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Mittwoch, 27. Februar 2019

Zitat des Tages (23)

"The whole art of war consists in getting at what is on the other side of the hill, or, in other words, in learning what we do not know from what we do."
{Arthur Wellesley, 1st Duke of Wellington)

Was sich so völlig aus dem Zusammenhang gegriffen anhört, ist genau das, was ich gerade mache. Ich versuche - mit einigen Büchern bewaffnet - Zahlen an die Wäsche zu gehen, um etwas herauszufinden. Ich spiele mit "R" und einem Datensatz herum, den ich selber kompiliert habe. Ich habe eine lustige Zeitreihe und viiiiele Datenpunkte und ich will zeigen, dass eine dieser Wertereihen "irgendwie" mit allen anderen kausal zusammenhängt. Ganz im Sinne des "Alles ist mit allem verbunden", wie Hildegard von Bingen dereinst schon feststellte. Auch wenn sie sicher nicht an die Art Verbindung dachte, die ich gerade zu finden zeigen versuche.

Immerhin: Während ich gegen viele lustige Zahlen und Verfahren an arbeite, habe ich bereits einiges gelernt, das ich bis dato (in den Vorlesungen) noch nicht gelernt hatte. Meine wichtigsten Erkenntnisse bisher lauten:

  1. R und R Studio unterscheiden sich von emacs in erster Linie durch ein benutzerfreundlicheres Interface.
  2. Wenn Du mit genügend Ausdauer möglichst viele "Dinge" auf Zahlen loslässt, beweisen die am Ende sogar die Existenz diverser kleinerer Götter.
  3. Nur weil Du eine Statistik gebaut hast, bedeutet das noch lange nicht, dass Du auch verstehst, was sie Dir zeigt.
  4. "Hä?", "Warum...?", "Samma...", "WTF?!", "leck mich doch..." und "janee, iskla" sind völlig legitime wissenschaftliche Ausdrücke.

Immerhin: Ich habs geschafft, zwei Statistik-Kommolitonen aus dem vergangenen Semester, die während der Vorlesungen deutlich mehr Durchblick hatten als ich, zu folgender übereinstimmender Erkenntnis zu bringen:

"Du brennst doch."

Mancher Leser wird jetzt vielleicht sagen: "Achwas?"

Mittwoch, 31. März 2010

Ist das Wetter eine Gefahr für die Demokratie?

Wir hören immer wieder, dass die Demokratie in Gefahr ist. Sei es durch Extremisten von links oder rechts, durch Politikverdrossenheit, übermäßige Eingriffe in die Verfassung oder andere Gründe. Wer aber hätte gedacht, dass die Demokratie selbst eine Gefahr ist? Normalerweise erwartet man solche Aussagen von Leuten, die andere Regierungsformen bevorzugen, meistens, weil sie ihre eigene Macht durch die Demokratie gefährdet sehen. Wer aber hätte erwartet, dass renommierte Wissenschaftler zu einer solchen Schlussfolgerung kommen würden?

James Lovelock ist ein Name, den nicht jeder auf Anhieb zuzuordnen weiß. Herr Lovelock ist aber nicht irgendjemand, sondern einer, der es in der Wissenschaft zu herausragender Anerkennung gebracht hat. Er studierte Medizin und Chemie in England, entwickelte eine Vielzahl wissenschaftlicher Geräte, forschte unter anderem in Yale und Harvard und bekam eine Reihe Auszeichnungen verliehen. Zu diesen gehören zum Beispiel: Fellowship of the Royal Society, die Tswett-Medaille, Fellowship of the American Chemical Society, der Norbert Gerbier Preis der World Meteorological Organiszation, der Dr. A. H. Heineken Preis für die Umwelt, ist Commander of the Order of the British Empire, ist Mitglied der Order of the Companions of Honour, erhielt die Wollaston Medaille und ist Inhaber des Arne Naess Lehrstuhls für Global Justice and the Environment. Alle diese Auszeichnungen erhielt er für seine wissenschaftlichen Arbeiten. Dem Normalsterblichen ist er vielleicht noch am ehesten ein Begriff durch die von ihm entwickelte Earth Feedback Hypothese. Diese wurde später umbenannt in "Gaia-Hypothese".

Die Gaia-Hypothese ist eine ökologische Hypothese, die postuliert, dass sich der Lebensraum aller Lebewesen und deren physikalische Umwelt durch ein komplexes Netzwerk von wechselseitigen Abhängigkeiten in einem Gleichgewicht halten. Dieses Gleichgewicht erst ermöglicht Leben. Vereinfacht formuliert besagt diese Hypothese, dass der komplette Lebensraum der Erde wie ein einziger Organismus funktioniert, in dem jede Komponente einen Zweck erfüllt und die Aktionen jeder einzelnen Komponente Auswirkungen auf jede andere hat. Lovelock formulierte ursprünglich:
"a complex entity involving the Earth's biosphere, atmosphere, oceans, and soil; the totality constituting a feedback or cybernetic system which seeks an optimal physical and chemical environment for life on this planet."
Die Hypothese ist inzwischen überwiegend anerkannt, jedoch sind die Implikationen der Hypothese umstritten.

Herr Lovelock ist also nicht irgendjemand, sondern eher einer, dem man schon mal zuhören sollte, wenn er etwas zum Thema Klima und dessen Auswirkungen auf die Ökologie sagt. Vom Guardian wurde Lovelock zum Desaster um die Daten der Klimaforscher und die zu erwartenden Veränderungen des Weltklimas interviewt. Dort sagte er nicht nur, dass die Sache mit den gefälschten Daten absehbar war und durch das System, das heute Wissenschaftler produziert, nahezu unumgänglich war. Er sagte auch:
"We need a more authoritative world. We've become a sort of cheeky, egalitarian world where everyone can have their say. It's all very well, but there are certain circumstances - a war is a typical example - where you can't do that. You've got to have a few people with authority who you trust who are running it. And they should be very accountable too, of course.


But it can't happen in a modern democracy. This is one of the problems. What's the alternative to democracy? There isn't one. But even the best democracies agree that when a major war approaches, democracy must be put on hold for the time being. I have a feeling that climate change may be an issue as severe as a war. It may be necessary to put democracy on hold for a while."
Starker Tobak. Mit anderen Worten: Es gibt Situationen, in denen Demokratie sich nicht dazu eignet, große Probleme zu lösen, weil zu viele Leute mitreden wollen und zu viele Ansichten unter einen Hut gebracht werden müssen. Getreu dem Motto "zu viele Köche verderben den Brei" müssen seiner Ansicht nach solche Extremsituationen durch das entschlossene und entschiedene Handeln weniger Verantwortlicher bewältigt werden.

Nun habe ich meine ganz eigenen Probleme mit der Idee sich von der Demokratie zu verabschieden und ich bin nicht eben ein Fan solcher Vorschläge. Allerdings sehe ich den Kern der Idee von Herrn Lovelock und ich stimme ihm darin zu, dass die Vielzahl der sich zum Teil diametral widersprechenden Interessen das Finden von Problemlösungen nicht gerade vereinfacht. Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran, ob wir wegen des Wetters auf die Demokratie verzichten sollten. Was mir besondere Sorgen bereitet, ist der Umstand, dass Politiker die Ansicht eines solchen renomierten Wissenschaftlers als Ausgangsbasis dafür benutzen könnten, sich tatsächlich von der Demokratie zu verabschieden - aus völlig anderen Gründen, als Herr Lovelock das eigentlich vorsah.

Das Beispiel der Internetsperren in Deutschland zeigt den Mechanismus, den ich meine. Aus dem Familienministerium kam die Initiative, verstärkt gegen Kinderpornographie vorzugehen, was ich für eine hervorragende Idee halte. Heraus kam jedoch eine Gesetzgebung, die, vereinfacht formuliert, eine nahezu beliebige Zensur von Inhalten im Internet und einen Generalverdacht aller Menschen zur Folge hatte. Und da ging es "nur" um das Eingrenzen einer (zugegeben sehr schwerwiegenden) Straftat mit der Begründung, dass ja im Internet die Kinderpornographie floriert. Wenn ich mir überlege, was bestimmte Politiker aus dieser Steilvorlage von Herrn Lovelock zusammenschustern könnten, wird mir anders.

Vielleicht sollten wir den Politikern in Zukunft etwas besser auf die Finger schauen, wenn es um das Thema "Klimapolitik" geht und genauer darauf achten, was von denen an "Ideen" formuliert wird, wie man den "Bedrohungen" des Klimawandels begegnen soll.

Donnerstag, 21. August 2008

Geld ausgeben

PutinGestern noch stand das Thema im Raum, im welchem Umfang und wann denn Russland wohl mit der Modernisierung beginnen könnte. Die Antwort kam Mittwochabend. Präsident... Verzeihung, Premierminister Putin teilte während einer Konferenz für Forschung und Bildung mit, dass die Kleinigkeit von 600 Milliarden Rubel (das sind immerhin knapp 17 Milliarden Euro) für sogenannte "High-Tech-Programme" reserviert werden. Stolz verkündete er:
"Nie zuvor haben wir so viel Geld für solche Zwecke bereitgestellt."
Gleichzeitig verkündete Putin, dass weitere knapp 7 Milliarden Euro für Grundlagenforschung genehmigt wurden. Die Programme, so Putin, dienen der sozio-ökonomischen Entwicklung Russlands und werden seine "Sicherheit" verbessern ("Honi soit qui mal y pense", sagte mal Eduard III.) Putin versäumte es nicht, die Abhängigkeit der russischen Forschung von staatlicher Finanzierung zu kritisieren und anzumahnen, dass die Zusammenarbeit zwischen der Forschung und den Bildungseinrichtungen denkbar schlecht sei. Er verlangte Maßnahmen zu ergreifen, mit denen das kommerzielle Potenzial der Forschung ausgeschöpft werden kann. Dazu fällt mir spontan ein: Jesaja 43,19.

Wo ist eigentlich mein Kaffee?

(Quelle: Ria Novosti)

Montag, 16. Juni 2008

Intelligenz und Glaube

Kirche - Gertrudenkirche OldenburgIrland, nicht nur bekannt für Steuervorteile, Butter und Whisky, sondern seit kurzem auch als Spassbremse der europäischen Vereinigung, hat noch mehr zu bieten, als nur den lapidaren Stress mit Politikern. Der Professor für Psychologie der Universität Ulster, Richard Lynn, tritt den Kirchen lässig vors Schienbein: Er behauptet nachweisen zu können, dass innerhalb intellektuellen Eliten der Anteil von Atheisten deutlich höher sei als im Durchschnitt der Bevölkerung.

Mit anderen Worten: Je intelligenter der Mensch, desto geringer seine Neigung an irgendeinen Gott zu glauben. Der in der Gesellschaft im Alltag zu beobachtende Rückgang religiöse Bräuche aktiv auszuüben, ist seiner Ansicht nach eine direkte Konsequenz der steigenden Durchschnittsintelligenz.

Natürlich kann das keine einzig wahre Kirche auf sich sitzen lassen und so versammeln sich die Kritiker und geißeln seine Untersuchungen als "westlichen Kulturimperialismus" und "antireligiöse Vorurteile". Gegenbeweise liefern sie indes nicht. Andere Forschungsstellen sind hingegen vorsichtiger und weichen der Fragestellung aus. Man müsse "soziale, wirtschaftliche und historische Faktoren" mit einbeziehen. Eine Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang von Intelligenz und Religiösität ist das freilich nicht, schon gar keine Ablehnung des Untersuchungsergebnisses insgesamt.

Die Führungsspitzen und Funktionsträger der Kirchen und Religionen sind sicherlich keine Vollidioten. Soweit geht aber auch die Studie nicht. Das Gegenteil ist immer wieder zu beobachten. Die Studie stellt hingegen auf die (Gut-)Gläubigkeit der Anhänger aller Glaubensrichtungen als solche ab. Da darf sich durchaus jeder selber Fragen, ob es wirklich völlig abwegig ist, einen Zusammenhang zu sehen zwischen Intelligenz und Bildung auf der einen Seite und der Bereitschaft, Unerklärliches als "göttliches Wunder" zu interpretieren.

Wetten, dass jetzt erstmal gegen den Forschenden und nicht die Aussage geschossen wird, um "den Glauben" zu schützen?

(Quelle: Welt)

Freitag, 13. Juni 2008

Kreationisten und die wahre Welt

Gertrudenkirche OldenburgDamit das ungläubige Pack in Deutschland die Sache mit dem Schöpfungsplan auch endlich mal begreift, haben sich ein paar Schweizer überlegt, dass es doch ein prima Plan wäre, wenn sie in Deutschland ein biblisches Begegnungszentrum aufbauen. Im Raum Heidelberg soll es entstehen und dort soll nicht nur die Arche Noah im Maßstab 1:1 aufgestellt werden. Die Firma Genesis-Land AG. Deren Chef, Gian Luca Carigiet, ist wiederum Vorsitzender von ProGenesis (nicht zu verwechseln mit "progenesis").

Nach eigenen Worten ist ProGenesis
"ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die breite Öffentlichkeit darüber aufzuklären, dass die Evolutionslehre nach wie vor eine unbewiesene Theorie ist, dass die Bibel entgegen den Behauptungen moderner liberaler Theologen und evolutionsgläubiger Wissenschaftlern auch historisch relevant ist und dass der dreieinige Gott der Bibel weder ein mythologisches Märchen noch ein der Natur innewohnendes Urprinzip ist, sondern eine erfahrbare Realität".
Diese Zielsetzung wird detailliert erklärt und ist tatsächlich ernst gemeint. Kurz gesagt, dieser Verein will, dass die Bibel zwingend von jedem als faktische Grundlage allen Seins anerkannt und aufgeklärte Wissenschaft sowie alle nicht christlichen Lehren als Humbug abgelehnt werden, sofern sie im Widerspruch zum Wortlaut der Bibel stehen.

Mit dieser Präambel will der Verein im Raum Heidelberg "die Zeit von der Schöpfung bis zur Sintflut" darstellen, "in der Mitte das Alte Testament" "rechts die Zeit von Jesus Christus" bis zur Erschaffung eines "neuen Himmels und einer neuen Erde". Ein Themenpark, der auch Achterbahn und Wildwasserbahn enthalten soll. Das Projekt ist auf Rendite ausgelegt und natürlich, so Carigiet, der zufällig auch Unternehmensberater ist, werde die Rendite reinvestiert. Diese Rendite sollen vor allem Restaurants und Geschäfte liefern. Ein Schelm, der glaubt, es ginge beim Glauben am Ende nur um den Mammon.

Im Kern lebt der Kreationismus davon, dass die Evolution nicht minutiös beweisbar sein soll. Es gibt, so die Überzeugung der Gläubigen, keinen Schlüssigen Beweis dafür, dass sich die Arten aus gemeinsamen Vorfahren und letztendlich aus "der einen Urzelle" entwickelt haben. Evolution als Zufallsprodukt ist in ihren Augen undenkbar und nur ein "höherer Wille" oder "Plan" kann überhaupt jemals dazu geführt haben, dass es heute z. B. den Menschen gibt. Die Crux der Wissenschaftler ist, dass Evolution über lange Zeiträume wirkt und nicht mit Vollgas von heute auf morgen. Jedenfalls war das bis jetzt so.

New Scientist berichtet von Richard Lenski, Biologe der Michigan State University. Der nahm vor zwanzig Jahren ein einzelnes Escherichia Coli Bakterium und legte daraus im Labor 12 Kulturen an. Diese 12 Kulturen haben seit dem rund 44.000 Generationen durchlaufen und werden kontinuierlich von Richard Lenski beobachtet und überwacht. Das war zum weit überwiegenden Teil ziemlich langweilig, weil die Bakterien irgendwie immer genau das taten, wie ihre Kollegen, Vorfahren und Kinder.

Allerdings irgendwo um die 31.500ste Generation herum passierte mit einem Stamm der E. Colis etwas merkwürdiges. Von heute auf morgen entwickelte diese Kultur die Fähigkeit Zitrate zu verdauen. Die Unfähigkeit Zitrate zu verdauen ist der Indikator für Biologen weltweit, anhand dessen E. Coli von anderen Bakterien unterschieden wird. Diese Fähigkeit galt bislang als "jenseits der Möglichkeiten" von E. Coli.

Lenski ging davon aus, dass es sich um eine Mutation handeln müsse. Um herauszufinden welche Art von Mutation vorliegt, griff er auf die Exemplare zurück, die alle 500 Generationen von jedem Stamm tiefgekühlt gelagert werden. Das erlaubt ihm, jede Kultur an jedem beliebigen Punkt erneut zum Leben zu erwecken und deren Entwicklung von da an erneut ablaufen zu lassen. Lenski fand nicht nur heraus, dass irgendwo um Generation 20.000 herum in Stamm derjenigen Kultur, die später das Verdauen von Zitraten entwickelte, es zeigte sich auch, dass alle folgenden aus diesem Stamm angelegten Kulturen früher oder später dieselbe Fähigkeit entwickelten, die anderen jedoch nicht, obwohl für alle exakt dieselben Voraussetzungen galten.

Das Experiment zeigt, dass Evolution nicht immer zum bestmöglichen Resultat führt, sondern manchmal eben doch zufällige Ereignisse zu Veränderungen in einer Population führen können, die andere Populationen derselben Art nicht erleben. Kreationisten behaupten, dass eben genau das nicht möglich sei: Sie behaupten, dass sich keine komplexen Eigenschaften durch rein zufällige Ereignisse entwickeln können. Lenskis Beobachtung, die durch Andere Wissenschaftler inzwischen bestätigt wurde und jetzt weltweit sehr detailliert untersucht wird, beweist das Gegenteil.

(Quelle: New Scientist, Zeit)

Mittwoch, 4. Juni 2008

Gen-Food die Rettung?

Banane - WikipediaMagst Du Bananen? Ja? Prima, dann genieße sie, solange es noch geht, denn wenn die Wissenschaftler Recht haben, dann steht es um "unsere" Banane nicht gut. Wenige wissen, dass die Banane, die wir heute essen, nicht die Banane ist, die unsere Großeltern kannten. Die Version unserer Großeltern war größer, leckerer und insgesamt in jeder Hinsicht "besser". Diese Sorte hieß "Gros Michel". Der Grund, warum wir diese Sorte heute nicht mehr im Laden haben ist der, dass diese Sorte im Prinzip ausgestorben ist.

Das wiederum lag an einem extrem virulenten Pilz, der sogenannten Panama Krankheit (Fusarium oxysporum, Fusariumwelke), der Bananen befällt. Um 1960 herum hatte dieser Pilz beinahe alle Gros Michel befallen und vernichtet. In fast wörtlich letzter Minute fanden Züchter und Forscher die heute angebaute Variation, die Cavendish. Gegen den Pilzbefall ist kein Kraut gewachsen und es gibt kein Gegenmittel. Die Cavendish erwies sich als resistent, während die Gros Michel immer schneller ausstarb.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Cavendish eben nicht resistent zu sein scheint. Ein neuer Stamm Erreger, der zuerst in Malaysia auftauchte, befällt die Cavendish mit einer galoppierenden Geschwindigkeit und vernichtet Pflanzen in großer Zahl. Dazu kommen auch die nicht ganz unbekannten Probleme der Züchter und Pflanzer, die das Problem gerne ignorieren und seine Existenz und Bedeutung abstreiten.

Inzwischen verbreitet sich die Krankheit auf der ganzen Welt, wird durch den internationalen Handel und Verkehr auch dort hin getragen, wo diese Krankheit ursprünglich vollkommen unbekannt war. Sollte die Krankheit die Afrikanischen Plantagen befallen, sind Millionen von Menschen von Hunger bedroht, denn die Banane ist in Afrika eins der Grundnahrungsmittel. In Uganda macht die Banane zum Beispiel knapp 80% der Ernährungsgrundlage der Bevölkerung aus.

Im Moment suchen Wissenschaftler im Labor nach einer Banane, die resistent gegen den Pilz ist, aber es sieht so aus, dass nur per Eingriff in den genetische Code der Pflanze überhaupt Hoffnung besteht, die Banane zu retten. Der Haken dabei ist, dass alle Kundenbefragungen deutlich machen, dass weltweit genetisch manipulierte Bananen (und nicht nur die) abgelehnt werden. Niemand will "Gen-Obst" auf dem Tisch haben, selbst wenn nachgewiesen würde, dass das Obst absolut sicher ist.

Wir stecken offenbar in fantastischen Zwickmühle. Entweder öffnen wir uns für genetisch veränderte Lebensmittel, oder wir sind nicht nur Schuld am Verschwinden einer unserer liebsten Obstsorten, sondern auch an einem massiven Hungerproblem.

Ich bin mal gespannt, wie wir da wieder raus kommen.

(Quelle: The Scientist)

Montag, 7. April 2008

Gaming hilft

JoystickComputerspiele sind noch immer nicht raus aus der Diskussion. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die von den Medien als "Killerspiele" bezeichneten Games mehr oder weniger zwangsläufig Psychopathen und Massenmörder produzieren. Die Universität Middlesex hat sich mit dem Thema befasst und eine Studie veröffentlicht. Gegnern der der Egoshooter und Actionspiele wird sie gar nicht passen, Fans hingegen dürften sie feiern.

In dieser Studie wurde nachgewiesen, dass Spiele mit gewalttätigem Inhalt den Spieler sogar beruhigen und beim Aggressionsabbau helfen. Die Spieler fühlten sich nach dem Spiel deutlich entspannter und weniger aggressiv als vorher. Die Psychologen der Universität befragten 292 männliche und weibliche Spieler zwischen 12 und 83 und ließen sie World of Warcraft spielen. Jeweils vor und nach dem Spiel füllten die Spieler einen Fragebogen aus, in dem es um ihren Gemütszustand und ihre Persönlichkeit ging.

Insgesamt, so fanden die Psychologen heraus, fühlten sich die Spieler hinterher eher ermüdet und entspannt, jedoch gab es Unterschiede in Abhängigkeit zu Alter und Geschlecht. Die Studie soll jetzt Grundlage für weitere Untersuchungen sein, mit denen festgestellt werden soll, welcher Typ Gamer eher dazu neigt, seine im Spiel erlebten Aggressionen in den Alltag zu übertragen.

(Quelle: Develop)

Sonntag, 23. März 2008

Evolution und Nazis

Das Fliegende Spaghettimonster - WikipediaFanatische Kreationisten sind für die westliche Welt meiner Meinung nach in etwa das, was militante Moslems für den Nahen und Mittleren Osten sind. Ok, zugegeben: Kreationisten legen (noch?) keine Bomben und veranstalten keine Massaker, aber ich vermute fast, dass das eventuell eher damit zu tun hat, dass sie entweder nicht wissen, wie man sich ordentlichen Sprengstoff beschafft oder zu feige sind. Oder vielleicht warten sie auch darauf, dass "ein höheres Wesen" den mit Sprengstoff gefüllten, überzeugten Kreationisten erschafft. Wie auch immer, jedenfalls gibt es unter diesen selbsternannten "Wissenschaftlern" solche, die Filme machen. Einer davon ist Ben Stein.

Ben Stein ist nicht irgendwer. Er ist durchaus intelligent (Abschluss der Yale Law School) und hat schon einige sehr herausragende Positionen inne gehabt. Er war zum Beispiel Rechtsanwalt, Professor für Recht und schrieb Reden für das Weiße Haus. Er hat auch einen Film gemacht. "Expelled". Dieser Film, den zu sehen jeder für sich selber entscheiden muss, wird auf der Webseite des Films wie folgt beschrieben:
"The film can best be described as subtly clever and occasionally funny. Emotions are stirred up especially built around the movies overall theme*, and many scenes especially later in the movie might be difficult to watch based on one’s ethnic and religious background."
Auf gut Deutsch: ein mäßig sehenswerter Film. So weit, so langweilig. Aber jetzt kommts. Den "*" an "theme" gesehen? Ja? Prima. Ganz am Ende des Textes steht folgende Fußnote:
"*SPOILER!! (...) Many scenes are centered around the Berlin Wall, and Ben Stein being Jewish actually visits many death camps and death showers. In fact, Nazi Germany is the thread that ties everything in the movie together. Evolution leads to atheism leads to eugenics leads to Holocaust and Nazi Germany."
Evolution führt zu Atheismus und das führt zu Eugenik ("Rassenhygiene") was wiederum zum Holocaust und zu Nazi-Deutschland führt. Erst wollte ich mich darüber exzessiv aufregen und so richtig auf den Putz hauen. Aber dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Das ist doch prima! Dann ist der Kreationismus ja widerlegt! Wenn sich Kreationisten nicht in eine Kiste mit den Leugnern des Holocaust und der Judenvernichtung legen lassen wollen, dann müssen sie zugeben, dass Nazi-Deutschland wirklich existierte. Und wenn nur die Evolution (die, die u. a. Charles Darwin meinte) dieses Drama menschlicher Geschichte produzieren konnte, dann ist das doch DER Beweis, dass der Kreationismus bloß ein Hirngespinst ist...

Ich liebe fanatische Dogmatiker. Die machen selbst aus langweiligen Tagen echte Feiertage.

(Quelle: Expelled)

Überschrift des Tages (67)

MSNBC berichtet uns, was wir SciFi Fans schon immer gewusst haben: Es gibt gab Leben auf dem Mars!

Scientists discover signs of ancient life on Mars - msnbc
Nun, ich bin da vielleicht etwas überkritisch, aber nicht nur mir hat man in Bio beigebracht, dass "Salz", besonders Kochsalz (auch bekannt als Natriumchlorid, NaCl) noch längst kein "Lebewesen" ist, geschweigedenn ein zwingender Hinweis auf dessen Existenz. Ich mein, nur weil bei uns Salz im Supermarkt steht, heißt das ja noch lange nicht, dass es hier Leben gibt - zumindest was intelligentes Leben angeht...

(Quelle: msnbc)

Montag, 18. Februar 2008

1067 Euro

Canon EOS 40d und BG-E2NIrgendwann im Leben muss man Entscheidungen treffen: Welche Schuhe ziehe ich an? Gehe ich zur Arbeit? Heirate ich nicht doch besser ne andere? Für mich stand vor einigen Tagen diese Entscheidung ultimativ zur Diskussion, als ein Freund mich traktierte, dass er doch dringend ein Hobby bräuchte und gerade ziemlich viel Geld übrig habe. Und so kam, was kommen musste: Dank seiner Kauflust entschied ich mich zum Abrüsten, um danach aufzurüsten. Ich trennte mich von meiner lieb gewonnenen Canon EOS 400d und meinem 50mm Glas und bestellte stattdessen eine Canon EOS 40d.

Canon EOS 40d und BG-E2N Inhalt der KartonsHeute Morgen wurde geliefert: 1x Canon EOS 40d Body, 1x BG-E2N, 1 Akku kompatibel BP-511A. Ein Karton zu 1.067 Euro. Natürlich war in dem Karton mehr drin, als nur diese drei Teile. Canon liefert eine Menge Zubehör mit, von dem nichts dabei steht. Tatsächlich war in dem Karton, den der Postmann brachte der Body, der Batteriegriff mit einem Magazin, ein USB-Kabel (2m), ein AV-Kabel (1,5m), ein Tragegurt, 4 Bedienungsanleitungen mit je 200 Seiten in Deutsch und anderen Sprachen, 4 Kurzanleitungen in Deutsch und anderen Sprachen, 3 CDs, irgendwelche Beipackzettel und Werbung. Eine Menge Gerampel und Gelorre (siehe Bild, klick auf Bild für Großansicht).

Für den Schwanzvergleich ist natürlich gesorgt: Den Einstieg in die Profiliga macht Canon mit dem rot verzierten Tragegurt deutlich. Alles, was Canon in Sachen Foto mit dezenten roten Linien versieht, ist sauteuer. So jedenfalls die Message. Oder auch: "Achtung, Profi. Geh aus dem Weg!" Die Stärke der Handbücher (zweihundert Seiten!) macht klar, dass es hier eine Menge falsch zu machen gibt und dieses Stück Technik weiß Gott nicht "for the weak of heart" gedacht ist.

Canon EOS 40d mit BG-E2N Größenvergleich"Eine Menge" ist übrigens auch ziemlich genau der Ausdruck, der mir zu der Kamera einfiel. Die Kamera ist groß. Und mit groß meine ich jetzt nicht "da hat man was in der Hand", sondern *GROß*. Der Vergleich zur 400d fällt deutlich aus. Die EOS 400d ist auf dem Papier "nur" ca. 126,5 x 94,2 x 65 mm groß und ist sehr handlich. Mit dem Batteriegriff kommt die 400d auf eine Höhe von knapp 13cm. Die EOS 40d langt da ganz anders hin: Mit ca. 145,5 x 107,8 x 73,5 mm für den Body ist der alleine schon mehr als 2cm länger, gut einen cm tiefer und fast anderthalb cm höher. Der Batteriegriff legt noch mal mehr als 4cm in der Höhe nach. Ein Größenvergleich? Die Kamera mit Batteriegriff bedeckt mehr Fläche, als ein handelsüblicher CD-Umschlag und is dabei gut zwei Zentimeter dicker, als eine Dose Adidas Deospray. "Backstein" ist der gesuchte Begriff.

Das Gewicht ist entsprechend: "Da hat man was in der Hand." Genau das ist auch das erste Problem, dass mir auffällt. Zierliche Frauenhände werden mit der Kamera echte Probleme haben. Andererseits: Das hier ist eine Kamera für Männer (Tooltime-Rufe hier einsetzen). Gefühlt wiegt die Kamera ohne Objektiv aber mit Batteriegriff und 6 AA-Zellen anderthalb bis zwei Kilo. Das ist erstaunlich leicht für die Größe, aber immer noch schwer genug, um mir schon jetzt ein paar Sorgenfalten zu machen.

Der Batteriegriff verwirrte mich denn auch erstmal. War bei dem zur EOS 400d gehörenden noch je ein Magazin für die Canon-Akkus und die AA-Zellen dabei, kommt der zur EOS 40d gehörende nur mit einem Magazin für 6 AA Zellen. Die Custom-Akkus werden direkt in den Griff geschoben, und zwar von hinten und nicht wie bei der EOS 400d von der Seite. Die Ladeluke geht fast über die gesamte Breite des Batteriegriffs, der durch einen ungünstig positionierten, frickeligen Schieber zu öffnen ist. Auch sonst macht der Batteriegriff der EOS 40d eher den Eindruck, als sei er weniger liebevoll durchdacht und etwas weniger ergonomisch geformt, als der der EOS 400d: Der An-Aus-Schalter für die Zusatztasten ist nicht mehr ein gut zu erreichender, deutlich beschrifteter Schieber an der Rückseite, sondern ein versenkter Drehknopf an der rechten Seite. Die Praxis wird zeigen, welches Design "besser" ist.

Canon EOS 40d First LightTrotz meiner anfänglichen Bedenken: Das Knipsen mit der 40d ist richtig toll. Trotz der Größe ist die Kamera "handlich", wobei "handlich" bitte im richtigen Kontext zu verstehen ist. Der Leser denke bei "handlich" also eher an das "handlich" einer vernünftig gestalteten und ausbalancierten Bohrmaschine und nicht an das "handlich" einer Minipackung Tempotaschentücher. First light war denn auch schnell gefunden (siehe rechts, klick auf Bild für Großansicht) und war - für einen Schuss aus der Hüfte (1/80 Sek, ISO 1600, 300mm) - erstaunlich gut gelungen. Ich bin begeistert.

Die Menüs der Kamera sind, trotz aller Erfahrungen, die ich mit der 400d gesammelt habe, erschlagend. Die Steuerung mit Joystick und Jogdial ist sehr angenehm und flüssig, auch wenn sich das als Joystick dienende Knöpfchen manchmal etwas mädchenhaft anstellt. Die Umgewöhnung auf das "neue" Bedienkonzept fällt leicht und ist intuitiv, vorausgesetzt, man kann lesen und weiß, was eine Kamera so alles macht und was besonders eine Digitalkamera alles anders macht.

Canon EOS 40d mit 70-300 IS USM ISO 3200 Demo-ShotFeatures gibt es en masse. Nervig war das Suchen und aktivieren der ISO-Erweiterung, das sich scheinbar mit irgendeiner anderen "Custom Function" beißt und deshalb nicht so ohne Weiteres wie im Handbuch beschrieben zu aktivieren ist. Ich will nicht mit Details nerven. Letztendlich habe ich es geschafft, die Kamera zu ISO 3200 zu überreden und ich bin begeistert. Bei Dämmerlicht mit dem 300er Tele bei einer Belichtungszeit von einer 1/100 Sekunde noch brauchbare Bilder zu zu bekommen, hat mich doch schon sehr von den Socken gehauen (siehe rechts).

Canon EOS 40d ISO 3200 RauschenDas Bildrauschen ist im Vergleich zur 400d um Längen besser. Ein Ausschnitt in Originalgröße von der Windschutzscheibe des Bildes mit dem Auto von eben zeigt das sehr deutlich (siehe rechts). Auch wenn das Bild deutlich verrauscht ist, ist das doch angesichts dessen, was ich von der 400d gewohnt bin, eindeutig eine ganz andere Liga. Ich vermute, die "Nightshots" werden um einiges interessanter werden, aber das wird sich erst "die Tage" zeigen. Ich rechne jedenfalls mit deutlich wahrnehmbaren Unterschieden - zumindest im Arm, denn das Gerät wiegt doch schon etwas mehr.

Mein erstes Fazit: Die Kamera ist toll. Während der Slogan zur 400d noch lautete "Willkommen auf dem Spielplatz" und so Anfängern die Angst vor der Kamera genommen werden sollte, ist diese Kamera doch deutlich für professionellere oder besser: erfahrenere Anwender gedacht. Eher nicht geeignet ist die Kamera für den spontanen Schnappschuss. Dazu ist sie zu sperrig, aber dafür hat man ja auch Handys und so. Mal schauen, wie sich das Gerät in der freien Wildbahn bewährt, aber ich kann jetzt schon sagen, dass die Kamera das Geld wert ist.

Was jetzt noch fehlt? Nun, das 50mm F1:1,2L wäre vielleicht eine Maßnahme, aber da muss ich sehr genau überlegen (und noch mehr sparen). Auf jeden Fall ein Fernauslöser. Entweder Kabel oder Infrarot. Ansonsten fehlen jetzt nur noch willige Opfer...

Dienstag, 22. Januar 2008

Intuition

PortraitIntuition ist eine Eigenschaft, die für uns Menschen herausragend wichtig ist. Auf Grundlage unserer Intuition treffen wir jeden Tag dutzende Entscheidungen, die mal mehr mal weniger weitreichend sind. Aber wer macht sich schon Gedanken darum, wie zutreffend unsere Intuition ist? Die meisten denken eher selten darüber nach, vielleicht fällt ihnen gelegentlich auf, wie bewundernswert präzise das Ergebnis einer aus dem Bauch getroffenen Vorhersage sich mit einem später kompliziert und sorgfältig ermittelten Ergebnis deckt.

Forscher von der Tufts University im US-amerikanischen Medford haben sich mit der Frage der Zuverlässigkeit unserer Intuition näher beschäftigt. Die Forscher legten ihren freiwilligen Probanden Fotos von Männern vorgelegt. Die Probanden sollten einschätzen, ob die auf den Bildern dargestellten Personen homo- oder heterosexuell waren. Die Bilder wurden zwischen 33 tausendstel und 10 Sekunden gezeigt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass ab einer Zehntelsekunde die Trefferquote auf rund siebzig Prozent anstieg, eine längere Betrachtungszeit die Erfolgsquote jedoch nicht weiter verbesserte. Aus anderen Untersuchungen weiß man, dass die Entscheidung, ob jemand als sexuell attraktiv empfunden wird, in ähnlich kurzer Zeit fällt.

Die Forscher waren damit jedoch nicht zufrieden. Sie wollten wissen, ob sich dieses Urteilsvermögen auch auf andere Gebiete erstreckt. Probanden wurden dazu zwei Sekunden lange Videoclips von Vorlesungen verschiedener Universitätsdozenten gezeigt. Die Probanden sollten danach über die Qualität der Lehrkräfte urteilen. Auch hier zeigte sich, dass die von den Probanden abgegebene Einschätzung sich weitgehend mit einer ausführlichen Umfrage unter den Studenten der Dozenten deckte, die ein ganzes Semester in den Vorlesungen dieser Professoren waren.

(Quelle: Science)

Donnerstag, 17. Januar 2008

Quelle der Angst

ClownStephen King hatte Recht, als er in "Es" dem Schrecken das Gesicht eines Clowns gab, wie jetzt Wissenschaftler der Universität Sheffield heraus fanden. Eigentlich wollten die Wissenschaftler herausfinden, wie man Krankenhäuser am Besten dekoriert, damit sich Kinder darin wohl fühlen und ihre Angst abgebaut wird. Vom Ergebnis waren die Forscher vollkommen überrascht: Jedes einzelne der 250 befragten Kinder gab an, dass es Clowns überhaupt nicht lustig finde. Selbst ältere Kinder gaben an, dass sie sich vor Clowns sogar fürchten.

Die naheliegende Frage, was sonst noch so alles an angeblich ach so lustigen Spaßmachern den gegenteiligen Effekt erzielt, wurde allerdings nicht beantwortet. Wahrscheinlich wollte man dann doch nicht so weit gehen, und tatsächlich kindgerechte Krankenhäuser bauen.

(Quelle: PA)

Mittwoch, 16. Januar 2008

Gewaltfreie Illusion

GewaltIm Moment ist Gewalt wieder ein ganz großes Thema. Jugendgewalt ganz speziell. Die Bundeskanzlerin hat gerade erst erklärt, dass dieses Thema Wahlkampf ist und wir deshalb alles so hinzunehmen haben. Ob das, was da so gesagt wird, am Ende auch so gemeint ist, steht auf einem anderen Blatt. Mit diesem Thema hofft man irgendwie Stimmung zu machen, den Wähler auf seine Seite zu ziehen und so an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben, je nach dem. Ich bin mir sicher, dass wir auch in nächster Zukunft wieder mit dem Thema "Killerspiele" konfrontiert werden und generell Gewalt in den Medien.

Auf dem Fuße folgen wird die Debatte, wie doch alle Schuld sind daran, dass die Gesellschaft zunehmend verroht. Es werden wieder Horden von Experten und Spezialisten aus allen Ecken der Welt herantraben und sich zum Thema äußern und alle werden wieder den Weltfrieden und den Pazifismus loben und als Ideal der Menschheit darstellen und alles andere als Fehlentwicklung, an der einzig die Medien und die moderne Gesellschaft schuld haben.

Ein kleines Detail könnte den üblichen Reigen der Schuldzuweisungen dieses Mal stören. Neurologen und Biochemiker wissen um die Wirkung bestimmter Hormone. Dopamin, das Glückshormon, ist eines derjenigen Hormone, die auf uns eine ungeheuer starke Wirkung haben. Wir wissen durch Wissenschaft und Forschung, dass diese Hormone zum Beispiel beim Sex oder beim Einkaufen ausgeschüttet werden. Craig Kennedy und Maria Couppis von Vanderbilt-Universität in Nashville konnten jetzt nachweisen, dass auch bei aggressivem Verhalten Dopamin ausgeschüttet wird.

Im Tierversuch mit Mäusen wiesen sie nach, dass "normale" Mäuse die Konfrontation mit ihren Artgenossen suchen, obwohl sie die Wahl haben zwischen friedlichem Verhalten und der Aggression. Erst als die Wissenschaftler den "Belohnungsreiz" durch das Hormon ausschalteten, entschieden sich die Tiere gegen die Auseinandersetzung. Bei uns Menschen funktioniert dieser Mechanismus genauso.

Aus den Experimenten lassen sich menschliche Neigungen zu Konflikten und Auseinandersetzungen mit begründen, so die Forscher. Es geht heute zwar nicht mehr um die Verteidigung von Nahrung und Revier, doch der Belohnungsmechanismus für aggressives Verhalten besteht noch immer. Das wiederum erklärt auch die Faszination vieler Menschen für gewalttätige Sportarten wie Boxen. Und wahrscheinlich lassen sich so auch viele andere Verhaltensweisen erklären.

Zwar befürchte ich jetzt nicht, dass die Politiker daraus irgendetwas lernen und das Geschwafel von "Schuld" und so weiter endlich mal sein lassen. Das traue ich denen einfach nicht zu. Aber ich befürchte, dass man sich mit der Frage der Unterdrückung der Produktion von Dopamin beim Menschen befassen wird und aus dieser Richtung ganz unerwartete, aber nicht unbekannte, Überlegungen auf uns zukommen könnten...

(Quelle: ddp)

Mittwoch, 9. Januar 2008

Flagge macht Mitte

Deutschlandfahne Flagge DeutschlandRegelmäßig ernte ich seltsame Kommentare und fragende Gesichter, wenn ich von meiner Überzeugung erzähle, dass nationale Symbole, wie Flaggen, Wappen, Hymnen und so weiter, für die inner Einigkeit und Stabilität eines Staates sehr wichtig sind. Nicht selten dichtet man mir daraus eine Neigung zum Nationalismus bis hin zum Faschismus an. Nicht nur den meisten Lesern hier ist klar, wie abwegig das ist. Forscher aus den USA und Israel haben dieses Thema wissenschaftlich untersucht und sind zu von mir schon länger vermuteten Ergebnissen gekommen.

Die in den "Proceedings" veröffentliche Untersuchung belegt, dass die unbewusste Wahrnehmung nationaler Symbole, wie zum Beispiel der Landesfahne, die politische Meinung und das Wahlverhalten von Menschen beeinflusst. Der Anblick nationaler Symbole verursachte einen Wechsel von den extremen Flügeln rechts- wie linksaußen hin zur politischen Mitte. In Versuchen konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass unabhängig von der ursprünglichen, bewussten politischen Einstellung das unauffällige und unbewusste zeigen nationaler Symbole dazu führte, dass sich die Ansichten der Probanden einander deutlich annäherten und sich "ideologische Lücke" zwischen den Polen verkleinerte.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Symbole wie die Nationalflagge eines Landes bestimmte Ideen und Ziele transportieren und so bestimmte Gedanken und Verhaltensweisen auslösen, die im Einklang mit diesen Ideen stehen. Da diese Symbole für Einheit und Patriotismus stehen, ist es wahrscheinlich, dass sie auch in der Lage sind, Einheit zu erzeugen. Es ist anzunehmen, dass dies auch für andere Symbole gilt, die Gemeinschaften symbolisieren, wie zum Beispiel Glaubensgemeinschaften oder Parteien. Allerdings bleibt noch zu untersuchen, in wieweit das Zeigen der Symbole und die durch sie verkörperten Ideen Einfluss auf die Ausrichtung der Gemeinschaft haben.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen folgt, dass sich der Extremismus in Ländern schon alleine dadurch reduzieren lässt, in dem die Symbole des Staates, seine Flaggen und Wappen, einfach omnipräsent sind, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Vielleicht ist es deshalb doch keine so blöde Idee, jedem Bundesbürger eine Flagge, ein Grundgesetz und eine CD mit der Nationalhymne in die Hand zu drücken und generell mal etwas mehr Farbe zu bekennen?

(Quelle: PNAS)

Donnerstag, 3. Januar 2008

There and back

Ich habe einige Zeit überlegt, mit welchem Thema ich den Reigen des Wahnsinns 2008 beginnen soll. Ich glaube, eine schöne kleine Verschwörungstheorie ist passend. Dieses Mal nicht 9-11, sondern größer. Zeitreise. Enjoy.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Stringtheorie in zwei Minuten

Eine Theorie, von der immer wieder irgendwo erzählt wird, die aber ziemlich kompliziert zu sein scheint, ist die "Stringtheorie". Sie ist ein Ansatz viele Dinge zu erklären, die die Wissenschaft bisher nicht so richtig erklären kann. Das Problem? Die Theorie ist so umfangreich und komplex, dass Normalsterbliche selten begreifen, worum es da eigentlich geht. Der US-amerikanische Wissenschaftssender Discovery Channel rief seine Zuschauer dazu auf, einen exakt zwei Minuten langen Film zu produzieren, in dem diese Theorie erklärt wird. Der Professor für Physik und Mathematik Brian Greene von der Columbia University wählte jetzt den Gewinner:

Wem das mit den "mehreren Dimensionen außerhalb von Raum und Zeit" nicht klar ist: Das wird in einem anderen Film erklärt, den wir vor einiger Zeit hier vorgestellt hatten.

Montag, 1. Oktober 2007

Bedeutung der Wissenschaft

Teleskop WikipediaDer Vatikan möchte seinen Ruf aufpolieren und beweisen, dass man in der Katholischen Kirche nicht vollkommen weltfremd und wissenschaftsfeindlich ist. Darum veranstaltet man dort gerade eine Konferenz mit führenden Astronomen aus aller Welt. Sogar aus Deutschland sind welche eingeladen. Die Konferenz wird sich besonders mit Scheibengalaxien, Dunkler Materie und Schwarzen Löchern beschäftigen. Unter anderem sollen die aktuellen Theorien zur Galaxienbildung und Sternentstehung diskutiert werden.

Guy Consolmagno, Mitarbeiter von Vater Jose Funes, dem Leiter des Vatikanobservatoriums in Tuscon, Arizona, erklärt, warum die Kirche nicht aufgehört hat, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Gegenüber der BBC sagte er:
"Dies ist unser Blick darauf, wie Gott das Universum erschaffen hat und die Kirche will betonen, dass Wahrheit nicht im Widerspruch zu Wahrheit steht; dass wenn man glaubt, man niemals zu fürchten braucht, was die Wissenschaft zu Tage fördert."
Insgesamt gehe es darum, dass die Kirche zeigen wolle, dass sie keine Angst vor der Wissenschaft habe.

Man könnte auch sagen, dass die Kirche verdeutlichen wolle, dass es für sie irrelevant ist, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaft kommt, solange diese nicht zum Diktum der Kirche passen...

(Quelle: BBC)

Mittwoch, 26. September 2007

Final Lecture

Randy PauschDie Carnegie-Mellon University ist für eine ganze Reihe Sachen berühmt. Unter anderem wird dort eine Vorlesungsreihe mit herausragenden Personen unter dem Titel "Final Lecture" gehalten. Die Idee dieser Vortragsreihe ist, dass die Vortragenden, in der Regel Professoren an Universitäten oder ähnliches, die hypothetisch letzte Vorlesung ihres Lebens vor einem breiten Publikum halten sollen und über all das referieren können, wovon sie meinen, worauf es wirklich ankommt. Die Fragestellung an die Vortragenden lautet in etwa, welches Wissen und welche Weisheit sie weitergeben würden, wenn dies ihre letzte Chance dazu wäre.

Am 18. September 2007 wurde Professor Randolph Pausch geladen (Erfinder und Leiter des "Alice" Projektes und Mitbegründer des Carnegie Mellon's Entertainment Technology Centers, uvm.), eben diese Vorlesung zu halten und das Besondere an dieser Vorlesung ist nicht etwa nur der Inhalt, sondern die Tatsache, dass Randy Pausch an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet und nach übereinstimmende Überzeugung aller Mediziner bestenfalls noch einige Wochen zu leben hat. Er ist so der erste, dessen Vorlesung tatsächlich eine "Final Lecture" war, denn er wird nie wieder irgendwo eine Vorlesung halten. Diese Vorlesung hielt er unter dem Titel "Really Achieving Your Childhood Dreams"...

Die Vorlesung ist als vollständiges Video (.wmv) direkt bei der CMU zu bekommen oder aber in ziemlich vielen kleinen Schnipseln bei Google.

Unbedingt sehenswert.

Montag, 17. September 2007

Dimensional

Stell Dir 10 Dimensionen vor und mal ein Bild davon. Kannst Du nicht? Tröste Dich: Bist nicht alleine damit. Es gibt aber Leute, die können das und das folgende Video erklärt, wie man soetwas bewerkstelligt.

Nun gut, so spontan hab ich beim ersten Zuschauen auch nicht alle Details und Implikationen sofort begriffen, aber es ist für mich der bislang gelungenste Versuch, der wissenschaftlich eher weniger belesenen Welt zu erklären, wie man die Geschichte mit den vielen Dimensionen so vorstellen könnte...

...vorausgesetzt, die Idee mit den 10 Dimensionen stimmt.

Freitag, 27. Juli 2007

Wenn der Wettergott will...

Glaubt man den Veranstaltern des Quick Chek New Jersey Festival of Ballooning, dann gibt es eine einfache, aber sehr zuverlässige Methode schönes Wetter zu garantieren. Dazu braucht es lediglich eine Zeremonie, bei der ganze Zwiebeln, Pfefferschoten, ein paar Messer und eine Jungfrau unabdingbar sind.

Die Veranstalter des Festivals hörten von dieser Zeremonie vor einigen Jahren in Singapur. Seit dem schließen sie keine Versicherungen gegen Wetterbedingte Ausfälle des Events ab, was manchem vielleicht doch schon etwas mutig erscheinen mag: Das Festival wird regelmäßig von 175.000 Menschen besucht. Da kommt schon die eine oder andere Mark zusammen, wenn da mal was schief geht...

Jedenfalls wird auch dieses Jahr wieder eine Jungfrau an der geheimnisvollen Zeremonie teilnehmen. Die 28jährige ist eine überzeugte Mormonin und stolz auf ihr hartnäckiges Befolgen der Kirchenregeln. Zu diesen Regeln gehört auch nicht zu trinken, nicht zu rauchen, kein Glücksspiel, nicht zu fluchen, und natürlich auch kein Sex vor der Ehe.

Wer allerdings darauf gehofft spekuliert hat, dass die Zeremonie aus der Jungfrau eine "ex-" macht, wird enttäuscht sein. Die Zeremonie besteht im Wesentlichen darin, dass die Dame die vier Ecken des Festivalgeländes aufsucht, dort ein paar Grashalme pflückt, dabei irgendwelche Worte murmelt und anschließend Messer in die Erde rammt.

Was mich dabei interessiert: In der Bibel steht doch irgendwo irgendwas von wegen Aberglaube ist böse und so. Und irgendwo stand da doch auch was von wegen, dass das einzig zulässige Ritual des Gläubigen das Gebet ist. Wie kann eine angeblich gläubige Mormonin dann zentraler Bestandteil einer wahrscheinlich doch eher heidnischen Prozedur sein, ohne sich den Unwillen der eigenen Kirche einzuhandeln?

Egal wie, dem Ritual steht ein harter Test bevor, denn der Wetterbericht sagt für das Festival an diesem Wochenende eine recht gute Chance für Regen voraus. Vielleicht gibt es ja doch noch eine geheim gehaltene Passage, in der es um steinerne Altäre, Gesänge und alte Säcke in weißen Kaftanen geht, die genau das praktizieren, was man sich eigentlich unter einem vernünftigen Ritual so vorstellt, bei dem es um Jungfrauen geht...