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Montag, Oktober 24, 2011

Too little, too late.

Written by Adger
Im Bundestagsnewsletter (Nr. 421) von heute stand folgendes zu lesen:

Enquete-Kommission, Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität (Anhörung)
Berlin: (hib/KOS) Angesichts bedrohlicher Umweltgefährdungen und wachsender ökonomischer Probleme sieht Dennis L. Meadows die dringende Notwendigkeit, mit Nachdruck einen Kurswechsel im Sinne der Nachhaltigkeit einzuschlagen. Vor der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ äußerte sich der US-Ökonom am Montagnachmittag jedoch pessimistisch, was die Chancen zur Umsetzung entsprechender Reformen angeht. Der fortschreitende Klimawandel, die Verknappung der Ressourcen oder der wachsende Gegensatz zwischen Arm und Reich lehrten, dass es für eine „nachhaltige Entwicklung eigentlich schon zu spät ist“. Der emeritierte Professor warf Politik wie Bürgern vor, vorwiegend an kurzfristigen Vorteilen statt an langfristigen Erfordernissen interessiert zu sein.
Stellt sich die Frage, wer wen wie steuert und wer wie gegensteuern kann, falls überhaupt. Interessant finde ich, dass "die Wirtschaft" als Schuldiger nicht genannt wurde. Mit anderen Worten: Die Wirtschaft kann nichts dafür, die tut ja nur, was Bürger und Politik verlangen. Ich habe Zweifel an dieser Sichtweise, denke aber, dass das jetzt eher ein Nebenschauplatz und Haarspalterei ist.

Der Ausschuss unter dem Vorsitz der SPD-Abgeordneten Daniela Kolbe wollte mit dem 69jährigen, Co-Autor der 1972 vom Club of Rome veröffentlichten Studie zu den „Grenzen des Wachstums“, über eben dieses Thema diskutieren. Das Gremium soll das rein ökonomisch und quantitativ ausgerichtete Bruttoinlandsprodukt als Messgröße für gesellschaftliches Wohlergehen weiterentwickeln und etwa um ökologische, soziale und kulturelle Kriterien ergänzen. Letztlich soll die Arbeit der Kommission in die Definition dessen münden, was als qualitatives Wachstum gilt und wozu beispielsweise die Entkoppelung des Ressourcenverbrauchs von der Steigerung der Wirtschaftsleistung gehört.

Meadows sagte massive Probleme auch ökonomischer Natur voraus, wenn es nicht zu einer Begrenzung des Wachstums komme. Dies werde nicht erst in ferner Zukunft, sondern in einem überschaubaren Zeitraum der Fall sein: „Bis 2030 wird es Veränderungen in einem Ausmaß geben wie insgesamt in den vergangenen 100 Jahren.“ Allein das weitere Anwachsen der Weltbevölkerung, so der Systemanalytiker, werde den Ressourcenverbrauch spürbar vergrößern. Schon die Expertise von 1972 habe prognostiziert, dass das Wachstum bis 2000/2010 zwar weiter voranschreiten werde. Doch danach werde die hinter dieser Entwicklung stehende Politik zu wirtschaftlichen Einbrüchen führen.
"Massive Probleme"? "Auch ökonomischer Natur"? Probleme außerhalb der Ökonomie sind historisch meistens politisch oder sozial. Massive Probleme in diesem Kontext sind (und waren) nicht selten Systemzusammenbrüche, Revolutionen und auch Kriege.

Meadows warnte davor, bei dem Versuch, die ökologisch negativen Folgen des Wachstumskurses einzudämmen, zu sehr auf den natürlich notwendigen technischen Fortschritt zu setzen. So nehme trotz aller technologischer Effizienzsteigerungen der Kohlendioxidausstoß weiter zu. Auch der vorbildliche Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland habe diesen Trend nicht stoppen können. Der Wissenschaftler sieht die zentrale Aufgabe darin, ein niedrigeres Niveau der Wirtschaftsleistung, das im ökologischen Interesse erforderlich ist, mit dem sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu verbinden. Meadows räumte im Übrigen ein, 1972 unterschätzt zu haben, in welchem Umfang der technische Fortschritt seither die Nahrungsmittelproduktion auszuweiten vermochte.
Mit anderen Worten: Ein geringes Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen, um das Auseinanderbrechen der Gesellschaft zu verhindern? Ist es wirklich schon so schlimm?

Harte Kritik übte der US-Ökonom an der Politik, die nur den kurzfristigen Effekt und nicht langfristige Notwendigkeiten im Auge habe. Die Erfordernisse einer nachhaltigen Entwicklung verursachten nun mal zunächst Kosten ohne sichtbaren Nutzen, während sich die Vorteile eines solchen Kurswechsels erst später zeigten würden. Meadows monierte, dass sich die Politik wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa über die Gefahren für das Klima nicht im nötigen Maße öffne. Die Kritik von 1972 sei jedenfalls in der Politik folgenlos geblieben. Auch viele Bürger wollten heute keine Opfer im Interesse des langfristigen Nutzens bringen.
Na ob das, was 1972 schon keine positiven Auswirkungen auf Denken und Handeln hatte, heute entsprechend umgesetzt wird? Ich habe da meine Zweifel.

Vom CDU-Abgeordneten Matthias Zimmer wurde Meadows gefragt, ob er angesichts der Widerstände in der Politik ein autoritäres Regierungssystem etablieren wolle, um ökologische Notwendigkeiten durchsetzen zu können. „Ich liebe die Demokratie“, antwortete der Wissenschaftlicher. Niemand könne jedoch voraussagen, welche politischen Systeme sich in Zukunft herausbilden würden. Letztlich werde die gesellschaftliche Entwicklung von objektiven Faktoren bestimmt, erklärte Meadows. So werde das Ende der Ölvorkommen in Saudi-Arabien eines Tages sowohl die dortige Monarchie als Exporteur wie die westlichen Demokratien als Importeure treffen.
Gerade dieser letzte Absatz bereitet mir angesichts etlicher Entwicklungen in unserer "Demokratie" doch erhebliches Kopfzerbrechen. Meadows liebt die Demokratie, doch niemand kann vorhersehen, was kommt? Mit anderen Worten: Demokratien sind toll, werden aber wohl eher nicht überleben, oder wie?

In diesem Sinne: Prost!

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Dienstag, Oktober 11, 2011

Steve Jobs ist Tot.

Written by Adger
[Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von mysticfriese und ist als Aufforderung zur Diskussion zu sehen. Der Artikel deckt sich nicht unbedingt mit meiner Sichtweise, aber ich halte die Sichtweise für bemerkenswert.]

Wir hatten eine Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. Und wenn nicht alles täuscht, stehen wir schon mitten drin in der Siliziumzeit.
Douglas R. Crocket

Steve Jobs ist Tot.

Na und? Würde Alfred E. Neumann sagen. Hat Steve nicht selbst gesagt der Tod sei in Ordnung, "denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens." Er hat sich für die Arbeit entscheiden, als sich voll und ganz dem Krebs zu widmen. Wird interessant sein zu sehen wie es mit der Firma weitergeht. Eine Firma, die ihn damals geschasst hat und im Angesichts des Untergangs wieder zurückholte. Der zunächst zögernde Jobs, inzwischen etwas reifer und durch Pixar und Next auch erfahrener hat aus dem ferner liefen Unternehmen wieder das Unternehmen geschaffen. Und mehr. Vielleicht mehr als damals zu Apples guten alten Zeiten. Viele Nachrufe werden erscheinen, dass er Apple war. Der Messias. Für Nerds. Für alle. Der Jesus der IT oder so. Und schon ereifern sich Verfasser den iGod als den bedeutendsten in der Computerwelt hochzuschreiben. Guttenberg war gestern, hier starb soeben der wichtigste Philosoph und Revolutionär des -doch noch so jungen-21. Jahrhunderts. Ist natürlich tragisch, das ein Konzern durch diese eklatante Personifizierung zunächst himmelhochjauchzend abhob und nun zu Tode betrübt sein muss, denn was wird Apple ohne Steve sein? Eine Firma wie jede andere? Was bleibt vom Apple-Ifone-hysterie? Von einer Firma, dessen Aktien nach unten gingen, wenn Angaben über seinen Gesundheitszustand durchsickerten und damit mittelbar auch einen Einblick gaben auf die Frage wie stark der Dualismus Realwirtschaft / Spekulationsgeschäft bei der ITWelt ist.

Ein Blick zurück in die 80er. Zuse lebte noch, war aber im Wesentlichen verkannt und vergessen. Vielleicht hätte bei seinen Erfindungen den Bereich der "Prozesssteuerung" patentieren lassen sollen, aber bei einem Reichspatentamt, dass ohnehin so manches unterschätzte, war wohl daran nicht zu denken. US Konzerne wie Apple hätten das. Und noch mehr. Aber dazu später. Es gab seinerzeit in Deutschland seinerzeit keine Californische Kreativitätsinsel sondern die (faustische) Situation Computerentwicklung zu betreiben. Und im zerstörten Nachkriegsdeutschland gab war seine Revolution gänzlich ohne die Propagandageissel der Frühen Neuzeit: Marketing. Und da war ja noch IBM. Und der Umstand, dass die "Computerwelt" damals ebenso wenig mit den "Juppie 80ern" zu vergleichen war wie die heutige Zeit mit den ersten 386ern lässt schnell die zeithistorische Bedeutung Zuses und mancher anderer Pioniere vergessen.

Die 80er waren eine Zeit, in denen die ersten Revolutionen der Generation Zuse überrollt wurden durch die Garagenfraktion.

IBM machte seinerzeit drei kleine "Fehler". 1. die Unterschätzung, dass Heimpc - Bastelsets für Nerds wie sie Commodere oder Atari anboten einen völlig neuen Markt eröffnen würden und damit das Ende der Mainframe Rechnergeneration einläuten würde. 2. die Veröffentlichung der Hardwarespezifikationen für Hersteller (IBM-Kompatibel), um auf diesem Terrain Boden wettzumachen. Dies führte zwar zu einer Normierung, Verbilligerung und schnelleren Verbreitung aber nicht langfristig zu dem gewünschten Firmenziel, der Hersteller für Heimpc´s zu werden. 3. Die Sache mit dem Betriebssystem, Bill Gates Microsoft, Windows pp. Diese "Fehleinschätzungen" waren der Träger der Heimpc Revolution und nichtsdestoweniger steht IBM heute ausgezeichnet da.

Zurück zur Garagenfraktion. Die eine Garage konzentrierte sich auf die Software. Die andere Garage auf Hard- und Software aus einer Hand. Beide "inspirierten" sich gegenseitig, nahmen von einander das ein oder andere (Windows-Icons waren auf einem Apple zuerst zu sehen) und verdienten dabei trotz Konkurrenz und / oder Beteiligungen mehr als mancher hanseatischer Pfeffersack oder Salzstadt des Mittelalters. Und doch so verschieden. Apple, das war Design, Avantgarde, Bedienungsfreundlichkeit, Stabilität und -sieht man mal von wenigen Ausnahmen ab-: Teuer. Apple, das waren "die anderen", die Kreativen, die Minderheit, nerdig, das Gute. Pc´s mit Microsoft war das Normale, alltägliche, Massenmarkt. Bezahlbarer aber irgendwie auch leidvoller (Systemerror) und gefühlt der große bösere Spieler in dieser Welt. Allerdings faulte der Apfel nach dem (notwenigen?) Rauswurf von Jobs, vor sich hin. Die trotzige Fangemeinde hielt zwar leidvoll die Stange, aber die erste Kultwelle drohte in einem immer dynamischerem Marktumfeld endgültig ein Nischendasein zu fristen. Was konnte man mit dem heimgekehrten Sohn also falsch machen? Nichts. Nach der Zusegeneration, der Lochkartenära, der Großrechner und der GaragenGeneration folgte eine im wesentlichen von Jobs forcierte Welle: Die I-Welle.

Die Stagnation in Sachen Rechendings ist zwar durch die Entwicklung der Hardware (Moorsche´s Gesetz, Grafikarten und Spieleindustrie) relativ zu betrachten, aber ein Sprung wie z.B. Großraumrechner hin zum heimischen Desktoppc lies auf sich warten.

Jobs erkannte, dass da nicht mehr viel zu holen ist, jenseits des Pcs aber ein Potential ist. Rechner und Telefon sind zwei Pole in dessen Umfeld sich viele Dinge zum Geld verdienen implementieren ließen, die etwas von beidem haben. Das Internet und das Handy stellten beide in Ihrer Gewichtung der Kommunikation Mitte/Ende der 90er völlig neue Faktoren dar und flankierten neue Geräte und neue mobile Anwendungen, die i-Viecher. I-pod rettete Apple, Tabletts waren nicht mehr nur dem Kellner vorbehalten und eine neue Welle brach über die IT Welt hinein. Der Pc ob nun "alternativ" (apple) oder "böse" (microsoft) wurde -nunmehr schnöde und selbstverständlich- abgelöst durch Verschmelzungsprozesse von Pc-hardware und Handy, von Internet und mobiler Kommunikation. Aus dem "Knochen" wie eines der ersten Handys hieß und einem 2 Kilo Laptop wurden Geräte mit Unterhaltungswert, das biblische Manna trat in Erscheinung als die "Apps". Und nebenbei erfuhr der Musikmarkt eine Umwälzung, wie sie vielleicht das letzte Mal von Schellackplatten auf Vinyl geschah. Der internetbasierte Plattformvertriebsgedanke (itunes) mag in Zeiten von Amazon und Ebay als alltäglich betrachtet werden, aber auf die Idee, dass eine Pc Schmiede sich mit einer "anderen" Branche, der Musikindustrie, hinsetzt und was neues ausprobiert, darauf muss man erstmal kommen.

Ein unglaublicher Hype entstand, Werbung sei dank. Apple war nicht nur wieder da, Jobs Maßnahmen krempelten den Markt um wie lange nicht mehr. Der Messias hob Apple auf dem Olymp. Apple, Google, Facebook die teuflische Trinitatis des 21. Jahrhunderts. Microsoft, IBM? na jaaaaa.... Aber halt, war da nicht was? Apple, die Avantgarde, die Alternativen, die Guten? Der Phönix aus der Asche lebte von einem Image und nun mehr den je von ihrem kreativ wie mutigen iGod. Doch die neue große Macht, die da strahlte am Marketinghorizont des Gadget-haben-will Himmels überstrahlte das Factum, dass Apple sich nunmehr zu den "Bösen" gesellte. So böse, dass Microsoft zumindest nicht mehr als schlechter bezeichnet werden kann. Da bastelt jemand Tshirts mit einem Ei und einen Teetopf (ipott). Apple (=Steve) erspürt eine Erschütterung der Macht und vernichtet diese Gotteslästerung. Du programmierst Apps? Schön. Du willst daran verdienen? Aber bitte warum denn. Naja, wenn deine Apps einen signifikanten Trafficschwellwert überschritten haben, dann kriegst Du was. Vielleicht. Abzüglich unserer Beteiligung versteht sich. Früher und auch heute beschwerte man sich über Microsofts viel zu teure Software, die zudem fehlerhaft war und ist. Ok, manchmal auch überflüssig (siehe Vista). Es wurde stets ein Vergleich mit einem Auto herangezogen, dass bei ähnlicher Fehlerquote niemals verkauft werden dürfte. Aber Microsoft hat die Macht, der Verbraucher nutzt die wenigen Alternativen nicht, ergo Pech gehabt, lieber Anwender. Und bei Apple? Ja, liebe Zeitung, Du hast den Artikel verfasst, aber wenn Dein Leser unsere Hardware hat wo nur unsere Apps drauf dürfen, dann musst Du uns auch dafür bezahlen. An Apps verdient vor allem Apple. Das Autobeispiel ersetze ich mal durch einen Brötchenkauf: Sowie ich das Brötchen (i-bread) mit Wurst vom Schlachter belege, muss ich dem Bäcker eine Gebühr dafür entrichten. Was für Zeiten. Und der von Apples Jesus indoktrinierte Konsument steht dafür sogar Schlange. Inzwischen gibt's Konkurrenz im Brötchensegment, bleibt zu hoffen, das der Teig besser und der Brotaufstrich dadurch bezahlbarer bleibt, sowohl für den Hungrigen als auch für den Metzger. Wie siehts denn mit der Unternehmenspolitik von Apple aus? Geheimhaltung dient neben der Spionageabwehr auch der Inszenierung. Aber Art und Umfang sind derart Stasilike, dass Mitarbeiter seinen Brötchengeber mehr fürchten müssen als ein Bürgerrechtler der DDR den Staatsapparat. Nein, Apple ist nicht mehr das, was es einmal gefühlt war. Die Machtausnutzung nach urtypisch amerikanischer Fasson ist hier größer gleich Microsoft geworden. Danke, Steve. Komisch dass das medial weniger präsent ist als bei anderen. Oder handelt es sich hier um Blasphemie eines Ungläubigen?

Ihm war Geld nie wichtig, arbeitete zuletzt für einen Dollar. Warum ist Apple dann teurer? Und wieso hat Jesus seine Macht nicht genutzt die Welt zu retten? Laut derzeitiger medialer Befeuerung hätte er das doch tun müssen. Einige meinen das ja auch.

Apple damals entspricht nicht Apple heute. Sowohl vom unternehmerischen Gesamteindruck her als auch von der Bedeutung in der Geschichte.

Die Innovationen damals wie der Durchbruch der Maus, Standardisierung der Routinen, Pictogramisierung der Oberflächen sind wichtiger gewesen als der Austausch des Walkmens durch den Mp3 Player. USB ist unverzichtbar geworden, berührungsempfindliche Displays sind es nicht.

Die Implementierung der i-Viecher ist für die Welt längst nicht so bedeutsam gewesen wie die eingangs erwähnten Umwälzungen. Letztlich sind diese Dinge zivilisatorischer Luxuskonsum, mobiler, kommunikativer Schnickschnack, nützlich aber nicht überlebenswichtig. Steve hatte daran seinen Anteil. Er bescherte den Märkten neue Dinge und seinen Jüngern neues Spielzeug, das wichtiger erscheint als Kühlschrank oder Waschmaschine. Apple als Status, Kult und Schwanzvergleich. Da erscheint mit der Ablasshandel moralisch weniger verwerflich.

Aber woher diese Grals-artige Verehrung neuer iGadgets? Schnellere, kleinere, buntere und hübschere Konsumgüter für die sich Leute eher verschulden als für einen Wäschetrockner?

Die Medien scheinen sich wohl verpflichtet fühlen, demjenigen Verehrung entgegen zu bringen, der ihnen diese völlig neue Plattformwelt mit ermöglicht hat. Wie sonst ist zu erklären, dass die i-Viecher mehr Würdigung erfahren als die Apples Innovationen der 80er (?)

Und wieso wird er nicht so dargestellt wie er sich selbst sah, als ein Pionier unter vielen? Sicher die Marketingverzahnung ad personam sowie sein tragisches Frühableben sind verstärkende Faktoren, aber rechtfertigt das eine derartige Überhöhung?

Um sein Wirken zeithistorisch einzuordnen müsste man zunächst einmal Jahre vergehen lassen damit man dann die Folgen seines Handelns nachweisen kann. Geht aber schlecht in einer Zeit, wo ein online geschalteter Artikel schneller out ist als die Zeitung von gestern. Und rechtfertigt das zudem die Ignoranz der Fakten? Wo bitteschön ist denn die versuchte Einordnung im Rahmen der Geschichte des Rechendings? Wenn andere vergessen werden, und sich überhaupt nicht die Mühe gemacht wird sich die Historie einzuarbeiten sei es betreffend Personen oder Innovationen, dann kann ja nur der "Fehler" passieren ihn als den Großen darzustellen.

Diejenigen die da schreiben, er sei die wichtigste Persönlichkeit des Computeruniversums (gewesen) der vergisst andere der letzten Jahrzehnte, deren Erfindungs-und Entwicklungsgeist wesentlich bedeutsamer und relevanter war. Er soll bedeutsamer als Edison sein? Solche Wertigkeiten sollte man nicht irgendwelchen Internetredaktionen überlassen, sondern Personen vom Fach z.B. Historikern, die nicht persönlich vom Apple Schnickschnack befangen sind.

Gefühlt mögen die i-Viecher putzig sein. Putzig ist aber kein Kriterium um eine Linie zu ziehen zwischen Guttenberg, Gaus und Eddison. Der Applejünger sieht das gerne anders, aber die Medien sollten naturgemäß einen anderen Blickwinkel haben und in ihrer Bewertung von relativen Personen der Zeitgeschichte schlicht ihre Hausaufgaben machen. Eine zivilisatorische Wertigkeit von Erfindungen herzuleiten ist nicht einfach, aber zu behaupten die i-Viecher sind gleich bedeutsam mit der Glühbirnenerfindung ist schlicht lächerlich.

Weder bemerkt noch bemängelt werden die Schnitzer der Medien, die durch ihr Werk den Hype geradezu befeuern. Traurig. Aber was will man von denen noch groß erwarten, wenn die mobile vertwitterte Welt immer schneller obsolet werdende News durch den Äther jagt. Da ist keine Zeit mehr für Recherche und Bewertung im eigentlichen Sinn. Und die Historie speziell der Rechendinger interessiert weder die IT Branche noch die Medien, beides Welten wo das heute schon als gestern gilt (Was war noch mal mit Ehec oder Tepco´s feiste Atompolitik?) Es werden immer schneller neue Schlagzeilen und News verkauft, deren Lebenszeit kürzer ist als eine Eintagsfliege obwohl die Ereignisse selbst nicht schneller stattfinden.

Was aus Apple wird? Ich war weder Fan noch Gegner, allerdings tendiere ich angesichts der neueren Unternehmenskultur zunehmend zu kritischer Distanz. Die Art und Weise wie Medien allerdings das Wirken von Steve Jobs kommentieren und bescheiden zeigt, wie sich die schöne schnelle (online) MedienWelt qualitativ entwickelt hat: i-diotisch

Zu seinem Ableben bewies Steve noch mal unfreiwillig sein Verkaufstalent. Wie sehr hätte die nicht ganz so revolutionäre Präsentation des Ifone4S gelitten, wenn er am selben Tag verschieden wäre. Oder einen Tag vorher. Das hätte der Aktie nicht gut getan, die Überlagerung seines Todes mit seinen Wunderwerken. Aber einen Tag danach, Glück gehabt. Die Trauer seiner Jünger kann gleich kompensiert werden mit einem Kauf, nimmt so Anteil an seinem Vermächtnis, dass ja laut Medien das Größte der Menschheit ist. Naja fast.

"Der virtuelle Mensch, bewegungslos vor seinem Computer, macht Liebe per Bildschirm und hält seine Vorlesungen per Telefonkonferenz. Er wird ein Bewegungsbehinderter, und zweifellos auch ein geistig Behinderter."
Jean Baudrillard (*1929), frz. Philosoph u. Soziologe, Vertreter d. Postmoderne

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