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Freitag, Juni 20, 2008

Spieletests - Theorie und Praxis

Written by Adger
JoystickDer Stellenwert und die Bedeutung von "Tests" in der Gamingindustrie ist bekannt, zumindest theoretisch: Solche Tests sind in den Augen der Hersteller und Publisher wenig mehr als indirekt gekaufte Werbeinstrumente. Keinesfalls sind diese Tests etwa vergleichbar mit denen von Stiftung Warentest oder so. Sollen sie nicht sein und - glaubt man den aktuellen Erlebnissen mancher Tester - dürfen es auch nicht sein. Das ist dann nämlich Wettbewerbsverzerrung.

Diese Erfahrung macht zur Zeit nicht nur 4Players, sondern auch manch anderer Verlag, der sich mit Spielen auseinandersetzt und Tests veröffentlicht, die dem Kunden im Handel - aus gutem Grund - verwehrt bleiben. Wir erinnern uns? Wer Computerspiele vor dem Kauf im Laden testen möchte, könnte auch verlangen, im Laden Bargeld geschenkt zu bekommen. Gibt's nicht. Warum nicht? Wenn sich der Kunde vor dem Kauf über den oft völlig lieb- und phantasielos zusammengstümperten Schrott selber ein Bild machen könnte, würde ein erschreckend großer Teil der sogenannten "Topseller" im Regal verrotten.

Anyway. 4Players jedenfalls hat sich der Neuauflage des Produkts "Alone in the Dark" von Atari angenommen und das Produkt mehr oder weniger ausgiebig getestet. Das Resultat war nach dem Verständnis der Branche ein totaler Verriss - alles, was in der Presse weniger als 80% oder 8 von 10 Punkten bekommt, gilt für die Publisher als durchgefallen und unverkaufbar. Atari erhielt für den USK "ab 18" eingestuften Survival-Horror-Ego-Irgendwas-Shooter von 4Players sagenhafte 68% (PC Version). Zitat:
"(...) Alone in the Dark ist trotz guter Ansätze und einiger kreativer Ideen letztlich eine Totgeburt (...)"
In Fachkreisen nennt man das auch "auf die Fresse".

Ähnlich muss das auch Atari sehen. Dieser Publisher jedenfalls reagierte nicht etwa mit Nachbesserungen am Produkt. Weit gefehlt. Der Anwalt (mancherorts auch "Anwald" genannt) wurde losgeschickt, das Testergebnis zu korrigieren. 4Players erhielt denn auch einen geharnischten Brief, der einige interessante Sichtweisen der Industrie zum Thema "Spieletests" verdeutlicht. Hier ein paar Zitate:
"Mit diesem 'Test' verstoßen Sie gegen geltendes Recht und verletzen die Rechte unserer Mandantin" "Gleichzeitig missachten Sie die Standards, die für Warentests gelten. Warentests müssen nämlich objektive und sachkundige Untersuchungen zugrunde liegen." "Durch die vorstehenden Verletzungen verschaffen Sie sich zudem einen unlauteren Vorsprung gegenüber anderen, lauter arbeitenden Spielemagazinen. Der sog. "Test" wurde offenbar gezielt (...) geschrieben, um den ersten Test in Deutschland veröffentlichen zu können und so durch die vermeintliche Exklusivität (...) besonders hohe Leserzahlen und (...) Einnahmen generieren zu können."
Atari stornierte daraufhin nicht nur eine Werbekampagne sondern verlangt von 4Players ultimativ den Test vom Netz zu nehmen, die Bilder zu löschen und eine "strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung" abzugeben. Dazu 4Players:
"Hallo Atari? Ihr könnt uns mal."
Aber nicht nur 4Players wird von Atari hart angegangen, auch verschiedene Skandinavische Spieleredaktionen sehen sich mit ähnlichen Drohungen des Publishers konfrontiert. Für den Kunden mag das in erster Linie eine reine Schlammschlacht sein, aber die tiefere Message dieses Debakels ist letztendlich folgender: Publisher finanzieren über Werbekampagnen die Zeitschriften, in denen die Produkte getestet werden. Je besser die Produkte abschneiden, desto mehr Geld gibt es für die Zeitungen. "Objektivität" ist bei diesen Tests daher kein Kriterium, auf das sich der Kunde verlassen sollte, denn die Ergebnisse sind gekauft.

(Quelle: 4Players, danke King0r)

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4 Kommentare:

Anonymous Anonym schrieb...

Ja dafür hat man Bittorrent erfunden, saugen, ausprobieren und wenns was taugt kaufen, wenn nicht eben nicht. Dass ein Download nicht immer ein (verlorener) Kauf ist, muss dann nur noch eingesehen und das Gesetz entsprechend angepasst werden.

20 Juni, 2008 17:34  

Anonymous sebabbel schrieb...

...genauso wie in der Musikindustrie.

20 Juni, 2008 17:43  

Anonymous Anonym schrieb...

ist ja nicht das erste mal...

Kayne & Lynch (eidos) war doch eine ähnliche geschichte.. und das spiel ist richtig sch**ß*

20 Juni, 2008 18:05  

Anonymous tiscareon schrieb...

und wenn man es ein bißchen legaler angehen will bleibt immer noch die videothek

21 Juni, 2008 13:58  

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