Montag, 19. März 2018

Demokratie 2.01 - Was Firmen für Parteien tun

Ich erwähnte Cambridge Analytica (CA) im Zusammenhang mit Facebook und der Datenauswertung. Vielen ist entgangen, welche Rolle diese Firma spielt. Sie hat sich darauf spezialisiert, "Wahlkampfhilfe" zu betreiben. Zu diesem Zweck war sie unter anderem am Wahlkampf von D. Trump beteiligt.

Channel 4 gelang zwischen November 2017 und Januar 2018 eine umfangreiche Undercover-Aktion, bei der Cambridge Analytica recht frei von der Leber weg erzählte, was denn wohl so ginge. Ein Reporter von Channel 4 gab sich als Vermittler für einen wohlhabenden Kunden, der ihm genehme Kandidaten in den kommenden Wahlen in Sri Lanka positionieren wollte. Der CEO Alexander Nix gab zu, dass CA heimlich in Kampagnen rund um den Globus beteiligt sei. Dazu gehört auch ein Netz aus Tarnfirmen und Subunternehmer. Wörtlich sagte er:

"...wir sind gewohnt, mit verschiedenen Methoden im Schatten zu arbeiten und ich sehe dem Aufbau einer sehr langfristigen und geheimen Beziehung mit Ihnen entgegen"

In einem der Gespräche ging es um das Ausgraben von Material über politische Gegner. Mr Nix sagte, dass man "ein paar Mädchen zum Haus des Kandidaten beischicken könnte." Er fügte hinzu, dass Frauen aus der Ukraine sehr hübsch wären und er die Erfahrung gemacht hat, dass dieses Vorgehen sehr gut funktioniert

bei anderer Gelegenheit sagte er, dass dem Kandidaten eine enorme Summe Geld zur Finanzierung seiner Kampagne angeboten wird. Als Gegenleistung für Grundstücke, zum Beispiel. Das ganze wird heimlich gefilmt und hinterher ins Internet gestellt.

Immerhin: Das Spitzenpersonal von CA hat Erfahrungen aus erster Hand mit "heimlichen Videoaufnahmen". Deshalb dürften die Enthüllungen von Channel 4 die Firma jetzt kaum überraschen.

CA gab freimütig zu, soziale Medien regelmäßig als Plattform für belastendes Material zu nutzen. Dabei würde sorgsam darauf geachtet, die Veröffentlichung nicht als Propaganda erscheinen zu lassen. Sobald etwas als "Propaganda" gebrantmarkt wird, fangen die Leute an, die Quelle der Veröffentlichung zu suchen. Da viele Kunden nicht dabei erwischt werden wollen, wie sie mit ausländischen Firmen zusammenarbeiten, würde CA regelmäßig Firmen im Land des Auftraggebers gründen, Personalien und Webseiten erfinden und aufbauen. Dabei ist es egal, ob CA als Studenten während eines Forschungsprojekts oder Touristen erscheint. Alles sei möglich und man habe eine Menge Erfahrung darin.

Während der Treffen gaben die Geschäftsführer von CA regelmäßig damit an, dass sie und auch das Mutterunternehmen Strategic Communications Laboratories (SCL) an mehr als 200 (zweihundert) Wahlen rund um die Welt beteiligt gewesen sind, darunter in Nigeria, Kenia, der Tschechischen Republik, Indien und Argentinien.

Übrigens ist es eine Straftat, auch in England (UK Bribery Act) und den USA (US Foreign Corrupt Practices Act), Bestechung irgendwo auf der Welt auch nur anzubieten. CA hat Firmensitz in England und ist als Firma in den USA registriert...

Parallel zu diesen Enthüllungen heute geriet Mark Zuckerberg, CEO von Facebook, heute ein wenig unter Druck, als ihn Politiker aus der EU und den USA anriefen und Erklärungen verlangten für die Rolle, die Facebook in diesem Debakel spielt. Wie konnte eine am Wahlkampf eine Präsidentschaftsbewerbers an die Daten von 50 Millionen Facebook Usern herankommen?

Als Folge darauf stürzte die Aktie von Facebook an der Börse ab. Das handelsblatt kommentierte das lapidar: "Seit dem Hochkochen der Datenaffäre haben die Papiere des Unternehmen mehr als neun Prozent nachgegeben und rund 50 Milliarden Dollar an Börsenwert ausgelöscht." Dies ist der größte Kursverlust des Unternehmens seit September 2012, als Investoren befürchteten, dass eine neue Gesetzgebung die Werbeeinnahmen des Unternehmens beschneiden könnte. Ein Juraprofessor der Universität Maryland sagte, dass der Deckel von Facebooks Blackbox der Datensammlung und -Verarbeitung gehoben wurde und was wir zu sehen bekommen, sieht nicht gut aus.

"Nicht gut" haben heute, glaube ich, eine Menge Leute gesagt, denn: Bei den Summen, um die es hier geht, dürfte klar sein, dass CA nicht die einzige Firma ist, die...

Cambridge Analytica Uncovered: Secret filming reveals election tricks


 

Youtube, erweiterter Datenschutzmodus aktiviert

[ Update ]

CA hat im Vorfeld versucht, die Ausstrahlung der Reportage zu verhindern. Dh. die Firma wusste vor Ausstrahlung von den anstehenden Veröffentlichungen. Parallel dazu versucht die englische Regierung, bzw. das Parlament einen Gerichtsbeschluss zu erwirken, der dem Staat unbegrenzten Zugriff auf die Server von CA erlaubt. Grundlage dafür soll unter anderem das unkooperative Verhalten der Firma im Zusammenhang mit der laufenden Untersuchung sein.

Die Firma selbst hat zu den Anschuldigungen durch Channel 4 Stellung genommen. Sie weist alle Anschuldigungen zurück. Die im Video gezeigten Aussagen der Firmenchefs wären bewusste Übertreibungen gewesen, weil man erkannt hätte, dass die Anfragen des Undercover Reporters auf keinen Fall ernst gemeint sein konnten. Um der Show willen und um herauszufinden, wohin das alles führt, hätte man aber mitgespielt. Im Nachhinein betrachtet, sei das ein Fehler gewesen, so CA.

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