Posts mit dem Label Atombombe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Atombombe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 4. Februar 2010

Ungewöhnliche Ausflugsziele

(Ja, ich weiß... Youtube-Videos... Trotzdem. Dieses muss einfach sein.)

Es heißt: "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben". Je nach Reiseziel kann das aufregend oder langweilig sein, je nach dem. Wenn man eine Kamera dabei hat, dann kann man der Nachwelt sogar zeigen, was man selber so gesehen und erlebt hat.

Eine Gruppe Friedensaktivisten der belgischen Organisation "Bombspotting" dachte sich das wohl auch und klettert am 31. Januar 2010 unbemerkt über die Zäune des Luftwaffenstützpunktes "Kleine Brogel" (Belgien) und hielt sich nach eigenen Angaben über eine Stunde dort unbehelligt und offensichtlich auch unbemerkt auf, lief offen über das Rollfeld, machte überhaupt kein Geheimnis aus seiner Anwesenheit, trieb sich an den Bunkeranlagen herum und hatte, kurz gesagt, eine recht ausführliche und angenehme Besichtigungstour. Bemerkt wurden sie dabei wie gesagt offensichtlich nicht, zumindest so lange nicht, bis sie von sich aus eine Wache aufsuchten und ansprachen (ich vermute, die hatten einfach keinen Bock wieder durch den Modder zu latschen und über die Zäune zu klettern... :-)

Was daran so bemerkenswert ist? Kleine Brogel ist Stützpunkt des 10th Tactical Wing der US Airforce und dort sollen angeblich 20 nukleare Waffen lagern. Nette Vorstellung, nicht wahr? Die Gruppe rühmt sich übrigens, dass dies nicht der erste erfolgreiche unangekündigte Besuch auf diesem Militärstützpunkt war (das Video des anderen Besuchs ist in Deutschland wegen der Verwendeten Musik aus Deutschland nicht aufrufbar). Den ersten Besuch statte man dem Stützpunkt am 7. November 2009 ab.

Das Video der Reisegruppe Gänseblümchen von ihrem Ausflug Ende Januar:



Ich sag mal: "Ohne Worte".

Sonntag, 16. September 2007

Zahlenspiel mit Außenwirkung

ExplosionGroßer Medienrummel türmt sich auf, wann immer unser Innenminister irgendetwas zum Thema "Sicherheit" äußert. Meistens deshalb, weil seine Forderungen nach Aufweitung der Befugnisse und Beschneidung der Grundrechte oft eine dramaturgische Größenordnung annehmen, die der übrigen Alltagspolitik einfach fehlt - wenn man mal von der öffentlichen Selbstdemontage der SPD oder der Grünen absieht. Um so mehr erstaunt es, wenn gerade öffentlich Äußerungen dieses ansonsten penibel beobachteten Ministers im Blätterrauschen des Mediendschungels untergehen.

Neulich sagte unser Bundesinnenminister in der Nachbereitung der Festnahme der wahrscheinlichen Terrorzelle, die angeblich mit selber gebrautem Sprengstoff Anschläge verüben wollte, dass er nicht beruhigt sei. Im Gegenteil, diese Festnahme zeige ja gerade, dass Deutschland ein Hauptziel des internationalen Terrorismus sei. Das passt gut zur Warnung der CIA. Der Direktor der CIA, General Michael Hayden, trat am 7. September vor die versammelten Mitglieder des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten der USA und verkündete:
"Unsere Analysten gehen mit hoher Sicherheit davon aus, dass die Führung der Al Qaida Anschläge mit hohem Wirkungsgrad gegen das US-Heimatland plant."

"Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich Al Qaida auf solche Ziele konzentriert, die zahlenmäßig große Verluste, dramatische Zerstörungen und signifikante Spätfolgen verursachen."
Beides blieb weitestgehend unbeachtet. Aussagen, die bei den meisten als "übliche Paranoia" abgehandelt worden sein dürften.

Ist bei dem ganzen Rummel eigentlich jemandem aufgefallen, welcher Aufwand überhaupt notwendig ist, um aus den den in Deutschland festgenommenen Terroristen zur Verfügung stehenden Rohstoffen überhaupt einen Sprengstoff zu basteln, der überhaupt handhabbar ist, vom Fachwissen und Können mal ganz zu schweigen?

Nur so für die Akten: Aus Wasserstoffperoxid kann man theoretisch Sprengstoff herstellen, nämlich Acetonperoxid (APEX, TATP), aber da gibt es ein Problem: Entweder muss der Sprengstoff nach der Herstellung aus dem Wasser gefiltert und getrocknet werden, wodurch ein super empfindliches Höllenzeugs entsteht, dass sogar schon durch die Einwirkung von Sonnenlicht explodieren kann (oder durch das Ausüben von Druck, Erschütterungen, Temperaturschwankungen...) Wie wollten die Terroristen das Zeug erschütterungsfrei, ohne Druck- und Temperaturschwankungen transportieren? Beamen?

Raffinerie PipelineOder man erzeugt einen sogenannten Emulsionssprengstoff in Wasser, der zum Beispiel aus dem Bergbau bekannt ist. Um allerdings solch stabiles und handhabbares Apex herzustellen, muss man einiges wissen. Zum Beispiel, in welchen Chemikalien man welche Bestandteile mischen und binden oder herausfiltern muss, um am Ende auch tatsächlich einen funktionierenden Sprengstoff zu haben. Die Formeln dafür mögen sich in bestimmter Fachliteratur finden. Aber das Können beruht auf jahrelanger praktischer Erfahrung, einer exquisiten Laboreinrichtung schon fast industrieller Größenordnung, die wohl keiner der drei Festgenommenen vorzuweisen hatte. Von den für die erfolgreiche Produktion notwendigen sonstigen Chemikalien mal ganz zu schweigen. Erst recht nicht in einer Ferienwohnung in einem solchen Kuhdorf.

Der Aufwand zur Herstellung von Apex ist so groß, dass es wahrscheinlich einfacher wäre, den Sprengstoff aus einem Bergwerk zu klauen, als zu versuchen ihn selber herzustellen. Aber sei es drum. Die drei festgenommenen Männer waren bestimmt nicht vollkommen harmlos und vielleicht wussten die drei gar nicht, welche Probleme da noch bei der Produktion auf sie zu gekommen wären.

Einige Tage später sagte unser Herr Innenminister aber etwas, was mich nachdenklich machte. Er sagte, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Terroristen einen Anschlag mit Atomwaffen verüben werden. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er:
"Viele Fachleute sind inzwischen überzeugt, dass es nur noch darum geht, wann solch ein Anschlag kommt, nicht mehr, ob"
Es wäre zur Zeit die größte Sorge aller Sicherheitskräfte, dass Terroristen einen Anschlag mit nuklearem Material vorbereiten, so der Innenminister weiter.

Chemikalien KanisterWie kommt der Mann dazu ausgerechnet jetzt mit solch einem Statement an die Presse zu treten? Warum werden wir ausgerechnet jetzt medienwirksam von den Franzosen dazu eingeladen, uns eigene Atomwaffen zuzulegen? Was soll das zu einem Zeitpunkt, an dem Nordkorea gerade auf breiter Front mit allen zusammenarbeitet, seine Atomwaffenproduktion einstellt, die Reaktoren dicht macht und auch sonst gerne wieder lieb sein will, damit das eigene Volk nicht schlicht und ergreifend komplett verhungert und der Iran gerade erst bekannt gegeben hat, dass er die Bombe gar nicht will, sie sogar als Ballast empfindet und die Urananreicherung wahrscheinlich eher betreibt, um seine eigenen Kernkraftwerke versorgen zu können. Oder hat sich in letzter Zeit an der Einschätzung aller Experten etwas geändert, dass der Iran noch gar keine Atomwaffen haben kann, sondern sich lediglich auf dem Weg dahin befindet, welche zu produzieren?

Bleibt ein weiterer Vorfall, der mich nachdenklich macht. Vor einigen Tagen meldete die US-amerikanische Presse, dass das US-Militär einen Fehler zugegeben habe. "Irrtümlich" wären scharfe Atomwaffen mit einem Flugzeug über die USA transportiert worden. Eine Meldung, die bei den meisten Lesern mit einem schulterzuckenden "und?" abgehandelt gewesen sein dürfte. Dieser Vorfall allerdings hat es in sich. Um allerdings die Bedeutung dieses Vorfalles zu verstehen, muss man etwas ausholen.

Bis 1968 waren in den USA regelmäßig strategische Bomber mit scharfen Atombomben unterwegs. Es passierte, was passieren musste: Es kam zu Unfällen. Das Pentagon räumte insgesamt 13 (dreizehn) schwere Unfälle ein, an denen mit Atomwaffen bestückte Bomber zwischen 1950 und 1968 beteiligt waren. Bei allen diesen schweren Unfällen kam es zu kritischen Zwischenfällen mit den Kernwaffen. Entweder explodierten die Zünder, deren Schockwelle zum Teil noch in 30 bis 60 Kilometern Entfernung deutlich registriert wurde, die Atombomben verbrannten oder sie verteilten ihren strahlenden Inhalt weiträumig.

Nach einem Unfall in Grönland, bei dem vier Wasserstoffbomben verloren gingen und mindestens eine die Umgebung mit Plutonium verseuchte, protestierte Dänemark auf höchster Ebene. In der Folge wurden die strategischen Bomber am Boden gehalten, befanden sich aber in ständiger Alarmbereitschaft. 1991 wurden per Order des Präsidenten alle Atomwaffen von allen Flugzeugen entfernt und dauerhaft in besonders gesicherten Bunkern eingelagert.

B-52 ACM 15Der Vorfall vom 30. August 2007 ist schon deshalb so bemerkenswert, weil es das erste Mal seit 1968 war, dass überhaupt Atomwaffen in Gefechtsposition von US-Bombern transportiert wurden. Eine B-52H flog von Minot AFB, North Dakota, nach Barksdale, Louisiana, und hatte zwölf AGM-129 Cruise Missiles unter den Flügeln, von denen mehrere mit Atomsprengköpfen bestückt waren. Eine nicht unbeträchtliche Zahl internationaler Verträge und Vereinbarungen verbietet das und es sollte doch eigentlich zu erwarten sein, dass hier ein ganz klein wenig Unruhe auf dem internationalen politischen Parkett aufgekommen wäre. Dem war aber nicht so.

Der Laie wird sich sagen: "Ja nu, dumm gelaufen, kann ja mal passieren - sollte zwar nicht, aber shit happens" und das Thema zu den Akten legen. Um einen Eindruck davon zu bekommen, was da tatsächlich alles schief gegangen ist, muss man sich die Frage stellen, wie Atomwaffen überhaupt aus ihrem Lager herauskommen.

Die US-Luftwaffe behauptete, dass die Raketen "irrtümlich" mit Sprengkopf transportiert worden waren. Eigentlich hätten die Raketen ohne Sprengkopf verschrottet werden sollen. In Folge des Zwischenfalls ordnete die Militärführung eine komplette Überprüfung ("system-wide stand-down") für den 14. September an. Diese Erklärung allerdings wurde vom CIA und vom Office of Counter-Terrorism beim State Department "wegdebattiert". Von dort hieß es, dass Barksdale AFB der "jumping off point" für die Nachschubversorgung der Truppen im Mittleren Osten sei. Und so wurde aus einem internen Leck, das eine Panne an die Presse lanciert hatte eine hochoffizielle Warnung an den Iran, was dazu führte, dass die US-Amerikanische Öffentlichkeit den Vorfall schnell wieder vergessen sollte.

Egal wie: Die Luftwaffe sagt, dass die Raketen verschrottet werden sollten. Solche Raketen werden aber normalerweise in Tucson, bei der Davis-Monthan AFB, verschrottet. Atomwaffen wiederum werden in der Einrichtung des Energieministeriums Pantex demontiert und entsorgt, das sich nahe Amarillo in Texas befindet. Zu dieser Einrichtung hat das Militär über die Kirkland AFB in New Mexico Zugang.

Stellt sich eine offensichtliche Frage: Warum wurden die Atomsprengköpfe erst auf Raketen montiert, diese dann an einen Bomber gehängt, anschließend von North Dakota nach Louisina geflogen, wo die Raketen wiederum vom Bomber abgenommen wurden, um sie dann nach New Mexico zu fliegen? Sind die Schwächen in Geographie bei den Amerikanern jetzt schon so groß, dass die sich in ihrem eigenen Staat nicht mehr auskennen und sich "mal eben" um ein paar tausend Kilometer vertun?

Der übliche Weg solche Waffen zur Entsorgung zu transportieren besteht eben nicht darin, sie einsatzbereit auf Raketen zu schrauben, diese unter Bomber zu hängen und dann beliebig durch den Luftraum zu fliegen. Die Anzahl der Bewegungen wird absichtlich extrem klein gehalten. Das US-Verteidigungsministerium verlangt (Defense Directive 4540.5 vom 04.02.1998), dass jede Bewegung eines Nuklearsprengkopfes durch den Commander in Chief, die Joint Chiefs of Staff oder die National Military Command Authority angeordnet werden müssen. Das sind so ziemlich die höchsten militärischen Stellen der USA. Der Transport selber, die Route und die Modalitäten müssen von wiederum von hochrangigen, führenden Offizieren des Militärs bewertet und freigegeben werden.

Die US-Luftwaffe wiederum muss eine spezielle Truppe vorhalten, deren Auftrag einzig und allein der Transport von Kernwaffen ist. In Friedenszeiten werden nukleare Sprengköpfe, wenn überhaupt, dann ausschließlich in speziell für diesen Zweck umgebaute und explizit nur dieser Truppeneinheit zugewiesenen C-130 oder C-17 Transportflugzeugen auf dem Luftweg bewegt.

Da stellt sich mir doch eine Frage: Wenn das so strikt geregelt ist, wie kommen die Raketen dann "irrtümlich" mit Sprengkopf an einen Bomber? Klar, mit "Irrtum" erklärt man vieles. Vielleicht haben die Leute die Dinger für Übungsraketen gehalten oder dachten, das wären konventionelle Gefechtsköpfe oder so. Könnte ja sein.

Dummy Trainer AtombombeNein, wohl kaum. Es gibt keine konventionellen Sprengköpfe, die in die AGM-129 eingebaut werden könnten und die Dummy-Köpfe haben für jeden erkennbar eine blaue Farbe und sind gelb und weiß gekennzeichnet. Echte Sprengköpfe haben eine weiße Grundfarbe mit mindestens(!) drei großen, feuerroten Warnschildern auf denen klar und deutlich draufsteht, was drin ist: "Live Nuclear Warhead" - auf den Dummies steht dagegen: "Innert, non-nuclear".

Die Sprengköpfe wiederum sind so aufwändig abgesichert eingelagert, dass jedes unbefugte und unbemerkte Entfernen ausgeschlossen ist. Es ist auch nicht eben wahrscheinlich, dass die Leute, die die Sprengköpfe angeliefert haben nicht wussten, was sie da transportieren. Solche Sprengköpfe werden von einem Konvoi angeliefert, der vorne weg und hinten dran mit schweren Maschinengewehren bewaffnete Geleitfahrzeuge dabei hat. Den Konvoi begleiten zig schwer bewaffnete Marines. Kann man schwer übersehen so was.

Sehr unwahrscheinlich ist auch, dass die, die sie montiert haben, nicht wussten, was sie da anschrauben. Das Verfahren bei der Montage der Sprengköpfe ist auch nicht eben "lapidar". Die Montage muss von mindestens zwei speziell ausgebildeten Technikern erfolgen, die sich gegenseitig ständig im Blick haben müssen. Verlieren sich die beiden aus dem Auge, werden beide sofort von den bei der Montage anwesenden, bewaffneten Sicherheitskräften (Militärpolizei) vorübergehend unter vorgehaltener Waffe mit dem Gesicht auf den Boden ("face down") verhaftet, bis sichergestellt ist, dass an den Kernwaffen nicht manipuliert wurde.

Es ist wenig glaubwürdig anzunehmen, dass sowohl die für die Bewachung des Kernwaffenlagers zuständige Einheit, als auch die für den Transport zuständige Einheit, die für die Bewachung des Transports und der Montage zuständigen Einheiten der Militärpolizei, die für die Montage zuständigen Techniker einfach so mal eben einen ganzen Satz scharfer Sprengköpfe aus dem Regal holt und auf Trägersysteme montiert, ohne von ganz oben dazu die notwendigen ausdrücklichen schriftlichen Befehle zu haben. Ganz zu schweigen von der Besatzung des Bombers.

Aber gehen wir mal davon aus, dass diese unvorstellbare Kette von Zufällen tatsächlich eingetreten ist. Nehmen wir mal an, sämtliche Kontrollen, Sicherungsinstanzen und administrativen Befehlsketten hätten versagt. Hätten dann nicht schwere Strafen oder Disziplinarmaßnahmen ausgesprochen werden müssen? Immerhin reden wir hier vom ersten Verstoß gegen eine ganze Latte von Vorschriften, die seit 40 Jahren in Kraft sind. Sollte man doch eigentlich bei einer Armee erwarten, die ihre Soldaten schon für das Veröffentlichen der eigenen Meinung in den Bau steckt, oder?

US Militärpolizei bewaffnetTatsächlich wurde der diensthabende Offizier der Einheit, die die Munitionslager bewacht, zeitweise vom Dienst befreit ("relieved of duty pending an investigation"). Er wurde nicht seiner Stellung enthoben oder disziplinarisch bestraft. Den beteiligten Mannschaften wurden zwar vorübergehend die Berechtigungen für das Verrichten dieses Dienstes entzogen ("temporarily decertified pending corrective actions or additional training"), aber auch hier wurden keine Strafen oder disziplinarischen Maßnahmen verhängt. Der oberste diensthabende Offizier, der Wing Commander, wurde erst gar nicht erwähnt. Die verhängten Maßnahmen sind am Ende warme Luft und haben keinen Einfluss auf die jeweiligen Karieren der betroffenen Soldaten. Ich finde das eigenartig, denn es lässt nur den einen Schluss zu, dass von ganz weit oben der Transport angeordnet wurde.

Wie kann dann das US-Militär aber öffentlich zugeben, dass es für mehrere Stunden nicht gewusst habe, wo sich seine Kernwaffen befinden? Wie kann es dann sein, dass die Raketen nach ihrer Ankunft in Barksdale AFB als ungefährlich und damit unwichtig eingestuft wurden, die lediglich modernisiert oder verschrottet werden sollten?

Es dauerte fast 10 Stunden, bis die Soldaten der Minot AFB ihre Vorgesetzten davon überzeugen konnten, dass scharfe Atomsprengköpfe fehlten. Informationen, die dem US-Kongress vorgelegt wurden, besagen, dass zehn Stunden verstrichen, bevor die Soldaten auf der Barksdale AFB "bemerkten", dass Sprengköpfe fehlen, aber es kommt noch besser.

Die ersten Berichte der Presse aus Barksdale sagten, dass fünf Sprengköpfe auf den Raketen am Bomber gewesen wären (zb hier, hier und hier). Als es später aus Minot AFB hieß, dass sechs Sprengköpfe vermisst werden (zb. hier, hier, hier und hier) wurden viele dieser Berichte in den Medien im Nachhinein entsprechend angepasst - ohne Fragen zu stellen. Das Militär nahm zur Anzahl der Sprengköpfe allerdings zu keinem Zeitpunkt offiziell Stellung.

Stattdessen tritt unser Innenminister an die Presse und warnt vor einem nuklearen Anschlag...

(Quelle: AFP, FAZ, New York Times, Spiegel, LA Times, uvm.)

Samstag, 15. September 2007

Freundschaftsangebot

Merkel Sakozy Atombombe
Frankreichs Präsident Sarkozy hatte vergangenen Montag unserer Bundeskanzlerin angeboten, an Frankreichs "Force de Frappe" mitzuwirken. Diese Nuklearstreitmacht beschütze schließlich auch das Nachbarland, so seine Argumentation. Wie wäre es, wenn die Bundesregierung überlegen sich dann auch an der Entscheidungsgewalt über die Atomwaffen beteiligte? Steinmeier entgegnete Sarkozy, Deutschland habe nicht vor sich Kernwaffen zuzulegen. Außerdem sei man seit 1975 Mitglied im Atomwaffensperrvertrag. Die Bundeskanzlerin pflichtete dem SPD-Minister ausdrücklich bei.

Übrigens: Es wird schon lange gemunkelt, dass Deutschland im Besitz einiger durch die USA überlassener Atombomben ist. Die Bundesregierung lehnt zu diesem Thema jedoch jegliche Stellungnahme ab...

Freitag, 14. September 2007

Next Target: Iran

Bush - AhmadinedschadVor mehr als zwei Jahren wurde im Iran der amtierende Präsident Machmud Achmadineschad gewählt. Die Zeit verfasste damals einen bemerkenswerten Artikel, in dem der am Wahltag interviewte Dichter Asisian einen bedeutungsschweren Satz vor der versammelten Presse losließ:
"Iran braucht keine Atombombe, denn jedes unserer Kinder ist eine Atombombe!"
Dieser Ausruf gelangte damals nicht zu besonderer Aufmerksamkeit und ging schnell wieder im allgemeinen Pressetrubel unter. Jetzt aber, nach mehr als zwei Jahren, wird ein Teil dieser Aussage wieder aufgegriffen, nämlich von dem, der damals gewählt wurde:
"Wieso brauchen wir eine Bombe? Wir brauchen sie nicht."
So jedenfalls übersetzte Channel 4 am Mittwoch ein Interview mit Irans Präsidenten Ahmadinedschad aus dem Garten des Präsidientenpalastes. Der Präsident ging sogar noch weiter. Die iranische Führung halte Atombomben generell für politisch "nicht nützlich". Trotzdem werde der Iran an der Anreicherung von Uran festhalten.

Die Uno verhandelt zur Zeit über schärfere Sanktionen gegen den Iran, um eine Kontrolle durch die IAEA zu erzwingen und so zu verhindern, dass der Iran in den Besitz eigener Atomwaffen gelangt. Zwar forderte der deutsche Botschafter Klaus-Peter Gottwald, dass der Iran sein Programm zur Anreicherung von Uran aussetzen müsse, damit neue Verhandlungen überhaupt möglich werden, insgesamt ist die Haltung der Bundesregierung in dieser Sache jedoch mehr als nur gespalten. Als größter Handelspartner des Irans ist man nicht gerade erbaut von der Vorstellung, dass die für beide Seiten lukrativen Geschäftsbeziehungen durch Sanktionen nachhaltig gestört werden und der deutschen Wirtschaft eventuell Verluste in Milliardenhöhe drohen. Darum ist man in Berlin zur Zeit eher gegen eine zügige Verschärfung der Sanktionen und will lieber die nächsten Entwicklungen abwarten.

Bei einem Treffen mit den fünf ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrates und Deutschland, sowie Vertretern des Irans in Berlin letzte Woche unterrichteten Diplomaten die Verbündeten darüber, dass die Bundeskanzlerin weitere Sanktionen gegen den Iran nicht unterstützen werde, man allerdings den zur Zeit durch die UN vorangetriebenden Prozesse voll und ganz unterstütze und hoffe, auf diesem Wege weitere Fortschritte zu erzielen. Das wiederum kommt in Washington gar nicht gut an. Wie Fox berichtet, werten viele Politiker in Washington diese Aussage als Scheitern des nicht militärischen Vorgehens gegen den Iran.

Führende Regierungsbeamte bestätigten demnach, dass man in Washington potentielle Szenarien für ein militärisches Vorgehen gegen das islamische Regime im Iran ernsthaft in Erwägung zieht. Führende Politiker und Offiziere des Militärs beim State Department drängen demnach Secretary of State Condoleezza Rice dazu anzuerkennen, dass der diplomatische Weg gescheitert ist und jetzt eine militärische Lösung gefunden werden müsse.

Laut einer Fox zugänglichen Insiderquelle aus Regierungskreisen beschäftigt sich "everyone in town" an einer breit angelegten Diskussion über die Kosten und Vorteile einer militärischen Intervention gegen den Iran. Diskutiert wird ein Zeitrahmen innerhalb der nächsten acht bis zehn Monate, nach dem die Vorwahlen zu US-amerikanischen Präsidentschaft abgeschlossen sind, aber noch deutlich vor den Präsidentschaftswahlen im November 2008.

Über die deutsche Regierung heißt es aus Washington, dass man sehr genau wisse, wie hin und her gerissen die Politiker hierzulande wären, denn kaum einem ist hier daran gelegen, als sein politisches Erbe einen nuklear bewaffneten Iran zurückzulassen. Darum werden Alternativen gesucht, die jedoch wirklich nicht so zahlreich sind, wenn man betrachtet, welche greifbaren Erfolge der bisherige diplomatische Weg gebracht hat.

Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, wie der Iran sich in der unmittelbarer nächsten Zeit verhält. Der US-Botschafter bei der IAEA, Gregory Schulte, kritisierte den Iran und nannte es "nicht vertrauensfördernd", wenn der Iran erst von der UN eine Garantie darüber erwarte, dass es keine weiteren Sanktionen geben wird, bevor er bereit sei, seine Verpflichtungen gegenüber der IAEA zu erfüllen. Der deutsche Botschafter Schulte ergänzte die Kritik:
"Kooperieren Sie vollständig, schnell und bedingungslos mit der IAEA. Erkaufen Sie sich nicht Zeit - verdienen Sie sich Vertrauen.“
Vor dem Hintergrund der angeblichen Entwicklung in Washington eine recht vielsagende Aufforderung. Entscheidend wird sein, ob die Bush-Administration die Truppen der iranischen Revolutionsgarden oder Teile davon, die Quds Truppen, als terroristische Einheiten einstuft. Das wiederum wäre für die deutsche Wirtschaft sehr schlecht, denn Firmen, die mit als terroristisch eingestuften Organisationen irgendwelche Wirtschaftsbeziehungen unterhalten, können nach amerikanischem Recht verklagt werden.

Bereits im Juni wurde berichtet, dass die Entscheidung die Revolutionsgarden oder andere Truppen des Irans im weitesten Sinne zu terroristischen Vereinigungen zu erklären, "in Arbeit" ist. Zusammen mit der Verurteilung des Irans durch ein US-Amerikanisches Gericht zu einer Schadensersatzzahlung in Milliardenhöhe, der der Iran wahrscheinlich nicht nachkommen wird, wäre das mehr als genug Rechtfertigung für die USA, einen Militärschlag durchzuführen. Nimmt man dazu die jetzt angekündigte Reduzierung der Truppen im Irak zeichnet sich hier gerade ein sehr konkretes Bild eines durch die USA ausgeweiteten Krieges im Nahen Osten ab.

(Quelle: Fox, Süddeutsche Zeitung, Zeit)

Donnerstag, 6. September 2007

Verlustmeldung

Explosion einer AtombombeDer Ami hat Atombomben. Das ist weder neu, noch irgendwie weiter aufregend, sondern einfach eine Tatsache. Sie sind ja nicht die einzigen. Unser eins denkt bei "Atombomben" meistens an so Dinger an der Spitze irgendwelcher großen Interkontinentalraketen. Eher selten denke zumindest ich an so Dinger, die man unter Flugzeuge klemmen kann. Die gibt es aber auch und daran hat das US-Militär seine Bevölkerung eindringlich erinnert.

Aus Militärkreisen sickerte bereits vor einigen Tage durch, dass eine B52 mit mehreren zur Verschrottung vorgesehenen Trägerraketen für Atomsprengköpfe von einem Stützpunkt nahe der kanadischen Grenze quer über die USA nach Louisiana geflogen. Der Haken dabei? Zwar waren alle davon ausgegangen, dass es sich nur um die Trägerraketen handelt, aber keiner hatte das überprüft.

Und so kam es, dass der Flieger mit mehreren (wahrscheinlich drei) Atomsprengköpfen stundenlang über die USA flog und niemand, weder das Bodenpersonal, noch die Militärführung und schon gar nicht der Präsident wussten, wo die Sprengköpfe waren. Erst nach der Landung wurde festgestellt, dass die Sprengköpfe noch auf den Raketen montiert waren.

Dem Sprecher der Verteidigungsministeriums, Geoff Morrell, war das ganze sichtlich peinlich und allen war klar, dass die Schlagzeile "Luftwaffe verschlampt Atomsprengköpfe" (NYT) der Wahrheit entsprach. Trotzdem durfte er wegen der Geheimhaltung entsprechende Nachfragen nicht bestätigen.

Na dann hoffen wir mal, dass die Amis wenigstens bei ihren übrigen 9.997 Atomsprengköpfen wissen, wo die gerade so sind. Nicht das die am Ende noch im Irak auftauchen oder so.

(Quelle: AP)

Dienstag, 7. August 2007

Vergeltung

Start Trident Rakete vom UBoot AtombombePolitiker haben manchmal recht seltsame Ideen. Besonders im Wahlkampf versuchen sie, mit drastischen Sprüchen Wähler für sich zu motivieren. Meistens geben alle Politiker mehr oder weniger deutlich zu, dass ihre Wahlkampfversprechen nicht für bare Münze genommen werden dürfen und man doch gefälligst zwischen Alltagspolitik und Wahlkampf deutlich unterscheiden müsse. Manchmal kommt es aber vor, dass im Wahlkampf gemachte Äußerungen nicht einfach nur für Unruhe sorgen, sondern für helle Panik. Es sind dann gerade die Reaktionen auf solche Äußerungen, die tief blicken lassen. So geschehen gerade in Amerika.

Tom Tancredo, Präsidentschaftsbewerber der Republikanischen Partei, forderte in einer Fernsehdebatte, dass die USA als Reaktion auf einen möglichen Terrorangriff die (für die Moslems) heiligen Städte Medina und Mekka bombardieren sollten. Mit Atombomben.

Nur so zum allgemeinen Verständnis: Diese beiden Städte haben für gläubige Moslems einen Stellenwert, den für Deutsche vielleicht noch Berlin als Hauptstadt hat. Die Republikanische Partei ist jene Partei, der auch der amtierende Präsident Bush entstammt, der eine militärische Lösung im Irak für den einzigen Weg hielt, den damaligen Diktator Saddam Hussein daran zu hindern, die Welt mit seinen Massenvernichtungswaffen zu überfallen - die man übrigens bis heute nicht gefunden hat und wohl auch niemals finden wird, weil es die nie gegeben hat. Und es ging ja nie ums Öl, wie Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger feststellte: "Das Öl ist zu wertvoll, um es den Arabern zu überlassen."

Der mögliche nächste Präsident der USA - ok, erst muss man noch wählen, aber wir erinnern uns? Was das Volk wählt und wie eine Wahl ausgeht hat nicht zwangsläufig viel miteinander zu tun im Land der unbegrenzten Möglichkeiten - verkündet, dass man ja auch ganz anders könne. Quasi "ernst machen". Bisher war man ja noch nett und freundlich. Zwar gingen einige Politiker der Partei auf Distanz zu dieser Idee des Bewerbers um die Präsidentschaft und auch das Außenministerium der USA hat recht deutlich reagiert ("Die offizielle Position der US-Regierung ist, dass diese Bemerkungen einfach empörend sind."), aber irgendwie... Ich mein... die offizielle Position? Es gibt demnach auch noch eine inoffizielle? Und wie sieht die aus?

Wie passt dazu, dass die USA einen riesen Wirbel um den Iran und Nordkorea wegen deren Atomprogramm veranstalten, während sie Indien und Israel als "strategische Verbündete" feiern, die in aller Öffentlichkeit und entgegen des Atomwaffensperrvertrages selber Atombomben gebaut haben? Und wie soll man wohl verstehen, dass die USA zu Brasilien kein Sterbenswörtchen sagen, wo jüngst der amtierende Präsident des Landes verkündete:
"Brasilien wird als Nation mehr geschätzt werden, wenn es den Uran-Anreicherungszyklus vollständig im eigenen Land abwickeln kann."
War nicht auch erst gerade im Gespräch, dass die USA ihre Atombomben modernisieren wollten?

Donnerstag, 11. Januar 2007

Heile Welt

SchafeIch vertrete ja schon länger die Ansicht, dass diese Welt nicht ganz heile ist. Onkel George erklärt, dass er mit etwas mehr als 20.000 zusätzlichen Soldaten den Krieg im Irak doch noch gewinnen will. Nicht ohne Grund haben ziemlich viele ranghohe Militärs da so ihre Zweifel und spekulieren bereits über langfristige Folgen für die politische Einsatzfähigkeit der US-Streitkräfte. Man müsse sich zukünftig sehr gut überlegen, ob und wo man in den Krieg zieht, heisst es.

Davon völlig unbeeindruckt lässt Onkel George US-Truppen in Somalia Luftangriffe fliegen und schickt wohl sogar Bodentruppen ins Land - als wäre Mogadischu nie passiert. Kurz nach seiner Rede zu seiner künftigen Strategie im Irak lässt er denn auch das iranische Konsulat in Arbil im Irak angreifen und dort fünf iranische Mitarbeiter verhaften - Konsulate sind nach internationalem Recht Hoheitsgebiet des jeweiligen Staates, den sie repräsentieren und dort bewaffnete Truppen eindringen zu lassen könnte man auch als Kriegserklärung auffassen.

Gleichzeitig bereitet sich Israel darauf vor, den Iran mit - wie es heisst - einem begrenzten thermonuklearen Angriff von seinen Ambitionen abzubringen, Atombomben zu bauen. Die IDF trainiert deshalb schon seit Wochen für entsprechende Missionen, bei denen bunkerbrechende Waffen und - zumindest nach Informationen der Sunday Times - auch taktische Nuklearwaffen zum Einsatz kommen sollen, ungeachtet der Tatsache, dass Fachleute die Idee zuerst ein Loch zu sprengen und dann eine Atombombe hinterherzuwerfen als "reine Fantasie" und "Science Fiction" bezeichnen.

Aber all das interessiert hierzulande niemanden. Es ist fast allen völlig egal, dass ihre Grundrechte scheibchenweise abgeschafft werden, dass sie zukünftig ihre Unschuld beweisen müssen statt ihnen ihre Schuld nachgewiesen werden muss. Stattdessen stimmen immer mehr der Todesstrafe zu, zum Teil mit haarsträubenden Argumenten wie zum Beispiel der Idee, dass "Menschen, die sich am Leben anderer vergreifen, dafür mit dem eigenen bezahlen." Das die "Erfolge" des Praktizierens der Todesstrafe in anderen Ländern zeigen, dass diese Denkweise völlig an der Realität vorbei ist, belastet die so Argumentierenden ebensowenig, wie das fundamentale Loch in der Logik der Beweislastumkehr.

Stattdessen heißt es immer häufiger "Politik interessiert mich nicht" - wohl überwiegend, weil man dazu selber nachdenken, unangenehme Tatsachen akzeptieren und das eigene Bild der weitestgehend einfachen und "heilen Welt" ad Acta legen muss. Und man muss lesen. Und das ist anstrengend. Anstrengend und vor allem "selber denken" ist aber voll unmodern. Das ist nicht tres chic.

Da erfreut man sich doch lieber an den medienwirksam aufgeblasenen Blamagen irgendwelcher Casting-Shows, bestellt sich die Klingeltöne der größten Pleiten und debattiert doch lieber über das neue HighTech Telefon von Apple - unbelastet von der Erkenntnis, dass sich hierzulande wohl eh kaum jemand dieses Stück Technik leisten können wird. Aber dafür sind die mit diesem Produkt verbundene Namensstreitereien ja super interessant! Schon gehört? Cisco hat Apple verklagt! Das hat mit dem wirklichen Leben natürlich viel mehr zu tun, als mit einem zunehmend eskalierendem Krieg irgendwo da hinten, bei dem der Einsatz von Atombomben zur Disposition steht.

Langsam verstehe ich immer mehr, was Schäuble tatsächlich mit "Kernbereiche des Lebens" der Bürger dieses Landes meinte.

Mittwoch, 14. Juni 2006

Modernisierung made by USA

Start Trident Rakete vom UBootDas Lawrence Livermore National Laboratory bei San Francisco und das Los Alamos National Laboratory in Los Alamos liegen in hartem Wettbewerb. Wie bei diesen beiden Einrichtungen üblich, geht es nicht um Wattebällchen oder Wasserpistolen, sondern um handfestes Kriegsgerät. Im Detail geht es um das erste wirklich neue Design einer Atombombe für die US-Streitkräfte seit 20 Jahren.

Wissenschaftler an beiden Einrichtungen arbeiten rund um die Uhr an Plänen, die dem Nuclear Weapons Council, einer Bundeseinrichtung der USA, von der die Aufsicht über die Atomwaffen der USA ausgeübt wird. Noch dieses Jahr wird das Gremium sich für einen Entwurf entscheiden.

Der US-Kongreß hat der neuen Atombombe zugestimmt, der als "reliable replacement warhead" bekannt ist. Diese Waffe wird nach dem Gesetz die selbe Sprengkraft haben, wie bislang existierende Kernwaffen.

Die Befürworter des Projekts sind der Ansicht, dass die USA den Vorteil ihrer sogenannten "strategischen Abschreckung" verlieren würden, wenn sie nicht ihr alterndes Arsenal von rund 6.000 Sprengköpfen modernisierten. Ohne diese Modernisierung, so die Befürworter des Programms, wären die Sprängköpfe nach übereinstimmender Ansicht von Spezialisten für Kernwaffen durch den radioaktiven Zerfall der Isotope in 12 bis 15 Jahren zu unzuverlässig, um als Waffe eingesetzt werden zu können. Die Befürworter argumentieren, dass eine modernere, zuverlässigere Waffe den USA dabei helfen würde das eigene Kernwaffenarsenal zu reduzieren. Und reduzieren muss die USA ihren Bestand: Die USA hat sich vertraglich dazu verpflichtet bis 2012 die Anzahl der Sprengköpfe auf 1.700 bis 2.200 Stück zu reduzieren.

Kritiker befürchten dagegen, dass diese "Modernisierung" ein neues Wettrüsten auslösen wird. Sie befürchten insbesondere, dass China und Russland diesen Modernisierungszyklus nutzen werden, um ebenfalls neue Kernwaffen in Dienst zu stellen. Russland will schon seit einiger Zeit seine enorm große, in den letzten Jahren jedoch drastisch gealterte Nuklearstreitmacht modernisieren. China unternimmt auch einige Anstrengungen, die Lücke zu den anderen "Großmächten" zu schließen. Die Entwicklung neuer Kernwaffen durch die USA untergräbt nach Ansicht der Kritiker insbesondere deren Verhandlungen mit Staaten wie dem Iran und Nordkorea, deren nukleare Anstrengungen weltweit für einige Unruhe sorgen.

Zyniker argumentieren, dass ein "zuverlässigerer Sprengkopf" natürlich einen Weg darstellt das Arsenal zu abzubauen: Die Regierung Bush hat ja schon mehrfach nach Argumenten gesucht, um den Einsatz nuklearer Waffen zu rechtfertigen, zuletzt in der Auseinandersetzung mit dem Iran. Wenn eine Waffe zuverlässig ist, dann bedeutet das im Wortschatz der Militärs berechenbar. Wenn eine Waffe berechenbar ist, kann ihr Einsatz kalkuliert werden.

Was kalkulierbar ist, ist für Militärs eine "realistische Option". Man erinnere sich nur an die Doktrin der schrittweisen Anhebung des Gewalteinsatzes, um die Sicherheit der Soldaten zu gewährleisten. Mit dieser Doktrin wird gerechtfertigt, dass vier Soldaten in Haditha etliche unbewaffnete Zivilisten, darunter Frauen und Kleinstkinder, aus nächster Nähe erschossen. Zivile Verluste sind für die US-Armee ein Faktor, mit dem zu rechnen ist, nicht etwas, das es zu verhindern gilt. Die Bevölkerung der USA akzeptiert diese "Notwendigkeit".

Genau darin unterscheiden sich Europa und die USA und genau deshalb findet sich die USA mehr und mehr alleine und in der Rolle des "Agressors", versteht aber nicht, wieso. Noch ist es eher unwahrscheinlich, dass eine andere Nation Verbündete um sich scharrt und den USA sagt, dass die USA die Achse des Bösen darstellt und deshalb militärisch "befreit" werden muss, aber das muss nicht so bleiben, wie auch schon die ehemalige Außenministerin der USA, Madeleine Albright völlig richtig erkannt hat.

(Quelle: AP)

Donnerstag, 27. April 2006

Abzugsmatt - Wie aus dem Lehrbuch.

USA Europa Iran AtomZur Zeit streiten sich die politischen Lager der Welt, ob gegen den Iran militärisch vorgegangen werden darf / kann / soll / muß oder eben nicht. Auf der Seite der Befürworter eines rabiaten "auf die Finger"-Kurses mit Militär und so steht ganz weit vorne die USA mit ihrem gegenwärtigen Präsidenten, dem Onkel George. Der hat allerdings noch das Problem mit dem Irak am Hals, und das ist nicht nur ziemlich schwerwiegend für sein (zur Zeit ziemlich schlechtes) Image, sondern kostet auch eine Menge Geld. Aber er hat schonmal Tante Condoleeza mit der Warnung der "Koalition der Willigen" losgeschickt.

Zu den Argumenten von Onkel George für ein militärisches Eingreifen im Iran gehört zur Zeit das unbewiesene Szenario, dass der Iran Atombomben bauen wolle und könne. Ohne Erlaubnis der USA. Und das geht schon mal gar nicht.

Das Israel, Pakistan, Indien und wahrscheinlich auch Nordkorea und Brasilien und eventuell auch noch ein paar andere Länder dieser Welt inzwischen über Atomwaffen verfügen oder zumindest sehr wahrscheinlich Zugriff darauf haben, lässt Onkel George ersteinmal unter den Tisch fallen. Im Fall von Indien hat Onkel George sogar ausdrücklich die Leistungen des Indischen Staates gelobt und das zweit bevölkerungsreichste Land der Erde de facto im Kreise der etablierten und anerkannten Atommächte willkommen geheißen.

Nun könnte man lange darüber debattieren, wo für die USA der Vorteil läge den Iran zu überfallen, welche wirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen hier eine Rolle spielen und so weiter, aber das soll jetzt mal gar nicht Thema sein. Sehr viel mehr Stirnrunzeln verursacht es allerdings (zumindest bei mir), wenn Onkel George nicht nur mehr oder weniger unverhohlen mit einer militärischen Expedition in Richtung Theran droht, sondern dabei den Einsatz von Atombomben mehr oder weniger ausdrücklich als Option mit einschließt.

Spätestens an dieser Stelle hätte ich erwartet, dass die klassisch in Deutschland recht stark vertretenen Friedensbewegungen auf der Straße stehen und Alarm schlagen. Zu nicht nur meiner recht großen Verblüffung tun sie aber nicht. Warum denn nicht? Ist der Iran "unwichtiger" als der Irak? Kein Bock? Keine Zeit? Oder hat plötzlich etwa Onkel George wider Erwarten und entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch Recht?

Block 4 AKW TschernobylGestern bekam ich überraschend die Antwort. Auf Radio Bremen vier war anlässlich der jetzt 20 Jahre zurückliegenden Katastrophe im Block 4 des Kernkraftwerks in Чернобыпь (Tschernobly) ein leitender Vertreter einer Anti-Atomkraft Iniative eingeladen. Auch wenn das Interview überwiegend als "das übliche Blah-Blah" abgetan werden mag, machte mich eine besonders betonte Aussage hellhörig:
"Es kann keine friedliche Nutzung der Kernenergie geben"
Abgesehen davon, dass diese Aussage nicht ganz unumstritten sein dürfte, war ich verblüfft, dass diese These tatsächlich genau so von den Atomkraftgegnern vertreten wird. Und zwar nicht nur "ausnahmsweise" oder "vereinzelt", sondern scheinbar quer durch die ganze Szene scheint diese Sichtweise "etabliert" zu sein.

Atomkraftgegner und Friedensbewegung sind in Deutschland historisch eng miteinander verzahnt und haben nicht nur viele Berührungspunkte und Überlappungen, sondern häufig sind die Mitglieder der einen Gruppierung auch Mitglied in der jeweils anderen. Damit wird klar, warum sich kaum was tut bei den "klassischen Widerständlern". Schön selber ausmanövriert möchte man sagen. Ich möchte zwar nicht soweit gehen zu behaupten, dass den Atomkraftgegnern absichtlich die These "es kann keine friedliche Nutzung geben" zugespielt und die Etablierung dieser Argumentation bewußt von außen gefördert wurde. Aber an dieser Stelle zeigt sich, wie mit einem einfachen argumentativen Zirkelschluß gegen absolute Verallgemeinerungen ganze Bevölkerungsgruppen mundtot gemacht werden können.

Ich weiß nicht, wem ich zuerst gratulieren soll: den "Atomkraftgegnern" zu ihrer Glanzleistung oder Onkel George zum Erkennen und Ausnutzen dieser Situation.

Da kann man nur sagen: "Schach und Matt".

Freitag, 3. März 2006

Atombomben, Partnerschaften und die Sache mit dem Öl

ICBM StartDer Irak wurde offiziell wegen des Risikos der Herstellung und des Besitzes von Massenvernichtungswaffen das Ziel einer groß angelegten Invasion. Noch heute wird von verschiedenen Seiten aus steif und fest behauptet, dass dies der Wahrheit entspricht und das letztenendes "die Russen" Saddam beim Verstecken seiner Massenvernichtungswaffen geholfen haben. Andere Staaten werden unter Druck gesetzt (Iran) oder mehr oder weniger misstrauisch und gleichzeitig irgendwie rat- und hilflos beobachtet (Nordkorea).

Explosion einer AtombombeAuch Israel (1974), Pakistan (1987) und Indien (1974) gehören auf die Liste derjenigen Staaten, die mit eigenen Mitteln "Atomforschung" betreiben. International besteht wenig Zweifel daran, das Indien nicht nur seit 1974 "die Bombe" besitzt, sondern auch die für ICBM notwendige Logistik und Infrastruktur betreibt (ein Punkt, über den man sich bei Nord Korea alles andere als sicher ist). Indien, als einer der bevölkerungsreichsten Staaten der Erde, ist ein nicht unwichtiger Faktor in Asien. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Viele erinnern sich an die Geschichten mit den Call Zentren in Indien oder die Sache mit den Informatikern.

Bush und Singh in IndienDie USA bemühen sich zur Zeit sehr intensiv darum, mit Indien ein möglichst gutes Verhältnis aufzubauen. Gerade vor diesem Hintergrund war der Fauxpas neulich mit den Visa eine sehr bittere Entgleisung und dürfte hinter den Kulissen für erheblichen Wirbel gesorgt haben. Um so mehr war Herr Bush jetzt bemüht, die Partnerschaft zu Indien zu bekräftigen. So wurde eine "strategische Partnerschaft" geschlossen, die - zu Ende gedacht - Indien als internationale Atommacht anerkennt:
"The U.S. and India have agreed to pursue civil nuclear cooperation to allow India to cooperate and trade in this key area."
Dieses Abkommen und seine Implikationen sind international nicht unumstritten, denn einerseits sagt der Atomwaffensperrvertrag, dass die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und die Volksrepublik China alles tun müssen, um die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Andererseits akzeptiert die USA nach knapp 30 Jahren die Fakten, macht Indien zum Partner und bricht damit faktisch aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Für die Praxis heißt das soviel wie: Wer hartnäckig genug ist und sich lange genug nicht um das kümmert, was andere sagen, sondern "sein Ding" macht, wird irgendwann dafür belohnt - Ich bezweifle, dass das der richtige Weg ist mit Atomwaffen umzugehen.

Was hat das Ganze mit "dem Öl" zu tun? Indien ist zusammen mit anderen Staaten auf dem asiatischen Kontinent eine sogenannte Schlüsselfigur im kommenden Konflikt zwischen den USA und China. Dieser Konflikt wird spätestens seit dem Zusammenbruch des Ostblocks als unumgänglich angesehen: Der Energie- und Rohstoffbedarf beider Nationen ist bei weitem zu groß, als das angesichts der begrenzten Vorräte nicht früher oder später mit einem kritischen Interessenkonflikt beider Nationen zu rechnen wäre. Auch in vielen anderen Punkten sind China und die USA nicht gerade das, was man "ideale Partner" nennen kann. Taiwan sei hier als ein herausragendes Beispiel entgegengesetzter politischer Interessen genannt.

Es ist bei Betrachtung der Gesamtsituation nicht völlig von der Hand zu weisen, dass sich die USA gegen China in Stellung bringen. Auffällig ist dabei besonders das Vorgehen in den rohstoffreichen Regionen des Mittleren Ostens und Afrikas. Bleibt die Frage zu stellen, ob wir einer nuklearen Auseinandersetzung näher sind als vor dem Ende des kalten Krieges oder nicht?

Dienstag, 28. Februar 2006

Nordkorea und die Bombe

Am Dienstag lief über Reuters eine Nachricht, die für einige Unruhe sorgen dürfte: Nordkorea gab am Dienstag bekannt, dass es mit eigener Technologie und eigenen Finanzmitteln gelungen sei, eigene Atombomben herzustellen.

Es ist schon länger bekannt, dass Pjöngjang Raketen herstellen kann und auch besitzt, die eine Reichweite von (wahrscheinlich) bis zu 15000 km haben. Mit 500 kg Nutzlast (mehr als ausreichend für brisante militärische Nutzlast) sollen die dreistufigen Taep'o-dong Raketen immerhin noch eine Reichweite von 12000 km haben. Diese Trägersysteme stehen übrigens auch dem Iran unter dem Namen Shahab-5B bzw. Shahab-6 zur Verfügung. Das bedeutet, dass von Nordkorea aus gestartete ballistische Interkontinentalraketen (kurz: ICBM) nahezu jedes Ziel in den USA erreichen könnten. In die andere Richtung liegen ganz Europa und Nordafrika in Reichweite.

Die Gefahr ist durchaus real und wird gerade von den USA nicht unterschätzt. Studien zeigen, dass alles andere als "einfach" ist, eine startende ICBM abzufangen. Die 1983 vom damaligen US Präsidenten Ronald Reagan ins Leben gerufene "Strategic Defense Initiative" (SDI) ist inzwischen weitestgehend wieder eingestellt worden.

Auch wenn die US Geheimdienste sich zur Zeit noch nicht wirklich sicher sind, ob Nordkoreas Behauptung den Tatsachen entspricht, dürften seit Dienstag eine Menge Leute einige Kopfschmerzen haben und wenig Schlaf bekommen.