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Donnerstag, 28. Juni 2007

Gewalt, Spiele und Musik

Bund Deutscher Maedchen - Propagandafoto Drittes ReichEin Dauerbrenner in bestimmten, eher konservativen Teilen der Politik ist das Thema Computerspiele. Nachdrücklich und unter Heranziehung beliebiger Behauptungen - die sich nicht selten nicht nur nicht belegen lassen, sondern vielmehr allen bekannten Tatsachen widersprechen - wird versucht diese Produkte möglichst streng zu reglementieren. Insbesondere der USK, derjenigen Einrichtung, die die Alterseinstufung der Software vornimmt, wird regelmäßig aus diesen Kreisen vorgeworfen, sie würde schlampig arbeiten und viel zu viele Fehler produzieren. Die Angriffe gehen sogar soweit, dass man im Prinzip fordert die USK abzuschaffen und stattdessen besser geeignetere Stellen mit dieser Aufgabe zu befassen.

Es verwundert wohl niemanden, dass die "geeigneteren" Stellen unter direkter Kontrolle eben jener stehen, die ultimativ ein weitestgehendes Verbot jeglicher Form von Gewaltdarstellung in den Medien ganz allgemein und insbesondere in Computerspielen fordern. Besonders die Gewalttaten an Schulen werden gerne und mit Feuereifer denjenigen Computerspielen ursächlich angelastet, die sich in irgendeiner Form mit Gewalt befassen. Unrühmliche Glanzleistung des Beleges jeglichen Unwissens über die Materie der Verbotsbefürworter war wohl die Behauptung, dass "Final Fantasy VII" ein "Killerspiel" sei.

Jetzt schaltete sich auch der jedem bekannte und überaus populäre Kulturstaatsminister Bernd Neumann in die laufende Diskussion ein und bereicherte sie um einige Erkenntnisse. So unterstütze er die Vorstöße mancher Bundesländer, die Verbote fordern, sagte Neumann im Interview mit dem Magazin "Cicero". Er ist schon der Meinung, dass die "jetzige Gesetzgebung voll ausreichen" könnte, wenn "wirklich alle Verantwortung übernähmen". Das ist aber natürlich nicht der Fall und das belegt er daran, dass "zum Beispiel über menschenverachtende Killerspiele schon lange diskutiert" wird.

Aha. Lange Diskussionen sind also ein Zeichen mangelnden Verantwortungsbewusstseins. Soso. Über den Einsatz der Bundeswehr im Innern wird übrigens auch schon recht lange diskutiert und über mehr direkte Demokratie auch und über diverse Verfassungsänderungen wird auch schon seit einiger Zeit diskutiert und vom Einsatz der Bundeswehr im Ausland will ich gar nicht erst anfangen. Alles Zeichen mangelnden Verantwortungsbewusstseins? Interessante Sichtweise hat der Herr da, aber was verstehen wir denn schon davon?

Auch lässt der Herr Neumann völlig offen, was er denn so alles im Detail mit "Killerspielen" meint. Wahrscheinlich ist aber dieser Begriff irgendwo in den Unterlagen seines Ministeriums unzweideutig definiert und es ist nur eine Frage der Zeit, bevor diese unstrittige Definition uns allen zugänglich wird. Dann nämlich brauchen wir alle über diese Frage nicht mehr zu diskutieren, was denn so alles ein "Killerspiel" ist. Bliebe noch die von ihm ebenfalls offen gelassene Frage, wer denn eigentlich Verantwortung übernehmen soll. Die Industrie? Die Eltern? Die Spieler? Der Gesetzgeber? Und warum ausgerechnet die?

Immerhin: Herr Neumann hat eingesehen, dass Verbote alleine nicht viel bringen, denn "das Problem des unkontrollierten Medienkonsums von Kindern und Jugendlichen" wird man nach seiner Ansicht mit Verboten alleine nicht in den Griff bekommen. Na das lässt ja hoffen. Nun kommt aber der Klopper: Herr Neumann wünscht bei Livekonzerten sehr viel mehr direkte Kontrolle.
"Wenn ich so etwas im Fernsehen sähe, müssten die Gremien handeln - deren Möglichkeiten werden gar nicht voll ausgenutzt. Wer zulässt, dass diese Rapper öffentlich beispielsweise gewaltverherrlichende Texte zum Besten geben, nimmt seine Verantwortung nicht wahr."
Auch dazu braucht es nicht etwa neue Gesetze, "sondern des verantwortlichen Handelns, des allgemeinen Bewusstseins auch der Gesellschaft, die Gewalt und Sexismus demonstrativ ächten sollte". Er fordert, dass Intendanten und Veranstalter mehr Verantwortung übernehmen. Verantwortung wofür? Für die Inhalte, die Künstler zum Gegenstand ihrer Kunst machen? Was stand da noch in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes? "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei." Und was stand da noch im selben Artikel im Absatz 1? "Eine Zensur findet nicht statt."? Und jetzt sollen plötzlich Intendanten und Veranstalter verhindern, was bestimmten Politikern nicht in den Kram passt, weil denen das Eisen zu heiß ist? Wie bitte?! Sind wir wieder so weit, dass der Staat zwischen zulässiger und "entarteter" Kunst unterscheidet oder wie?

Neumann sieht ja auch einen direkten Zusammenhang mit der Gewaltbereitschaft der Schüler. Er sieht da unmittelbar die Jugendbehörden der Länder in der Pflicht, die hier regulierend eingreifen müssten - ob der Herr weiß, dass diese Behörden bereits unmittelbar bei der USK mit eingebunden sind? Und er ist auch der Meinung, dass die Medien, besonders die Computerspiele und Live-Konzerte "der" Auslöser für die Gewaltbereitschaft an Schulen sind?

Na super. Die Probleme der gewalttätigen Kinder und Jugendlichen liegen also nicht darin begründet, dass Kindern und Jugendlichen in vielen Fällen keine Werte, keine soziale Orientierung und auch kein verbindlicher sozialer Wertemaßstab mehr vermittelt werden. Es liegt auch nicht daran, dass aufgrund der Arbeitswelt der dauerhafte Kontakt zu den Eltern zu oft fehlt oder massiv gestört ist. Und es hat auch überhaupt keine Auswirkungen, dass in vielen Fällen keine Bezugsperson mehr da ist, die sich für die Erziehung verantwortlich fühlt (die Schulen wehren sich ja mit Händen und Füßen gegen jeglichen Anschein eines staatlichen oder gesellschaftlichen Erziehungsauftrages.) Es liegt auch nicht daran, dass den Kindern und Jugendlichen in vielen sozialen Brennpunkten keinerlei Perspektive vermittelt wird und sich Gewalt in deren Realität als probates und funktionierendes Mittel bewährt hat.

Hitlerjugend marschiert mit Fahnen - Propagandafoto Drittes ReichVielleicht sollte der Herr Kulturstaatsminister dann doch besser heute als morgen unser neuer Reichs Bundeskanzler werden. Mit seiner Weitsicht über Probleme, Ursachen und Lösungen unserer Gesellschaft wäre in Deutschland bestimmt bald wieder alles ganz rein und ari... äh, ich wollte natürlich sagen artig und geordnet. Ganz wie damals, als sich die Jugend auch nur mit staatlich genehmigten, sinnvollen Dingen beschäftigt hat.

Freitag, 5. Januar 2007

Verteidigung von These und Weltanschauung

Im ARD-Magazin Kontraste wurde vor einiger Zeit im Rahmen der medialen Aufbereitung des zweiten bisher überhaupt bekanntgewordenen Amoklaufes an Schulen in Deutschland über den Zusammenhang zwischen Computerspielen, insbesondere Ego-Shooter wie Counter-Strike, Battlefield, Halflife und ähnliche und der Bluttat berichtet. Nach Ansicht des Magazins Kontraste besteht überhaupt kein Zweifel an dem Kausalzusammenhang und die ARD sieht es als wissenschaftlich statistisch bewiesen an, dass die Computerspiele mit (vorsichtig formuliert) gewalttätigem Inhalt auslöser für diese Tat waren.

In Anbetracht der Masse der Zuschriften verschickt die ARD computergenerierte Emails, in denen sehr eloquent zu den Vorwürfen Stellung genommen wird:

Sehr geehrter Herr Bxxxxxx.,

aufgrund der Vielzahl von Zuschriften, die wir zum Thema "Gewalttätige Computerspiele" erhalten haben, ist es uns leider nicht möglich, auf jede Zuschrift einzeln einzugehen. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis!

Es ist den Autoren aber wichtig, folgende Punkte herauszustellen.

Hauptthese des Stückes war und ist:

"Gewalttätige Computerspiele machen brutal und dumm, und zwar um so mehr, um so jünger der Spieler ist, um so gewalttätiger die Spiele sind, um so länger die Spielzeit pro Tag ist."

Computerspiele sind ein Faktor unter anderen, aber ein klar messbarer und höchst signifikanter Faktor. Der Zusammenhang ist ein statistischer - wie beim Lungenkrebsrisiko durch Rauchen. Alle wissen, dass Rauchen das Lungenkrebsrisiko erhöht. Und alle kennen die Geschichte vom 80-jährigen Kettenraucher, der vom LKW überfahren wurde und vom 30-jährigen Nichtraucher, der an Lungenkrebs stirbt. Aber in der Masse ist es nicht zu leugnen, dass Rauchen das Lungenkrebsrisiko fördert. All die empörten Spieler von Killerspielen, die sich selbst in Ihren E-mails Friedlichkeit und Intelligenz attestierten (und so meinten, den Beitrag ad absurdum geführt zu haben), dürfen sich also als den statistischen Ausreißer betrachten. Das gilt natürlich insbesondere für jene, die ohne valide Argumente vorzubringen, uns schlechte Recherche, unseriöse Berichterstattung, geistige Armut, Verschleuderung von Gebühren etc vorwerfen. Exemplarisches Zitat: "Ihr seid so welche Spacken. Dümmer gehts nicht" "Ihr seid doch alles spasten ihr hundesöhne. Fickt euch." (Fehler aus dem Original übernommen)

Unsere Experten sind keine Pseudo-Experten, die Studien keine Chimären, auch wenn viele E-mail-Schreiber deren Existenz nicht wahrhaben wollen. Für alle Interessierten, insbesondere für all die Intelligenzbestien, die Killerspiele völlig harmlos finden, sei empfohlen, einen Blick in die Originalstudien zu werfen:

Studie der Gutenberg-Kommission nach dem Amoklauf in Erfurt:

http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta_media/ta.KomGut.pdf

Überblick über die vielen Studien zur o. a. Hauptthese:

http://www.mediengewalt.de/forschung/forschung-computerspiele.shtml

Sehr interessant hier die Interpretation der Studien durch die Produktionsfirma Electronic Arts ("Der Pate"), hier dürften sich einige E-mail-Schreiber wieder finden.

Ganz besonders lesenswert ist die Metastudie von Kunczik und Zipfel:

http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-
gewalt-befunde-der-forschung-sachbericht-langfassung,property= pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf


Zu einigen Gegenargumenten:

http://www.merz-zeitschrift.de/detail.php?beitrag_id=150

Und schließlich als Anhang die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen "Mediennutzung, Schulerfolg, Jugendgewalt und die Krise der Jungen"

Viel Spaß bei der Lektüre, wünscht

Sxxxxxx Mxxxxxx
ARD-KONTRASTE


Das kann man so erst einmal sacken lassen. Die These ist klar herausgestellt und damit hinterfragbar. Als Belege werden die "Experten" angeführt, nur worin deren Expertise besteht, bleibt im Dunkeln.

Bemerkenswert sind mehrere in der Antwort zu findende Aussagen. Wer sich als "nicht gewalttätige Ausnahme" anführt, ist die Ausnahme. Selbst wenn sich von den rund 83 Millionen Bundesbürgern 82 Millionen als "nicht gewalttätig" melden würden, wären sie nach Ansicht des Magazins "Ausnahmen". Warum es dann erst ganze zwei Amokläufe gab ist eine Frage, die den Autoren des Magazinbeitrags offenbar nicht in den Sinn gekommen ist oder aber bewusst ignoriert wurde. Man darf spekulieren. Aber merke: Ausnahme ist, was nicht die eigene These bestätigt.

Die angeführten Thesen und Studien - der "Bericht der Kommission Gutenberg-Gymnasium" ist nicht in dem Sinne eine Studie, sondern eben genau das: ein Bericht, eine subjektive Einschätzung mit Thesen der Berichtenden - kommen eben nicht übereinstimmend und auch nicht weit überwiegend und schon gar nicht eindeutig zu dem wissenschaftlich fundiertem Ergebnis, dass Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten auf jeden Fall Auslöser für gewalttätiges Verhalten sind. Zwar wird überwiegend die Möglichkeit eines solchen Verhaltens als Resultat postuliert und die Amokläufe werde als möglicher Beweis solcher Thesen angeführt, ein empirischer Beleg ist dies jedoch nicht unbedingt. Je nach "Studie" wird das auch mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es lediglich um ein Postulat geht und ein Beweis dafür noch zu erbringen wäre.

Interessant, dass die Vielzahl der gegenteilig lautenden Studien nicht erwähnt werden, sondern unter "einige Gegenargumente" zusammengefasst werden.

Auch wenn es die ARD und insbesondere das Magazin "Kontraste" noch so gerne möchte: Hier wird populistische Panikmache betrieben. Seriöse Berichterstattung, insbesondere bei einem in der Erforschung befindlichen Themengebiet sollte anders gehen, aber das lernt man eben nur, wenn man lernt, wissenschaftlich zu arbeiten. Damit allerdings lässt sich in den Medien weder Geld noch Ruhm verdienen, denn wie "toll" wäre ein reißerischer Bericht über die Brutalität der Computerspiele, der im selben Atemzug der Verteufelung zugeben muss, dass diese These nicht nur unbewiesen, sondern wissenschaftlich sogar überwiegend widerlegt ist?

Ein paar Meinungen, Thesen, Ansichten, Studien und so weiter zu den durch die ARD verteidigten Thesen sind hier aufgeführt: Studie "Spielplatz Deutschland", "Essential Facts about the computer and video games industry 2006", "Computer machen schlau", "Die verkannten Genies", "Kinder und Computer", "Medienpaket", "Kinder, Freizeit und Computer", "Führen Computernetze in die Vereinsamung?", "Identitätsentwicklung unter dem Einfluss neuer Kommunikationstechnologien - Chance oder Gefahr?", "Einsame neue Welt? Einsamkeitsmythos und Alltagspraxis - kulturwissenschaftliche Anmerkungen zur Internetnutzung", "Medien machen krank ?!", "Maßvolles Computer spielen fördert Intelligenz", "Neuere Entwicklungen der Internetnutzung Jugendlicher – Eine empirische Untersuchung am Beispiel ihrer gesellschaftspolitischen Interessen", "Lebenslagen junger Menschen heute", "Kinder und Computer", "Persönlichkeitseinstellungen und Computernutzung bei Studentinnen und Studenten", "MUS-Spezial".

(Quelle: PC Games. Danke Gex!)

Sonntag, 10. Dezember 2006

Streit ums Urheberrecht

Ambulance Shooting Krankenwagen SchiessereiSeit der Geschichte mit SCO und Linux und so weiter, spätestens aber seit der Angelegenheit in Sachen Musik und Filme wissen wir, dass manche Menschen weder Skrupel, noch gesunden Menschenverstand an den Tag legen, sofern es um das wichtigste auf dieser Welt geht. Nicht etwa um Liebe, sondern um "Interlectual Property" oder eben Urheberrechte, Patente und so weiter. Dank der Industrie haben wir ja inzwischen gelernt, dass man ruhig die Oma vor den Bus schubsen darf und es auch nicht so schlimm ist, wenn man mit Ballermann in der Bank betteln geht, aber wehe man vergreift sich an den Urheberrechten! Dann ist Achterbahn!

Diese Erfahrung machten auch eine Reihe Menschen in Chicago. Dort hatte sich Joe J., 59, ziemlich darüber aufgeregt, wie man mit seiner Erfindung - Toilettensitze für Lkw - und den dazugehörigen Patenten umging, dass er ziemlich entschlossen die auf Patentrecht spezialisierte Anwaltskanzlei aufsuchte, die sich mit seiner Sache befasste.

Bewaffnet.

Den Wachman überredete er mit seinem Revolver, ihn doch eben mit in die Büroräume der Kanzlei im 38. Stock zu begleiten. Dort verschaffte er sich Gehör, in dem er auf althergebrachte Weise argumentierte: Er schoß um sich, wie man das eben so macht, wenn man seinen Standpunkt verdeutlichen will.

Und er traf. Mehrfach. Insgesamt drei Menschen erlagen seinen Angriffen und weitere wurden verletzt. Als er eine Geisel mit der Waffe bedrohte und nachgeladen hatte, wurde Joe J. von der Polizei aus knapp 50 Metern Entfernung ohne Verhandlungen oder Gespräche erschossen. Die Geisel blieb unverletzt.

Was lernen wir daraus? Privatleute haben zwar meistens nicht so die tolle Kohle, um sich tolle Gerichtsverfahren zu leisten, aber Privatleute wissen, wo andere Leute, die meinen, die Welt mit eben solchen tollen Gerichtsverfahren regieren zu können, wohnen und arbeiten. Und manchmal sind sie zu allem entschlossen. Manchmal sind Urheberrechte doch eben Angelegenheit, bei der es um Leben und Tod geht.

Meiner Meinung nach gibt es aber Dinge, die bei Weitem wichtiger sind. Ob das die "Macher" in der Industrie aber begreifen, halte ich für sehr sehr fraglich - bis sie auf jemanden stoßen, der es ihnen zeigt. Wie eben Joe J.

(Quelle: SFGate)

Samstag, 11. März 2006

Computerspiele == T3H EVIL!

Christian PfeifferEs ist mal wieder soweit: Vertreter der konservativen Liga der älteren Generation sind mal wieder der Meinung, *DEN* Grund gefunden zu haben für das schlechte Abschneiden von Schülern bei der Pisa Studie, die generelle Gewaltbereitschaft und ganz allgemein für das Böse in der Welt - nein, nicht ich bin gemeint, von einem anderen Bösen ist die Rede.

Christian Pfeiffer (je nach dem wo man nachliest entweder Jugendforscher oder Krimiologe) hat sich folgendes ausgedacht: Wenn Kinder und Jugendliche weniger Zeit zum Spielen haben, dann haben sie ja auch weniger Zeit für Computerspiele. Und Computerspiele, bei denen Gewalt eine Rolle spielt, sind nach (nicht nur) seiner Meinung ja der Grund für alles Böse - Man denke nur an Erfurt.

Nun hat Herr Pfeiffer aber wohl eigesehen, dass es keine gute Idee ist, die milliardenschwere Industrie aus Deutschland zu vertreiben, die in erster Linie mit Computerspielen ihre Umsätze erzielt. Nein, er hat sich vielmehr ausgedacht, dass man den Medienkonsum der nachwachsenden Generationen ja viel eleganter und vor allem unter direkter staatlicher Aufsicht(!) über den Umweg des Schulgesetzes und andere Verordnungen steuern könnte. Seine These: Ein Schüler, der in der Schule sitzt, kann nicht am Computer verrohen.

Fünf Stunden Medienkonsum am Stück sieht Herr Pfeiffer übrigens als "krankes Leben" an. Eine Studie, die Herr Pfeiffer erst kürzlich erstellt hat kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder um so schlechter in der Schule sind, je mehr Zeit sie an Computer, Fernseher oder Spielconsole verbringen. Kinder und Jugendliche, die Spiele mit gewalttätigem Inhalt spielen, haben eine "enorm erhöhte Gewaltbereitschaft". Nein wie überraschend. Positive Effekte kann Medienkonsum, das Spielen am Computer und so weiter natürlich nicht haben. Kann man also vernachlässigen. Wurde dementsprechen von der Studie auch nicht untersucht. Merke: Die Medien sind Schuld an den Zuständen in Köln und Berlin Neuköln und so weiter - Ich frage mich, ob auch nur eines dieser "Problemkids" tatsächlich jemals vor einem PC gesessen hat, aber diese Frage grenzt an Ketzerei.

Herr Pfeiffer fordert also, die Kinder aus dem häuslichen Umfeld der ja offensichtlich erziehungsunfähigen Eltern heraus unter die staatliche Kontrolle durch das ausgezeichnete Bildungssystem zu stellen. "Damit die endlich mal was ordentliches lernen und später mal was aus denen wird!" dürfte wohl der Satz sein, der den meisten dazu spontan einfallen wird. Es ist natürlich völlig ausgeschlossen, dass andere Faktoren, wie zum Beispiel wirtschaftliche Situationen, soziale Problemlagen durch Getthobildung, mangelhafte Integration, soziale Ausgrenzung, ein weitestgehend gescheitertes Schul- und Bildungssystem, Jugendarbeitslosigkeit und so weiter, in irgendeiner Form eine Rolle dabei spielen.

Statt also die Probleme zu lösen, ist es doch viel billiger die Schüler gleich wegzusperren. Erstens bezahlt man die Aufseher, Verzeihung, die Lehrer sowieso zweitens hat man so sehr viel besser unter Kontrolle, mit welchen Inhalten sich der Nachwuchs beschäftigt und welche gefährlichen Informationen konsumiert werden und man kann so natürlich noch ganz nebenbei jeden ganz gezielt auf seine Rolle für Staat und Gesellschaft indoktrinieren und konditionieren.

Eine perfekte Lösung - zumindest aus der Sicht des Herrn Pfeiffer, der sicherlich ganz viel Zeit mit den Problemgruppen verbringt und deren Probleme aus erster Hand und eigener Anschauung beurteilen kann. Leider ist nicht bekannt, ob Herr Pfeiffer selber Kinder hat und wie die ihre Zeit verbringen, aber vermutlich hat Herr Pfeiffer einen entsprechend eingerichteten Keller.

Battle Royale, wir kommen...

Mittwoch, 1. März 2006

Amokläufe und peripheres Sehen

Wir alle erinnern uns an die Amokläufe in Schulen in Erfurt und Redlake (Minnesota). Die Medien haben "das Böse" gerne und hartnäckig in den Computerspielen gesehen und im süddeutschen Königreich wurden sogar Forderungen nach einem kompletten Verbot aller Spiele mit einem gewissen Gewaltkontext laut. Seit dem ist es um dieses Thema einigermaßen still geworden in der Öffentlichkeit.

In anderen Ländern, z. B. in den USA und Süd Korea, laufen vergleichbare Diskussionen. In den USA kam es zwar zu exzessiveren Amokläufen, dort ist bei aller Vergleichbarkeit der Lebensumstände doch einiges grundsätzlich anders als hier. Waffengesetze, Moral, Religiösität, der Umgang mit Minderheiten etc. sind dort insgesamt etwas anders gelagert. Trotzdem macht es den Eindruck, als würde die deutsche Politik darauf warten, was "der große Bruder USA" in dieser Hinsicht vor macht, damit man es dann eventuell genauso, nur eben ganz anders nachahmen kann, denn das Resultat - die Amokläufe - ist doch sehr ähnlich gelagert.

In den USA hat sich nun jemand daran gemacht und versucht herauszufinden, was Auslöser für diese abnormen Überreaktionen sein könnte. Während die landläufige Meinung eher so aussieht, dass die Computerspiele als Ursache herangezogen werden sollten, vermutet man bei VisionAndPsychosis.Net©, dass eine Beeinflussung des peripheren Sehens Auslöser sein könnte. Für diese Theorie werden eine ganze Reihe Belege angeführt, deren Stichhaltigkeit von anderer Seite noch näher zu untersuchen sein wird, jedoch sind einige der Denkansätze durchaus interessant, wenn sie auch nicht zwingend eine Lösung aufzeigen:
"The Redlake shooter... placed a second monitor near his computer so he could watch movies... That placed a source of repeating detectable movement in his peripheral vision. While he used the computer he could subliminally detect 'threat movement' to cause a peripheral vision reflex... That exposure is Subliminal Distraction and will eventually cause the mental break."
Nach Ansicht der oder des Autoren ist es die sublimale Ablenkung durch einen zweiten Monitor, die zur mentalen Störung und damit zum "Problemauslöser" führte, und nicht der Inhalt des Spieles selbst.

Vielleicht werden demnächst nicht Egoshooter, sonderen mehrere Monitore auf einem Schreibtisch verboten...