Ich bin mal wieder umgezogen. Zum (mindestens) 26. Mal. Die Episode Wilhelmshaven ist vollendet und der damit verbundene Lebensabschnitt zu meinem großen Bedauern unwiderruflich beendet: Es hat nicht sein sollen. Leider. Es war trotzdem eine wunderschöne Zeit mit einem wundervollen Menschen. Danke, Sylvia.
Dennoch: Es ist vollbracht. Jedenfalls weitgehend. Ich lebe wieder in einer Wohnung und nicht mehr auf einer Baustelle und ich glaube, so langsam ist die Wohnung sogar richtig hübsch. Das bestätigen auch die, die mich jetzt schon besucht haben.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die mir so unglaublich tatkräftig geholfen haben.
An erster Stelle bedanke ich mich bei Jens. Ohne Dich wäre ich jetzt nicht und schon gar nicht hier. Danke. Ich hoffe, dass ich mich revanchieren kann.
Dann bedanke ich mich bei messju und meinem Bruder Andreas. Ihr beide habt etwas Großartiges geleistet und ich kann mich nicht genug bedanken für die Geduld, die gerade Ihr beide mit mir hattet und für die Mühen, die Ihr für mich auf Euch genommen habt.
Sarah, Dir danke ich für Deine unglaubliche Unterstützung im Großkampfeinsatz des Schlachtfeldes, das mal meine neue Wohnung werden sollte.
Hauke, auch Dir gebührt besonderer Dank. Du hast mich vollkommen überrascht und ich hoffe, dass ich Dich nicht zu sehr strapaziere.
Tom, Yvonne, Eike, Florian und Florian, Christoph, Astrid, Frank und Markus, Eure tatkräftige Hilfe kann ich nicht hoch genug würdigen.
Danke auch an Aletta für das Organisieren der Waschmaschine. Das war eine Punktlandung aus dem Lehrbuch.
Euch allen drücke ich meine tief empfundene Dankbarkeit aus. Ihr habt ein Wunder vollbracht. Danke. Ihr seid ganz besondere Menschen. Tausendmal danke.
Es wird jetzt Zeit sich wieder neu zu orientieren und zuzupacken. Ich weiß, dass ich noch nicht wieder zu 100% auf dem Damm bin und ich noch eine Weile brauche, um wieder zu Kräften zu kommen (Gibt es einen Fachbegriff für die spontan auftretende, temporäre, heftige Aversion gegen Farbeimer und Umzugskartons?) Meine neue Einkaufsumgebung verspricht interessante Erlebnisse und Oldenburg hat sich mit dem Neon-Club schon mal eine schöne Willkommensparty für mich geleistet. Wenn es jetzt noch warm wird draußen...
Ich möchte nicht zu viel versprechen, aber ich glaube, die Herde wird durchaus wieder Futter finden und verwerten. Ich bin mir nicht sicher, wie das aussehen wird und woraus dieses Futter bestehen wird. Ich weiss aber, dass sich hier wieder was tun wird.
Auf die eine oder andere Weise.
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Montag, 11. April 2011
Mittwoch, 30. März 2011
Umzug
Sorry für die aktuelle Stille - ich ziehe gerade (mal wieder) um, oder genauer: ich ziehe zurück. Nach Oldenburg. Nicht ganz freiwillig, denn das Experiment "Wilhelmshaven" endete leider als lehrreicher Fehlschlag. Schade drum.
Wie dem auch sei. Ich bin inzwischen über das "Möbel-Tetris" weitestgehend hinaus und beim Einräumen der Schränke angekommen - erstaunlich, was Mann so alles an Zeugs und Geraffel haben kann. Vermutlich werde ich damit noch eine (kleine?) Weile beschäftigt sein. Wenn alles einigermaßen glatt geht, sollte sich innerhalb der nächsten Tage wieder genug Ruhe in meinem Leben ausbreiten, dass ich mich um die angenehmen Dinge des Lebens kümmern kann.
Für die, die auf Facebook nicht mitlesen: Die Nachbarn hier versprechen interessante Geschichten. Heute wurde auf mein "Rotersand : War on Error" seitens der Anwohner mit massivem Einsatz eines Presslufthammers auf dem Balkon geantwortet...
Wir dürfen gespannt sein.
Wie dem auch sei. Ich bin inzwischen über das "Möbel-Tetris" weitestgehend hinaus und beim Einräumen der Schränke angekommen - erstaunlich, was Mann so alles an Zeugs und Geraffel haben kann. Vermutlich werde ich damit noch eine (kleine?) Weile beschäftigt sein. Wenn alles einigermaßen glatt geht, sollte sich innerhalb der nächsten Tage wieder genug Ruhe in meinem Leben ausbreiten, dass ich mich um die angenehmen Dinge des Lebens kümmern kann.
Für die, die auf Facebook nicht mitlesen: Die Nachbarn hier versprechen interessante Geschichten. Heute wurde auf mein "Rotersand : War on Error" seitens der Anwohner mit massivem Einsatz eines Presslufthammers auf dem Balkon geantwortet...
Wir dürfen gespannt sein.
Montag, 7. März 2011
An der Tür
Ich muss gar nicht immer weggehen, um Spaß zu finden. Oft genug kommt der Spaß auch direkt zu mir nach Hause. Wie zum Beispiel gerade eben.
Es klingelt an der Tür. Zwei Damen - beide nicht unattraktiv und vielleicht Mitte 20, Anfang 30 - kommen die Treppe hoch stolziert. Ich bin neugierig...
Es klingelt an der Tür. Zwei Damen - beide nicht unattraktiv und vielleicht Mitte 20, Anfang 30 - kommen die Treppe hoch stolziert. Ich bin neugierig...
Sie: "Guten Tag, wir möchten mit Ihnen über diese Bibelstelle reden... Was halten sie davon?"Auf der anderen Seite der Tür:
Ich: "Von welcher Sekte sind Sie?"
Sie: *entrüstet* "Wir sind keine Sekte!"
Ich: "Schade. Ich war gerade in Stimmung eine aufzukaufen. Sind Sie interessiert an spontanem Sex?"
Sie: "b...wa?"
Ich: "Auch nicht? Schade. Ihre Kollegin vielleicht? Nein? Ausnahmsweise kein Dreier heute?"
Sie: *guckt ihre Kollegin zweifelnd an*
Ich: "Ja, vor vierzehn Tagen hatten wir sehr viel Spass aneinander. Sie ist schon eine süße Wildsau, wenn Sie will... Naja gut, ich geh dann wieder rein. Tschüssi!" *Türzuklapp*
"Warst Du wirklich...?"
"Nein!"
"Aber in der Liste steht, dass Du hier warst..."
"NEIN!"
"Aber da steht 'hat Gespräch geführt'..."
"Dorothea! Wir gehen JETZT!"
Sonntag, 27. Februar 2011
Einkaufen (12)
Ich benötigte neues Fußkleid. So sah ich mich genötigt, hiesige Einzelhandelsniederlassungen mit entsprechendem Angebot aufzusuchen. Ansprechende Modelle zu finden war eine nicht unwesentlich herausfordernde Aufgabe. Wie so oft, die Tücke steckt im Detail: Nur weil eine Größenangabe auf dem Produkt vermerkt ist, bedeutet das nicht, dass diese irgendeinen Bezug zur Realität hat, oder sonst wie übergreifende Vergleiche innerhalb derselben Produktgruppe zulässt.
Ich fand nach kurzer Suche innerhalb nur weniger Viertelstunden tatsächlich etwas, das weder nach Bankerlatschen, noch "bei F**tlocker entliehen" aussah. Nur die Größe war ein Problem: Ich brauchte größere. Selber suchen war erfolglos und so hoffte ich auf kundigen Rat des anwesenden Verkaufspersonals. Mit den Modellen der Wahl in der Hand stiefelte ich durch die geheiligten Hallen des renommierten, alteingesessenen, deutschlandweit vertretenen Fußbekleidungsfachgeschäftes (nein, nicht Deich****) und suchte. Und suchte. Und suchte.
Schließlich gelang es mir, eine der Angestellten Einzelhandelsfachverkäuferinnen aufzuspüren und an der Flucht zu hindern. Ich konfrontierte sie mit meinem Anliegen und es begab sich folgende Mär.
So wartete ich und beobachtete jene ältere Dame, die sich mit einer rührenden Menschenverachtung um die Kundschaft kümmerte, hier anschnauzte, da herum schubste und dort aufkeimenden Protest niederstarrte. Anderen Menschen beim Einkaufen zuzusehen kann sehr erheiternd sein - wenn man ignoriert, dass man selbst ja nur auf Zeit von jener Hölle verschont bleibt.
Aus den Tiefen der heiligen Hallen des Schuhverkaufs tauchte eine andere Verkäuferin auf, deren Anblick mir die Sprache verschlägt. Jung, bildhübsch, elegant, freundlich, gut gelaunt... all das ist sie nicht. Olga, handlicher Formfaktor "T-72", rempelt sich mit der Eleganz eines wütenden Rhinozerosses durch die Kundschaft und jongliert mit drei Kartons und zwei Paar Schuhen. Mir dämmert, dass SIE es war, die an meinen Schuhen herumgezerrt haben musste. Ich stehe im Mittelpunkt der zweifelhaften Aufmerksamkeit dieses Pärchens. Olga hält mir wortlos den Stapel Kartons hin. Die Grabesstimme fauchte mich an:
Ich war mir völlig darüber im Klaren, dass ich nur mit einer nicht unbeträchtlichen Portion Glück die richtige Größe erwarten konnte. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war, dass ich nicht nur nicht die richtige Größe geliefert bekam, sondern auch noch völlig andere Modelle. Ich hätte mich ja nicht beschwert, wenn es statt brauner sagen wir mal schwarze Schuhe gewesen wären. Oder statt Sneaker eher andere modisch-sportliche Schnürschuhe. Auch war ich darauf vorbereitet, dass ich vielleicht mit anderen Kunden verwechselt werden würde. Immerhin war der Laden wirklich groß und es waren nicht eben wenige Kunden dort. Worauf ich aber nicht vorbereitet war, war das, was ich in Kartons verpackt in Händen hielt.
Oben auf dem Karton jene beiden Paar Schuhe, die mir zu klein waren, die mir jedoch gefielen. In den drei Kartons darunter fand ich in Reihenfolge des Öffnens: Einen einzelnen fluffigen, bunten Kinderhausschuh, zusammen mit einer albernen Damensandale Typ "girly from da hood", im nächsten eine hochhackige Damenwildlederstiefelette, in modischem kackbraun, mit 10 cm Absatz, Größe 36, zusammen mit einem groben Halbschuh Marke "Bob der Baumeister", Größe 48. Im dritten Karton schließlich fand ich außer zusammengeknülltem Papier nur gähnende Leere.
Ich war verwirrt. War dies ein Test? Oder waren mir Frau und Kind angedichtet worden, von denen ich nichts wusste? Nichts gegen Frauen, die hochhackige Schuhe tragen - ich bin auch nur Mann - aaaaber... wer um alles in der Welt trägt solche Sandalen? Und was sollte ich mit dem Elbkahn Größe 48? Ob ich meinen Sohn mit dem einzelnen Hausschuh begeistern könnte? Ein fluffiger Hausschuh wäre immerhin ein kreatives Mitbringsel, wenn auch eher nicht zu ihm passend - er steht eher nicht so sehr auf Bambi und bei der Größe war ich mir auch nicht so sicher. Fragen über Fragen.
Ich ging zurück zur Kasse und fand dort: Niemanden. Kein Aas. Weder Kunde, noch Personal. Ich kam mir irgendwie veralbert vor. Ich beschloss den Laden zu verlassen, drehte mich um und stand vor einer anderen, dritten, überraschend freundlichen Angestellten, die ihre Hilfe anbot. Ich nahm sie mit, stellte ihr das Schuh gewordene Problem vor und war gespannt. Sie ignorierte die Kartons und nahm sich die beiden nicht passenden Paare. Ich sagte ihr, dass diese Paare jeweils eine Nummer zu klein wären. Sie nickte wissend und ging wieder mit mir zur Kasse. Sie tippte ein wenig auf der Tastatur herum, bat mich um Geduld und entschwand in den Tiefen des Raumes. Gespannt auf was immer jetzt folgen sollte, harrte ich der Dinge.
In einer rekordverdächtig kurzen Zeit tauchte sie wieder auf. Mit vier Kartons. Ging mit mir zu einem anderen Stuhl, packte aus und - oh Wunder der Logistik - die richtigen Paare in größeren Größen hatten ihren Weg aus dem Lager zu mir gefunden. Die passende Größe wurde gefunden und ich entschied mich für das mir besser gefallende Paar. Bezahlen, Ware nebst Quittung in Empfang nehmen war eine Sache von wenigen - angenehmen - Augenblicken.
Ich verließ dieses Schuhgeschäft in dem Wissen, dass ich mal wieder erfolgreich Hauptdarsteller bei "Versteckte Kamera" geworden war und frage mich mal wieder, wo und wann diese Episode gesendet werden wird. Wer also was findet: Kurzer Hinweis an mich wäre toll.
Ich fand nach kurzer Suche innerhalb nur weniger Viertelstunden tatsächlich etwas, das weder nach Bankerlatschen, noch "bei F**tlocker entliehen" aussah. Nur die Größe war ein Problem: Ich brauchte größere. Selber suchen war erfolglos und so hoffte ich auf kundigen Rat des anwesenden Verkaufspersonals. Mit den Modellen der Wahl in der Hand stiefelte ich durch die geheiligten Hallen des renommierten, alteingesessenen, deutschlandweit vertretenen Fußbekleidungsfachgeschäftes (nein, nicht Deich****) und suchte. Und suchte. Und suchte.
Schließlich gelang es mir, eine der Angestellten Einzelhandelsfachverkäuferinnen aufzuspüren und an der Flucht zu hindern. Ich konfrontierte sie mit meinem Anliegen und es begab sich folgende Mär.
Ich: "Guten Tag!"Mit dieser Information versuche ich mein Glück ein zweites Mal und suche mir kundgetane Quelle passenden Schuhwerks auf, in der Hoffnung, ein güldenes Lichtlien, oder wenigstens purer Zufall, würde mir die Objekte meiner Begierde offenbaren. Vergeblich. Statt des Gesuchten fand ich dort aber eine andere Fachverkäuferin, der ich mein Leid zu klagen gedachte.
Sie: "Guten Tag?"
Ich: "Ich suche Schuhe für mich. Haben Sie diese hier auch in meiner Größe? Diese hier sind zu klein, eine Nummer größer bräuchte ich."
Sie: "Da müssen Sie im Regal dort hinten" *deutet in den Raum hinter sich* "schauen, da stehen diese Größen."
Ich: "Dort war ich schon, aber die Regale sind völlig zerwühlt, ich finde da nichts."
Sie: "Ja dann haben wir die wohl nicht in Ihrer Größe." Dreht sich um, geht weg.
Ich: "Guten Tag, können Sie mir helfen?"So wandere ich durch den Konsumtempel zur Kasse und warte geduldig, bis die vor mir dort Eingetroffenen die Früchte ihrer Suche und Kaufeslust erworben und an sich genommen haben. Ich bin fast an der Reihe, die Verkäuferin wendet sich mir bereits gewinnend, freundlich lächelnd zu, da spricht mich von rechts unten eine weibliche Stimme an, die aus der Gruft zu kommen scheint.
Sie: "Was möchten Sie denn?"
Ich: "Ich suche diese Schuhe hier in meiner Größe."
Sie: "Ich mache hier nur sauber, da müssen Sie mal an der Kasse jemanden fragen." Und lässt mich stehen.
Sie: "Sie haben gefunden, was Sie suchen? Geben Sie mal her."An den Schuhen in meiner Hand wird gezerrt.
Ich: "..äh... nein, das heißt, ja, im Prinzip schon, nur nicht in der richtigen Größe."Ich suche nach dem Ursprung von Stimme und Zerren.
Sie: "Na, dann geben Sie mal her, ich mache das schon."Verblüfft gebe ich dem Zerren nach und entdecke die Quelle der Stimme. Hinter mir steht eine ältere Dame, gut drei Köpfe kleiner als ich. Mit einem Blick, den ich freundlich mit "hasserfüllt" und "eiskalt" umschreibe. Sie starrt mich an. Verblüfft starre ich zurück, denn obwohl sie dort steht, durch ein lustiges blaues Plastikschildchen als eindeutig zum Fachgeschäft gehörend gekennzeichnet ist, vermisse ich vor allem eins: Meine Schuhe. Sie stemmt ihre Fäuste in die Hüften und starrt mich an. Ich starre zurück, nicht wissend, was Mann in solchen Situationen machen soll. Vielleicht füttern? Oder Stöckchen werfen? Oder auf den Boden legen und sich tot stellen? Die Stimme aus der Gruft trieb mir den Angstschweiß auf die Stirn:
Sie: "Sonst noch was?"Ich bin verblüfft, verneine und staune. Kannte ich die Dame? Sollte ich sie kennen? Aus einem früheren Leben vielleicht? Oder von einem anderen Einkauf?
Sie: "Dann machen Sie mal Platz da, die anderen müssen bezahlen."Schiebt mich beiseite, in ein wie zufällig bereitstehendes Schuhregal. Ich lasse es geschehen, klettere wieder aus dem Regal und harre davor der Dinge, die da kommen mögen. Vor allem bin ich gespannt darauf, wo sie wohl meine Schuhe gelassen hat und wann sie sich auf die Suche nach der korrekten Größe machen will. Wie sie überhaupt die korrekte Größe in Erfahrung gebracht hat, kann ich mir nicht einmal ansatzweise erklären, aber ich vermute, sie hat "den Blick", den Fachverkäuferinnen in jahrelangen, schwierigen und schmerzhaften Trainingsstunden durch jene Geheimloge vermittelt bekommen, die zweifelsohne ihre schützende Hand über diesen überlebenswichtigen Zweig wirtschaftlichen Schaffens hält. Ich dachte an dunkle Tempelhallen, Räucherstäbchen, uralte Mönche und Mönchinnen, asiatische Kampfkunst und - zu meiner großen Überraschung - Bratkartoffeln.
So wartete ich und beobachtete jene ältere Dame, die sich mit einer rührenden Menschenverachtung um die Kundschaft kümmerte, hier anschnauzte, da herum schubste und dort aufkeimenden Protest niederstarrte. Anderen Menschen beim Einkaufen zuzusehen kann sehr erheiternd sein - wenn man ignoriert, dass man selbst ja nur auf Zeit von jener Hölle verschont bleibt.
Aus den Tiefen der heiligen Hallen des Schuhverkaufs tauchte eine andere Verkäuferin auf, deren Anblick mir die Sprache verschlägt. Jung, bildhübsch, elegant, freundlich, gut gelaunt... all das ist sie nicht. Olga, handlicher Formfaktor "T-72", rempelt sich mit der Eleganz eines wütenden Rhinozerosses durch die Kundschaft und jongliert mit drei Kartons und zwei Paar Schuhen. Mir dämmert, dass SIE es war, die an meinen Schuhen herumgezerrt haben musste. Ich stehe im Mittelpunkt der zweifelhaften Aufmerksamkeit dieses Pärchens. Olga hält mir wortlos den Stapel Kartons hin. Die Grabesstimme fauchte mich an:
"Da."Ich griff zu. Olga klatschte zwei Paar Schuhe oben auf die Kartons und war verschwunden. Ein freundlicher Schubs beförderte mich weg vom Kassenbereich. Ich suchte mir einen Platz und begann das Gelieferte zu sichten.
Ich war mir völlig darüber im Klaren, dass ich nur mit einer nicht unbeträchtlichen Portion Glück die richtige Größe erwarten konnte. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war, dass ich nicht nur nicht die richtige Größe geliefert bekam, sondern auch noch völlig andere Modelle. Ich hätte mich ja nicht beschwert, wenn es statt brauner sagen wir mal schwarze Schuhe gewesen wären. Oder statt Sneaker eher andere modisch-sportliche Schnürschuhe. Auch war ich darauf vorbereitet, dass ich vielleicht mit anderen Kunden verwechselt werden würde. Immerhin war der Laden wirklich groß und es waren nicht eben wenige Kunden dort. Worauf ich aber nicht vorbereitet war, war das, was ich in Kartons verpackt in Händen hielt.
Oben auf dem Karton jene beiden Paar Schuhe, die mir zu klein waren, die mir jedoch gefielen. In den drei Kartons darunter fand ich in Reihenfolge des Öffnens: Einen einzelnen fluffigen, bunten Kinderhausschuh, zusammen mit einer albernen Damensandale Typ "girly from da hood", im nächsten eine hochhackige Damenwildlederstiefelette, in modischem kackbraun, mit 10 cm Absatz, Größe 36, zusammen mit einem groben Halbschuh Marke "Bob der Baumeister", Größe 48. Im dritten Karton schließlich fand ich außer zusammengeknülltem Papier nur gähnende Leere.
Ich war verwirrt. War dies ein Test? Oder waren mir Frau und Kind angedichtet worden, von denen ich nichts wusste? Nichts gegen Frauen, die hochhackige Schuhe tragen - ich bin auch nur Mann - aaaaber... wer um alles in der Welt trägt solche Sandalen? Und was sollte ich mit dem Elbkahn Größe 48? Ob ich meinen Sohn mit dem einzelnen Hausschuh begeistern könnte? Ein fluffiger Hausschuh wäre immerhin ein kreatives Mitbringsel, wenn auch eher nicht zu ihm passend - er steht eher nicht so sehr auf Bambi und bei der Größe war ich mir auch nicht so sicher. Fragen über Fragen.
Ich ging zurück zur Kasse und fand dort: Niemanden. Kein Aas. Weder Kunde, noch Personal. Ich kam mir irgendwie veralbert vor. Ich beschloss den Laden zu verlassen, drehte mich um und stand vor einer anderen, dritten, überraschend freundlichen Angestellten, die ihre Hilfe anbot. Ich nahm sie mit, stellte ihr das Schuh gewordene Problem vor und war gespannt. Sie ignorierte die Kartons und nahm sich die beiden nicht passenden Paare. Ich sagte ihr, dass diese Paare jeweils eine Nummer zu klein wären. Sie nickte wissend und ging wieder mit mir zur Kasse. Sie tippte ein wenig auf der Tastatur herum, bat mich um Geduld und entschwand in den Tiefen des Raumes. Gespannt auf was immer jetzt folgen sollte, harrte ich der Dinge.
In einer rekordverdächtig kurzen Zeit tauchte sie wieder auf. Mit vier Kartons. Ging mit mir zu einem anderen Stuhl, packte aus und - oh Wunder der Logistik - die richtigen Paare in größeren Größen hatten ihren Weg aus dem Lager zu mir gefunden. Die passende Größe wurde gefunden und ich entschied mich für das mir besser gefallende Paar. Bezahlen, Ware nebst Quittung in Empfang nehmen war eine Sache von wenigen - angenehmen - Augenblicken.
Ich verließ dieses Schuhgeschäft in dem Wissen, dass ich mal wieder erfolgreich Hauptdarsteller bei "Versteckte Kamera" geworden war und frage mich mal wieder, wo und wann diese Episode gesendet werden wird. Wer also was findet: Kurzer Hinweis an mich wäre toll.
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Samstag, 26. Februar 2011
Besichtigung mit Wow-Effekt
Ich fröhne in naher Zukunft mal wieder meinem anderen Hobby, dem Umziehen - Danke, Sylvia. In ziemlich genau einem Monat werde ich von der Küste zurück ins sichere (und bevölkerte und interessante) Hinterland zurückziehen. Oldenburg, ich komme. Meine aktuelle Wohnung soll daher "unters Volk" und so habe ich zur Zeit hin und wieder interessanten "Besuch".
Heute stand ein Ehepaar vor meiner Tür, das mich vollkommen überraschte. Beide "Mitte 30 bis 40" und eindeutig osteuropäischer Abstammung. Super liebe, gebildete und gepflegte Leute. Mit offenkundiger Begeisterung wurde die Wohnung besichtigt und die Frau verkündete:
Bei der Verabschiedung haute mich der Göttergatte dann aber mit einem lässig dahingesagten Satz aus den Socken:
PS: Wer mir beim Umzug am 26. März 2011 helfen möchte... Ich bin für jede helfende Hand dankbar.
Heute stand ein Ehepaar vor meiner Tür, das mich vollkommen überraschte. Beide "Mitte 30 bis 40" und eindeutig osteuropäischer Abstammung. Super liebe, gebildete und gepflegte Leute. Mit offenkundiger Begeisterung wurde die Wohnung besichtigt und die Frau verkündete:
"Ich will diese Wohnung. Genau so, wie sie ist. Klär das!"Sowas nenne ich "Ansage und Auftrag für den Mann". In sofern: Daumen drücken.
Bei der Verabschiedung haute mich der Göttergatte dann aber mit einem lässig dahingesagten Satz aus den Socken:
"Wissen Sie, was Sie sympathisch macht? Von all den bestimmt 20 Wohnungen, die wir bisher beischtigt haben, sind Sie der erste Deutsche, der viele und vor allem auch interessante Bücher liest. Darum mag ich Sie."Da war ich platt.
PS: Wer mir beim Umzug am 26. März 2011 helfen möchte... Ich bin für jede helfende Hand dankbar.
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Dienstag, 22. Februar 2011
Einkaufen (11)
Ich: "Haben Sie BluRayDisc Player?"
Sie: "Ja, hier..."
Ich: "Das ist ein DVD-Player."
Sie: "Ja, stimmt. DVDs kann der auch."
Ich: "Auf dem Gerät steht "DVD Player"."
Sie: "Ja. Ist doch dasselbe."
Ich: "Vielen Dank. Wo sind hier die Verkäufer mit Ahnung?"
Sie: "Was erlauben Sie sich?"
Ich: "Und was erlauben Sie sich? Keine Ahnung haben, dafür Geld haben wollen und jetzt auch noch frech werden oder was?"
Er: "Um was geht es denn?"
Ich: "Die Dame hier will mir diesen DVD-Player als BluRayDisc Player aufschwatzen."
Er: "Das ist ein DVD-Player."
Ich: "Sag ich doch."
Sie: "Das ist doch alles dasselbe." schmollt, dreht sich um, geht weg.
Er: "Ähm.. ja, das tut mir jetzt leid..."
Ich: "Ist die neu?"
Er: "Nein, neu ist sie nicht, aber meine Frau."
Ich bin dann gegangen. Ohne Gerät, aber mit Grinsen.
Sie: "Ja, hier..."
Ich: "Das ist ein DVD-Player."
Sie: "Ja, stimmt. DVDs kann der auch."
Ich: "Auf dem Gerät steht "DVD Player"."
Sie: "Ja. Ist doch dasselbe."
Ich: "Vielen Dank. Wo sind hier die Verkäufer mit Ahnung?"
Sie: "Was erlauben Sie sich?"
Ich: "Und was erlauben Sie sich? Keine Ahnung haben, dafür Geld haben wollen und jetzt auch noch frech werden oder was?"
Er: "Um was geht es denn?"
Ich: "Die Dame hier will mir diesen DVD-Player als BluRayDisc Player aufschwatzen."
Er: "Das ist ein DVD-Player."
Ich: "Sag ich doch."
Sie: "Das ist doch alles dasselbe." schmollt, dreht sich um, geht weg.
Er: "Ähm.. ja, das tut mir jetzt leid..."
Ich: "Ist die neu?"
Er: "Nein, neu ist sie nicht, aber meine Frau."
Ich bin dann gegangen. Ohne Gerät, aber mit Grinsen.
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