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Freitag, Februar 12, 2010

Schlimmer geht immer

Written by Adger
Ich lese gerne und in letzter Zeit sogar wieder erstaunlich viel. Nicht nur im Netz, sondern dieses oldschool, prä-Internet, lowtech Zeugs aus Papier. Bücher. Bereichert mich sehr. Besonders Trivialliteratur empfinde ich sehr entspannend. Um so verstörender finde ich die Debatte um jene künstlich gehypte Plagiatorin des Ullstein-Verlags, die zu gab, dass sie sich nach eigenem Gusto bei anderen Autoren bedient hat und so ihr eigenes Werk zusammenbastelte. Der Verlag baut die Frage nach dem Urheberrecht um in eine Behauptung, die an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten zu sein scheint:
"Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit." "Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen."

Helene Hegemann
Der Verlag bemüht sich derweil hektisch darum, im Nachhinein von allen betroffenen Verlagen und Autoren Verwertungsrechte zu erwerben. Ob ihm das in allen Fällen gelingt, bleibt abzuwarten und es ist eine interessante Frage, was dieser Vorfall für die Urheberrechtssprechung und deren Handhabung insgesamt bedeutet. Gegenüber Normalsterblichen, die solcherart verfahren, wird gewöhnlich seitens der Rechteinhaber sofort Klage eingereicht und die Streitwerte übersteigen dann schnell mal eine halbwegs nachvollziehbare Grenze. Man erinnere sich nur an das Thema "mashup" und "Musik".

Wer jetzt aber glaubt, das "bottom out" sei erreicht, der hat die Rechnung ohne die Werbeleute des Verlags gemacht. Das Buch wird wie bescheuert in alle Bestsellerlisten geprügelt und die "Autorin" - oder sollte man besser sagen der Kopiererin? - auch noch für den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zu den Plagiatsvorwürfen befragt verkündete die nominierte Abschreiberin mit kaum nachzuahmender Chuzpe gegenüber der deutschen Presseagentur (dpa):
"Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen. Wenn wir so anfangen, können wir den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen"
Man könnte auch sagen: Wer privat klaut, ist ein Dieb, wer für die Industrie klaut, ist ein Künstler.

A propos "Kunst". Der Verlag macht übrigens sehr... wie soll ich sagen... "kreativ" Werbung für besagten Roman:

Schlimmer geht immer...

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1 Kommentare:

Blogger Neutrum schrieb...

mir fällt zu der ganzen sache nur ein Wort ein: Doppelmoral

13 Februar, 2010 10:57  

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