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Dienstag, Juli 29, 2008

Nichts gelernt

Written by Adger
Thilo Sarrazin, Finanzsenator der SPD in Berlin:
"Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können."
Jean-Jacques Rousseau, 1770:
"Endlich erinnerte ich mich des Notbehelfs einer großen Prinzessin, der man sagt, die Bauern hätten kein Brot, und die antwortete: Dann sollen sie Kuchen essen!"
Als das letzte Mal ein solcher Ausspruch Herrschenden in den Mund gelegt wurde, landeten eine Menge Leute unterm Fallbeil...

(Quelle: Berliner Morgenpost)

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11 Kommentare:

Blogger nec schrieb...

wenn man mal in die vergangenen jahre, bzw. jahrzehnte zurückblickt, dann muss ich ihm zustimmen.

früher gab es im haus (in der wohnung) nur einen einzigen ofen, mit dem ein einziger raum geheizt wurde, da sich dort eh das halbe leben abgespielt hat. die restlichen räume wurden da mehr oder weniger durch strahlungswärme der wände ein wenig erwärmt. aber mehr auch nicht.

ich kenne einige leute, die sich über die hohen heizkosten beschweren, aber bei denen ich mich erinnern kann, das ich im winter dort meinen pulli ausziehen musste, weil im großteil des hauses eine temperatur um die 25° vorherschte.

ich muss ihm zustimmen. auch wenn wir beide, adger, das nicht mehr miterlebt haben. aber er sicher schon

29 Juli, 2008 12:17  

Anonymous messju schrieb...

Dass Frau Antoinette das nicht gesagt hat und es ihr nur in den Mund gelegt wurde um Stimmung gegen sie zu schüren gilt aber als erwiesen.

Meinst Du, dass der Herr Sarrazin das auch garnicht so gesagt hat?

Ansonsten passt noch Frau Merkel gut dazu, die meint Hartz-IV-Empfänger bräuchten keinen Ausgleich für gestiegene Strompreise, weil ihnen die Strompreise ja sowieso bezahlt werden. (Und die Aussage gibt es AFAIK auf Video.)

29 Juli, 2008 13:55  

Blogger Adger schrieb...

"früher gab es im haus (in der wohnung) nur einen einzigen ofen, mit dem ein einziger raum geheizt wurde, da sich dort eh das halbe leben abgespielt hat."

Das galt für die unteren Schichten, die Arbeiterklasse. In den gehobenen Schichten war es schon immer so, dass alle Wohnräume beheizt wurden. Sicher, aus der Sicht der Wohlhabenden ist das bestimmt eine naheliegende und durchaus akzeptable Forderung: Wenns Geld nicht reicht, dann sollen sie eben sparen. Oder wie die Telekom es einst formulierte: "Ob die Kosten steigen oder nicht liegt in ihrer Hand." Mit anderen Worten: "Uns doch egal, ob ihr das bezahlen könnt." Im Kern widerspricht diese Ethik dem Kerngedanken des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft und ist deswegen abzulehnen, denn sie bedeutet einen Rückschritt. Oder willst Du wirklich sagen, dass es "damals" besser war? Und ja, ich habe das noch miterlebt, dass es Wohnungen gab, die nur eine zentrale Heizstelle hatten. Das war gar nicht lustig.

"Dass Frau Antoinette das nicht gesagt hat und es ihr nur in den Mund gelegt wurde um Stimmung gegen sie zu schüren gilt aber als erwiesen."

"Aber"? Habe ich das Gegenteil behauptet? Ich meine das Zitat Herrn Rousseau zugeordnet zu haben.

"Meinst Du, dass der Herr Sarrazin das auch garnicht so gesagt hat?"

Herr Sarrazin ist nicht der erste in der jüngeren Vergangenheit, der auf diese Ethik verfällt, die "Schuld" der Höhe der Lebenshaltungskosten auf den Konsumenten umlagert und die zum Kernbereich der individuellen Lebensführung gehörenden Ausgaben als "Luxus" beschreibt. Ich glaube nicht, dass ihm dieser Gedankengang ursprünglich zuzuordnen ist, sondern dass er den vielmehr von jemand anderem übernommen hat. Von wem allerdings diese "Idee" stammt, weiß ich nicht.

"Frau Merkel (...) Hartz-IV-Empfänger (...) kein Ausgleich für gestiegene Strompreise (...) auf Video"

Ja, das gibt es irgendwo in der Mediathek bei den Öffentlich-Rechtlichen. Diesen sachlich gravierenden Fehler hat das Bundeskanzleramt nachträglich "eingeräumt", zog sich aber darauf zurück, dass der Fehler (natürlich) nicht bei Frau Merkel läge, sondern bei denen, die diese Informationen für das Interview vorbereitet hatten. Eine Entschuldigung wurde abgelehnt.

29 Juli, 2008 15:15  

Blogger Adger schrieb...

So, die Aussage hab ich schonmal gefunden (gelobet sei das Logfile):

"Im Arbeitslosengeld II haben wir die sogenannte Erstattung der Kosten der Unterkunft, wonach alle Heizkosten und Stromrechnungen voll erstattet werden." - Angela Merkel, im Juli 2008

29 Juli, 2008 15:20  

Blogger nec schrieb...

ich habe nicht gesagt, das es besser oder schlechter war. aber es ging auch.

das problem ist nunmal, das der wohlstand bei uns weiter wächst. aber auch die ansprüche. das kann man recht gut an den pkw preisen erkennen. die durchschnittlichen neuwagenpreise steigen von jahr zu jahr. aber jeder beklagt sich, das autos viel zu teuer sind.

das sind aber nicht die hersteller, die die bösen sind, sondern die verbraucher, die mehr extras drin haben wollen, etc. nen logan für 8700 Euro tuts doch auch. trotzdem fährt nicht jeder mit einem rum.

es kommt halt drauf an, was es jedem einzelnen wert ist.

29 Juli, 2008 15:25  

Blogger Adger schrieb...

Warum die Aussage falsch ist? Heizkosten werden nach aktueller Gesetzgebung nur dann übernommen, soweit sie "angemessen" sind - es bleibt offen, was "angemessen" ist und wer das an welchem Maßstab definiert. Die Kosten für Strom sind durch den Regelsatz abgedeckt. Es wird ein gewisser Bedarf zugestanden, der im "Geld pro Verbrauchseinheit" auf den Monatsbedarf umgelegt wurde. Ein Mehrbedarf ist genauso "Problem des Verbrauchers", wie ein Anstieg der Strompreise.

Die Aussage von Merkel stammt aus einem Interview mit der Bild am Sonntag.

29 Juli, 2008 15:30  

Blogger Adger schrieb...

"das problem ist nunmal, das der wohlstand bei uns weiter wächst. aber auch die ansprüche. das kann man recht gut an den pkw preisen erkennen."

Klar, am wachsenden Wohlstand muss eine Gesellschaft nicht als Ganzes teilhaben, da kann man sich schon mal von den nervigen Unterschichten trennen. Denken wir das mal weiter: Mit welcher Berechtigung darf der Pöbel überhaupt auf der von meinen Steuergeldern bezahlten Straße fahren? Wieso darf er überhaupt wählen, der von der Gnade lebt, dass ich ihm ein paar Krumen zuwerfe? Was bildet er sich ein Rechte zu fordern? Sei er froh sein erbärmliches Leben überhaupt fristen zu dürfen!

Merkst Du, wohin Deine Argumentation führt, necron?

29 Juli, 2008 15:36  

Blogger nec schrieb...

deine argumentation ist irreführend, da du nur einen teilausschnitt meiner aussage verwendest.

generell habe ich nicht in diskussion gestellt, was ein regelsatz, oder normalsatz, oder was auch immer sein soll.

der wohlstand ist generell gestiegen. immer mehr menschen durchbrechen diese "wohlstandsgrenze". und zwar nach oben.

vergleich unsere heutige welt mal bitte mit der vor 20, 50 oder 100 jahren. für dich geht es immer nur um das hier und jetzt.

ich hab schon einiges an leid gesehen, aber ganz bestimmt nicht in deutschland. uns geht es hier richtig gut. aber nörgeln können alle wie die grossen.

29 Juli, 2008 15:41  

Blogger Adger schrieb...

nec: "der wohlstand ist generell gestiegen. immer mehr menschen durchbrechen diese "wohlstandsgrenze". und zwar nach oben."

Die Anzahl der "geringfügig Beschäftigten" nimmt explosionsartig zu. Der "Vollzeitarbeitsplatz" wird zunehmend zugunsten von Zeitarbeitern (früher: "Tagelöhner") oder geringfügig Beschäftigten Abgeschafft. Die Anzahl der Menschen, die trotz mehrerer Jobs nur mit Mühe überleben können, war ein in Deutschland vor Kurzem unbekanntes Phänomen, ist heute "normaler Alltag". Die "verdeckte Arbeitslosigkeit" hat sich nicht positiv verändert, sondern verharrt nach wie vor auf demselben Niveau der 80er Jahre. Die Anzahl der von Sozialleistungen zumindest teilweise abhängigen Menschen insgesamt nimmt kontinuierlich zu, der Umfang der Leistungen jedoch nimmt im selben Maße ab. Der langfristige Lohnzuwachs liegt unterhalb der Teuerungsrate. Die Altersversorgung wurde spätestens seit den 1990er Jahren abgebaut und war de facto eine Rentenkürzung. Die Kosten für Lohnnebenleistungen (Krankenkasse etc.) sind gestiegen, der Leistungsumfang wurde jedoch reduziert und zu Lasten derer, die sich eine Vollversorgung nicht leisten können kontingentiert. Leistungen für den Einzelnen wurden und werden weiterhin zunehmend reduziert oder ganz abgeschafft (z. B. Pendlerpauschale, Wohnungsbauprämie). Die Steuern werden zwar nach und nach von direkten in indirekte Steuern überführt, der Steuersatz insgesamt jedoch nicht gesenkt, sondern erhöht. Warum wohl haben alle Parteien dem BVG-Urteil entgegengefiebert, in dem es darum ging, ob der Staat überhaupt mehr als 50% des Einkommens einbehalten darf? Du behauptest, dem Einzelnen ginge es besser, die Wohlstandsgrenze werde zunehmend durchbrochen. Das mag in einigen wenigen Fällen stimmen, allerdings steht den Wenigen eine große Zahl derer gegenüber, die komplett durch alle Netze hindurchfallen und eine neue Unterschicht bilden, die Deutschland so lange Zeit nicht kannte. Ob das der richtige Weg ist, Fortschritt gesellschaftlich zu gestalten, bezweifle ich mal.

29 Juli, 2008 16:05  

Anonymous Anonym schrieb...

wir bekommen mehr und mehr amerikanische verhältnisse. da sind 2,3 oder 4 jobs keine seltenheit. krankenversicherung? ja gibt es - privat. keine kohle, keine operation.
cu icke

29 Juli, 2008 16:55  

Anonymous arno schrieb...

wo der mann recht, hatter einfach recht.
schließlich trinkt man rotwein bei zimmertemperatur und das sind nunmal 16-18 grad...

29 Juli, 2008 20:36  

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