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Mittwoch, 8. Juni 2011

Sollte man Lesen, besonders als Eltern

»Die endlos langen Sonntagnachmittage, an denen eigentlich nichts passierte, waren die Momente, in denen ich meine Seele spürte. In denen ich lernte, mich selber zu ertragen.«
(Hartmut Rosa)
Dieses Zitat stammt aus einem Text in der Zeit, den ich jedem dringend empfehle in Ruhe zu lesen und über das dort geschriebene nachzudenken:

Schulzeitverkürzung - Liebe Marie

Mich hat dieser Text sehr sehr nachdenklich gemacht.

Samstag, 26. Februar 2011

Besichtigung mit Wow-Effekt

Ich fröhne in naher Zukunft mal wieder meinem anderen Hobby, dem Umziehen - Danke, Sylvia. In ziemlich genau einem Monat werde ich von der Küste zurück ins sichere (und bevölkerte und interessante) Hinterland zurückziehen. Oldenburg, ich komme. Meine aktuelle Wohnung soll daher "unters Volk" und so habe ich zur Zeit hin und wieder interessanten "Besuch".

Heute stand ein Ehepaar vor meiner Tür, das mich vollkommen überraschte. Beide "Mitte 30 bis 40" und eindeutig osteuropäischer Abstammung. Super liebe, gebildete und gepflegte Leute. Mit offenkundiger Begeisterung wurde die Wohnung besichtigt und die Frau verkündete:
"Ich will diese Wohnung. Genau so, wie sie ist. Klär das!"
Sowas nenne ich "Ansage und Auftrag für den Mann". In sofern: Daumen drücken.

Bei der Verabschiedung haute mich der Göttergatte dann aber mit einem lässig dahingesagten Satz aus den Socken:
"Wissen Sie, was Sie sympathisch macht? Von all den bestimmt 20 Wohnungen, die wir bisher beischtigt haben, sind Sie der erste Deutsche, der viele und vor allem auch interessante Bücher liest. Darum mag ich Sie."
Da war ich platt.


PS: Wer mir beim Umzug am 26. März 2011 helfen möchte... Ich bin für jede helfende Hand dankbar.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Tendenzen

Zwei Grafiken zu einer aktuellen statistischen Erhebung des Allensbacher Instituts zur Entwicklung der Bevölkerung:


Die Interessen der Männer fokussieren sich zusehends. Immer mehr Männer interessieren sich für immer weniger Themen. Bei Frauen ist diese Entwicklung ebenfalls zu beobachten, jedoch weitaus weniger deutlich.


Männer interessieren sich zusehends weniger für die Themen Politik, Finanzen und Wirtschaft. Das sind die Kernthemen der Gesellschaft. Man darf darüber speuklieren, in wie weit ein Zusammenhang zwischen Bildung, Internet und Interessenverengung besteht. Da jedoch der Anteil der befragten an der Bevölkerung insgesamt geringer geworden ist, sind die Auswirkungen weitreichender, als es auf den ersten Blick erscheint: Waren im Jahr 2000 noch 27 Millionen (entsprechend 33%) der Deutschen 30 Jahre alt und jünger, waren es 2005 nur noch 26,2 Millionen (33%) und 2010 sogar nur noch 24,9 Millionen (32%) (Quelle: Statistisches Bundesamt). Für die Zukunft bedeutet das: Die nachwachsenden Generationen interessieren sich immer weniger für die immer wichtiger werdenden Themen.

Was daraus folgt, darf sich gerne jeder selbst überlegen.

(Quelle: Institut Allensbach, Statistisches Bundesamt)

Montag, 22. März 2010

Learning by doing

Unser Bildungssystem ist nicht eben optimal. Diese Kritik ist nicht neu und kaum jemand mag dem ernsthaft widersprechen. Entscheidend für die Qualität dessen, was dieses System produziert, sind letztendlich die Lehrer. Schüler haben ihre eigene, meist negative, Meinung über Lehrer. Auch das ist nicht neu und hat in den meisten Fällen wenig mit der Kompetenz der Lehrkraft zu tun. Was aber, wenn ein Lehrer tatsächlich weit hinter dem zurückbleibt, was von ihm erwartet werden kann?

In jedem Unternehmen hat die geleistete Arbeit unmittelbare Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis. Wer sich als ungeeignet für einen Job erweist, wird entweder auf eine andere Stelle versetzt, die seiner Befähigung eher entspricht oder entlassen. Naheliegend zu erwarten, dass das auch für den Bildungsbetrieb gilt, denn gerade hier haben die Arbeitsleistungen der Mitarbeiter (lies: der Lehrer) weitreichende Folgen. Ein inkompetenter Lehrer verdirbt nicht nur ein paar Akten oder Blumentöpfe, sondern die Zukunft anderer Menschen.

Nicht wenige Lehrer in meinem Bekanntenkreis brüsten sich gerne damit, dass sie ihren Schülern gegenüber gerne mit einer entsprechenden Drohkulisse auftreten:
"Die Schüler mögen mir ein oder zwei Jahre das Leben schwer machen, aber ich kann denen das ganze Leben versauen."
In mindestens zwei Fällen weiß ich, dass dieser Satz nicht einfach nur so dahingesagt ist, sondern durchaus ernst zu nehmen ist. Andererseits verstehen Eltern Schule zunehmend als Dienstleister, der ihnen und ihrem Nachwuchs gegenüber in der Pflicht steht. Eltern zahlen Steuern und die werden für die Bildung investiert. Sie haben für eine Leistung bezahlt und erwarten zu Recht eine adäquate Gegenleistung. Wird die nicht erbracht, ziehen Eltern heute mehr als früher vor Gericht.

Diese Entwicklung kann eigenartige Ausmaße annehmen, wie bestimmte Schulbezirke zeigen. So wird zum Beispiel von einem Schulbezirk am Starnberger See berichtet, in dem mehr als 50% der Schüler auf das Gymnasium gehen - was natürlich nichts damit zu tun hat, dass in dieser Gegend viele reiche Bundesbürger leben. Auch die Proteste um das Schulsystem in Hamburg zeigen in aller Deutlichkeit, dass der Zugang zum Abitur von den Wohlhabenden als alleiniges Recht verstanden wird, das gerne und oft eingeklagt wird. Diese Entwicklung kann auf lange Sicht nicht gut gehen.

Es ist oft schwierig von außen zu unterscheiden, ob Eltern eine Schule wegen tatsächlicher Mängel oder eher wegen ihres Standesdenkens vor den Kadi ziehen. Wenn eine Schule aber einen Lehrer beschäftigt, über den sich alle beschweren, dann liegt die Vermutung nahe, dass hier etwas im Argen liegt. In einer Schule in Frankfurt wird ein Mathelehrer beschäftigt, der insbesondere dadurch auffällt, dass er seine Schülerinnen häufiger mit "anzüglichen Bemerkungen" bedenkt, er auffallend oft nicht da ist und wenn doch, sein Unterricht einige offensichtliche qualitative Mängel hat. Die Leistungen der von ihm unterrichteten Klassen bleiben deutlich hinter dem zu erwartenden Schnitt zurück. Klausuren müssen regelmäßig wiederholt werden und Schüler beschweren sich in großer Zahl über mangelhafte Vermittlung des Lehrstoffes. Selbst die Schulleitung räumt ein, dass es hier Defizite seitens des Lehrers gibt.

In mindestens einem Fall hatte das unmittelbare Auswirkungen auf die schulische Kariere einer Schülerin. Die Eltern zogen damit durch die Instanzen und versuchten die Situation für ihre Tochter und die anderen Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Erfolglos. Die Behörden sitzen die Sache aus, verschleppen Termine und behandeln das Thema trotz der erdrückenden Faktenlage sehr zurückhaltend. Aber nicht nur das. Die Lehrer erfahren maximalen Schutz des Systems.

Nach dem Grund befragt, warum das Schulamt nicht eingreife, sagte ein Sprecher:
"Es hilft niemandem, unfähige Lehrer in Bibliotheksdienste abzuschieben, man muss sie befähigen, guten Unterricht zu machen."
Mit anderen Worten: Wer einmal im Schuldienst angekommen ist, muss sich keine Sorgen mehr machen, denn das System bietet ihm maximalen Schutz. Egal wie schlecht seine pädagogischen und fachlichen Leistungen und Kompetenzen sind, egal welche Entgleisungen er sich leistet, er wird weiterhin auf den Nachwuchs losgelassen und darf mit dem Segen von ganz oben weiter vor sich hin wurschteln. "Learning by doing" auf Kosten des Nachwuchses, denn besser vielen Schülern die Zukunft versauen als einen Lehrer zu feuern.

Angesichts solcher Protektion, die selbst eklatante Inkompetenz nicht nur schützt, sondern systematisch fördert, ist es mehr als verständlich, dass sich Eltern und Schulen immer weiter voneinander weg bewegen. Aber nicht nur das. Gerade solche Fälle und der Umgang damit zeigen, wie schlimm es tatsächlich um unser Bildungssystem und damit um die Zukunft unseres Landes bestellt ist.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Neid

Den folgenden Satz muss man sich glaube ich bei einem guten Wein auf der Zunge zergehen lassen:
"Die Nachbarländer beneiden die Bundesrepublik Deutschland, dass wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an den Zielen festhalten, mehr in Bildung und Forschung zu investieren."

Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan (CDU)
Wenn Politiker davon sprechen, dass sie "an Zielen festhalten", dann hat das ungefähr denselben Stellenwert, als wenn ein notorischer Kettenraucher davon spricht, dass er mit dem Rauchen aufhören wolle. Wenn unsere Politiker darum beneidet werden, dass sie trotz aller Schwierigkeiten prinzipiell irgendetwas wollen, ohne zu sagen wann, wie und in welcher Form und das dann auch noch in einem Bereich, in dem sie in der Vergangenheit in erster Linie durch eklatante und ausdauernde Inkompetenz geglänzt haben, dann frage ich mich, wie wohl die Reaktion unserer Nachbarländer auf die Erfolge derselben Politiker aussehen mag.

Ach ja. Im selben Atemzug sagte dieselbe Ministerin übrigens auch, dass sie zuversichtlich sei, dass das Ziel, ab 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildung und Forschung auszugeben, erreicht werde.

Im Jahr 2009 hat Deutschland für die Bildung übrigens 4,60 Prozent des BIP investiert und liegt damit auf Rang 41 (einundvierzig) nur knapp hinter solch illusteren Wohlstandsnationen wie beispielsweise dem Yemen (9,6 Prozent, Rang 5), Botswana (8,7 Prozent, Rang 10) Tunesien (7,3 Prozent, Rang 16) oder gar dem Sudan (6,0 Prozent, Rang 28). Die USA liegen in dieser Wertung übrigens auf Rang 34 mit 5,3 Prozent. Der Forschungsetat der Bundesrepublik liegt zur Zeit übrigens bei rund 2,6 Prozent des BIP.

Hatte ich schon mal erwähnt, dass die Kosten für die Beseitigung der Abfälle aus Kernkraftwerken im Forschungsetat des Bundes verrechnet werden?

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Bildungsrepublik Deutschland

Schule Unterricht Tafel Klasse Lehrer[Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Jerry Milner]
Respekt! Da haben sie sich wieder nichts geschenkt! Die Bundesregierung will, Gott sei Dank, den Bildungsstand in der Republik erhöhen. Nur Gelder will sie dafür nicht freimachen. Jedenfalls nicht so richtig. Die Länder haben zu tun, was die Chefin will.

Ein sehr schönes Interview gab es zu dem Thema gestern im ZDF-heute Journal. Bundesbildungsministerin Schavan wurde mit der Frage konfrontiert, was denn außer den Absichtserklärungen aus diesem Gipfel herausgekommen ist. Immer wieder hat Frau Schavan nur die Punkte wiederholt, die auf dem Gipfel beschlossen wurden Aber tatsächlich erscheinen die Punkte nicht mehr als Wünsche der Gipfelbeteiligten.

Frau Merkel hat gefordert, die Herren Minister haben gefordert, alle sind sich einig. Nur nicht, wer das Geld für die Einigung bereitstellt. Wenn man den Antworten von Frau Ministerin zuhört, ist einem eher zum Weglaufen, als zum Applaudieren zu Mute.

Auch interessant war die Frage, warum eine Bundesregierung mal eben 400 Milliarden Euro für die Bankenkrise bereitstellen kann, aber nicht in der Lage ist Beträge die 'nur' Millionenbereich liegen, für die Bildung freizugeben. Für die Banken ist das Geld anscheinend da. Klar, deswegen ist auch nichts mehr für Schulen und Kindergärten da. Wenn es den Banken wieder gut geht, kann der Kindergarten an der Ecke sich ja was am Schalter der Bayern LB holen, die werden sicher nicht alles aufbrauchen. Wiedergeben aber sicher auch nichts.

Schon klar, Majestätsbeleidigung kann sich Frau Ministerin ja nicht erlauben und eingestehen, dass der Gipfel nur Steuergeld gekostet hat. Wird ja sicher nicht alles kostenfrei gewesen sein.Mit den Shake-Hands in den Dresdner Schulen kann auch kein Schüler etwas anfangen, schlauer wird er dadurch auch nicht wirklich. Außer, ihm fällt irgendwann mal ein, dass Angie ihm die Hand geschüttelt hat und ihm versprochen hat, dass alles besser wird.

(Quelle: ZDF)

Sonntag, 24. August 2008

Das Feuer am andern Ende

DoktorhutIn Sachen Bildung fixieren wir uns gerne auf die Probleme am unteren Ende der Skala: Vergessene Randgruppen, gescheiterte Integration, verkorkste Lehrerausbildung, undurchlässiges Schulsystem, Pisa, Rechtschreibreform - die Liste ist lang und wird immer länger, die Probleme sind dramatisch und nur schwer schön zu reden. Selbst unsere Bundeskanzlerin hält inzwischen die zunehmend lauter werdenden Stimmen der Straße für vielleicht doch nicht bloß reines Rauschen des Windes im Gebüsch vor dem Fenster.

Am anderen Ende der Skala sind die Probleme nicht minder gravierend. Als die Wirtschaft anfing "Soft Skills" und "Social Competences" als "wichtige Qualifikationen im Berufsleben" zu kennzeichnen und offen einzufordern, hätten uns eigentlich die Alarmglocken schrillen müssen: Wenn selbst in der Führungsetage angekommen ist, dass viele hochqualifizierte Fachkräfte völlig entstellte Krüppel im zwischenmenschlichen Umgang sind, wie schlimm muss es dann wohl wirklich sein?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Grad der Sozialkompetenz oft in umgekehrter Abhängigkeit zum Grad der wahrgenommenen Qualifikation steht. Ich habe etliche Menschen in verschiedensten Positionen des oberen Drittels der Kariereleiter kennengelernt, die ihren Job rein fachlich gut machen, denen aber das, was einen Menschen zum Menschen macht, vollkommen abgeht. Der zwischenmenschliche Umgang, der vielen von uns durch den alltäglichen Kontakt mit echten Menschen beigebracht wird, muss diesen Führungskräften auf Seminaren mühsam beigebracht, der Wert und Nutzen analytisch erklärt werden.

Das Problem endet dort aber nicht. Megan McArdle stieß mich auf ein nicht minder dramatisches Problem, dass mit dem erstgenannten unmittelbar korreliert:
"Studenten nahe des Abschlusses ihres Studiums, ermutigt durch die Meinungen und Ansichten ihrer Professoren, tendieren dazu außergewöhnlich ungehalten zu werden, sobald sie auch nur glauben herausgefordert worden zu sein. Da niemand ohne mindestens einen Hochschulabschluss jemals das erforderliche Wissen überhaupt gemeistert haben kann, wird jeder Widerspruch automatisch als Zeichen von Böswilligkeit und Niedertracht verstanden. Sie marschieren überheblich in jede Diskussionen mit erfahrenen Fachleuten, bewaffnet mit nicht mehr als dem Wissen jener drei Bücher zum Thema, die sie vielleicht während des Studiums gelesen haben, der Meinungen ihrer Professoren und genug Arroganz, um eine Magnetschwebebahn von Moskau nach Wladiwostok anzutreiben. Meistens wird ihnen spätestens jetzt ihr eigener Hintern auf einem Silbertablett präsentiert. Schlimmer wird das alles aber noch dadurch, dass sie auch noch zu dumm dazu sind wahrzunehmen, was gerade überhaupt passiert ist. Am Höhepunkt dieses Leidens sind sie schlicht und ergreifend unfähig wahrzunehmen, dass ein Platz an einer guten Bildungseinrichtung noch lange nicht gleichbedeutend mit Allwissenheit ist."
Das Schlimme daran ist nicht der Wahrheitsgehalt der Beobachtung, sondern die Tatsache, dass dieses Verhalten den Studenten überall in der westlichen Welt an den "höheren Bildungseinrichtungen" antrainiert wird, während ihnen gleichzeitig die Fähigkeit abtrainiert wird, genau das bei sich selber wahrzunehmen. Selbstüberschätzung und Arroganz gepaart mit Dummheit und sozialer Inkompetenz als systemisches Resultat der gehobenen akademischen Ausbildung sollte uns mindestens ebensoviel Angst machen, wie die zunehmende Verblödung und Bildungsresistenz als Ergebnis gesellschaftlichen Zerfalls in eine Horde von vermeintlich unabhängigen Individualisten am gegenüberliegenden Ende der Gesellschaft.

Dienstag, 19. August 2008

Bildung 2.0

Die Universität von Nottingham hat sich gedacht, dass es doch eine tolle Idee wäre, wenn man der Welt auf dem Wege der "Neuen Medien" klassisches Wissen nahe bringt. Den Anfang macht das Experiment, alle chemischen Elemente mit einem eigenen Video vorzustellen. Hier der Trailer dazu:

Ich finde die Idee ziemlich genial und bin der Meinung, dass dieser Ansatz auf jeden fall weiter verfolgt werden sollte.

Donnerstag, 14. August 2008

Wo sind sie denn?

Es sind die kleinen Dinge, die meinen Alltag bereichern. Zum Beispiel sowas hier (klick Bild):

(Quelle: Yahoo)

Samstag, 12. Juli 2008

Hege und Pflege

Ihr macht die Lehrer krank! Ja, genau! IHR seid schuld! Wann immer Ihr einem Lehrer sagt, dass er seinen Job nicht gut macht, ihn kritisiert, macht Ihr ihn krank! Zu diesem Resultat kommt jedenfalls eine Untersuchung von rund 1.000 Lehrern durch das Universitätsklinikum Freiburg. Die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Joachim Bauer konnte nachweisen, dass die Gesundheit der Lehrer am stärksten unter offener Feindseligkeit, schweren Beleidigungen und Aggressivität von Schülerseite leidet. Aggressivität und Unzufriedenheit von Seiten der Eltern haben ebenfalls einen signifikant negativen Einfluss. Gut geht es Lehrern hingegen, wenn sie von Eltern und Schülern gelobt werden. Ein intaktes Kollegium wirkt sich nach dieser Studie ebenfalls positiv aus die Gesundheit der Lehrer aus.

Die die Studie durchführenden Mediziner kritisierten, dass alle zur Zeit durchgeführten Studien über die Gesundheit von Lehrern sich überhaupt nicht mit der Gewalt und Aggressivität gegen Lehrer befassten. Sie wiesen darauf hin, dass es inzwischen eine notwendige Kernkompetenz des Lehrerberufs wäre, mit schwierigen Schülern gelingende Beziehungen zu gestalten. Dem entspricht jedoch nicht deren Ausbildung, findet Prof. Bauer:
"Die Ausbildung von Lehrern wird den hohen Anforderungen an die Beziehungskompetenz in diesem Beruf jedoch nicht gerecht."
Sein Fazit der Studie ist, dass fachlich kompetente Lehrer, die diese soziale Kompetenz nicht haben, nicht nur ineffiziente Ausbilder sind, sondern auch noch sich selber verschleißen.

Darum dürfen wir nicht auf den Lehrern herumhacken, egal wie groß der Mist ist, den sie verzapfen. Sie mögen zwar nicht die besten sein, die es gibt, aber es sind die einzigen, die unsere Politiker bereit sind zu bezahlen.

(Quelle: N24)

Sonntag, 15. Juni 2008

Überschrift des Tages (74)

Berlin hilft China mit Schulen
Ich weiß nicht, ob es nur unfreiwillig grotesk klingt oder ob dahinter eiskaltes Kalkül steht, aber ausgerechnet das zu exportieren, wovon man sich selber gerade erst bescheinigt hat, nichts zu verstehen, find ich schon "nicht schlecht"...

(Quelle: heute)

Freitag, 9. Mai 2008

Hoffnungsschimmer

Schule Unterricht Tafel Klasse LehrerBildung und Deutschland - dieses Thema scheint sich immer mehr zu einem Oxymoron zu entwickeln. Deutschland verbessert die Bildung seiner Bürger offensichtlich nicht, sondern tut alles dafür, dass Qualität und Quantität der Bildung möglichst schnell herunter gefahren werden. Man denke nur an die Rechtschreibreformen, die Umstellung auf Bachelor und Master, das Abitur nach 12 Schuljahren und so weiter und so fort.

Erstaunt es, dass sich die Industrie, die vehement die Einführung der international vergleichbaren Studienabschlüsse gefordert hat heute darüber lamentiert, dass diejenigen Studenten, die heute ihren Abschluss machen, irgendwie dramatisch hinter dem gewohnten Leistungsniveau zurückbleiben? Wundert sich irgendjemand darüber, dass an immer weniger Universitäten immer weniger Forschung betrieben wird? Sicher nicht.

Wir sind mit unseren Reformen aber noch lange nicht am Ende, denn noch gibt es genügend Ansatzpunkte, um auch noch den letzten Rest der trotz KMK und Politik halbwegs funktionierenden Bildungsvermittlung zu vernichten. Zu den jüngsten Ideen gehört zum Beispiel das Abschaffen des Sitzenbleibens. Was sich ersteinmal gut anhört, sollte man sich besser mehrmals überlegen. Die Idee ist, dass "Sitzenbleiber" überproportional benachteiligt werden und letztendlich das Wiederholen des Schuljahres erheblich weniger Vorteile mit sich bringt.

Das mag sich auf dem Papier gut anhören. In der Praxis werden Lehrer jedoch dazu aufgefordert, die völlig indiskutablen Leistungen der schlichtweg völlig unfähigen und / oder überforderten Schüler schönzureden. Lehrer dürfen zum Beispiel das Schriftbild benoten. Ja, genau. Zusatzpunkte für eine schöne Handschrift. Wundervoll. Ich warte noch auf frei verteilbare Bonusnoten für Singen und Klatschen. Dabei sind es aber nicht die Lehrer, die sich so etwas von selber ausdenken. Im Gegenteil. Der Druck kommt von oben, aus den Ministerien und Regierungen, wie die Welt berichtet.

Es gilt der Grundsatz: "Eine Fünf im Jahreszeugnis stehe für pädagogisches Versagen des Lehrers." Was das im Klartext für den tatsächlichen Bildungsstand der Schüler bedeutet, darf sich jeder selber ausmalen. Damit aber nicht genug. Auch der Schulabschluss als solches wird deutlich egalisiert. Zwar berichtete neulich noch die Zeit davon, dass zwei von 10 Abiturienten ihre Abiturprüfungen durch Medikamente substituierten, ohne die Frage zu stellen, ob das nun gut oder schlecht wäre, aber erst die Süddeutsche zeigte, weswegen Abiturienten heute panisch Pillen fressen.

Den Lehrern kann es da nicht viel besser gehen. Unvergessen:
"In den letzten 20 Jahren ist immer vor allem das untere Drittel eines Abiturjahrgangs Lehrer geworden. Natürlich mit Ausnahmen, aber es gibt eine Tendenz, dass eher die schlechteren Schüler den Lehrerberuf ergreifen, weil sie sich in anderen Berufsfeldern weniger Chancen ausrechnen." Professor Udo Rauin, Uni Frankfurt am Main
Das hat sich auch in höheren kreisen herumgesprochen. Damit die Auswirkungen nicht zu desaströs sind, hat man sich "da oben" etwas ganz Tolles ausgedacht, wie die Frankfurter Rundschau berichtet: Zukünftig sollen Gymnasiallehrer an Grundschulen unterrichten.

Na wenn das nicht Hoffnung macht...

Donnerstag, 21. Februar 2008

Mangelhaft zum Bildungssystem

Nicht auf meinem Mist gewachsen und auf besonderen Wunsch anonym: Die nächste Diskussionsgrundlage (und nein, das ist nicht von Deichshaf):
1. Vorteil am Abitur nach 12 Jahren:
Die Erstis sind ein Jahr dümmer.

2. Wieso das Abitur nach 12 Jahren eingeführt wurde:
Damit nicht mehr soviel Schüler auf den Lehrerparkplätzen parken.

3. Warum so viele Abiturienten Lehramt studieren:
Es ist wie das Abitur zu wiederholen, den ganzen Stoff hat man schließlich in der Schule schon mal durchgenommen.

4. Wieso die Schüler von heute an ihrer Blödheit nicht schuld sind:
Es ist ein Teufelskreis, die Lehrer von heute sind die Dummen von gestern.

5. Wie ich die Schulzeit unbeschadet überstehen konnte:
Wenn man nicht aufpasst, dann kann der Virus nicht übertragen werden.
(Quelle der Redaktion bekannt)

Donnerstag, 14. Februar 2008

Bildungsfragen

Schule Unterricht Tafel Klasse LehrerFür Verwirrung sorgt immer wieder das Thema "Schule". Wurde neulich erst in einer Studie belegt, dass die meisten Lehrer ihren Job eher notgedrungen und in erster Linie aus Bequemlichkeit ausüben, verwunderte dann die Ankündigung, dass sie jetzt auch noch streiken wollen. "Na gut", denkt man sich, "sollen sie doch." Schließlich darf jeder irgendwelche Wünsche und Forderungen haben. Dass es bei diesen Forderungen allerdings um das Gehalt und nicht um das System der Bildung in Deutschand insgesamt geht, verwundert wohl niemanden.

Wen verwundert es, dass die Universitäten und die Politiker basserstaunt darüber sind, dass seit Einführung der Studiengebühren die Anzahl der Erstsemesterstudenten bundesweit kontinuierlich zurückgeht? Auch dürfte kaum jemanden ernsthaft überraschen, dass die Umstellung von Magister- und Diplomstudiengängen auf Bachelor und Master nicht etwa dazu geführt hätte, das mehr Studenten ihr Studium erfolgreich beenden, sondern das Gegenteil ist der Fall. Das zeigt eine Studie des Hochschul-Informations-Systems, die jetzt veröffentlicht wurde. Die Universitäten rudern hilflos mit den Armen. Natürlich sei ihnen klar, dass man denselben Stoff "wie früher" in erheblich weniger Zeit durchzudrücken versuche und selbstverständlich wären erheblich kleinere Lerngruppen und deutlich bessere Betreuung notwendig, aber dafür sei eben kein Geld da.

Wenn die Unsesco jetzt aber von Deutschland verlangte, dass wir mehr für die Bildung in anderen Ländern tun, was möchte man dann der Unesco dann antworten? Eine ganze Menge, nehme ich an. Nun, ich bin gespannt, was die Bundesregierung auf den Bericht der Unesco antworten wird, der im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorgestellt wurde. Darin hieß es nämlich, dass Deutschland viel zu wenig für die Grundbildung in armen Ländern täte und sich viel zu sehr auf die Sekundarstufe und die Weiterbildung konzentriert.

Mal ehrlich: Die Unesco kennt doch unser Schulsystem. Was erwarten die eigentlich? Erwarten die wirklich, dass wir anderswo besser machen, was wir im eigenen Land schon nicht auf die Reihe bekommen?

(Quelle: Bundestag, Tagesschau)

Dienstag, 12. Februar 2008

Überschrift des Tages (58)

<Ketzermodus an>
Muss man nicht erst etwas aufgenommen haben, bevor man es nieder legen kann?
<Ketzermodus aus>

(Quelle: Süddeutsche, danke drb)

Freitag, 1. Februar 2008

Umdenken

Schule Unterricht Tafel Klasse LehrerSeit Generationen praktizieren Lehrer ein Ritual, dass fast allen Schülern gehörig auf die Nerven geht: Hausaufgaben. Immer und immer wieder verteilen Lehrer Hausaufgaben. Sie behaupten, dass dadurch das gelehrte Wissen vertieft wird, Verständnis und Erkenntnis befördert werden und generell Hausaufgaben eine gute Sache™ wären. Schüler, generell als unwillig und faul abgestempelt, beurteilen das seit mindestens ebenso langer Zeit vollkommen anders. Wer hat Recht?

Die Technische Universität Dresden hat sich mit dieser Frage beschäftigt und die Ergebnisse sind nicht gerade beruhigend: Hausaufgaben haben keinen Effekt auf Leistungen in der Schule und helfen den Schülern nicht. Prof. Dr. Hans Gängler von der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden:
"Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben."
Auf die Zeugnisnoten haben Hausaufgaben keinen nachweisbaren Effekt. Es ist völlig egal, wann oder ob ein Kind die Hausaufgaben überhaupt macht oder eben nicht. Während der Studie wurden 500 Lehrer befragt, wie sie selber zu Hausaufgaben stehen. Ein Drittel der Lehrer gab zu, dass sie überhaupt nicht einschätzen könnten, ob Hausaufgaben den Schülern überhaupt etwas bringen, obwohl sie bei drei Vierteln ihrer Schüler noch nie einen Effekt beobachten konnten. Die Schüler wiederum gaben in der Studie an, dass sie zwar bei betreuten Hausaufgaben weniger Fehler machen, aber nur ein Drittel aller befragten Schüler glaubt an positive Auswirkungen auf die Zeugnisnote.

Die Wissenschaftler fordern deshalb, dass an Schulen endlich eine zeitgemäße Methode der Wissensvermittlung angewandt wird. In Sachsen werden deshalb zur Zeit an einigen Ganztagsschulen verschiedene Modelle erprobt und an zwei Schulen wird bereits komplett auf Hausaufgaben verzichtet. Nach den Vorstellungen der Wissenschaftler sollten Schüler nicht stupide irgendwelche Aufgaben abarbeiten, sondern gezielt an ihren Defiziten arbeiten. Allerdings sei dafür pädagogische Betreuung unabdingbar.

Das wichtigste Fazit der Wissenschaftler: Lehrer sollten ihren Schülern im Unterricht lieber Lernstrategien vermitteln und Inhalte durch Übungs- und Förderangebote vertiefen, denn dann könnten Lehrer vollends auf Hausaufgaben verzichten, die nicht mehr sind als ein pädagogisches Ritual. Fraglich ist allerdings, ob die Lehrer schon für diese Erkenntnis bereit sind. Vermutlich nicht, denn dann müssten sie sich ja plötzlich viel mehr Unterrichtszeit mit echten Inhalten füllen und sich mit Schülern wirklich auseinandersetzen...

(Quelle: dpa)

Montag, 28. Januar 2008

Bildung am Grill

Hamburger Graduated Cap DiplomSchule ist scheinbar ein total überholtes Auslaufmodell. Werden bei uns bislang nur Studiengänge bei Tschibo verkauft, ist man im Inselkönigreich auf der anderen Seite des Kanals schon zwei Schritte weiter. Da kann man sich das Abitur zwar nicht kaufen, dafür aber direkt beim Arbeitgeber machen. Arbeitnehmer von Flybe, Network Rail und McDonalds können bei ihren Arbeitnehmern an innerbetrieblichen Ausbildungen teilnehmen, die der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) gleichgestellt sind.

McDonalds kündigte an, dass man bereits ab Februar damit beginnen werde, eine zum betrieblichen Abitur führende Ausbildung zum Schnellimbiss-Filialleiter anzubieten. Den Teilnehmern wird dabei alles erforderliche Wissen vermittelt, um ein Restaurant der Systemgastronomie zu führen. Dazu gehören unter anderem auch Marketing, Personalführung und Kundenbetreuung.

Ich finde es wirklich gut, wenn Firmen ihren Mitarbeitern Angebote zur Weiterbildung machen, mit denen die auch wirklich etwas anfangen können. Allerdings frage ich mich, ob es nicht vielleicht ein Schritt in die falsche Richtung ist, dem Stammpublikum der Fressbuden den Eindruck zu vermitteln, dass man es als Bulettenwender in Teilzeit zum Doktortitel bringen könnte...

Donnerstag, 24. Januar 2008

Lehrer - Faul aus Prinzip und weltfremd per Dekret?

Schule Unterricht Tafel Klasse LehrerWir schreiben das Jahr 2008. Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Nicht nur, weil es ein Schaltjahr ist, sondern auch, weil es ein Wissenschaftsjahr ist. Und dieses Jahr ist das Jahr der Mathematik. Ein Großteil der Menschen in Deutschland hat zur Mathematik ein besonderes Verhältnis, nämlich ein schlechtes. Ziemlich viele Menschen bringen hierzulande in erster Linie Begriffe wie "langweilig", "weltfremd", "kompliziert", "zu abstrakt", "zu schwer" und so weiter mit der Mathematik in Verbindung. Selbst Wissenschaftler dieser Fachrichtung wissen das sehr genau und suchen die Ursache dafür nicht in der Mathematik selber, denn die ist für sich gesehen nicht schwerer oder leichter als andere Fächer.

Stattdessen verweisen sie auf die Methodik, mit der Schülern der Zugang zur Mathematik aufgezwungen wird. Dort sind in erster Linie die Fehler zu suchen. Die Herangehensweise der Schulen und Lehrer an die Mathematik mache das Fach zu etwas, was nichts mit der realen Welt, dem wahren Leben zu tun habe. Vielmehr werde das Fach zu einem statischen Kunstwerk hochstilisiert, dessen einzige Daseinsberechtigung in einer völlig wirklichkeitsfremden absoluten Perfektion zu suchen ist. Dem widersprechen Lehrer nicht, im Gegenteil. In einer vor einigen Tagen vom 2DF ausgestrahlten Reportage bestätigte ein Lehrer eines Gymnasiums, dass man zwar den Unterricht gerne praxisorietniert gestalten würde, das aber wegen der Lehrpläne nicht möglich sei, denn die sind "Gesetz".

Dazu kommt noch ein weiteres, sehr schwerwiegendes Problem. Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben über einen Zeitraum von 12 Jahren 1.100 Lehrer von Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg vom Studium bis in den Beruf begleitet. Die Ergebnisse wurden jetzt in "Forschung Frankfurt" veröffentlicht und machen Angst: Wer in Deutschland studiert, weil er Lehrer werden will, macht das sehr oft aus Verlegenheit. 60 Prozent derjenigen, die sich im Beruf über die Belastungen beklagen, waren schon im Studium überfordert. Von denen, die schon im Studium voll bei der Sache waren, beklagten sich dagegen später nur 10 Prozent über die Belastungen im Beruf.

Andere Erkenntnisse der Studie zeigen noch deutlicher, dass die Ausbildung zu einem der für die Gesellschaft wichtigsten Berufe überhaupt oft von Abiturienten ergriffen wird, denen jede Vorstellung und Perspektive ihrer eigenen Zukunft fehlt:

» 25 Prozent aller in der Studie befragten Studienanfänger gaben an, dass das Studium nur eine Notlösung ist. Lehrer wollten sie eigentlich nicht werden. Immerhin die Hälfte dieser Gruppe setzte das Studium trotzdem fort.

» 27 Prozent der Befragten halten sich selber für nicht oder wenig aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen, halten sich für nicht oder wenig engagiert und attestieren sich selber eine geringe berufliche Motivation. Trotzdem halten alle der sich so äuernden an ihrem Berufsziel fest.

» Mehr als 50 Prozent der befragten Studenten gaben an, dass der Wunsch, in der Nähe des Heimatortes studieren und später arbeiten zu können ihre Entscheidung beeinflusst habe oder die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz und ein überschaubares Studium bei der Studienwahl eine Rolle spielte.

Professor Udo Rauin, Leiter der Studie:
"Etwas überspitzt könnte man formulieren nicht nur geborene Erzieher drängen ins Lehramt, sondern oft auch Pragmatiker oder Hedonisten."
Die Studie zeigt deutlich auf, dass die geringen Anforderungen im Studium und das daraus resultierende Übermaß an Freizeit wichtig bei der Entscheidung für den Beruf des Lehrers sind. Wen verwundert da, dass bei etwa 60 Prozent aller Lehramtsstudenten der Abischnitt im unteren Drittel liegt?

Besonders das Lehramt für Haupt- und Realschullehrer skizziert die Studie dramatisch schlecht. Professor Rauin:
"Dieser Bereich wird häufig als ein Verlegenheitsstudium gewählt, weil man bestimmte andere Studiengänge nicht wählen konnte."
Einerseits ist es irgendwie schon befriedigend zu sehen, dass diese Langzeitstudie bestätigt, was schon seit Ewigkeiten ein offenes Geheimnis ist: Lehrer sind oft einfach faule, bequeme Menschen. Aber trotzdem macht das weder Hoffnung noch beruhigt es, denn Veränderungen am System und am Studium durch die Politik oder die Kultusministerkonferenz oder die Hochschulen sind nicht zu erwarten. Welche Krähe hackt schließlich der anderen ein Auge aus?

(Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Dienstag, 11. Dezember 2007

Nicht Original

Terracottakrieger ChinaChina und Deutschland haben nicht immer die einfachste Beziehung zueinander, was vielfältige Gründe hat. Trotzdem ist man sehr an einander interessiert, denn man kann nicht nur von einander lernen, sondern insbesondere auch an einander verdienen. Darum ist man immer bemüht, das Verhältnis irgendwie am Leben zu halten und zu verbessern, was mal besser, mal schlechter klappt. Oft genug sind es die Schreckensmeldungen der Medien über Raubkopien, giftiges Spielzeug, Industriespionage, staatliche Repressalien und so weiter, die China hierzulande negativ auffallen lassen.

Damit der Bürger aber nun nicht permanent daran glaubt, China sei "das große unbekannte Böse", versucht man dem Bürger jenes unglaublich riesige und komplizierte Land weit im Osten irgendwie nahe zu bringen. Das macht man meistens über Kultur. Konzerte, Tourneen, Vorträge und Ausstellungen zum Beispiel sind ein gern gewähltes Mittel, um das Interesse und damit die Aufgeschlossenheit gegenüber China zu wecken. Besonders toll finden Leute "irgendwas Historisches". Am Besten etwas, das ausgegraben wurde und uralt ist. Zwar versteht niemand so recht, warum ausgerechnet davon eine solche Faszination ausgeht, aber bitte sehr, warum nicht.

Deshalb stellt das Hamburger Museum für Völkerkunde zur Zeit einige der sogenannten "Terrakottakrieger" aus. Das sind lebensgroße Tonfiguren, die zu hunderten am Grab des ersten Chinesischen Kaisers gefunden wurden. Das ist ein ziemlicher Ausstelungsmagnet und das Museum verkündete stolz, dass bereits 10.000 Besucher die am 26. November eröffnete Ausstellung gesehen hätten. Gegen Eintritt, selbstverständlich. Eigentlich könnten alle glücklich sein, wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe.

Aus China meldeten sich offizielle Stellen (unter anderem das staatliche Amt für die Verwaltung von Kulturgütern in Beijing und das Provinzamt für Kulturgüter in der alten Kaiserstadt Xi'an, von wo die Figuren stammen) und zeigten sich sehr erstaunt:
"Wir haben gegenwärtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland." "Wir sind daran nicht beteiligt." "Wenn es eine gäbe, müssten wir davon wissen, weil sie von uns hätte genehmigt werden müssen."
Ups. Man sollte davon ausgehen, dass die Chinesen wissen, wovon die Rede ist, immerhin sind es ihre Tonsoldaten und die sind momentan wohl mit das Berühmteste, was China zu bieten hat. Man sollte auch davon ausgehen dürfen, dass die gerade bei sowas keinen Schmu erzählen und ein renomiertes Museum beschubsen. Darum glaubt man inzwischen selbst im Hamburger Museum für Völkerkunde, dass man vielleicht betrogen wurde und hat die Polizei eingeschaltet. Das Landeskriminalamt ermittelt und die bisherigen Besuchern der Ausstellung können ihr Geld zurückverlangen, wenn sie sich denn getäuscht fühlen. Der Geschäftsführer des Völkerkundemuseums, Thorsten Pück, sagte am Montag:
"Sollten sich Besucher getäuscht fühlen, bekommen sie ihr Geld zurück." "Wir werden ein Hinweisschild aufstellen, dass es sich um Kopien handelt. Dann kann jeder Besucher selbst entscheiden, ob er die Schau sehen möchte oder nicht."
Irgendwie ziemlich peinlich, zumal die chinesischen Behörden sich nicht verkneifen können darauf hinzuweisen, dass die Originale von Fachleuten sehr leicht anhand der Struktur und Farbe des Tons zu erkennen sind und man selbstverständlich auch für das Austellen von Kopien eine Erlaubnis aus China benötigt...

(Quelle: Tagesschau)

Freitag, 9. November 2007

Ausverkauf?

Ich kenne Menschen, die studieren BWL. Ich kenne auch Menschen, die andere Menschen kennen, die BWL studieren. Ich kenne auch Menschen, die studieren was, was entfernt mit BWL zu tun hat. Den meisten dieser Leute ist gemeinsam, wie sie über das Studium urteilen. Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen, aber "Singen und Klatschen" wird häufiger genannt. Meistens war ich - dank meiner seeligen Unkenntnis über die Details dieses Studienfachs - davon überzeugt, dass die so urteilenden Leute eher gefrustet ob des hohen Anspruchs der Lehrinhalte sind. Oder ich glaubte auch einfach nur an profunden Neid, der aus ihren Worten spricht.

Nun, ich glaube, ich habe mich geirrt. Ein großer deutscher Kaffeehändler bietet heute der interessierten und Internet befähigten Hausfrau die wohl ultimative Beilage zu Kaffee, Kuchen und Doku-Soap an: Das 3-jährige Fernstudium Dipl. - Betriebswirt/in (FH) an der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH). Siehe auch das Bild rechts oben an diesem Artikel.
"Das BWL-Fernstudium an der PFH ist die richtige Wahl für alle, die aktiv und zielgerichtet ihre berufliche Zukunft gestalten wollen. Auch für Sie können sich neue Karrierewege eröffnen."
Nun, das mag ja stimmen, aber BWL als Ramschartikel im Kaffeeladen? Und das soll mir jetzt vertrauen in unsere Wirtschaft geben? Ernsthaft? Gibt demnächst auch Grundschullehramt bei Aldi und das Maschinenbaustudium zum Abo der FAZ dazu?

(Danke drb)