Donnerstag, 19. Juli 2007

Sendeschluss

Spritze DopingARD und 2DF übertragen nicht mehr von der Tour de Farce, der wohl bekanntesten regelmäßigen Leistungsschau der internationalen Pharmaindustrie in Europa. Die Medien, die auch von der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten abhängig sind, urteilen und analysieren gespalten. War die Entscheidung richtig? Ist diese Haltung konsequent oder hilflos? Nützt oder schadet es der Sache? Die Stimmung ist gespalten.

Doping ist, konsequent zuende gedacht, Beschiss. Das Problem ist nicht, dass "hier und da" mal jemand ausnahmsweise zur Pillendose greift. Das Problem ist viel mehr, dass Doping instrumentailisiert und fester Bestandteil des gesamten Breitensports ist. Kein Sportler mit Einblick in die Profiliga streitet das ab - öffentlich vor der Presse zugeben will das allerdings auch keiner. Das Risiko persönlicher Nachteile und Repressalien ist einfach zu hoch.

Es geht deshalb auch darum, ob überhaupt mit den zwangsweise eingetriebenen Geldern der Bundesbürger über den Umweg des Sponsorings massenhafter Beschiss finanziert werden darf. Sicher, konsequent ist die Haltung von ARD und 2DF nur dann, wenn sie sich auch auf alle anderen Sportarten überträgt, in denen zum Doping gegriffen wird. Sieht man sich an, was in den jeweiligen Sportarten als "Doping" verstanden wird, entstehen aber doch erhebliche Zweifel.

Betrachtet man nur die Menge der offiziell asthmakranken Leistungssportler, gewinnt man den Eindruck, man müsse ersteinmal an Asthma erkranken, um überhaupt erfolgreich im Leistungssport sein zu können. Und das ist nur ein prominentes Beispiel. Die Argumentation, dass die Sportler nicht zum Doping griffen, sondern lediglich ihre Krankheiten medikamentös behandeln lassen, lässt die Frage stellen, ob da Spitzensportler oder Schwerkranke unterwegs sind.

Ich bin der Meinung, dass der Schritt vollkommen richtig war. Über die Medien kommt das Geld in den Sport. Medienpräsenz ist es, was die Sponsoren, die Marketingabteilungen der Firmen wollen. Deutschland als Schlüsselmarkt hat da eine bedeutsame Rolle und gerade deshalb wird dieser Schritt erhebliche Konsequenzen haben. Wird diese Maßnahme auf alle Sportarten ausgeweitet, könnte das sogar ein Ansatz sein, dem Doping auf internationaler Ebene Herr zu werden.

Das allerdings halte ich für eine Illsuion, denn wie wird im Sport von Doping gesprochen? Heisst es dort nicht "Verwendung nicht erlaubter Substanzen"? Wer entscheidet denn, was erlaubt ist? Das sind die Sportverbände selber. Das sind diejenigen, die davon selber am meisten profitieren. Die bestimmen, was "nicht erlaubt" ist. Was wäre der einfachste Schritt? Genau! Einfach die Regeln so umbauen, dass nicht verboten ist, was sowieso jeder schon benutzt und fertig ist die Laube.

Schade, dass das Marketing, das Sponsoring, den Sport genau so verlogen macht, wie die Werbung selber ist. Oder darf man inzwischen eine Firma auf ihre Werbung verklagen und zum Beispiel fordern, dass einem nach Benutzung eines Deos die Weiber scharenweise nachrennen?

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