Montag, 2. April 2018

Das E-Auto und das CO2

Es gibt eine Menge Schadstoffe, die von jeder Variante des Verbrennungsmotors erzeugt werden. Ein besonders problematisches Verbrennungsprodukt ist das Kohlenstoffdioxid CO2. Dieses Gas ist ein sogenanntes Treibhausgas. Es reichert sich in der Atmosphäre an und sorgt dafür, dass es wärmer wird. Deshalb war es diesen März übrigens auch so angenehm temperiert da draußen, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls, seit wir alle verstanden haben, dass wegen CO2 Eisbären und Pinguine absaufen, sind wir alle voll Öko und mögen keine Diesel mehr.

Alternativen in Serienreife sind angeblich nicht in den Stückzahlen produzierbar und / oder viel zu unbeliebt beim Kunden und / oder viel zu unrentabel, je nach dem, wen man fragt. Ich vermute ja viel mehr, es den Autobauern bloß um die eigene Kohle auf dem Bankkonto geht und der Rest ihnen scheißegal ist. Die Frage, ob Elektroautos der Weisheit letzter Schluss sind, ist deshalb in unserem wundervollen Land auch eine Frage des Geldes.

Geplant war ja, die Karren so nach und nach zuerst als extrem teures Gadget für die superreiche Managerehefrau mit Ökokomplex einzuführen. Die sollte dann vor ihren ebenso vor Geld stinkenden Scampilutschfreundinnen mit ihrer ach so umweltfreundlichen gummibereiften Kasperbude angeben können. Alle zusammen sollten moralisch beruhigt werden, damit Daddy auch weiterhin mit seinem V8 Diesel die 10 Kilometer bis zu seiner Sekretärin mit dem Golf TDI seines Pförtners und dem Volvo Kombi seiner Bandarbeiterin um die Wette im Stau stehen kann. Wenn die Kiste sich dann als "Szene-Luxus-Gadget" durchgesetzt hat, die Preise etwas senken und die nächste Einkommensschicht beglücken und so weiter und so fort, bis dann in vielleicht 10 Jahren das Ding zum Massenprodukt wird und die Bonzen der Automobilhersteller an den bekloppten Trendsettern alleine Milliarden verdient haben.

Hat nur nicht ganz geklappt. Irgendwie ist irgendjemandem mit genügend Followern aufgefallen, dass es keinen echten Grund dafür gibt, warum Elektroautos so kacke aussehen und so scheiße zusammengedübelt sind, wie das, was bis dahin versucht wurde, für selbst für die Maßstäbe der Automobilbranche unverschämt viel Geld zu verkaufen. Oh Wunder der Choreographie: Niemand sah ein, für eine elektrifizierte Sardinenbüchse mit mikroskopischem Platzangebot, dafür aber ohne Extras, genauso viel Geld auf den Tisch zu legen, wie für eine ausgewachsene Familienlimousine. Stattdessen brachte jemand aus USA eine Elektrokarre auf den Markt, die für "nur noch" mehr als 100.000 Euro in Stückzahlen zu haben war, dafür aber auch richtig viel Auto und etliches an Schnickschnack mitbrachte. Vor allem aber: Gratis volltanken!

Scheißegal was die Karre kostet, nie wieder für's Tanken bezahlen! Zack, Auftragsbücher voll. Leicht pikiert sehen sich seit dem unsere edel gesonnenen und einzig dem Umweltschutz und dem Wohl des Kunden verschriebenen Wohltäter in den Chefsesseln und Vorstandsetagen der hiesigen Automobilindustrie ein wenig an den Schwanz gepackt und am Nasenring durch die Manege geführt. Ach, man kann sowas also doch in toll bauen? Sogar mit Autopilot und allem Gedöns? Und sogar in echten Stückzahlen? Und Ihr könnt das nicht? Na dann bestelle ich mal in USA...

Eilig bemüht sich seit dem unsere edle, einzig der Verbesserung der Welt verschriebene Automobilindustrie, irgendetwas zusammen zu klempnern, was auch nur ansatzweise so geil ist, wie jenser endgeil gehypte Asphaltabnutzer aus Palo Alto. Vergebens, bislang, aber das kommt sicher noch. Ganz bestimmt. So wie ja auch der zweite Außenspiegel, Sicherheitsgurte, Klimaanlagen, das dritte Bremslicht, Navi, Autoradio mit Verkehrsfunk, Automatikantriebe und ABS zuerst bei uns in Serie und für die Masse bezahlbar auf den Markt kamen.

Etwas unangenehem ist dabei allerdings die Diskussion, wie denn das nun im Detail so aussieht mit dem Umweltschutz. Nur weil hinten nichts mehr 'rauskommt, was stinkt, heißt das ja noch lange nicht, dass es auch toll für die Umwelt ist. Siehe Gold. Oder Strom aus Braunkohle. Im Fall des Elektro-Autos ist die Denkweise des im höchsten Grade umweltbewussten Bürgers, der sein TK-Fleisch für zwei Euro bei Aldi kauft, um es auf dem Gril für tausend Euro in Brikett zu verwandeln, ja die: Strom kommt aus der Steckdose, also ist der Öko.

Leider nein. Legt man die hoffnungslos geschönten vom Hersteller angegebenen Abgaswerte aktueller Arbeitsplatzgaranten zugrunde, dann erzeugt ein Golf 1.0 TSI bei 4,8 l/100 km Sprit auf 113,8 g CO2 pro km. Als 1.6 TDI Diesel und einem offiziellen Verbrauch von 4,1l kommt derselbe Wagen auf 108,6 g CO2 pro km. Zum Vergleich: Der SUV ist mit 25% Anteil an den Neuzulassungen 2017 das beliebteste Auto von trendbewussten Jungmüttern und anderen stadtbewohnenden Langstreckenvermeidern. Der BMW X1 und der VW Tiguan sind da ganz weit vorne. Der X1 xDrive25i (Benziner) wird angegeben mit 6,5l/100km und 149g CO2/km. Als Diesel gönnt sich dieser praktische Stadtwagen offiziell 5,2l/100km bei 138g CO2/km. Der Tiguan Join 2.0 TSI 4Motion kommt als Benziner offiziell mit 7,7l/100 km und 177g CO2/km aus, als 2.0 TDI SCR 4Motion (Diesel) 6,4l/100 km und 167g CO2/km.

Während man beim Verbrenner hinten in den Auspuff einfach irgendein Messgerät reinklemmt und irgendwann weiß, was und wieviel da rauskommt, ist das bei Elektroautos so eine Sache. Wie berechnet man denn deren Umweltbelastung? Ein Tesla P100D (für "nur noch" etwas mehr als 165.000 Euro in der Komplettausstattung) wird mit einer 100 kWh Batterie angegeben mit 613km Reichweite. Pi mal Daumen ergibt das wohl einen Verbrauch von 0,163 kWh/km. Der Renault Zoe, meistverkauftes Elekto-Alibi in Europa, verbraucht 0,133kWh/km.

Das Umweltbundesamt - natürlich völlig neutral und absolut glaubwürdig, weil garantiert frei von jeglichen Interessen agierend und seit 2013 fest in der Hand der SPD - gibt an, dass 2016 bei der Produktion einer kWh Strom 527 Gramm C02 entstanden sind. Für den Tesla P100D ergibt das rund 88g CO2/km und für den Renault rund 70g CO2/km. Das ist zwar weniger, aber so richtig sauber ist das am Ende auch nicht. Zumal: Oben drauf kommt auch noch die Produktion des Akkus, der mit 150-200 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde auf die Bilanz drückt. Die Entsorgung nicht eingerechnet.

Wer also seine Elektrobüchse wirklich CO2-neutral verheizen will, muss - den üblichen deutschen Strom-Mix vorausgesetzt - lässige 100.000 Kilometer mit einem Akku schaffen. CO2-neutral sind Verbrenner, die mit regenerativen Kraftstoffen betankt werden, übrigens nach Pi mal Daumen 30.000 Kilometern. Immerhin: Der Akku eines Tesla soll 160.000 km lässig überleben.

Aber da gibts doch noch diese Wasserstoffdingens... Ja. Nein. Die Entwicklung dieser Antriebe stockt aus vielen Gründen. Mal abgesehen davon, dass es gar kein Wasserstofftankstellennetz gibt. "Effizient" geht einfach anders. Die Motoren sind extrem empfindlich. Die Wasserstoffkatalysatoren brauchen Platinmembranen, die unwesentlich arschteuer und hyper empfindlich gegen so ziemlich alles sind. Besonders winzige Fremdkörper und Kälte mögen die total. Insgesamt zicken diese Antriebe noch so dermaßen rum, dass bis zur ernstgemeinten Serienreife noch ein paar Jahre mehr vergehen werden. Der E-Motor wird deshalb wahrscheinlich das "Rennen" um den nächsten Vermarktungshype gewinnen.

Ob der E-Motor allerdings auch das Rennen um den Umweltschutz gewinnt, ist fraglich.


Bild: Kaique Rocha / Pexels

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