Sonntag, 18. März 2018

Facebook und die Daten

Cambridge Analytica (CA) wird den meisten nichts sagen. Die meisten, denen dieser Name etwas sagt, werden diesen Namen auch erst seit ein paar Tagen kennen. Diese Firma beschäftigte sich mit dem Profiling von Wählern und arbeitete mit dieser Expertise mit dem Wahlkampfteam von US Präsident D. Trump zusammen.

Die Firma hat bzw. hatte Zugriff auf Daten und Profile von 50 Millionen Benutzern von Facebook. Im Zusammenhang mit der mal mehr, mal weniger prominent geführten Debatte ist umstritten, ob der Zugriff auf und die Auswertung der Daten erlaubt war oder nicht. Facebook betont, dass es sich nicht um ein Datenleck gehandelt hat. Die Daten seien nicht illegal erhoben worden. Es hätte kein Zugriff auf Daten stattgefunden, dem nicht vorher zugestimmt worden sei.

Mögen sich die Beteiligten in den Medien und den USA darüber streiten, ob es nun ein Datenleck oder ein Verstoß gegen die Richtlinien von und Verträge mit Facebook war. Der Punkt, über den sich jeder Nutzer von Facebook absolut klar sein muss, ist der Umfang und das Ausmaß, in dem Daten weitergegeben werden, die Facebook generiert. Oder genauer: Die Benutzer auf Facebook und den dazu gehörenden Anwendungen (Messenger, WhatsApp, Instagram, Oculus VR, Moves, etc.) generieren.

Cambridge Analytica ging mit einem Kapital von (Pi mal Daumen) 15 Millionen US$ an die Auswertung. Damit ist CA nicht im Entferntesten der größte Laden, der sich mit den Daten befasst. Im Gegenteil. Zu den Finanziers des Unternehmens, die den Aufbau von Facebook ermöglicht haben gehören zum Beispiel Microsoft (240 Millionen US$) Mail.ru Group (400 Millionen US$) oder auch Goldman Sachs.

Wer glaubt, dass diese Firmen für das Geld, dass sie Facebook zur Verfügung gestellt haben, keine Gegenleistung erhält, glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee. Es dürfte realistisch sein davon auszugehen, dass diese Firmen mindestens im selben Umfang auf Daten zugreifen können, wie es CA kann bzw. konnte.

Eine reflexartige Reaktion ist "Dann wissen die halt, was ich Samstag gegessen habe. Und?" Wenn es nur das wäre. Eine Mailaustausch zwischen CA und dem Psychometrischen Zentrum der Universität Cambridge zeigt, über welche Wesensaspekte zuverlässige Aussagen getroffen werden können:

Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Pflichtbewusstsein, Introvertiertheit bzw. Extrovertiertheit, Freundlichkeit, angenehmes Wesen, emotionale Labilität, Intelligenzquotient, Geschlecht, Alter, politisches Engagement, politische Orientierung, Religion, Beruf, Schwerpunkt der schulischen Ausbildung, Bereitschaft anderen von sich zu erzählen, Aufrichtigkeit, Voreingenommenheit, Skepsis gegenüber anderen, Selbstkontrolle, Sensationslust, Militarismus, Okkultismus, Teilnahme an intellektuellen Aktivitäten, Leichtgläubigkeit, Naturverbundenheit, Glaube an Sternzeichen.

(Quelle: New York Times)

Diese Liste ist keine abschließende Liste, sondern lediglich eine, die für den angestrebten Zweck zwischen CA und dem Psychometrischen Zentrum der Universität Cambridge diskutiert wurden.

Es sei jedem selbst überlassen, Facebook & Co. weiterhin in dem Umfang wie bisher zu nutzen. Aber vielleicht sollte jeder darüber nachdenken. Will man wirklich alle Texte, Bilder, Links, kurz gesagt "alle Daten" Facebook durch Nutzung der Apps und Webseiten zur Verfügung stellen? Falls ja, hier noch ein Denkanstoß.

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