausgebaut. Gleichzeitig wurden die Ticketpreise am Schalter erhöht und das Personal dort reduziert, damit die Leute die teuren Automaten benutzen. "Am Automaten geht es schneller und ist billiger" - klar, bei nur einem Schalter und 200 wartenden Kunden ist diese Aussage bestimmt grundsätzlich richtig - Modulo Technik. Wer daran scheitert (willkommen im Club) wird schließlich nicht selten ohne Ticket in der irrigen Annahme in den Zug hasten, dort beim Schaffner ein Ticket kaufen zu können.Die Bahn hat das Problem erkannt und will Abhilfe schaffen. Statt wie bisher Ticketbuchung und Kassieren an einem Automaten durchzuführen, wird das Drama jetzt auf zwei Automaten verteilt: Einer für den Spaß bei der Buchung der Tickets und ein weiterer für das Vergnügen beim Kassieren. Ein Sprecher der Bahn war gezwungen zu sagen:
"Der eigentliche Buchungsdialog an den neuen Automaten ist schneller. Unter dem Strich wird trotz zweier Schritte an zwei getrennten Automaten Zeit gespart"Ich sehe es schon bildlich vor mir: "Die Buchung ist leider gescheitert, bitte ordern sie neue Tickets." Gilt das Sprengen von Ticketautomaten eigentlich als "Gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr"?
Das Buchen von Tickets soll für den Kunden stressfrei sein, nicht für die Bahn. Der Kunde soll zufrieden sein mit Produkt und Leistung, nicht der Verkäufer. Wer Kunden den Erwerb des Produktes erschwert, darf sich über mangelnde Akzeptanz am Markt nicht wundern. Der Ticketverkauf ist Kundendienst und das ist, wie das Wort schon sagt, Dienst am und für den Kunden. Nach den vielen erfolglosen Jahren des Herumexperimentierens mit verschiedensten technischen Varianten der Verkaufsverhinderung sollte die Bahn eigentlich erkannt haben, dass die Automaten zwar im Nahverkehr vielleicht eine gute Idee sind. Wenn es um den Fernverkehr geht, ist jedoch jeder Automat mit Menüsteuerung hoffnungslos überfordert, weil eben jede Bahnreise individuell ist und eben nicht nach "Schema F" aus dem Automaten abgerufen werden kann.
Meine Erfahrung: Es ist zwar um ein paar (wenige) Euro teurer, sich am Schalter bedienen zu lassen. Dafür kann sich dann aber jemand Anderes mit der Technik herumärgern, während ich einfach nur sage, wann ich wohin will und kürzer und entspannter auf das garantiert korrekt ausgestellte Ticket warte und dabei die Aussicht auf die entnervt am Automaten herumrandlierenden Technikfanatiker der Bahn genieße.Angenehme Reise!
Samstag, 22. April 2006
Geld machen (5)
Die Bahn hat ein Geldproblem. Nicht erst seit gestern, sondern schon ganz lange. Inzwischen ist die Bahn aber zumindest so weit aus den roten Zahlen heraus, dass man nicht alle zwei Wochen was von diesem Unternehmen in der Zeitung liest, was mit "Pleite" oder "Milliardenkrediten" zu tun hat. Sicher war eine der entscheidenden Maßnahmen das kontinuierliche Erhöhen der Preise bei gleichzeitigem Abbau von Service und Personal.Immerhin: Die Bahn ist nicht unkreativ. Sie hat sich Automaten zugelegt, deren Bedienung wahrscheinlich von Leuten entworfen wurde, die selber noch nie im Leben mit der Bahn gefahren sind. Sicher "die Bahn kommt", nur leider noch immer eher "irgendwann". Bei der Bahn ist man aber - wie auch wohl sonst scheinbar überall in der deutschen Wirtschaft - in erster Linie darum besorgt, den Kunden los zu werden. Wird heute in der BWL nicht mehr gelehrt, dass es das oberste Ziel eines Unternehmens sein muss, zufriedene Kunden zu schaffen? Oder ist das für die Bahn zu modern? Kann ja auch sein.
Jedenfalls hat sich die Bahn jetzt etwas ganz Tolles, ganz Neues einfallen lassen, um zusätzliche Einnahmen verbuchen zu können. Und das geht so: Wer als Schwarzfahrer in der Bahn erwischt wird, zahlt den maximalen Fahrpreis und zusätzlich noch 40 Euro oben drauf. Plus Anzeige und so. 40 Euro Reingewinn oben drauf für eine Fahrkarte ist schon ein Wort, da möchte man natürlich mehr von bei der Bahn.
Nun hat sich die Bahn überlegt, dass man ja um so mehr Schwarzfahrer abgreifen kann, wenn man im Zug einfach keine Fahrkarten mehr verkauft. Bislang konnte man Fahrkarten ja zu deutlich erhöhten Preisen beim Schaffner kaufen. Das geht jetzt nicht mehr. Wenn also mal wieder der Schalter zu hat und der Automat auch wieder alles besser weiss, dann sucht man sich besser gleich ein Hotelzimmer.
Oder ein anderes Verkehrsmittel.
(Quelle: FTD)
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