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Dienstag, 27. März 2018

Im Haus meines Vaters...

Religion ist immer irgendwie komisch. Sagte schon Malmsheimer. Das gilt für jede Religion. Wie absurd jenseits jeder Beschreibungsmöglichkeit aber das Christentum ist, zeigt sich unvergleichlich ausdrucksstark in der Dokumentation "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" von Hajo Schomerus aus dem Jahr 2009, die noch bis zum 02.04.2018 in der ZDF Mediathek verfügbar ist (gibt es bestimmt auch auf DVD zu kaufen oder vielleicht auch in Deinem Streamingportal.)

Was die Doku so überaus sehenswert macht, ist die schonungslos neutrale und unkommentierte Darstellung der Vorgänge, Riten, Abläufe und... äh... "Eskapaden" in der und auch um die Grabeskirche herum. Etwa wenn der Trecker durch den urheiligsten Bau fährt, in dem um die Zuständigkeit für jeden einzelnen Quadratzentimeter gestritten wird. Oder wenn festgestellt wird, dass die eigentliche Kapelle nur wegen etlicher tonnenschwerer Stahlträger überhaupt noch steht, eine Restaurierung oder gar ein Neubau schlichtweg nicht möglich sei, weil: "Soweit sind wir noch nicht im interkonfessionellen Miteinander". Oder... oder... oder... Der Hammer ist aber dieser zynische Alte Mönch, der in seinem winzigen Kabuff erstaunliche Einsichten verbreitet.

Ich habe über die Grabeskirche in Jerusalem ja "Geschichten" gehört. Aus Quellen, denen ich vertraue und die ich für glaubwürdig halte. Ich habe 75-80% dieser Geschichten als "humorvoll ausgestaltete redaktionelle Anreicherung" abgetan. Diese Doku aber bewies mir, dass die Geschichten untertrieben waren.

Bevor ihr Euch also das nächste Mal über andere Religionen lustig macht: Gönnt Euch mal einen Blick auf den eigenen Laden.

Es lohnt sich.

Montag, 12. März 2018

Die nächsten vier Jahre

Talkshows im deutschen Fernsehen haben wechselnde Qualität. Manche sind jedoch immer wieder mal sehenswert, insbesondere wegen der Kombination aus Themen und Gästen. Gestern Abend bei Anne Will tummelte sich eine illustere Schar Politiker (Philosophin S. Wagenknecht, Die Linke; Hauptmann der Reserve C. Lindner, FDP; Finanzbeamtin M. Schwesig, SPD; Gleichstellungsgegnerin A. Kramp-Karrenbauer, CDU) und ein Journalist (R. Alexander, Welt) eingeladen zur berechtigten Fragestellung: "wofür steht diese neue Regierung?" Eine Frage, die klar zu beantworten wahrscheinlich selbst Insidern einige Kopfschmerzen bereiten dürfte. Leider erschöpfte sich ein Großteil der Sendung im Thema Zuwanderung / Flüchtlinge / Asyl, ohne diese Thematik auch nur ansatzweise nach vorne zu bringen.

Interessante Randnotiz: Das Thema "Digitales" sei deshalb beim Bundeskanzleramt "beheimatet", weil es - so A. Kramp-Karrenbauer - in vielen Bereichen eine Rolle spiele. Wem der Humor in dieser Begründung nicht sofort aufgeht, sei als Einstieg Wiki empfohlen.

Erst gegen Ende der ob der hinlänglich ausgewalkten Thematik und doch eher langweiligen, weil sich in Wiederholungen bereits bekannter Thesen und Antithesen erschöpfenden Sendung, kam die eigentliche Fragestellung der Sendung wenigstens ansatzweise einer Beantwortung näher. M. Schwesig, als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern dem Bundeskabinett ungefähr so nahe stehend, wie Journalist R. Alexander, spekulierte, dass die Bildung das "stärkste Kapitel der neuen Regierung" werden könnte. Konjunktiv. Ihr schweben die Abschaffung von Kita-Gebühren, ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Schulen sowie Wegfall der Kosten für die Meisterausbildung vor.

Mit anderen Worten: Worauf man zwar einen Rechtsanspruch hat, was es aber nicht einmal ansatzweise in ausreichendem Umfang gibt, das soll wenigstens nichts kosten und umgekehrt. Eine Ganztagsbetreuung an Schulen wird von wem geleistet? Was fehlt? Was ist dann ein Rechtsanspruch darauf wert? Exakt. Genau so viel wie der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, nämlich gar nichts. Die Kosten für die Meisterausbildung sollen entfallen, weil ja auch die Universitäten keine Studiengebühren erheben. Für die, die sich zum Meister weiterbilden wollen, ist das bestimmt eine tolle Idee. Aber wer jetzt vermutet "Meister zukünftig gratis", irrt, denn erstens ist der Unibesuch bei weitem nicht kostenlos und zweitens dürfte klar sein, dass nur deshalb, weil es den Meisterschüler zukünftig vielleicht weniger Geld kostet, folgt daraus noch lange nicht, dass die Ausbildung weniger Kosten verursacht. Nur werden die dann zukünftig auf den Steuerzahler umgelegt. Außerdem ist das Meisterprivileg das mit großem Abstand am verbissensten verteidigte Privileg des deutschen Handwerks. Wollen wir wetten, dass den Inhabern dieser Privilegien Mittel und Wege einfallen werden, den Zugang auch weiterhin sorgsam zu dosieren und zu steuern?

Dazu passt doch hervorragend, was unser zukünftiger Bundesminister für Gesundheit, J. Spahn, parallel dazu der Funke Mediengruppe wegen der Causa "Die Tafeln" in Essen sagte:

"Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe" "Mit Hartz IV hat jeder, was er zum Leben braucht." "Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut." "Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt." "Mehr wäre immer besser, aber das müssen dann andere bezahlen."

Ein Bundesminister erhält im Monat mehr als 15.300,-- Euro. Plus Rente und Übergangsgeld und sonstige Zulagen. Aus dieser Gehaltsklasse heraus sich dazu versteifen kundzutun, was Herr Spahn hier von sich gab, lässt mich auf die zu befürchtenden erwartenden Entwicklungen im überaus erfolgreichen und problemfreien Gesundheitssektor nur mit enthemmter Begeisterung reagieren.

Wenn das alles zusammen der Ausblick auf die nächsten vier Jahre Regierungsarbeit ist, dann gute Nacht.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Wahlkampf und Waffen

Das Amerikaner eine andere Art von Wahlkampf haben, wussten wir schon länger. Wie anders dieser Wahlkampf aber tatsächlich aussehen kann, zeigt sich in Fernsehserien, die nicht auf den ersten Blick als "Wahlkampfplattform" zu erkennen sind (bedingt SFW):

Aus welcher Serie ist das? Boston Legal?

(Danke Murdoc)

Montag, 13. Oktober 2008

Fernsehpreis 2008

Marcel Reich-Ranicki - WikipediaMarcel Reich-Ranicki und das Fernsehen haben sich mit der Unvermeidbarkeit der Steuerprüfung getroffen. Der Literaturkritiker Reich-Ranicki sollte von Fernsehn für sein Lebenswerk eine Auszeichnung erhalten. Leider hat das Fernsehn von heute nicht das Niveau derjenigen Literatur, auf dem sich der Herr Reich-Ranicki bewegt, und gerade deshalb wollte sich das Fernsehn mit dieser seltenen Feder verbriefter Eloquenz und Bildung schmücken, die man selber zugunsten des Werbefernsehns und des Productplacements aufgegeben hat.

Diese Rechnung ging nicht auf. Unmittelbar mit der menschenverachtenden Sinn- und Niveaufreiheit einer Fernsehproduktion und dem unverhinderbaren Goldbärenwerbeträger Thomas Gottschalk konfrontiert, trat Reich-Ranicki voll auf die Bremse und dem Fernsehn voll vors Knie. Er beging nicht nur den Frevel zu behaupten, dass das alles großer Quatsch sei, er beging auch noch das schier unvorstellbare Verbrechen, sich als Preisträger nicht den Weltfrieden zu wünschen, wie man das als gehörig gebauchpinselter in-die-Kamera-Grinsemann zu tun hat.

Natürlich bemüht sich das Fernsehn um Schadensbegrenzung. Eine Diskussion um das Niveau des Fernsehns soll es geben. Im Fernsehn. Möglichst bald soll das "aufgezeichnet" werden und um einen Sendeplatz ist man auch bereits sehr bemüht. Was das wohl bringen wird? Wieviel mag wohl davon zu erwarten sein? Wen mag wohl eine Sendung interessieren, die irgendwann Dienstag nachts zu einem Thema ausgestrahlt wird, dass die verbliebenen Fernsehzuschauer nicht interessiert, weil es weder Gewalt, noch Titten noch Skandale, noch gescheiterte Existenzen zu begaffen gibt und vor allem nicht alle 5 Minuten Werbung für Klingeltöne und Damenbinden gemacht wird, die den Rundgang Kloh-Kühlschrank-Chipsnachschub ermöglicht, in dem zu allem Überfluss auch noch ausschließlich Leute auftreten, die man eh nicht kennt?

Oder wer genau kennt die Intendanten von ARD, ZDF, Sat1, Rtl und wie sie alle heißen? Und wer glaubt allen Ernstes, dass ausgerechnet diejenigen wirklich ernst nehmen, was ein 88 Jahre alter, zänkischer Bücherfritze zu sagen hat, die mit genau dem, was der kritisiert, dem Unterschichtenfernsehn, tonnenweise Geld scheffeln?

Sonntag, 24. August 2008

Viel zu nah

Martin findet japanischen Humor im Fernsehn toll. Ich finde es toll, dass es dabei um meinen Lieblingssport geht. In einer der wenigen "Spiele"-Sendungen des japanischen Fernsehens im Stile von Takeshi's Castle nahm man sich (mal wieder) des Themas Wahrnehmung an und stattete die Spieler mit besonderen Sehhilfen aus: Ferngläsern.

(Danke Martin)

Dienstag, 12. August 2008

Freakshow

Fernseher Emerson1949 - WikipediaWenn es um Dating-Shows geht, dachte ich ja bislang, dass "Das Model und der Freak" die Krone des Unterschichtenfernsehns wäre. Weit gefehlt. Es geht noch "besser". Viel besser. Bislang ging es ja darum, dass entweder überwiegend zu sozialer Interaktion unbefähigte oder von der Natur überwiegend nicht bevorzugte Vollpfosten an beliebig gut aussehende, meist aber entweder leider reichlich hirnentkernte oder gefügig gesoffene "Topmodels" zum Gejohle des Pöbels verhökert wurden. Oder sich in beliebigem Umfang zum Affen machen mussten durften, um dann gesagt zu bekommen, dass sie nicht den Dreck auf der Klobrille wert sind.

Dieses Schema lässt sich steigern. Man nehme eine Anzahl Freaks. Genre und Alter egal, hauptsache der Generation Gadget angehörend. Dann nehme man eine Horde Plastikbomber und eine ordentliche Ladung "Must Have"-Gadgets. Das ganze zusammenkippen, gut durchrühren und schon haben wir eine klasse Sendung, deren Premiere in Deutschland mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen wird:

Der Freak (oder Nerd oder Geek oder wie auch immer als "der Randgruppe zugehörend" gebrantmarkt) wird zusammen mit einem oder mehreren hochgestylten Plastikbombern durch diverse tolle Restaurants, Parks und was weiß ich was gescheucht. Unter Kamerabewachung, versteht sich. Nach einiger Zeit muss sich der Randgruppenkandidat dann entscheiden: Entweder er nimmt den Atombusen und geht für ein Wochenende mit ihr auf Kosten des Senders fi..., Entschuldigung, korrekt muss es natürlich heißen "aus" und das irgendwo, wo es wohl so richtig geil sein soll. Malle oder so. Oder Seychellen. Antreten muss die mobile Wochenendverschönerin gegen einen Stapel Gadgets.

Nun, ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber meine Erfahrung sagt mir, dass meine Kamera jeder Frau überlegen ist und die Beobachtung meiner Umwelt gibt mir darin immer wieder recht. Ob die hochgezüchteten Katalog-Grazien vor der Kamera damit klar kommen, wenn der Freak ihnen erklärt, dass ein 120 cm Plasmabildschirm auf Dauer irgendwie geiler ist, als eine schon nach 14 Tagen unter Dauermigräne leidende Edelstute? Bleibt abzuwarten, verspricht aber massiv viel Unterhaltung für die werberelevante Zielgruppe.

Premiere wird in den USA am 1. September um 19:30 EDT auf Playboy TV sein.

(Quelle: Playboy TV)

Montag, 7. Juli 2008

Sozialistische Kinderliedermacher

Nicht wirklich "brandneu", aber dieser Spot mit Heike und Hase von TV total passt irgendwie gerade voll gut in die politische Landschaft:

Also ich fand den jetzt echt gut :-)

Mittwoch, 18. Juni 2008

...in der Welt

Warum machen wir uns eigentlich ständig einen Kopf darum, wie das Ausland wohl über Deutschland denken könnte, welche Meinung Ausländer von den Deutschen haben könnten und so weiter? Interessiert doch sowieso niemanden, wie uns das der staatliche Fernsehsender aus der Schweiz, SF2, beim EM-Spiel Deutschland gegen Österreich zeigte:

Untertitel Deutsche Nationalhymne EM2008 - Schweizer Fernsehn SF2 - Deutschland - Österreich
Klar, die erste Strophe unserer Nationalhymne ist nicht völlig unproblematisch, aber hey, vielleicht sollten wir uns mal überlegen, warum Gion Linder, der nationale Koordinator für die Untertitelung bei "Swiss Text" (die sind für den Untertitel verantwortlich) zwar sagte: "Das war ein unverzeihlicher Fehler und wir entschuldigen uns dafür." aber gleich nachschob "Wir haben mit den beiden Mitarbeiterinnen gesprochen, damit solche Fehler nicht mehr vorkommen." Eine Entlassung müssten die beiden nicht befürchten, denn - so Linder - "Politik und Geschichte zählen nicht zu ihren Stärken."

Keine Sorge, Herr Lindner, das gilt auch für die Deutschen.

(Quelle: Focus)

Dienstag, 8. April 2008

Abrissparty

Wenn Russen eine Abrissparty veranstalten, dann richtig:

Samstag, 29. März 2008

Weiter nach der Werbung

TV GerätEs gibt etwas, das kennen heute viele gar nicht mehr: Fernsehfilme ohne Werbepause. Viele glauben, dass das von den Sendern eingeführte Unterbrechen eines Films so sein müsste, dass es gar keine andere Möglichkeit gäbe. Um so erstaunter sind Jugendliche heute, wenn im Kino oder auf einer DVD keine Werbepausen eingefügt sind. Wer sich an die Zeit vor dem Privatfernsehn erinnern kann, der wird sich noch gut daran erinnern, wie lästig diese Werbepausen tatsächlich sind, wie zerstörerisch sie sich auf viele Filme auswirken.

In Schweden zogen genau mit diesem Argument zwei Regisseure vor Gericht. Darum sahen sich die Richter dort in den Verhandlungen Spielfilme an - einmal mit und einmal ohne vom Fernsehsender eingefügte Werbepausen. Durch drei Instanzen klagten die Regisseure: Vor dem Landgericht Stockholm, vor der Berufungskammer und jetzt auch vor dem Obersten Gerichtshof Schwedens. Viele werden abwinken und auf die "wirtschaftliche Notwendigkeit" der Werbepausen verweisen - halten diejenigen, die so denken eigentlich auch Spam für "wirtschaftlich notwendig"? Oder Pop-Ups, Pop-Under, Interstituals, Ani-Gifs und so weiter, die Viagra oder Penisvergrößerungen anpreisen? Ja?

Nun, die Gerichte in Schweden sehen das ganz anders. Den Regisseuren wurde Recht gegeben. Einstimmig urteilten jetzt die Richter des obersten Schwedischen Gerichtshofes, dass Werbeblöcke in Filmen ab sofort illegal sind, wenn nicht die Regisseure vorher schriftlich dem Sender erlaubt haben, solche einzufügen. Die Richter urteilten, dass eine Unterbrechung eines Films stets eine "Kränkung der Integrität des Werkes und des Urheberrechts des Regisseurs" sei.

Wurde der Fernsehsender (TV4) in der Vorinstanz noch zu "läppischen" 5.300 Euro verknackt, legte der oberste Gerichtshof jetzt richtig nach. Die Summe wurde mal eben auf über 30.000 Euro versechsfacht und dazu kommen sämtliche Anwalts- und Verfahrenskosten. Nicht gerade eine "finanzielle Lappalie", vom Grundsatzcharakter der Entscheidung mal ganz abgesehen. Die Kläger waren zwar mit ihrer Klage vor Gericht alleine aufgetreten, werden jedoch von international renomierten und namhaften Regisseuren unterstützt, wie zum Beispiel Martin Scorsese, Woody Allen und Oliver Stone. Auch diese Regisseure wehren sich seit langer Zeit gegen Werbepausen, "Verhunzen von Filmen" wie sie es - meiner Meinung nach völlig berechtigt - nennen.

TV 4 fügte nach dem Urteil der ersten Instanz sofort Klauseln in seine Verträge ein, mit der Regisseure den Werbeblöcken in jedem Fall zustimmen müssen. Der nächste Schritt der Gerichte ist deshalb schon jetzt absehbar: Die Prüfung, ob solche Klauseln sittenwidrig sind oder nicht.

Ich bin gespannt, welche Auswirkungen diese und ähnliche Urteile aus Frankreich und Italien auf das Werbeverhalten der Fernsehsender haben wird.

(Quelle: ddp, dpa)

Freitag, 2. November 2007

Ufos im Fernsehn

Es ging schon durch die Presse, aber nicht jeder hat es miterlebt: In der Talksendung Maischberger wird hoch wissenschaftlich darüber diskutiert, ob es denn Ufos und Außerirdische gibt oder nicht. Natürlich wurden absolut kompetente und zitierfähige Leute eingeladen, dem Zuschauer zu zeigen, was denn nun Sache ist im Kosmos. Zu den Gästen, die auf keiner Liste hochqualifizierter und international renomierter Fachleute zu diesem Thema fehlen dürfen waren unter anderem auch Johannes von Butlar, Nina Hagen und Joachim Bublath zu finden. Hier der Videomitschnitt der denkwürdigen Kollision von Wissen und Meinung. Ein Paradebeispiel moderner Mediengestaltung und Volksverdummung.



(Danke Devender)

Donnerstag, 14. Juni 2007

Fitnessfernsehn

Immer wieder wird propagiert, dass wir alle viel zu fett sind, zu viel vor der Glotze hängen und uns insgesamt zu wenig bewegen. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit Fressen und bewegen und im Fernsehn sein gleichzeitig? Die Japaner (wer sonst?) zeigen uns, wie man diese völlig widersprüchlichen Ziele mit einer hochgradig unterhaltsamen und niveauvollen Fernsehshow vereinen kann. Übrigens, dass die gestellte Aufgabe tatsächlich auch zu lösen ist, beweist ein Teilnehmer am Ende des Films.

Sonntag, 13. Mai 2007

Gesucht

Medien suchen immer wieder nach neuen "Formaten", um Sendungen an den Konsumenten (lies: die Werberelevante Zielgruppe) zu bringen. Eine Redaktion aus München ist in dieser Hinsicht zur Zeit sehr Aktiv und sucht nach allerlei eigenartigen Protagonisten. Den Vogel schießt meiner Meinung nach aber diese Suche ab (klick Bild für größere Version):

Bus Fans gesucht
Ich lasse jetzt mal offen, was ein "echter Bus Fan" ist, aber bestimmt hat jeder da so sein ganz privates Kopfkino" und natürlich wird kaum jemand verstehen, warum echte Kerle, die Busse toll finden, Probleme mit Frauen haben sollten.

Noch viel mehr Angst habe ich jedoch vor dem sich aus diesen Suchanzeigen ankündigenden Sendungsformat: "Erfolgreich aus dem Genpool ausgegrenzte soziale Randgruppe wird vor laufender Kamera verkuppelt." Nicht etwa vor der Sendung habe ich Angst: Ich kann meinen Fernseher ausschalten. Wirklich Angst habe ich vielmehr vor dem Erfolg dieser Sendung und ihren Folgen...

Sonntag, 18. März 2007

Schicken Sie eine SMS...

Wie war das doch gleich? Der Leistungsvergleich der Schüler europäischer Schulen, in aller Munde als 'PISA'-Studie bekannt, hat gezeigt, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich definitiv am unteren Ende der Skala rangieren.
Mit einfachen Worten ausgedrückt: Deutsche Schüler wissen weniger, als sie könnten, weil das Wissen nicht adäquat vermittelt wurde. Die Gründe dafür sucht man - nicht zuletzt - im Bildungswesen selbst. Doch ich vermute, dass da noch ganz andere Faktoren eine gehörige Rolle spielen. Und einer dieser Faktoren geht mir mittlerweile gehörig auf den Geist.

Ich empfinde es als Beleidigung, wenn mir das Fernsehprogramm jedwedes Wissen abspricht oder zumindest ein Bildungsniveau eines Kleinkindes bescheinigen will. Die Rede ist von Gewinnspielen im Fernsehen.

ProSieben etwa. Da wird im Rahmen einer Sendung ein Beitrag über Musikinstrumente aus Eis gezeigt. Unter Nennung eines Preisvergleichsportals im Internet steht anschließend ein Multimedia-Gerät für ein Gewinnspiel zur Disposition. Die Wissensfrage indes stellt den Höhepunkt der Quizkultur dar, eine extreme Herausforderung, die wirklich alles bisher Gelernte abverlangt:
Was ist Eis?

a) gefrorenes Wasser
b) gasförmiges Wasser
Gezeigt wurde dieser Frage nebst der dazu gehörenden, nicht eben günstigen Telefonnummer, unter der man die richtige Antwort geben soll, in der Sendung "Wunderwelt Wissen".

Zunächst dachte ich "Das kann nicht ernst gemeint sein, oder?", doch nach kurzem, eher ungläubigem Staunen war nicht von der Hand zu weisen, dass das kein schlecht geratener Witz war. Im Gegenteil: Es war nur einer von vielen Beiträgen für die Volksverdummung, die mir nur bis dahin nicht sonderlich aufgestoßen waren. Im Fernsehen, zumindest in Deutschland, scheint es mit den Anforderungen an das Wissen der Zuschauer nicht besonders gut bestellt. War früher für eine Quizsendung noch echtes Wissen gefragt ("Der große Preis", "Rate mal mit Rosenthal" etc.) und Unterhaltung eher ein Nebeneffekt, wenn Teilnehmer mit echtem Wissen brillierten, so sind es heute eigentlich nur noch "Multiple-Choice-Fragen" zu finden, die zwar auch ein gewisses Maß an Wissen erfordern, doch in viel zu vielen Fällen sind die Antworten durch Deduktion und Raten richtig zu beantworten.

Sendungen wie "Wer wird Millionär" oder die nachmittäglichen Quizsendungen nach gleichem Strickmuster sind noch für die Elite kennzeichnend. Hier wird wenigstens ein bisschen Wissen gefordert. Anders dagegen die allgegenwärtige Quizfragen in nahezu *jeder* Sendung. Wissenssendungen, Dokumentationen und ähnliches wird durch Quizfragen nach dem Schema "Was ist...?" mit zwei vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, von denen die eine die Richtige, die andere eine Beleidigung nicht nur für meinen Intellekt darstellt.

Das, so möchte man meinen, ist schwer zu überbieten. Dachte ich auch, ja. Bis ich mehr oder weniger zufällig mal über eine Show auf "9live" oder DSF oder irgend einem anderen Spartensender gestolpert bin. Hier wird so gekonnt das Volk für Dumm verkauft, dass man für die Brillianz der Umsetzung eine Auszeichnung angebracht wäre.

"Nennen Sie Begriffe, die mit '..Ball' enden" etwa. Zehn verschiedene Begriffe werden gesucht, dotiert mit unterschiedlich hohen Gewinnen, je "exostischer" der Begriff ist. "Fußball", "Kopfball", "Opernball" und so weiter - naheliegend und mit 50 bis 100 Euro belegt. Zwei Stunden lang ertönt, gleich einem Metronom, im immer gleichen Abstand der Satz "Gleich schlägt der Hot-Button zu" und der Moderator grinst einen grenzdebil an. Wenn überhaupt eine Lösung präsentiert wird und die Sendung nicht ohne Auflösung zu Ende geht.

"Leute, es ist sooo einfach! Los jetzt, anrufen oder eine SMS schicken! Die Leitungen sind offen!" - und am Ende der im Alltag so gebräuchliche Begriff "Wohnzimmerball" - auf der Liste der am häufigsten benutzen deutschen Substantive in etwa auf gleicher Höhe mit Rekonvaleszenzerscheinung" (ohne jetzt Mediziner beleidigen zu wollen, die sicherlich häufiger mit Genesung zu tun haben, als mit Wohnzimmerbällen). "Leute es wäre so einfach gewesen, ehrlich. Da habe ich schon bessere Sendungen erlebt." Der eloquente Moderator lässt sich über das mangelhafte Wissen seiner Zuschauer aus, weil diese den mit 1000 Euro dotierten Begriff nicht erraten haben. Und mal ehrlich: Wer von uns hat denn noch nie einen Wohnzimmerball erlebt/gesehen/gehabt/gehört? Na also...

Ich sollte solche Telefonspiele anbieten. Die damit zu verdienende Kohle ist bei ausreichender Dreistigkeit kaum einzuschätzen. Oder ich denke mir für ProSieben-Sat1 die Fragen für die Gewinnspiele in den täglichen Sendungen aus. Und ich beteilige mich an den Telefongesellschaften, die für die fernmündliche Abwicklung verantwortlich zeichnen.

Volksverdummung. Das Niveau der Fragen, die Anforderungen an das Wissen (Allgemeinwissen wie Spezialwissen), die Fragwürdigkeit solcher - ich nenne das mal unter Räuspern "Gameshows", all das lässt mich nicht daran glauben, dass das private Fernsehen ein Interesse daran hätte, Bildung und Wissen zu vermitteln. Hier geht es um simpel gestrickte Unterhaltung, um seichte Berieselung, die Fehler und Faulheit verzeiht, um Schokolade für Augen und Ohren. Ein gewisser Ray Bradbury hatte dazu mal eine interessante Vision in "Fahrenheit 451", einem Buch, in dem das Lesen von Büchern ein todeswürdiges Verbrechen darstellt und die Dauerberieselung mit Fernsehen eine Hauptrolle im Alltag spielt. Wer das Buch gelesen hat, wird mir vielleicht nachempfinden können, was ich derzeit über die Qualität des Fernsehens denke.

Wie so oft, wenn ich mal einen Text verfasse, gibt es auch ein Fazit: Fernsehen macht doof. Aber nicht mit mir. Ich werde meinen Fernsehkonsum in Dosis und Qualität in Zukunft etwas anders ausrichten.