Mittwoch, 9. Mai 2007

Zahlen

JustiziaMal wieder wurde eine neue Statistik vorgestellt. Sie soll uns zeigen, wie sicher es in Deutschland ist. Sie soll rechfertigen, was der Staat an Eingriffsrechten gegenüber dem Bürger für sich in Anspruch nimmt. Sie soll zeigen, dass der Staat nicht untätig ist. Sie soll zeigen, dass die bösen Buben hier in Deutschland kein einfaches Leben haben.

Die Rede ist von der Kriminalitätsstatistik. Einer Statistik, die anhand eines von der Politik diktierten Erfassungssystems aus den von der Polizei bearbeiteten Vorgängen nüchterne Zahlen destilliert, die ein Bild zeichnen. Ob dieses Bild ein Bild der "Realität" ist, sei dahin gestellt. Zu groß sind die Vorbehalte, die von "Insidern" und Politikern gegenüber diesem Zahlenwerk geäußert werden. Ein Anhaltspunkt ist diese Statistik, das wohl, aber "Maß aller Dinge" bestimmt nicht.

Was zeigt die gerade von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin vorgestellte Statistik? Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 6,3 Millionen Straftaten registriert. Das ist 1,4 Prozent weniger als 2005. Die Aufklärungsquote liegt bei 55,4 Prozent, dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. 2006 sind mehr Gewaltdelikte von 14- bis 21-Jährigen polizeilich erfasst worden als noch 2005. Bei von Jugendlichen begangenen Körperverletzungen ist es einen Zuwachs von 2,7 Prozent zu beobachten, bei den Heranwachsenden sogar ein Zuwachs von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Bundesinnenminister Schäuble führt den Zuwachs auch auf eine erhöhte Bereitschaft der Bevölkerung zurück, Anzeige zu erstatten. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sieht dagegen durchaus auch eine gestiegene Gewaltbereitschaft in Deutschland. Wer Recht hat, bleibt offen und ist durch diese Statistik nicht abschließend zu beantworten. Folgt man dem rein subjektiven Empfinden, möchte man eher dem berliner Innensenator Recht geben, was sich auch mit den Beobachtungen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) deckt. So konstatiert Konrad Freiberg, Chef der GdP:
"Immer häufiger schlägt Polizistinnen und Polizisten in ihrem alltäglichen Dienst enthemmte, brutale Gewalt entgegen"
Der Bundesvorsitzende der GdP, Wolfgang Speck, bestätigt:
"Wir glauben, dass die Verrohung auch damit einher geht, dass das Verhältnis zur Unversehrtheit des Menschen, zur Gesundheit, zum Leben ein anderes geworden ist als in der Vergangenheit."
Zugenommen haben außerdem die Betrugsdelikte. Die Gesamtzahl erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 954.000 Delikte, wobei hier Waren- und Warenkreditbetrug wie im Vorjahr erheblich zunahmen. Das wird vor allem mit der vermehrten Nutzung des Internet begründet, wo Artikel bestellt und nicht bezahlt oder Waren trotz erfolgter Vorauszahlung nicht geliefert werden.

Bleibt festzustellen, dass der durchschnittliche Straftäter in Deutschland ein männlicher Jugendlicher ist. Irgendwie beängstigend. Im Spiegel diskutierten der Berliner Oberstaatsanwalt Roman Reusch und der Hamburger Strafrechtsprofessor Bernd-Rüdeger Sonnen über den richtigen Umgang mit gewalttätigen Jugendlichen. Während Reusch aus der Erfahrung das Mittel der Haftstrafe für Jugendliche als erfolgreiche Methode der Abschreckung propagiert, ist Herr Sonnen für eine eher der Kuschelpädagogik zuzuordnenden Methode:
"Wir müssen Grenzen aufzeigen, ohne auszugrenzen. In 95 Prozent der Fälle wächst sich die Jugendkriminalität einfach aus."
Es wird den Opfern der jungendlichen Straftätern bestimmt helfen zu wissen, dass sie von Tätern niedergestochen, zusammengeschlagen oder bberaubt wurden, die dieses Verhalten irgendwann nach Abschluß der Adoleszenzphase ablegen werden. Wer erklärt der Oma, die von der marodiseirenden, nicht selten orientalischen, Jugendbande mit vorgehaltenem Messer um ihre Kohle erleichtert wurde, dass sie doch bitte verständnis haben soll, denn die ach so harmlosen Kids wissen es nunmal nicht besser? Wer erklärt dem Rentner mit zerschlagenem Gesicht, dass die unschuldigen Kiddies doch nur ihr Erwachsenwerden ausleben wollen und man das alles nicht so eng sehen dürfe?

Wo sind sie denn, die Maßnahmen, die in der Masse fruchten und Wirkung Zeigen? Wie war das noch mit den Hilferufen der Schulen und den Mengen "fachkompetenter" Helfer? Wie war das noch mit den Jugendlichen, die sich lieber Pornos reinziehen, bei denen Gangbangs zum "guten Ton" gehören, bei denen Ladendiebstahl und das "Abziehen" der Mitschüler an der Tagesordnung sind? Am grünen Tisch klingt das so toll, dass man nur ein Paar (also zwei) Sozialarbeiter an die Problemschulen schicken müsse und alles wird gut. In der Realität sieht es für den unbedarften Bürger so aus, als lachten sich die Täter schlapp und fielen erfreut über das sie schützedne System über das nächste Opfer her. Mit Singen und Klatschen gegen Messerstecher, Räuber und Erpresser erscheint nicht wenigen irgendwie unpassend. Fragt sich nur, ob es wirklich der richtige Weg ist darauf zu warten, dass der Staat den eigentlich Verantwortlichen, den Eltern, die Verantwortung abnimmt.

Ich habe da so meine Zweifel.

(Quelle: Tagesschau, Spiegel)

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