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Dienstag, September 23, 2008

Instabil

Written by Adger
EurosMan möge mir die eigenartige Stille verzeihen, aber es sind die Nachwehen von Problemen der jüngeren Vergenagenheit, die mir große Probleme bereiten. Aber das dürfte eh kaum jemanden interessieren. Andererseits verwundert mich, ob es irgendjemanden interessiert, was gerade in der Weltwirtschaft los ist? Eigentlich müsste ja das gesamte linke Spektrum lauthals das Ende des Kapitalismus feiern. Wie grandios der Kapitalismus doch gescheitert ist mit seiner grenzenlosen Gier. Aber wo sind sie denn, die Fanfaren, die das Widerlegen der existentiellen Theoreme des Kapitals feiern?

Der Markt kann sich eben nicht selber bereinigen. Der Markt kann seine Fehler nicht selber kompensieren und der Markt kann auch nicht seine eigenen Gesetze finden. Für beides braucht es zum Entsetzen der Banker und Hardcore Kapitalismus-Freaks den Staat. Warum feiern das die Linken nicht? Kalte Füße um den eigenen Wohlstand bekommen? Das Mutterland der Marktwirtschaft verstaatlicht nicht nur sein Finanzsystem, sondern auch noch die Immobilienkredite.

Investmentbanken kneifen den Arsch zu und lassen sich zu "normalen" Banken umbauen - ich bezweifle, dass irgendjemandem die Tragweite dieser Entscheidung so richtig klar ist. Und das unter einem republikanischen Präsidenten, der ein 700 Milliarden schweres "Rettungspaket" für ein episch gescheitertes System ankündigt und dafür international keinerlei Unterstützung erfährt.

Und Deutschland? Das Land, in dem angeblich alle so sehr darauf stehen, dass endlich der Kommunismus eingeführt wird, verwehrt sich gegen diesen Akt der Vertsaatlichung und gegen das Eingreifen der Regierungen auf Internationaler ebene, damit sich der Markt eben doch selber regulieren kann. Ich weiß ehrlich nicht, was mich mehr zum Lachen anstiften soll. Aber egal wie, das Ende des Kapitalismus ist weit entfernt, nur das endgültige Ende der US-Amerikanischen Vorherrschaft ist wohl endgültig gekommen, oder wer soll zukünftig noch glauben, dass die Entscheidungen der USA von Vorteil für irgendjemanden sind?

Egal wie. Die USA haben sich selber aus dem Spiel geschubst, Russland ist nicht wirklich auf der Höhe, China ist noch lange nicht so weit. Und Europa? Einfach nur tragisch, was da passiert. Bleibt zu hoffen, dass die sich abzeichnenden Schwierigkeiten der Weltwirtschaft nicht zu allzu schwerwiegenden lokalen Komplikationen und Auseinandersetzungen führen werden, wie ich es befürchte. Unter der Hand laufen da ja schon einige Wetten wegen der Sache Israel - Iran, wegen der Anrainerstaaten vom Golf von Mexiko, aber auch wegen der immer interessanten 'Stan und natürlich auch wegen Süd-Ost Asien. Da erwartet uns einiges.

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9 Kommentare:

OpenID arnoc schrieb...

Zu solchen Zeiten fällt mir immer wieder das Bladerunner-Szenario ein, die Japaner exportieren ihre Kultur ja schon seit längerem Weltweit, würde mich jetzt nicht über Gebühr überraschen, wenns für die an der Zeit ist in einigen Regionen mehr den Ton anzugeben, obwohl sie glücklicherweise keine Anstalten machen diesbezüglich. Zwei bis drei Urlaubstage im Jahr, so läuft Kapitalismus bei denen, autoritäres und ziemlich familienpatriarchisches System.. muss DAS gegeben sein, damit die "Marktwirtschaft" funktioniert? Dann verzichte ich doch lieber und nehm einen gesunden mix. Aber woher nehmen - das ist und bleibt wohl die Preisfrage. :-/

23 September, 2008 09:48  

Anonymous Anonym schrieb...

das ganze system läuft eh immer wieder auf zusammenbruch hinaus:

http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ

23 September, 2008 21:34  

Anonymous sarkast schrieb...

Nur hat sich komischerweise in Jahrtausenden (!) keine bessere Alternative herausgebildet. Das System an sich ist nicht der Schwachpunkt, sonder wie die Leute es benutzen.
Kredit ist so gedacht:
Ich leihe Dir Geld, Du zahlst es mir zzgl. eines temporären Verzichtaufschlags (=Zins) in Raten oder auch auf einmal zurück.

Nur haben sich viele Leute Geld geliehen, ohne es zurückzahlen zu können. Die konnten dann in D Privatinsolvenz anmelden. Damit hast Du dann mein Geld verprasst und ich sehe davon wenig bis garnichts wieder. Nachdem ich aber eine Bank bin, ist mir das leider bei einigen Leuten passiert.

So, nun war ich auch noch so doof und habe mich mit großen Summen an riskanten Finanzaktionen beteiligt. Ich bin pleite, Du bist pleite. Und dank der sogenannten Inflation hat sich mein Geld quasi selber ausgegeben und keiner hat was davon.

Tja, hätten Du und deine Kumpane wie verabredet gezahlt und wäre ich nicht so doof gewesen und hätte mein Geld einfach beisammengehalten und es nicht riskiert - es würde uns allen ganz gut gehen.

Etwas simpel, aber ich glaube, dass es ganz gut zeigt, dass ein gutes System bei Bedienungsfehlern/Missbrauch eben auch nicht funktionieren kann.

23 September, 2008 21:58  

Anonymous Anonym schrieb...

"das ganze system läuft eh immer wieder auf zusammenbruch hinaus:"

Ich würde mir auch ausgerechnet von einem Mediendesigner erklären lassen, wie die moderne Finanzwelt funktioniert. Darum lässt man sein Auto ja auch beim Frisör reparieren...

23 September, 2008 23:08  

OpenID arnoc schrieb...

"Ich würde mir auch ausgerechnet von einem Mediendesigner erklären lassen, wie die moderne Finanzwelt funktioniert. Darum lässt man sein Auto ja auch beim Frisör reparieren..."

Wie schön, daß unsere Zivilisation so fortschrittlich ist, daß wir uns noch immer überflüssiger Klischees und Vorurteile bedienen müssen wenn uns die Argumente ausgehen. Ich kenne eine Menge Mediendesigner die Autos von Friseuren reparieren. Nennt man dann "Frisierte Kiste". :P

24 September, 2008 09:57  

Blogger Adger schrieb...

Nunja, man kann da denken wie man will, aber in einem Punkt hat der anonyme Kommentator vollkommen Recht: Der Film ist unsachlich, einseitig, teilweise von der Sache her fehlerhaft (sofern er tatsächliche Mechanismen beschreiben soll) und in jedem Fall stark polemisierend. Der Macher bezeichnet ihn selber als "Satire". Eine "Satire" als allgemeingültige Erklärung heranzuziehen, ist zumindest gewagt, in diesem Fall schlichtweg falsch. Sich da in eine Metadiskussion über den Sinngehalt und die Berechtigung der Argumente anderer zu versteifen, ist auch nicht gerade ein Musterbeispiel dafür, dass man selber noch tonnenweise stichhaltige Sachargumente auf Lager hat.

24 September, 2008 11:49  

OpenID arnoc schrieb...

"..aber in einem Punkt hat der anonyme Kommentator vollkommen Recht: Der Film ist unsachlich, einseitig,.."

Hätte er das auch nur mit einem Wort erwähnt, hätte ich durchaus zugestimmt, aber ich kann mir nich helfen, ich werd den Eindruck nicht los, daß es rein garnichts damit zu tun hat ob der Erklärer Mechaniker, Frisör, Finanzgenie, Kernforscher, Dichter oder eben Mediengestalter ist und das war eigentlich der Hauptinhalt seiner Antwort und dann juckts mir immer so in den Fingern.. :-/

25 September, 2008 15:57  

Blogger Adger schrieb...

Wenn Du Schmerzen im Knie hast, wen fragst Du dann? Einen Mediziner oder einen Maler? Wenn Dir der Maler sagt "ja also das muss ab", gehst Du dann zum Schlosser und lässt den Dein Bein absägen? Wenn Du Hilfe bei der Lohnsteuer brauchst, fragst Du dann eher einen Steuerberater oder einen Zahnarzt? Und wenn der Zahnarzt Dir sagt "ja also da musst Du auf jeden Fall 3.000 Euro nachzahlen" glaubst Du das dann? Nein? Und warum nicht? Weil ein Maler eben toll malen kann, von Deinem Knie aber wahrscheinlich keine Ahnung hat. Genau deshalb, weil der Steuerberater vom Steuerrecht mehr versteht als der Zahnarzt, fragst Du auch den Steuerberater. Die haben sich mit ihren Fachgebieten auseinandergesetzt und haben einfach mehr Ahnung davon. Wenn jeder alles könnte, brauchte es keine Spezialisten. Warum dann Medizinstudium? Oder BWL? Oder Mediendesign? Aber ein Mediendesigner soll von Finanzangelegenheiten mehr verstehen als jemand, dessen Fachgebiet Wirtschaft ist, weil sein Filmchen zwar jede Menge gravierender Fehler enthält, sehr stark polemisierend ist, die gesamte Thematik äußerst einseitig bewertend darstellt, aber dafür ja soooo schön toll bunt ist und weil jemand anderes sagt, dass der Erklärende besser bei dem bleiben sollte, was er kann?

25 September, 2008 16:17  

Anonymous holger schrieb...

Während die Amis jetzt wenigstens noch mal überlegen, ob man sich das wirklich leisten kann und sollte, ziehen stattdessen wir mal forsch die Spendierhosen an:

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Kosten-der-HRE-Rettung-Genug-f%FCr-sieben-Ministerien/419761.html?nv=cd-topnews

Und weil ja schon die Privatinsolvenz als Ursache vermutet wurde: Es gibt immer das inhärente Risiko, dass man sein Geld nicht wiederbekommt. Das ist in den Zinsen auch eingepreist. Mit bester Bonität wirst Du mehr und billiger Kredit bekommen als ohne.

Die Bilanzlöcher sind entstanden, weil sich viele Leute gnadenlos verspekuliert haben. Wenn wir wirklich Kapitalismus hätten, liesse man es einfach krachen und die Wellen würden sich schon irgendwann wieder beruhigen. Wer aus Kapital Gewinne ziehen will, muss eben auch das Risiko tragen (und sinnvollerweise absichern).

Weil es aber anscheinend einflussreiche Leute gibt, die der Meinung sind, das sei nicht so gut und jetzt im Moment schon gar nicht, zieht man den festgefahreren Karren lieber mit Steuergeldern aus dem Dreck. Während man dem Privatmenschen Haus und Hof zwangsversteigern würde, bevor er über eine Privatinsolvenz auch nur nachdenken dürfte. (Immerhin gibt es sie - der Schuldturm ist dann doch ein etwas überholtes Konzept)

30 September, 2008 20:35  

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