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Mittwoch, Januar 23, 2008

Preis des Wohlstands

Written by Adger
SchornsteinWir zahlen nicht genug für den Strom, den wir verbrauchen. Findet jedenfalls die EU. Darum wird in Deutschland jetzt richtig zugelangt. Die EU hat sich überlegt, dass Deutschland, das ja noch gar nichts gegen den Klimawandel tut, jetzt gefälligst mal zulegen darf. Alle 27 Mitgliedsstaaten der EU müssen sich in Sachen Klimaschutz anstrengen, aber da Deutschland nach Ansicht der Experten die Verpflichtungen ja aus der Portokasse zahlen kann, dürfen wir mal eben unsere Anstrengungen per Dekret verdoppeln. Der Anteil sogenannter "erneuerbarer Energien" am Verbrauch muss bis 2020 auf 18 Prozent verdoppelt werden, so der Beschluss der EU.

Die Kosten für die Wirtschaft sind wohl eher niedrig, die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze werden relativ gering sein, insgesamt wird man wirtschaftlich eine rote Null erwarten können, so sehen das jedenfalls die Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Allerdings soll der gleichzeitig der CO2-Ausstoß von Straßenverkehr, Privathaushalten, Landwirtschaft und Dienstleistungen um 14 Prozent gesenkt werden und der Emissionshandel für die Industrie verschärft werden. Damit will Brüssel den CO2-Ausstoß bis 2020 um ein Fünftel senken.

Die Vorschriften für die Industrie greifen besonders stark bei der Stromerzeugung ein. Die Preise für die Stromerzeugung werden mit Sicherheit steigen, da der CO2-Ausstoß reduziert werden muss und verstärkt erneuerbare Energien eingesetzt werden müssen. Das wird auf die Kunden abgewälzt. Man rechnet mit einem Anstieg von mindestens 10 bis 15 Prozent. Insgesamt werden die EU-Vorschriften das Bruttosozialprodukt Deutschlands mit ca. einem halben bis einem Prozentpunkt belasten.

Damit wird Deutschland insgesamt stärker belastet, als die übrigen Mitgliedsländer, aber das sei absolut legitim, so die EU, denn schließlich kann Deutschland angesichts seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit leicht stärkere Verpflichtungen übernehmen. Länder wie Polen oder Rumänien dürfen im Gegenzug ihren CO2-Ausstoß sogar noch steigern.

Wie war das noch? Wohin war Nokia gerade warum abgewandert? Wie viele Arbeitsplätze waren davon betroffen? Die Kosten für die Umsetzung dieser Vorschriften veranschlagt die EU mit drei bis sechs Euro pro Bürger pro Woche. Das sind dann pro Jahr für jeden Bürger zwischen knapp 150 und mehr als 300 Euro. Jetzt raten wir mal, wer diese Kosten tragen darf. Wir haben es ja.

Gleichzeitig ist den Wirtschaftsfachleuten auch klar, dass diese Vorschriften verschiedene Wirtschaftsbereiche unterschiedlich stark treffen werden. Die Produktion von Stahl, Aluminium oder Zement werden deutlich stärker getroffen, da hier besonders viel Energie verbraucht wird. In diesen Bereichen ist davon auszugehen, dass Unternehmen abwandern und Arbeitsplätze verloren gehen und die Emissionen dann im Ausland entstehen. Insgesamt sei es jedoch "ein kleiner Teil der Volkswirtschaft, der unter diese Probleme fällt" und deshalb dieses Problem zu vernachlässigen. Gibt ja genug Arbeitsplätze.

(Quelle: dpa, heute)

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2 Kommentare:

Anonymous Athalfain schrieb...

Und da soll sich noch einer wundern, wieso ich als Politikstudent von Politik und Politikern die Schnauze voll habe! *seufz*

23 Januar, 2008 19:10  

Anonymous BlaBlam schrieb...

ich glaube das problem sind weniger diese vorgaben, als die einstellung der großen energieversorger (allen voran e.on als quasi monopolist) und die üblichen lobbyisten aus der branche fosiler brennstoffe. es wäre wirtschaftlich durchaus möglich, den anteil erneuerbarer energien zu erhöhen, ohne die dabei entstehenden investitionskosten auf den verbraucher abzuwälzen. aber das will keiner, weil sich mit den bereits nutzbaren (fosilen) energieträgern doch schon prima geld drucken lässt - also warum geld in etwas neues investieren, was erst nach mehreren jahren gewinn abwirft? freiwillig macht das keiner, sondern nur, wenn man sich das geld dafür irgendwoher (meistens beim verbraucher) gleich besorgen kann...

23 Januar, 2008 23:46  

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