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Freitag, 25. März 2011

Siehste?

"Siehste? Wir habens ja gesagt! Die Radioaktivität aus Japan hat Deutschland erreicht! Du hattest Unrecht! Wir haben Recht! Das ist alles gar keine Panikmache! Das ist ECHTE GEFAHR! Wir werden alle STERBEN! Jod kaufen! Nie wieder Pilze!"
So und ähnlich schallmeit es mir momentan um die Ohren. Ich gebe gerne zu, wenn ich mich geirrt habe, aber ich möchte dann doch handfeste Belege. Die gibt es für diese Fragestellung in Deutschland, für jeden nachprüfbar, nicht etwa bei der Bild oder bei SPON, sondern beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), genauer gesagt über das Integrierte Mess- und Informationssystem (IMIS) und über die Messstation für atmosphärische Radioaktivität Schauinsland. Einzelne Messstellen für Werte der sogenannten "Ortsdosisleistung" sind auch abrufbar.

Um uns allen eine Menge Text zu ersparen, mache ich es kurz. Die täglichen Berichte des Bundesamtes für Strahlenschutz fassen die Messwerte zusammen. Die besagen für gestern, den 24.03.2011:
"(...) keine auffälligen Abweichungen vom normalen Strahlenpegel (...)"
Beziehungsweise:
"(...) keine auffälligen Abweichungen vom Normalpegel der Radionuklide in der Luft (...)"
Ach ja:
"In Deutschland sind Iodtabletten in dieser hohen Dosierung nicht über die Apotheke zu beziehen. Die dort in der Apotheke erhältlichen Iodtabletten sind zur Anwendung bei Jodmangelerscheinung und bei Struma zugelassen und enthalten 100-200 µg, also etwa 1/1000 der bei einem Reaktorunfall notwendigen Dosierung."
Wohl bekommts.

Montag, 14. Juli 2008

Rat der Politik

KernkraftwerkManchmal bietet sich der Politik die unvorstellbar wertvolle Chance, vor einem Millionenpublikum exemplarisch ausgewählten Wählern zu helfen und denen zu zeigen, wie die Ideen der Politik nach deren Vorstellung in der Praxis umgesetzt werden sollen. Eine solche unbezahlbare Chance ergab sich gestern Abend bei Anne Will. Dort saß das Ehepaar Schütte, Eltern zweier Kinder, und wollte hören, wie sich die Damen und Herren aus Politik und Energiewirtschaft vorstellen, wie eine "real existierende" Familie die explodierenden Kosten für Strom, Gas, Öl und Benzin, kurz: Energie, schultern sollten.

Es war sehr ernüchternd, wie sich die Gesprächs"partner" waren Christian Wulff (CDU), Hubertus Heil (SPD), Jutta Ditfurth (ehemals Die Grünen, jetzt Ökologische Linke), Rolf Martin Schmitz (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft), Peter Escher (Moderator beim MDR) um konkrete Antworten drückten. "Kurzfristig seien keine Lösungen zu erwarten." "Steuersenkungen wären bestimmt ein Theme für die kommende Legislaturperiode." "Langfristig brauchen wir andere Energiekonzepte." "Die Pendlerpauschale bringt die Wende." Man konnte kaum so schnell mitschreiben, wie die konkreten Vorschläge aufeinander folgten. Und dazwischen die scheinheiligen Versprechend er Energiewirtschaft, dass von den Gewinnen bestimmt was an den Verbraucher abgegeben werden könnte.

Familie Schütte blieb sprachlos. Und ratlos. Stattdessen nutzten die versammelten Experten die Zeit, eherne politische "Standpunkte" erneut auszuwalzen und die Schuld hin und her zu schieben. "Man müsste..." "Man sollte..." "Man könnte..." "Wenn man..." Nicht ein einziger konkreter Hinweis, nicht ein einziger echter Ratschlag. Stattdessen wurde die Zeit ausgiebig genutzt, um das ideologische Für und Wider rund um das Thema Kernkraft auf theoretischer und parteipolitischer Ebene breitzutreten, aber auch hier ohne konkrete Aussagen, mit jeder Menge leerer Ankündigungen und gegenseitiger Schuldzuweisungen. Eine großartige Hilfe für die, die unmittelbar mit den Folgen der Politik konfrontiert sind.

Was lernt der Wähler aus solchen Veranstaltungen? Wohl nur dies: Politiker sind blind für die Bedürfnisse ihrer Wähler und haben überhaupt keine Vorstellung von den tatsächlichen Nöten der Bevölkerung. Konfrontiert mit den echten Problemen können sie keine Antworten geben und flüchten in das einzige, was sie zu können scheinen: Darüber fantasieren, was im "großen Rahmen" in 20, 50 oder 100 Jahren möglich sein könnte.

Armes Deutschland.

(Quelle: NDR)

Sonntag, 6. Juli 2008

The beauty of nucular energy

KernkraftwerkAtomkraft ist schön. Die Kernkraft hat eine ihr innewohnende Schönheit, der man sich nicht verschließen darf. Auf gar keinen Fall! Das wäre gefährlich und antiamerikanisch. Und wer antiamerikanisch ist, gehört zur Achse des Bösen und wird mit aller Gewalt befreit. So in etwa jedenfalls argumentiert zur Zeit der scheidende US Präsident Bush. Er nennt Atomkraft auch "eine erneuerbare Energie ohne jegliche Treibhausgase".

Was folgern wir daraus? Schönheit ist, was man daraus macht, zum Beispiel ein Kriegsgrund - siehe Iran. Andererseits baut man keine Atomkraftwerke, ist man auch Feind der USA. Egal wie, wir haben wohl verschissen, aber das ist ja nichts Neues.

Aber wenigstens bauen wir jetzt schöne Wegweiser im Meer. Für "nur noch" 30 Milliarden Euro sollen Windmühlen in die Nordsee gepflanzt und dann mit dem Festland verkabelt werden. Prima Plan, denn die Technik ist ja schon soweit ausgereift, dass die Windanlagen über Jahrzehnte dem überhaupt nicht aggressiven Klima der Nordsee widerstehen. Aber immerhin soll dieser Windpark genau so viel Strom erzeugen, wie Deutschland "verliert", wenn die Laufzeit der ältesten AKW in den nächsten Jahren ausläuft.

Singen, klatschen und im Kreis tanzen...

(Quelle: heute, Tagesschau)

Freitag, 23. Mai 2008

Überschrift des Tages (72)

KernkraftwerkWohl damit die Grünen mit ihrer Forderung nach einem Überdenken der Energiepolitik nicht ganz alleine die Lorbeeren einsacken und damit sie sich als zukünftige Koalitionspartner schon mal auf irgendetwas einstellen können, gab unsere Bundeskanzlerin gestern auf dem Katholikentag in Osnabrück folgendes Leckerli zum Besten. Über die von Rot-Grün durchgesetzte Energiepolitik fällte sie ein recht eindeutiges Urteil:

Unser Atomausstieg ist lächerlich - Angela Merkel - FAZ
Deutschland macht sich in ihren Augen "lächerlich", wenn in Deutschland ein "gutes Gewissen" dadurch geschaffen werden soll, dass Atom- und Kohlekraftwerke stillgelegt werden, gleichzeitig aber Strom, der aus denselben Energieträgern erzeugt wird, aus den Nachbarländern importiert wird. Gleichzeitig sprach sie sich auch gegen ein pauschales Tempolimit auf den Autobahnen aus: "Die Masse von CO2 entsteht im Stau und nicht durch das schnelle Fahren."

Es ist nicht bekannt, ob sich Tante Angie mit Onkel Silvio aus Italien abgesprochen hat, der heute (bzw. gestern) bekannt gab, dass Italien die Sache mit dem Ausstieg aus der Kernenergie jetzt mal sein lasse und demnächst den Grundstein für ein neues AKW legen werde. Italien hatte nach dem Reaktorunfall in Block 4 des Kernkraftwerks in Чернобыпь (Tschernobly) per Volksentscheid die Nutzung der Kernenergie aufgegeben. Falls ja, hätte sie in ihm ja auch gleich den Wegbereiter für den Einsatz der Bundeswehr im Inland ohne Änderung des Grundgesetzes gefunden, hatte Onkel Silvio doch gerade erst Mülldeponien zu Plätzen von "nationalem, strategischem Interesse" erklärt und sie so der Herrschaft des Militärs unterstellt. Aber auch unabhängig davon fällt irgendwie auf, dass sich EADS gerade erst an dem französischen Ausstatter von Kernkraftwerken beteiligt hat und zusammen mit dem überlegt, wie man Siemens aus dem Markt drängen könnte...

Wollen wir wetten, dass demnächst ein neues AKW in Deutschland gebaut wird?

(Quelle: FAZ, FTD, Spiegel)

Montag, 4. Februar 2008

Untersuchungsergebnis (2)

KernkraftwerkAnfang Dezember 2007 wurde eine Studie präsentiert, die "eindeutig nachwies", dass in der Umgebung von Kernkraftwerken in Deutschland ganz eindeutig vermehrt Fälle von Leukämieerkrankungen auftreten. Jene Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) war bereits damals nicht unumstritten und ich vermutete, dass eine das Gegenteil behauptende Untersuchung bald folgen dürfte.

Ich hatte natürlich Recht. Die Bundesregierung verkündete gestern im Bundestag, dass "nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand kein Kausalzusammenhang zwischen einem Anstieg von Krankheiten in der Nähe von Atomkraftwerken und der Strahlenbelastung durch ein AKW" besteht. "Die Strahlenbelastung der Bevölkerung müsse durch den Betrieb der Kraftwerke in Deutschland um mindestens das 1.000-fache höher sein, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos erklären zu können", so die Bundesregierung. Die Studie zeige keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den erhöhten Krebserkrankungszahlen und den tatsächlichen Emission aus Kernkraftwerken. Die in der Strahlenschutzverordnung festgelegten Grenzwerte aber um mehr als den Faktor 100 unterschritten, so die Bundesregierung.

Ring frei für die nächste Runde...

Donnerstag, 19. April 2007

Überschrift des Tages (23)

Nein, nicht ganz. Noch können auch im Mittleren Osten Erze keine Zentrifugen in Betrieb nehmen. Was N24 vielmehr mitteilen wollte war, dass der Iran Zentrifugen für die Anreicherung von Uran in Betrieb genommen hat. Das ist nicht weniger beunruhigend, ergibt als Überschrift aber irgendwie mehr Sinn.

(Quelle: N24)

Montag, 19. Februar 2007

Schilder

Preisfrage: Was ist das?

IAEA Warnschild nukleare Strahlung neu
Es hat auch bei mir einige Ratlosigkeit ausgelöst und ich musste nachlesen, um dahinter zu kommen, dass dieses eigenartige Dingsda das neue Warnschild der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist, mit dem vor radioaktiven Gefahren gewarnt werden soll. Das bislang gebräuchliche Schild gilt offiziell als "nicht aussagekräftig" und wird deshalb durch seinen Nachfolger ersetzt.

Was man allerdings mit den zig Tonnen radioaktiver Abfälle macht, die weltweit schon mit dem "völlig nichtssagenden" Schildchen beklebt und irgendwo vergraben wurden, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

Freitag, 12. Januar 2007

Öl und Strom und Geld

Raffinerie PipelineVor ein paar Tagen da gab es ziemliches Geschrei wegen "der bösen Russen". Die hatten nämlich "einfach so" eine Ölpipeline geschlossen. Warum und wieso ist eigentlich jedem so ziemlich egal, denn "die Russen sind schuld" - sagen jedenfalls die Spezialisten mit ihrem allumfassenden Thekenfachwissen und die müssen es ja wissen. Jedenfalls fiel einigen Leuten auf, dass wir irgendwie ziemlich abhängig von anderen Leuten sind, wenn es um Energie geht.

Erst neulich hatten wir ja die Debatte mit dem Erdgas, bei der dann doch ein paar Fragen offen blieben. Zum Beispiel: Warum muss man in manchen Bundesländern für dieselbe Menge Erdgas fast doppelt so viel bezahlen wie in anderen? Eine Frage, die die Energiekonzerne irgendwie nicht beantworten wollen, was jetzt die Politik auf den Plan gerufen hat. Eine andere Debatte dreht sich seit Jahrzehnten um den Benzinpreis und die überhaupt nicht auffällige Preisgestaltung. Um so erstaunlicher, dass das Schließen der Pipeline nicht zur Explosion des Benzinpreises geführt hat, während sonst ein Husten im Mittleren Osten dazu führt, dass hier der Benzinpreis steigt - das wir hier bloß knappe 23% unseres Öls aus der OPEC bekommen spielt dabei natürlich keine Rolle.

Jedenfalls nutzten manche Politiker die so entstehende Diskussion, um sich mit der Energielobby anzufreunden. Das Thema Atomstrom und der Ausstieg vom Ausstieg steht zur Debatte. Die Energeikonzerne wollen die Atomkraftwerke weiter betreiben, weil sie enorm profitabel sind, weil Atomstrom sicher ist und überhaupt geht es nicht ohne, wenn wir unser weltbestes Stromversorgungssystem aufrecht erhalten wollen. Der Rest ist dagegen, weil das Problem der radioaktiven Abfälle nicht gelöst ist.

Dem hält die Pro-Atomkraft-Fraktion entgegen, dass man ja sehr wohl sehr gute Endlagerungesstrategien habe, die "absolut sicher" sind. Das sieht man ja zum Beispiel in der Champagne. Ein besonderes Problem sind dabei die hochradioaktiven Abfälle, wie zum Beispiel Plutonium, das viele tausend Jahre radioaktiv ist (Halbwertszeit 24.110 Jahre). Bislang wurde Plutonium in speziellen Keramiken versintert und die "Atomlobby" sah das Problem als "gelöst" an. Wie gesagt: Bisher. Britische und amerikanische Forscher konnten jetzt nachweisen, dass diese Lösung zwar toll, aber untauglich ist. Das Plutonium "zerstrahlt" im Laufe der Zeit diese Keramik, die sich dadurch auflöst, aber das ist wahrscheinlich eine andere Geschichte.

Aber Warum hatte Russland jetzt eigentlich den Hahn zugedreht? Was haben die Deutschen eigentlich falsch gemacht? Die Antwort ist so einfach wie offensichtlich: Gar nichts. Es ging dabei nicht um uns. Es ging um jemand ganz anderen. Es ging um Weißrussland und deren Verhalten. Dort war (und ist) man der Meinung, dass man sich aus dem Öl, dass durch die Pipeline transportiert wird, bedienen dürfe. Man umschreibt das Ganze als "Durchleitungsgebühr". Diese "Gebühren" wurden so nie vertraglich vereinbart und Putin-Land hat über die Höhe der "Gebühren" eine völlig andere Ansicht hat als Lukaschenko-Land.

Vielleicht - ich bin da Optimist - verstehen jetzt ein paar Leute mehr, warum Putin-Land zu uns durch die Ostsee Pipelines zu uns bauen will und zwar mit voller Absicht an Lukaschenko-Land (und auch an Kaczynski-Land) vorbei und warum diese beiden Länder das überhaupt nicht lustig finden.

Ich bin gespannt, wie diese Debatte weitergeht.

(Quelle: n-tv, wissenschaft.de, FAZ, Spiegel)

Donnerstag, 11. Januar 2007

Heile Welt

SchafeIch vertrete ja schon länger die Ansicht, dass diese Welt nicht ganz heile ist. Onkel George erklärt, dass er mit etwas mehr als 20.000 zusätzlichen Soldaten den Krieg im Irak doch noch gewinnen will. Nicht ohne Grund haben ziemlich viele ranghohe Militärs da so ihre Zweifel und spekulieren bereits über langfristige Folgen für die politische Einsatzfähigkeit der US-Streitkräfte. Man müsse sich zukünftig sehr gut überlegen, ob und wo man in den Krieg zieht, heisst es.

Davon völlig unbeeindruckt lässt Onkel George US-Truppen in Somalia Luftangriffe fliegen und schickt wohl sogar Bodentruppen ins Land - als wäre Mogadischu nie passiert. Kurz nach seiner Rede zu seiner künftigen Strategie im Irak lässt er denn auch das iranische Konsulat in Arbil im Irak angreifen und dort fünf iranische Mitarbeiter verhaften - Konsulate sind nach internationalem Recht Hoheitsgebiet des jeweiligen Staates, den sie repräsentieren und dort bewaffnete Truppen eindringen zu lassen könnte man auch als Kriegserklärung auffassen.

Gleichzeitig bereitet sich Israel darauf vor, den Iran mit - wie es heisst - einem begrenzten thermonuklearen Angriff von seinen Ambitionen abzubringen, Atombomben zu bauen. Die IDF trainiert deshalb schon seit Wochen für entsprechende Missionen, bei denen bunkerbrechende Waffen und - zumindest nach Informationen der Sunday Times - auch taktische Nuklearwaffen zum Einsatz kommen sollen, ungeachtet der Tatsache, dass Fachleute die Idee zuerst ein Loch zu sprengen und dann eine Atombombe hinterherzuwerfen als "reine Fantasie" und "Science Fiction" bezeichnen.

Aber all das interessiert hierzulande niemanden. Es ist fast allen völlig egal, dass ihre Grundrechte scheibchenweise abgeschafft werden, dass sie zukünftig ihre Unschuld beweisen müssen statt ihnen ihre Schuld nachgewiesen werden muss. Stattdessen stimmen immer mehr der Todesstrafe zu, zum Teil mit haarsträubenden Argumenten wie zum Beispiel der Idee, dass "Menschen, die sich am Leben anderer vergreifen, dafür mit dem eigenen bezahlen." Das die "Erfolge" des Praktizierens der Todesstrafe in anderen Ländern zeigen, dass diese Denkweise völlig an der Realität vorbei ist, belastet die so Argumentierenden ebensowenig, wie das fundamentale Loch in der Logik der Beweislastumkehr.

Stattdessen heißt es immer häufiger "Politik interessiert mich nicht" - wohl überwiegend, weil man dazu selber nachdenken, unangenehme Tatsachen akzeptieren und das eigene Bild der weitestgehend einfachen und "heilen Welt" ad Acta legen muss. Und man muss lesen. Und das ist anstrengend. Anstrengend und vor allem "selber denken" ist aber voll unmodern. Das ist nicht tres chic.

Da erfreut man sich doch lieber an den medienwirksam aufgeblasenen Blamagen irgendwelcher Casting-Shows, bestellt sich die Klingeltöne der größten Pleiten und debattiert doch lieber über das neue HighTech Telefon von Apple - unbelastet von der Erkenntnis, dass sich hierzulande wohl eh kaum jemand dieses Stück Technik leisten können wird. Aber dafür sind die mit diesem Produkt verbundene Namensstreitereien ja super interessant! Schon gehört? Cisco hat Apple verklagt! Das hat mit dem wirklichen Leben natürlich viel mehr zu tun, als mit einem zunehmend eskalierendem Krieg irgendwo da hinten, bei dem der Einsatz von Atombomben zur Disposition steht.

Langsam verstehe ich immer mehr, was Schäuble tatsächlich mit "Kernbereiche des Lebens" der Bürger dieses Landes meinte.

Donnerstag, 1. Juni 2006

Radioaktiver Champagner

Greenpeace (das sind die mit den Schlauchbooten) hat schon häufiger auf Probleme und Gefahren in der Umwelt hingewiesen. Meistens waren es aber gerade die Reichen und Mächtigen, die das eher als letzte interessiert hat. Das könnte jetzt anders sein.

Frankreich betreibt einige Endlager für Atomare Abfälle. Ein Problem, das wir auch in Deutschland haben. Eines dieser Endlager ist in der Normandie. Dort ist das Grundwasser nach Angaben von Greenpeace "sehr hoch kontaminiert" mit radioaktiver Strahlung. In Soulaines gibt es nun auch ein solches "Lager". Und das ist in der Champagne. Da kommt der Champagner her.

Bereits vor einer Woche hat die französische Atombehörde "Andra" einen Defekt an der Anlage in der Champagne zugegeben. Dort konnte im Grundwasser erhöhte Radioaktivität nachgewiesen werden. Zwar liegen die Werte bei "nur" 13-17 Becquerel. 100 Becquerel sind nach Ansicht der EU "erlaubt". Tatsache ist, dass das Lager erst zu einem Zehntel gefüllt ist und dass dort Radioaktivität austritt und dass dieses Lager im weltweit einzigen Anbaugebiet des Champagners liegt.

Greenpeace geht davon aus, dass in wenigen Jahren die Belastung des Grundwassers den Wert von 100 Becquerel deutlich übersteigen wird. Ein Zyniker, der daran dächte, dass sich so vielleicht das Problem der Globalisierung fast von alleine lösen könnte...

(Quelle: Greenpeace, Tagesschau)

Freitag, 28. April 2006

Und jetzt?

Bush - AhmadinedschadEs wird ziemlich kontrovers diskutiert, ob der Iran eine Gefahr ist oder nicht und ob "man" dem Iran erlauben dürfe sich mit Kernenergie zu befassen oder nicht und wa es zu tun gelte. Es ist schon länger bekannt, dass der Iran recht gut mit Nordkorea kann und das zwischen beiden Ländern einige zumindest bemerkenswerte Verbindungen bestehen, obwohl die PRNK ungefähr so sehr zum fundamentalistischen Islam zu zählen ist, wie der Iran zum Christentum, aber das ist hier nebensächlich.

Um die Überlegungen ein wenig in Gang zu bringen, sei daran erinnert, dass mit radioaktivem Material nicht nur die allseits medienwirksam beworbenen Atombomben gebaut werden können. Man kann damit auch noch eine ganze Menge anderer interessanter Dinge basteln, die nicht so kompliziert in Bau und Handhabung und Lagerung sind, wie eben genau solche nuklearen Sprengsätze. Das Stichwort lautet "Dirty Bomb" - Schmutzige Bombe.

Man stelle sich vor, dass in "ausreichender" Höhe über einer größeren Stadt radioaktives Material - sagen wir mal Plutonium - "verstreut" wird. Ein paar Kilo, fein zerstäubt, schön gleichmäßig... Nicht gerade sogenanntes "Weapongrade" Plutonium, sondern solches, das durchaus beim Betrieb bestimmter Reaktoren anfällt. Plutonium ist nämlich nicht nur radioaktiv, es ist auch noch hochgradig giftig.

Egal wie hoch die Strahlendosis tatsächlich wäre, die Bevölkerung wäre bestimmt super toll begeistert von dem coolen Feature, das zu den (dann) neuesten Errungenschaften ihrer Stadt gehörte: "Kommen sie zu uns, wir strahlen immer!" Entsprechend dürfte eine gewisse Panik in der dortigen Bevölkerung nicht völlig illusorisch und von der Hand zu weisen sein, zumal wenn derjenige, der das Ding losgeschickt hat, gleichzeitig allerlei Schauermärchen an die Medien lanciert und die Medien wiederum alles tun, um sich gegenseitig mit Schlagzeilen zu übertreffen.

Man denke in diesem Zusammenhabg nur an die Schlagzeilen der Bildzeitung, die uns für Wochen von der Seite 1 entgegenprangten. Angefangen von "Nuklearer Angriff", über "Verseucht!", "Die Opfer klagen an", "Warum?" bis hin zu "Was nun Frau Merkel?". Entsprechend dürfte die Reaktion bundesweit sehr interessant ausfallen. Die wirtschaftlichen Folgen wären zumindest bemerkenswert, die politischen kaum auszudenken. Abwegig? Schwer zu sagen.

Weg vom hypothetischen Gefasel - hin zur aktuellen Lage. Es sei an eine Randnotiz bei Reuters erinnert, die gestern über den Ticker lief:
"Iran has received a first shipment of missiles from North Korea" "In February, a German diplomat, citing his country's intelligence data, confirmed a German newspaper report that said Iran had purchased 18 disassembled BM-25s from North Korea."
Iran Verteidigungsminister Mostafa Mohammad NajjarAlso. Deutschlands Geheimdienst hat - mal wieder - etwas Interessantes herausgefunden. Eine Reihe Raketen wird von Nordkorea an den Iran geliefert. Diese BM25-Mod3-Raketen, auch bekannt als SSN6 und "Alter Serbe", haben eine ungefähre Reichweite von mindestens 3000 Kilometern mit einer Nutzlast von mehr als 600 Kilogramm und kann mit seinen Mehrfachsprengköpfen (Multiple Impact Reentry Vehicles, MIRV) ein bis drei individuelle Ziele angreifen. Das reicht - ungefähr - vom nördlichen Iran bis grob zur Linie Stuttgart - Berlin. Interessante Gegenden zur Stationierung wären zum Beispiel die Berge süd-östlich von Tabriz bei Soleyman Darreshi und vielleicht das Gebirge im nord-östlichen Iran bei Siah Kuh. Von hier aus kann man einen recht großen Teil Europas abdecken.

Ob der jetzt dritte Präsident des Irans in Folge, der Genozid offen propagiert, der für eine militärische Expansion des fundamentalistischen Islam, für ein auslöschen des "Zionismus" und der USA einsteht und für den eine militärische Konfrontation nicht nur eine Option, sondern schon Lösung seiner Probleme bedeutet - er hätte dann die Rechtfertigung zum Losschlagen weltweit, die er bräuchte - wirklich ganz so harmlos ist, wie manche sagen, sei außen vor gelassen. Insgesamt dürfte es sich wohl in erster Linie um eine konkrete Bedrohung gegen Israel handeln.

Andererseits: 18 (achtzehn) solcher Raketen sind nicht unbedingt etwas, was man in Anbetracht der aktuellen Situation und den wahrscheinlichen Möglichkeiten dieses Regimes auf die leichte Schulter nehmen sollte, denn die Führung im Iran stellte ja gerade erst fest, dass ihr herzlich egal sei, was die UNO, der Weltsicherheitsrat oder sonst eine westliche Organisation an Sanktionen beschließe.

Irgendwie fühle ich mich an Kuba 1962 erinnert, nur verstört mich hier ein wenig die Parallele zur Argumentation im Vorfeld des Irak-Krieges. Auch dort war von "Massenvernichtungswaffen" und von "ballistischen Raketen großer Reichweite" die Rede und von "Geheimdienstinformationen" und so weiter. Allerdings hatte der Irak keine Kernreaktoren und auch einige andere Voraussetzungen im Irak waren anders als im Iran.

Beruhigend ist die aktuelle Situation jedenfalls nicht.

Donnerstag, 27. April 2006

Abzugsmatt - Wie aus dem Lehrbuch.

USA Europa Iran AtomZur Zeit streiten sich die politischen Lager der Welt, ob gegen den Iran militärisch vorgegangen werden darf / kann / soll / muß oder eben nicht. Auf der Seite der Befürworter eines rabiaten "auf die Finger"-Kurses mit Militär und so steht ganz weit vorne die USA mit ihrem gegenwärtigen Präsidenten, dem Onkel George. Der hat allerdings noch das Problem mit dem Irak am Hals, und das ist nicht nur ziemlich schwerwiegend für sein (zur Zeit ziemlich schlechtes) Image, sondern kostet auch eine Menge Geld. Aber er hat schonmal Tante Condoleeza mit der Warnung der "Koalition der Willigen" losgeschickt.

Zu den Argumenten von Onkel George für ein militärisches Eingreifen im Iran gehört zur Zeit das unbewiesene Szenario, dass der Iran Atombomben bauen wolle und könne. Ohne Erlaubnis der USA. Und das geht schon mal gar nicht.

Das Israel, Pakistan, Indien und wahrscheinlich auch Nordkorea und Brasilien und eventuell auch noch ein paar andere Länder dieser Welt inzwischen über Atomwaffen verfügen oder zumindest sehr wahrscheinlich Zugriff darauf haben, lässt Onkel George ersteinmal unter den Tisch fallen. Im Fall von Indien hat Onkel George sogar ausdrücklich die Leistungen des Indischen Staates gelobt und das zweit bevölkerungsreichste Land der Erde de facto im Kreise der etablierten und anerkannten Atommächte willkommen geheißen.

Nun könnte man lange darüber debattieren, wo für die USA der Vorteil läge den Iran zu überfallen, welche wirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen hier eine Rolle spielen und so weiter, aber das soll jetzt mal gar nicht Thema sein. Sehr viel mehr Stirnrunzeln verursacht es allerdings (zumindest bei mir), wenn Onkel George nicht nur mehr oder weniger unverhohlen mit einer militärischen Expedition in Richtung Theran droht, sondern dabei den Einsatz von Atombomben mehr oder weniger ausdrücklich als Option mit einschließt.

Spätestens an dieser Stelle hätte ich erwartet, dass die klassisch in Deutschland recht stark vertretenen Friedensbewegungen auf der Straße stehen und Alarm schlagen. Zu nicht nur meiner recht großen Verblüffung tun sie aber nicht. Warum denn nicht? Ist der Iran "unwichtiger" als der Irak? Kein Bock? Keine Zeit? Oder hat plötzlich etwa Onkel George wider Erwarten und entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch Recht?

Block 4 AKW TschernobylGestern bekam ich überraschend die Antwort. Auf Radio Bremen vier war anlässlich der jetzt 20 Jahre zurückliegenden Katastrophe im Block 4 des Kernkraftwerks in Чернобыпь (Tschernobly) ein leitender Vertreter einer Anti-Atomkraft Iniative eingeladen. Auch wenn das Interview überwiegend als "das übliche Blah-Blah" abgetan werden mag, machte mich eine besonders betonte Aussage hellhörig:
"Es kann keine friedliche Nutzung der Kernenergie geben"
Abgesehen davon, dass diese Aussage nicht ganz unumstritten sein dürfte, war ich verblüfft, dass diese These tatsächlich genau so von den Atomkraftgegnern vertreten wird. Und zwar nicht nur "ausnahmsweise" oder "vereinzelt", sondern scheinbar quer durch die ganze Szene scheint diese Sichtweise "etabliert" zu sein.

Atomkraftgegner und Friedensbewegung sind in Deutschland historisch eng miteinander verzahnt und haben nicht nur viele Berührungspunkte und Überlappungen, sondern häufig sind die Mitglieder der einen Gruppierung auch Mitglied in der jeweils anderen. Damit wird klar, warum sich kaum was tut bei den "klassischen Widerständlern". Schön selber ausmanövriert möchte man sagen. Ich möchte zwar nicht soweit gehen zu behaupten, dass den Atomkraftgegnern absichtlich die These "es kann keine friedliche Nutzung geben" zugespielt und die Etablierung dieser Argumentation bewußt von außen gefördert wurde. Aber an dieser Stelle zeigt sich, wie mit einem einfachen argumentativen Zirkelschluß gegen absolute Verallgemeinerungen ganze Bevölkerungsgruppen mundtot gemacht werden können.

Ich weiß nicht, wem ich zuerst gratulieren soll: den "Atomkraftgegnern" zu ihrer Glanzleistung oder Onkel George zum Erkennen und Ausnutzen dieser Situation.

Da kann man nur sagen: "Schach und Matt".