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Montag, 12. März 2018

Faszination Tretball - griechisch-russischer Stil

Meine Faszination für den Tretballsport hält sich (noch immer) in sehr eng umrissenen Grenzen. Dabei ist es weniger der Sport als solcher, der sich meiner Zuneigung entzieht, sondern das Geschehen, das sich immer wieder um diesen herum entfaltet. Eigentlich sind es ja in der Regel die Fans, die sich meine unverhohlene Wertschätzung sichern. Die Spieler können ja nichts dafür, wie uns' Omma immer zu sagen pflegte. Oder, um mit den Worten eines bekannten Humorfacharbeiters zu sprechen: "Die sind halt intellektuell eher einseitig begabt."

Selbst mir, der sich diesem Sport eher so gar nicht widmet, ist geläufig, dass mancherlei Entscheidung der gemeinhin unparteiisch geheißenen Entscheidungsträger dieses Sportes nicht immer mit allseitiger Begeisterung und Zustimmung Respekt gezollt wird. Gerüchte drangen zu mir, denen zufolge gelegentlich vorsichtig Vorschläge zu marginal abweichenden Entscheidungsmöglichkeiten artikuliert werden sollen. In Extremfällen soll es sogar schon vorgekommen sein - so heißt es in historischen Quellen - dass gar gänzlich divergierende Meinungen höchst respektvoll vorgetragen und ob der unbestreitbaren Weisheit eben jener Entscheidungsträger widerspruchslos als Tollheit erkannt und demutsvoll widerrufen wurden. In außergewöhnlichen Einzelfällen deuten außerordentlich exotische Quellen an, dass es in seltensten Einzelfällen gar zu Disputen unter scholastisch umfangreich gebildeten Fachleuten gekommen sein soll, stets bewundert von dem in Ehrfurcht, ob der Gewissheit der eigenen Unvollkommenheit und Inkompetenz, schweigend erstarrten Pöbels.

Auf internationaler Ebene gelingt es diesem Sport deshalb auch weit überwiegend, sich nahezu vollkommen meiner geschätzten Aufmerksamkeit zu entziehen - was deren Anhängern aller Wahrscheinlichkeit nach nur recht sein dürfte. Manchmal allerdings gelingt es den Protagonisten durch bemerkenswerte Initiative und vermutlich unter Auferbietung aller noch mühsam zusammenzusammelnder Kreativität, mir ein bewunderndes "Oha!" zu entlocken. Dieser seltene Verdienst gebührt heute dem griechischen Tretballverein PAOK Saloniki. Oder genauer: Dessen obersten größten Generaldirektor Präsidenten (vulgo: "Gott") Ivan Savvidis.

In der pittoresken Küstenortschaft Thessaloniki verabredeten und begegneten sich der ebendort beheimatete Verein PAOK Saloniki und, als illustere Gäste, der AEK Athen, im Rahmen einer sportlich-possierlichen Festivität, die wohl "Meisterschaft" geheißen, aber nicht von eben solchen ausgetragen wird, sondern deren Sinn mich zu sein deucht, eben jenen zu finden und zu kören, Verzeihung zu küren.

Angesichts einer wohl nicht gerade auf allumfassende Zustimmung treffenden Entscheidung zuvor genannter Entscheidungsträger auf dem Spielfelde, sah sich Gott Savvadis motiviert, den geheiligten Rasen zu betreten und in der im Rahmen dieses Sports gewohnten Zurückhaltung Widerspruch anzudeuten. Sich des Frevels dieses Verhaltens bewusst sahen sich Leibgarde und andere Bedienstete seiner Gottheit dringend motiviert, den so handelnden um Zurückhaltung zu bitten, was dieser, im Bewusstsein seines Status und insbesondere des seine Lenden gürtenden Revolvers natürlich völlig anders sah. Nur dem beherzten körperlichen Einsatz der Entourage dieser Gottheit scheint es zu verdanken zu sein, dass der erzürnte Gott nicht zu eben jenem Gerät göttlicher Macht griff und seinem Unwillen final Ausdruck verlieh und Entscheidungsträger wie Sportler vor Ort kraft göttlicher Weisheit und Allmacht niederzustrecken, wie es vielleicht in seiner Heimat noch heute, wie schon zu Zeiten der Azteken, etablierter Brauch sein könnte (so ganz sicher ist man sich da ja nie.)

Man begab sich ob des Vorfalls und des offen zur Schau gestellten Werkzeugs göttlicher Macht und des ausdrücklichen Willens ebendiesen einzusetzen geordnet in die Kabinen und beschloss, das Spiel vorerst nicht weiter fortzusetzen. Durch derart vorgetragene Missbilligung angeregt, entschlossen sich die Entscheidungsträger das gefällt Urteil erneut zu überdenken und widerriefen zugunsten des Vereins des erzürnten Gottes. Alas, dieses Entschlusses gewahr werdend, verwehrten die Gäste die Fortsetzung der Partie und erzwangen so das vorzeitige Ende der Begegnung, über die nun an höherer Stelle entschieden werden wird.

Nun könnte man ja sagen "okay, lustige Posse", aber ganz so "lustig" empfinden das die Kräfte, die da wirklich Macht haben in Griechenland, offenbar nicht. Ministerpräsident Alexis Tsipras traf sich mit dem stellvertretenden Minister für Sport, Georgios Vassiliadis, und ließ jenen verkünden, dass jetzt Schluss sei mit lustig. In der (sogenannten) Superliga Griechenlands wird es vorerst keine weiteren Spiele mehr geben, bis dieser Vorfall mit allen Beteiligten geklärt wurde. Übertragen auf unser Land hieße das wohl: Ende der Bundesligasaison auf Anordnung von Chef-Chef-Chef, aka: Mutti M.

Nun könnte man auch hier denken, "Okay, die treffen sich und dann geht das irgendwann weiter..." aber offenbar hegt man dort in Griechenland recht konkrete Vorstellungen, was unter "klären" zu verstehen ist: Ivan Savvidis wird mit Haftbefehl gesucht und gilt seit diesem Abend als "auf der Flucht". Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Ebenso unbekannt ist, ob sein Präsident - V. Putin - in irgendeiner Form involviert ist.

Mal ganz abgesehen von der naheliegenden Frage, wieso der sich vom Acker machen konnte. Ich mein, die grundsätzliche Idee ist ja vielleicht gar nicht so verkehrt und würde sehr schnell zu einer (von mir nicht unbedingt mit Abneigung betrachteten) evolutionären Bereinigung des Genpools führen, aber ich würde es dann doch vorziehen, wenn dann da alle Waffen tragen dürften. Aber vermutlich gilt das wieder als reaktionär oder extrem oder was weiß ich.

Dienstag, 16. März 2010

Politik und Waffen

Am 11. März 2009 lief in Winnenden ein ehemaliger Schüler Amok und tötete zahlreiche Menschen. Die Details sind hinreichend bekannt. In der Folge wurde viel darüber spekuliert, wo die Ursachen und Gründe für die schreckliche Tat zu suchen wären. Schnell waren zwei Schuldige ausgemacht: Computerspiele - speziell "Egoshooter" - und Sportschützen und deren Vereine.

Während wissenschaftlich inzwischen so dermaßen überdeutlich nachgewiesen wurde, dass es kaum einen unmittelbar nachweisbaren Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewaltverbrechen gibt, verstummte das an blinden Aktionismus und reine Symbolpolitik erinnernde Geschrei. Unvergessen bleiben aber die Forderungen nach einem Herstellungsverbot, bei dem besonders die CDU/CSU war weit vorne mit dabei war. Einer der ersten, die ein Herstellungsverbot forderten, waren der bayrische Innenminister Joachim Hermann (CSU) und sein Amtskollege aus Niedersachsen, Uwe Schünemann (CDU).

Nachdem auch dem letzten Hinterbänkler klar gemacht wurde, dass man sich mit der Behauptung wohl doch jenseits des irgendwie rational Belegbaren bewegte und sich außerdem abzeichnete, dass man dabei war, es sich mit einer gewaltigen Anzahl heranwachsender Neuwähler zu verscherzen, ließ man das Thema unter den Tisch fallen und wandte sich den anderen Schuldigen zu - den Sportschützen. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Das Waffengesetz wurde in Deutschland drastisch verschärft und einige Ansätze wirken zumindest auf mich etwas haarsträubend. Allerdings - und das ist der entscheidende Punkt - gerade die Verschärfungen um den Schützensport wurden und werden von Unionspolitikern deutlich als Erfolg für die Sicherheit hervorgehoben. Der aus der CDU stammende Bundespräsident Köhler forderte anlässlich des Jahrestages der Katastrophe von Winnenden sogar, dass das Waffengesetz noch weiter verschärft werden müsse.

Man sollte also glauben, dass die CDU dem Thema Waffen in privater Hand nicht eben positiv gegenüber steht. Ich betone das "in privater Hand" absichtlich, denn dem Handel mit Waffen im internationalen Rahmen ist die CDU nicht abgeneigt, wie die Zunahme des Exports militärischer Rüstungsexporte zeigt. Nein, auf SIRPI beziehe ich mich nicht, denn ich halte es für fraglich, ob die Zahlen aus Schweden zutreffend sind, denn: In den Jahren 2005 bis 2008 wurden insgesamt Einzelgenehmigungen für Rüstungsgüter in Höhe von 17,7 Mrd. Euro erteilt, zwischen 2001 und 2004 waren es Genehmigungen für 15,5 Mrd. Euro. Das jedenfalls sind die offiziell vorliegenden Zahlen. Die Zahlen für das Jahr 2009 sind noch nicht bekannt. Wie man bei einer Zunahme von rund 2,2 Mrd. Euro von einer "Verdoppelung" sprechen kann, ist mir nicht ganz klar, aber vielleicht erklärt es mir ja noch jemand.

Egal. Wir waren bei den Sportschützen. Die Union jedenfalls hat mehr oder weniger beschlossen den Bundesbürger zu entwaffnen. Der Umgang mit Waffen ist ja auch per se schlecht. Finden manche jedenfalls. Und verkünden das dann auch lautstark und pressewirksam. Siehe Präsident Köhler. Allerdings ist man sich bei der Union wohl nicht ganz so einig darüber, ob das wirklich so eine gute Idee war mit dem Waffenrecht, denn Wolfgang Bosbach (CDU) stellte ebenfalls anlässlich des Jahrestages fest, dass eine weitere Verschärfung des Waffenrechtes nicht angesagt sei. Darüber kann man nun denken wie man will.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang jedoch, wie man bei der CDU und der Jungen Union über das Thema denkt. In Lahnau nahmen die nämlich am 08.03. am sogenannten Ortspokalschießen der Schützengemeinschaft Lahnau 1966 e.V. teil. Dort rühmt man sich insbesondere, dass an dieser jedes Jahr im Frühjahr stattfindenden Veranstaltung insbesondere Ortsvereine, Gruppen, Firmenbelegschaften, Clubs, Stammtische, und natürlich auch Schulklassen teilnehmen können.

Immerhin verkniff man es sich die Veranstaltung "Jubiläumsschießen" zu nennen...

Freitag, 27. Juni 2008

I just love...

Nicht erst seit der jüngsten Rechtsprechung des obersten Gerichtshofes der USA dürfte Werbung wie diese hier nicht nur bei mir für Stirnrunzeln sorgen:

Donnerstag, 20. März 2008

Fangspiele

Immer häufiger werden Rufe laut, die von staatlichen Sicherheitsbehörden den Einsatz nicht tödlicher Waffen verlangen. An vielen Orten wird deshalb mit allerlei Gerät experimentiert, das in erster Linie einen Gegner außer Gefecht setzen soll, ohne ihn zu töten. Im Westen, insbesondere in den USA, setzt man dabei vornehmlich auf Strom und ist deshalb ganz begeistert von sogenannten Tasern. In Gegenden jedoch, in denen Batterien eher nicht zu bekommen sind und Strom generell noch als genauso neumodischer Unfug gilt wie Menschenrechte, setzt man auf eher klassische Ansätze.

Aus China kommt Net 2000. Ein "Gerät" in Form einer Taschenlampe, das ein weitmaschiges Netz aus hochfestem Nylon verschießt, in dem sich das Opfer verstrickt. Verschossen wird das knapp 16 Quadratmeter große Netz mithilfe von Druckluft oder eine CO2 Patrone über drei bis acht Meter. Das mag nicht besonders weit sein, reicht aber, um dem Gegner einige Probleme zu bereiten, wie das folgende Video eindrucksvoll zeigt:

Wer Interesse daran hat, eine solche "Taschenlampe" zu erwerben, mit der sich Dissidenten, Bügerrechtler, Demonstranten und andere Organspender problemlos einfangen lassen, der kann dieses handliche Gerät für den Spottpreis von umgerechnet nur noch knapp 270 Euro (plus Porto und so) erwerben, sofern man den lokalen gesetzlichen Anforderungen entspricht oder aber solchen Problemen aus dem Weg geht, indem man selber der Staat ist.

Mittwoch, 12. März 2008

Sachen gibts... (179)

Manche Prototypen, die auf Messen vorgestellt werden, machen mich sehr nachdenklich. Dazu gehört insbesondere das, was die Firma Magpul neulich auf der "Shotshow 2008" zeigte:

Donnerstag, 29. November 2007

Sachen gibts... (158)

Meine Faszination für schräge Werbung wird jedes Jahr wieder auf die Probe gestellt, wenn Weihnachten vor der Tür zu stehen droht. Dieses Jahr bewarb sich spontan die Firma Taser um einen Listenplatz. Taser, bekannter Hersteller hochwirksamer Elektroschockwaffen, hält es zum Fest der Liebe für unabdingbar, dass jeder Haushalt mindestens eines ihrer Produkte bereithält. Der naheliegende Anwendungszweck? Easy! Ersetzt die Rute von Knecht Ruprecht gegen ein State of the Art Gadget, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt! Darum muss jeder unbedingt einen Taser C2 kaufen. Oder so ähnlich.

In Deutschland allerdings wohl verboten, aber davon abgesehen wären die Geräte für umgerechnet rund 240 Euro (plus Porto und so weiter) in stylischem pink, blau und schwarz zu bestellen.

Frohe Weihnachten!

Donnerstag, 18. Oktober 2007

AK47 - Ein Werkzeug der Politik?

Al Jazeera kennen die meisten von uns vor allen Dingen wegen der Videos und Berichte von und über al-Qaida. Wenige wissen, dass dieser Sender hervorragende Journalistische Arbeit betreibt und auch durchaus interessante Dokumentationen produziert, wie zum Beispiel diesen Zweiteiler über die AK47 und deren Bedeutung für die Weltpolitik:



Freitag, 6. Juli 2007

Amok?

Revolver Colt - WikipediaIn der Pfalz hat heute Morgen ein junger Mann vor einer Berufsschule eine junge Frau angeschossen. Er floh dann vom Tatort, konnte aber nach wenigen Minuten von der polizei gestellt werden. Bevor die Beamten jedoch eingreifen konnten, erschoß sich der Mann. Motiv und Hintergründe der Tat sind laut einer Sprecherin der Polizei völlig unklar.

Was heißt hier "unklar"? Schule, Schußwaffe und jemand verletzt? Ist doch klar: Amoklauf! Counter Strike! Killerspiele!

(Quelle: AP)

Samstag, 23. Juni 2007

Ursachenforschung

Die Amokläufe an den Schulen in den USA sind hierzulande zwar nicht ganz so sehr präsent, wie auf der anderen Seite der großen Badewanne, dennoch erinnert man sich an Namen wie "Columbine" und "Virginia Tech". In den USA lösten diese Gewalttaten umfangreiche Diskussionen darüber aus, ob eventuell das US-Amerikanische Waffenrecht ein maßgebliches Problem im Zusammenhang mit diesen Taten gewesen sein könnte.

Natürlich nicht! Wie kann man sowas auch nur eine Sekunde glauben! John Travolta, eines der prominenten Mitglieder der Church of Scientology, die an eine sehr konsistente und überzeugende Vorstellung glauben, klärte die Welt darüber auf, was die tatsächlichen Gründe für diese Taten sind.
"I still think that if you analyze most of the school shootings, it is not gun control. It is [psychotropic] drugs at the bottom of it."
Gut zu wissen.

(Quelle: NYPost)

Sonntag, 22. April 2007

Wunsch und Wirklichkeit

Revolver Colt - WikipediaSicher dreht manche Männerfantasie bei der Vorstellung auf Hochtouren, von einer Schönheitskönigin mit vorgehaltener Waffe dazu aufgefordert zu werden, stehen zu bleiben. Ob das allerdings auch für den Mann galt, der sich im Schuppen von Venus Ramey umtaten, sei mal dahingestellt. Als ihr Hund anschlug und zu dem Schuppen lief, aus dem erst kürzlich Diebe landwirtschaftliches Gerät entwendet hatte, entschloss sich die Miss America von 1944 der Sache auf den Grund zu gehen.

Mit ihrem Kaliber .38 Revolver in der Tasche stelzte die inzwischen 82jährige mit ihrer Gehhilfe zum Schuppen und stellte dort einen Mann, der gerade wieder in seinen Wagen steigen wollte. Als sie ihn stellte, hätte der Mann zu ihr gesagt, dass er jetzt gehen werde. Venus - ganz im Stile amerikanischer Helden - entgegnete:
"Oh, no you won't!"
Sie zog den Revolver, balancierte auf ihrer Gehhilfe, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und zerschoß die Reifen des Wagens, mit dem der Eindringling flüchten wollte. Danach winkte sie einen vorbeifahrenden Kraftfahrer heran, der die Polizei rief.

Der Eindringling wurde verhaftet.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier auf eine sehr perfiede Art und Weise ein Traum in Erfüllung ging. Es geschah exakt das, was mancher schon lange fantasierte, nur eben exakt nicht so, wie er sich das vorstellte...

(Quelle: AP)

Freitag, 23. Februar 2007

Affentheater

SchimpanseGerne wird uns Männern unterstellt, dass wir quasi Schuld sind an all den Kriegen und der Zerstörung und so weiter und ddie Frauen nehmen für sich gerne in Anspruch, dass sie ja das Gute sind, diejenigen, die das Leben hervorbringen und so weiter. Das Bild, dass Männer kaputtmachen, während Frauen erschaffen, wird deshalb gerne in allerlei Auseinandersetzungen der Geschlechter herangezogen, besonders mit dem Ziel "den Mann" insgesamt als brutal und destruktiv zu diffamieren.

Liebe Emanzen, es tut der Wissenschaft unendlich leid festgestellt zu haben, dass Waffen wahrscheinlich eine Erfindung von Frauen sind. Britische und US-Amerikanische Antrophologen haben bei Schimpansen im Senegal beobachtet, dass sich die Weibchen aus Stöcken Waffen bastelten, um erfolgreich sich in ihren Baumhöhlen versteckende Buschbabys jagen und töten zu können. Die Professorin Jill Pruetz der Iowa State University und leitende Wissenschaftlerin der Studie sagte zum Verhalten, sich aus Stöcken Waffen bastelten, um Beute zu erlegen:
"Das ist kein männliches Verhalten."
Womit dann wohl die nächste Runde eingeläutet wäre im Kampf um die Antwort auf die Frage "Wer ist der bessere Mensch?"

Montag, 19. Februar 2007

USA und Spielzeug

No Dildo UsaDie USA sind für uns hier im fernen Deutschland in vielerlei Hinsicht ein Mysterium. Wir verstehen zwar, dass Menschen eine gewisse Paranoia entwickeln können und dass sie deshalb irrsinnige Dinge tun - solche Exemplare haben wir auch hierzulande, teilweise vielleicht sogar in der Politik auf Bundesebene - aber in mancherlei Hinsicht sind die USA für uns so verständlich und nachvollziehbar, wie Aliens von anderen Planeten.

Ein Aspekt, den ich für meinen Teil nie nachvollziehen können werde, ist der Fetisch dieses Volkes für Waffen aller Art. Wohl kein zweites Volk auf dieser Erde hat so eine ausgeprägte Gier nach allem, was irgendwie schießt und wohl niemand verteidigt dieses - je nach dem, wen man fragt - "Gott gegebene" Recht auf Waffenbesitz so verbissen, wie die Einwohner der USA. Gleichzeitig legt dasselbe Volk nach außen hin eine schon fast krankhaft phobische Abneigung für alles an den Tag, was irgendwie mit Sexualität zu tun hat. Nach außen, wohlbemerkt, denn diesses Volk ist gleichzeitig der weltweit führende Produzent und Konsument von Pornographie. Jeglicher Form derselben, also auch solcher mit Tieren und Kindern (Man erinnert sich an die verschiedenen Skandale von Kirchenfunktionären in den USA mit ihren "Meßdienern"?)

In diesem Land ist es in mindestens einem Bundesstaat geltendes Recht, dass der Verkauf von Sexspielzeug illegal ist.

In Atlanta hat der 11th U.S. Circuit Court of Appeals ein Gesetz aus Alabhama bestätigt, das den gewerblichen Verkauf von Sexspielzeugen untersagt. Festgestellt wurde, dass es kein fundamentales Recht gäbe, dass diesem Gesetz entgegen stünde. Entsprechend dieses Gesetzes ist es jeder Person verboten, wissentlich irgendwelche obszönen Materialien oder Geräte zu verkaufen, die primär dafür designed oder vertrieben werden, menschliche Geschlechtsteile zu stimulieren.

Ohne jetzt auf die Details der US-Amerikanischen Rechtsprechung und Gesetzgebung eingehen zu wollen. Samma, hackts? Ausgerechnet in ATLANTA(!) wird entschieden, dass man sich beliebig große Ballermänner kaufen darf, seine Kinder auf Schießbahnen schleppen und denen beizubringen, wie man auf andere Menschen schießt, es aber illegal ist, sich ordentlich einen zu schrubben und dabei eventuell auf das eine oder andere interessante Spielzeug der Erotikindustrie zurückzugreifen? Sacht mal, was ist in Eurem Trinkwasser?

Die Ärzte hatten da mal eine Textzeile, die mir spontan wieder einfällt:
"Weil Du Schiß vorm Schmusen hast..."
Ach und wo wir gerade bei "eigenartige Ansichten" sind. Es gibt Leute, die sind davon überzeugt, dass die Erde bewegungslos im Raum steht. Diese Leute sind davon überzeugt, dass sich die Erde nicht um die eigene Achse dreht und sie sind auch davon überzeugt, dass sich die Erde nicht um die Sonne herum bewegt. Kurz gesagt: Sie halten die fundamentale Erkenntnis des heliozentrischen Weltbilds des Kopernikus für ausgemachten Humbug, nach dem die Sonne den Mittelpunkt des Sonnensystems bildet. Und nicht nur das. Sie sind davon überzeugt, dass eben dieser Kopernikus Teil einer jüdischen Verschwörung war, das Alte Testament unglaubwürdig zu machen. Wen wundert es, dass solche Leute in den USA nicht nur in aller Öffentlichkeit unterwegs sind, sondern auch eine prominente Website betreiben? Wohl niemanden.

In Texas wiederum, da gibt es die Republikanische Partei. Das ist diejenige Partei, aus der ein George Walker Bush emporgekommen ist, der seine Regierung und seine Entscheidungen nicht zuletzt auf den christlichen Gott der Bibel zurückführt. Der Vorsitzende des Texas House Appropriations Committee (für uns Unwissende: Das ist das mächtigste Entscheidungsgremium im texanischen Repräsentantenhaus), Warren Chisum, eben genau diesen geozentrischen Glauben verbreitet.

Ach ja, wer nicht drauf kommt, die Textzeile von vorhin ist aus folgendem Song:

Amerika, mir graut vor Dir.

(Quelle: XBiz, Daily Kos, Danke messju)

Dienstag, 13. Februar 2007

Internationaler Handel

Steyr HS 50Die Amerikaner geben sich zur Zeit viel Mühe, die Medien "hintenrum" für einen Krieg gegen den Iran Einzustimmen. Seriennummern auf irgendwelchem Equipment, angeblich mit Aufständischen im Irak kollaborierende Diplomaten, Angriffe iranischer Luftwaffe auf kurdische Siedlungen, antisemitische Konferenzen im Iran... Die Liste ist lang. Hinzu kommt seit heute, dass angeblich vom Iran in Österreich gekaufte Präzisionsgewehre (Steyr HS 50) bei den Aufständischen im Irak gefunden wurden. Ebenso angeblich wurden mit diesen Waffen aus österreichischer Produktion Soldaten der US-Armee getötet.

"Angeblich". Einerseits wird gegenüber den Medien behauptet, die Waffe würde 15.000 US$ pro Stück kosten - tatsächlich wird sie aber zum Teil schon für unter 5.000 US$ gehandelt. Andererseits ist es "üblich", dass bei Funden "umstrittener" Waffen die Seriennummern beim Hersteller abgefragt werden, um die Herkunft zu klären. Das ist allerdings nach Angaben der Firma Steyr bis heute nicht geschehen, weshalb man bei Steyr von Fälschungen ausgeht.

Sicher ist, dass die Waffenschmiede aus Österreich wohl einen ganzen Schwung solcher Gewehre in den Iran verkauft und auch geliefert hat und sicher ist auch, dass die USA das überhaupt nicht witzig fanden. Ebenso sicher ist auch, dass das "Barrett" M82A1/M107 aus US-amerikanischer Produktion als "Exportschlager" gilt und momentan nicht mehr so ohne Weiteres aus den USA ins Ausland verkauft werden darf. Auch sicher ist, dass die US-Rüstungsindustrie auf jeden internationalen Konkurrenten überaus eifersüchtig ist und wenig scheu vor beliebigen Methoden hat, den entweder aus dem Markt zu drängen oder aufzukaufen. Fraglich ist, wer da jetzt was gefälscht hat.

Irgendwie bleibt da ein sehr eigenartiger Beigeschmack zurück.

(Quelle: Süddeutsche)

Donnerstag, 8. Februar 2007

Good Thing

armed americaDer Fotograph Kyle Cassidy hat US-Amerikaner bei sich zu Hause mit ihren Waffen fotografiert. Die Bilder mit den Schlüsselsätzen dazu, warum die Besitzer Waffen besitzen, sind auf der Website "ArmedAmerica.org" zusammengetragen. Bilder und Texte zusammen erzeugen eine Wirkung, bei der ich nicht weiß, wie ich reagieren soll. "I just think it's a good thing to have" als Begründung dafür, um eine Bushmaster CAR-15 zu Hause zu haben, ist mehr als ausreichend, um mir einige Sorgen zu bereiten.

(Danke Fragman)

Freitag, 5. Januar 2007

Verteidigung von These und Weltanschauung

Im ARD-Magazin Kontraste wurde vor einiger Zeit im Rahmen der medialen Aufbereitung des zweiten bisher überhaupt bekanntgewordenen Amoklaufes an Schulen in Deutschland über den Zusammenhang zwischen Computerspielen, insbesondere Ego-Shooter wie Counter-Strike, Battlefield, Halflife und ähnliche und der Bluttat berichtet. Nach Ansicht des Magazins Kontraste besteht überhaupt kein Zweifel an dem Kausalzusammenhang und die ARD sieht es als wissenschaftlich statistisch bewiesen an, dass die Computerspiele mit (vorsichtig formuliert) gewalttätigem Inhalt auslöser für diese Tat waren.

In Anbetracht der Masse der Zuschriften verschickt die ARD computergenerierte Emails, in denen sehr eloquent zu den Vorwürfen Stellung genommen wird:

Sehr geehrter Herr Bxxxxxx.,

aufgrund der Vielzahl von Zuschriften, die wir zum Thema "Gewalttätige Computerspiele" erhalten haben, ist es uns leider nicht möglich, auf jede Zuschrift einzeln einzugehen. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis!

Es ist den Autoren aber wichtig, folgende Punkte herauszustellen.

Hauptthese des Stückes war und ist:

"Gewalttätige Computerspiele machen brutal und dumm, und zwar um so mehr, um so jünger der Spieler ist, um so gewalttätiger die Spiele sind, um so länger die Spielzeit pro Tag ist."

Computerspiele sind ein Faktor unter anderen, aber ein klar messbarer und höchst signifikanter Faktor. Der Zusammenhang ist ein statistischer - wie beim Lungenkrebsrisiko durch Rauchen. Alle wissen, dass Rauchen das Lungenkrebsrisiko erhöht. Und alle kennen die Geschichte vom 80-jährigen Kettenraucher, der vom LKW überfahren wurde und vom 30-jährigen Nichtraucher, der an Lungenkrebs stirbt. Aber in der Masse ist es nicht zu leugnen, dass Rauchen das Lungenkrebsrisiko fördert. All die empörten Spieler von Killerspielen, die sich selbst in Ihren E-mails Friedlichkeit und Intelligenz attestierten (und so meinten, den Beitrag ad absurdum geführt zu haben), dürfen sich also als den statistischen Ausreißer betrachten. Das gilt natürlich insbesondere für jene, die ohne valide Argumente vorzubringen, uns schlechte Recherche, unseriöse Berichterstattung, geistige Armut, Verschleuderung von Gebühren etc vorwerfen. Exemplarisches Zitat: "Ihr seid so welche Spacken. Dümmer gehts nicht" "Ihr seid doch alles spasten ihr hundesöhne. Fickt euch." (Fehler aus dem Original übernommen)

Unsere Experten sind keine Pseudo-Experten, die Studien keine Chimären, auch wenn viele E-mail-Schreiber deren Existenz nicht wahrhaben wollen. Für alle Interessierten, insbesondere für all die Intelligenzbestien, die Killerspiele völlig harmlos finden, sei empfohlen, einen Blick in die Originalstudien zu werfen:

Studie der Gutenberg-Kommission nach dem Amoklauf in Erfurt:

http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta_media/ta.KomGut.pdf

Überblick über die vielen Studien zur o. a. Hauptthese:

http://www.mediengewalt.de/forschung/forschung-computerspiele.shtml

Sehr interessant hier die Interpretation der Studien durch die Produktionsfirma Electronic Arts ("Der Pate"), hier dürften sich einige E-mail-Schreiber wieder finden.

Ganz besonders lesenswert ist die Metastudie von Kunczik und Zipfel:

http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-
gewalt-befunde-der-forschung-sachbericht-langfassung,property= pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf


Zu einigen Gegenargumenten:

http://www.merz-zeitschrift.de/detail.php?beitrag_id=150

Und schließlich als Anhang die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen "Mediennutzung, Schulerfolg, Jugendgewalt und die Krise der Jungen"

Viel Spaß bei der Lektüre, wünscht

Sxxxxxx Mxxxxxx
ARD-KONTRASTE


Das kann man so erst einmal sacken lassen. Die These ist klar herausgestellt und damit hinterfragbar. Als Belege werden die "Experten" angeführt, nur worin deren Expertise besteht, bleibt im Dunkeln.

Bemerkenswert sind mehrere in der Antwort zu findende Aussagen. Wer sich als "nicht gewalttätige Ausnahme" anführt, ist die Ausnahme. Selbst wenn sich von den rund 83 Millionen Bundesbürgern 82 Millionen als "nicht gewalttätig" melden würden, wären sie nach Ansicht des Magazins "Ausnahmen". Warum es dann erst ganze zwei Amokläufe gab ist eine Frage, die den Autoren des Magazinbeitrags offenbar nicht in den Sinn gekommen ist oder aber bewusst ignoriert wurde. Man darf spekulieren. Aber merke: Ausnahme ist, was nicht die eigene These bestätigt.

Die angeführten Thesen und Studien - der "Bericht der Kommission Gutenberg-Gymnasium" ist nicht in dem Sinne eine Studie, sondern eben genau das: ein Bericht, eine subjektive Einschätzung mit Thesen der Berichtenden - kommen eben nicht übereinstimmend und auch nicht weit überwiegend und schon gar nicht eindeutig zu dem wissenschaftlich fundiertem Ergebnis, dass Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten auf jeden Fall Auslöser für gewalttätiges Verhalten sind. Zwar wird überwiegend die Möglichkeit eines solchen Verhaltens als Resultat postuliert und die Amokläufe werde als möglicher Beweis solcher Thesen angeführt, ein empirischer Beleg ist dies jedoch nicht unbedingt. Je nach "Studie" wird das auch mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es lediglich um ein Postulat geht und ein Beweis dafür noch zu erbringen wäre.

Interessant, dass die Vielzahl der gegenteilig lautenden Studien nicht erwähnt werden, sondern unter "einige Gegenargumente" zusammengefasst werden.

Auch wenn es die ARD und insbesondere das Magazin "Kontraste" noch so gerne möchte: Hier wird populistische Panikmache betrieben. Seriöse Berichterstattung, insbesondere bei einem in der Erforschung befindlichen Themengebiet sollte anders gehen, aber das lernt man eben nur, wenn man lernt, wissenschaftlich zu arbeiten. Damit allerdings lässt sich in den Medien weder Geld noch Ruhm verdienen, denn wie "toll" wäre ein reißerischer Bericht über die Brutalität der Computerspiele, der im selben Atemzug der Verteufelung zugeben muss, dass diese These nicht nur unbewiesen, sondern wissenschaftlich sogar überwiegend widerlegt ist?

Ein paar Meinungen, Thesen, Ansichten, Studien und so weiter zu den durch die ARD verteidigten Thesen sind hier aufgeführt: Studie "Spielplatz Deutschland", "Essential Facts about the computer and video games industry 2006", "Computer machen schlau", "Die verkannten Genies", "Kinder und Computer", "Medienpaket", "Kinder, Freizeit und Computer", "Führen Computernetze in die Vereinsamung?", "Identitätsentwicklung unter dem Einfluss neuer Kommunikationstechnologien - Chance oder Gefahr?", "Einsame neue Welt? Einsamkeitsmythos und Alltagspraxis - kulturwissenschaftliche Anmerkungen zur Internetnutzung", "Medien machen krank ?!", "Maßvolles Computer spielen fördert Intelligenz", "Neuere Entwicklungen der Internetnutzung Jugendlicher – Eine empirische Untersuchung am Beispiel ihrer gesellschaftspolitischen Interessen", "Lebenslagen junger Menschen heute", "Kinder und Computer", "Persönlichkeitseinstellungen und Computernutzung bei Studentinnen und Studenten", "MUS-Spezial".

(Quelle: PC Games. Danke Gex!)

Freitag, 22. Dezember 2006

Diskussionshilfe

In Hamburg - so behauptet ja das Fernsehn hin und wieder - ist das mit den bösen Jungs immer so eine Sache. Der Normalsterbliche ist bereit das sofort zu glauben, denn immerhin gibt es da die Reperbahn und so und da muss ja ein Tummelplatz des Verbrechens sein. Das könnte auch erklären, wie es dazu kam, dass ein 64jähriger Kunde nach seinem Besuch in einem Autohaus festgenommen wurde.

Der Mann hatte sich nämlich nach guter norddeutscher Art im Klartext mit den Angestellten über die Modalitäten der Reparaturarbeiten an seinem Wagen unterhalten. Und damit der 44 Jahre alte Juniorchef und der ebenfalls anwesende, 34 Jahre alte, Angestellte auch wirklich den ernst der Lage und die Bedeutung der Argumente verstehen, packte der Mann dann auch seine mitgebrachte Maschinenpistole aus und schoß ein paar Mal freundlich auf Juniorchef und den Angestellten.

Juniorchef und Angestellter konnten sich durch Sprung aus dem Fenster im ersten Stock bzw. die Flucht durch das Treppenhaus in Sicherheit bringen. Unverletzt, wie es heißt. Zwar war der ältere Herr mit Maschinenpistole jetzt seiner Gesprächspartner beraubt, aber er hielt seine Argumente wohl für deutlich genug vorgetragen. Darum legte er die Maschinenpistole auf den Tresen - wohl zur Erinnerung - und ging. Draußen wartete auch schon die Polizei auf ihn, von der er sich denn auch festnehmen ließ.

Der Polizei ist nicht bekannt, woher der Mann die Maschinenpistole hat, allerdings bin ich mir sicher, dass sich das noch aufklären wird: "Gabs am Bahnhof für n Fuffi" oder so. Vielleicht auch am Hafen. Allerdings findet die Polizei die Argumentation des älteren Herren wenig amüsant und deshalb ermittelt jetzt die Mordkommission wegen Tötungsabsicht:
"Wenn ich zu einem Schlichtungsgespräch gehe, nehme ich doch keine Maschinenpistole mit."
Naja, anderswo bestimmt, aber in Hamburg...

(Quelle: N24)

Dienstag, 12. Dezember 2006

Finde den Fehler

Polizistin USA M4
Na? Wer findet den Fehler?

(Danke, Fragman)

Sonntag, 10. Dezember 2006

Streit ums Urheberrecht

Ambulance Shooting Krankenwagen SchiessereiSeit der Geschichte mit SCO und Linux und so weiter, spätestens aber seit der Angelegenheit in Sachen Musik und Filme wissen wir, dass manche Menschen weder Skrupel, noch gesunden Menschenverstand an den Tag legen, sofern es um das wichtigste auf dieser Welt geht. Nicht etwa um Liebe, sondern um "Interlectual Property" oder eben Urheberrechte, Patente und so weiter. Dank der Industrie haben wir ja inzwischen gelernt, dass man ruhig die Oma vor den Bus schubsen darf und es auch nicht so schlimm ist, wenn man mit Ballermann in der Bank betteln geht, aber wehe man vergreift sich an den Urheberrechten! Dann ist Achterbahn!

Diese Erfahrung machten auch eine Reihe Menschen in Chicago. Dort hatte sich Joe J., 59, ziemlich darüber aufgeregt, wie man mit seiner Erfindung - Toilettensitze für Lkw - und den dazugehörigen Patenten umging, dass er ziemlich entschlossen die auf Patentrecht spezialisierte Anwaltskanzlei aufsuchte, die sich mit seiner Sache befasste.

Bewaffnet.

Den Wachman überredete er mit seinem Revolver, ihn doch eben mit in die Büroräume der Kanzlei im 38. Stock zu begleiten. Dort verschaffte er sich Gehör, in dem er auf althergebrachte Weise argumentierte: Er schoß um sich, wie man das eben so macht, wenn man seinen Standpunkt verdeutlichen will.

Und er traf. Mehrfach. Insgesamt drei Menschen erlagen seinen Angriffen und weitere wurden verletzt. Als er eine Geisel mit der Waffe bedrohte und nachgeladen hatte, wurde Joe J. von der Polizei aus knapp 50 Metern Entfernung ohne Verhandlungen oder Gespräche erschossen. Die Geisel blieb unverletzt.

Was lernen wir daraus? Privatleute haben zwar meistens nicht so die tolle Kohle, um sich tolle Gerichtsverfahren zu leisten, aber Privatleute wissen, wo andere Leute, die meinen, die Welt mit eben solchen tollen Gerichtsverfahren regieren zu können, wohnen und arbeiten. Und manchmal sind sie zu allem entschlossen. Manchmal sind Urheberrechte doch eben Angelegenheit, bei der es um Leben und Tod geht.

Meiner Meinung nach gibt es aber Dinge, die bei Weitem wichtiger sind. Ob das die "Macher" in der Industrie aber begreifen, halte ich für sehr sehr fraglich - bis sie auf jemanden stoßen, der es ihnen zeigt. Wie eben Joe J.

(Quelle: SFGate)

Montag, 30. Oktober 2006

Zahlenspiele (3)

Onkel George und seine Mannen geben sich alle Mühe im Irak für Ruhe und Frieden zu sorgen. Mit großem Eifer sind sie dabei auch jene Bereiche des Irak zu befrieden, die sich außerhalb der "sicheren Zonen" befinden. Militär und Polizei werden neu aufgebaut und ausgebildet und auch komplett neu ausgerüstet. Dazu gehören Fahrzeuge, Uniformen und verständlicher Weise auch Waffen. Genau bei denen scheint es aber ein kleines logistisches Problem zu geben.

Während der letzten drei Jahre wurden vom Pentagon Schusswaffen im Wert von rund 100 Millionen Euro eingekauft und in den Irak geliefert, um damit bis kommenden Dezember der irakischen Behörden 325.500 Mann auszurüsten. Irgendwie fehlen aber mehr als 14.000 Waffen, darunter Pistolen, Maschinengewehre und Granatwerfer, die aber eindeutig in den Irak geliefert wurden. Nur ob diese Lieferungen jemals bei den Sicherheitsbehörden ankamen, dass weiß man in den USA jetzt gerade nicht so ganz genau...

Das heißt dann wohl, dass die Party im Irak noch eine Weile weitergehen wird.

(Quelle N24)

Freitag, 11. August 2006

Sicherheit und Werbung

FTD - Polizist mit MP5 vor Big BenWer zur Zeit mit dem Flugzeug irgendwo hin will, der hat mal wieder so richtig seinen Spass. Im Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals hat die Polizei nach langen Ermittlungen nach Hinweisen, die von einem in Pakistan gefangen genommenen Terrorverdächtigen "erlangt" wurden, gestern den Londoner Flughafen Heathrow dicht gemacht und ca 20 Verdächtige inhaftiert.

Es sollten wohl mehrere Flugzeuge in mehreren "Wellen" in der Luft gesprengt werden. Dazu sollten Sprengsätze benutzt werden, die - anders als nach bisheriger Annahme der Behörden - nicht aus festen, sondern aus flüssigen Komponenten bestehen. Die Behörden zeigen sich international völlig überrascht, was vor allem eins zeigt: Die Behörden haben den Leuten, die wirklich Ahnung haben, bis heute überhaupt nicht zugehört. Sprengsätze mit flüssigen Komponenten sind in etwa so neu wie das Rad. Wer nach Vietnam behauptet sich nicht vorstellen zu können, was man mit flüssigen oder gasförmigen Sprengstoffen so alles anfangen kann, der hat von der Thematik wenig bis gar keine Ahnung und sollte dringend ein paar Nachhilfestunden in Wehrtechnik nehmen.

N24 - Bundespolizei mit MP5Auch in Deutschland geht nun die Debatte los, was man denn nun alles machen müsste und wie man das Fliegen sicherer machen könnte. Ultima Ratio: An Bord eines Flugzeuges dürfen nur noch Menschen. Gepäck wird mit separaten Fliegern transportiert. Selbst J. F. Kennedy wusste damals schon, was auch heute noch universelle Gültigkeit hat: Alles was es braucht, ist ein Mann mit dem festen Willen es zu tun.

Aber was ich - abgesehen von dem ganzen Gehabe um die Sicherheit - sehr viel interessanter finde, ist zweierlei. Einerseits die jetzt wieder hochkochend inhaltliche Debatte. Die Hardliner und Befürworter der Bush-Linie werden diesen Vorfall als Wasser auf ihre Mühlen benutzen und versuchen die Bürgerrechte einzuschränken, wo immer sie wollen. Das Argument der Terrorismusbekämpfung ist da die Freikarte für alles.

Ich bin gespannt, was da noch alles auf uns zu kommt. Auf Deutschland bezogen halte ich halte ich die Aufstockung von Bundespolizei und Bundeswehr, Ausweitung umfassender und dauerhafter Überwachungsmaßnahmen, Einführung bundesweiter und für alle Behörden zugreifbarer Datensammlungen ("gläserner Bürger") für absolut realistisch. Ebenso erwarte ich die Verschärfung verschiedener bestehender Gesetze und auch die Einführung einer ganzen Reihe neuer Regelungen. Insbesondere die Datenschutzregeln und auch die Auskunftsbefugnisse der Behörden untereinander werden sich bestimmt erheblich verändern.

Sueddeutsche - Polizisten mit G36Die zweite bemerkenswerte Sache im Zusammenhang mit der Aktion in London ist die in dieser Form unvergleichliche Werbeshow für deutsche Kleinwaffen. Durch alle Medien hindurch sind zur Zeit massenhaft Bilder der Firma Heckler und Koch zu sehen. Fast alle Modelle in allen denkbaren Ausstattungsvariationen werden mehr oder weniger prominent "im Einsatzumfeld" vorgestellt und präsentiert, weit vorne weg jedoch MP5 und G36. Trotz intensiver Suche fand ich nicht ein einziges Bild, auf dem Sicherheitskräfte andere als von der in Oberndorf beheimateten Firma produzierte Waffen in die Kamera hielten.

Wen verwundert da die Mitteilung, dass die deutsche Stahlschmiede für Spezialstähle ThyssenKrupp die Umsatzprognose erhöht und ob es irgendeinen Zusammenhang zwischen dem zur Zeit etwas darbendem Kurs der Heckler und Koch Anleihe und der übermäßigen Medienpräsenz gibt?