Mike Mullen darf sich auf interessante Tage in den 'Stans einrichten. Um seinen Auftrag, die ausufernden Probleme in den Griff zu bekommen und zu verhindern, dass Pakistan sich vom Verbündeten zum Gegner entwickelt, ist er nicht zu beneiden. Wie ernst es Pakistan ist, zeigt die Meldung, dass die pakistanische Armee offenbar den Befehl hat, bei erneuten Grenzverletzungen durch US-Truppen gezielt das Feuer zu eröffnen.
Für die US-Einheiten eine äußerst präkere Lage, denn die Taliban flüchten gerne auf pakistanisches Terrain. Andererseits haben sich die US-Truppen auch nicht wirklich bei den Pakistanis beliebt gemacht, weder mit der Ignoranz gegenüber deren territorialer Integrität, noch mit dem Einsatz indischer Verbände im afghanisch-pakistanischem Grenzgebiet. Auch und gerade die Warnung an die britische Führung in London, dass wegen der Übergriffe nach Pakistan in England mit terroristischen Anschlägen gerechnet werden sollte, macht die Sache nicht eben einfacher.
Wenig hilfreich dürfte in dem Zusammenhang die Behauptung der BBC sein beweisen zu können, dass der Iran die Taliban mit Waffen beliefert. Angeblich sollen sowohl Schmuggler als auch offizielle Stellen aus dem Iran die Taliban mit Waffen iranischer Produktion beliefern. Angeblich haben britische Truppen solche Lieferungen abgefangen, will die BBC erfahren haben. Aus britischen Militärkreisen heißt es, dass bestimmte Gruppierungen innerhalb des iranischen Regimes für die Lieferungen verantwortlich sind.
Die Waffen iranischer Herkunft sollen unter den Taliban besonders beliebt sein, da sie über große Feuerkraft verfügen und als sehr zuverlässig gelten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Lieferungen aus dem Iran einen entscheidenden Unterschied im Kampf der Taliban gegen die westlichen Alliierten ausmachen. Besonders Minen iranischer Herkunft sollen sich für die Taliban sehr bewährt haben.
Sicherlich freut es in dem Zusammenhang die USA besonders zu hören, dass die IAEA berichtet, der Iran versuche einige seiner Shahab-3 Raketen so umzubauen, dass sie nukleare Sprengsätze tragen könnten. Der Iran hingegen behauptet, dass die durch die IAEA vorgelegten Beweise getürkt wären und behauptet auch weiterhin nur konventionelle Waffen zu produzieren.
Als wären das noch nicht genug Probleme für die USA und deren Verbündete, zerfällt in Folge des Georgienkonflikts die ehemals pro westliche Regierung der Ukraine. Vor wenigen Tagen verließ die Partei des Präsidenten die Regierungskoalition. Dem Präsidenten bleiben jetzt noch bis Anfang Oktober Zeit, eine neue Regierung zu bilden. Es ist zur Zeit nicht absehbar, ob sich die Ukraine auch weiterhin in Richtung Westen orientieren oder doch wieder Russland zuwenden wird. Generell werden dem pro-westlichen Kurs zur Zeit aber wenig Chancen eingeräumt, da die Mehrheit der Bevölkerung der Ukraine entweder Neutralität oder eine Allianz mit Russland befürwortet und nur eine Minderheit eine Mitgliedschaft in der Nato unterstützt.
Diese Entwicklung dürfte der Nato insgesamt eher gar nicht in den Kram passen. In Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Sollte Russland es tatsächlich schaffen, die Ukraine als Alliierten auf seine Seite zu ziehen, wäre Russland gleich mehrere Probleme los. Die russische Marine müsste sich keinen neuen Hafen für die Schwarzmeerflotte suchen. Außerdem wäre mit der Ukraine dann eine weitere ehemalige Teilrepublik der Sowjetunion wäre in das Bündnis mit Russland zurückgekehrt, was in der Region eine große Signalwirkung haben würde.
Freuen wir uns auf eine weitere interessante Entwicklung in unserer Nachbarschaft.
Mittwoch, 17. September 2008
Dienstag, 16. September 2008
Kontraste - Taliban
Das ARD-Magazin Kontraste brachte zum Jahrestag der Anschläge von New York einen Bericht über die Taliban und ihre Art Krieg zu führen. Leider nicht als "embedded" zu bekommen (ganz so modern ist man bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dann doch nicht), aber wenigstens direkt in deren Mediathek online abrufbar. Deckt sich weitestgehend mit meinem Bild, wenn auch einige Facetten etwas anders ausgeleuchtet werden und mehr auf Deutschland abgestellt wird und nicht so sehr auf den geopolitischen Gesamtkontext. Trotzdem: Unbedingt sehenswert - aber völlig unpassend zur Mentalität des überzeugten Sofa-Pazifisten aus Deutschland.
(Danke Jhary)
(Danke Jhary)
Suchtprobleme, Geld und Politik
Als ich vorhin hörte, dass Beckstein in Bayern von sich gab, man könne bedenkenlos diverse Liter Bier in sich 'reinschütten und danach noch Autofahren, vermutete ich zunächst die endgültige Merkbefreiung der Südstaatler. Darum las ich nach. Was Beckstein tatsächlich gesagt hat, ist zwar noch immer mindestens fragwürdig, aber längst nicht so dramatisch, wie es in mancher Postille hochstilisiert wird. Zum Thema Autofahren und Alkohol hat er im Bayerischen Rundfunk gesagt:"Wenn man die zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist es noch möglich."Daran darf man zweifeln und darüber darf man auch diskutieren. Viel interessanter als die Frage nach dem Abbau der Blutalkoholkonzentration und der absoluten und relativen Fahrtüchtigkeit unter Alkoholeinfluss ist für mich aber die Frage, warum Beckstein sowas überhaupt von sich gibt. Die Antwort auf diese Frage fand ich gerade eben in der Süddeutschen. Dort titelt es nämlich gerade wie folgt:

Angesichts von mehr als 70.000 Toten jährlich, die an den Folgen des Alkoholkonsums ins Gras beißen und einer jährlichen Belastung von mehr als 20 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem, ist es daher auch nur zu verständlich, dass der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels zugibt:
"Alkoholmissbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem."Allerdings sieht er es nicht ein, dass man deshalb die Gesellschaft irgendwie schützen müsste. Wegen 70.000 Toten jährlich? Es kan, so derselbe Mann, nicht angehen, dass staatliche Maßnahmen die Freiheit aller Konsumenten einschränken. Mit anderen Worten: 70.000 Leichen und 20 Milliarden Euro sind zwar viele, aber mit den nachwachsenden verdienen wir genug, um auch weiterhin steigende Gewinne verbuchen zu können und außerdem habt ihr uns gerade erst die Einnahmen mit den Kippen weggenommen, wenn ihr uns den Sprit auch noch wegnehmt, können wir alle dicht machen. Außerdem ist das ja nicht unser Problem, denn wir saufen uns ja nicht ins Grab und wir zwingen ja niemanden dazu!
Für die andere Seite, die Suchtprävention und die Ärzte, sieht das etwas anders aus. Die sehen gerade in der einfachen Verfügbarkeit des Alkohols ein gravierendes Problem. Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sagte deshalb:
"Die Verfügbarkeit ist ein wichtiger Punkt. Gerade Jugendliche nutzen Tankstellen, um sich mit Alkohol zu versorgen." "Die freiwillige Selbstbeschränkung der Werbewirtschaft, solche Werbespots zu unterlassen, wird vorne und hinten nicht eingehalten."Insgesamt gilt Sucht in Deutschland noch immer als "toll", besonders dann, wenn sich damit Geld verdienen lässt. Wundert mich nicht, denn keine Ahnung von Mathe zu haben gilt hierzulande ja auch als "hipp" und sieht man sich die zunehmende Bildungsresistenz und einige andere frappierende Entwicklungen an, dann kann man eigentlich nur noch hoffen, dass möglichst bald irgendjemand vorbei kommt, und dieses Trauerspiel beendet. Gewaltsam.
(Quelle: Tagesspiegel, Süddeutsche)
Geldbewegung
Seltsame Ideen von Politikern geistern häufiger durch den Blätterwald. Klar, es geht auf die Bundestagswahl in einem Jahr zu und man darf nicht vergessen, dass die Politiker aller Parteien vor diesem Hintergrund mehr Scheiße von sich geben als sonst. Trotzdem. Was Lafontaine (der wird heute übrigens 65 Jahre alt) gestern verkündete, ist für mich Anwärter auf einen ewigen Spitzenplatz.Familienunternehmen sind Herrn Lafontaine nicht geheuer. Für ihn ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass ein Unternehmen, dass sich in Privatbesitz befindet, auf legalem Weg viel Geld verdienen kann. Wörtlich:
"Kann das sein, dass Frau Schaeffler mit ihrem Sohn zehn Milliarden erarbeitet hat? Nein, das kann nicht sein."Das Vermögen der Firma gehöre eigentlich den Angestellten, den Arbeitnehmern. Die hätten das Vermögen aufgebaut. Es sei aber, so Lafontaine, ein "grundgesetzwidriges Vorgehen", dass die Arbeitnehmer enteignet würden und genau das passiert ja hier. Diese Enteignung muss Rückgängig gemacht werden, die Firmeneigentümer zum Vorteil der Arbeitnehmer enteignet werden. Findet Lafontaine zumindest.
Das ist genau der Weg, mit dem Deutschland sich seine Stellung in der Welt des 21. Jahrhunderts zukunftsfähig festigt. So lockt man Kapital nach Deutschland. Aber wenigstens besteht in einem Punkt Hoffnung: An die Regierung wird diese Partei so schnell nicht kommen, denn der andere Grande dieses Vereins hat just erst erklärt, dass die einzigen, von denen sie zumindest manchmal ansatzweise ernst genommen wurden, "nicht koalitionsfähig" sind.
Ich bin mal gespannt, was für Quatsch wir noch so zu hören bekommen.
Montag, 15. September 2008
Samstag, 13. September 2008
Gegengewicht
Deutschland freut sich. Dank des Drucks der Bevölkerung und Dank des gnadenlosen Einsatzes der Politiker erhebt die Bahn doch keine Gebühren auf den Ticketverkauf am Schalter. Jubel aller Orten. Wer jetzt fragt, wie kreuzblöd man allerdings sein muss, um genau jenen Politikern zuzujubeln, die dieses Unternehmen nicht nur verhökern wollen, sondern auch zur Profitablität zwingen und so überhaupt erst die Ursache für solche Preiseskapaden gesetzt haben, verschließt sich mir vollends. Ich bin da aber in guter Gesellschaft, denn anderen verschließt sich ja auch so manches.
Die USA zum Beispiel gelten ja als "Heilsbringer to come", sozusagen, denn sobald der böse Onkel George endlich in den Ruhestand geschickt wurde, wird ja alles besser. Wie das Wetter in La-La-Land wohl sein mag? Oder wem ist noch aufgefallen, dass sich die Amerikaner gerade um Kopf und Kragen reden? Während Obama noch verkündet, dass er "seine" Truppen ganz bestimmt aus dem Irak abziehen werde, verkündet er gleichzeitig eine Verstärkung der Truppen in Afghanistan. Sowohl Obama als auch sein Mitbewerber McCain reden da dieselbe Sprache, allerdings redet man bei McCain etwas deutlicher. Dessen designierte Viezepräsidentin Palin gab nämlich jüngst zu Protokoll, dass die USA einem Waffengang mit Russland nicht unbedingt aus dem Weg gehen würden, wenn sich das Thema Kaukasus nicht anders lösen ließe.
Warum diese Hektik? Könnte das etwa damit zu tun haben, dass Russland zu seinen eigenen Schlüssen über die 'Stan-Staaten gekommen ist? Könnte es sein, dass Russland mit seiner kaum vorhandenen Erfahrung in der geographischen Region vielleicht irgendetwas weiß, was wir nicht wissen? Gerade erst fragte Rumänien nach, ob man nicht auch so ein tolles Raketendingi haben könnte, wie es die Polen geschenkt bekamen. Man würde sich dann sicherer fühlen. Ich mein klar, denkt man an militärische Konflikte, dann steht ein Angriff mit Interkontinentalraketen auf Rumänien ganz weit oben auf der Liste. Oder geht es denen vielleicht um etwas Anderes?
Warum hat Russland erneut darauf hingewiesen, dass man den Versorgungskorridor der Truppen in Afghanistan, den Russland von Norden her offen hält, auch wieder zu machen könnte? Warum die plakativ beruhigenden Worte von oberster Führung der Nato, dass die Baltischen Republiken keine Angst zu haben brauchen? Warum wird alles auf Russland abgestellt? Selbst dem letzten Hinterwäldler müsste klar sein, dass Russland mit ziemlicher Sicherheit keinen direkten Angriff auf Nato-Staaten wagen wird, solange es nicht dazu gezwungen wird. Andererseits ist auch hinlänglich bekannt, dass Russland auch großen Druck aus dem Westen sehr gut absorbieren kann. Es ist deshalb doch wohl mehr als fraglich, ob die Nato im Anbetracht der aktuellen Lage im Mittleren Osten auch noch einen Krieg mit Russland vom Zaun brechen wird. Ganz so blöd ist man auch da nicht.
Die Rolle, die Russland zunehmend spielt, muss in einem anderen Kontext verstanden werden. Die westliche Welt spielt immer weniger die erste Geige und wird immer mehr als Problem verstanden. Nicht von uns - wir sind ja "der Westen" - sondern von den Asiaten. China zum Beispiel baut nahezu unbemerkt von uns im Irak ein Gaskraftwerk. Ganz alleine. Ohne jede westliche Unterstützung oder Beteiligung. Die hat man nicht nur nicht in Anspruch genommen, die hat man sogar rundheraus abgelehnt. China liefert aber noch mehr in den Irak und das Engagement dort darf mit ruhigem Gewissen "bemerkenswert" genannt werden.
Die Amerikaner werden irgendwann aus dem Irak abziehen. 2011 vielleicht, wenn alles gut geht. Nicht weil sie wollen, sondern weil sie müssen. Sie sind unbeliebt, trotz aller Leistungen, die sie erbracht haben. Die Iraker wollen sie los werden. Aber so ganz alleine in der Welt ist ja auch doof, aber an wen wenden? Der Westen hat komische Ansichten und den Krieg gebracht und damit Kummer und Leid und außerdem haben die den falschen Glauben und die falschen Familien unterstützen die auch noch (Stichwort: Schiiten - Suniten). Wen gibt es denn sonst noch? Es wird bestimmt mit großem Wohlwollen bemerkt werden, dass die Chinesen sich zwar nicht am Krieg, dafür aber am Wiederaufbau beteiligen. So ein Kraftwerk ist ja nicht ganz unwichtig für ein Land. Es ist nicht völlig aus der Welt anzunehmen, dass sich der Irak eher in Richtung der geographisch wie ideologisch näher liegenden asiatischen Nachbarn orientieren wird.
Die Verbindung zum Iran ist ja auch nicht so ganz aus der Welt. Klar, die Amerikaner haben da richtig was gegen, denn der Iran will ja Atomkraftwerke bauen und den Westen nicht daran verdienen lassen, Sauerei sowas. Da muss man direkt draufhauen, sagt der Westen. Wie sehen das die Leute im Irak eigentlich? Erst Krieg im eigenen Land und dann auch noch bei den Nachbarn? Ob die das so toll finden? Man muss den Iran ja nicht unbedingt mögen, aber in der Region ist dieses Land schon eine Hausnummer mit erheblichem Einfluss, denn man schafft dort, was man schafft, überwiegend gegen den Widerstand des Westens. Sowas beeindruckt die Nachbarn schon.
Wo hat der Iran die Technologie eigentlich her? Aus Pakistan kam das. Von dort wurden seinerzeit die Baupläne und das gesammelte Know How frei Haus geliefert. Der Iran findet Pakistan darum wohl auch nicht unbedingt total doof, acuh wenn man dort die aktuelle Unruhe bestimmt auch nicht so geil findet. Mit Russland hat man sich ja auch schon einigermaßen öffentlich getroffen. Mit der Türkei, Syrien und einigen anderen Ländern übrigens auch. China hat ja wohl auch schon mal freundlich angeklopft. Wie sonst sollte das Verhalten Chinas im UN-Sicherheitsrat zu verstehen sein? Immerhin kommen 14% des von China importierten Öls aus dem Iran.
Angenommen Russland weiß, dass die durch die USA am Leben gehaltene Regierung Karzai in Kabul dem Untergang geweiht ist. Angenommen Russland weiß, dass das Grenzgebiet Pakistan-Afghanistan auf absehbare Zeit nicht zu befrieden ist, wenn diese Regierung untergeht. Angenommen Russland versteht das Engagement des Westens in der Region in einem anderen Kontext. Erinnert sei nur an den grandios publikumswirksamen Erfolg zuzugeben, dass der Amerikanische Präsident angeordnet hat, sich einen Scheiß um die territoriale Integrität Pakistans zu kümmern und eigene Truppen dort nach gut dünken schalten und walten lässt.
Vergleicht man dieses Vorgehen der Amerikaner mit dem Vorgehen der Russen in Georgien, fallen schon Unterschiede auf. Die Russen haben sich an bestehende Verträge gehalten. Die Russen haben auch gar nicht versucht, irgendeine Ideologie zu verbreiten oder eine Regierung zu stürzen. Sie haben nur versucht, eine Region zu retten und für Ruhe zu sorgen. Was aber ganz bestimmt bei den entscheidenden Leuten besonders registriert wird: Die Russen waren erfolgreich. Sie haben bewiesen, dass sie seit ihrem eigenen Engagement in Afghanistan dazugelernt haben.
In Pakistan hat man bestimmt auch schon vergessen, dass Indien hofiert wurde und von den Amerikanern trotz (oder gerade wegen?) des Atomwaffensperrvertrages in den Kreis der Atommächte aufgenommen wurde, während Pakistan mehr oder weniger als "Schurkenstaat" bezeichnet wurde. So macht man sich Freunde. Auch findet man es in Pakistan ganz bestimmt richtig toll, dass Indien jetzt mit Macht hochgepäppelt wird, damit die USA in dem Gebiet ein nukleares Gegengewicht haben. Wie war das noch mit dem Kaschmir-Konflikt? War es nicht so, dass dieser Konflikt als der möglichen Auslöser eines Atomkrieges der Neuzeit ganz heiß gehandelt wird?
Pakistan wird sich deshalb ganz sicher nicht an die USA anlehnen und an genau dem Westen orientieren, der dem Erbfeind die Eier schaukelt. Eher wird man auch dort nach Alternativen suchen. Das weiß man in Russland. Auch in China weiß man das. Überall in Asien hat man Angst vor radikalen Islamisten, besonders vor den Taliban. In Russland aus Erfahrung, in China aus anderen Gründen. Wenn die Regierung in Kabul stürzt, dann wird Russland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Norden Afghanistans abriegeln und China wird bestimmt auch keine Einladungskarten verschicken.
Während sich die westliche Welt zwar um Afghanistan kümmert, sich aber in erster Linie darauf konzentriert zu fordern, dass die eigenen Truppen da abgezogen werden, hat Russland es geschafft, einige bemerkenswerte Koalitionen zu schmieden. Durch das Gewähren der Unabhängigkeit gelang es zum Beispiel, Tschetschnien und anderen Regionen fester auf die eigene Seite zu ziehen, als es vorher jemals der Fall war und konnte so nicht nur die eigenen militärischen Operationen nahezu vollständig beenden, sondern auch die Nationalisten auf die eigene Seite ziehen.
Während Russland seine medienwirksame Befriedung in Georgien abhielt, wurde von vielen vollkommen übersehen, dass Russland gerade erst in Kasachstan mit den dort heimischen Truppen ein internationales Manöver abgehalten hat - ohne Zweifel ein Zeichen besonderer Nähe zueinander - und russlandnahe Regierungskreise im Kaukasus verkündeten, man habe in Tschetschenien die militante radikalislamische Gruppe "Bulgarischer Jamaat" in Bashkiria, der Zentralregion Tschetscheniens, ausgehoben. Das von Moslems dominierte Bashkiria hatte man im Westen eher nicht als Brutstätte von Extremisten auf dem Radar, aber das Signal an die eigenen Leute und die Bevölkerung in der Region ist mit Sicherheit verstanden worden. Auch ist hier bei uns der Trubel in Tatarastan völlig untergegangen.
Um so deutlicher wird das erfolgreiche taktieren Russlands durch den Zusammenschluss von Russland, Kasachstan, Usbekistan, Tajikistan und Kirgisistans in einem militärischen Bündnis, das vor wenigen Tagen bekannt gegeben wurde. Dieses Zentralasiatische Bündnis soll die Interessen aller beteiligten Staaten in der Region schützen, hieß es in der offiziellen Verlautbarung.
Russland ist sich sehr wohl darüber bewusst, welche Auswirkungen ein Erfolg der al Qaeda für Russland und damit auch für den gesamten asiatischen Raum hätte. Nicht nur die Gefahr des Terrorismus, Anschläge und andere Gewalttaten, ist der russischen Führung überaus klar. Es sind insbesondere die wirtschaftlichen Implikationen, die ein solcher Erfolg mit sich brächte, die den Russen mit Sicherheit einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Vor diesem Hintergrund muss man das zunehmende Engagement Russlands in Asien verstehen und auch die zunehmende kooperation auf militärischer Ebene. Die Eliten Asiens sind sich der Situation nur allzu bewusst. China ist noch nicht so weit, als dass es auf internationaler Ebene die militärische Führung übernehmen könnte. Russland hingegen hat die Erfahrung und auch Infrastruktur, Wissen, Leute und so weiter. Für die asiatischen Staaten ist deshalb Russland eher ein naheliegender Bündnispartner als der Westen.
Russland dürfte zu dem Entschluss gekommen sein, dass die Anstrengungen des Westens in Afghanistan und Pakistan in den letzten Zügen liegen. Alle daran beteiligten Staaten bekommen kalte Füße und deren Bevölkerungen fehlt es überwiegend an jeglichem Verständnis für die Situation und die sich anbahnenden Folgen. Langfristig scheint die russische Führung daher vom Zusammenbruch der Regierung Karzai auszugehen und damit von einem Sieg der Taliban. Daher wird Russland auch klar sein, dass es vollkommen egal ist, ob man mit der Nato jetzt zusammenarbeitet oder nicht und deshalb spielt auch der Versorgungskorridor durch Russland am Ende keine Rolle.
Bemerkenswert ist deshalb besonders, wie wenig darüber zu hören ist, wie sich das Verhältnis zwischen Russland und China entwickelt. Wenn sich Russland und China in einem gemeinsamen Militärbündnis vereinigen, dann hat die Nato mit einem Schlag einen neuen "Ostblock". Dieses neue Bündnis dürfte allerdings um einiges wuchtiger ausfallen, als es der Ostblock des Kalten Krieges je gewesen ist.
Verhindern kann der Westen das nicht wirklich, nur bremsen und beeinflussen. Eventuell darf der Westen ja sogar mitspielen in dem Club. Das klappt allerdings nur dann, wenn das Engagement in der Region erfolgreich verläuft. Nur wenn der Westen bei den Taliban und im Kashmir Erfolg hat, wird der Westen in Asien auch als brauchbarer militärischer Bündnispartner verstanden werden. Scheitert der Westen, ist das Thema durch und wir sind 'raus.
Ob wir uns das leisten können, lasse ich mal offen.
Die USA zum Beispiel gelten ja als "Heilsbringer to come", sozusagen, denn sobald der böse Onkel George endlich in den Ruhestand geschickt wurde, wird ja alles besser. Wie das Wetter in La-La-Land wohl sein mag? Oder wem ist noch aufgefallen, dass sich die Amerikaner gerade um Kopf und Kragen reden? Während Obama noch verkündet, dass er "seine" Truppen ganz bestimmt aus dem Irak abziehen werde, verkündet er gleichzeitig eine Verstärkung der Truppen in Afghanistan. Sowohl Obama als auch sein Mitbewerber McCain reden da dieselbe Sprache, allerdings redet man bei McCain etwas deutlicher. Dessen designierte Viezepräsidentin Palin gab nämlich jüngst zu Protokoll, dass die USA einem Waffengang mit Russland nicht unbedingt aus dem Weg gehen würden, wenn sich das Thema Kaukasus nicht anders lösen ließe.
Warum diese Hektik? Könnte das etwa damit zu tun haben, dass Russland zu seinen eigenen Schlüssen über die 'Stan-Staaten gekommen ist? Könnte es sein, dass Russland mit seiner kaum vorhandenen Erfahrung in der geographischen Region vielleicht irgendetwas weiß, was wir nicht wissen? Gerade erst fragte Rumänien nach, ob man nicht auch so ein tolles Raketendingi haben könnte, wie es die Polen geschenkt bekamen. Man würde sich dann sicherer fühlen. Ich mein klar, denkt man an militärische Konflikte, dann steht ein Angriff mit Interkontinentalraketen auf Rumänien ganz weit oben auf der Liste. Oder geht es denen vielleicht um etwas Anderes?
Warum hat Russland erneut darauf hingewiesen, dass man den Versorgungskorridor der Truppen in Afghanistan, den Russland von Norden her offen hält, auch wieder zu machen könnte? Warum die plakativ beruhigenden Worte von oberster Führung der Nato, dass die Baltischen Republiken keine Angst zu haben brauchen? Warum wird alles auf Russland abgestellt? Selbst dem letzten Hinterwäldler müsste klar sein, dass Russland mit ziemlicher Sicherheit keinen direkten Angriff auf Nato-Staaten wagen wird, solange es nicht dazu gezwungen wird. Andererseits ist auch hinlänglich bekannt, dass Russland auch großen Druck aus dem Westen sehr gut absorbieren kann. Es ist deshalb doch wohl mehr als fraglich, ob die Nato im Anbetracht der aktuellen Lage im Mittleren Osten auch noch einen Krieg mit Russland vom Zaun brechen wird. Ganz so blöd ist man auch da nicht.
Die Rolle, die Russland zunehmend spielt, muss in einem anderen Kontext verstanden werden. Die westliche Welt spielt immer weniger die erste Geige und wird immer mehr als Problem verstanden. Nicht von uns - wir sind ja "der Westen" - sondern von den Asiaten. China zum Beispiel baut nahezu unbemerkt von uns im Irak ein Gaskraftwerk. Ganz alleine. Ohne jede westliche Unterstützung oder Beteiligung. Die hat man nicht nur nicht in Anspruch genommen, die hat man sogar rundheraus abgelehnt. China liefert aber noch mehr in den Irak und das Engagement dort darf mit ruhigem Gewissen "bemerkenswert" genannt werden.
Die Amerikaner werden irgendwann aus dem Irak abziehen. 2011 vielleicht, wenn alles gut geht. Nicht weil sie wollen, sondern weil sie müssen. Sie sind unbeliebt, trotz aller Leistungen, die sie erbracht haben. Die Iraker wollen sie los werden. Aber so ganz alleine in der Welt ist ja auch doof, aber an wen wenden? Der Westen hat komische Ansichten und den Krieg gebracht und damit Kummer und Leid und außerdem haben die den falschen Glauben und die falschen Familien unterstützen die auch noch (Stichwort: Schiiten - Suniten). Wen gibt es denn sonst noch? Es wird bestimmt mit großem Wohlwollen bemerkt werden, dass die Chinesen sich zwar nicht am Krieg, dafür aber am Wiederaufbau beteiligen. So ein Kraftwerk ist ja nicht ganz unwichtig für ein Land. Es ist nicht völlig aus der Welt anzunehmen, dass sich der Irak eher in Richtung der geographisch wie ideologisch näher liegenden asiatischen Nachbarn orientieren wird.
Die Verbindung zum Iran ist ja auch nicht so ganz aus der Welt. Klar, die Amerikaner haben da richtig was gegen, denn der Iran will ja Atomkraftwerke bauen und den Westen nicht daran verdienen lassen, Sauerei sowas. Da muss man direkt draufhauen, sagt der Westen. Wie sehen das die Leute im Irak eigentlich? Erst Krieg im eigenen Land und dann auch noch bei den Nachbarn? Ob die das so toll finden? Man muss den Iran ja nicht unbedingt mögen, aber in der Region ist dieses Land schon eine Hausnummer mit erheblichem Einfluss, denn man schafft dort, was man schafft, überwiegend gegen den Widerstand des Westens. Sowas beeindruckt die Nachbarn schon.
Wo hat der Iran die Technologie eigentlich her? Aus Pakistan kam das. Von dort wurden seinerzeit die Baupläne und das gesammelte Know How frei Haus geliefert. Der Iran findet Pakistan darum wohl auch nicht unbedingt total doof, acuh wenn man dort die aktuelle Unruhe bestimmt auch nicht so geil findet. Mit Russland hat man sich ja auch schon einigermaßen öffentlich getroffen. Mit der Türkei, Syrien und einigen anderen Ländern übrigens auch. China hat ja wohl auch schon mal freundlich angeklopft. Wie sonst sollte das Verhalten Chinas im UN-Sicherheitsrat zu verstehen sein? Immerhin kommen 14% des von China importierten Öls aus dem Iran.
Angenommen Russland weiß, dass die durch die USA am Leben gehaltene Regierung Karzai in Kabul dem Untergang geweiht ist. Angenommen Russland weiß, dass das Grenzgebiet Pakistan-Afghanistan auf absehbare Zeit nicht zu befrieden ist, wenn diese Regierung untergeht. Angenommen Russland versteht das Engagement des Westens in der Region in einem anderen Kontext. Erinnert sei nur an den grandios publikumswirksamen Erfolg zuzugeben, dass der Amerikanische Präsident angeordnet hat, sich einen Scheiß um die territoriale Integrität Pakistans zu kümmern und eigene Truppen dort nach gut dünken schalten und walten lässt.
Vergleicht man dieses Vorgehen der Amerikaner mit dem Vorgehen der Russen in Georgien, fallen schon Unterschiede auf. Die Russen haben sich an bestehende Verträge gehalten. Die Russen haben auch gar nicht versucht, irgendeine Ideologie zu verbreiten oder eine Regierung zu stürzen. Sie haben nur versucht, eine Region zu retten und für Ruhe zu sorgen. Was aber ganz bestimmt bei den entscheidenden Leuten besonders registriert wird: Die Russen waren erfolgreich. Sie haben bewiesen, dass sie seit ihrem eigenen Engagement in Afghanistan dazugelernt haben.
In Pakistan hat man bestimmt auch schon vergessen, dass Indien hofiert wurde und von den Amerikanern trotz (oder gerade wegen?) des Atomwaffensperrvertrages in den Kreis der Atommächte aufgenommen wurde, während Pakistan mehr oder weniger als "Schurkenstaat" bezeichnet wurde. So macht man sich Freunde. Auch findet man es in Pakistan ganz bestimmt richtig toll, dass Indien jetzt mit Macht hochgepäppelt wird, damit die USA in dem Gebiet ein nukleares Gegengewicht haben. Wie war das noch mit dem Kaschmir-Konflikt? War es nicht so, dass dieser Konflikt als der möglichen Auslöser eines Atomkrieges der Neuzeit ganz heiß gehandelt wird?
Pakistan wird sich deshalb ganz sicher nicht an die USA anlehnen und an genau dem Westen orientieren, der dem Erbfeind die Eier schaukelt. Eher wird man auch dort nach Alternativen suchen. Das weiß man in Russland. Auch in China weiß man das. Überall in Asien hat man Angst vor radikalen Islamisten, besonders vor den Taliban. In Russland aus Erfahrung, in China aus anderen Gründen. Wenn die Regierung in Kabul stürzt, dann wird Russland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Norden Afghanistans abriegeln und China wird bestimmt auch keine Einladungskarten verschicken.
Während sich die westliche Welt zwar um Afghanistan kümmert, sich aber in erster Linie darauf konzentriert zu fordern, dass die eigenen Truppen da abgezogen werden, hat Russland es geschafft, einige bemerkenswerte Koalitionen zu schmieden. Durch das Gewähren der Unabhängigkeit gelang es zum Beispiel, Tschetschnien und anderen Regionen fester auf die eigene Seite zu ziehen, als es vorher jemals der Fall war und konnte so nicht nur die eigenen militärischen Operationen nahezu vollständig beenden, sondern auch die Nationalisten auf die eigene Seite ziehen.
Während Russland seine medienwirksame Befriedung in Georgien abhielt, wurde von vielen vollkommen übersehen, dass Russland gerade erst in Kasachstan mit den dort heimischen Truppen ein internationales Manöver abgehalten hat - ohne Zweifel ein Zeichen besonderer Nähe zueinander - und russlandnahe Regierungskreise im Kaukasus verkündeten, man habe in Tschetschenien die militante radikalislamische Gruppe "Bulgarischer Jamaat" in Bashkiria, der Zentralregion Tschetscheniens, ausgehoben. Das von Moslems dominierte Bashkiria hatte man im Westen eher nicht als Brutstätte von Extremisten auf dem Radar, aber das Signal an die eigenen Leute und die Bevölkerung in der Region ist mit Sicherheit verstanden worden. Auch ist hier bei uns der Trubel in Tatarastan völlig untergegangen.
Um so deutlicher wird das erfolgreiche taktieren Russlands durch den Zusammenschluss von Russland, Kasachstan, Usbekistan, Tajikistan und Kirgisistans in einem militärischen Bündnis, das vor wenigen Tagen bekannt gegeben wurde. Dieses Zentralasiatische Bündnis soll die Interessen aller beteiligten Staaten in der Region schützen, hieß es in der offiziellen Verlautbarung.
Russland ist sich sehr wohl darüber bewusst, welche Auswirkungen ein Erfolg der al Qaeda für Russland und damit auch für den gesamten asiatischen Raum hätte. Nicht nur die Gefahr des Terrorismus, Anschläge und andere Gewalttaten, ist der russischen Führung überaus klar. Es sind insbesondere die wirtschaftlichen Implikationen, die ein solcher Erfolg mit sich brächte, die den Russen mit Sicherheit einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Vor diesem Hintergrund muss man das zunehmende Engagement Russlands in Asien verstehen und auch die zunehmende kooperation auf militärischer Ebene. Die Eliten Asiens sind sich der Situation nur allzu bewusst. China ist noch nicht so weit, als dass es auf internationaler Ebene die militärische Führung übernehmen könnte. Russland hingegen hat die Erfahrung und auch Infrastruktur, Wissen, Leute und so weiter. Für die asiatischen Staaten ist deshalb Russland eher ein naheliegender Bündnispartner als der Westen.
Russland dürfte zu dem Entschluss gekommen sein, dass die Anstrengungen des Westens in Afghanistan und Pakistan in den letzten Zügen liegen. Alle daran beteiligten Staaten bekommen kalte Füße und deren Bevölkerungen fehlt es überwiegend an jeglichem Verständnis für die Situation und die sich anbahnenden Folgen. Langfristig scheint die russische Führung daher vom Zusammenbruch der Regierung Karzai auszugehen und damit von einem Sieg der Taliban. Daher wird Russland auch klar sein, dass es vollkommen egal ist, ob man mit der Nato jetzt zusammenarbeitet oder nicht und deshalb spielt auch der Versorgungskorridor durch Russland am Ende keine Rolle.
Bemerkenswert ist deshalb besonders, wie wenig darüber zu hören ist, wie sich das Verhältnis zwischen Russland und China entwickelt. Wenn sich Russland und China in einem gemeinsamen Militärbündnis vereinigen, dann hat die Nato mit einem Schlag einen neuen "Ostblock". Dieses neue Bündnis dürfte allerdings um einiges wuchtiger ausfallen, als es der Ostblock des Kalten Krieges je gewesen ist.
Verhindern kann der Westen das nicht wirklich, nur bremsen und beeinflussen. Eventuell darf der Westen ja sogar mitspielen in dem Club. Das klappt allerdings nur dann, wenn das Engagement in der Region erfolgreich verläuft. Nur wenn der Westen bei den Taliban und im Kashmir Erfolg hat, wird der Westen in Asien auch als brauchbarer militärischer Bündnispartner verstanden werden. Scheitert der Westen, ist das Thema durch und wir sind 'raus.
Ob wir uns das leisten können, lasse ich mal offen.
Freitag, 12. September 2008
Wo die Teilzeit herkommt
Wir wundern uns doch immer wieder, warum es immer weniger Vollzeitstellen gibt, während die Anzahl von Teilzeitjobs zunimmt. Mir geht es zumindest so. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum manche Firmen so drastisch gegen Vollzeitstellen anarbeiten und alles tun, um diese in Teilzeitstellen umzuwandeln. Die Antwort kam heute in einer Randnotiz aus dem Bundestag.Dort teilte die Agentur für Arbeit aus Würzburg mit, dass man dort jetzt keine Prämien mehr für die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen zahlen wolle, weil es an Resonanz fehle. Für den Fall einer Umwandlung war eine Prämie von bis zu 2.000 Euro je eingestellter Teilzeitkraft in Aussicht gestellt worden.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Würzburg die einzige Kommune mit solchen "Förderprogrammen" ist...
Woanders passiert auch was
Während die (westliche) Welt noch darüber rätselt, wie man denn nun beweisen könne, dass Russland auch ganz ehrlich wirklich 100% Schuld am Krieg im Kaukasus ist und verzweifelt versucht darüber hinweg zu täuschen, dass es der Westen war, der dort überhaupt erst aufgerüstet hat, passieren anderswo auch interessante Dinge. In Lateinamerika zum Beispiel. Bolivien hat den US-amerikanischen Botschafter ausgewiesen. Boliviens Präsident Evo Morales begründete die Ausweisung damit, dass sich der Botschafter in die Politik eingemischt habe und die Opposition aktiv unterstützt hat. Ausdrücklich wünsche man sich in La Paz, dass die USA einen anderen Botschafter entsenden.
Das wiederum nimmt der nicht eben unumstrittene Chef "nebenan", Hugo Chavez, zum Anlass, ebenfalls den Botschafter der USA des Landes zu verweisen. Aus Solidarität. Und er macht auch deutlich, wie er über die USA denkt. Sehr deutlich:
Den USA kann das nicht gelegen kommen. Im Inland drohen immer mehr Flächenbrände, der Irak kommt nicht richtig in Schwung, die 'Stan sind insgesamt auch eher desolat und die verbliebenen Verbündeten sind so sehr in Wahlkämpfen und innenpolitischen Zankereien verstrickt, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als die USA auf sich allein gestellt agieren zu lassen.
Die USA wiederum, gewohnt als maßgeblicher Faktor alleine auf der Welt zu bestimmen was richtig und falsch ist, stecken in einer interessanten Klemme: Einerseits haben die USA die großen Kriege auf dieser Welt selber angezettelt und drohen mehr oder weniger direkt noch mit ein paar weiteren (Stichwort: Iran, Israel) und haben noch eine Menge ungelöster Probleme im Schrank (zum Beispiel Philippinen, Taiwan, Afrika). Die USA sind zwar noch immer die umsatzstärkste Volkswirtschaft, aber wie das mit dem Geld nun mal so ist: Meistens gehört es anderen.
Im Falle der USA gehört das Geld zu nicht geringen Teilen den Chinesen und Russen. Besonders China hat ganz schön viel amerikanisches Geld gesammelt. Insgesamt hat China rund 2 Billionen US$ in Auslandsanleihen angesammelt. Der Großteil davon entfällt auf die USA und die Summe wächst kontinuierlich. Damit hat China die Wirtschaft der USA fest im Griff. Mit vergleichsweise subtilen Maßnahmen können verheerende Folgen ausgelöst werden und China hat nicht so sehr die große Scheu diese Maßnahmen auch anzuwenden.
Das zeigte sich gerade erst im Fall der Fannie Mae und Freddie Mac Holdings. China verkaufte große Aktienpakete und löste so den Kurssturz dieser Holdings aus, der auch die US-Regierung dazu zwang, sich aus diesen Kapitalgesellschaften zurückzuziehen. Wie viel Geld dabei verbrannt wurde, weiß wahrscheinlich niemand, aber es dürften etliche Millionen US$ gewesen sein. Dieser vergleichsweise kleine Nebenschauplatz zeigt aber, wie sehr die Verwundbarkeit der USA unterschätzt wird.
Die Russen haben zwar nicht ganz so viele Anleihen der USA angesammelt, aber doch auch eine signifikante Menge. Im März 2008 waren das immerhin knapp 280 Milliarden US$. Dazu kommen noch die investitionen der russischen Privatwirtschaft, die sich bereits Anfang 2007 auf 59 Milliarden US$ summierten und die Entwicklung der Finanzwirtschaft in Russland wird gemeinhin positiv bewertet.
Sollten sich China oder Russland oder sogar beide zusammen dazu entschließen den USA eine Lektion zu erteilen, könnte das für die USA schwerwiegende Folgen haben. Auch Russland hat schon vorgeführt, dass man sich dieser Macht durchaus bewusst ist und auch keine großen Hemmungen davor hat, sich dieser Instrumente zu bedienen. Man erinnere sich nur an den staatlich verordneten Transfers von Lukoil an Gazprom und an die Sache mit BP.
Wie vor diesem Hintergrund irgendjemand ernsthaft glauben kann, dass es die USA schon irgendwie richten werden und unser Leben wieder schön machen können, ist mir ein absolutes Rätsel. Aber ich verstehe ja auch andere Sachen nicht. Zum Beispiel die Forderung, dass die Bundeswehr aus Afghanistan raus soll, damit sich dort der Opiummarkt vernünftig entwickeln kann, während dieselben Leute gleichzeitig verlangen, dass die Bundeswehr rein nach Georgien soll, um dort die Wiederaufrüstung zu überwachen und zu koordinieren, damit sich die kaukasischen Kleinstaaten besser gegenseitig auf die Mappe geben können.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Das wiederum nimmt der nicht eben unumstrittene Chef "nebenan", Hugo Chavez, zum Anlass, ebenfalls den Botschafter der USA des Landes zu verweisen. Aus Solidarität. Und er macht auch deutlich, wie er über die USA denkt. Sehr deutlich:
"Scheiß Yankees, geht zum Teufel."Das lässt wenig Raum für Interpretation, finde ich. Natürlich ist es reiner Zufall, dass sich zur Zeit zwei russische Langstreckenbomber "für Trainingszwecke" in Venezuela aufhalten und natürlich hat das alles nichts damit zu tun, dass sich neben der OPEC eine Energie-Allianz bildet, die dem Westen eher neutral, wenn nicht sogar reserviert gegenüber steht.
Den USA kann das nicht gelegen kommen. Im Inland drohen immer mehr Flächenbrände, der Irak kommt nicht richtig in Schwung, die 'Stan sind insgesamt auch eher desolat und die verbliebenen Verbündeten sind so sehr in Wahlkämpfen und innenpolitischen Zankereien verstrickt, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als die USA auf sich allein gestellt agieren zu lassen.
Die USA wiederum, gewohnt als maßgeblicher Faktor alleine auf der Welt zu bestimmen was richtig und falsch ist, stecken in einer interessanten Klemme: Einerseits haben die USA die großen Kriege auf dieser Welt selber angezettelt und drohen mehr oder weniger direkt noch mit ein paar weiteren (Stichwort: Iran, Israel) und haben noch eine Menge ungelöster Probleme im Schrank (zum Beispiel Philippinen, Taiwan, Afrika). Die USA sind zwar noch immer die umsatzstärkste Volkswirtschaft, aber wie das mit dem Geld nun mal so ist: Meistens gehört es anderen.
Im Falle der USA gehört das Geld zu nicht geringen Teilen den Chinesen und Russen. Besonders China hat ganz schön viel amerikanisches Geld gesammelt. Insgesamt hat China rund 2 Billionen US$ in Auslandsanleihen angesammelt. Der Großteil davon entfällt auf die USA und die Summe wächst kontinuierlich. Damit hat China die Wirtschaft der USA fest im Griff. Mit vergleichsweise subtilen Maßnahmen können verheerende Folgen ausgelöst werden und China hat nicht so sehr die große Scheu diese Maßnahmen auch anzuwenden.
Das zeigte sich gerade erst im Fall der Fannie Mae und Freddie Mac Holdings. China verkaufte große Aktienpakete und löste so den Kurssturz dieser Holdings aus, der auch die US-Regierung dazu zwang, sich aus diesen Kapitalgesellschaften zurückzuziehen. Wie viel Geld dabei verbrannt wurde, weiß wahrscheinlich niemand, aber es dürften etliche Millionen US$ gewesen sein. Dieser vergleichsweise kleine Nebenschauplatz zeigt aber, wie sehr die Verwundbarkeit der USA unterschätzt wird.
Die Russen haben zwar nicht ganz so viele Anleihen der USA angesammelt, aber doch auch eine signifikante Menge. Im März 2008 waren das immerhin knapp 280 Milliarden US$. Dazu kommen noch die investitionen der russischen Privatwirtschaft, die sich bereits Anfang 2007 auf 59 Milliarden US$ summierten und die Entwicklung der Finanzwirtschaft in Russland wird gemeinhin positiv bewertet.
Sollten sich China oder Russland oder sogar beide zusammen dazu entschließen den USA eine Lektion zu erteilen, könnte das für die USA schwerwiegende Folgen haben. Auch Russland hat schon vorgeführt, dass man sich dieser Macht durchaus bewusst ist und auch keine großen Hemmungen davor hat, sich dieser Instrumente zu bedienen. Man erinnere sich nur an den staatlich verordneten Transfers von Lukoil an Gazprom und an die Sache mit BP.
Wie vor diesem Hintergrund irgendjemand ernsthaft glauben kann, dass es die USA schon irgendwie richten werden und unser Leben wieder schön machen können, ist mir ein absolutes Rätsel. Aber ich verstehe ja auch andere Sachen nicht. Zum Beispiel die Forderung, dass die Bundeswehr aus Afghanistan raus soll, damit sich dort der Opiummarkt vernünftig entwickeln kann, während dieselben Leute gleichzeitig verlangen, dass die Bundeswehr rein nach Georgien soll, um dort die Wiederaufrüstung zu überwachen und zu koordinieren, damit sich die kaukasischen Kleinstaaten besser gegenseitig auf die Mappe geben können.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Wahl kommt
Der Wahlkampf um den Bundestag zeichnet sich ab und der Ton wird langsam bissiger. Gerade erst hat sich die SPD dazu durchgerungen, den ungeliebten Beck abzusetzen und durch die Müntefering / Steinmeier zu ersetzen. Der CDU kann das nicht in den Kram passen, denn sowohl Müntefering als auch Steinmeier sind auf Bundesebene deutlich beliebter und auch potenter als Beck. Entsprechend nervös die Reaktionen. Als jetzt auch in der Berliner CDU der Führungskrach in aller Öffentlichkeit ausbrach und der Chef der Ortsfraktion von der eigenen Fraktion abgewählt wurde war klar, dass es in der CDU auch nicht gerade toll aussehen kann. Zwar gilt Tante Angie als einigermaßen erfolgreich, aber in der eigenen Partei beliebt?Wie nervös auch die CDU zur Zeit ist, zeigt sich auch an Reaktionen an anderer Stelle. Ende September wird das Bundesumweltministerium in Berlin die Energiekonferenz veranstalten. Hauptredner dort soll - man höre und staune - Gerhard Schröder sein. Das passt der Union gerade überhaupt nicht in den Kram und deshalb hat die Union über den Mittelstandkreis das Bundesministerium für Umwelt aufgefordert, dass der Schröder wieder ausgeladen wird, denn der sei ja - so die CDU - Gasprom-Lobbyist und damit ein Angestellter Putins. Die Antwort war entsprechend:
"Die ticken wohl nicht sauber. Der Bundesumweltminister lässt sich nicht vorschreiben, wen er zu Kongressen seines Hauses einlädt, von Atomlobbyisten schon gar nicht."Schröder wiederum sagt dazu ersteinmal gar nichts. Warum auch? Er vertritt die Interessen beider Seiten. Die Pipeline durch die Ostsee, die "seine" Firma baut, ist schließlich die direkte Verbindung zwischen Deutschland und Russland. Das ist sicherlich keine einseitige Angelegenheit. Und eine Bagatelle wohl eher auch nicht, denkt man nur an Polens Reaktionen auf den Bau und die Sorgen der Nato wegen der durch den Kaukasus verlaufenden Pipelines.
Ob Schröder sich wieder aktiv in die Bundespolitik einschaltet, ob er wieder Berufspolitiker wird, bleibt abzuwarten, denn sein Posten scheint ihm sehr zu liegen. Warum sollte er auch die Sicherheit jener Position des Außenstehenden Insiders verlassen? Mehr Einfluss auf die Bundespolitik bei gleichzeitig so großer Unangreifbarkeit kann er gar nicht erreichen.
Aber Interessant wäre es trotzdem.
Donnerstag, 11. September 2008
Schlagloch
Schlaglöcher bei uns können ja schon nervig sein, aber was man in Russland so erlebt, ist schwer zu toppen:
(Die Aufnahme stammt von Ende Frühjahr 2008)
(Die Aufnahme stammt von Ende Frühjahr 2008)
Datum
Wohl fast jedem ist es schon mal passiert einen Artikel zu lesen und sich zu fragen, von wann dieser Text eigentlich ist. Manche Medienhäuser halten es für eine grandiose Idee, ihre Online-Artikel durch das Vorenthalten des Datums der Veröffentlichung interessant zu gestalten. Immer wieder findet man im Netz Publikationen, die sich hartnäckig weigern, dem Leser in irgend einer Form Auskunft darüber zu geben, von wann ein bestimmter Artikel ist. Die Begründungen - wenn man denn überhaupt eine erhält - reichen von abstrusen technischen Behauptungen ("Das geht nicht") über haarsträubende Verweise auf das Urheberrecht bis hin zu der Feststellung, dass wirtschaftliche Aspekte im eigenen Haus dies so vorgeben ("Das Marketing will das so").Man kann dieses eigenwillige Verhalten beurteilen, wie man will. Eins ist es mit Sicherheit nicht: Klug. Leser einer Internetzeitung in Florida hielten eine Mitteilung von 2002 für "brandaktuell" und super toll, das United Airlines pleite sein soll. Sie hielten diese Uraltmeldung für dermaßen "toll", dass sie mit der "Vote News" Funktion dafür sorgten, dass diese Mitteilung im Ranking der Webseite weit nach vorne gelangte. Welcher Leser macht sich schon die Mühe und vergleicht mit anderen Medien?
Derart nach vorne geschoben fand der Newscrawler von Google diese undatierte Nachricht von 2002 und hielt sie, wohl auch wegen des aktuellen Bezugs zum 11. September, für "neu". Der Haken ist allerdings, dass das zwar 2002 aktuell war, heute aber überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Da dieser Artikel aber nicht datiert war, setzte der Newscrawler die Mitteilung am 8. September 2008, mehr als sechs Jahre nach dem Event, als "News von heute" auf die Titelseite.
Kaum dort erschienen, reagierten andere Automatismen. Weitere Webseiten griffen die Story auf und die automatischen Schutzmechanismen des Finanzmarktes griffen ein, um das Kapital der Anleger zu schützen. Vereinfacht: Banken grasen automatisiert Webseiten ab, um wichtige Meldungen zu finden. Taucht eine solche auf mehreren bestimmten Webseiten auf, werden automatisch bestimmte Mitteilungen verschickt. In diesem Fall wurde im Prinzip die Mitteilung verschickt "United pleite, Aktien sofort verkaufen".
Die Anleger taten genau das und so fiel die Aktie binnen kürzester Zeit von 12 US$ auf 3US$, was einem Kapitalverlust von 1.4 Milliarden US$ entspricht. Zwar erholte sich die Aktie im Laufe des Tages wieder, schaffte es aber nur wieder auf knapp 10 US$ zu steigen. United Airlines verlor so rund 300 Millionen US$ Kapital.
Ob dieser Vorfall Folgen haben wird, ob z. B. United Airlines die Zeitung verklagen werden, ob sich die Börsenaufscht einschaltet oder ähnliches, ist unklar, dürfte aber nicht ganz unwahrscheinlich sein. South Florida Sun-Sentinel hält sich zu dem Thema jedenfalls bedeckt und datiert jetzt seine Meldungen...
(Quelle: Wall Street Journal, Google)
Samstag, 6. September 2008
Überschrift des Tages (83)
Die Tagesschau titelt gerade:
Spontan möchte man da einfach nur sagen: "Ach was?", aber diese Zahlen beschreiben eine ganz andere Realität. Es ist eben nicht so, dass jeder, der Arbeit haben will, auch Arbeit bekommt. Die Zahlen des Arbeitsmarktes belegen das recht eindrucksvoll.
Vom Statistischen Bundesamt wurde beim Vergleich mit anderen Mitgliedsstaaten der EU festgestellt, dass es in Deutschland vergleichsweise schwer ist, überhaupt einen Job zu bekommen, je geringer der Bildungsabschluss ist. Waren 2007 von allen Erwerbsfähigen in Deutschland 17,7 Prozent mit einfachem Bildungsniveau (entsprechend maximal Realschule ohne Berufsausbildung) erwerbslos, standen dem "nur" 3,7 Prozent mit Hochschulabschluss oder höherer berufsfachlicher Ausbildung gegenüber. Im EU-Durchschnitt waren 2007 aber nur 9,2 Prozent der niedrig gebildeten und nur 3,6 Prozent der höher gebildeten 25- bis 64-jährigen Erwerbsfähigen ohne Job.
Deutschland stand 2007 damit auf dem Platz 23 von 25 EU-Staaten in Bezug auf die Berufszugangschancen, nur noch überholt von der Tschechischen Republik (19,1%) und der Slowakischen Republik (41,5%). Immerhin noch auf Platz 22 von 25 kam Deutschland bei den mittleren Bildungsabschlüssen und immerhin auf Platz 18 von 25 bei den höheren Bildungsabschlüssen.
"Deutschland, ein Staat auf dem Weg an die Spitze." - kein Wunder, denn weiter nach unten geht kaum noch.
(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Vom Statistischen Bundesamt wurde beim Vergleich mit anderen Mitgliedsstaaten der EU festgestellt, dass es in Deutschland vergleichsweise schwer ist, überhaupt einen Job zu bekommen, je geringer der Bildungsabschluss ist. Waren 2007 von allen Erwerbsfähigen in Deutschland 17,7 Prozent mit einfachem Bildungsniveau (entsprechend maximal Realschule ohne Berufsausbildung) erwerbslos, standen dem "nur" 3,7 Prozent mit Hochschulabschluss oder höherer berufsfachlicher Ausbildung gegenüber. Im EU-Durchschnitt waren 2007 aber nur 9,2 Prozent der niedrig gebildeten und nur 3,6 Prozent der höher gebildeten 25- bis 64-jährigen Erwerbsfähigen ohne Job.
Deutschland stand 2007 damit auf dem Platz 23 von 25 EU-Staaten in Bezug auf die Berufszugangschancen, nur noch überholt von der Tschechischen Republik (19,1%) und der Slowakischen Republik (41,5%). Immerhin noch auf Platz 22 von 25 kam Deutschland bei den mittleren Bildungsabschlüssen und immerhin auf Platz 18 von 25 bei den höheren Bildungsabschlüssen.
"Deutschland, ein Staat auf dem Weg an die Spitze." - kein Wunder, denn weiter nach unten geht kaum noch.
(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Freitag, 5. September 2008
Folkloristisch, pittoresk, Deutschland
Wenn wir an Deutschland denken, dann beschreiben wir uns meistens als fortschrittliches Land, als modern, als in der Spitzengruppe der Staatengemeinschaft stehend und so weiter. Klar, wir räumen auch mal Probleme ein, aber das sind doch eher Lappalien oder Einzelschicksale. Aber so generell ist doch alles toll. Mehr oder weniger. Zumindest im direkten Vergleich mit sagen wir mal Angola oder der Nord Korea. Aber wie weit vorne sind wir tatsächlich?Gestern fand zum Beispiel der sogenannte "Datengipfel" statt. Da wurde von ganz wichtigen Menschen erschrocken darüber Debattiert, dass ja "einfach so" mit Daten gehandelt werde, sich der Betroffene nicht wehren kann und der Staat dem sogar noch Vorschub leistet, indem er die Meldedaten seiner Einwohner verhökert. Dringend müsse gehandelt werden. Wie sieht "handeln" in Deutschland aus? Man beschließt die Gründung einer Arbeitsgruppe. Für den Bund der Kriminalbeamten zeigt das, "mit welchen folkloristischen Ansätzen Deutschland kriminellen Machenschaften in Internet im internationalen Datenhandel zu begegnen beabsichtigt". Methoden wie aus dem Mittelalter der Aktenhaltung.
Anderes Beispiel: Bundeswehr. Raus aus Afghanistan, denn dort ist es zu gefährlich. Helfen wolle man. Wiederaufbau. Und so. Polizei ausbilden. Kämpfen? Ja nee, eher nicht, woll? Das ist ja nicht der erteilte Auftrag. Und Krieg? Auf gar keinen Fall! Von Krieg zu sprechen ist kontraproduktiv. So spricht der Herr Jung, in deutlicher Panik, sobald das Wort "Krieg" genannt wird. Deutschland hat niemandem den Krieg erklärt, betont er dann herrisch.
Wann wurde denn der letzte Krieg "erklärt"? Ob jene 30 toten Soldaten der Bundeswehr auch der Meinung wären, dass dort kein Krieg herrscht? Wahrscheinlich haben die USA, Großbritanien, Frankreich, Kanada und wer sich dort sonst noch engagiert alle gar keine Ahnung, wenn deren Regierungen vom Krieg in Afghanistan sprechen. Argumentationen, die einer Denkweise des letzten Jahrhunderts entsprechen.
Pittoresk auch die Debatten um die Deponie Asse. Schon seit Jahren sollen alle Verantwortlichen ganz genau gewusst haben, was da Sache ist. Jetzt ist nicht mehr das Niedersächsisches Ministerium für Umwelt zuständig, sondern das Bundesamt für Strahlenschutz. Aber das Bundesministerium für Umwelt soll oder will oder muss bis Ende des Jahres eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Atommüll-Lagers Asse treffen.
In der Zwischenzeit wird darüber gestritten, ob das Bergwerk morgen, in zwei oder vielleicht doch erst in zwanzig Jahren einstürzen wird und ob man den radioaktiven Müll in der Zwischenzeit dort herausholen kann oder soll oder eher nicht oder wie oder was. Ob wirklich etwas getan wird, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Arbeiter vor Ort. Kompetenzgerangel in Schilda. Kein Problem, das sich nicht totdebattieren ließe. Ganz wie damals.
Während in Deutschland der Wahlkampf tobt, dem bereitwillig alles geopfert wird, was an Resten von Glaubwürdigkeit seitens der Politiker überhaupt noch vorhanden sein könnte, wird besonders stark ins Ausland abgelenkt. Auf die USA, denn dort ist auch Wahlkampf. Und wenn da gewählt wird, wird alles besser. Wie früher. Dann haben die USA uns wieder leib und wir sind wieder in Sicherheit und keiner kann uns was tun und wir müssen uns nicht mehr mit der bösen bösen Welt beschäftigen, denn das tut der Amerikaner ja für uns. Ganz so wie früher.
Früher. Dieses Wort scheint Deutschland im Moment am Besten zu beschreiben. Schule? Früher! Uni? Früher! Politik? Früher! Gesundheit? Früher! Wirtschaft? Früher! Egal welches Thema in Deutschland zur Zeit angesprochen wird, überall wird nach hinten, in Richtung der Vergangenheit debattiert und gedacht. Gemeinsamer Tenor ist überall, dass es früher besser war. Oder zumindest grundsätzlich gar nicht so schlecht, wenn man halt hier und da etwas ein wenig anders macht. Die Vergangenheit soll in die Zukunft zu transportiert werden ohne sie zu verändern - es sei denn, diese Veränderung ist im Wahlkampf hilfreich, wie z. B. Herr Lafontaine vorführt.
Während der Rest der Welt sich überwiegend darauf konzentriert, dass es weitergeht, konzentriert man sich hierzulande darauf, dass sich möglichst nichts verändert. Veränderungen sind schlecht, sind gefährlich, unüberschaubar, ungewohnt, unzumutbar. Da muss man sich gegen wehren! Besinnt Euch auf Eure Wurzeln! Ehret die Ahnen! Rettet die Alte Welt!
Langsam - ganz langsam - beginne ich zu begreifen, was Onkel George "damals" eigentlich meinte, als er von "Old Europe" sprach. Ob ihm klar ist, wie sehr er den Nagel damit auf den Kopf traf? Ob uns rechtzeitig klar wird, welche Warnung er uns damals hat zukommen lassen?
Ich weiß es nicht, aber ich habe Zweifel.
Lebenszeichen
Die Probleme reißen nicht ab und die Lage verbessert sich vom Wolkenbruch zum Orkantief. Ich kann nicht wirklich mit Überzeugung sagen, dass es mir wieder "gut" geht, aber andererseits: Die Erfahrung der letzten Tage hat gezeigt, dass das auch nicht wirklich viele interessiert. Ich denke, ich werde mal versuchen, hier nach und nach wieder Leben 'rein zu pusten, aber erwartet nicht unbedingt Wundertaten.Drink to all the things we've lost
Mistakes that we've made...
Donnerstag, 28. August 2008
Raptor lahmt
Das Pentagon will die US-Luftwaffe modernisieren. Zentraler Bestandteil dieser Modernisierung ist der F-22A Raptor. Diese Entwicklung, der auf europäischer Seite der "Eurofighter" gegenüber steht, wird von den Amerikanern gerne in den grünen Klee gelobt, wie toll er doch sei und wie überlegen und so weiter. Allerdings wartet die Welt jetzt schon seit geraumer Zeit darauf, den Raptor mal im großen Maßstab im Einsatz zu sehen. Stattdessen wird das Auslaufen der Lebenszyklen der Strike Eagles und Tomcats immer weiter hinausgezögert und es werden sogar schon komplette Geschwader von Kampffliegern gegen Drohnen (UAV) ausgetauscht, aber der Raptor ist irgendwie nicht so richtig präsent.Liest man sich den Report to Congressional Committees des United States Government Accountability Office (in etwa das Gegenstück zum Bundesrechnungshof in Deutschland) zum Thema "Acquisitions - Assessments of Selected Weapon Programs" vom März 2008 durch, der jetzt veröffentlicht wurde, dann versteht man auch, woran das liegt. Auf Seite 86, unten, findet man folgende Passage:
"The Air Force also budgeted $132 million in fiscal years 2007 and 2008 for reliability and maintainability upgrades, $28 million more than the amount budgeted for fiscal years 2006 and 2007. Despite these efforts, the F-22A continues to operate below its expected reliability rates. A key reliability requirement for the F-22A is a 3-hour mean time between maintenance intervals, which is required by the time the program achieves 100,000 operational flying hours, now projected for fiscal year 2010. Mean time between maintenance is defined as the number of operating hours divided by the number of maintenance actions. Currently, the mean time between maintenance is less than 1 hour, or about half of what was expected by the end of system development in December 2005. There has been no significant change reported regarding the current mean time between maintenance since last year’s review."Mit anderen Worten: Obwohl nochmal weitere 132 Millionen US$ in das Wartungsprogramm der F-22A gesteckt wurden, kommt die Raptor über eine MTBM (Mean Time Between Maintenance) von weniger als einer Stunde nicht hinaus, obwohl schon 2005 eine MTBM von zwei Stunden erreicht sein sollte und eine MTBM von drei Stunden für die F-22A vorgeschrieben ist. Auch an vielen anderen Stellen dieses Berichts liest man mehr oder weniger deutlich, dass die Ideen zwar toll, aber die praktische Umsetzung häufig sehr weit hinter den Erwartungen zurück bleibt. Scheint so, als hätte das US-Amerikanische Militär noch erheblich mehr handfeste Probleme als "nur" das Thema Nachwuchs und die Heimatfront.
(Quelle: GAO)
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