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Montag, August 04, 2008

Nicht mit diesem Namen

Written by Adger
Kleiner Corc am TelefonEs ist immer wieder erstaunlich, wohin regularien von Firmen führen, welcher Schwachsinn unter dem Diktat des "ehrbaren Kaufmanns" verzapft wird. Zur Zeit befinden sich besonders die Telefon- und Mobilfunktunternehmen in besonders exponierter Stellung, denn sie sind es, die die Kommunikation weltweit ermöglichen und deshalb werden viele Begehrlichkeiten an sie herangetragen.

Die Musikindustrie möchte die Telefonfirmen für die Inhalte der Kommunikation ihrer Kunden haftbar machen, die Filmindustrie will von den Telefonfirmen, dass bezahlte Filmstreams bevorzugt durchgeleitet werden und andere Inhalte ausgebremst werden, die Werbebranche will von den Telefonfirmen alle Nutzerdaten haben und so weiter und so fort.

Und der Kunde? Der will einfach nur mit kommunizieren. Oder im Netz surfen, Informationen sammeln (und so Grundlage für Kommunikation schaffen, aber das führt jetzt etwas weit vom Thema weg). Die Telefonfirmen verkaufen ihm gerne jeden beliebigen Vertrag. Theoretisch zumindest. Manchmal wird das auch verwehrt. Meistens wegen des Geldes. Manchmal aber auch aus völlig unerwarteten Gründen.

Diese Erfahrung machte neulich der pensionierte Radiologe Dr. H. I. Libshitz. In seiner Wohnung in Rehoboth Beach, Delaware, USA wollte er ganz gerne DSL haben. Sich mit Analogmodem einwählen fand er nicht mehr so ganz zeitgemäß. Darum bestellte er bei Verizon. Oder genauer: Er wollte bestellen. Da wir uns ja auch in den USA inzwischen im 21. Jahrhundert befinden, findet auch bei Verison der Bestellvorgang online statt. Alles klappte soweit reibungslos, nur bei Eingabe des Namens und dem Erstellen der Emailadresse streikte das System.

Man rief die Hotline an. Wie heute üblich befand sich der Gesprächspartner in Fernost. Der freundliche Philippino erklärte dem Arzt, dass sein Name das Problem sei:
"We can't install it because your name has 'shit' in it."
Mit anderen Worten: Weil in seinem Namen die Buchstabenfolge S-H-I-T vorkommt, wurde ihm der Vertrag verweigert. Man sprach mit dem Vorgesetzten. Der schlug vor, dass Dr. Libshitz doch einfach seinen Namen falsch schreiben sollte. Funktionierte aber auch nicht.

So rief der 69jährige die Rechnungsabteilung von Verizon an. Dort glaubte man ihm so reinweg gar nicht und deshalb wurde er erstmal weitervermittelt, kreuz und quer durch die Abteilungen. Am Ende hieß es jedenfalls, dass nur ein einziger Mann in Tampa bei diesem Problem helfen könne und der müsse dann in Indien anrufen, um von dort aus den Code der Software für die Registrierung ändern zu lassen.

Einige Tage später bekam Dr. Libshitz Post von Verizon. Ihm wurde mitgeteilt, dass er den gewünschten Usernamen nicht benutzen könne, weil der nicht zu den AGB der Firma passe. Daruafhin schickte Familie Libshitz die bereits zugesandte DSL-Hardware wieder zurück:
"If I can't use my own name, I'm going to stay with my AT&T dial-up."
Wie so oft: Je größer die Firma, desto weltfremder die Gepflogenheiten. Auf diesen Vorfall angesprochen zeigte sich die Firmensprecherin von Verizon, Sharon B. Schaffer, erstaunt:
"I don't have a clue." "Actually, I'm kind of surprised. If this is Dr. Libshitz's name, your name is your identity. He's had this his entire life." "I think he needs a little bit of personal attention."
Einige Tage später äußerte sich Verizon formell zu der Sache:
"As a general rule (since 2005) Verizon doesn't allow questionable language in e-mail addresses, but we can, and do, make exceptions based on reasonable requests. The one from Dr. and Mrs. Libshitz certainly is reasonable and we regret the inconvenience and frustration they've been caused."
Nun, vor dem Anmeldeversuch hatte Verizon keine Probleme mit dem Namen, denn Post schickten sie ihm, auch Rechnungen und auch seine Überweisungen nahmen sie problemlos an.

Ich vermute, wir werden in Zukunft noch viel erschreckendere Fälle erleben, in denen die weltfremden AGB irgendwelcher Firmen darüber entscheiden, wer man sein und was man tun darf...

(Quelle: philly.com)

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1 Kommentare:

Anonymous sebabbel schrieb...

...wie gut, dass wir hier in Deutschland allgemeingültige AGB-Richtlinien haben.
Das ändert zwar leider nix daran, dass nicht trotzdem die übelsten Hereinlegeversuche unternommen werden - man kann sich aber immerhin rechtlich gegen so Einiges wehren.

Habe gerade selbst viel Eklatantes mit "1&1" erlebt (und es läuft noch). By the way:
ICH KANN JEDEM MENSCHEN NUR VON 1&1 ABRATEN!!!

06 August, 2008 10:43  

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