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Donnerstag, Juni 07, 2007

Politik?

Written by Adger
In einem Kaff, dessen Namen bis vor einigen Wochen wohl eher nur Einheimische und fanatische Spezialisten deutscher Städtekunde kannten, treffen sich mehrere irgendwie wichtige Leute. Die debattieren über Themen, die wohl irgendwie wichtig sind und versuchen irgendeinen Konsens zu finden, damit man "gemeinsam" irgendwie voran kommt. Draußen treffen sich derweil mehrere Hundertschaften Polizei, um einen Zaun zu bewachen, der wiederum den kompletten Ort abriegelt, in dem sich die Diskutierenden treffen. Noch weiter draußen treffen sich wieder andere Leute, um zu demonstrieren und irgendwie auf Themen aufmerksam zu machen, die wohl auch wichtig sind.

Inzwischen trafen schon mehrfach Polizisten und Demonstranten aufeinander und es gab zum Teil extreme Ausschreitungen. In der Folge gab es Medienberichte, die die Ereignisse beinahe minutiös wiedergeben. Es gibt Ansichten und Meinungen aus allen Lagern und Fraktionen und die Medien walzen alles in epischer Form aus. Die Folgen? Liest man die Medien, dann wird in Heiligendamm in erster Linie über das Wetter diskutiert. Draußen drum herum kloppen sich irgendwelche Steineschmeisser mit der Polizei, weil sie das doof finden.

Egal wen man fragt: Niemand weiß, was "die Demonstranten" eigentlich wollen. Niemand versteht, warum eine unüberschaubare Horde der Meinung ist, dass es falsch ist, wenn sich die Regierungschefs der mächtigsten Länder dieser Welt treffen und versuchen ein paar Themen zu erörtern. Und vor allem: Was glauben diese Leute eigentlich, was die Staats- und Regierungschefs da in diesem abgeschotteten Dorf tun?

Was glauben die Demonstranten eigentlich, wie die Welt funktioniert? Es ist eben nicht so, dass ein Herr Bush oder ein Herr Putin oder eine Frau Merkel tun und lassen können, was sie wollen. Die sind selber eingespannt in ein dichtes Netz von Verpflichtungen und Zwängen. Abgesehen davon, das wahrscheinlich niemand weiß, was die Demonstranten da an der Ostsee überhaupt wollen, die Staatschefs dort werden das noch viel weniger wissen. Und vor allem wird es sie angesichts der echten Probleme auch eher nicht interessieren. Das aber wiederum ist den meisten Demonstranten völlig egal, Hauptsache Krawall und Remmidemmi.

Es müsste doch mal irgendjemandem auffallen, dass Demonstrationen irgendwie nicht so wirklich zum Ziel führen. Hunderttausende gingen auf die Straße, um gegen den Krieg im Irak und die amerikanische Beteiligung daran zu demonstrieren. In den USA selber waren ungezählte Menschenmassen auf den Straßen und forderten den sofortigen Abzug der Truppen. Hat das irgendetwas gebracht? Nein.

Wann haben in den westlichen Ländern das letzte Mal Demonstrationen einen wirklichen politischen Erfolg erzielt? Jetzt mal ohne die Geschichtsbücher auszupacken, sondern so aus dem Gedächtnis, sagen wir mal während der letzten 10 Jahre. Gab es da irgendetwas? Und was ist von den Demonstrationen insgesamt im Gedächtnis geblieben? "Da hat irgendjemand demonstriert." Aha. Toll. Und weshalb? Was wollten die? "Irgendwas wegen Arbeitsplätze... Glaube ich... oder so. Und da war dann richtig Krawall mit der Polizei. War auch im Fernsehen."

Was bleibt also hängen? In der Masse des Volkes dürfte sich das wohl auf folgende, einfache Formel herunter brechen lassen: Große Demonstrationen sind gewalttätige Veranstaltungen. Und so glauben die Demonstrierenden, sie würden "unsere" Meinung, nämlich die des Volkes, weitertragen? Glauben diese Idioten tatsächlich, dass sie mit dem Anzünden von Autos und dem Verletzen anderer wirklich meine Meinung vertreten?

Mal anders herum gefragt. Wenn Demonstrationen so erfolgreich sind, warum demonstriert dann Siemens, die Bahn, die Telecom, Daimler, die Deutsche Bank oder sonst wer nicht, wenn es um das Durchsetzen der eigenen Interessen geht? Ich habe noch keine Demo gesehen, auf der zum Beispiel die Metro-Gruppe für bestimmte Veränderungen demonstrierte. Warum demonstrieren Ärzte nicht selber, sondern schicken angeheuerte Studenten und Models auf die Straße, um die stellvertretend für ihre Interessen in der Kälte stehen zu lassen?

Naja, egal. Demonstriert ihr mal weiter da, wo immer ihr auch glaubt mit Euren Pappschildern und geschrienen Unflätigkeiten könntet ihr die Welt verbessern. Liefert ruhig den Extrempolitikern alle Argumente an die Hand, warum es richtig ist, die Grundrechte des Bürgers nach eigenem Gusto zum Schutze der Verfassung gen Null zu reduzieren. In der Zwischenzeit nutzen andere alle wirksamen politischen Instrumente, um ihre Interessen wirksam zu vertreten und auch festigen zu lassen. Aber bitte hört auf zu behaupten, ihr würdet in meinem Namen oder mit meiner Billigung dort (und anderswo) diesen Unsinn verbrechen. Das tut ihr nämlich nicht.

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28 Kommentare:

Anonymous Anonym schrieb...

demonstranten sind wie kleine kinder die sich an der kasse auf den boden werfen und krawall machen um dann doch noch ihr überraschungsei zu kriegen.

funktioniert nur idr nicht, außer die eltern sind selber ideologisch verblendet.

vgl 1989

07 Juni, 2007 12:47  

Blogger Adrian schrieb...

naja du hast vollkommen recht,

aber ein andere gedanke ist es nicht schachsinn so ein treffen in einem ort zu machen der sicherheittechnisch und gefähr so ausgebaut ist wie der alte corsa von meiner oma?

wäre es nicht sinnvoller das ganze etwas anders zu planen? ohne gleich nen verdammt teuren zaun zu bauen?

man hätte es zum beispiel in den bergen machen können, eine zufahrtsstrasse.... die wird dicht gemacht und dann ist die sache schon beinahe gegessen

hat überigens schonmal funktioniert und zwar nach genua 2001 hat kanada das treffen in Kananaskis 2002 ausgetragen, und zwar in einem berghotel...


nur mal so als kleine idee,


aber du hast natürlich recht wenn du schreibst das die demonstranten keinen nutzen bringen ausser das sie krawall machen.



überigens es gibt auch ärzte die selber demonstrieren ;)

07 Juni, 2007 13:16  

Blogger Sebastian schrieb...

Naja, sind auch viele "normale" da.
Am meisten auf den Keks geht mir der schwarze Block... sollen die mal so in Russland auf die Straße gehen...

07 Juni, 2007 16:16  

Blogger Basti schrieb...

Und irgendwie komm ich mit der Accountverwaltung von Blogger.com nicht klar.

07 Juni, 2007 16:46  

Anonymous BlaBlam schrieb...

also dir bekloppten, die meinen da steine, etc. werfen zu müssen und sich damit als als "demonstranten" outen wollen, sind echt mal fürn arsch - die bringen die "echten" demonstranten nur in veruf...
warum man nun ausgerechnet gegen die g8 demonstrieren muss, ist mir auch irgendwie schleierhaft - aber egal: um meine meinung geht es dort oben grad nicht
ich finde es aber im allgemeinen wichtig, dass otto normalbürger in der lage ist, von seinem recht zu demonstrieren gebrauch zu machen und es schließlich auch tut, wenn ihm politisch was gegen den strich läuft - denn: demonstrationen werden zwar nicht unmittelbar etwas bewegen, aber sie bereiten aufmerksamkeit und geben vielleicht auch hin und wieder anstoß, sich mit einem thema genauer zu beschäftigen und auch politisch aktiv zu werden

07 Juni, 2007 19:24  

Anonymous Anonym schrieb...

ich glaub ne insel is easy für son ort... n paar seeminen und ende^^

naja ich finds nicht falsch dass die leute zeigen, dass politiker nich machen können was sie wollen, dass die auch sehen, dass es welche gibt die unzufrieden sind... und das nichtmal unberechtigt... klar treffen die sich um probleme und so aufzugreifen, aber es muss eben gezeigt werden dass da mehr geht... grade in der afrikasache...

ich hab die tage son bericht gesehen... aulandsjournal oder so... da hamse aufgezeigt wie china sich in afrikanischen ländern einkauft... die bauen straßen, schienen und brücken, geben großzügige kredite und bekommen dafür bodenschätze... so entsteht stück für stück eine abhängigkeit... neokolonial nannten die das glaub ich... naja wenn die typen da in heiligendamm nicht bald zum ergebnis kommen, gibts ein böses erwachen... und wenn leute demonstrieren gehen, dann wir und die politik jeden tag neu dran erinnert, dass da was is was anders laufen sollte... vorrausgesetzt man lässt noch demonstrieren -.-

gruß BJ

07 Juni, 2007 19:29  

Anonymous Anonym schrieb...

Demonstrieren bringt nichts? Mmmmm.... Komisch, wie ist das nur mit dem Fall der Mauer zustande gekommen? Da war doch was mit "Montagsdemos"... Oder hatte Honni einfach keine Lust mehr?

Naja, das war vielleicht vor eurer Zeit. Es muss wohl erst wirklich krachen, bis die Leute ihre faulen Ärsche auf die Straße bekommen. Wir sind halt zu fett und vollgefressen um für irgendjemanden noch irgendwas zu machen. Solidarität? Issn Fremdwort. Selber Fressen macht Fett...

07 Juni, 2007 20:03  

Blogger Adger schrieb...

Es waren nicht die Montagsdemonstrationen, die die Wiedervereinigung herbeigeführt haben. Wäre im Vorfeld nicht bereits einiges auf politischer Ebene geschehen - erinnert sei an Gorbatschow und die von ihm angestoßene Perestroika - dann wären die Montagsdemos in der damaligen DDR gar nicht möglich gewesen. Sicher, diese Demonstrationen waren ein deutliches Signal und sie haben bestimmt ihren Teil zum Prozeß beigetragen, aber sie waren schlußendlich nicht das Werkzeug, dass die DDR auflöste. Das waren andere politische Werkzeuge.

07 Juni, 2007 21:23  

Anonymous Boje schrieb...

Demonstrant ist nicht gleich Randlierer - ich finde, das wird in dem Artikel nicht ganz deutlich.
Das Grundgesetz sieht diesen Akt der friedlichen Versammlung und Meinungsäußerung ausdrücklich vor und so gesehen, nehmen die Demonstrierenden ihr Recht wahr.
Der Zaun plus die ganzen Sicherungsmaßnahmen provozieren und aktivieren natürlich zusätzlich, so daß sich niemand wundern muß, daß dort die Post abgeht.
Ich würde für mich auch für einen anderen Weg des Protests entscheiden, aber es ist nunmal ihr gutes Recht und die Probleme, die damit verbunden sind, gehen natürlich zum Teil auf das Konto der "G8-Organisatoren".

07 Juni, 2007 22:24  

Blogger Adger schrieb...

Frag doch mal die Leute auf der Straße, Otto-Normalbürger, was er aus der Erinnerung an Demonstrationen kennt und wie er die empfindet. Ich habe das gemacht. Fast jeder nennt früher oder später "Steine werfen", "Autos anzünden", "Straßenschlachten". Inhalte? Fehlanzeige. Natürlich ist nicht jeder Demonstrant gewalttätig, aber das behaupte ich auch nicht. Das Bild ist aber so geprägt, dass Normalbürger das im Kopf gleichsetzen. Zusätzlich fällt fast niemandem zu Demonstrationen irgendetwas Positives ein: "War wieder Stau", "Wieder Randale...", "...unsere Steuergelder...", "Die sollen Arbeiten gehen und mir nicht auf die Nerven..." und so weiter. Weit überwiegend machen sich Demonstranten bei genau denen unbeliebt, deren Interessen sie ja angeblich irgendwem (Den Politikern? Den Medien? Sich selbst? Wem eigentlich?) nahebringen wollen.

Ich wage zu bezweifeln, dass Politiker so sehr die Übermenschen sind, dass die sich so viel anderes von Demonstrationen merken.

07 Juni, 2007 23:14  

Blogger Devender schrieb...

Versammlungsfreiheit ist nicht ohne Grund ein Grundrecht, aber dir muss ich das nicht erklären;)

Das was mir dabei aufstösst ist neben dem bereits im Artikel gesagten noch, dass es wohl den Krawallmachern (u.a. schwarzer Block) garnicht darum geht Inhalte zu transportieren. Das ist und bleibt eine Freizeitbeschäftigung gegen die Langeweile "damit mal was in bewegung kommt" oder anders gesagt "damit mal was los ist".
Partykinder, nichts anderes.

Schade eigentlich. Und eine Demonstration die ich sehr gut fand (auch wenn sie nicht viel erreicht hat aber zumindest ein paar Bürger aufgeklärt) waren die Demonstrationen zum Thema Bürgerrechte, Vorratsdatenspeicherung etcetc. Klar erreicht man damit nicht den Politiker, aber immerhin kann man damit ein paar Bürger zum Nachdenken anregen. Und mehr als den Zündfunken der dazu anregen soll kann man meist nicht liefern. Ob das nun über Demonstrationen läuft, über Kunst, die Medien, Literatur oder anderen Kanälen.

08 Juni, 2007 03:37  

Anonymous Boje schrieb...

"Ich wage zu bezweifeln, dass Politiker so sehr die Übermenschen sind, dass die sich so viel anderes von Demonstrationen merken."

Ganz ehrlich? Herbert Grönemeyer sprach mir gestern aus der Seele als er sagte: "Mit Politikern zu reden ist reine Zeitverschwendung".
Das einzige, was die berührt sind fehlende Prozente. Ich frage mich ja auch, ob Demonstrationen überhaupt noch Sinn machen.

08 Juni, 2007 10:13  

Anonymous messju schrieb...

adger, ich verstehe Deinen Artikel nicht. "Demonstrationen bringen nichts und belästigen Dich nur, und deshalb kann (oder sollte) man dieses Grundrecht ruhig abschaffen." Oder was willst Du sagen?

Und dass Du nicht schnallst wofür und wogegen die Leute in Heiligendamm protestieren halte ich für polemisch von Dir gelogen.

08 Juni, 2007 10:19  

Blogger Adger schrieb...

Ich fordere dieses Grundrecht abzuschaffen? WO? Das wäre mir neu. Nein, ich fordere nicht, dass dieses Grundrecht abgeschafft wird, ich sage, dass Demonstrationen insofern wirkungslos sind, dass ihre "Message" nicht rüberkommt. Und genau das belege ich am aktuellen Beispiel Heiligendamm / Rostock (oder wie das da hinten nun genau heißt). Von daher fordere ich eher ein Umdenken bei denen, die politisch etwas erreichen wollen und das Begreifen, dass dieses Grundrecht (Demonstrieren zu dürfen) zwar toll ist und auch wichtig, aber eben nicht effektiv und schon gar nicht effizient wenn es um das Erreichen von politisch motivierten Zielen geht. Weder kommt irgendetwas in der Politik an, noch bei dem Bürger, der sich - frag mal selber rum - in erster Linie von Demonstrationen belästigt sieht.

08 Juni, 2007 12:18  

Blogger Adger schrieb...

Was ich meine und was am Ende von den ganzen Protesten übrig bleibt, zeigt sich wunderschön an folgendem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung von vorhin:

>>Die Blockierer der Zufahrtsstraßen wollen offenbar nicht für die Schäden in den Feldern der Region aufkommen. Da die Straßen zu den Eingangstoren im Sicherheitszaun um Heiligendamm von der Polizei gesperrt gewesen seien, hätten die Demonstranten sich ihre Wege durch die Felder suchen müssen, sagte die Sprecherin des Bündnisses Block G 8, Lea Voigt.

Ihre Organisation stehe "in Kontakt mit einigen Bauern" und nehme deren Anliegen sehr ernst, sagte Voigt. Jedoch dürfe "legitimer Protest" nicht hinterher "die Rechnung präsentiert bekommen. Schließlich habe die Bundesregierung den Gipfel ausgerichtet, und "wer sich die G 8 einlädt, lädt sich auch den Widerstand ein".<<

08 Juni, 2007 13:46  

Anonymous messju schrieb...

Ah, OK. Da ist was dran.

08 Juni, 2007 16:25  

Anonymous Matthi schrieb...

Ich kann nicht ganz verstehen, warum man sich mitten in eine Gegend hockt, wo für den sicheren Ablauf der Sache weiß Gott wie viele von den Steuergeledern der Bürger für Zaun & Polizei ausgegeben werden muss. Die Politiker wissen sicherlich genau so wie jeder normale Mensch auch, dass die Demonstranten nichts erreichen werden, und dass die Demonstranten so oder so nichtmals einen von ihnen zu Gesicht bekommen. Also warum nicht gleich das ganze irgendwie irgendwo abgeschottet halten? Es ist doch fast schon eine Provokation, wenn man sich mitten in einer unschuldigen Stadt aufbaut und einen Zaun hinstellt.
Ich habe auch schonmal Argumente dafür gehört, die in etwa behaupteten, dass die Politiker ja mit dem Volk in Kontakt sein müssten und Abschottung ja überhaupt nicht im demokratischen Sinne sei. Ich frage mich dann aber doch, wieviel Kontakt übrig bleibt, wenn Zaun und Hundertschaften der Polizei die Geschehnisse da auseinander halten müssen.
Ernsthafte "Kritik" transportiert so niemand mehr über solche Demonstrationen - Da kriegt vermutlich eine Schulklasse, die im Unterricht ein Konzeptpapier entwirft, mehr Aufmerksamkeit von Politikern. Was also von den Demos übrig bleibt, ist eine Kindergartenparty mit ein paar Krawallmachern. Ich glaube nicht, dass man dafür so viel Geld ausgeben sollte.
Aber gut, so gibts wenigstens Futter für die Medien. Ist sicherlich spannender als irgendwelche neuen Entwicklungen, Abkommen oder sowas...

09 Juni, 2007 09:39  

Anonymous versbeauxtemps schrieb...

Zu deinem Rumgeheule wegen ein paar fliegnder Steine und der peinlichen Ausbreitung deines bescheidenen politischen Wissens möchte ich dir das Studium des folgenden Textes empfehlen. Der Erkenntnisgewinn ist größer, als derjenige, den du als ProzessbeobachterIn bei Paris Hilton gewinnst:

alt, keine Gewalt!
An der Gewalt hängt, zur Gewalt drängt doch alles... der Gedanke drängt sich auf in diesen Tagen. Wichtig scheint ihre jeweilige moralische Bewertung zu sein, mit der sie zwanghaft für notwendig erklärt oder verurteilt wird. Nicht erst seit sich die Republik darüber stritt, ob ihr Außenminister ein Sponti und Backsteinwerfer gewesen sein durfte, haben tiefsinnige Gedanken zur Gewalt wieder Konjunktur, die ihre Sinnlosigkeit, Rechtfertigung, Notwendigkeit oder ihr staatliches Monopol beleuchten. Immer ist es, man fühlt sich in die Rolle des Erziehers versetzt, die Gewalt des Gegenübers, die zuerst kam und immer war man nur Eingedenk des Friedens danach zur Gewalt bereit... Der angelegte Maßstab aus Recht und Moral jedoch, der zwischen roher Gewalt und notwendigem Übel trennt, blieb von der Anschlagserklärung bis zum folgenden Strafurteil stets der gleiche. Jetzt, nachdem auch der letzte ex-radikaler Staatssekretär für seine Missetaten Buße tat und der 1. Mai sich ankündigt, gilt es endlich, diesem Maßstab Gewalt an zu tun.

Auch die radikale Linke hat sich dem Kampf gegen Gewalt verschrieben, allerdings gegen die Gewalt der Herrschenden bzw. der herrschenden Verhältnisse (strukturelle Gewalt). Sie hat zu recht darauf bestanden, dass die Gesellschaft auch da, wo sie zivilisiert erscheint, auf Gewalt beruht. Allerdings wurde Gewalt zum großen Problem des Kapitalismus aufgebläht; groß genug jedenfalls, um gegen die Gewalt selbst gewalttätig zu werden oder zumindest das Mittel der Militanz nicht auszuschließen.
Weil Gewalt den bürgerlichen Verkehrsformen als das große Andere gegenübersteht, also die Grenzen dessen kennzeichnet, was als normal, erlaubt und richtig sein soll, erscheint Gewalt dem Bürger als ein "außerordentliches" Geschehen. Die langen Debatten militanter Aktivistinnen und Aktivisten über Formen und Ziele (Personen oder Sachen) von Gewalt wurden stets doppelt legitimiert: Mit der Schuldigkeit des Angegriffenen und mit dem Versprechen, letzten Endes für ein Ende der Gewalt einzustehen. Dabei haben sie oft guten Geschmack bewiesen und sind zweifellos nicht selten die moralischen SiegerInnen gewesen. Es wird Aufgabe einer linken Auseinandersetzung mit militanter Politik sein, zu klären, inwieweit sie in ihrer Praxis - notwendig - auf die Formen der bürgerlichen Gesellschaft zurückgeworfen war / ist.

Zivilgesellschaftlicher Totalitarismus
Im Kampf gegen Gewalt offenbart die Zivilgesellschaft - Hoffnungsträgerin und Spielwiese sozial- und bürgerrechtsbewegter Demokratiefanatiker zugleich - ihre totalitären Züge.
Gewaltverzicht fungiert hier als Glaubensbekenntnis, als Eintrittskarte zu den höchstoffiziellen Stellen der Gesellschaft. Gewalt wird dabei stets als körperliche Gewalt, selten als strukturelle Gewalt begriffen - als ob gesellschaftliche Zwangsstrukturen, wie Lohnarbeit oder Wehrdienst, nicht Formen der Gewalt wären. Das zivilgesellschaftliche Kollektiv konstituiert sich im Verzicht auf diejenigen Formen von Gewalt, die ihm als unnütz oder gefährlich erscheinen, also gerade nicht durch einen reflektierten Umgang mit Gewalt- und Zwangsverhältnissen. Dies zeigt sich an der monatelangen Debatten über Fischers Haltung zur Gewalt; darüber, ob und wie Joschka sich mit einem Polizisten prügelt, während seine Verantwortung für die Kriegsverbrechen an der jugoslawischen Bevölkerung im Frankfurter Molli-Nebel verschwinden.
Dabei wiederholt sich eine tausendfach geführte Debatte an einem nicht mal neuen Gegenstand, indem nach totalitarismustheoretischer Manier Gewalt als das schlechthin mit Demokratie und Rechtsstaat unvereinbare verstanden und verurteilt wird.
Wenn sie nicht gerade in den Fotoalben ihrer rebellischen Tage blättern, brüskieren die Akteure der bundesdeutschen Zivilgesellschaft sich derzeit mit Vorliebe über Rechtsradikale. Dabei sind sie, wie gewohnt, gründlich, fest entschlossen und nicht zimperlich - geht es doch gegen (rechte, eigentlich aber "jegliche") Gewalt und für die Toleranz. Hinter dieser Aktivität verbirgt sich ein Denken, das sich kaum vom Menschenbild des bekämpften Rassisten unterscheidet. Toleranz kann nur demjenigen gewährt werden, der nicht gleichgestellt ist, sie ist eine großzügige Geste des Herrenmenschen, dessen Artgenossen seit 12 Jahren in Ostdeutschland für Furore sorgen. Im Antifa-Sommer steht offensichtlich weniger die Sorge um die Opfer der Nazis als Ärger über die offen und stolz zur Schau getragene Asozialität ihrer Mörder im Zentrum der neuen Mitbürgerlichkeit. Ausbleibende moralische Empörung über Ausländergesetze, Abschiebung und die brutale Sicherung der deutsch-polnischen Grenze, sind nicht als Heuchelei oder Doppelmoral zu verstehen, sie sind der konsequente Rahmen der Staatsantifa und zeigen deutlich an, daß sich die Gewaltfreiheit der Zivilgesellschaft selber nur gewaltsam aufrechterhalten läßt.
Doch das demokratisches Selbstverständnis schließt die eigene Gewalttätigkeit aus, um sie dafür am anderen wahrnehmen zu können. Als das andere des bürgerlichen Selbstverständnisses aber erscheint Gewalt hier als das irrationale und unmoralische schlechthin, alle spezifischen Formen von Gewalt werden unterschiedslos eingeebnet: Sadam Hussein und Milosovic werden zu Hitlers, serbische Gefangenenlager zu KZ’s.
Dabei ist es mit der Gewaltlosigkeit der Demokratie nicht weit her, da gerade ihre Gewaltlosigkeit auf Gewalt rückverwiesen ist. Gewaltfreiheit ist daher weniger als Verzicht auf Gewalt ernst zu nehmen denn als die Drohung, Gewaltfreiheit mit aller Gewalt herzustellen.

Kapital und Gewalt
Entgegen aller Verlautbarungen der Apologeten "unserer Demokratie" sind es gerade die Demokratie und die kapitalistische Gesellschaft im allgemeinen, die durch Gewalt bedingt sind und sie ständig hervorbringen. Nicht nur lagen die historischen Wurzeln des Kapitals u.a. darin, große Teile der Bevölkerung in die Fabrikdisziplin zu prügeln. Auch im Inneren seiner demokratischen Variante finden sich Zwang und Gewalt keineswegs nur als Versehen oder Ausnahme. So konstituiert sich alle öffentliche Ordnung durch gewaltgesetzte Grenzen, wobei nicht einmal diese innere öffentliche Ordnung dauerhaften und allgemeinen Schutz vor offenem Terror und Krieg bietet, sondern Faschismus und Krieg als Krisenoptionen ebenso offenhalten wie die alltägliche Gewalt faschistischer Banden. Beides steht nur formal im Gegensatz zur Demokratie, die moralisch und juristisch ausschließen muß, was sie in ihrem Innern erzeugt.
Die Gewaltfreiheit des demokratischen Bürgers ist daher nicht die reflektierte Gewaltlosigkeit einer emanzipierten Gesellschaft, sondern konstitutives Element der Rechtsform des Warenbesitzers. Kapitalistischer Betrieb bedarf eben nicht des - ständig eingeforderten - Verzichts auf "jede Gewalt". Er verträgt lediglich diejenige Gewalt nicht, die seine Verkehrsformen beeinträchtigen, während er sich notwendig auf andere stützt. Gewalt erscheint als das ausgeschlossene der bürgerlichen Gesellschaft, als zivilisationsfeindlich und ordnungszerstörend. Gewalt erscheint aber als das Andere der demokratischen Gesellschaft, weil ihr Ausschluß aus der Gesellschaft Gewalt in einen vermeintlichen Naturzustand rückprojeziert, auf einen "Krieg Aller gegen Alle" ausgelagert wird, der von der bürgerlichen Rechtsformen zu bändigen sei, obwohl doch erst durch diese der marktliberale Kampf "Aller gegen Aller" möglich wird.
In der kapitalistischen Gesellschaft aber erscheint Gewaltverzicht nur deshalb vernünftig und moralisch zwingend, weil sie die Vernunft und Moral der Marktwirtschaft und des freien und gleichen Warenverkehrs sind. Der Gewaltverzicht kann daher dem Individuum abverlangt werden, ohne das er Wesensmerkmal der Gesellschaft zu sein braucht, im Gegenteil; die Gewaltlosigkeit richtet sich genau nach den Kategorien kapitalistischer Vergesellschaftung aus, in der Gewalt an anderer Stelle notwendig und alltäglich bleibt. So garantiert das Gewaltmonopol des Staates nicht das Ende von Gewalt, sondern bestimmt lediglich deren Grenzen und sanktioniert dysfunktionales und destruktives Verhalten im Sinne von Warenverkehr und -produktion und ihrer notwendigen Rechtsformen.
Die Einheit von Repression und Toleranz, von Demokratie und Gewalt, von Freiheit und Herrschaft in Gesellschaften westlicher Prägung ist schon `68 treffend als "repressive Toleranz" charakterisiert worden. Die Freiheit, alles zu tun und zu lassen was man will, solange es keinem anderem schadet, ist in Herrschaft und Ausbeutung eingebettet; Gewaltfreiheit nur die individuelle Pflicht, Betriebsgeräusch einer gewalttätigen Gesellschaft.
Bürgerliche Demokratien verfügen per definitionem über ein vergleichsweise großes Spektrum individueller Persönlichkeitsrechte. An ihnen ist daher auch nicht ein zu wenig an Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu bemängeln - kritisiert werden muss, dass die "Freiheit, die wir meinen", doch immer nur als eine Variation der immer gleichen, bereits vorhandenen Freiheit denkbar ist - der des vereinzelten Warenbesitzers.

Spektakel und Kritik
Gewalt ist Spektakel. Nicht nur, weil sie aus der Realität bürgerlicher Langeweile hervorsticht, sondern gerade weil sie an uneingestandene Voraussetzungen erinnert. Gewalt in bürgerlichen Gesellschaften ist idealerweise nur wohldosiert von bestimmten Exekutivkräften im Auftrag des staatlichen Gewaltmonopols anzutreffen (Polizei, Militär, Justiz). Der Exzess, die Überschreitung oder die unkontrollierte, scheinbar nicht zielgerichtete Gewalt wird trotz moralisch-politischer Ablehnung als Spektakel genossen. Die gängigen Verurteilungen oder Legitimationsversuche tun der spektakulären Erscheinung von Gewaltausbrüchen keinen Abbruch. Anstatt Papier oder Sendezeit durch hilflose wie naive Aufrufe gegen Gewalt zu verschwenden, wäre zu konstatieren, dass ihr nur deshalb derart pathologische Aufmerksamkeit zu kommt, weil sie trotz ihrer Alltäglichkeit als das Außergewöhnliche, das Untergründige und als Gegenteil von allem Guten und Schönen in bürgerlichen Gesellschaften wahrgenommen wird. Gerade weil Gewalt immer als Tat des Anderen wahrgenommen wird und die Thematisierung der eigenen Verstricktheit in Gewalt unterbleiben muß, um das zivilgesellschaftliche Selbst zu stabilisieren, wird Gewalt zum äußeren Reiz und Gegenstand eines distanzierten Interesses.
Der 1. Mai sollte in seiner Gewalttätigkeit nicht als "revolutionär" verklärt werden; er ist ein Spektakel, das durch die diskursive Fokussierung auf Gewalt erst erzeugt wird.
"Revolutionär" kann bloß die Einsicht in diese Tatsache und der Umgang mit diesem Spektakel werden. Dieser Umgang heißt konkret, die Gewaltdiskussion um den 1. Mai zum Anlass zu nehmen, grundsätzlich zu fragen, was an Gewalt denn von Interesse ist, und nach ihren uneingestandenen Ursachen zu fragen. Gerade die von den Medien herausgestellte Sinn- und Ziellosigkeit der Gewalt und das vermeintliche Fehlen eines konkreten Ziels oder Programms prädestiniert den 1. Mai zu einem Event radikaler Kritik. Praxis, die dem Begriff der Kritik gerecht würde, sucht nicht nach (individuellen) Auswegen, nicht nach besserer Repräsentation klassenspezifischer oder sonstiger Interessen, sondern kritisiert den Kapitalismus an sich selbst.
Es mag unbefriedigend sein zu wissen, dass radikale Kritik negativ ist und bleiben muss. Dies ist jedoch unbedingt auszuhalten, wenn man sich nicht in blindem Wiederholungszwang an die Reorganisation längst gescheiterter Projekte begeben will. Im Gegensatz, zu aller "ernsthaften" Politik ist der 1. Mai gerade das nicht, was ihm von revolutionären bis reformistischen Politemphatikern unterstellt wird: Er ist kein unreflektiertes Ritual zwischen Hooliganismus und Love-Parade, er ist negativ und somit kritisch im besten Sinne.

Affirmative und radikale Kritik
Als radikale Kritik richtet sich der 1. Mai nicht (nur) gegen Auswüchse staatlicher Gewalt, sondern auch gegen den gewaltfreien Sektor, die selbstverständlichen Grundlagen von Mensch und Gesellschaft. So sehr wir auch der Meinung sind, dass Gewalt, die sich gegen die herrschenden Verhältnisse richtet moralisch gerechtfertigt ist, so sehr wir auch der Überzeugung sind, dass die Sprengung eines Abschiebeknastes im Gegensatz zur Errichtung eines solchen kein Verbrechen ist, so ist es doch nicht unsere Aufgabe, die Gewaltdiskussion in dieser Weise zu füttern. Wenn gezeigt wird, dass die bürgerliche Gesellschaft ihre Gewalt ausschließt, um sie als das Andere ihrer selbst wahrzunehmen, dann nicht, um unsererseits zu versichern, dass Gewalt nur im Kommunismus ihr Ende finden wird, sondern um den Diskurs um Gewalt überhaupt als Element bürgerlicher Ideologie zu kritisieren.
Aufgabe der radikalen Linken kann es nur sein, Kapitalismus als Ganzes zu kritisieren und nicht seine immanente Gewalt zu verurteilen. Solche Kritik zerstört den Schein der Vernünftigkeit staatlicher Ordnung, von Recht und Moral. Sie erfindet keinen besseren Staat, sondern zeigt seine inneren Widersprüche auf, indem sie die untrennbare Verbindung von Gewalt und Gewaltlosigkeit in Recht und Moral denunziert. Sie fasst und verwirft die kapitalistische Gesellschaft als historisch gewordenes System, setzt diesem aber keine Entwürfe eines anderen, besseren Lebens entgegen, sondern kritisiert gerade, dass alle konkrete Utopie sich stets nach den Maßgaben kapitalistischer Rationalität richtet. Kritik verweigert sich jeglicher konstruktiver Mitarbeit und hält statt dessen an der Perspektive der revolutionären Überwindung des Kapitalverhältnisses fest.

Zur weiteren Lektüre geeignet: http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_000.htm

09 Juni, 2007 21:13  

Blogger Adger schrieb...

Schön kopiert und eingefügt. Und nun noch bitte die Erklärung, was uns diese ideologische Werbesendung beliebiger Gewaltverherrlichung sagen soll. Wer herrscht denn? Was erreicht "Gewalt"? Was motiviert Gewalt? Was ist die Konsequenz des Verzichts auf den ausführenden Gewaltverzicht? Diese alte und abgelutschte linksextreme Utopie zuende gedacht haben schon andere - und sie haben erkannt, dass diese Utopie eben das ist: Eine Utopie. Die Folgen der Gewalt "gegen das System"? Sympathiegewinne bei den Herren Stoiber und Beckstein und Co. mit ihren Maßnahmen, die die Aussage des Schutzes der Verfassung ad Absurdum führen. Aber spielen wir Dein Gedankenspiel ruhig weiter. Spielen wir die Idee mal weiter, dass die eine Seite Gewalt "legitim" sei und unterstellen entgegen jeder logischen Klippe, dass die Gewaltanwendung gegen "das System" "richtig" sei. Wo hat diese Gewaltanwendung bislang funktioniert? Wo genau hat sie zu Erfolgen geführt? Wo hat die Gewaltanwendung mehr erreicht, als ein Aufrüsten und eine Verschärfung der Lage? Hat die "ach so legitime" Gewalttätigkeit verhindert, dass Hartz IV eingeführt wurde? Oder das die individuelle, für alle Behörden abfragbare Steuernummer kommt? Hat die Gewalttätigkeit den Krieg im Irak verhindert? Den Einmarsch in Tibet? Hat sich was an den Gesetzen geändert, was der Zielsetzung der Gewaltanwendung auch nur annähernd entspräche? Hat sich an der wirtschaftlichen Lebenssituation der Befürworter der Gewalt durch die Gewaltanwendung irgendetwas geändert? Hat sich überhaupt irgendetwas "positiv" durch die Gewaltanwendung verändert oder geändert, abgesehen davon, dass die Stimmung in der Bevölkerung noch linksautonomiefeindlicher ist, als sie eh schon war, außer der Tatsache, dass jetzt auch der letzte begriffen hat, dass es in diesem Staate nicht nur eine Gefahr von rechts, sondern auch eine noch sehr viel konkretere Gefahr für Leib, Leben und Gesundheit von links gibt? Hat die Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit der ach so fantastischen und fehlerfreien linksautonomen Szene auch nur einen Jota verändert, außer der Tatsache, dass sich nach den Vorfällen der letzten Tage der Staat mit tödlicher Sicherheit um dieses "Problem", nämlich die linksautonome Szene, intensiv kümmern wird? Ja? Was denn? Du schreibst zwar schlaue Texte ab, aber verstehst Du sie auch? Ist Dir die Logik dahinter überhaupt klar? Bist Du Dir überhaupt bewußt, dass diejenigen, die sich da so selbstherrlich steineschmeißend und Autos ansteckend als die Initiatoren einer neuen Weltordnung feiern ohne Legitimation des Volkes handeln? Die Anzahl derer, die das Handeln der linksautonomen Szene befürworten dürfte nahezu identisch sein mit der Anzahl der Mitglieder der Szene. Die wiederum ist auch nur ein marginaler Prozentsatz Bevölkerung und eben nicht die Mehrheit. Ihr wollt etwas erreichen? Prima! Dann stellt Euch dem politischen Prozeß und macht Politik! Stellt Euch der Bewertung und der Beurteilung durch den Bürger! Wenn ihr das nicht wollt, dann seid ihr diejenigen, die eine Gewaltherrschaft anstreben. Ihr seid das System, das es zu bekämpfen gilt. Ihr seid diejenigen, die ein "unrechtssystem" ohne Legitimation durch die Mehrheit einrichten wollen, nicht die Anderen. Die "anderen" wollen nur ihre Ruhe, Ihr aber wollt Krieg. Ihr glaubt, Ihr seid die "Besseren"? Ihr glaubt, Kampf und Krieg seien "die Lösung"? Erzähl das mal den Leuten in den Kriegsgebieten dieser Welt. Ich bin gespannt darauf, wieviel Zustimmung diese Meinung findet.

09 Juni, 2007 23:29  

Blogger Devender schrieb...

Terrorismus ist ein Akt der dazu führt dass die Bevölkerung der vom Terrorismus bedrohten Staaten nicht durch den Terror sondern durch die eigene Regierung welche auf die Bedrohung reagiert in ihrer Freiheit gefährdet wird.

Nicht anders verhält es sich mit der gewaltbereiten linksautonomen Szene. Durch euch wird nichts bewegt, aber ihr seid der Auslöser einer Politik die in einem demokratischen Rechtsstaat nichts zu suchen hat. Unter anderem durch euch bekommen Politiker wie Schäuble, Beckstein und Stoiber ihren Nährboden auf dem sie ihre Argumentationen zur Durchsetzung ihrer Pläne aufbauen.

Darüber mal nachgedacht?

10 Juni, 2007 00:21  

Blogger Devender schrieb...

Und ja ich hätte gern eine schlüssige und fundierte Antwort darauf. Kein Geheule, kein Zitieren von politischen Konstrukten oder am besten noch Indymedia. Ich wäre nur gerne schlauer ob dir das auch klar ist was du bezwecken willst und was du bezwecken wirst.

10 Juni, 2007 00:23  

Anonymous versbeauxtemps schrieb...

"Wer herrscht denn? Was erreicht "Gewalt"? Was motiviert Gewalt? Was ist die Konsequenz des Verzichts auf den ausführenden Gewaltverzicht?"
Naja, hättest du den Text gelesen und verstanden, müsste ich das jetzt nicht nochmal für dich erklären, aber ich nehm mir mal die Zeit. Im Kapitalismus gibt es keine Clique von Drahtziehern (z.B. die G8), die den Menschen unter ihre Knute zwingt, sondern die personale Herrschaft z.B. des Feudalismus ist in eine sachliche Herrschaft transformiert, deren Zwang den Kapitalisten und Politiker (wenn auch natürlich mit anderer Qualität) genauso betrifft wie den Lohnarbeiter. Der (moralische wie juristische) Gewaltverzicht richtet sich hierbei, wie auch im Text demonstriert, nach den Kategorien eben von Warenproduktion und -tausch aus und betrifft bloß eine hierbei störende oder zerstörende Gewalt. Garantiert wird die Reduktion des Menschen zum sich am Zwang optimierenden Warensubjekt dabei durch das staatliche Gewaltmonopol, dessen tägliche Gewalt gar nicht als solche kategorisiert, also "legitime" Gewalt ist. Der Bürger, der sich selbst nach diesen Gewaltverhältnissen formt, skandalisiert die Gewalt mit einer gewissen Mischung aus Abscheu und Faszination nur da, wo sie aus dem Raster der ihn täglich umgebenden Gewalt ausbricht: das täglich 60.000 Menschen verhungern, Asylanten bei oder nach der Abschiebung sterben, Harz IV EmpfängerInnen verhungern, Frauen und Kinder vergewltigt werden, wird gar nicht als Gewalt registriert - diese Gewalt ist der auf Warentausch und Kapital basierenden Gesellschaft notwenidg und strukturell eingeschrieben: in der Produktion der Fotokamera, mit der die JournalistInnen die "Gewaltexzesse" in Rostock gierig dokumentierten, steckt allemal mehr Gewalt, als auf den von ihr geschossenen Bildern zu sehen ist.

"Diese alte und abgelutschte linksextreme Utopie zuende gedacht haben schon andere - und sie haben erkannt, dass diese Utopie eben das ist: Eine Utopie."
Jaja, bring doch mal ein Argument...

"Die Folgen der Gewalt "gegen das System"? Sympathiegewinne bei den Herren Stoiber und Beckstein und Co. mit ihren Maßnahmen, die die Aussage des Schutzes der Verfassung ad Absurdum führen."
Natürlich gibt es keine Repression von staatlicher Seite, wenn es nichts gibt, gegen das sich diese Repression sinnvoll richten könnte. Ein Argument für oder gegen etwas ist das freilich nicht...

"Spielen wir die Idee mal weiter, dass die eine Seite Gewalt "legitim" sei und unterstellen entgegen jeder logischen Klippe, dass die Gewaltanwendung gegen "das System" "richtig" sei."
Wenn du den Text aufmerksam gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass es gerade nicht darum geht, Gewaltanwendung moralisch zu qualifizieren, oder mit "Legitimität" (selbst so ein merkwürdiges Konstrukt, was ist denn legitime Gewalt?) zu adeln, sondern darum, das Verhältnis von Gewalt und bürgerlicher Gesellschaft zu analysieren.

"Wo hat diese Gewaltanwendung bislang funktioniert? Wo genau hat sie zu Erfolgen geführt? Wo hat die Gewaltanwendung mehr erreicht, als ein Aufrüsten und eine Verschärfung der Lage? Hat die "ach so legitime" Gewalttätigkeit verhindert, dass Hartz IV eingeführt wurde? Oder das die individuelle, für alle Behörden abfragbare Steuernummer kommt? Hat die Gewalttätigkeit den Krieg im Irak verhindert? Den Einmarsch in Tibet? Hat sich was an den Gesetzen geändert, was der Zielsetzung der Gewaltanwendung auch nur annähernd entspräche? Hat sich an der wirtschaftlichen Lebenssituation der Befürworter der Gewalt durch die Gewaltanwendung irgendetwas geändert? Hat sich überhaupt irgendetwas "positiv" durch die Gewaltanwendung verändert oder geändert, abgesehen davon, dass die Stimmung in der Bevölkerung noch linksautonomiefeindlicher ist, als sie eh schon war, außer der Tatsache, dass jetzt auch der letzte begriffen hat, dass es in diesem Staate nicht nur eine Gefahr von rechts, sondern auch eine noch sehr viel konkretere Gefahr für Leib, Leben und Gesundheit von links gibt? Hat die Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit der ach so fantastischen und fehlerfreien linksautonomen Szene auch nur einen Jota verändert, außer der Tatsache, dass sich nach den Vorfällen der letzten Tage der Staat mit tödlicher Sicherheit um dieses "Problem", nämlich die linksautonome Szene, intensiv kümmern wird?"
Abgesehen von dem, was oben bereits dazu gesagt wurde ist es schön, einen so langen Absatz so schnell erledigen zu können: der auf Grund der gesellschaftlichen Verhältnisse mangelnde Erfolg einer Position / politischen Praxis ist überhaupt kein Argument gegen ihre inhaltliche Richtigkeit. Der Widerstand gegen den Faschismus (bevor wieder irgendjemand zu weit interpretiert, es geht um die Strukturanalogie und nicht darum, faschistische und bürgerlich-demokratische Regulation des Kapitalismus gleichzusetzen) war auch erfolglos und trotzdem richtig.
"Ihr glaubt, Kampf und Krieg seien "die Lösung"? Erzähl das mal den Leuten in den Kriegsgebieten dieser Welt. Ich bin gespannt darauf, wieviel Zustimmung diese Meinung findet."
Zumindest diejenigen, die verstanden haben, warum es in ihrem Landstrich Krieg & Gewalt gibt, werden sicherlich dankbar für den Versuch sein, die gesellschaftliche Basis der Gewalt zu überwinden.

"Nicht anders verhält es sich mit der gewaltbereiten linksautonomen Szene. Durch euch wird nichts bewegt, aber ihr seid der Auslöser einer Politik die in einem demokratischen Rechtsstaat nichts zu suchen hat. Unter anderem durch euch bekommen Politiker wie Schäuble, Beckstein und Stoiber ihren Nährboden auf dem sie ihre Argumentationen zur Durchsetzung ihrer Pläne aufbauen."
Wie bereits oben gesagt, wer den Anspruch hat, den durch das staatliche Gewaltmonopol garantierten Privatbesitz an Produktionsmitteln zu überwinden, kommt ohne Konfrontation mit diesem nicht aus. Überleg doch mal, was du da für ein merkwürdiges Denkkonstrukt präsentierst: im Namen der Bewahrung der Demokratie soll man sich doch bitte dem Elend fügen, sonst gibt es nur Ärger - die einzige dem innewohnende Wahrheit ist, dass es mit demokratischer Rechtsstaatlichkeit nicht mehr weit her ist, wenn in relevanter Manier die Basis des bügerlichen Staates, die kapitalistische Produktion, zur Disposition gestellt wird. Dafür genügt aber auch ein Blick ins Italien der 70er Jahre (http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung_(Italien)), nach Chile (http://de.wikipedia.org/wiki/Augusto_Pinochet) usw. usf.

10 Juni, 2007 11:37  

Blogger Adger schrieb...

„Jaja, bring doch mal ein Argument...“

Darauf warte ich ja von Dir. Bislang verbreitest Du zwar jede Menge Ideologie, aber keine Argumente.

„Wenn du den Text aufmerksam gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass es gerade nicht darum geht, Gewaltanwendung moralisch zu qualifizieren“

Wenn Gewalt nicht moralisch qualifiziert wird, wie dann? Einfach nur Gewalt anwenden, weil es möglich ist?

„oder mit "Legitimität" (selbst so ein merkwürdiges Konstrukt, was ist denn legitime Gewalt?)“

Tja, was mag wohl Legitimität sein?

„zu adeln, sondern darum, das Verhältnis von Gewalt und bürgerlicher Gesellschaft zu analysieren.“

Die von Dir gezeigte „Analyse“ ist nicht nur einseitig, sondern auch überkommen und unvollständig. Aus der dargestellten einseitigen Sicht abzuleiten, dass das Randalieren, das Zerstören von Sachwerten, Gesundheit und so weiter „richtig“ und „notwendig“ ist, ist nicht schlüssig.

„Abgesehen von dem, was oben bereits dazu gesagt wurde ist es schön, einen so langen Absatz so schnell erledigen zu können: der auf Grund der gesellschaftlichen Verhältnisse mangelnde Erfolg einer Position / politischen Praxis ist überhaupt kein Argument gegen ihre inhaltliche Richtigkeit.“

Der Erfolg ist alles was zählt. Um Deine Abwanderung in den Faschismus (ist das eigentlich zwanghaft?) aufzugreifen: Wäre der Faschismus erfolgreich gewesen, würden wir diese Debatte gar nicht führen. Was zählt? Genau: Der Erfolg. War das System der DDR ein „Erfolg“? Nein. Die UdSSR? Der Maoismus? Der Stalinismus? Welche Systeme haben den Test der Zeit bestanden? Etwa die kapitalistischen? Huch. Könnte es sein, dass diese Systeme einfach die erfolgreichen sind und die Utopie der Linksautonomie einfach nur utopisch, aber nicht im Geringsten realistisch ist?

„Zumindest diejenigen, die verstanden haben, warum es in ihrem Landstrich Krieg & Gewalt gibt, werden sicherlich dankbar für den Versuch sein, die gesellschaftliche Basis der Gewalt zu überwinden.“

Damit stimmst Du zu, dass es richtig war, dass China in Tibet einmarschiert ist, dass die USA im Irak einmarschiert sind, dass die Indochinakriege richtig waren? Wissen Deine Kollegen davon, dass Du im Grunde Deiner Argumentation auf der Seite der Unterdrücker stehst?

„Wie bereits oben gesagt, wer den Anspruch hat, den durch das staatliche Gewaltmonopol garantierten Privatbesitz an Produktionsmitteln zu überwinden, kommt ohne Konfrontation mit diesem nicht aus.“

Will ich denn den Anspruch auf Privatbesitz abschaffen? Nö. Will ich nicht. Ich lebe gut damit und ich habe kein Interesse daran, meine Situation zu verschlechtern. Will die Mehrheit der Bevölkerung diesen „Wandel“? Will die Politik diesen Wandel? Nö. Wer will denn „den Wandel“? Eine kleine, frustrierte und häufig leistungsscheue Minderheit ist der Meinung, sie müsse mit exzessiver Gewaltanwendung gegen anderer Leute Leben, Gesundheit und Sachwerte Bambule machen. Gefährdet das den Kapitalismus? Nicht ein Stück, im Gegenteil, es feuert ihn sogar an und gibt ihm denjenigen Kristallisationspunkt, der zur inneren Stabilisierung und Rechtfertigung extremerer Gegenmaßnahmen „nach Bedarf“ führt.

Das „System“ kann sich hinstellen und belegen, dass „von Linksaußen“ eine massive Gefahr für jeden droht und kann das anhand der Ausschreitungen malerisch belegen. Die Folge? Das System, der Staat, rüstet auf. Wer verdient daran? Genau! Der Kapitalist. Mit dem bewaffneten Kampf „gegen das System“ wird am Ende das System gestärkt und befördert. Die Ausschreitungen der linksautonomen Szene, die Verweigerung sich dem politischen System und der Kritik zu stellen führt nicht zur Abschaffung des Kapitalismus. Es steigert nicht die Anzahl der Sympathisanten und es steigert auch nicht die Akzeptanz der dahinter stehenden Ideen.

„Überleg doch mal, was du da für ein merkwürdiges Denkkonstrukt präsentierst: im Namen der Bewahrung der Demokratie soll man sich doch bitte dem Elend fügen,“

Welches „Elend“ denn? Wessen „Elend“? Du nimmst für Dich in Anspruch, stellvertretend für die Leute in der Sahelzone zu stehen? Was hast Du denn ganz konkret dafür getan, dass es dort besser wird? Oder streitest Du für eine Verbesserung der Situation in Malaysia? Was hast Du für die Leute dort getan? Alles Augenwischerei, was hier betrieben wird. An der Situation in der Dritten Welt verändert sich gar nichts, wenn hier Steine geworfen werden, denn letztendlich geht es ums Geld. Es geht speziell um das Geld, dass Du nicht hast, andere aber schon.

Es geht um Besitzneid und Frust, dass man eben doch nicht alles geschenkt bekommt, sondern was dafür tun muss. Leistungsprinzip eben, das keine „Erfindung“ des Menschen ist, und damit auch nicht ein Resultat des Kapitalismus, sondern ein grundlegendes Prinzip aller Prozesse: Was erfolgreich ist, setzt sich durch. Es geht den hier Randalierenden um die Befriedigung des eigenen Neides. Neid auf die, die etwas haben. Die Motivation am Ende Deiner Argumentation ist Neid, nicht Gerechtigkeit. Gerecht ist, was legitimiert ist. Die Exzesse der Gewaltanwendung sind nicht legitimiert, weder moralisch noch sonst wie. Sie können nicht „gerecht“ sein. Das ganze Geschwafel um Kapitalismus und Kommunismus ist daher nichts Anderes als ein Deckmantel dafür, dass man selber sein Leben nicht in den Griff bekommt. Dir gefällt es in diesem Land nicht? Wander doch aus! Keiner zwingt Dich hier zu bleiben. Oder willst Du etwa auf die Vorzüge dieser Wohlstandsgesellschaft nicht verzichten? Angst davor plötzlich ohne soziales Netz dazustehen? Ohne die Auswahl bei Aldi? Ohne garantiertes Trinkwasser, Elektrizität? Straßennetz, Müllabfuhr und sogar Musik?

Face it: Die Mehrheit hier will sich von den Linksautonomen nicht „helfen“ lassen (wenn die Ideen der Linksautonomen denn mal eine „Verbesserung“ wären, was zu beweisen man dort noch immer schuldig ist). Sie halten deren Ideen für falsch und lehnen deren Ideologie und Methodik schlichtweg ab. Daran etwas zu ändern wäre der aufzugreifende Faden, nicht das skandieren irgendwelcher Pamphlete, die zwar super abgeschrieben und verinnerlicht wurden (es spricht übrigens nicht gerade für Dich, dass Du versuchst den Text der Antifa Berlin von 2001 als Deinen eigenen zu verkaufen), aber in der Sache den Problemen der Menschen nicht Rechnung tragen. Und genau an der Stelle klemmt es im Denkmodell von Radikal-Links: Es fehlt an den konkreten Vorschlägen, wie es denn besser sein soll. Man soll auf das Erreichte verzichten, damit alle es besser haben? Aus der Sicht des Normalbürgers sehen die Forderungen bislang so aus: Erwin Hübenbecker soll auf den Lohn seiner lebenslangen Arbeit verzichten, damit sich eine stinkfaule Randexistenz durchfressen kann. Das soll Erwin gut finden? Wohl kaum.

„die einzige dem innewohnende Wahrheit ist, dass es mit demokratischer Rechtsstaatlichkeit nicht mehr weit her ist, wenn in relevanter Manier die Basis des bürgerlichen Staates, die kapitalistische Produktion, zur Disposition gestellt wird.“

Die Wechselwirkung von Produktion und Konsum ist nicht nur Basis des „bürgerlichen Staates“, sondern Grundlage jeder menschlichen Existenz.

10 Juni, 2007 13:58  

Blogger Devender schrieb...

das täglich 60.000 Menschen verhungern, Asylanten bei oder nach der Abschiebung sterben, Harz IV EmpfängerInnen verhungern, Frauen und Kinder vergewltigt werden, wird gar nicht als Gewalt registriert -
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Das bezweifel ich stark. Wenn du vom "Partyvolk" redest, wer sich für Politik "mal so garnicht interessiert". Diese wirst du aber auch nicht mit den Gewaltausschreitungen erreichen. Und das ist der einfache Punkt egal wie du Gewalt rechtfertigen willst. Für den großteil der Bürger bleibt es sinnlos. Ihr zerstört etwas das sich nicht großkonzerne sondern Mittel- und Unterschichtler durch einfache Arbeit (und das ist etwas das geschätzt wird, genauso wie Handwerk, Kunst und alles andere im Handelsprozess erwerb- und herstellbare). Dem Bürger dessen in Jahren abgespartes Auto durch eure Demos abbrennt wird sich sicher für euch begeistern können. Der Weg ist hierbei völlig am Ziel vorbei. Und ich wette du wirst mich jetzt der Polemik verurteilen doch erklär mir bitte:
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Wie bereits oben gesagt, wer den Anspruch hat, den durch das staatliche Gewaltmonopol garantierten Privatbesitz an Produktionsmitteln zu überwinden, kommt ohne Konfrontation mit diesem nicht aus. Überleg doch mal, was du da für ein merkwürdiges Denkkonstrukt präsentierst: im Namen der Bewahrung der Demokratie soll man sich doch bitte dem Elend fügen, sonst gibt es nur Ärger
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Wieso du automatisch davon ausgehst dass die Mehrheit der Bevölkerung (Wir leben in einer Demokratie, ne?) auch daraus ausbrechen will?

Ich unterstelle einfach dass dir, bzw der Mehrheit der linksautonomen Szene (nicht nur die!) die Fähigkeit fehlt andere Sicht- und Lebensweisen zu erkennen und zu überdenken.

10 Juni, 2007 14:02  

Anonymous versbeauxtemps schrieb...

Mensch Adger, es geht in dem Text doch eindeutig darum, zu zeigen, wie Gewalt wie die in Rostock stattgefundene als das Andere einer prinzipiell auf Gewalt basierenden Geselllschaft konstruiert wird und deswegen eine solche Faszination hervorruft.

"Die von Dir gezeigte „Analyse“ ist nicht nur einseitig, sondern auch überkommen und unvollständig. Aus der dargestellten einseitigen Sicht abzuleiten, dass das Randalieren, das Zerstören von Sachwerten, Gesundheit und so weiter „richtig“ und „notwendig“ ist, ist nicht schlüssig." Begründe doch mal bitte, was genau "nicht nur einseitig, sondern auch überkommen und unvollständig" ist. Dann kann man das auch konkret diskutieren.

"Wäre der Faschismus erfolgreich gewesen, würden wir diese Debatte gar nicht führen."
Lies halt mal, was ich schreibe: es geht darum, dass der Widerstand gegen den Faschismus erfolglos war und trotzdem richtig. Der Rest deines Erfolgsexkurses ist glaube ich so wenig durchdacht, dass er vermutlich nicht mal für dich wirklich Basis einer Beurteilung darstellt: du hättest ansonsten wohl auch nach dem erfolgreichen Überfall auf Polen 1939 dem erfolgreichen Führer zugejubelt und Nikita Chruschtschow 1959 beim Sputnikschock, Mao und Lenin nach der Revolution? Sicher nicht, weil der bloße Erfolg für dich auch nicht das Kriterium der Beurteilung ist. Ansonsten sag ich dir: die Krawallen in Rostock waren gemessen an dem Maßstab, den du ihr attestierst, nämlich Krawall und Remmidemmi zu machen, sehr erfolgreich. Findest du die jetzt auch gut?

"Damit stimmst Du zu, dass es richtig war, dass China in Tibet einmarschiert ist, dass die USA im Irak einmarschiert sind, dass die Indochinakriege richtig waren? Wissen Deine Kollegen davon, dass Du im Grunde Deiner Argumentation auf der Seite der Unterdrücker stehst?" Hä? Wenn du Verständnisfragen hast, frag nochmal nach, mir ist nicht klar, was du mir damit sagen willst...

"Welches „Elend“ denn? Wessen „Elend“? Du nimmst für Dich in Anspruch, stellvertretend für die Leute in der Sahelzone zu stehen? Was hast Du denn ganz konkret dafür getan, dass es dort besser wird?" Ich versuche z.B. gerade dir zu erklären, dass die dort herrschende Gewalt eine notwendig kapitalismusimmanente ist und glaube, dass das mehr zu einem potentiellen wirklichen Ende der Gewalt beiträgt als Alibispenden und Mitleid.

"Es geht speziell um das Geld, dass Du nicht hast, andere aber schon.

Es geht um Besitzneid und Frust, dass man eben doch nicht alles geschenkt bekommt, sondern was dafür tun muss. Leistungsprinzip eben, das keine „Erfindung“ des Menschen ist, und damit auch nicht ein Resultat des Kapitalismus, sondern ein grundlegendes Prinzip aller Prozesse: Was erfolgreich ist, setzt sich durch. Es geht den hier Randalierenden um die Befriedigung des eigenen Neides. Neid auf die, die etwas haben. Die Motivation am Ende Deiner Argumentation ist Neid, nicht Gerechtigkeit." Es ist schon immer witzig, dass in Ermangelung guter Argumente immer wieder irgendwelche Psychologisierungen über die vermeintlich "tatsächliche" Motivation von Leuten kommen. Ich habe reiche Eltern und auch ansonsten keine großartigen Probleme. Und jetzt? Werden meine Argumente dadurch besser oder schlechter?

"Die Wechselwirkung von Produktion und Konsum ist nicht nur Basis des „bürgerlichen Staates“, sondern Grundlage jeder menschlichen Existenz."
Genau, deswegen hat es auch vor der Entstehung des Kapitalismus (du weißt im Übrigen immer noch nicht, worüber du da eigentlich redest) auch keine menschliche Existenz gegeben...

"Wieso du automatisch davon ausgehst dass die Mehrheit der Bevölkerung (Wir leben in einer Demokratie, ne?) auch daraus ausbrechen will?"
Davon gehe ich nicht aus, deswegen diskutiere ich ja hier mit euch und versuche, diesen Zustand herbeizuführen.

"Das bezweifel ich stark. Wenn du vom "Partyvolk" redest, wer sich für Politik "mal so garnicht interessiert". Diese wirst du aber auch nicht mit den Gewaltausschreitungen erreichen. Und das ist der einfache Punkt egal wie du Gewalt rechtfertigen willst." Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich die Riots für eine großartige agitatorische Strategie halte. Es geht lediglich darum, aufzuzeigen, dass diejenigen, die sich mit moralischem Gestus anschließend über die "Chaoten" empören, selbst ein System konstituieren und reproduzieren, gegen dessen strukturelle Gewalt Ausschreitungen auf Demos halt nichts als ein Witz sind.

10 Juni, 2007 16:13  

Blogger Adger schrieb...

"Es geht lediglich darum, aufzuzeigen, dass diejenigen, die sich mit moralischem Gestus anschließend über die "Chaoten" empören, selbst ein System konstituieren und reproduzieren, gegen dessen strukturelle Gewalt Ausschreitungen auf Demos halt nichts als ein Witz sind."

Und? Dieses System stellt jetzt mein erfolgreiches Überleben sicher und deshalb befürworte ich es. Die Utopie, der die "andere Seite" nachhängt, ist bislang jeden Beleg darüber schuldig geblieben, dass sie das auch zu leisten überhaupt in der Lage ist. Ich soll einem System vertrauen, dass seine Grundlage darin sieht, durch den "bewaffneten Kampf" gegen die Gesellschaft das "Gute" für die Gesellschaft zu erreichen zu suchen? Ich soll Leuten vertrauen, die es als legitime politische Meinungsäußerung verstehen, andere Menschen zu verstümmeln? Das kann nicht Dein Ernst sein. Vertrauen ist die Grundlage für Unterstützung und dieses Vertrauen schafft diese "Bewegung" überhaupt nicht, im Gegenteil. Das aktuell etablierte System hat meine Unterstützung und mein Vertrauen und ich bin bereit, nach den Regeln dieses Systems zu "spielen", denn es hat sich mein Vertrauen erarbeitet und damit "verdient". Ich bin der Meinung, dass dieses System für mich im Prinzip richtig ist, weil es für mich erfolgreich funktioniert. Es ist hier und da bestimmt zu verbessern, keine Frage, aber im Kern leistet es das, was nicht nur ich, sondern die große Mehrheit der hiesigen Gesellschaft für gut und richtig hält. Sicher kann man lange und tolle Diskussionen darum führen, wie grausam und ungerecht dieser Staat doch in manchen Einzelfällen ist und wie toll doch eine Gesellschaft wäre, in der alles jedem gehört und so weiter. Irgendjemand verreckt, weil er in sein Heimatland abgeschoben wird, weil er nach den dort geltenden Regeln Scheiße gebaut hat? Jammerschade. So wenig, wie die Linksautonomie auf Einzelschicksale Rücksicht nimmt, so wenig können dann auch Einzelschicksale als Argument herangezogen werden. Tausende von Hartz IV-Empfängern verhungern? Das halte ich für schlichtweg gelogen. Es ist reichlich blödsinnig zu behaupten, dass es eine Folge dieses Systems wäre, dass Menschen vergewaltigt werden. Vergewaltigungen passieren überall. 60.000 Menschen verhungern täglich? In Deutschland? Wohl kaum, aber sei es drum. Ich bin ganz bestimmt ganz alleine Schuld am Tod jedes Einzelnen dieser abertausenden Menschen. Und weißt Du was? Selbst wenn es entgegen jeder Wahrscheinlichkeit und Logik so wäre: Ich kann trotzdem ruhig schlafen. Es geht mir hier in Deutschland gut und das bezeichne ich als Erfolg dieses Systems, an dem ich teilhabe. Andere haben daran nicht Teil? Sollen sie sich halt etwas Eigenes schaffen. "Erfolg der Systeme", Erfolgsprinzip. Da war doch was, oder? Ich soll gegen meinen eigenen Wohlstand ankämpfen? Warum denn? Ich kann dabei nur verlieren. Es ist mir unabhängig davon herzlich egal, wie irgendjemand meint, sein Leben führen zu müssen oder welche politischen Ideen ihm oder ihr durch den Kopf spuken. Jemand meint in einem radikal anderen System leben zu müssen, als dem hier etablierten? Bitte sehr! Dies ist ein freies Land, niemand ist gezwungen hierzubleiben, es gibt genug andere Länder. Ihr wollt doch "nur" etwas verändern? Prima! Verschafft Euch eine tragfähige Mehrheit, aber bitte mit den Methoden, die die Gesellschaft hier auch mehrheitlich sanktioniert und nicht mit solchen, die ihr Euch selber schön redet, vom Rest allerdings als Straftat verstanden werden. Stellt Euch dem politischen Diskurs. Ach das traut ihr Euch nicht, weil Euch das System ja so hartnäckig benachteiligt? Jammerschade. Ihr wollt stattdessen lieber den bewaffneten Kampf? Viel Spaß dabei. Eher früher als später wird "das System" die Herausforderung annehmen und sich dem bewaffnet entgegenstellen. Welches Geheul dann losgeht, kann ich mir schon jetzt sehr gut vorstellen.

10 Juni, 2007 17:57  

Anonymous DeichShaf schrieb...

---Zitat---
Im Kapitalismus gibt es keine Clique von Drahtziehern (z.B. die G8), die den Menschen unter ihre Knute zwingt, sondern die personale Herrschaft z.B. des Feudalismus ist in eine sachliche Herrschaft transformiert, deren Zwang den Kapitalisten und Politiker (wenn auch natürlich mit anderer Qualität) genauso betrifft wie den Lohnarbeiter.
---Zitat Ende---

@versbeauxtemps:

Ich bin sprachlich nicht unbegabt und mit allerlei interessanten Wortspielen und nicht unbedingt alltagsgebräuchlichen Wörtern durchaus vertraut.

Zu dem obigen Absatz und auch dem Rest Deiner Beiträge habe ich eine bescheidene Frage, die Du bitte nicht als Affront auffassen sollst, sie ist bitter ernst gemeint.

Wieso benutzt Du phrasen, die schon zu Zeiten Lenins und Marx' benutzt wurden und wieso bedienst Du dich eines Wortschatzes, den die von Dir angesprochene Lesergruppe ("Lohnarbeiter") zu verarbeiten keine Lust hat, weil sie nicht in ihrer Sprache geschrieben ist?

Unabhängig davon wüsste ich noch gerne, was Du mir (und den anderen Lesern) mit genau dem oben zitierten Absatz sagen willst. Mir jedenfalls will sich der Sinn nicht auf Anhieb erschließen.

11 Juni, 2007 13:51  

Blogger Benedikt schrieb...

Insgesamt kann man zusammenfassen, das links-, sowie auch rechtsradikale Tendenzen in Deutschland nicht einem Abbild der Gesellschaft entsprechen und somit nicht politisch, und gesellschaftlich akzeptiert sind.

Im Prinzip entstammen beide Bewegungen dem sozialen Neid. Alte "Feindbilder" werden weitergeführt.

Ob das jetzt bei den Rechten der Juden- und Ausländerhass ist, der im dritten Reich entstand, bzw. stark gefördert wurde, aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Verbindung mit der sehr effektiven Propagandamaschine, als auch bei den Linken, wo dies aus dem Besitzneid gegenüber der Monarchie entsprang.

Die Linke wird eher belächelt, die Rechte schon als gefährlicher eingestuft, aber aufgrund der Anzahl der Ausschreitungen kann man dies beides vernachlässigen, wenn man dies an anderen europäischen Ländern vergleicht (z.B. Frankreich)

Von daher finde ich es im grossen und ganzen eigentlich total überflüssig darüber zu diskutieren.

Jeder mag seine Meinung sagen, aber Veränderungen und Meinungsänderungen herbeizuführen, besonders im radikalen Lager wird hier niemand schaffen.

12 Juni, 2007 01:55  

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