Dienstag, 1. April 2008

Emails weg?

BriefSeit lange Jahren bin ich grundsätzlich zufriedener Kunde bei der Telecom und T-Online. Ja, diese Firma ist mit ihren Angeboten teurer als viele Mitbewerber. Das weiß ich. Trotzdem bleibe ich bislang bei diesem Anbieter, weil nach meiner Erfahrung die Technik grundsolide funktioniert und dem Kunden sogar geholfen wird, wenn er denn dazu in der Lage ist, sein Problem auch prägnant zu vermitteln. ;ir wurde jedenfalls bisher immer zu meiner Zufriedenheit geholfen und das weit überwiegend auch noch ziemlich schnell.

Okay, dass bei mir seit ich ISDN habe die Rufnummernübermittlung von meiner Seite aus nicht funktioniert und das trotz mittlerweile sieben Umzügen, auch in andere Städte, nehme ich inzwischen als "gottgegeben" hin. Generationen von Technikern verzweifelten bereits an diesem Problem und konnten immer nur bestätigen "es liegt nicht an ihnen..." Sei es drum, ich nehme das inzwischen mit Humor.

Seit einiger Zeit jedoch fallen mir immer wieder "fehlende Emails" auf. Diverse Accounts zur Administration verschiedenster Zwecke sollten mir eigentlich Emails an meinen T-Online Account schicken. Sollten. Eigentlich. Das Problem ließ sich trotz intensivster Fehlersuche nicht klären. Bis heute.

Gerade las ich auf nämlich auf heute.de, dass sich T-Online damit rühmt, kaum noch Spam-Mails zuzustellen. Solche Spam-Mails würden von den Mailservern bei T-Online automatisch abgewiesen. Man sei sehr stolz auf das neue System. "Wir haben unseren Plattformschutz optimiert", freut sich T-Online. "Dies dient dazu, den technischen Betrieb unserer Infrastruktur abzusichern und verschont unsere Kunden vor Spam" frohlocken die Betreiber. Wenn das System mit hinreichender Sicherheit davon überzeugt ist, dass es sich bei einer E-Mail um Spam handelt, wird die Annahme verweigert. "Hinreichende Sicherheit"? Was ist "hinreichend" und wer definiert das?

Nun, ich hab mir die Mühe gemacht und in den T-Online Foren nachgelesen. Die paar Beiträge zu dem Thema, die nicht zensiert wurden, sprechen eine andere Sprache. Dutzendfach klagen User darüber, dass auch "legitime" Emails nicht zugestellt werden. T-Online sieht das Problem nicht bei sich, sondern bei allen anderen. Selbstverständlich gäbe es keinen automatischen Spam-Filter, der 100% zuverlässig arbeitet, aber das ist schließlich kein Grund, einen solchen Filter nicht zu verwenden. Das aktuelle System, auf das man sich bei T-Online fürchterlich einen einbildet, sei über Jahre hinweg verbessert worden und deshalb gut.

Gut bedeutet in diesem Fall, dass bloß 2-25% der gewünschten Emails fälschlich als Spam abgewiesen werden. Eingriffsmöglichkeiten der User gibt es nicht, denn der Bouncer arbeitet oberhalb derjenigen Ebene, auf die User überhaupt Zugriff haben, nämlich direkt bei der Annahme durch den Mailserver, der die dann wiederum die eingehenden Mails an die einzelnen Konten der User weiter verteilt. Der Haken? Der User erfährt nichts davon. Der Absender sollte eine Bounce-Mail bekommen, die ihn darüber informiert, dass seine Mail abgewiesen wurde.

Nun, ich weiß nicht, wie man sich das bei T-Online vorstellt, aber ich sehe da mehr als ein Problem: 2-25% falsche Bounces sind alles Andere als "trivial". Wenn die Post 2-25% der Briefe nicht zustellt, gäb es ziemlichen Stress, wetten? Es gibt dutzende automatisierte Systeme, die eingehende Mails komplett ignorieren oder verwerfen oder - noch schlimmer - eingehende Mails als Beschwerde verstehen und die entsprechende Emailadresse aus dem Verteiler löschen. Besonders bei Newslettern ist das nicht selten der Fall. Woher soll ich wissen, warum mein Newsletter "plötzlich" nicht mehr bei mir ankommt?

Richtig katastrophal wird es jedoch, wenn Mails von Geschäftskunden nicht zugestellt werden. Davon berichten nämlich auch etliche hoch erfreute T-Online Benutzer im Forum des Providers. Wie soll ein Kunde, der lediglich diese eine Emailadresse hat mit mir Kontakt aufnehmen, wenn seine Mails alle als Spam geblockt werden? Telepathie? Nachschauen kann der Kunde selber schließlich nicht, denn die Emails landen nicht, wie zB. bei Gmail, in einem "Spam"-Ordner, wo sie manuell selektiert werden könnten.

T-Online sieht das alles sehr gelassen. Ein Erfolg gegen den Spam sei das. Einzelschicksale sind zwar bedauerlich, aber unvermeidlich. Das Problem ist nicht der Mailserver von T-Online, der die Annahme verweigert sondern das absendende System. Oder aber der User, der auf die Mail wartet. Oder aber generell der Kunde. Der kann sich ja darum kümmern, dass er von den nicht an ihn zugestellten Emails erfährt. Wie er das machen soll, das ist natürlich das Problem des Kunden und nicht das von T-Online, denn da mache man ja alles richtig.

Ich habe es mir erspart, mich in den T-Online Foren mit den ausschließlich "wir sind toll, ihr seid doof" antwortenden Mitarbeitern dieses Serviceproviders auseinander zu setzen. Es bringt nichts, wie viele frustrierte Beiträge von Anwendern zeigen. Darum habe ich schlicht meine Emailadressen alle umgestellt und benutze jetzt ausschließlich solche von anderen Anbietern.

Was soll ich sagen? Während ich diesen Text schreibe klingelt es an der Tür. Zwei Jungen in schlecht sitzenden Anzug stehen da, strahlen mich an und wollen mir die neuesten Produkte der Telekom und T-Online verkaufen. Das finde ich toll, darum schlage ich vor, dass sie mir doch als allererstes funktionierende Email-Accounts verkaufen sollen. Das Lächeln friert ein. Wie ich das denn meine. Ich schildere das Problem. Ihr Vorschlag? Ich sollte mich an das Forum wenden, da würde man mir helfen. Nein, entgegne ich, da wird nicht geholfen. Siehe oben. Ja dann sollte ich bei der Hotline anrufen.

Bei der Hotline wiederum hatten schon etliche Forenbenutzer angerufen und ihre Erlebnisse mitgeteilt: Dort weiß man nicht mal, dass es einen solchen Spam-Filter bzw. -Bouncer überhaupt gibt. Auch das ließ ich die Jungs wissen. Ja das wäre ja nicht so gut, aber die beiden könnten mir jetzt auch nicht helfen. Das wäre aber bestimmt alles nicht so schlimm und würde sich bestimmt schnell wieder einrenken.

Nun, daran habe ich so meine Zweifel, denn T-Online will das Mailaufkommen reduzieren, denn die Mengen, mit denen T-Online zu tun hat, fordern massiv Ressourcen und die sind teuer. Sparen ist aber die Devise. Also muss das Mailaufkommen insgesamt reduziert werden. Und was ist ein sicherer Weg, um das zu reduzieren? T-Online hat ihn gefunden: Erkläre den Kunden zum Problem und weise einfach alle an ihn gerichteten Mails ab...

Nur so aus Neugierde: Kennt jemand einen zuverlässigen, guten ISP, der besser, günstiger und technisch ausgereifter als die Telekom ist und in Oldenburg verfügbar ist? Kommt mir bitte nicht mit EWE-Tel, die zum Teil dramatischen Erfahrungen im unmittelbaren Freundeskreis sprechen Bände...

5 Kommentare:

  1. Leite die Mails einfach auf ne andere Mailbox um, auf der man den vollen Zugriff hat.

    Dürfte einfacher und stressfreier sein, als direkt den ganzen ISP zu wechseln.

    AntwortenLöschen
  2. "Kommt mir bitte nicht mit EWE-Tel, die zum Teil dramatischen Erfahrungen im unmittelbaren Freundeskreis sprechen Bände..."

    Kann ich aus eigener und anderer Erfahrung nicht bestätigen - im Gegenteil, ich bin heilfroh, daß es EWEtel gibt.

    AntwortenLöschen
  3. Klar, das Umleiten ist auch erstmal die angesagte Lösung, nur trotzdem nervig.

    Und Ewe-Tel... ich habe im engeren Bekanntenkreis vier User, die Ewe-Tel haben oder hatten oder haben wollten. Bei zweien war bereits die Bereitstellung ein Desaster, beim dritten schaltete das Unternehmen alle mögliche, nur nicht die bestellten Leistungen, schob dafür aber die "Schuld" wechselweise dem Kunden oder der Telekom in die Schuhe, der natürlich immer Schuld daran ist, wenn eine Telefonleitung gar nicht betriebsbereit geschaltet ist und beim vierten dauerte es so dermaßen lange, bis Ewe-Tel sich überhaupt zu irgendetwas bequemte, dass der gute Mann inzwischen gar nicht mehr im Einzugsbereich dieses Unternehmens wohnt und jetzt vor ein paar Tagen per Nachsendeantrag die Bestätigung zugesandt bekam, das man "demnächst" ganz bestimmt seinen Anschluss mal aufschalten wolle. Beantragt hatte er den Anschluss vor einem dreiviertel Jahr. Darum: Ewe-Tel? Nein.

    AntwortenLöschen
  4. Nimm für Mails www.spamfreemail.de. Kostet nix und funktioniert hervorglänzend. Kannst auch den gebührenpflichtigen Account nehmen, aber meine Erfahrung zeigt, dass man gut auch mit der kostenlosen Variante auskommt.

    Von den seit Bestehen dieses Services gefilterten Mails waren bei mir noch nie irgendwelche false positives dabei - seit acht Jahren.

    Und wenn das mit dem Account nicht klappt (weil Jens keine neuen Kunden annehmen will) dann melde Dich bei mir: Ich kann Dir einen Account adger@bezahlts.net mit POP3/SMTP einrichten, der garantiert genau so wie spamfreemail.de funktioniert, denn das liegt auf dem gleichen Server. Speicherplatz ist dabei kein Problem...

    AntwortenLöschen
  5. Achja: ansonsten schließe ich mich arno an - wozu den ISP wechseln, wenn Du einfach nur eine neue Mailadresse kommunizieren musst, damit wieder alles ankommt? Wenn Du die Telekom verlässt, bist Du die @t-online.de-Adresse ohnehin los (es sei denn Du bezahlst weiter dafür)

    AntwortenLöschen

Bedingt durch die DSGVO müssen Kommentare zu Beiträgen der Tapirherde manuell freigeschaltet werden, um um der Veröffentlichung von Spam-, Hass- oder sonstiger unerwünschten Kommentaren vorbeugen zu können. Die Veröffentlichung eines Kommentars kann deshalb ein wenig dauern. Sorry dafür.
Wenn Sie Beiträge auf Tapireherde kommentieren, werden die von Ihnen eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. die IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Weitere Infos dazu finden Sie in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.