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Sonntag, Juli 20, 2008

Selektive Menschlichkeit

Written by Adger
Es gehört zu den in unserer Leitkultur verankerten Pflichten der Menschlichkeit, Mitmenschen in Not zu helfen. Zumindest ist das eines derjenigen Konzepte, auf die sich das Christliche Abendland stützt. Die Umsetzung findet sich in vielen Formen wieder und jedem ist es mehr oder weniger leicht möglich, dem "christlichen der Nächstenliebe" nachzukommen. Institutionalisiert, steril und unpersönlich, versteht sich, denn wer will schon den vor sich hin siechenden Molukken bei sich in der Bude haben, der nicht mal die eigene Sprache spricht? Genau deshalb gibt es Brot für die Welt, Ärzte ohne Grenzen und Parteispenden.

So in etwa sieht das auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Der findet nämlich eine Idee des Bundesinnenministers und Parteikollegen Wolfgang Schäuble ziemlich doof:
"Die geplante Aufnahme von irakischen Flüchtlingen halte ich auch aus Gründen der inneren Sicherheit in Deutschland für problematisch."
Nun geht es dabei nicht etwa um irgendwelche Iraker. Nein nein, so viel unreflektierte Paranoia vor dem Ausländer ist selbst in der CDU nicht sanktioniert. Herr Schünemann meint eine ganz spezielle Gruppe.

Er betrachtet Hilfe selbstverständlich für absolut notwendig, solange Christen verfolgt werden. Und diese Christen noch im Irak sind. Darauf hätte sich auch die Innenministerkonferenz geeinigt. Und deshalb ist das gut so. Findet zumindest Herr Schünemann. Und deshalb verkündet er sein Fazit wie folgt:
"Ich habe kein Verständnis dafür, wenn Vertreter der SPD und der Grünen in Berlin eine Ausweitung der Aufnahme auch auf sunnitische oder schiitische Muslime wollen." "Für eine Aufnahme in Europa hätte die Bevölkerung sicher kein Verständnis."
Nachbarländer, in denen sie Zuflucht fänden, könnten sich ja mit dem Problem befassen, aber für Europa und speziell für Deutschland ist doch das Risiko viel zu groß. Immerhin weiß man ja, dass solche Leute nur Schlimmes im Sinn haben. Darum stellt er seine Meinung auch unter das ultimative Diktat der Neuzeit:
"Die geplante Aufnahme von irakischen Flüchtlingen halte ich auch aus Gründen der inneren Sicherheit in Deutschland für problematisch."
Welche Farbe mag der Himmel in der Welt von Herrn Schünemann wohl haben?

(Quelle: FAZ)

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11 Kommentare:

Blogger Abtacha schrieb...

"Welche Farbe mag der Himmel in der Welt von Herrn Schünemann wohl haben?"

Braun? :/

20 Juli, 2008 15:23  

Anonymous sarkast schrieb...

Mit braun hat das wenig zu tun. Selbst ohne rechte Hetze von Seiten der NPD und anderer Parteien aus dieser Ecke hätten immer mehr Leute die Nase voll, wird ihnen ihre Menschlichkeit und Nächstenliebe doch mit Kriminalität, Unflätigkeiten, ja sogar Kapitalverbrechen gedankt.

Natürlich sind das längst nicht alle Ausländer. Aber es ist genau der Teil, der in die Zeitung kommt. Mit dicken, fetten Überschriften, Seite 1. Und Politiker sind eben Politiker. Wenn Jemand seine große Chance darin sieht, seine Wähler aus diesem Strom herauszuholen, dann macht er das eben. Siehe auch Roland Koch. (Wenn ich ehrlich sein soll: Lieber soll die CDU/CSU diese Stimmen gewinnen als die NPD oder die DVU)

Deswegen denke ich, dass die Begründung "Für eine Aufnahme in Europa hätte die Bevölkerung sicher kein Verständnis." für teilweise zwar korrekt, aber im Rahmen eines Rechtsstaates für mehr als bedenklich halte. Wobei ich eine Ablehnung von Flüchtlingshilfe "aus Gründen der inneren Sicherheit in Deutschland" noch mehr zum kotzen finde. Wenn man schon Flüchtlinge aufnimmt, dann bitte alle.
Hier nach Herkunft oder Religion zu unterscheiden ist mehr als sinnlos. Zumal - welcher Religion gehören denn die meisten hier lebenden Türken an?

20 Juli, 2008 16:29  

Blogger Adger schrieb...

Der Zirkelschluss in Richtung der hier lebenden Türken hinkt: Das sind keine Flüchtlinge (auch wenn im rechten Spektrum gerne von "Wirtschaftsflüchtlingen" gesprochen wird) und deshalb auch keine Asylanten bzw Asylbewerber.

20 Juli, 2008 16:46  

Anonymous Anonym schrieb...

ja die irakichen extremisten ahben sicher einen riesen groll auf deutschland. hätten wir nicht nein zum krig gesagt wäre der logistiche aufwand nicht so gering gewesen und amerika hätte sicher eine woche später angegrifen. eine ganze woche! mindestens XD


sollen die lieber gleich das kind beim namen nennen und nicht so einen stuss reden! die kurden ahben sie ja auch alle aufgenommen und die machen keine terroranschläge.

20 Juli, 2008 22:31  

Blogger Abtacha schrieb...

Komisch, dass sich die "Al-Quaida-Terroristen" Deutschlands aus in Deutschland aufgewachsenen requirieren und nicht aus solchen die da denken "Oah guck mal die sind reich, da geh'n wir mal alle hin!"
Ein Staat in dem es dir besser geht als in deiner Heimat in welchem Du dann lebst bombst Du nicht einfach kaputt.

21 Juli, 2008 01:46  

Anonymous sarkast schrieb...

@adger
Mir ging es rein um die Religionszugehörigkeit. Dass diese Türken keine echten Flüchtlinge sein müssen ist mir ebenfalls bewusst.

@abtacha
Da magst Du sicherlich richtig liegen. Aber blinder Hass, verursacht duch jahrelange Hetze kann den Blick auf die Realität immer sehr trüben. Für Rattenfänger, egal aus welcher Ecke, werden dann unsere "Luxusprobleme" wie Mindestlohn schnell zum Köder. Und es funktioniert leider

21 Juli, 2008 17:56  

Anonymous Wolf Hayes schrieb...

Um mal kurz die Sachlichkeit in die Debatte zurückzuholen:

Es geht in dieser Diskussion um irakische Christen, die im neuentstehenden Irak 2.0 keine Möglichkeiten weder eine Möglichkeit haben noch eine Möglichkeit haben werden, ihre Religion auszuüben. Dieser Tatbestand liegt bei sumnitschen und schiitischen Flüchtlingen nicht vor. Um diese Menschen vor Verfolgung, Diskriminierung und Gefährdung ihres Lebens zu schützen, wurde zwischen den Innenministern besprochen, eben dieser Flüchtlichgruppe Asyl in Deutschland anzubieten.

In einer idealen Welt wäre all dies natürlich nicht nötig und alle Menschen wären gleich und könnten in gegenseitigem Respekt ihre Religion frei ausüben. Nur leider gibt es Menschen, die eine andere Weltanschauung als gerechtfertigten Grund ansehen, Andersgläubige mal kurz einen Kopf kürzer zu machen (nein, nicht bildlich gesprochen).

Ich erinnere in diesem Zusammenhang mal an das folgende:

GG Art 1 Abs 1
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

GG Art 4 Abs 1
Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

GG Art 4 Abs 2
Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.


Das sind unsere Ideale. Und wir sollten sie leben.

22 Juli, 2008 09:14  

Blogger Abtacha schrieb...

Jo und alle Fundis die sonst bis nach Meppen Arsch und Mund offen haben um doppelt so laut zu brüllen geben von ihrem Kuchen wieder nichts ab. Kennt man ja.

22 Juli, 2008 10:24  

Blogger Adger schrieb...

Das Primat, dass ganz oben über der Frage "Flüchtlinge" steht, ist - das kann man toll finden oder nicht - das Geld. Es ist nicht so, dass Flüchtlinge "kein Problem" sind. Sowohl für den Ort, von dem sie fliehen, als auch der Ort, an den sie fliehen, bedeuten Flüchtlinge erhebliche Kosten. Sprachprobleme -> Kurse -> Kosten. Ethnische Probleme -> Kulturelle Sonderlösungen (z. B. in Schulen) -> Kosten. Unterbringung, medizinische Versorgung, Lebenserhaltung, Integration und so weiter und so fort, all das bedeuten ganz am Ende Kosten und darum muss irgendjemand viel Geld in die Hand nehmen, denn für lau gibt es gar nichts.

Lassen wir mal das Land außen vor, aus dem geflohen wird, und betrachten nur das "Zielland", in unserem Fall Deutschland. Unsere Geburtenzahlen sind zwar rückläufig, aber der "Ernährungsfaktor" unserer Wirtschaft ist reichlich ausgelastet. Wir haben eigentlich zu viele Menschen, die zu wenig zum unmittelbaren Wachstum der Volkswirtschaft beitragen. Im "Wirtschaftsdeutsch" ausgedrückt: Zu wenige Fachkräfte, zu kleine Bildungselite, zu wenig Spezialisierung und so weiter. Klar, jede Gesellschaft braucht Kloputzer, Müllsammler und Flugblattverteiler, aber nicht in unbegrenzter Zahl, denn sonst stagniert der Fortschritt, die Weiterentwicklung und so weiter.

Zurück zur (hier stark vereinfachten) Theorie. Um als "Global Player" oben mitspielen zu können, muss man eine möglichst große, breit aufgesetzte (Bildungs-)Elite haben. Diese Elite ist es, die - getragen (und auf Kosten) vom Rest der Gesellschaft - diese globale Führungsrolle des ganzen Konstruktes "Staat" im globalen Kontext realisiert. In der Praxis trägt die Arzthelferin beim Dorfmediziner in Klein Kleckersdorf nicht unmittelbar dazu bei, dass Deutschland seine Führungsposition im internationalen Wettstreit aufrecht erhält, aber durch ihre Arbeit und insbesondere durch die Steuern, die sie zahlt, ermöglicht sie es ein Umfeld zu schaffen, aus dem jener Prof. Dr. Dr. der Chemie hervorgehen kann, der später bei Hoechst Pharma genau jenes Medikament entwickelt, mit dem der Konzern dann wiederum jede Menge Asche erwirtschaftet, die genau diese Spitzenposition des Gesamtkonstruktes auszeichnet.

Um diesen Kern spannt sich der Rahmen, in dem der Staat Bedingungen schaffen muss, um das Kapital in der Volkswirtschaft zu halten. Sind die Bedingungen woanders salopp gesagt "geiler", dann ist das Geld schneller weg als man gucken kann, denn im Gegensatz zu Menschen ist Geld heutzutage extrem mobil.

Der Staat muss auch dafür sorgen, dass es der "Elite" überhaupt möglich ist, solche elitären Leistungen zu vollbringen. Will sagen: Wer sich den ganzen Tag mit Müllsammeln und Kloputzen beschäftigt, der wird eher nicht eben jenen großen Coup landen (z.B. oben genanntes Medikament erfinden), der insgesamt die Volkswirtschaft, umgangssprachlich: "die Gesellschaft", oder dogmatisch "den Staat" nach vorne bringt. Genau deshalb muss der Staat (lies: Deutschland) wählerisch sein, wenn es um die Zuwanderung geht. Das wiederum ist aber nicht allein unsere Idee, sondern findet z. B. auch Ausdruck in der "Festung Europa" (eine Idee, die besonders die Franzosen sehr geil finden, was unsere Angie aber neulich mal eben ausgebremst hat, weil Europa Nordafrika langfristig ziemlich dringend braucht) aber auch in den Zuwanderungsquoten der USA und vielen anderen Einwanderungspraktiken überall auf der Welt.

So gerne man jedem Einzelnen helfen möchte: Man kann es nicht. Niemand kann die Welt retten, indem er versucht alle durchzufüttern. Ja, das ist hart und grausam, aber das Einzelschicksal spielt im großen Rahmen gar keine Rolle, weder Dein Schicksal, noch meins, noch das Deines Nachbarn oder Deiner Eltern. Was eine Rolle spielt, ist das Resultat, das Ergebnis oder auch die Leistung des Gesamtgefüges und nur in dem Kontext spielt die Leistung des Einzelnen eine Rolle. Darum wird auch nach Leistungspotential gefiltert. Genau deshalb werden hoch gebildete Zuwanderer mit akademischer Ausbildung mit Kusshand genommen, die Bergbauern aus dem bettelarmen Bürgerkriegsland in Afrika, die gerade mal Ziegen oder Kühe hüten können, hingegen eher nicht.

Diese knallharte wirtschaftliche Realität, die hier jetzt nur ganz grob und vereinfacht umrissen werden soll, ist es, die am Ende zu der Empörung von ganz Links führt: "Wir können doch nicht den armen Futzi auf Kosten des Doktors verrecken lassen".

Doch, können wir, müssen wir sogar. Eventuell könnten wir mit dem Geld, dass wir in eben jenen einen Akademiker aus Ruanda investieren vielleicht 10, 20 oder meinetwegen 50 Teppichkehrer, Gummischlappenschnitzer oder Mülleimerlackierer durchfüttern, aber unsere Gesellschaft, Du, Deine Eltern, Deine Kinder, Nachbarn und auch ich würden am Ende davon insgesamt nicht profitieren, sondern draufzahlen: Was wollen wir mit diesen Leuten hier? Was sollen die hier tun? Wovon sollen die leben? Wieviel Geld sollen wir denn ausgeben, damit die auf dem hiesigen Arbeitsmarkt überhaupt irgendwas an Geld erwirtschaften können? Wir vergessen gerne, wieviel Bildung notwendig ist, um in unserer wirtschaftlichen Umwelt überhaupt überleben zu können. Denk nur alleine an das für uns selbstverständliche Benutzen von Handy und Internet. Rechne mal nach, was es kostet, dieses minimale Bildungsniveau überhaupt zu erreichen, geschweigedenn dieses Bildungsniveau wirtschaftlich gewinnbringend umzusetzen. Sollen wir, willst Du, sollen Deine Eltern diese Menschen für den Rest ihres Lebens finanzieren? Genau das müssten wir nämlich tun, denn "wer einem anderen das Leben rettet, ist für ihn verantwortlich" ist in diesem Zusammenhang nicht bloß irgendwelches inhaltleeres Gewäsch, sondern hat beinharte, reale Hintergründe: Was wäre denn los, wenn wir die Flüchtlinge zwar aufnehmen, sie dann aber verhungern lassen?

Dieses "Draufzahlen" ist es, dass wir - und da sind wir wieder bei Deutschland - nur in einem zunehmend kleiner werdenden und immer begrenzteren Rahmen im wahrsten Sinne des Wortes leisten können. Genau deshalb müssen wir sehr genau differenzieren, wen wir ins Boot aufnehmen können. Klar, man kann sich auch hinstellen und sagen "Und? Wir haben doch genug Geld..." nur damit beweist man nicht nur profunde Unkenntnis der lokalen wie globalen ökonomischen Realität (siehe oben), sondern auch ziemlich bittere Blindheit gegenüber der Zukunft:

In Zukunft wird der globale Markt eher härter und der Kampf um (volks-)wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit eher noch brutaler, denn die Anzahl der Mitbewerber nimmt zu. Man denke an China, die Tigerstaaten, Afrika, Südamerika und so weiter. Diese Hilfsbedürftigen von heute sind die Konkurrenten von morgen.

Hintenrum steigt dadurch, dass wir den Ländern, aus denen die Leute zu uns abhauen wollen, helfen sich selbst zu helfen insgesamt der Reichtum auf der ganzen Welt, aber nur dann, wenn die einzelnen Spieler nicht plötzlich unter dem Druck zusammenbrechen, weil sie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: Was hilft es denn, wenn wir jetzt irgendwelchen Leuten helfen, nur um dann hintenrum selber hilfsbedürftig zu werden, weil wir in dem bestreben anderen zu helfen unsere eigenen Probleme nicht mehr lösen können, weil das Geld fehlt und mangels humanem Bildungskapital das Finanzkapital den Wirtschaftsstandort Deutschland meidet?

So gesehen macht der Kern der Aussage des Herrn Schünemann schon Sinn. Aber erstens kann man genau das den im Glauben des nahenden Weltfriedens in der Sicherheit der moralischen Überlegenheit des eigenen Sofas lebenden, zunehmend bildungsfernen, realitätsfremden und geopolitisch in irgendwelchen Lala-Ländern (Stichwort: singen, klatschen, und im Kreis hüpfen) lebenden deutschen Wählern nicht erzählen, ohne politischen Selbstmord zu begehen. Für diese Dummheit der Menschen kann auch ein Herr Schünemann nichts. Aber zweitens - und das war Auslöser für meinen Artikel - ist sein Abstellen auf die von Flüchtlingen ausgehende Gefahr des Terrorismus im unmittelbaren Zusammenhang mit dem religiösen Hintergrund der Flüchtenden ist blanker Unsinn und dafür gehört dem Mann links und rechts was an die Ohren.

22 Juli, 2008 13:45  

Anonymous Wolf Hayes schrieb...

@adger: Stimme zu. Soll ich ihn für Dich festhalten?

23 Juli, 2008 15:09  

Blogger Abtacha schrieb...

Jetzt weiß ich auch warum die unser Bildungssystem zerstören! Weil Elitenbildung verboten is'!

23 Juli, 2008 17:40  

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