Russland setzt Akzente. Nach langer und ausführlicher Ankündigung, dass man willens, bereit und in der Lage sei, auf der internationalen Bühne wieder militärisch mitzuspielen, folgte jüngst der noch fehlende praktische Beweis: Georgien wurde "im Vorbeigehen" befriedet. Neben all den wichtigen humanitären und geopolitischen Zielen ging es Russland eindeutig auch um die Demonstration der eigenen Stärke und der Hilflosigkeit der anderen Mitspieler:Asien hat im Kaukasus null Aktien, fallen raus. Afrika kann sowieso nichts. Europa ist so vereint in der Frage, was man denn in Sachen Kaukasus tun könnte, dass man sich ratlos vom UN-Sicherheitsrat erklären lässt, wie man mit Krisen vor der eigenen Haustür umgehen sollte. Die UN wiederum ist auch nicht gerade einig und laviert herum, ohne konkret zu sagen, was die Führungsmächte der Welt eigentlich wollen. Und Amerika?
Die Administration unter Bush liegt in den letzten Zügen und ist mehr oder weniger handlungsunfähig. Die verbalen Antworten fallen entsprechend leer und irgendwie fadenscheinig aus: Russland hat übertrieben! Das darf man im 21 Jahrhundert nicht machen! Beeindruckt die Russen sichtlich. Der sich selber schon als Präsident wähnende Barack Obama rührt die Werbetrommel für Frieden, Einheit und Harmonie und sein besonders hier in Deutschland oft vollkommen unterschätzter Mitbewerber John McCain rückt schon mal vorsorglich eine direkte Einmischung der USA - wie üblich: mit Truppen - in den Bereich des Möglichen, freilich ohne dieses "Versprechen" im Augenblick einlösen zu können. Selbst wenn sein Leben davon abhinge, ER ist noch nicht dazu in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen.
Europa schlägt unterdessen eine europäische Friedenstruppe vor, die in Georgien die Einhaltung des Friedens überwachen soll, was Georgien natürlich auch total toll findet - Alles ist besser, als die Russen, die die Republik bei den Eiern packen und einkassieren. Darum wird dem europäischen Friedensvertrag sofort zugestimmt und Europa versucht mal wieder den Retter der Enterbten zu spielen. Alas: Eine Friedenstruppe ist auf dem Papier ja gut und schön, aber woher nehmen wir die denn? Stricken? Bei Obi im Resteregal gab es gestern jedenfalls keine Friedenstruppen mehr. Außerdem hat Deutschland auch so schon genug Probleme mit den eigenen Sofapazifisten und dem aktuellen Minimalstengagement im Ausland. Und jetzt, so kurz vor dem Wahlkampf, einen weiteren bewaffneten Auslandskonflikt? Mit welcher parlamentarischen Mehrheit denn?
Und selbst wenn man die für dieses Abenteuer notwendigen Soldaten hätte: Deutschland will sich ernsthaft ausgerechnet einen Streit mit Russland ans Knie nageln? Ausgerechnet mit dem Land, von dem man Gas, Öl und Kohle im ganz großen Stil bekommt? Sicherlich. Immer schön in die Hand beißen, die einen füttert. Da bringt es auch wenig, dass Frankreich die Bedeutung einer "transeuropäischen Lösung" unterstreicht und an alle Beteiligten appelliert, sich doch mal anzustrengen.
Ob Frankreich schon seine Legionäre mobilisiert, um unsere Kohle aus dem Feuer zu holen? Da habe ich doch so meine Zweifel, weil Franzosen verdienen doch ganz gut an dem Strom, den sie uns verhökern, weil wir weder ausreichend eigene Kraftwerke noch Energieträger haben. Von den Engländern fange ich mal gar nicht erst an, denn die haben gerade mehr innenpolitischen Stress als ein räudiger Straßenköter Flöhe. Spanien hat ja schon bescheid gesagt, dass man nicht so richtig Bock auf Krieg hat. Wen also schicken wir da hin? Dieses mal dann doch die freiwillige Feuerwehr aus Leer?
Und Georgien? Dort lehnt man sich so weit wie irgend möglich aus jedem sich anbietendem Fenster und beweist in erster Linie eine Dimension an Verblendung, bis hin zur angsteinflößenden Dummheit, die selbst in der Politik selten in solchem Umfang öffentlich vorgeführt wird. Jetzt gerade erst verlangte der georgische Präsident vom US Präsidentschaftskandidaten McCain, dass der doch seinen Worten ("Wir kommen da gleich rüber, dooo!") bitte Taten folgen lassen solle. Mit anderen Worten: "Bitte, bitte Amerika, marschier bei uns ein!" McCain denkt sich wiederum wahrscheinlich "Können vor lachen!", denn noch ist er nicht Chef der Armee und deshalb kann er mal so rein gar nichts veranlassen.
Und wenn wir alle jetzt mal so tun, als wenn nichts passiert wäre? So'n bissi aufregen und einen auf dicke Hose machen und rumpoltern, aber sonst nichts? Ja... dann... äh... Keiner traut es sich zu sagen, aber im Prinzip ist das zur Zeit die einzige echte Option, die "wir" - das sind alle anderen außer Russland und Georgien - tatsächlich haben. Wir müssen abwarten, wozu uns Russland einlädt. Und damit auch ja kein Zweifel daran aufkommt, wer in Russland den Ton angibt, achten wir bei nächster Gelegenheit mal darauf, wer "vor Ort" (aka: an der Front, bei der Truppe) handelt und wer für die Presse tolle Erklärungen im warmen Studio verliest. Noch Fragen?
Was sollen wir (lies: der Westen) denn auch tun? Mit der Unabhängigkeit des Kosovo haben wir Russland ganz gehörig vor den Koffer geschissen und gezeigt, dass uns Russlands Interessen einen gepflegten Scheiß interessieren. Unabhängigkeit ist toll! Freiheit für jeden! Heute der Kosovo, morgen Schottland, übermorgen das Baskenland, Katalonien, Bayern. Und Freiheit für Tibet natürlich auch! Rettet die Wale! Nieder mit dem imperialistischen Unterdrücker! Super Idee, nur die langfristigen Folgen? Ach huch, die Probleme lassen sich nicht durch singen, klatschen und im Kreis hüpfen lösen? Ja so ein Mist. Na egal, irgendwie wird's schon gehen. Hauptsache Peace auf dem Sofa und Freiheit für alle! Ich spend' auch ne Mark füre Caritas!
Genau das ist übrigens auch unsere Haltung in Sachen "ehemalige russische Teilrepubliken". Tschetschenien? Georgien? Vor 14 Tagen wusste die große Mehrheit in Deutschland nicht einmal, dass es diese Gegenden überhaupt gibt und jetzt ist da Krieg! Und wenn Krieg ist, dann reden wir natürlich mit! Ganz groß. Kein Krieg ohne deutsche Verbalbeteiligung. Wollen wir uns da wirklich richtig einmischen? Können wir uns da überhaupt einmischen? Nein. Können wir nicht und wollen sowieso nicht ("IIIIiiiih! Verantwortung!") Und die Amis? Wenn "die" tatsächlich von irgendwo Truppen zusammenkratzen könnten, um sich in Georgien einzunisten: Die unmittelbare militärische Konfrontation mit dem Russen? Echt jetzt? Wo gerade der Generalstab durchwechselt und keiner so recht weiß, ob die Devise der Zukunft "rein in die Kartoffeln" oder "raus aus den Kartoffeln" lauten wird? Das glaube ich nicht, Tim.
Also bleibt dem Westen nur diplomatische Rhetorik und tolle Reden im Fernsehn. Schon mal die Spendenappelle vorbereiten und Pressevertreter zum Roten Kreuz schicken, die die Zeltlager und Hilfslieferungen für den hiesigen Sofapazifisten fernsehtauglich 'rüberbringen. Aber bitte nicht zu viel davon, sonst versaut es am Ende noch den Wahlkampf... Insgesamt kann man Russland eigentlich nur zu einem brillianten Schachzug gratulieren: Minimales Risiko, maximaler Gewinn. Genial gemacht.
Was machen wir eigentlich, wenn sich die Russen dazu entschließen, den Motivationsschub aus dem schnellen und einfachen Sieg auszunutzen und sich noch ein paar andere "Abweichler" wieder an Land zu holen? Und was machen wir, wenn mal unsere erklärten Freunde betroffen sind? Ist ja nicht so, dass das Thema Kosovo schon vom Tisch wäre...
Wenn Behörden jubelnde Fans haben, muss etwas faul sein. Diese Erkenntnis ist universell und fundamental. Zwar kommt es hin und wieder vor, dass einzelnen Mitarbeitern von einzelnen Bürgern gedankt wird, aber das ist doch eher die Ausnahme. Generell sind Beziehungen zwischen Behördenmitarbeitern und ihrer Kundschaft eher neutral und meistens von tiefsitzender, umfassender, gegenseitiger Abneigung gekennzeichnet. Ursache dafür sind nicht selten die kreativ gestalteten Arbeitszeiten, Zuständigkeiten und Vorschriften.
In Sachen Vermehrung haben wir uns eine hervorragende Aufgabenverteilung angeeignet: Männer werden Ärzte und Apotheker und Frauen schlucken. Das klappt hervorragend, wie unsere Geburtenstatistik beweist. Dazu noch das unwesentlich entwürdigende Prozedere der Gummihülle und der außerehelichen Triebgestaltung steht nichts im Wege. Allerdings - es gibt da ein Problem. Nicht immer geht es um die vorübergehende Bettgymnastik mit Frühstück. Manchmal geht es tatsächlich um mehr - ich weiß, diese Vorstellung ist weltfremd, wie mir erst die Tage wieder beigebracht wurde. Und dann rächt die Leistungsfähigkeit unserer Pharmaindustrie.
Wenn es um Dating-Shows geht, dachte ich ja bislang, dass "Das Model und der Freak" die Krone des Unterschichtenfernsehns wäre. Weit gefehlt. Es geht noch "besser". Viel besser. Bislang ging es ja darum, dass entweder überwiegend zu sozialer Interaktion unbefähigte oder von der Natur überwiegend nicht bevorzugte Vollpfosten an beliebig gut aussehende, meist aber entweder leider reichlich hirnentkernte oder gefügig gesoffene "Topmodels" zum Gejohle des Pöbels verhökert wurden. Oder sich in beliebigem Umfang zum Affen machen
Immer wieder wird uns männlichen, weißen, technophilen Internetbenutzern nachgesagt, dass wir das Internet sowieso nur für eine einzige Sache nutzen würden: Pornos (
Ein paar Randnotizen des US Militärs machen mich hellhörig. Da wäre einerseits die Mitteilung, dass die US Navy die Entwicklung ihrer neuen Zerstörerklasse DDG 1000 gestoppt hat. Grund dafür ist der Erfolg der SM-3. Wir erinnern uns? Der Satellit damals? Der Test hat für das US-Militär den Beweis erbracht, dass mit der Aegis-Tecnologie und der RIM-161A (4 Stufen, über 500 km Reichweite, 148 km max. Flughöhe, LEAP) ballistische Raketen erfolgreich abgefangen werden können.
Vorhin hatte ich eine längere Diskussion über China. Besonders über das Verhalten des Staates "China" gegenüber seinen nach Autonomie strebenden Provinzen. Wie so oft: Wenn Deutsche über China sprechen, dann ist Tibet ganz schnell auf der Tagesordnung. Fast schon eine Selbstverständlichkeit ist es in solchen Gesprächen vorauszusetzen, dass China ja "eigentlich" auf dem "richtigen" Weg sei, aber die Sache mit den Menschenrechten und erst Tibet... Das geht ja so mal gar nicht. Freiheit für Tibet! Nieder mit der Diktatur! Auf die Frage hin, ob China überhaupt eine Diktatur sei, reagiert der Großteil der Gesprächspartner mit völliger Verblüffung und Entrüstung. Natürlich ist China eine Diktatur! Das kann man doch gar nicht anzweifeln! Und Kommunisten sind das auch!