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Samstag, 23. Februar 2019

Zitat des Tages (22)

"Dateien, die die schrecklichen Taten hätten dokumentieren und die Verantwortlichen benennen können, wurden zerstört oder gar nicht erst erstellt. Die für die Strafverfolgung festgelegten Verfahren und Prozesse wurden bewusst nicht eingehalten, sondern abgebrochen und die Dateien überschrieben."
(Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, laut CNN)

...bitte WAS?!

Dienstag, 24. April 2018

Zitat des Tages (16)

"Das Kreuz ist ein grundlegendes Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung" (...) "Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion"
(Markus Söder, Ministerpräsident Bayern, CSU)

Äh... okay. Das etwas gleichzeitig etwas ist und nicht ist, hat die Politik ja schon häufiger über Dinge behauptet. Aber zu behaupten, dass ein von den Betreibern der Religion als "religiöses Symbol" definiertes Symbol kein religiöses Symbol ist, das ist neu. Aber was tut man nicht alles, um nicht religiöse, nicht christliche Symbole in Behörden aufhängen zu dürfen. Das nämlich passiert ab demnächst in Bayern und im Rahmen der Verkündigung dieses Kabinettsbeschlusses gab Herr Söder obiges von sich.

Immerhin: Joachim Unterländer (Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und rein zufällig auch Landtagsabgeordneter in Bayern für die CSU) fand die Kabinettsentscheidung toll. Kreuze wären Bestandteil des öffentlichen Lebens in Bayern und gelebte Volkskultur, findet er.

Ob sein Chef in Rom auch findet, dass Kreuze keine christlich-religiösen Symbole sind? Wäre mal interessant zu wissen. Ist letztendlich aber egal, denn es geht den eskalierenden Bayern eh mal wieder nur um den Wahlkampf der CSU. Die hat nämlich mega Schiss, zu verkacken und tut deshalb alles, um an jedem extremen Ende so viel wie möglich abzugreifen. "Jedes Promille zählt!" Wenns dann hinterher wieder kassiert wird... drauf geschissen, bis dahin ist die Wahl durch! Und wenns bleibt: Umso besser! - so die Kalkulation, der nach belieben Grundrechte geopfert werden.

Schade nur, dass die Bayern das wirklich ernst meinen, sonst wäre es eine lustige Posse. So jedoch...

Dienstag, 17. April 2018

Diamantene Bestattungsdebatte

Industriediamanten sind jetzt weder neu noch schwarze Magie. Man nehme Kohlenstoff, ausreichend viel Druck und Hitze und irgendwann kommt da ganz am Ende was Glitzerndes raus. Etwas "neuer" ist hingegen die Idee, als Kohlenstoffträger die Asche des gestern eingeäscherten Morgenkaffeewegtrinkers nehmen. Alternativ auch die des endlich den eigenen Kochkünsten erlegenen Ex-Gatten. Oder wessen auch immer. Das wird allerdings auch schon seit diversen Jahren kommerziell angeboten und ist nun wirklich alles andere als "neu". Natürlich in den USA. Nicht in Deutschland. Da scheint das "bleeding Edge" zu sein.

Lange war es um dieses Thema völlig still. Warum auch nicht? Völlig unspektakuläre Geschichte und als Idee jetzt auch nicht so total bekloppt. Zumindest verglichen mit manchem, was mir sonst so unter die Finger kommt. Da gehört das noch zu den eindeutig harmlosen Ideen. Warum auch nicht? Wer mir mein ganzes Leben lang wichtig war, den möchte ich vielleicht auch nach dem Ableben nahe bei mir haben. Und sein wir mal ehrlich: Nicht jeder hat Bock, sich auf Jahre und Jahrzehnte hinaus um ein streng reglementiertes Blumenbeet kümmern zu müssen.

Unspektakulär, dachte ich. "Who cares?", dachte ich.

Offenbar ist aber jetzt bei den Kirchen angekommen, dass es diese Möglichkeit der... äh... Ahnenverwertung gibt, weil wiederum neulich bei der Politik angekommen ist, dass es diese Methode doch schon seit mindestens gestern gibt. Angesichts des Innovationsdrangs Deutschlands quasi "brandneue Sache" (*Euro in die schlechte-Wortwitze-Kasse werf*) Vermutlich ist die Politik von selber darauf gekommen, weil irgendjemand damit 'nen Euro machen will. (Nein, dafür gibt's jetzt keinen Euro.)

Es geht genauer um Brandenburg. Schon Ende September vergangenen Jahres wurde in Potsdam im Landtag darüber beraten, ob man nicht vielleicht auch Verstorbene in - kein Witz - denkmalgeschützten Grüften und Mausoleen einlagern können sollte. Also das war jetzt selbst mir als Konzept zu modern. Die Überreste von jemandem in sonem Kasten einmotten lassen, der denkmalgeschützt ist? Auf einem Friedhof? Wo andere ihre Toten verscharren lassen? Völlig absurde Vorstellung!

Offenbar nicht ganz so absurd, sondern nach dem Brandenburger Bestattungsgesetz nicht erlaubt. Mal ehrlich: Wer denkt sich sowas aus? Welche Farbe hat der Himmel bei denen? Was nehmen die? Warum krieg ich nichts davon ab? Fragen über Fragen. Außer dieser weltbewegenden Frage sollte nebenbei auch noch über die sogenannte "Diamantbestattung" nachgedacht werden. Wenn schon Modernisierung, dann richtig, woll?

Vermutlich wurde oft genug nachgefragt und der Landtag hat sich damit beschäftigt. Warum eigentlich? Ist das nicht egal, was ich mit dem Kadaver meines endlich ruhig bleibenden Schlafverhinderers aus dem Nachbarbett mache? Nein, ist es nicht. Ich war tatsächlich auch etwas überrascht, aber, nunja. Deutschland.

Kurz gefasst: Die CDU ist pauschal dagegen. Die SPD findet die Idee nicht völlig blöde, will aber irgendwelche komplizierten Gesetze und Verordnungen. Die AfD ist auch dagegen, weil mit der Diamantbestattung der Islam Deutschland überrennen kann. Auch das ist leider kein Witz.

Offenbar schaffte es das Thema wieder auf die Liste dringender Themen, mit der sich Menschen mit vermögenden Bekannten, zu wenig Geld und zu viel Zeit für noch viel seltsamere Ideen (vulgo: "Politiker") so beschäftigen. Deshalb sah sich der evangelische Bischof Markus Dröge zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst. Und das wiederum landete auf meinem Schreibtisch (und jetzt hier). Mal ganz abgesehen davon, dass ich bis gerade nicht im Traum daran gedacht habe, dass Kadaver in Diamanten verwandeln in Deutschland illegal sein könnte. Andererseits... Deutschland...

Egal wie, jedenfalls hat sich Bischoff Dröge offiziell gegenüber dem Evangelischen Pressedienst zu diesen Plänen geäußert:

"Es mag zunächst nachvollziehbar sein, dass man ein Stück des geliebten Menschen nah bei sich behalten möchte"

Achwas?

"Aber es bedeutet, dass man das, was vom Körper des Verstorbenen übrig bleibt, aufteilt und für sich behält. Er wird zur Sache."
(Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz)

Hä? Aufteilen und Sache? Ernsthaft? Ja, ernsthaft. Das mit der "Sache" ist so eine Sache (Ich hab's heute mit den guten Wortspielen). Eine Leiche ist im juristischen Sinne wahrscheinlich eine Sache. So ganz genau haben sich Gesetzgeber und Gerichte da in den vergangenen zweihundert oder dreihundert Jahren noch nicht geeinigt, je nach dem, wie lange zu dem Thema bereits Papier vollgekritzelt wird. Allerdings kann an menschlichen Leichen in Deutschland kein Eigentum erworben werden. Das geht schon auf das Reichsgericht zurück, nämlich auf RGSt (Sammlung der Entscheidungen des Reichsgerichts für Strafsachen, auch kein Witz, das gibt es wirklich und ist heute noch relevant) Band 64, 313, 315 zurück, wo es heißt: "dem Herkommen und den Gepflogenheiten aller Kulturvölker widersprechen würde, den Leichnam eines Menschen als eigentumsfähige Sache zu behandeln."

Das wäre in jedem Fall ein spannender Rechtstreit, wenn jemandem die verdiamantete Omma geklaut wird und der hinterher wegen Störung der Totenruhe verknackt wird, statt wegen Diebstahls. Aber sei es drum. Das sind letztendlich theoretische Debatten, die dem Normalsterblichen ziemlich am Arsch vorbei gehen dürften. In Deutschland jedenfalls darf im Augenblick kein Leichnam zu Diamanten verarbeitet werden. In der Schweiz geht das aber recht problemlos ("Achwas?") und letzten Endes stellt sich mir die Frage, was "die" da wieder für einen Alarm um ein Thema machen, dass doch eigentlich nur noch die Hinterbliebenen und die Bestatter... Oh. Sekunde.

Könnte es sein, dass es der Kirche am Ende weniger um die Frage geht, wem denn nun der Kadaver "gehört"? Ich mein, die Kirche hat ja auch wenig Hemmungen im Umgang mit den Überresten Verstorbener. Wer sich schon mal mit den Gepflogenheiten der Weiternutzung freizumachender Grabstellen beschäftigt hat oder wie mit solchen, der Kirchenensteuerzahlungshistorie "ungeklärt" ist, weiß das. Da wird rigoros und frei jeglicher Emotionalität mit dem Bagger und der Aktenlage agiert.

Für die Kirchen ist das Beerdigungsgeschäft neben der Kirchensteuer eine recht lukrative Angelegenheit, bei der gerne beide Hände, der Klingelbeutel, der Opferstock und ein zufällig rumstehender Zehnlitereimer aufgehalten werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass da jeder noch so kleine Pfurz akribisch, teilweise mit Stoppuhr abgemessen (auch kein Witz, leider), in Rechnung gestellt wird. Selbst die nur für 10 Minuten brennenden Altarkerzen wurden uns damals komplett in Rechnung gestellt, obwohl die mit Sicherheit weder neu waren, noch hinterher uns gegeben oder verschrottet wurden.

Das knapp 30 minütige und zurückblickend reichlich unspektakuläre Ritual inklusive Beerdigung und auf 20 Jahre gemieteten 4 Quadratmetern Blumenbeet war mit nördlich von deutlich 3 Kilo Euro kein kleiner Posten auf der Rechnung. Und damit war es ja nicht getan. Grabstein, Gärtner, Grabeinfassung und so weiter sind Positionen, die manchem Hinterblieben begeisterte Sorgenfalten auf die Stirn zaubern können. 15.000 Euro waren ganz schnell weg.

Wie mein damaliger Schulfreund, Holger (nein, nicht Du, Holger, der andere), schon vor vielen Jahren zu sagen pflegte: "Eigentlich betreiben wir da nur rituelle Sondermüllentsorgung, an der alle anderen gut verdienen." Recht hat er, denn "sterben" ist über alles gesehen ein verdammt lukratives Geschäft, an dem eben auch die Kirchen gerne und gut mitverdienen. Dass deshalb gerade von dieser Seite nicht mit überschwänglicher Begeisterung darauf reagiert wird, wenn eine Form der Verehrung Verstorbener eingeführt werden soll, an der die Kirche so ziemlich gar nichts verdient, ist gut verständlich. Die Argumentation aber auf die "Sache" abzustellen, zu der der Leichnam dann ja wird, finde ich reichlich heuchlerisch, denn zufällig will der Herr Bischoff gleichzeitig eine Bestattungspflicht für alle auf einem Friedhof im Gesetz verankern lassen.

Natürlich nur der Sache wegen.

Montag, 31. März 2008

Kuschelkurs

KircheIch weiß, dass die katholische Kirche schon lange darum bemüht ist zu zeigen, dass alle Kirchen irgendwie dieselbe Kirche sind, nämlich die mit Chef in Rom. Bislang wurde damit Argumentiert, dass die Juden ja auch irgendwie Katholiken sind, denn ihrem Volk entstamme ja "der Sohn Gottes", nur leider woll sie das einfach nicht wahrhaben. Darum beteten die Katholiken Ostern ja auch wieder dafür, dass die vernagelten Juden endlich mal klar kommen und die Vorherrschaft des Vatikan anerkennen.

Auch mit den Moslems will man sich gerne verbrüdern, wird doch die Bibel bereits im Koran erwähnt und auch sonst irgendwie erklärt, dass der Gott der Bibel derselbe sei, wie der des Korans. Irgendwie bete man also zum selben Chef, nur eben auf verschiedenen Wegen und mit "leicht" unterschiedlichen Ausprägungen. Da den Moslems dieser Kuschelkurs nicht recht geheuer vorkommt, greift die Katholische Kirche zunehmend zu immer deutlicheren "Einladungen".

In der Washington Post stand just:
"Jesus answers, "I assure you: Today you will be with me in paradise."

New Testament scholar Darrell Bock says it is the only time Jesus offers paradise in Luke's Gospel, though the apostles are told they will have eternal life.

"He's known as one of the few figures who, in the midst of the Crucifixion, knows what's going on," says Bock, a professor at Dallas Theological Seminary in Texas.

Crucifixion is too harsh a crime for thievery, Bock says, so the men were probably insurgents or revolutionaries of some kind."
Ah ja...

(Quelle: Washington Post)

Sonntag, 1. Juli 2007

Brief aus Rom

BriefChina und den Vatikan verbindet eine innige Abneigung. Die Regierung des katholischen Weltreiches und die Regierung Chinas streiten sich schon lange über die Rolle des Katholizismus in China. Da man in Beijing allerdings eine recht effiziente Methode auf Lager hat, um mit Problemen jeder Art umzugehen, hat man dort dem Streit kurzerhand den Boden entzogen. Zum Einen sprach die Regierung den Leuten in Rom das Recht ab, in China Bischöfe zu ernennen, sondern beansprucht dieses Recht für sich und zum Andern wird den Katholiken zum Beispiel nicht erlaubt, Kirchen zu bauen. Und natürlich greift man auch gerne zu anderen Methoden der Drangsalierung.

Katholische Priester werden immer wieder mal inhaftiert und verhört, wobei man sich darüber klar sein muss, dass "Verhöre" in China eher nicht mit den Verhörpraktiken hierzulande verwechselt werden sollten. China steht nicht ganz ohne Grund sehr weit oben auf der Liste derjenigen Staaten, die Menschenrechte eher als Problem anderer Länder ansehen und nicht als Gegenstand der eigenen Belange.

Jedenfalls hat sich der aktuelle Staatschef des Vatikans dazu entschlossen, den Chinesen mal etwas näher zu rücken und Bewegung in das leidige Thema zu bringen. Darum schrieb er einen kurzen, nur knapp fünfzig Seiten langen Brief an die chinesischen Bischöfe, Priester und Laien. Darin ruft er zur Einheit der Kirche auf, die spätestens seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen 1951 in eine von Peking kontrollierte Staatskirche und eine Rom-treue Untergrundkirche gespalten ist.

Die chinesische Regierung sieht das eher mit einigem Argwohn und fordert denn auch postwendend eine ganze Reihe weitreichender Zugeständnisse vom finanzkräftigen Moral-Imperium in Rom. Zum Beispiel den Abbruch der Beziehungen mit Taiwan, aber auch die Garantie, dass sich der ehemalige Chef des Rechtsnachfolgers der Inquisition aus den inneren Angelegenheiten Chinas heraushält. Beide Forderungen dürften im Vatikan wohl eher nicht so begeistert ankommen, denn die Idee der Katholiken ist ja, den eigenen Einflussbereich zu vergrößern und sich nicht in "innere Angelegenheiten" eines anderen Staates einzumischen, ist ja nun eher nicht so die Sache der Spendensamler vom Tiber.

Ich bin bestimmt kein Fan der Methoden, die die chinesische Regierung praktiziert. Ich kann allerdings sehr gut verstehen, warum die Leute dort so reagieren, wie sie reagieren. Denn: Sieht man sich an, was der Katholizismus mit seinen Ideen und Thesen so alles angerichtet hat, dann darf man - neutral betrachtet - schon sagen, dass gerade wir hier dieser Religion eine ganze Menge Probleme verdanken. Immerhin ist ja diese Religion einer der Gründe, warum es überhaupt den Streß mit dem Islam gibt und vielleicht sogar der Grund, dass es überhaupt den Islam gibt. Man denke in dem Zusammenhang auch an die Kreuzzüge und die Entstehung Israels, den Kreationismus, Diskussionen um Abtreibung und Homosexualität und viele andere interessante Themen, die im mehr oder weniger direkten Zusammenhang mit dieser Religion stehen.

So gesehen kann ich gut verstehen, warum sich China mit Händen und Füßen gegen die Etablierung dieser "Religion" im eigenen Lande wehrt.

(Quelle: dpa)

Freitag, 29. Juni 2007

Religion und Integration

Zentralmoschee Köln ModellIn Deutschland wird noch immer die Debatte um die Zuwanderung geführt. Einerseits behaupten "Experten", dass in rund 10 Jahren ein erheblicher Mangel an Ingenieuren in Deutschland herrschen werde, der dem Wirtschaftsstandort Deutschland einige Probleme bereiten wird. Dann sind da noch die Demographen, die darauf hinweisen, dass die Geburtenzahlen sich nicht gut entwickeln und die Deutschen irgendwie weniger werden. Dazu kommen noch die Zahlen der Auswanderer (die angeblich zunehmen) und die Zahlen der Einwanderer (die angeblich abnehmen) und fertig ist das Katastrophenszenario vom aussterbenden Deutschen Staat.

Würzen wir diese Debatte doch noch ein wenig mit ein paar Schlagworten. Da ist einerseits das Engagement Deutschlands im Ausland. Wir haben ernsthafte Probleme damit, dass sich unsere Bundeswehr im Ausland betätigt. Nicht wenige internationale Beobachter (nicht nur die aus den USA) vermuten hier Feigheit. Das Motiv könnte aber auch ganz anders gelagert sein. Wie wäre es mit: "Wenn es in den anderen Ländern besser wird, dann will da ja keiner mehr weg. Wo sollen dann unsere fehlenden Zuwanderer herkommen, auf die wir angeblich so dringend angewiesen sind?"

Immerhin: während die Unionsparteien immerhin darüber nachdenken, ob man die Bundeswehr nicht vielleicht doch auch mal im Süden Afghanistans einsetzen könnte, während Fachleute des Militärs vorrechnen, dass man rund 800.000 Soldaten bräuchte, um in Afghanistan eine mit dem Kosovo vergleichbare Dichte an "Friedenstruppen" zu schaffen (was dieselben Fachleute auch völlig korrekt als unrealistisch einstufen, denn wo will man bitte so viele Soldaten herholen?) hat die SPD nichts Besseres zu tun als sich Gedanken darüber zu machen, ob man nicht vielleicht doch lieber die Bundeswehr aus Afghanistan wieder komplett abzieht. Erwähnte ich schon, dass sich die Zustimmung zu den Ideen der SPD auf Bundesebene zur Zeit irgendwie im freien Fall befindet?

Jedenfalls von dieser Auslandsdebatte mal ganz ab, die Themen Irak, Iran, Korea, Afrika und so weiter lasse ich jetzt mal außen vor, denn da sieht die Lage auf dem außenpolitischen Parkett Deutschlands zur Zeit nicht anders aus. Die Innenpolitik ist aber auch nicht viel besser. Jüngst wurde erst Gesetz, dass die Zuwanderung erschwert wird. Man wolle ja nun nicht jeden hier haben, sondern nur Fachkräfte und Spezialisten. Gleichzeitig diskutiert das Innenministerium mit selbst von den Anhängern umstrittenen Gruppierungen über die Integration des Islam, wobei nach anfänglichem Jubel schlagartig Stille einkehrte, nachdem darauf hingewiesen wurde, dass die "Gesprächspartner" nicht nur eine irgendwie marginale Minderheit derer repräsentieren, für die sie zu sprechen für sich in Anspruch nehmen, sondern sich untereinander auch noch voll in die Klatten kriegten.

Und dann ist da die Sache mit dieser Moschee. Irgendjemand hat sich in den Kopf gesetzt, dass in Köln die größte Moschee Europas außerhalb der Türkei gebaut werden soll. Für 2.000 bis 3.000 Gläubige soll sie ausgelegt sein. Die Befürworter sprechen von einem völlig berechtigten Anspruch auf ein zentrales Gotteshaus der zweitgrößten Weltreligion in Deutschland. Da stellen sich aber ein paar Fragen, deren Beantwortung noch irgendwie aussteht.

Einerseits heißt es, dass diese Moschee das zentrale Gotteshaus für alle gläubigen Moslems sein soll. Quasi so was wie der Petersdom in Rom für die Christen. Interessant finde ich dabei, dass Moslems im gleichen Atemzug darauf bestehen, dass es so etwas wie eine gemeinsame Lehre im Islam gar nicht gäbe. Soll das im Umkehrschluss bedeuten, dass entweder jede Woche eine andere religiöse Ausrichtung die Moschee als "unsere" proklamiert (was ich ehrlich gesagt für wenig realistisch halte, man denke nur an das Termingedränge um die Feiertage herum) oder steht zu befürchten, dass jede Splittergruppe für sich auch so einen Prunkklopper beansprucht, womit Köln bald in erster Linie aus gigantischen Moscheen und Schuhläden bestehen dürfte?

Was ist mit der Feststellung von "Insidern" des Islam, dass Moscheen gar nicht das sind, was man uns einreden wolle, nämlich "Bethäuser", sondern in der Praxis viel mehr Versammlungsräume, in denen handfeste Politik gemacht wird? War es nicht so, dass Imame im Freitagsgebet nicht nur Suren herunterbeten, sondern den Anwesenden auch ganz klare politische Handlungsvorschriften mit auf den Weg gaben? Ist das angebliche "Gotteshaus" am Ende gar kein "Gotteshaus", wie uns mantrengleich von den Anhängern der in der jüngeren Vergangenheit immer wieder unheimlich tolerant und friedfertig auftretenden "Weltreligion" vorgebetet wird?

Ist es verwunderlich, dass es massive Vorbehalte gegen eine Religion gibt, die sich in erster Linie gegen die Säkularisation richtet, die ganz klar Vorrecht vor der Politik fordert, die der Meinung ist, dass nur sie die Rechte und Pflichten eines Menschen diktieren darf? Immerhin tun die Befürworter wenig, um den Eindruck zu entkräften, dass hier ein "Staat im Staate" gebildet werden soll, denn wer erinnert sich nicht an den "Kalifen von Köln", der versucht hatte, ebendort das Kalifat auszurufen und so tatsächlich einen eigenen Staat zu gründen?

Es mag sein, dass der Islam völlig harmlos ist. Es mag auch sein, dass all die Befürchtungen, die unsere Gesellschaft zu solch hartnäckigem und energischem Widerstand gegen den Islam schon fast reflexartig veranlassen, völlig falsch sind. Trotzdem lassen sich diese Befürchtungen nicht einfach so vom Tisch wischen. Deutschland ist nun mal nicht der Orient und in Deutschland ist nun mal das Christentum die von Alters her etablierte Religion - und derern Feindbild ist seit Ewigkeiten nicht ganz ohne Grund wer? Und nun soll man den "Erbfeind" quasi im eigenen Land eine Basis in einer Größenordnung bieten, die nicht nur den Nachbarn des Bauvorhabens Sorgen bereitet, sondern auch auf Bundesebene bei Politikern, Religionsfachleuten und nicht zuletzt bei der Bevölkerung zumindest ein Stirnrunzeln hervorruft?

Es mag ja sein, dass wir alle paranoid sind, aber ich vermisse jegliche Anstrengung seitens derjenigen, die uns Skeptikern gegen diese hier nicht unbedingt "heimische" Religion vorwerfen, wir wären doch alle rechtsextreme Betonköpfe und wir wären weltfremd und fremdenfeindlich und was weiß ich, was da noch alles an "sachbezogenen Argumenten" gehandelt wird. Tatsache ist: Es gibt Widerstände und diese Widerstände gründen sich auf der Angst, dass mit dieser "Religion" (oder ist es doch eine Partei? Wurde die Frage zwischenzeitlich schon verbindlich beantwortet?) der Extremismus kommt.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Erinnerungen an den Umgang des Islams mit der Meinungsfreiheit (Karikaturen), die Ansichten zum Beispiel zu den Themen Gleichberechtigung von Männern und Frauen und Rechtsprechung (Scharia) viel zu lebendig sind, um ignoriert zu werden. Ganz abgesehen davon versteht wohl kaum einer, wieso jeder sofort in die rechte Ecke gestellt wird, sobald er (oder sie) als Mitglied einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft darauf hinweist, dass hier religiöse Protzbauten als Zeichen der Integration eher ein falsches und ungewolltes Signal sind, da Religion in dieser Gesellschaft eine untergeordnete und keine Dominante Rolle spielt. Woraus sich auch irgendwie die Frage ergibt, wieso ein (angeblich) religiöser Bau dieser Größenordnung notwendig ist, um eine speziell die Minderheit der Zuwanderer aus dem nahen und Mittleren Osten zu integrieren.

Darüber hinaus stellt sich irgendwie jedem Kritiker die Frage nach der Garantie, die man uns geben will, dass die Befürchtungen eben nicht erfüllt werden und Deutschland - übertrieben dargestellt - eben nicht häppchenweise in die erste und wirtschaftlich lukrativste westliche Enklave des radikalen Islamismus transferiert wird und hier bald Zustände Herrschen, wie sie uns aus den abenteuerlichsten Berichten aus dem Mittleren Osten im Kopf herumspuken, wo Kinder in Koranschulen gezwungen werden und von dort direkt als dogmatisiertes und ferngesteuertes Rohmaterial an die Terroristencamps weitergereicht werden. Auch haben hierzulande nicht wenige Menschen erhebliche Vorbehalte gegen die drohende Rechtsauffassung des Islams mit seinen für uns völlig weltfremden Forderungen und Vorschriften und die doch nicht eben drakonischen Strafandrohungen sind auch nicht gerade das, was unserem Kulturempfinden entspricht.

Die Mehrheit derer, die hier leben, wollen weiterhin so hier leben, wie sie es bisher getan haben. Es geht nicht darum, dass sie "die anderen" hier nicht wollen, wie mancher aus dem Kreise derer behauptet, die um jeden Preis eine gigantomanische Eruption selbstverliebter Machtdarstellung erzwingen wollen, wie sie diese besagte Moschee in Köln in den Augen vieler Kritiker nun mal ist. Es geht den Kritikern auch nicht darum, dass der Islam verboten wird. Es geht den Kritikern auch nicht darum, dass die Zugewanderten nicht etwa ihren Glauben ausüben dürfen. Im Gegenteil, sollen sie doch. Aber eben in Grenzen!

Gewollt ist eine Garantie dafür, dass nicht plötzlich aus Gründen der "Integration" den eigenen Kindern vorgeschrieben wird, Kopftuch tragen zu müssen (oder ähnliche uns hier völlig weltfremd erscheinender Bekleidungsvorschriften erzwungen werden) und wer sich nicht am Freitag in der Moschee sehen lässt, der wird gesteinigt. Auch haben hier die Leute keinen Bock auf die Vorstellung, wegen einer Karikatur, wegen eines Fotos oder eines Witzes plötzlich in den Knast zu gehen oder an der Schule wird plötzlich aus angeblichen Gründen des Spiritismus der Unterricht wieder in Jungen- und Mädchenschulen aufgeteilt oder Mädchen die Teilnahme an bestimmten Schulfächern verboten. Dafür wollen die Leute hier Garantien. Nur genau diese Garantien will nämlich keiner derjenigen Befürworter geben, die alle Kritiker pauschal als Ausländerfeinde und Rechtsextreme darstellen.

Warum eigentlich nicht?

Freitag, 20. April 2007

Abgeschafft

Gertrudenkirche OldenburgEs gibt Institutionen, deren Existenz viele als "gegeben" ansehen. Beispiele sind das Finanzamt oder die Feuerwehr und im übertragenen Sinne auch der Teufel und die Hölle - Letzteres zumindest für die, die an das Konzept von Erlösung und Verdammnis glauben. Nun sollte man annehmen, dass dieses Konzept, dem nicht unbeträchtliche Züge eines Dogma anhaften, aus der Sicht derer, die den Glauben vertreten, mithin der Kirche, als unabwendbare und unveränderliche Tatsache akzeptiert und wohl auch so erwartet wird.

Wie groß müssen Verwunderung und Erstaunen aller Gläubigen sein zu erfahren, dass die Struktur des Paradieses und besonders seines Gegenstückes, nämlich der Hölle, per Dekret geändert werden kann. Der Vatikan ist nach langer Überlegung zu dem Schluß gekommen, dass der Glaube an die Vorhölle abgeschafft gehört. In vorab veröffentlichten Auszügen aus einem Bericht der Internationalen Theologenkommission (ITK) des Vatikans heisst es, dass die Vorstellung der Vorhölle "zu streng" sei. Der traditionelle christliche Glaube an die Vorhölle wäre ohnehin der nie Teil der offiziellen Kirchenlehre gewesen. Dieser Glaube stelle eine "unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung" dar, so die ITK.

Die Vorhölle kann per Dekret abgeschafft werden. Einfach so. Schnipps und weg ist sie. Das war doch auch schon früher mal mit den Sünden so. Schnipps und weg sind sie. Ok, etwas Geld und ein Zettel mussten den Besitzer wechseln, aber das sind nun wirklich unwichtige Details.

Irgendwie muss ich spontan an ein Kinderlied denken:
"... Ich mach mir die Welt
wi di wi di wie sie mir gefällt. ..."
(Quelle: Tagesschau)

Sonntag, 5. März 2006

In God We Trust

The Independent CoverNeulich hab ich noch großspurig davon erzählt, wie säkularisiert wir doch sind und was das für ein Vorteil wäre und so. Ok, zugegeben: Ich hätte schon damals auf die etwas bibeltreueren Amerikaner hinweisen sollen, die das mit der Religion, insbesondere das mit dem Christentum doch etwas engstirniger sehen. Man denke nur an die Sache mit dem Kreationismus und so. Naja, sei es drum. Dass mir Tony Blair aus dem Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals aber so dermaßen in den Rücken fallen muss, finde ich dann doch etwas frech.

Bush und Blair vor IrakkriegWas war geschehen? Onkel Tony hatte damals mit Onkel George fett die Homie-Schiene gefahren und seine starken Jungs rübergeschickt in den Irak. Damit der böse Saddam seine Massenvernichtungswaffen nicht gegen die zivilisierte Welt einsetzt. Oder gar den Ölhahn zudreht. Oder das Öl an die Chinesen verkauft. Jedenfalls war Onkel Tony felsenfest davon überzeugt, dass das, was er sich da mit Onkel George ausgedacht hatte, eine gute Idee™ wäre.

Inzwischen waren viele Soldaten im Irak, eine Menge Reporter auch, und man hat eine Menge gefunden, nur mit den Waffenvernichtungswaffen hat man so einige Probleme. Die lassen sich nämlich ums Verrecken nicht auftreiben. Naja, vielleicht waren es ja die Russen, oder die Geheimdienste haben schluderig recherchiert oder die Aliens... Aber am Ende war es trotzdem völlig richtig in den Irak mit einer "ordentlichen Armee" einzumarschieren und mal so richtig auf die Kacke zu Hauen. Finden jedenfalls Onkel George und Onkel Tony. Und deren Fans finden das auch.

Jetzt gibt es da nur ein Problem: Nicht jeder kann das mit der Beweisführung nachvollziehen ("Weil wir hinterher diese und jene Sachen gefunden haben war es vorher rechtmäßig, dieses und jenes zu tun" ist eine nicht vor jedem Gericht zulässige Beweisführung.) Mancheiner meint gar, dass gerade erst durch den Einmarsch der Truppen überhaupt erst eine Situation entstehen konnte, auf deren Grundlage sowas wie die Proteste wegen der Karikaturen dermaßen eskalieren konnte. Egal wie, solange man sich bemüht die Probleme zu lösen, ist nicht alles zu spät. Vorausgesetzt, man bleibt sich selbst und seiner Linie und seinen Zielen treu. Und genau damit haben wir - besser gesagt alle, die mit Onkel Tony in einem Boot sitzen - jetzt ein kleines Problem.

Kommen ein paar Reporter zu Onkel Tony und fragen den: "Du sag mal, findest Du denn das, was Du da getan hast, im Nachhinein richtig?" Darauf antwortet der doch glatt:
"God will be my judge on Iraq"
Grob übersetzt: "Gott wird über meine Entscheidung den Irak betreffend richten." Ach? Nur Gott? Welcher denn? Weltlichen Institutionen (oder ganz platt: den Menschen) steht darüber kein Urteil zu? Zwar hat Onkel Tony nichts zu der Frage gesagt, ob er vor seiner Entscheidung den Krieg "da unten" zusammen mit Onkel George anzufangen auch gebetet habe. Aber trotzdem stellt sich mir hier eine ganz kritische Frage: Wenn der sich auf Gott beruft - welchen auch immer - in Bezug auf die Grundlage seiner Entscheidung und Autorisierung seines Handelns, welchen Sinn und welche Gültigkeit haben dann weltliche Richtlinien? Welche Rolle spielt der Vatikan bei politischen Entscheidungen? Welche Rolle spielen andere Kirchen? Und worin unterscheiden wir uns dann von den "radikalen Islamisten"? Ist der entscheidende Unterschied etwa, dass "wir" mehr Truppen haben? Oder wie jetzt?

Samstag, 18. Februar 2006

Clash of Cultures (3)

(Dies ist Teil 3 von Clash of Cultures. Teil 1 ist hier zu finden, Teil 2 hier.)

Glaubt man den Medien, dann besteht die Welt zurzeit aus zwei Lagern: Die eine Hälfte zündet Botschaften und Flaggen an, die andere Hälft schaut entgeistert zu und fasst sich an den Kopf. Unabhängig von besser oder schlechter und richtig oder falsch oder sinnvoll und sinnlos geschehen aber auch in unserer eigenen Hemisphäre perfekter Säkularisierung merkwürdige Dinge.

Nicht nur die Kreationisten, die mit aller ihnen durch die Bibel gegebenen Macht gegen die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft blasen, auch andere Sekten und so genannte "Religionsgemeinschaften" (Zeugen Jehovas, Scientology, Mormonen... die Liste ist lang) machen sich auf, der Kirche und der Religion zu neuem Ansehen und neuer Macht zu verhelfen. So stark ist inzwischen diese Bewegung, dass sich selbst Die Welt heute ein wenig erstaunt dazu hinreißen lässt zu schreiben, dass "der Glaube" wieder en vogue sei. Oder zumindest hat man dort den Eindruck, dass sich Religion zu einer neuen Mode entwickeln könnte. Oder man befürchtet es. Oder so ähnlich.

Davon aber mal ganz ab. Manche Menschen meinen, sie wüssten alles besser, weil sie auf "Gottes Wort" - und nur darauf! - hören. Bei einigen geht das soweit, dass sie sich mit ihrem Nachwuchs mehr oder weniger in ihren vier Wänden verbarrikadieren und entscheiden, dass nur sie dazu in der Lage wären, in dieser gottlosen Welt ihren Kindern das zu bieten, was "richtig" ist. Einer dieser Fälle wurde von einer recht weltlichen Macht, nämlich dem Schulamt und den Gerichten der Stadt Hamburg, nach nun knapp fünf Jahren vorläufig und reichlich eindrucksvoll beendet. Oder sagen wir besser "es geht in die nächste Runde".

Eine strenggläubige, bibelfeste und in ihrem Reihenhaus abgeschottet von der Umwelt lebende Familie aus Hamburg Othmarschen ist der Meinung, sie könne ihre drei schulpflichtigen Töchter am besten unterrichten - siehe oben. Das Gericht sah das ein klein wenig anders. Zur wahrscheinlich nicht gerade geringen Überraschung der beklagten Eltern stellte das Gericht nicht auf die Fachkompetenz der Eltern in Hinblick auf die Bildung ab, sondern auf das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Der Richter stellte fest, dass es eine Sache sei, dem eigenen Nachwuchs die heile Welt vorzugaukeln, es aber eine ganz andere Sache sei, was "da draußen" tatsächlich passiert. Es ist deshalb das durch das Grundgesetz verbriefte Recht der Kinder sich eigenverantwortlich zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass sich eben diese noch in der Entwicklung stehenden Kinder selbst und unmittelbar mit Andersdenkenden und Anderslebenden Menschen befassen können. Eine durch die Eltern aufgrund von deren Religion bestimmte Isolation der Kinder steht als Grundrecht der Religionsfreiheit der Eltern hinter dem Grundrecht der Kinder auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zurück.

Auch wenn in diesem speziellen Fall vermutlich eher um das Durchsetzen eigener Interessen der Eltern ging, nämlich um eine bessere Schulform, stellte das Gericht mit diesem Urteil eindeutig klar, dass systemische Mängel der Schule noch lange keine Grundlage für einen religiösen Gewissenskonflikt sind. Da religiöse Fanatiker sich selten davon überzeugen lassen, dass andere eventuell mit ihrer Ansicht doch im Recht sind, haben die jetzt verurteilten Eltern bereits angekündigt weitere Instanzen des Rechtssystems zu beanspruchen. Unter anderem wird das Anrufen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte angestrebt.

Natürlich werden sich viele an die Stirn tippen und fragen, wie weit die Geduld der Richter geht und wo die Grenzen der Zumutbarkeit im System selbst zu suchen sind. Allerdings zeigt gerade dieser Fall, der absolut kein Einzelfall ist, (wie vergleichbare Fälle aus Hessen, Paderborn und Bayern zeigen), dass sich unser System und unsere Gesellschaft immerhin dazu bereiterklärt, mit solchen Andersdenkenden zu diskutieren. Ich frage mich, wie es wohl einer Familie im Iran erginge, wenn diese auf den Trichter käme den eigenen Nachwuchs nicht zur Koranschule zu schicken, weil dort über Mord und Totschlag unterrichtet würde...

Donnerstag, 16. Februar 2006

Clash of Cultures (2)

(Dies ist Teil 2 von Clash of Cultures. Teil 1 ist hier zu finden, Teil 3 hier.)

Die Auseinandersetzungen um die Veröffentlichung der Karikaturen brennt weiterhin hell und mit ihr einige Botschaften, diplomatische Vertretungen und etliche Flaggen. Und das alles "im Namen des einzig wahren Gottes" und vor dem Hintergrund, dass eine Religion ihren Anhängern verbietet, von irgendetwas Bilder anzufertigen. Getreu dem Motto: "Was ich nicht darf, darf erst recht kein anderer" wird zum Krieg gegen die Ungläubigen, ihr Teufelswerk und generell das Böse in der Welt geblasen. Es versteht sich von selbst, dass mit "das Böse" in diesem Zusammenhang alles gemeint ist, was nicht dem Islam angehört.

Das christliche Abendland steht ziemlich rat- und fassungslos vor der Intensität der Gewalt und vor allem dem Gewaltpotenzial, das hier quasi auf Knopfdruck freigesetzt werden konnte. Wir wären gut beraten, diese Demonstration der Macht über Menschenmassen als klare und deutliche Warnung an unsere Adresse zu verstehen. Wir sollten begreifen, dass es hier den Initiatoren nicht darum geht, ein friedliches Nebeneinander zu schaffen, wie wir es in unserem Kulturkreis gewohnt sind, sondern ganz klar um ein "Wir geben den Ton an und Ihr habt uns zu Willen zu sein!"Unter dem Deckmantel des Glaubens geht es um Macht und Einfluss. Es geht darum, das eigene Volk unter Kontrolle zu halten, alles aus dem "christlichen Abendland" zu verteufeln und gleichzeitig durch das Ausschmücken einfacher und zugstarker Feindbilder möglichst effizient und nachhaltig zu polarisieren. Es geht darum, die von Alters her überlieferten Strukturen und Machtverhältnisse gegen die aufgeklärten, säkularisierten, modernen Erkenntnisse "der Ungläubigen" zu schützen.

Es geht auch darum, dass Männer ihre Macht über Frauen behalten wollen, dass Monarchen ihre Herrschaftsansprüche und ihre Machtpfründe verteidigen wollen und es geht auch darum, dass "eine Kirche" weiterhin Staatspolitik machen möchte. Es geht darum, den Unterschied in Fortschritt, Entwicklung, Wohlstand und Rechten des Einzelnen, oder deutlicher ausgedrückt das jahrhunderte lange Scheitern der Einen im Vergleich zu den Anderen, zu rechtfertigen und als Werk des Teufels anzuprangern. Es geht darum, im Zeitalter der globalen Information auch weiterhin dafür sorgen zu können, dass das eigene Volk dumm und duldsam bleibt.

Wir sollten nicht vergessen, dass die weit überwiegende Form der Schulbildung in den betroffenen Gebieten nicht aus staatlichen Schulen besteht, wie wir sie kennen. Wir sollten uns auch nicht darin täuschen, wie groß die Unterschiede im allgemeinen Bildungsniveau zwischen diesen beiden Kulturkreisen sind - Pisastudie hin oder her. Auch wenn wir gerne davon reden, dass es uns ja doch "so richtig schlecht geht", ist das doch noch lange kein Vergleich dazu, wie es einer ganzen Reihe Menschen im Mittleren Osten geht.

Das machen sich bestimmte Kreise zunutze. "Folge dem Geld" gilt auch hier. Es ist nicht "der kleine Mann von der Straße", der von den Ausschreitungen profitiert. Es ist aber genau dieser einfache Bürger, der sich denkt "Rache! Häuser müssen brennen!" Nur wie kommt der darauf? Von alleine sicherlich nicht. Dänische Tageszeitungen werden in den Dörfern und Städten im Mittleren Osten ungefähr eben so häufig und intensiv gelesen, wie bei uns altphönizische Tontafeln. Wer steuert denn in diesen ach so tief religiösen Gegenden die Verbreitung von Informationen und deren Interpretation? Was wird denn in den "Koranschulen" gelehrt? Newton, Einstein, Machiavelli, Wittgenstein, Aristoteles und so weiter wohl eher nicht. Und wer bestimmt den Lehrkanon dort? Etwa "die Kirche"? Könnte es etwa einen Zusammenhang geben zwischen dem, was dort gelehrt und gelernt wurde und dem, wie dort regiert und vor allem reagiert wird?

Es gibt noch mehr Details, die "unsere" Theorie und Vorstellung vom Zusammenleben von "deren" Glaubensgrundsätzen unterscheiden. "Wir" gestehen - bei allem Klassenkampf und Konkurrenzdenken - doch zumindest auf menschlicher Ebene jedem ein grundsätzliches Existenzrecht zu. Bei uns geht es mehr oder weniger um "kooperativ" oder zumindest um "nebeneinander". So sehr manche Anhänger des Islam auch bemüht sind davon abzulenken: Der Islam enthält quasi eine Klausel, die es für jeden seiner Anhänger zur heiligen Pflicht macht, den Islam auf seinem Weg zur einzigen Weltreligion voranzubringen und die Ungläubigen zu "beseitigen". Der einzige Punkt, über den die Anhänger dieses Glaubens untereinander diskutieren, ist die Form der Realisierung dieses Endziels, nicht das "Ob überhaupt". Von "lass den Andersdenkenden ihren Freiraum" findet man nicht so leicht etwas im Koran. Da braucht es schon einige Interpretation.

Der Koran, die letzte Instanz in der Welt der Anhänger des Islam, steht in der Regel in den Gebieten des Mittleren Ostens oder generell in Ländern mit starker Ausrichtung auf den Islam über dem Gesetz. Je fundamentalistischer bzw. extremer die Religiosität propagiert oder ausgelebt wird (ob nun tatsächlich oder nur vordergründig sei dahingestellt), desto eher ist der Koran die ultima Ratio. In einigen Ländern kann man auch heute noch durch das Auswendiglernen des Korans eine Begnadigung von verschiedenen (weltlichen Gerichts-) Urteilen erreichen. Auch ist es nicht völlig unüblich, den Koran zum Finden eines Urteils heranzuziehen (wobei das Resultat nicht selten der Tod oder die körperliche Verstümmelung ist.)

Ein paar sehr markante Beispiele dazu, was der Koran zu den verschiedenen Themen sagt, die von radikalen Islamisten gerne als Rechtfertigung für ihr Handeln herangezogen werden, sind die folgenden Beispiele:
2. Sure, Vers 192:

Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben; denn Verfolgung ist ärger als Totschlag. Bekämpft sie aber nicht bei der Heiligen Moschee, solange sie euch dort nicht angreifen. Doch wenn sie euch angreifen, dann kämpft wider sie; das ist die Vergeltung für die Ungläubigen.

2. Sure, Vers 194:

Und bekämpfet sie, bis die Verfolgung aufgehört hat und der Glauben an Allah (frei) ist.

2. Sure, Vers 217 :

Der Kampf ist euch befohlen, auch wenn er euch missfällt; aber es ist wohl möglich, dass euch etwas missfällt, was gut für euch ist; und es ist wohl möglich, dass euch etwas gefällt, was für euch übel ist. Allah weiß, ihr aber wisset nicht.

3. Sure, Verse 158 und 159:

Und wenn ihr für Allahs Sache erschlagen werdet oder sterbet, wahrlich, Verzeihung von Allah und Barmherzigkeit ist besser, als was sie zusammenscharen. Und wenn ihr sterbet oder erschlagen werdet, wahrlich, zu Allah sollt ihr versammelt werden.

5. Sure, Verse 37 und 38:

Wahrlich, die Ungläubigen - hätten sie auch alles, was auf der Erde ist, und dann nochmals so viel, um sich damit von der Strafe loszukaufen am Tage der Auferstehung, es würde doch nicht von ihnen angenommen werden; und ihnen wird eine schmerzliche Strafe. Sie möchten wohl dem Feuer entrinnen, doch sie werden nicht daraus entrinnen können, und ihre Pein wird immerwährend sein.

5. Sure, Vers 52:

O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.

8. Sure, Vers 13:

Ich bin mit euch; so festiget denn die Gläubigen. In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Treffet (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen die Fingerspitzen ab!

9. Sure, Verse 30 bis 33:

Die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. Das ist das Wort ihres Mundes. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie irregeleitet! Sie haben sich ihre Schriftgelehrten und Mönche zu Herren genommen neben Allah und den Messias, den Sohn der Maria. Und doch war ihnen geboten, allein den Einigen Gott anzubeten. Es ist kein Gott außer Ihm. Allzu heilig ist Er für das, was sie (Ihm) zur Seite stellen! Sie möchten gern Allahs Licht auslöschen mit ihrem Munde; jedoch Allah will nichts anderes, als Sein Licht vollkommen machen, mag es den Ungläubigen auch zuwider sein. Er ist es, Der Seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und dem wahren Glauben, auf dass Er ihn obsiegen lasse über alle (andern) Glaubensbekenntnisse, mag es den Götzendienern auch zuwider sein.

33. Sure, Vers 65 bis 69:

Allah hat die Ungläubigen von Sich gewiesen und hat für sie ein flammendes Feuer bereitet, Worin sie auf lange Zeit bleiben sollen. Sie werden keinen Freund noch Helfer finden. An dem Tage, da ihre Führer im Feuer gewendet werden, da werden sie sprechen: "O dass wir doch Allah gehorcht hatten und gehorcht dem Gesandten!" Und sie werden sprechen: "Unser Herr, wir gehorchten unseren Häuptern und unseren Großen, und sie führten uns irre, ab von dem Weg. Unser Herr, gib ihnen verdoppelte Strafe und verfluche sie mit einem gewaltigen Fluch."
(Alle Koranzitate aus: "Der Koran - vollständige Ausgabe", Wilhelm Heyne Verlag, München 1992)

Diese Zitate dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch in anderen Religionen zuweilen sehr rabiate Vorschriften in Bezug auf den Umgang mit Andersdenkenden gibt und dass die meisten Religionen ihre eigenen "Leichen im Keller" liegen haben. Besonders die Kreuzzüge des Mittelalters sollten gerade für uns eine deutliche Warnung sein, dass auch das Christentum alles andere als unschuldig ist.

Wir sollten uns darüber klar sein, dass es in den unterschiedlichen Ausprägungen des Islam sehr stark voneinander abweichende Ansichten über die Art der Auslegung dieser und anderer Aussagen des Korans gibt. Insgesamt gibt es jedoch unter allen Anhängern des Islam wohl kaum einen Zweifel daran, dass der "einzig wahre Glaube" der an den Islam ist: "La ilaha illah-llah Muhammadur Rasulu-llah" - "Es gibt keinen Gott außer Allah Muhammah ist der Gesandte Allahs" lautet der Kernsatz des Glaubensbekenntnisses.

Was bei uns und vielen anderen aber völlig anders ist, ist der Entwicklungsstand. Wir haben Telefon, Computer, Internet, Kühlschränke, DVDs, Apfelsaft, Atomuhren, Autos, 7.1 Stereoanlagen und so weiter und so fort. Wir haben Gesellschaftssysteme, die selbst so irrsinnig komplizierte Probleme wie die Energieversorgung über weite Strecken und große Flächen zu lösen. Wir leisten uns den (gesellschaftlichen) Luxus in unserer Mitte selbst solche "Randgruppen" mit ihrem Gedankengut zuzulassen, die unseren grundsätzlichen Überzeugungen diametral entgegenstehen.

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten leben wir in einer Welt, in der es uns eigentlich nicht wirklich am Elementaren zum Überleben mangelt. Wir leben in der Welt, in der mehr oder weniger jeder von uns dazu in der Lage ist, sich eine Meinung zu bilden und diese zu begründen. Und wir leben in einer Gesellschaft, die das auch noch erlaubt! Und das ist gut so, denn das macht unsere Kultur zu einer flexiblen, zu einer wachstumsorientierten, zu einer offenen Kultur. Die Integration, im Sinne des "Aufnehmens", des "Dazugehörens", ohne die eigene Herkunft, Geschichte, Überzeugung etc. verleugnen oder aufgeben zu müssen ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Kultur.

Wir haben gelernt, dass "Religion" eine universelle Sache ist. Wir haben gelernt, dass es nicht "die eine Religion" gibt und wir sind uns ziemlich sicher, dass es eine "ultimative Wahrheit" wahrscheinlich auch nicht geben kann. In unserer Mitte leben genug Menschen, denen das Thema Religion so wichtig ist, wie die Bildzeitung des letzten Jahres, und sie leben friedlich neben Menschen, denen ihr Glaube alles bedeutet. Warum? Weil wir Kirche und Staat getrennt haben. Wir haben gelernt, wie gefährlich es ist, wenn die Kirche die Geschicke des Staats bestimmt. Viele tausend tote Kreuzritter, Opfer der Spanischen Inquisition, der Christenverfolgung in Rom, der Judenverfolgung durch die Jahrhunderte, kurz: die ganzen historisch belegten Folgen des Irrwitzes religiösen Wahns und Allmachtsanspruches haben uns gelehrt, dass sich Religionen besser nur um sich selbst kümmern, und nicht um Staaten oder Völker.

Dieser geistige Entwicklungsschritt ist es, vor dem die Kirchenfürsten in den jetzt wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit stehenden Gebieten, Regionen und Ländern Angst haben. Es geht nicht darum dass "wir" gegen "die Anhänger des Islam" sind. Wir sind genau so wenig gegen Moslems, wie wir gegen irgendwelche anderen Anhänger einer beliebigen religiösen Glaubensrichtung sind. Wir sind vielleicht gegen bestimmte extreme Ansichten und wir sind ganz besonders skeptisch, wenn es um das Vermischen politischer und religiöser Aspekte geht, aber das ist das Recht, das wir uns in unserem Kulturkreis vorbehalten, um unsere kulturellen Errungenschaften vor uns selbst und anderen zu schützen.

Was ist zu tun? Können wir etwas tun? Sollten wir überhaupt etwas tun?

Vor dem Hintergrund der (diskussionswürdigen!) Aussagen des Korans zur Gewalt gegen Ungläubige und deren Auslegung erklären sich zumindest für mich einige Konflikte und deren Verlauf zwischen z. B. jungen Türken aus konservativem Hause und anderen Altersgenossen, die nicht selten in Form körperlich ausgelebter Aggression ablaufen. Ich sehe durchaus eine konkrete Notwendigkeit darin, offensiv mit diesem Problem umzugehen und mit den Betroffenen ohne falsch verstandene Scheu die Grenzen religiöser Ansichten in unserem Kulturkreis aufzuzeigen.

Wir sollten aufpassen. Nicht etwa, weil uns eine militärische Eroberung bevorsteht, sondern eher eine Form der Assimilation von unten und innen heraus. Wir sollten genau dagegen vorgehen. Nicht etwa in der Form, dass wir die Religionskeule auspacken und "für den einzig wahren Gott und das Christentum" gegen das Böse und den Teufel ins Feld ziehen oder das wir "die Moslems" ausgrenzen, verbannen oder gar zum Staatsfeind Nummer eins erklären. Das nun wirklich nicht. Das halte ich schon in Ansatz und Theorie für grundsätzlich falsch.

Wir sollten aber aufpassen, dass uns der radikale Islam nicht sozusagen von hinten an den Eiern packt und eine unserer größten Errungenschaften, nämlich unseren religiösen Liberalismus, gegen uns verwendet. Unser Respekt vor der Religion anderer könnte zum Bumerang werden, wenn diese Anderen sich nicht dafür interessieren, dass wir die Prämisse der "Gegenseitigkeit" elementar voraussetzen. Wir sollten aufpassen, dass wir uns von anderen nicht plötzlich etwas aufzwingen lassen, was zwar den anderen sehr, uns aber rein gar nicht hilft. Wir sollten aufpassen, dass wir nicht plötzlich da wieder finden, wo wir in unserer Entwicklung vor einigen hundert Jahren schon einmal waren. Der Prozess ist schleichend und geschieht überwiegend im Verborgenen. Der Konflikt um die Karikaturen ist dabei nicht der erste Versuch, die Politik "bei uns" auf der Grundlage religiöser Ansichten "woanders" im Sinne der Moslems und deren Verständnis ihrer Religion zu verändern. Man denke nur an Stichwörter wie Kopftücher, Moscheen mit Gebetsausrufern, Kalifate, Schwimm- und Sportunterricht, Sexualkunde in der Schule und so weiter und so fort.

Aufklärung scheint ein probates Mittel zu sein. Aufklärung und echte Integration. Das Verhindern von Enklaven, Ghettos, Kalifaten und so weiter ist dringend notwendig. Es geht nicht darum, den anderen Menschen ihre Kultur oder ihre Religion wegzunehmen oder unsere Religion oder unsere Lebensweise aufzuzwingen. Es geht vielmehr darum, den anderen die Erkenntnis zu bringen, dass es sinnvoller und ertragreicher und grundsätzlich besser ist, wenn man die Religion außen vor lässt und dass es ganz generell eine ziemlich schlechte Idee ist, wenn man versucht, anderen die eigene Religion aufzuzwingen. Hier ist aber eher die Politik gefordert, denn hier geht es um die großen globalen Zusammenhänge und Gefüge.

Ein interessantes Werkzeug für die Auseinandersetzung mit intellektuell gebildeten Moslems über den Koran und das Verständnis dieses Textes ist das Buch "Die syro-aramäische Lesart des Koran" von Christoph Luxenburg, dem auch und gerade von den "Hardcore-Moslems" aus dem Libanon und dem Iran durchaus zugestanden wird, nicht völlig aus der Luft gegriffen zu sein. Der Vorteil, den Herr Luxenburg für sich in Anspruch nehmen kann, ist der eines Wissenschaftlers, dem Religion egal ist, der sich nur für sein Forschungsgebiet interessiert. Und das ist in diesem Fall die geschichtliche Herkunft von Koran und Bibel.

Auf internationaler Ebene sollte schon eine etwas härtere Gangart gegen den marodierenden radikalen Islam angeschlagen werden. Ich meine damit nicht "Truppen in den Mittleren Osten", aber ich denke, dass es langsam an der Zeit ist, dass sich das "christliche Abendland" mal zusammensetzt und gemeinsam eine Linie entwickelt, wie der Mittlere Osten insgesamt in den Griff zu bekommen ist. Wenn gar nichts anderes mehr hilft, dann dürfen auch wirtschaftliche Druckmittel nicht tabuisiert werden. Es kann nicht angehen, dass sich ganze Kontinente von einer vergleichsweise kleinen, aber unglaublich vernagelten Region dieser Welt terrorisieren lassen, nur weil dort irgendwelche machtgeilen Betonköpfe der Meinung sind, dass keiner merkt, wenn man die Religion vorschiebt und behauptet, die Lösung aller Probleme sei der Islam und die endgültige Antwort auf alles im Koran zu finden.

Irgendwann wird auch anderen auffallen, dass das ziemlich konstruiert ist, wetten?

Donnerstag, 9. Februar 2006

Clash of Cultures

(Dies ist Teil 1 von Clash of Cultures. Teil 2 ist hier zu finden, Teil 3 hier.)

Oder auch: "Christliches Abendland vs. Hardcore Islam"

Der Spiegel veröffentlichte einen Beitrag über die Vorgänge an der Uni Ilmenau. Dort haben Studenten aus Protest weil sie es können(!) die umstrittenen Karikaturen auf einem Uni-Portal veröffentlicht. Prompt Wie zu erwarten war sahen sich die an der entsprechenden Uni lernenden Muslime genötigt, auf die Grenzen der Meinungsfreiheit und das Verbot der Satire in Bezug auf was-weiss-denn-ich für religiöse Dingsbumse zu verweisen und darauf zu bestehen, dass diese Bilder wieder gelöscht würden.

Der eine oder andere Student hat das dann auch brav und artig getan, andere wiederum sahen das wohl als Aufforderung zum Tanz und haben erst richtig Gas gegeben: Logos wie "Buy Danish!" und noch viel härtere Comics wurden publiziert und sorgen seit dem für eine tolle Stimmung unter den Studierenden.

Der erste, der wohl wollte, dass die hier in Deutschland geltenden Gesetze zur Meinungsfreiheit durch die Radikal-Islamische Schere im Kopf ergänzt werden, rief zur "Diskussion" auf und beschwert sich seit dem "Die haben mich behandelt, als sei ich Bin Laden". Wurde ihm wohl nicht so zugestimmt, wie er das gerne gehabt hätte, wa? Der Hammer ist aber, dass einer der "islamischen Studenten" verlangt hat, die Uni möge sich entschuldigen und einige der "islamischen Studenten" über das Thema diskutieren, ohne überhaupt einen Blick auf die Bilder bzw. Einträge geworfen zu haben. "Hauptsache Maul aufreißen" fällt mir da als erstes zu ein.

Also bei aller Liebe und allem Verständnis für andere Kulturen. "Ihr" macht "Eure" Regeln für "Euch" zu Hause, "wir" machen "unsere" Regeln für "unser" zu Hause. Wenn "Euch" nicht passt, wie "wir" leben ist das genauso zu sehen, wie wenn es "uns" nicht passt, wie "Ihr" lebt. Nur weil "dort" z.B. Frauen behandelt werden wie eine Handelsware, zünden "wir" hier keine Botschaften an, oder? Also Jungens. Kommt mal runter und überlegt "Euch" mal, wo "Ihr" hier seid und was "Ihr" da tut. "Ihr" seid HIER eine Minderheit in einer Demokratie. "Ihr" habt Rechte, ja, keine Frage, aber "Eure" Interessen stehen hinter den Interessen der Mehrheit zurück und zumindest hier will die Mehrheit sich nicht von irgendwelchen Kirchen oder Religionsgruppen oder sonstwas vorschreiben lassen, wie sie die eigene Meinung äußert und worüber die Meinung geäußert werden darf. Mag sein, dass "Ihr" nicht verknusen könnt, dass wir einen Napoleon hatten der der Kirche gezeigt hat, wo vorne ist, und dass wir hier irgendwann in der Geschichte Staat und Kirche erfolgreich getrennt haben und "Ihr" eben nicht. Mag sein, dass "Ihr" noch immer meint "Weltherrschaft für den Islam olé olé", aber denkt dran: Auch andere Leute haben eigene Ansichten und irgendwann kommt der Punkt, wo "Ihr" eine Grenze überschreitet, an der "Euch" die fehlende historische Entwicklung (ich will nicht sagen "Reife") nicht mehr zugute gehalten wird und ihr den Sturm erntet, den Ihr gesäht habt. "Da drüben" mag zwar eine Menge Öl liegen, aber was macht "Ihr", wenn keine Sau das Zeug mehr kaufen will? Was macht "Ihr", wenn plötzlich quasi Ende ist mit den umfangreichen Wirtschafts- und Entwicklungshilfen und so weiter, weil andere Märkte (Stichwort "China") nicht nur größer und lukrativer, sondern auch schlichtweg ungefährlicher sind? Kommt dann "der Marsch nach Nordwesten" oder was geht dann? Krieg gegen China?

Ich bin nun wirklich kein Gegner des Islam, mir ist im Prinzip die Religion meines Mitmenschen völlig egal (solange man mir nicht irgendeine Religion aufzwingen oder mich sonstwie "missionieren" will). Ich bin allerdings ein erklärter Gegner jeglicher Weltherrschaftsansprüche und fundamentalistischer Religionsfanatiker. Und ich lasse mir schon gar nicht von irgendwelchen Leuten irgendwo am anderen Ende der Welt vorschreiben, wie ich hier zu leben habe. Ihr habt Eure Welt mit Euren Regeln, wir haben unsere Welt mit unseren Regeln. Seht "Ihr" erstmal zu, dass "Ihr" "Eure" Welt soweit in Schuss bekommt, dass wir "Euch" nicht ständig bei jeder Gelegenheit geopolitisch Händchen halten müssen. Dann können wir gerne weiterreden.