Freitag, 6. April 2018

Was spaltet Deutschland?

Infratest / Dimap führt regelmäßig Umfragen durch. Monatlich auch zum Thema "Deutschlandtrend". In den Umfragen soll eine generelle Tendenz der Meinungen und Empfindungen der Bürger zu diesem unseren Lande mit seinen blühenden Landschaften und der sicheren Rente erfasst werden. Für den April hat sich Infratest unter anderem mit der Frage an das Volk gewandt, was denn wohl die größten Probleme in Deutschland wären, welche Themen die Bevölkerung am stärksten spalten.

Vor dem Hintergrund, dass meine Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärung das Ziel äußerte, sie wolle bis zum Ende der Legislaturperiode Spaltungen in der deutschen Gesellschaft überwinden, ist diese Frage doch schon interessant. Infratest fand heraus:

Okay, die Geschichte mit arm und reich war zu erwarten. Wenn sich die Oberen der Gesellschaft so viel Mühe geben, Armut wegzudiskutieren, wie in der jüngeren Vergangenheit malerisch am Beispiel der Causa "Tafel Essen" und "Hartz IV" zu beobachten, dann sollte selbst an Politik und Gesellschaft gänzlich desinteressierten Beautyblog-Abonnenten klar werden, dass da irgendetwas im Argen ist. Wenn mehr als ein Viertel der Gesellschaft das Thema aber als "sehr großes" Problem erkennt, scheint es zur kaum in Worte zu fassenden Überraschung aller doch tatsächlich ein wenig zu brennen. Ist natürlich eine "ganz neue" Entwicklung, die niemand vorhersehen konnte. Quasi alternativlos. Ach nee, das war was Anderes.

Auch das Thema "Islam" hat es ja nun nicht gänzlich unerwartet auf die Spitzenplätze dieser Umfrage geschafft. Allerdings bezweifle ich, dass die sich negativ Äußernden wirklich verstanden haben, was sie da sagen, denn: "Der Islam"? Dieser eine Islam, ja? Diese eine, alles umfassende Auslegung... Sei es drum, ich schweife ab. Gemeint haben die wahrscheinlich das, was Onkel Hotte auch gerne von sich gibt. "Islam" ist eben ein wunderschönes Etikett für "alle Flüchtlinge" die ausschließlich hierherkommen, um unser Sozialsystem zu plündern. Und unsere Jobs zu klauen. Und uns die Frauen wegzunehmen. Und Burka müssen wir auch alle tragen! Oder so ähnlich.

Etwas überrascht hat aber selbst mich dann doch, dass "geringe Toleranz gegenüber anderen Meinungen" nicht nur Gegenstand der Umfrage, sondern es auch direkt auf Platz drei der die Gesellschaft spaltenden Themen geschafft hat: 76% (sechsundsiebzig!) der Bevölkerung halten fehlende Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen für ein die Gesellschaft spaltendes Problem. Merke: Meinungen sind nicht nur wichtiger als Fakten, auch haarsträubend falsche Meinungen sind von Dir gefälligst als gültig, richtig und wahr zu akzeptieren, Du Gesellschaftsspalter! Merk Dir das gefälligst!

Ob den so Antwortenden klar ist, dass Religion am Ende auch nur eine Meinung ist? Aber vermutlich verstehe ich das Problem wieder nicht.

1 Kommentar:

  1. Du verstehst das Problem nicht.

    *scnr*

    Ich war eine gewisse Zeit lang unter denen, die regelmäßig befragt wurden. Infratest hat mich um Erlaubnis gefragt, ich hatte Lust und man hat dann im Abstand von vier Wochen bei mir angerufen. Es wurden mir dann in einem Interview Fragen zu allerlei Themenfeldern der Tagespolitik gestellt. Diese Interviews sind nicht "mal eben schnell" erledigt, sondern sie dauern je nach Fragestellungen und Fragenkatalog durchaus mal eine knappe Dreiviertelstunde und man ist selten in weniger als 30 Minuten damit durch, wenn man es gewissenhaft beantwortet.

    Das war im Jahre 2006. Mir haben nach dem vierten oder fünften Termin die stellenweise doch recht suggestiv vorgelegten Fragen missfallen, denn sie verleiten dazu, dass man Antworten gibt, die der Fragesteller hören will. Ich habe das mehrfach im Rahmen der Interviews zum Ausdruck gebracht und man versicherte mir, dass die Fragen so abgelesen werden und nicht vom Interviewer verändert werden dürfen. Insofern stehe ich solchen Umfrageergebnissen mit einer gesunden Portion Skepsis gegenüber: Wenn Suggestivfragen gestellt werden, deren Suggestion auf eher subtile Weise erfolgt (etwa durch bestimmte Fragestellungen verschiedener Themen direkt hintereinander oder durch Verneinungen bei ansonsten positiv konnotierten Themen), dann kann, wenn der Querschnitt durch die Bevölkerung wirklich alle Grade des Intellektes und der Allgemeinbildung abbildet, durchaus von einer leicht bis mittelschwer verfälschten Darstellung von Tatsachen ausgehen.

    Ich gehe also davon aus, dass da wirklich diese Fragen gestellt wurden und dass auch das Ergebnis in etwa so hinkommt, wobei man ein paar Prozentpunkte durchaus abziehen muss, um die Dramatik mal herauszunehmen.

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